5. November

Herbstlaub

Die Farben des Draußen laden ein
Blätterrascheln
Dorthin gehen wo Fragenzeichen wohnen
Und ein Stern am Tag sein
Sich was zusammenreimen
Herbstäpfel schmecken
Den Steinen nicht aus dem Weg gehen
Und der Katze folgen
Die Richtung wechseln
Papierflieger basteln
Sich krumm lachen, wenn kein Papier in der Manteltasche steckt
Und den höchsten Berg suchen
Beide Arme ausstrecken
Einen Satz in die Welt hinausrufen
Dem Geheimnis der Walnuss auf die Spur kommen
und die Letzte sein
die zum Abendbrot heim kommt

15. Oktober

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Kann ein Zufall stolpern?
Weiß die Walnuss, dass sie von Herbst spricht?
Wer ist dein rettender Engel?
Ist Suchen oder Finden schöner?
Kann die Stille in uns schreien?
Schaffe ich alles, was ich will?
Lässt sich jeder Gedanke bis zu Ende denken?

8. Oktober

Stühle Platz R

Komm, setz dich
eine Weile zu dir
Plätze sind überall zu finden
Zu jeder Jahreszeit weltweit
Steh nicht zu früh wieder auf
Vorbeiziehen lassen
das Leben um dich herum
Deine Nase dem Himmel entgegenstrecken
Einfach und unglaublich wirkungsvoll
Mücken tanzen lassen
Jeder Stopp durchbricht das allzu Gewohnte
Auch Züge halten gelegentlich an Bahnhöfen
Nur so erfüllen sie ihren Sinn

 

1. Oktober

Wald Sue

Nicht zu weich gebettet durchs Leben träumen
Nicht zu gesättigt die Nachrichten lesen
Den rebellischen Kern ausbuddeln
Lass uns empören
Teil der öffentlichen Meinung sein
Lass uns Geschichte mitschreiben
Und später zu den Enkeln sagen
Wir haben es nicht verschlafen

 

24. September

Haus Ef

Wir
wir leben und sterben
rucke die guh, rucke die guh
haben Mütter, Stiefmütter, Schwiegermütter
Blut ist im Schuh
Schwestern und Brüder
die Schlechten ins Kröpfchen
wir laden ein und essen
die Guten ins Töpfchen
Perlen und Edelsteine hängen oft zu hoch und sind zu teuer
Das erste Reis, das euch auf dem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab
Im Grunde vertraue ich allen
Bäumlein, Bäumlein rüttel dich
dabei bin ich einmal bestohlen worden
Wirf Gold und Silber über mich
die Polizei hilft nicht immer, habe ich entdeckt
der war wie angegossen
mein Lebenslauf ist drei Seiten lang
die führt er heim
das wichtigste steckt zwischen den Zeilen
und wenn sie nicht gestorben sind
ich habe schon mal über meine Beerdigung nachgedacht
dann leben sie
am liebsten möchte ich 100 werden oder 99
noch heute

 

17. September

Rose September

Bald reichen Jahreszeiten einander die Hand
Im Herbst werden all die zurückliegenden Sommerwochen wohnen
Noch schweigen die Socken in den Schubladen
Spätsommerwochen, ein Wort, das sie mag
Als ob in diesen fünf Silben Dankbarkeit wohnt
und gleichzeitig die Bereitschaft loszulassen
Als zeige dieses Wort, wie schön und vergänglich das Leben ist
Ob die Katze zu ihren Füßen weiß, dass der Herbst naht?
Hört sie die Luft am Morgen davon sprechen?
Spinnfäden mischen sich mit dem Spiel der Septembersonne
Aus dem Nachbarhaus hört sie Klavierklänge
auch sie verklingen
Wärme legt sich auf ihre Haut
und Rosen blühen sich dem Leben entgegen

 

10. September

Kirche O

All die Beziehungen von gestern
leben in uns
Nur kurz sind wir Neugeborene
Ohne die Zahlen zu kennen
zählen wir Augen in die wir blicken
Wenn wir sterben
eines Tages
stirbt immer etwas von anderen mit