17. September

Rose September

Bald reichen Jahreszeiten einander die Hand
Im Herbst werden all die zurückliegenden Sommerwochen wohnen
Noch schweigen die Socken in den Schubladen
Spätsommerwochen, ein Wort, das sie mag
Als ob in diesen fünf Silben Dankbarkeit wohnt
und gleichzeitig die Bereitschaft loszulassen
Als zeige dieses Wort, wie schön und vergänglich das Leben ist
Ob die Katze zu ihren Füßen weiß, dass der Herbst naht?
Hört sie die Luft am Morgen davon sprechen?
Spinnfäden mischen sich mit dem Spiel der Septembersonne
Aus dem Nachbarhaus hört sie Klavierklänge
auch sie verklingen
Wärme legt sich auf ihre Haut
und Rosen blühen sich dem Leben entgegen

 

10. September

Kirche O

All die Beziehungen von gestern
leben in uns
Nur kurz sind wir Neugeborene
Ohne die Zahlen zu kennen
zählen wir Augen in die wir blicken
Wenn wir sterben
eines Tages
stirbt immer etwas von anderen mit

3. September

Bäume Himmel

Nimm dein Rad und fahre dem Leben entgegen.
Auf dem Gepäckträger ein Klappstuhl und dein Cello.
Dann findest du eine freie Stelle, die ist, als sei sie für dich gemacht.
Du klappst deinen Stuhl auf und holst dein Instrument heraus.
Aufsteigende Töne vermischen sich mit dem Nebel.
Du spielst für die Bäume und für dich,
für das Gras und die Schnecke.
Sie zeigt dir, wie machtvoll und groß die Langsamkeit ist,
während dein Bogen über die Saiten streicht.
Die Schnecke hört dir zu, sie kennte keine Eile.
Ihr Haus trägt sie mit und damit alles, was sie braucht.
Du weißt in diesem Moment, dass sie überall ankommen kann.
Wildgänse erscheinen, als tanzten sie zu deinen Klängen.
Jeder Ton hebt sich empor.
Auch die Musik lebt von den Pausen.
Geruhsamkeit spricht in dir, während kühle Luft deine Haut berührt.
Dein Atmen singt.
Langsam wird der Himmel blau.
Auch der Tag braucht seine Zeit zum Erwachen.
Und Ruhe malt Balsam auf deine Wunden.

 

27. August

Skulptur O

Sie mag den Nachklang der Ferienzeit.
Das Ankommen Zuhause.
Vom Schnurren der Katze begrüßen lassen.
Der erste Gang durch den Garten
und die Zimmer des Hauses neu erkunden.
Der sanfte Übergang zwischen Urlaub und Alltag.
Urlaubspost durchsehen, alle anderen Briefe noch ungeöffnet lassen.
Auch der Garten hat sich verändert.
Nie steht das Leben still.
Die Äpfel rot, die Blumen lila, der Klee weit.
Milde Sonnenstrahlen spüren.
Vertraute Geräusche aufnehmen,
Glockenklang, das entfernte Rufen einer Kuh und der Wind in der Kastanie.
Plätze im Haus für die gesammelten Souvenirs suchen
und an den fernen Ort und seine Gerüche denken.
Wir nehmen immer etwas mit.
Jeder Ort trägt seine eigene Melodie.
Hinhören. Nachspüren. Summen.
Dort wie hier.

20. August

Das Geräusch beim Öffnen eines Zeltes

Grillengezirpe

Das Klappern eines Würfelbecher von irgendwoher

Entfernte Gitarrenklänge

Leise Stimmen in einer fremden Sprache

Lachen

Das Zuschieben einer Bullytüre

Meeresrauschen beim Einschlafen und Aufwachen

Der Blick auf Picknickdecken

Hängematten zwischen Pinien

Lesende Menschen

Im Wind flatternde Wäsche

Lampions die im Dunkeln leuchten

Kleine Tische mit vier Stühlen drumherum

Ein kleiner Gaskocher

Gesammelte Muscheln auf Holzstämmen

Irgendwo eine Ameisenstraße

Einfachheit inmitten der Naturfülle

Reduziertes Leben

Kleiner Campingplatz im Wald

Mein 5-Sterne-Platz

13. August

Kennt nicht jeder diesen einen Ort, der ist, als sei er für uns gemacht.

Er spricht wortlos erwas Inneres in uns an, küsst uns und lädt uns zum Tanze ein, sanft und sehnsuchtsvoll.

Es gibt diese Orte, die uns zu besseren Menschen werden lassen.

Hier lernen wir das Wort Demut auf eine neue Art kennen.

Glockenklang, sanfter Wind und das Kennenlernen der Einheimischen. Du freust dich, wenn sie dich am Morgen begrüßen und dir zulachen, als seiest du eine von ihnen.

In der Nacht die Rufe des Käuzchens verstehen wollen. Am Tag mit dem zahnlosen Mann reden, der dir die weißen Deckchen zeigt, die seine Mutter gehäkelt hat. Du kannst nicht anders als eines zu kaufen, da du weißt, es wird dich an diesen Ort erinnern.

Am Abend auf einer Bank sitzen und dem Wellenklang des Meeres zuhören. Zwei Frauen auf der Bank nebenan hören, die eine jung, die andere alt und sehen, dass sie miteinander erzählen und lachen und dass sie das Leben lieben, zumindest in diesem Moment.

Es gibt diese Orte, die dich plötzlich an eine verstorbene Tante denken lassen, die viele schöne Kindheitserinnerungen schenkte.

Orte, an denen jeder alte Laternenpfahl, jeder von den Bewohnern hingestellte Stuhl, jeder Mauerstein und jedes einfallende Licht stimmt.

Orte, die dich vor Glück weinen lassen.

Orte von denen du weißt, dass sie dir bleiben.

Etüdensommerpausenintermezzo

… bei dem ich gerne mitmache.

Hier der Link zu Christianes Einladung https://wp.me/p4Z44p-1rg

Und nun meine Sommergeschichte:

Diese Insel empfängt sie wie ein zweites Zuhause. Vertraute Gerüche, Trockenmauern, Schafe, Gänsegeier, Steineichen, grün, mild, rau und schön.

Die Kirchturmspitze mit all ihren verblassenden Farben wacht über den Ort und strahlt Sicherheit aus. 50 Menschen bewohnen diesen Ort, ein Café, ein Supermarkt, ein Restaurant und eine Eisdiele. Dazu ein paar Bänke unter Pinien und Katzen, die in Hauseingängen schlafen oder sanft herumstreunen. Kein unnötiger Firlefanz, der Ort spricht reduziert. Als brauche er keinerlei Ablenkungsmanöver von sich selbst. Ganz von alleine lassen sich die inneren Fußfesseln abstreifen.

Schwalben sitzen auf Stromleitungen und putzen in der Nachmittagssonne ihr schwarz-weißes Federkleid, um dann erneut ihre Kunststücke beim Flug zu zeigen.

Der Ort schenkt Vertrautes sowie Unerwartetes. Aus halbgeöffneten Fenstern dringen Stimmen, Kochtöpfe und Radiogesang. Nirgendwo Verkaufsbuden mit Broschen, Ketten, Ohrringen oder Magneten. Nur Kinder, die hin und wieder am Brunnen des Ortes selbstbemalte Steine verkaufen. Und eine einheimische ältere Frau, die auf ihrer Bank vor dem Haus Salbeisirup, Honig und Öl anbietet. Manchmal erlaubt ein geöffnetes Fenster den Blick in eine andere Lebensweise und sie erblickt Holzstühle, ein Tisch mit einer rot-weiß karierten Decke, Trockensträuße und ein Biedermeierschänkchen, von dem die Farbe abblättert. Gebeugte Körper, die dort stehen und in einer für sie fremden Sprache Wörter miteinander teilen. Sie sah diese Körper in der Messe, die sie am Sonntag besuchte und hörte, wie die Einheimischen laut Kirchenlieder sangen, als trotzten sie allem. Stolz und melancholisch auf eine schöne Art, so fühlte sie ihren Gesang, als sie in der hinteren Kirchenbank saß und sich hiervon berühren ließ.

Sie sitzt im einzigen Café des Ortes, trinkt Cappuccino und blickt auf das türkis schimmernde Wasser. Wenn ihr Körper darin eintaucht, bestaunt sie die Welt, die sie dort findet und die so unerforscht ist. Seesterne, Krustenanemonen, bunt schillernde Fischschwärme, die beinahe endlos wirken und plötzlich ein einzelner Fisch, der vor ihr herschwimmt und den sie den Unterwasserkönig nennt. Alle Luxusprobleme hat sie dann längst hinter sich gelassen, sie schwimmt sich frei.

Der Ort ist umgeben von Bergen. Wanderwege laden ein erkundet zu werden und zeigen natürliche und geistige Schönheit. Jede Anstrengung wird von atemberaubenden Ausblicken belohnt.

Am Abend klingt leise Gitarrenmusik an ihr Ohr. Eine Frauenstimme singt. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Sie weiß, dass sie den Moment nicht festhalten kann und vielleicht macht ihn das so kostbar. Wie könnte sie für diesen Ort etwas anderes als Liebe empfinden?

6. August

Ziellos

Leben beobachten

Fremde Gebäude winken

zum Flug der Möwen

Im Schatten der Bäume sitzen

Der Geruch von Thymian

Nie versiegende Quelle

Beruhigung einatmen

Ankommen

30. Juli

Boot bunt A

Die schönsten Farben sind die
in denen wir leben
Manche Nächte fragen nach den Farben des Morgens
Gelbtupfer über den Tag verteilen
Es gibt mehr als schwarz weiß
Und mehr als grüne, blaue, braune Augen
Farblos schön was die Wolke zeigt
Ohne zu wissen, dass sie eine Wolke ist
Wenn es windstill ist
lässt die Welt sich anhalten
betrügen wir uns
Im Zug kommen Menschen einander näher
wenn etwas das Gewohnte durchbricht
Das Leben ähnelt dem Zug
Das ist das Traurig-Schöne an Beerdigungen
Alle deine Farben
Vielleicht mag ich deshalb das Rotkehlchen
Da es so rot ist
Sich dem Grauen widersetzt

 

23. Juli

Kirschbaum

Dem Tag Sahnehäubchen malen
Die Post im Briefkasten lassen
und Kirschkernweitspucken machen
Wie damals im Sommer als du zwölf warst
Der Tag ohne Gestern und Morgen
Verschieben ein Fremdwort
Deine Füße draußen
Die Eltern liebten sich
Es muss nicht alles gut sein
Dazu ist das Leben zu wahr
Doch lass uns hin und wieder hineinfallen
ins Leben
und Sahnehäubchen schmecken