ABC-Etüden 47/48.2019

Etüde 2019_4748_2_300

Erneut habe ich mich von den ABC-Etüden einladen lassen. Christiane stellt alle zwei Wochen drei Begriffe in ihren Blog, die in maximal 300 Wörter verpackt werden sollen. Die Worte stammen diesmal von Bernd http://www.redskiesoverparadise.wordpress.com und lauten: Unbehaustheit, schwermütig, haschen.

Hier meine Etüde dazu:

Der Herbst lädt ein, sich dem Inneren zuzuwenden. Während die Blätter bei jedem Windstoß tanzen, ruft etwas in uns danach, ruhige Schritte zu gehen. Wenn wir anhalten, spüren wir all das was um uns ist besonders klar. Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm und vorwärts, rückwärts, seitwärts, stopp. Jemand erfindet ein Lied und es klingt über Generationen hinweg.
Das Blau des Himmels trägt einen sanften Klang. Die kahler werdenden Äste sprechen von Vergänglichem. Kein Grund für Schwarz. Das Draußen zeigt es uns: Gelb, Grün, Orange und Rot in allen Schattierungen. Es ist, als habe sich der Malkasten in diese Zeit geschüttet. Manchmal geht Sattsehen nicht. Wenn wir nachts die Augen schließen, öffnen wir sie am nächsten Morgen, um die Farbpalette zu sehen, die sich gewandelt hat, kaum merklich.
Ein heruntergefallener Ast liegt schwermütig auf dem feuchten Gras im Park. Es braucht nur ein vorbeigehendes Kind, das ihn aufhebt und als Stock benutzt. Als Spazierstock, Pferd, Blätterdurchwirbler, alles ist möglich und die Fantasie ist frei.
Pilze und Flechten zeichnen Muster auf Äste. Die Welt lädt zum Hinsehen ein. Staunen ist alterslos. An den Jahreszeiten vorbeileben scheint unmöglich. Wir haben Hand, Fuß, Kopf, Bauch und Sinne, die vor allem.
Wiederkehrende Gefühle tauchen in dieser Zeit auf. Das Denken an Menschen, die in Unbehaustheit leben, hier oder anderswo, unsere Welt ist groß. Währenddessen ziehen wir die Mützen tiefer und wissen, dass wir gleich von der Wärme eines Zimmers empfangen werden. Von der eigenen Wärme abgeben, auch hier ist die Fantasie frei.
Der Herbst mag die Stille. Ein Vogelruf erinnert uns an den Sommer. Wir schauen hoch, als wollten wir mit ihm noch einmal das Gefühl des Sommers erhaschen. In jedem Herbst liegt der zurückliegende Sommer. Ohne Winter kein Frühling. Es ist einfach. Die Jahreszeiten reichen sich die Hand. Keine lebt für sich allein.