Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Sonntag und damit der letzte Buchmessentag. Auch heute war es bei strahlend blauem Himmel erneut ein gut besuchter Messetag.

Am Morgen ging ich zunächst noch einmal durch die Hallen. Dem rechten Verlag, der hier ausstellte, möchte ich keine Aufmerksamkeit schenken. Doch ich fragte die Büchergilde, die direkt gegenüber ihren Stand hatten, ob gegenüber viel los sei. Sie meinten, es sei überwiegend die gleiche Gruppe an Leuten dort zu finden. Die Büchergilde setzte gut lesbare Aussagen, klasse und wichtig, direkt vor Augen des rechten Verlags:

An dieser Stelle möchte ich meine Feststellung hier teilen, dass sehr viele Menschen hier auftraten, die sich gegen Rassismus einsetzten, das war deutlich spürbar und sichtbar.

Stände wie diese gehören für mich zu den Freuden der Buchmesse, Menschen, die mit Liebe ihre Kunst teilen. Hier seht ihr Anna Käse mit ihrem Stand „Kunst für Freunde“. Sie lässt mit einem alten Tiefdruckverfahren ihre Bilder entstehen, die oftmals mit Wort-Botschaften versehen sind und natürlich gab es bei ihr auch Bücher. Hier seht ihr Anna Käse an ihrem Stand, in der Hand hält die ein Bild zu ihrer Reihe der Maschinen, die bei Gefühlen helfen. „Der Hintergrund war, dass ich es so schade fand, dass uns die heutigen Maschinen fast ausschließlich bei materiellen Dingen helfen und meine Maschinen sollen uns bei emotionalen Problemen unterstützen. Wenn du zum Beispiel vergessen hast, was Glück ist, dann reicht dir die Maschine den Schlüssel zum Glück und zieht dich daran wieder nach oben.“ Auch erklärte sie mir die Technik hierzu: „Zusätzlich zu den handgemachten Kupferdruck sind die Bilder wirklich mit alten Metallstücken bedruckt, das sind alte Unterlegscheiben, Zahnräder, Schlüsselringe, die habe ich eingeschwärzt und dann nochmal im Hochdruckverfahren mit abgedruckt.“ Ein Stand, zum lange Stöbern.

Anna Käse – Kunst für Freunde:

Danach hörte ich Hannah Reuter zu, die zu ihrem Buch „Blind mit Kind- Episoden aus unserem Alltag“ erschienen beim Verlag w_orten & meer erzählte und daraus vorlas. Sie sagte, der Titel stelle das im Zentrum, was in ihrem Familienalltag gar nicht im Zentrum stehe, nämlich die Blindheit. „Ich bin nicht in erster Linie blind, ich bin Hannah, ich bin Mutter, ich bin Hundebesitzerin, Kaffeetrinkerin, Tango-Fan und noch einiges mehr. Ich bin natürlich auch blind, aber das schon seit Geburt und das macht das Ganze total normal.“ Da sie jedoch sehr häufig die Frage gestellt bekam, wie das eigentlich gehe, blind mit Kind, entstand die Idee, Kolumnen hierzu zu schreiben, die es nun in Buchform gibt. Eine tolle Lesung zu einer sehr sympathischen Frau.

Hier seht ihr links Toni Thonius vom Verlag w_orten & meer und rechts Hannah Reuter:

Nach der Lesung packten sie die Materialien zusammen, ihr Kind und ihr Assistenzhund waren auch dabei. Den zweiten Assistenzhund, den ihr seht, ist der einer Freundin, die Hannah Reuter auf der Messe begleitet hat. Dieses wie ich finde schöne Foto darf ich auch hier teilen:

Danach besuchte ich den Stand vom Verlag Hermann Schmidt, wo ich viele Schätze entdeckte, wie diese hier. Auch das sind Glücksmomente der Buchmesse, solch wunderbaren Bücher in den Händen zu halten, bei denen ich „Hach, ist das schön“ murmele und darin zu lesen (das untere linke ist ein Notizbuch, das darf selbst gefüllt werden):

Nach einem Aufenthalt in dem Innenhof, der Agora, ging es für mich zur Festhalle. Dort erlebte ich noch ein Teil des bereichernden Gesprächs „Süß oder sauer? Der Kampf um die Wut“ in der Reihe „SHEROES-Streiterinnen für die Zukunft“. Jagoda Marinić sprach mit Ann-Kristin Tlusty, die das Buch „Süss“ geschrieben hat und Nataly Amiri, die Iran-Korrespondentin vom ARD und Autorin des Buchs „Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran“.
Nataly Amiri sagte am Ende des Gesprächs: „Das ist mein Wunsch, dass wir nicht phlegmatisch werden und auf dem Sofa sitzen, die Demokratie ist sehr zerbrechlich und wir haben hier ein hohes und wertvolles Gut, Demokratie und Freiheit, das wir verlernt haben zu schätzen und für die sollten wir aufstehen und uns einsetzen.“

Von links nach rechts seht ihr Jagoda Marinic, Ann-Kristin Tlusty und Nataly Amiri:

Hiernach befragte Marion Kuchenny den Theaterregisseur Tobias Ginsberg zu seinem Buch „Die letzten Männer des Westens.“ Tobias Ginsberg hat sich ein Jahr lang undercover in antifeministische, rechtsgesinnte Männergruppen bewegt und dort recherchiert. „Wo liegt der Reiz des Extremismus?“ dieser Frage wollte er nachgehen. Tobias Ginsberg ist dafür, zu begreifen, was Angst macht, dann mache es keine Angst mehr, denn dann würde es greifbar. Er wollte begreifen, wie sie glauben, um sie dann greifen zu können. Er sagte, dass er glaube, dass „wir in unserer Gesellschaft viel erreichen können, doch wir dürfen uns nicht ausruhen, die Kräfte lauern an allen Ecken.“ 

Bärbel Schäfer war im Gespräch mit Dietrich Grönemeyer zu seinen Kinderbüchern „Der kleine Medicus“:

Liola Albus signierte ihr aktuelles Buch „Älter werde ich später!“:

Draußen war auch Ulrike Folkerts zu hören, die zugeschaltet war und über ihre Autobiographie „Ich muss raus“ erzählte:

Schönes und Typisches hier: Menschen, die lesen. Ich finde, ein Buch in den Händen ist doch viel schöner als ein Handy in den Händen.

Bücher können nicht nur gelesen werden, manchmal dienen sie auch als Kopfkissen:

(Danke den Beiden, dass ich die Bilder hier teilen darf.)

Auch die Aktion „Faires Lesen“ war ein Thema hier, denn Schreiben ist nicht umsonst. Im Netz findet ihr mehr Informationen hierzu:

Hier seht ihr Ingrid Brodning, die über ihr Buch „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online“ sprach. Sie gilt als Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in der digitalen Welt:

Die letzte Veranstaltung des Tages war die „GastRollen-Übergabe Kanada 2021 -Spanien 2022“. Diese Veranstaltung ist immer ein krönender Abschluss der Buchmessentage. Bei dieser Feierlichkeit wird das Gastland verabschiedet und das neue Gastland wird begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sprach mit dem kanadischen Schriftsteller Dany Laferrière (mittig im Bild) und dem spanischen Schrifsteller Manuel Vilas (rechts im Bild).
Es fielen viele wunderbare Sätze in dem schönen Gespräch. So sagte Dany Laferriere: „Es ist toll, dass es einen Ort des Buches gibt“ oder „Das große Geschenk des Buches ist die Ruhe.“ Zum Schreiben sagte er: „Man geht in eine Art Brunnen rein, man taucht ein und versucht ein Licht zu sein, das auch für andere scheint.“
Manuel Vilas äußerte sich: „Meine Literatur entsteht aus der großen Liebe zum Leben“ und „Das Leben hat ohne Liebe keinen Sinn“ und ein letzter seiner Sätze „Ich bin verliebt in das Leben, es ist ein großes Mysterium , alle, die wir hier sind, wir leben, das ist ein großes Wunder.“ :
Mich Satzsammlerin erfreuen solche Sätze sehr.

Auf dem nächste Foto seht ihr Juergen Boos, den Dirketor der Frankfurter Buchmesse, im Gespräch mit Caroline Fortin und María José Gálvez.
Carolin Fortin sagte zu ihren Erfahrungen als Gastland Kanada: „Wir haben gedacht, wir wollen die Menschen überraschen und wir haben uns auch selbst überrascht.“
María José Gálvez äußerte sich bezüglich des zukünftigen Gastlands Spaniens: „Wir möchten gerne zeigen, wie wir sind. Wir möchten uns zeigen als Land aber auch als Kultur und Literatur.“
Carolin Fortin bedankte sich bei ihrem ganzen kanadischen Team für diese intensive Zeit:

Und nun überreichte Kanada die traditionelle GastRolle an den neuen Ehrengast Spanien:

Großartige spanische Musik einer Brassband gab es auch:

Und hier noch zwei Abschlussbilder der Veranstaltung:

Noch ein paar Informationen, worauf die Frankfurter Buchmesse zurückblickt:
36.000 Fachbesucher*innen aus 105 Ländern und 37.500 Leser*innen aus 85 Ländern haben die diesjährige Frankfurter Buchmesse besucht und 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich hier.
Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte in seiner Rückschau: „Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen. Dies zeigt, wie resilient und kreativ unsere Branche ist. (…) Man konnte die Wiedersehensfreude in den Hallen förmlich spüren.“
Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, äußerte sich: „Die Frankfurter Buchmesse war geprägt von Wiedersehensfreude und Aufbruchsstimmung. (…) In aufgewühlten Zeiten standen auch wichtige gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir intensiv weiterführen müssen und werden – so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen in unserer Gesellschaft und auf Buchmessen.“

Wie ich oben bereits schrieb, fanden sehr viele Gespräche zu den Themen Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, Gendern und Meinungsfreiheit statt, das fiel sehr ins Gewicht. Auch das wichtige Thema Nachhaltigkeit war immer wieder erlebbar.
Das große Thema der Buchmesse war „Wir wollen wir Leben“, hierauf wurden viele reichhaltige Antworten geschenkt. Und wie bei allen guten Fragen und Antworten, laden diese auch zu weiteren Fragen und Überlegungen ein.

Was nicht fehlen darf, ist ein Danke an Rosa und Andy für all die vielen leckeren Tees, die ich – und viele andere Menschen – an ihrem Yogi-Tee-Stand in den letzten Tagen trinken durfte:

„Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse“, diesen Satz hörte ich hier einige male.
Ich blicke auf wunderbare intensive Buchmessen-Tage zurück, auf eine große Vielfalt an Gehörtem, Erlebtem, an berührenden Momenten und natürlich an Büchern.
Damit beende ich meine diesjährigen Berichte von der Frankfurter Buchmesse und sage,
es grüßt euch aus Frankfurt

Eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Heute ist bereits der 4. Tag der Frankfurter Buchmesse. Schon am Morgen war zu erleben, dass es nun am Wochenende deutlich voller ist und dass der Kartenverkauf für heute ausgeschöpft war. Das freut mich sehr für alle Aussteller*innen und die Buchbranche. Mehrmals hörte ich von den Mitarbeiter*innen an verschiedenen Ständen: „Das haben wir so vermisst. Es ist so schön, dass wieder viel los ist.“

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, in der die „SWR-Lesenswert“-Veranstaltung stattfand. „Es wird viel um Frauen gehen, um Paare und viel um Liebe“, so die Moderatorin Anja Höfer. Tolle Interviews zu tollen Büchern erlebte ich hier.
Diese Bücher wurden vorgestellt:
Florin Illies „Liebe in Zeiten des Hasses“
Pascal Hugues „Mädchenschule“
Nicole Seifert „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“, das Wort Frauen ist hierbei durchgestrichen
Hannah Lühmann „Auszeit“ und
Andreas Schwab „Zeit der Aussteiger. Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità“

Anja Brokert im Gespäch mit Florian Illies:

Anja Höfer im Gespräch mit Pascal Hugues (links im Bild) :

rechts Nicole Seifter:

links Hannah Lühmann:

rechts Andreas Schwab:

Jetzt führte mein Weg mich zu der Veranstaltung vom ELIF Verlag „Isländsiche Lyrik mit Wolfgang Schiffer.“ Wolfgang kenne ich seit einigen Jahren über den Blog und es war schön, dass wir uns nun vor Ort begegnen konnten. Mit dem Verleger Dincer Gücyeter, stellte er wunderbare isländische Gedichtbände vor und Wolfgang las daraus vor. So hörten wir Auszüge aus dem Gedichtband „Das Kleingedruckte“ von Linda Vilhjálmsdóttir und aus „Lederjackenwetter“ von Frída Ísberg. Ein sehr schöner Moment der Buchmesse war es, diesen Gedichten zu lauschen. Ich wusste beim Zuhören der Worte, dass ich mir diesen Gedichtband gleich am Stand kaufen möchte. Wolfgang Schiffer hat auch Gedichte aus Island eingelesen, die vertont wurden „Das Alphabet des Feuers“. Nächstes Jahr, so stellte er vor, wird es einen „Poesiebrief“ geben, auf den ich mich nun schon freue. Eine Besucherin sagte am ELIF Stand zu Wolfgang: „Sie sind meine Entdeckung der Buchmesse!“ Was ein wunderbares Kompliment für den ELIF Verlag. Um zwei Bücher reicher ging es, nach einem angenehmen Gespräch mit Wolfgang, weiter.

Bei der Lesung:
links Wolfgang Schiffer, rechts Dincer Gücyeter:

Und am ELIF Stand:

Es gibt viele kleine und große Verlage hier und ich bin mir bewusst, dass ich viele sicherlich wundervolle Verlage gar nicht wahrnehme. Da reichen selbst mehrere Messetage nicht, um all das Vorhandene zu entdecken. Auch das gehört zur Buchmesse, dass nicht alle Schätze wahrgenommen werden können.

Erneut erlebte ich Samira El Quassil und Karig Friedemann, die in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung der Frage nachgingen, wie groß die Macht der Geschichten ist und wie Narrative die Welt prägen. Ihr Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen“ zeigt den großen Einfluss, den Geschichten haben, sie behandeln darin das Patriarchat bis zur Klimakrise. „Man kann nicht nicht Geschichten erzählen, um so wichtiger, dass wir uns gewahr werden, was wir machen“, so Samira El Quassil. Es ging auch um den Begriff „Klimawandel“ während des sehr interessanten Gesprächs, dass dieser Begriff die Klimakrise verharmlose und wie bedeutsam es sei, dass wir immer schauen, wer welchen Begriff warum benutze. In ihrem Buch fordern sie „Mut zu mehr Phantasie und Mut zu utopischem Denken.“


Der Innenhof der Buchmesse, die Agora, lädt mich immer wieder ein:

Hier seht ihr Marc Elsberg, den Autor des Bestsellers „Blackout. Morgen ist es zu spät“. Nun gibt es eine Premiumausgabe des Thrillers mit einer  Kurzgeschichte von Marc Elsberg wie es weitergehen wird mit der Geschichte und anderen Extras, wie Materialen zur Verfilmung der Serie:

Lange Schlangen vor der Signierbox waren heute vorhanden:

Hier ein Bild von der Veranstaltung „Brauchen wir noch Politikbücher?“, deren Ende ich mitbekam. Ihr seht Sarah Wagenknecht und die Verlegerin Britta Egetmeier (rechts) im Gespräch mit der Spiegel-Moderatorin Susanne Beyer (links):

Danach besuchte ich die Veranstaltung „Frauen in der Literatur – nicht mehr zu übersehen!“ mit Nicole Seifert („FrauenLiteratur“, erinnert ihr euch, das Buch, bei dem Frauen durchgestrichen ist) und Simone Buchholz (die Autorin der „Chastity-Riley-Kriminalromane“) und den Moderatorinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler. Eines der Themen in der Diskussion war der Blick auf die Literatur, die in der Schule besprochen wird. Dieser Literaturkanon zeige sich noch immer sehr männerlastig. „Wo sollen wir denn anfangen, wenn nicht in der Schule? Ich würde mir wünschen, dass da einmal mit einem ganz großen Besen gekehrt werden kann, damit das schneller geht.“, so Simone Buchholz.

Angela Wittmann, Nicole Seifert, Simone Buchholz, Meike Schnitzer (von links nach rechts):

Was gibt es hier noch zu sehen? Natürlich lesende Menschen. Netterweise durfte ich die beiden fotografieren und darf es hier teilen, zeigt es doch so schön die Lesefreude:

Morgens sehen wir uns am Frühstücksbüffet des Hotels und nachmittags besuchte ich ihren Stand: Kerstin Groeper (die Verlegerin und Schriftstellerin) und Katharina Schacht (One Spirit DL e.V.) am TraumFänger Verlag, ein Verlag zum Thema Indianistik. Schon bei den morgendlichen Gesprächen konnte ich ihre große Leidenschaft für diese Thematik entdecken.

Die Verlegerin Kerstin Groeper rechts im Bild und links Katharina Schacht:

Ich schreibe meinen Buchmessenbericht hier vor Ort auf der Buchmesse selbst, mal ziehe ich mich dazu in den ruhigen Pressebereich zurück, mal sitze ich in der Festhalle oder sitze draußen und schreibe.
Irgendwann schließen die Türen und wir – ja, wir, denn mein Mann ist inzwischen auch hier – wollten bis zur Abendveranstaltung noch hinaus. Doch dann blieben wir am Podcast Stand, dem detektor.fm, der der offizieller Podcast-Partner der Frankfurter Buchmesse ist. In den letzten Tagen habe ich bereits mehrmals den Gesprächen dort live zugehört. Nun moderierten sie gerade ihre Abschlussrunde des heutigen Tages, die Nachbarstände und Gänge waren bereits leer. Alle Mitarbeiter*innen kamen hierzu zusammen und erzählten ihre schlimmsten und schönsten Messeerlebnisse im Podcast. Es war ein Genuss, zuzuhören.

Und nach dem offiziellen Ende des Podcasts ließen sie die tolle Musik noch weiterlaufen und es gab zum Abschluss eine Tanzsequenz. Ich darf das Foto hier teilen:

Auch das war ein Glücksmoment pur für mich, dort – in dem nun sehr leeren Forum – zu tanzen, denn das machte ich. Bücher und Tanzen, zwei Dinge, die ich so sehr mag und die alles andere als Dinge sind. Sagte ich schon mal, wie sehr ich die Buchmesse liebe?

Abends ging es dann zur letzten Veranstaltung des Tages, der ZEIT-Literaturtalk. Volker Weidemann war im Gespräch mit Jenny Erpenbeck „Kairos“ und Julia Franck „Welten auseinander“. Feinsinnige Gespräche zu den Büchern, zu dem Werdegang der Autorinnen und ihrem Schreiben konnten wir hier erleben.

Volker Weidemann, Jenny Erpenbeck und Julia Franck:

Auf die Frage, was Jenny Erpenbecks glücklichster Moment in ihrem Buch „Kairos“ ist, nannte sie „die Begegnung der beiden Hauptfiguren, es ist Liebe auf den ersten Blick und alle anderen Augenblicke, die kommen, werden an diesem ersten Augenblick gemessen, den Augenblick des Zusammentreffens.“ Alles im Leben der beiden Hauptfiguren, die junge Katharina und den wesentlichen älteren, verheirateten Hans, verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Von Jenny Erpenbeck fiel auch der Satz: „Geheimnisse hinterlassen Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, dass Dinge, die verschwiegen werden genauso viel Gewicht haben wie Dinge, die erzählt werden.“

Julia Francks „Welten auseinander“ ist ein sehr persönliches und ehrliches Buch. Julia Franck schreibt über ihr Aufwachsen, über eine Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, über eine frühe Flucht aus der DDR, sie schreibt über ihre große Liebe und über Schmerz und Tod. „Beim Schreiben vergegenwärtigen wir Dinge, die nicht verloren gehen sollen.“, so Julia Franck mit ihrer besonnenen und ummantelnden Stimme, der ich sehr gerne zuhöre.

Später wurde Elif Shafak aus London zugeschaltet. Elif Shafak ist eine türkische Schriftstellerin, die in ihren Büchern oft ein Sprachrohr ist für Menschen, die nicht gehört werden.

In ihrem aktuellen Buch „Das Flüstern der Feigenbäume“ lässt sie einen Baum sprechen. Es geht um das geteilte Zypern, über einen Feigenbaum, der sprechen kann und ins Exil geht und um eine Liebesgeschichte. Ihr Buch feiert die Diversität, die Liebe, das Leben, so Elif Shafak. Im Gespräch erzählte sie, dass Bäume und Achtsamkeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben höre sie, so erzählte sie, Heavy Metal, am liebsten immer wieder das gleiche Lied.
Alle drei vorgestellten Bücher sind in meinen Augen sehr lesenswert und meine Liste, der noch zu lesenden Büchern, hat sich abermals vergrößert.

Somit geht ein weiterer wunderbarere Buchmessentag zu Ende und es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3

Heute ist der 3. Tag der Frankfurter Buchmesse und ab Mittag wurden die Türen für das Privatpublikum geöffnet.

Mein erster Besuch am Morgen ging zum Pressegespräch mit Tsitsi Dangarembga, bei dem „wir Medienvertreter*innen“ Fragen stellen konnten. Tsitsi Dangarembga erhält Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie ist eine Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe und eine wichtige Künstlerin ihres Landes sowie eine bedeutsame Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur. Tsitsi Dangarembga beschäftigt sich in ihren Romanen mit dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Sie setzt sich für Freiheitsrechte ein. Ihr Wirken geht über das in ihrem Land hinaus.

Auch später erlebte ich sie noch in einem Gespräch. Hier sind auch ihre Bücher sichtbar:

Am Morgen war es in den Hallen noch leer und ich stöberte durch eine weitere Halle.
Auch Polizisten hatten Interesse an der Gutenberg-Ausstellung und haben und sich die Buchpresse erklären lassen:

Dieses Internationale, das hier auf der Buchmesse zu finden ist, mag ich sehr. So klingen den ganzen Tag vielfältige Sprachen an mein Ohr. Auch in den Hallen der internationalen Aussteller ist diese Vielfalt erlebbar. Viele schöne Stände gibt es hier zu entdecken und ich wünschte, ich könnte mehr Sprachen sprechen, um viele dieser Bücher lesen zu können. Gerne teile ich einige Eindrücke von dort.

Hier seht ihr den slowenischen Stand:

Der Stand von Kolumbien:

Hier präsentiert sich Pakistan:

Bei diesem Stand von Taiwan, der wie eine Küche gestaltet ist, dachte ich, wie passend, sind doch Bücher Nahrung für die Seele:

Der fröhliche indische Stand:

In dieser Halle ließ ich mir viel Zeit und wünsche ihm viel Publikum.

Ecken zum Entspannen sind immer wieder auf dem Messegelände eingebaut:

Auch draußen lassen sich immer wieder Pausen einbauen und zwischendurch werde auch mal ich fotografiert:

Hier seht ihr Jagoda Marinic im Gespräch mit Svenja Faßpöhler („Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“) und Dilek Güngor („Vater und ich“):

Bei diesem und sehr vielen der hier stattfindenden Gespräche ging und geht es auch um das Thema Rassismus. Die Autorin Jasmina Kuhnke („Schwarzes Herz“ heißt ihr aktuelles Buch) hat ihren Besuch der Frankfurter Buchmesse aufgrund von Bedrohungen seitens der rechten Szene abgesagt.
Bei der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag sagte Juergen Boos dazu, dass ein rechtsgesinnter Verlag hier ausstellt: „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist.“ 
Bei den Diskussionen um dieses Thema höre ich unterschiedliche Stellungnahmen, viele können die Reaktion von Jasmina Kuhnke und anderen Schriftsteller*innen, die sich ihr angeschlossen haben, verstehen, viele andere betonen jedoch, dass sie es wichtig finden, hier zu sein, da Worte eine Kraft haben und sie diese Kraft nutzen möchten und gerade nun Präsenz zeigen wollen. Einander zuhören und darüber diskutieren, das erlebe ich hier.

Nun zu Harald Welzer, der im Gespräch zu seinem neuen Buch „Ankommen. Ein Nachlass auf mich selbst“ war. Dieses sicherlich sehr lesenswerte Buch lässt sich in drei Bereiche aufteilen: Im ersten Teil hält Harald Welzer eine Brandrede zum Klimathema, im zweiten Teil sind Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten aufgeschrieben und im dritten Teil schreibt er einen Nachruf auf sich selbst. „Was möchte ich, was in meinem Nachruf stehen könnte? Worauf möchte ich am Lebensende zurückblicken?“, diese guten Fragen stellte Harald Welzer zu seiner Idee des Nachrufs. Diesee Nachruf soll nicht als wirklicher Nachruf verstanden werden, sondern diene der Reflexion des eigenen Lebens. Ich finde, das regt zum Nachmachen an.
In Harald Welzers Nachruf soll etwa stehen „Er hat sich stets bemüht, gute Fehler zu machen“ und „Er konnte gut Zeit verschwenden.“ Sätze, die ich mag.

Hiernach erlebte ich Sven Regener, der sein Buch „Glitterschnitter“ vorstellte. Er las – mit einer sehr lebendigen und mitnehmenden Stimme – eine Szene aus seinem Buch vor, die in Ikea spielt und äußerst amüsant war.

Bülant Ceylan sprach zu seinem Buch „Ankommen. Aber wo eigentlich?“ Ein Buch, das er als Liebeserklärung an seine Frau und an seine Eltern beschrieb. Natürlich tauchten auch viele amüsante Sätze auf, wie: „Angela und Fritz heißen meine Geschwister, die Leute lachen immer, aber es ist wirklich wahr.“

Teile des Podcast-Gespräch mit Friedemann Karig und Samira El Quassil, die das Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben verändern“ geschrieben haben, konnte ich hören.

Hier ein Bild des Podcast-Gesprächs mit Mohamed Amjahid, der das Buch „Der weiße Fleck“ geschrieben hat:

In der Signierbox entdeckte ich Ursula Poznanski. Ihr aktueller Jugendroman „Shelter“ klingt sehr interessant. Ihre Erebosbücher fand ich so mitnehmend und spannend, dass ich sie kaum weglegen konnte.

Im Kanada Pavillon erlebte ich abermals die Künstlerin Vivek Shraya mit einer tollen Performance:

Auch diese gute Aussage teile ich gerne hier:

Am Abend fand die große ARD-Buchmessennacht statt. 15 Autor*innen wurden von Alf Mentzer und Catherine Mund interviewt und stellten ihre neuen Bücher vor. Ein sehr vielseitiger Abend mit:
Marina Weisband „Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen von ihrem Leben“
Eva Menasse „Dunkelblau“
Sönke Wortmann „Es gilt das gesprochene Wort“
Antje Ravik Strubel „Blaue Frau“
Svenja Flaßpöhler „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“
Stefan Aust „Xi Jinping“
Sven Regener „Glitterschnitter“
Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschikv „Mitte“
Johanna Adorján „Ciao“
Armin Nassehi „Unbehagen“
Lukas Rietzschel „Raumfahrer“
John von Düffel „Die Wütenden und die Schuldigen“,
Helen Macdonald „Abendflüge“
Klaus Pohl „Sein oder Nicht Sein“
Bülent Ceylan „Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“

Hier einige Bilder des Abends:

Catherine Mund (links) und Marina Weisband (rechts):

Alf Mentzer (links) und Sönke Wortmann (rechts):

Volker Kutscher und Kat Menschikv:

John von Düffel:

Helen Mcdonald:

Klaus Pohl:

Sönke Wortmann schenkte an dem Abend den Satz: „Worte können die Welt besser machen.“
Bülant Ceylan las zwischen den Interviews immer wieder aus seinem Buch vor und las seinen guten Satz: „Jeder von uns kann seinen Teil zu einer offenen, respektvollen und toleranten Gesellschaft beitragen.“
Einen weiteren Satz von Bülant Ceylan teile ich hier gerne:“ Es ist schön, wieder Lachen zu hören, letztes Jahr habe ich nur vor Autos gespielt. Ich denke immer, hier sitzen Pappkartons.“
Zum Glück war und ist hier viel Echtheit, Lachen, Tiefe, Gespräche, Diskussionen und viel Lebendigkeit.

Es grüßt euch aus Frankfurt zu später Stunde,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Der 2. Buchmessentag begann für mich mit einem erneuten Rundgang in den Kanada Pavillon, der wieder Wohltat schenkte und wie ein Eintauchen in eine andere Welt ist. Ich hörte diesmal ausgiebiger den virtuellen Sprecher*innen zu, die große Lust auf die kanadische Literatur machen.

Danach ging ich zu THE ARTS+, wo es Kreatives in angenehmer Atmosphäre zu erleben gibt.

So genoss ich dort die virtuelle Ausstellung und die Stimme und Poesie von „Leonard Cohen: A Crack in Everything“.

Dann fand die Pressekonferenz zum Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse 2022 Spanien statt, das unter dem Motto „Sprudelnde Kreativität“ steht. Eine schöne Vorstellung des nächsten Gastlands konnten wir hier erleben. In einer der Reden sagte der spanische Minister Miquel Iceta Llorenz diesen wie ich finde wahren Satz: „Die Zeit, die wir beim Lesen verbringen ist nie verloren.“ Der 18-jährige Mario Obrero las Gedichte vor und schenkte den schönen Satz: „Literatur und Poesie sind immer eine Sprache der Würde.“ Hier ein Abschlussbild dieser Pressekonferenz:

Das Buch „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber habe ich vor Kurzem gelesen und war sehr angetan von diesem Roman. So freute ich mich auf darauf, dass diese Autorin, deren Erzählsprache ich sehr mag, nun auf dem Blauen Sofa zu erleben war. Im Interview mit der Moderatorin Katty Salié zeigte Jasmin Schreiber sich sehr sympathisch, natürlich und beschwingt und damit mag ich nicht nur ihre Bücher sondern auch ihre Art. Ihr aktuelles Buch „Mauersegler“ steht nun auch auf meiner Wunschliste. Ein Buch, in dem es um eine innige Freundschaft,  einen plötzlichen Tod und um Vergebung geht.

Hiernach war Peter Wohlleben auf dem Blauen Sofa zu erleben. Sein neues Buch „Der lange Atem der Bäume“ nimmt den Klimawandel in den Fokus und, so Peter Wohlleben, „wieviel wir von den Bäumen lernen können“. Er machte deutlich, dass es viel wichtiger ist, den bestehenden Wald zu erhalten als neue Bäume anzupflanzen. Gut und passend finde ich zudem, dass sein Buch auf Recyclingpapier gedruckt ist.

Das nächste Interview auf dem Blauen Sofa hatte ich gar nicht geplant, doch nach den ersten Sätzen, die ich beim Zusammenpacken mitbekam, blieb ich sitzen und hörte dem interessanten Interview zu. Isabell Beer erzählt in ihrem Buch „Bis einer stirbt. Drogenszene Internet“ die wahre Geschichte von Leyla und Josh. Es ist eine Reportage über zwei Jugendliche, die beim Experimentieren mit Drogen die Kontrolle verlieren. Eindrücklich beschreibt sie in ihrem Buch, wie sich die Szene seit Christiane F. vom Bahnhof Zoo auf das Internet verschoben hat.

Anschließend ging ich durch die Hallen, in denen es viel zu entdecken gibt.

Am Werkhaus Verlag:

Der Katapult Verlag, den ich mag:

Im Vorbeigehen sind auch Prominente zu sehen, wie hier Roland Kaiser. Ihr seht, die Messe ist vielseitig:

Eines meiner Lieblingsbücher entdeckte ich auch:

Draußen gibt es den Bus der Stadtbücherei:

An der Veranstaltung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2021“ nahm ich gerne teil. Auf diese Preisverleihung freue ich mich jedes Jahr. Der Preis wird von den unabhängigen Buchhandlungen verliehen und damit, so die Moderatorin Wibke Ladwig „werden die Bücher der Herzen gekrönt.“ Die beteiligten Buchhandlungen nominieren die Bücher, die ihre Kunden lesen und lieben. Alle nominierten Bücher wurden vorgestellt von Wibke Ladwig und Florian Valerius, der Buchhändler und zudem der bekannteste Buchblogger Deutschlands ist.

All diese Bücher, die ihr hier seht, klingen sehr lesenswert. Der Preis  ging schließlich an „Der große Sommer“ von Edwald Arenz.

Hier seht ihr Matthias Schmidt im Gespräch mit Andreas Wolfers. Sie stellten das Buch „Allein zwischen Himmel und Erde“ von Boris Hermann vor, das er gemeinsam mit Andreas Wolfers geschrieben hat. Boris Hermann ist derjenige, der mit Greta Thunberg zum UN- Klimagipfel über den Atlantik gesegelt ist, auch hierüber wurde in dem Interview erzählt. In dem Buch beschreibt Boris Hermann seine Erlebnisse bei der Vendée Globe, der berühmtesten und härtesten Regatta der Welt. Er schildert seine Gefühle, alle Höhen und Tiefen, die er in 80 Tagen allein auf dem Meer erlebt hat. Auch dies ist ein Buch, das ich lesen möchte. Boris Hermann setzt sich sehr für den Schutz der Meere und für die Umwelt ein, auch aus diesem Grund hatte Greta Thunberg sich für ihre Reise für ihn als Begleitung entschieden.

Danach hörte ich dem Gespräch zwischen Bärbel Schäfer und Carolin Kebekus zu. In ihrem Buch „Es kann nur eine geben“ geht es Carolin Kebekus um mehr Solidarität unter den Frauen. Sie kritisiert den Konkurrenzkampf und plädiert dafür, dass sich jede Frau in ihrer Eigenart zeigt. In ihrem Buch hat sie 19 Seiten lang Kolleginnen aufgelistet und zeigt damit, dass es ihr um ein Miteinander geht. „Wenn wir gegenseitig dafür sorgen, dass wir andere Frauen sichtbar machen, dann sieht man unsere Vielfalt, denn wir kommen in allen Farben und Formen vor.“ , so einer ihrer auftauchenden Sätze in dem Gespräch, das auch mit dieser wichtigen Thematik, humorvoll war.

Hier seht ihr das Pressezentrum, ein Rückzugsort, um in Ruhe von der Buchmesse berichten zu können:

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zu der „hr2-Hörbuchnacht“. Ein vielfältiger Ausschnitt aus der Hörspielwelt war zu erleben mit Gesprächen zu den Werken. Elke Heidenreich erzählte zu ihrem Hörspiel und Buch „Hier geht’s lang.“ Sie schenkte den schönen Satz: „Ich glaube, ein Buch, das man mal von ganzem Herzen geliebt hat, an das kann man sich immer erinnern.“

Ausschnitte aus „Jahrhundertstimmen“, ein Werk, in dem deutsche Stimmen von 1900 bis 1945 gesammelt sind, wurde auch vorgestellt. So hörte ich die Originalstimmen von Albert Einstein und Thomas Mann an diesem Abend. „Über den Dächern von Nizza“ und „Mischpoke“, weitere Neuerscheinungen, wurden ebenso vorgestellt. Zudem wurde das Hörbuch „Saal 101“ ausgezeichnet.

Ein Buchmessentag, der wieder Lesefreude, viele gute Bücher, Gedanken und Begegnungen schenkte. Nicht nur Sätze, die in den Interviews und aus den vorgelesen Büchern auftauchen, sprechen mich an, sondern auch Sätze wie der einer Frau, die heute Abend hinter mir saß und mit der ich ins Gespräch kam und Visitenkarte austauschte. „Wenn Sie mal etwas brauchen, dann melden Sie sich, ich bin ein offener Mensch und helfe gerne, wenn etwas ist.“ Auch solche schönen Sätze nimmt mein Inneres dankbar auf.

Es grüßt euch aus der Buchmessenstadt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der erste offizielle Buchmessentag für das Fachpublikum.

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, dort sprach Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse mit den kanadischen Autoren Kim Thuy und Michel Jean. In dem schönen und humorvollen Gespräch wurde die Vielfalt Kanadas deutlich und die Magie, die Bücher besitzen.

Bücher, die zum Entdecken einladen, gibt es auch in der Festhalle:

Draußen probierte ich den Loop aus, eine Licht- und Soundinstallation zu literarischen Werken aus Quebec.

Danach ging ich zum Blauen Sofa in einer der Hallen, deren Gänge noch leer waren.

Hier sprach die Moderatorin Wiebke Poromlka mit der frisch gekürten Buchpreisträgerin Antje Rávik Strubel über ihr Buch „Die blaue Frau“, das Montag als bester deutschsprachiger Roman des Jahres ausgezeichnet wurde. Es geht um eine widerspenstige junge Frau, die auf der Flucht vor ihren Erinnerungen an erlebte sexuelle Gewalt ist. „Der Roman vermag Sprachlosigkeit zu überwinden.“, beschrieb die Moderatorin. „Es ist eine poetische Gerechtigkeit, wenn es schon sonst keine Gerechtigkeit gibt.“, so Antje Rávik Strubel in dem Gespräch.

Der Moderator René Aguigah ist hier im Gespräch mit dem Historiker und Schriftsteller Per Leo zu seinem Buch „Tränen ohne Trauern. Nach der Erinnerungskultur“ zu sehen:

Und hier seht ihr den Bestsellerautor Arno Strobel, der zu seinem Psyhothriller Sharing interviewt wurde:

Danach hörte ich Thomas Gsella zu, in dessen Gedichten Humor und Tiefe wohnen. „Ich zahl’s euch reim! Neue politische Gedichte“ steht nun auf meiner Wunschliste. Auch im Interview mit Andreas Schäfer vom Verlag Antje Kunstmann zeigte er viel Humor.

Die Stände luden zum Stöbern ein.

Dieses wunderschöne Bilderbuch hat sofort mein Herz erobert:

Eine Seite daraus:

Nun ging es wieder zur Festhalle und ich hörte dem tollen Gespräch zwischen der Moderatorin Jagoda Marinic und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyzen-Kim zu im Rahmen der Reihe „Sheroes – Streiterinnen für die Zukunft“. „Es gibt eine Diskussionsklimakrise neben der Klimakrise“, sagte Mai Thi Nguyzen-Kim zu dem sprachlichen Umgang in den sozialen Medien. Ihre große Freude an der Wissenschaft war deutlich zu sehen und zu spüren und ist ansteckend. „Man erklärt sich die Welt nicht weg, man macht sie sich immer wunderbarer.“, so eine ihrer Antworten.

Weiter ging es für mich durch die Gänge.

Ein besonderer Genuss ist es immer wieder, an den künstlerischen Ständen zu verweilen und mit Ausstellerinnen zu reden, die ich jedes Jahr hier treffe.

Hier sehr ihr Petra Lorenz von der edition-leuchtkäfer. Sie zeigt, wie schön und kostbar die „einfachen Dinge“ sind.

Diese Wunschmaschine finde ich  klasse:

Danach hörte ein Teil des Gesprächs zwischen der Moderatorin Bärbel Schäfer und der Schriftstellerin Eva Menasse zu, zu ihrem Roman „Dunkelblau“:

Selfies sind auch bei Moderatorinnen beliebt, wie ihr seht:

Den guten und wichtigen Aussagen von Harald Lesch hörte ich zu, der über sein Buch „Erneuerbare Energien“ sprach. Ein Buch, von dem ich mir wünsche, dass es auch von den Politikerinnen und Politikern gelesen und beachtet wird.

Anschließend konnte ich noch ein Teil des guten Gesprächs „Gendern – Wie Sprache elegant für alle gelingt“ zuhören. Ihr seht hier Kathrin Kunkel-Razum vom Dudenverlag, die Fernsehjournalistin Petra Gerster, Bernward Loheide von der dpa und Constanze Neumann vom Aufbau Verlag.

Draußen machte ich Pausen. Auch hier ist es leerer als sonst. Das Yogi-Zelt vermisse ich, doch zumindest gibt es den beliebten Yogi-Tee-Stand in der Festhalle. Frankfurter Buchmesse und Yogi-Tee gehören einfach zusammen.

Ein nächstes gutes Interview hörte ich, bei dem der Moderator Joachim Dicks die Autorin Alina Bronsky zu ihrem Buch „Barbara stirbt nicht“ und den Autor Ralph Bollmann „Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Zeit“ interviewte. Alinas Bronskys Buch wurde als Buch mit Wärme, Humor und Perspektive beschrieben. Ich hörte dem Vorlesen einzelner Seiten sehr gerne zu und auch dieses Buch kommt auf meine Wunschliste.

Abends fand die Veranstaltung Canada Night statt. Eine Veranstaltung mit wundervoller Musik, Tanz, Literatur und Diskussionen. Hier einige Eindrücke des Abends:

Dieser Abend schenkte einen bereichernden Blick auf Kanada. Die Diversität, die vielen Künste und die Schönheit Kanadas war spür- und erlebbar. „Vielfalt ist da“, sagte Vivek Shraya und diesen schönen Gedanken nehme ich mit. Beim Rausgehen gab es noch diese feine kanadische Überraschungstüte, die ich ebenso gerne mitnehme.

Es grüßt euch aus Frankfurt, mit vielen Eindrücken, Marion

Frankfurter Buchmesse 5. Tag

Meine erste Veranstaltung an diesem Sonntag und damit dem letzten Messetag führt mich zu Denis Scheck „Druckfrisch“, bei dem ich wieder Neuerscheinungen des Buchmarkts kennen lernen konnte. Einige dieser Neuerscheinungen, die er temporeich vorstellte, teile ich hier:

„Feuer der Freiheit – Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943“ von Wolfram Eilenberger ist ein Buch, in dem der Autor die Lebenswege der einflussreichen Philosophinnen Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Any Rand und Simone Weil schildert.

Das Buch „Herz Faden – Roman der Augsburger Puppenkiste“ von Thomas Hettche ist ein Buch, in dem poetisch über die Magie der Augsburger Puppenkiste und den Willen eines Mädchens, den Krieg hinter sich zu lassen geschrieben wird. Bei dieser Buchbesprechung stellte Denis Scheck die gute Frage: „Kann man die verletzte Seele durch Erzählen heilen?“

Das Buch „Erd Beben Wetter“ von Zaia Alexander beschrieb Denis Scheck als lesenswerten modernen Hexenroman.

„Leben verboten!“ ein Roman von Maria Lazar stellte Denis Scheck als ein Buch vor, das alle Fans von Volker Kutschers „Babylon Berlin“ mögen werden.

Mit den folgenden zwei Büchern könne die Aussage widerlegt werden, dass Schauspier nicht schreiben könnten, so Denis Scheck. Zum einen der Roman von Joachim Meyerhoff „Hamster im hinteren Stromgebiet“ und der Roman von Hanns Zisch „Der zerrissene Brief“, das Denis Scheck als berührende Liebesgeschichte beschrieb.

Erneut stellte Denis Scheck die Bücher „Dorfroman“ von Christoph Peters und „Ein Mann der Kunst“ von Kristof Magnusson vor, die ich bereits am ersten Messetag kennenlernen konnte und die schon längst auf meiner Wunschliste stehen.

Um Tiere ging es in den nächsten beiden vorgestellten Büchern. Zum einen „Füchse – Ein Porträt“ von Katrin Schuhmacher und zum anderen „Honigbienen – Geheimnisvolle Waldbewohner“ von Ingo Arndt und Jürgen Tautz, das neben neusten Erkenntnissen als Bildband faszinierende Bilder aufweise.

Als Astronomiefan stellte Denis Scheck auch gerne das Buch „Der Atlas des Himmels – Eine kleine Geschichte der Astronomie“ von Edward Brooke-Hitching und Lutz-W.Wolff vor.

Auch ein Gartenbuch wurde vorgestellt: „Adenauer – Der Garten und sein Gärtner“ von Christian Feyerabend und dem Fotografen Roland Breitschuh.

Denis Scheck beendete seine Buchvorstellungen mit den guten Worten: „Gehen Sie in Ihre Buchhandlung (…) und finden Sie Ihr Buch fürs Leben.“

Die nächste Veranstaltung war ein Gespräch zwischen der Autorin Iris Wolff und Denis Scheck. Hier konnte ich ein weiteres gutes Gespräch und eine sympathische Schriftstellerin erleben, deren Buch „Die Unschärfe der Welt“ vorgestellt wurde. Einige ihrer schönen Sätze, die in dem Gespräch fielen, teile ich gerne hier: „Literatur ist so etwas wunderbares, weil es immer ein Zwiegespräch ist.“ „Jedes gute Buch macht einen ein bisschen schlauer, rüttelt einen auf, erweitert den Horizont und macht die Welt größer.“ „Es gibt eine Parallele zwischen Büchern und Zauber. Das kann Literatur auch, sie kann gegen das Vergessen arbeiten, sie kann uns in Zeiten führen, die nicht die unsere wahren.“ „Bücher sind für mich Räume, in denen ich entdecken kann, wie ich sein kann.“

In dem Roman von Iris Wolff werden sieben Geschichten erzählt, in denen immer die Hauptperson auftaucht, manchmal verdeckt und im Hintergrund. In der ersten Geschichte etwa, ahnen wir Leser*innen nicht, wer die Hauptperson ist. Denis Scheck fragte sie zu diesem Stilmittel und Iris Wolff meinte: „Das, was weggelassen wird, was nicht erzählt ist, ist wichtig. So wie bei einem Gedicht das weiße Blatt wichtig ist.“ Iris Wolff las mit ihrer sehr angenehmen Stimme, die zum Eintauchen einlädt, einen Ausschnitt aus ihrem Roman vor. Denis Scheck sagte zu dieser Lesepassage, hierin spiegele sich das, was in dem gesamten Buch und bei dieser Autorin zu finden sei: „Eine große Sinnlichkeit und eine große Intelligenz.“

Hier seht ihr Max Moor im Gespräch mit Dierk Hirschel, dessen Buch den Titel „Das Gift der Ungleichheit – Wie wir die Gesellschaft vor einem sozial und ökologisch zerstörerischen Kapitalismus schützen können“ trägt. „Auf dem Sofa zu sitzen und zu schauen, was die anderen machen, das wird nicht reichen, die Menschen müssen sich bewegen.“, war einer von Dierk Hirschels Gedanken.

Von Max Moor tauchte der Satz auf: „Die größte Gefahr ist, dass wir den Optimismus verlieren und dass wir resignieren.“ In dem Buch, so Moor, seien tausend Gründe, warum wir pessimistisch sein können, doch auch tausend Gründe, was wir dagegen tun können.

Dann ging es weiter mit dem „Stern Crime Talk – Verbrechen der Vergangenheit“. Der Moderator Giuseppe di Grazia sprach mit Daniela Lecher, die unter dem Namen „Alex Beer“ Kriminalromane aus dem Wien der 20er veröffentlicht und dem zugeschalteten Oliver Hilmes, der seine Leser*innen mit seinen Kriminalromanen ins Berlin der 30er Jahre entführt. Für ihre historischen Kriminalromane recherchieren beide Autoren intensiv, so war Daniele Lecher unzählige Tage und Stunden in der Wiener Nationalbibliothek. „Ich würde die Nationalbibliothek von Wien heiraten, wenn ich könnte“, so ein Satz von Daniela Lecher.

Hier seht ihr Bärbel Schäfer im Gespräch mit Jürgen Neffe zu dessen autobiografischem Roman „Das Ding – Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl“.:

Jetzt ging es weiter mit „Streiterinnen!“ ein Format, das täglich stattfand. In der heutigen Diskussionsrunde ging es um das Thema Mode.“

„Wir wollen keine Kleidung tragen, die Menschen verletzt.“, so Jana Braumüller und stellte die kritische Frage: „Brauchen wir die Modezyklen, wie wir sie leben, brauchen wir die Modemessen?“ Sie wünscht sich, dass auch im Discounter Kleidung verkauft werde, die keine Menschenrechtsverletzung beinhalte. „Warum müssen wir so viel konsumieren, was wollen wir übertünchen?“, auch das sind Fragen, die in ihrer Arbeit und ihren Büchern auftauchen. „Weniger kaufen“, war ein Appell von Kathrin Hartmann während des Gesprächs. Wenn jede und jeder an der Utopie mitarbeite von einer nachhaltigen und fairen Welt, dann sei schon viel erreicht, war ein Schlussplädoyer von Kathrin Hartmann.

Lustig sind auch oft die Sätze, bevor es offiziell losgeht, wie hier von Bärbel Schäfer: „Okay, dann muss ich mich hier mal gerade hinsetzen, wenn ihr soviel Licht rauspustet.“

Jetzt war Cornelia Funke aus Los Angeles zugeschaltet, die mit Bärbel Schäfer über ihr Leben und ihr neues Buch „Reckless Band 4 – Auf silberner Fährte“ sprach. Ich freute mich, die sympathische Autorin hier zugeschaltet zu erleben, deren Jugendbücher wie Tintenherz und Herr der Diebe nicht nur meine Kinder, sondern auch ich sehr gerne gelesen habe. „Eine der kreativsten und einflussreichsten Schriftsellerinnen unsere Zeit“, so wurde Cornelia Funke begrüßt und es folgte ein lebendiges schönes und amüsantes Gespräch.

Ihr seht, auch die Hunde von Cornelia Funke, nahmen an dem Gespräch teil:

„Wenn Sie vom Schreiben sprechen, haben wir immer das Gefühl, dass Ihre Augen und Ihr Herz funkeln, das spüren wir auch hier in Frankfurt“, sagte Bärbel Schäfer so passend.

„Kann man den Blick auf das kleine Glück trainieren?“ war eine der schönen Fragen von Bärbel Schäfer. „Ich glaube, ich bin mit einem Glücks-Gen ausgestattet. Ich bin durch die kleinsten Dinge sehr leicht glücklich zu machen. Bei mir braucht es oft nur winzige Auslöser, um glücklich zu sein.“, so Cornelia Funke.

Ein weiterer Gedanke von Bärbel Schäfer während des Gesprächs: „ Das kleine Glück aufgefädelt auf einer Perlenschnur kann das große Glück sein.“

„Ordnen Sie Bücher oder können Sie auch aushalten, wenn sie quer im Regal liegen?“ fragte Bärbel Schäfer und Cornelia Funke, die sehr viele Bücher besitzt, antwortete: „Ich liebe Regale, die geordnet sind, ich habe zum Beispiel ein ganz großes Regal zum Thema Natur, doch ich liebe auch die wild gemischten Regale, bei denen ich nie weiß, was rauskommt wenn ich eines hinausziehe.“

Cornelia Funke hat auf ihrem Grundstück in Malibu vier Gästehäuser, dort lässt sie immer wieder Künstler*innen leben, die beispielsweise dort schreiben und ihrer Kunst nachgehen. „Ich bin da wie eine Ronja Räubertochter, die gern mit ganz Vielen lebt und deshalb macht mir das auch nichts, wenn hier Leute in der Küche stehen und kochen.“, so Cornelia Funke.

Nach diesem Gespräch ging ich zu Bärbel Schäfer (bei einer Buchmesse ohne Publikum sind solche kleinen Begegnungen leicht möglich) und teite ihr mit, wie schön dieses Interview gewesen sei und Bärbel Schäfer meinte begeistert: „Ich habe mich gerade wieder neu in Cornelia Funke verliebt.“

Nun folgte „ARTE es wird Zeit – die kanadischen Künstlerin Emily Carr: Malerin Autorin, Aktivistin für die first nation“. Die Moderatorin Bianca Haude sprach mit dem Herausgeber Peter Graf und der Übersetzerin Marion Hertle über das Buch zu Emily Carr.

Zum Abschluss höre ich dem Gespräch zwischen Bärbel Schäfer und dem Kabarettisten und Autor Vince Ebert zu. Sein neues Buch trägt den Titel: „Broadway statt Jakobsweg – Entschleunigung auf andere Art“. Vince Ebert reiste mit seiner Frau für ein Jahr und einem Koffer nach New York, der Stadt die niemals schläft, und präsentierte dort sein Bühnenprogramm. Durch das Spielen auf Bühnen in dieser Stadt, die als das Mekka der Comedy-Szene gilt, habe er seine eigenen Ängste überwunden, antwortete Vince Ebert auf die Frage, was er dort über sich gelernt habe. Wie zu erwarten, gab es auch bei diesem Gespräch viel zu Schmunzeln.

Hiermit ging auch der letzte Buchmessentag für mich zu Ende. Eine Buchmesse, die ganz anders war, als all die bisherigen Buchmessen. Eine Buchmesse ohne Publikum. Eine Buchmesse, die dennoch das Buch gefeiert hat. Eine Buchmesse, in der vieles fehlte, eine Buchmesse, die jedoch auch vieles schenkte. Eine Buchmesse, die digital und hier vor Ort zeigte, welch wunderbaren Bücher es gibt. Eine Buchmesse, die wieder einmal sehr große Lust auf Lesen macht!

Also, gehen wir weiter in die Buchhandlungen, stöbern dort, schauen ganz gezielt oder lassen uns beraten, lassen wir die Bücher zu uns sprechen, verschenken wir Bücher und schenken wir uns selbst Bücher.

All dies wünscht sich und euch, Marion

Frankfurter Buchmesse 4. Tag

Heute war mein 4. Tag der Frankfurter Buchmesse, von dem ich wieder gerne berichte.

Ich erlebe die Buchmesse als eine der wenigen Besucher*innen vor Ort, wie ihr wisst. Wie die Menschen Zuhause vor den Bildschirmen die Buchmesse erleben, vielleicht auf einem bequemen Stuhl, mit Kaffee, Tee oder Keksen ausgestattet, bekomme ich kaum mit. Eine Zwischenbilanz konnte ich hier allerdings erfahren, die ich gerne mit euch teile:

148.000 User*innen aus 183 Ländern nutzten bis heute die digitalen Angebote in der Messewoche. 4.422 digitale Aussteller*innen aus 103 Ländern haben sich auf der Plattform buchmesse.de registriert. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse wurden in der Messewoche 3.627 Events eingetragen.

Das sind hohe Zahlen. Schön, dass die digitale Form viele Menschen erreichen kann und Literatur auch in diesen Zeiten die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

Nun jedoch weiter zu meinen heutigen Erlebnissen. Meine erste Veranstaltung führte mich zur ARD-Messebühne, auf der Michael Friedmann von Cécile Schortmann interviewt wurde. Er hat gemeinsam mit Harald Welzer das Buch „Zeitenwende – Der Angriff auf Demokratie und Menschenwürde“ geschrieben. Michael Friedmann und Harald Welzer, die nicht immer einer Meinung sind, haben sich in dem Buch damit auseinandergesetzt, dass wir eine Epochenwende erleben. Die Coronakrise kann auch als eine Lerngeschichte verstanden werden, die die Demokratie und die Lösung vieler Zukunftsprobleme beinhaltet von Rassismus, Ungleichheit bis hin zum Klimawandel. „Oft fehlt mir der Widerspruch, dass Menschen konkret formulieren, wofür sie stehen.“, so Friedmann. Ein weiterer seiner Sätze, die bei dem Gespräch auftauchten, lautete: „Ich hatte noch nie Angst vor der Vielfalt der Menschen, sondern vor dessen Einfalt, also wählen wir die Vielfalt.“

An diesem Buchmessentag, bei dem ich wieder vielen interessanten Gesprächen beiwohnen konnte, hatte ich – wie auch an den anderen Tagen – das Gefühl, ich hätte ganz viel geredet. Wenn ich abends mit meinen Lieben daheim telefoniere, fällt mir auf, dass meine Stimme rauh ist. Nein, nicht weil ich krank bin, sondern weil ich den ganzen Tag wenig geredet habe und außer wenn ich Draußen bin, den ganzen Tag den Mundschutz trage. Es sind Sätze, wie diese, die ich hier sage: „Die grüne Jacke ist auch Morgen noch da“ als Antwort auf den Satz der Mitarbeiterin am Eingang: „Da sind Sie ja wieder. Ich erkenne Sie immer sofort an Ihrer grünen Jacke“. Oder: „Ja, habe ich“ als Antwort auf die Frage eines Mitarbeiters am Eingang: „Haben Sie den Gesundheitsfragebogen ausgefüllt?“ Oder: „Danke, das glaube ich Ihnen“, wenn ich meinen Laptop wieder abhole, den ich in den Räumen der ARD aufgeladen habe und mir der Mitarbeiter sagt: „Ich bin auch nicht an Ihren Laptop drangegangen.“ Oder auch: „Ich komme nicht mehr in mein Zimmer“, wenn ich nachts an der Rezeption des Hotels stehe und Hilfe brauche, da ich vor meinem Hotelzimmer stehe, das mit der Code-Karte nicht mehr zu öffnen ist. Und zwischendurch finden tatsächlich auch kleine und feine Gespräche mit den Autoren und Veranstaltern statt. Nun aber weiter zur Buchmesse selbst.

Hier seht ihr eine Gesprächsrunde, moderiert von Cécile Schortmann und der Kinderbuchautorin Margit Auer („Die Schule der magischen Tiere“) und Christine und Benjamin Knödler, ein Autorenduo, bestehend aus Mutter und Sohn, die gemeinsam das Buch „Young Rebels – 25 Jugendliche, die die Welt verändern!“ geschrieben haben. Zugeschaltet war der Schauspieler und Kinderbuchautor Max von Thun („Der Sternenmann und die furchtlose Prinzessin Luna“).

Christine und Benjamin Knödler präsentieren in ihrem Buch, das sich an Jugendliche und wie ich finde auch an Erwachsene richtet, junge Menschen aus der ganzen Welt, die die gegebenen Umstände nicht hinnehmen und sich für Veränderungen einsetzen. So tauchen Aktivist*innen wie Greta Thunberg, Emma Gonzales, Malala Yousafzai, Jakob Springfeld oder Felix Finkbeiner in dem Buch auf. Neben der Kimathematik geht es um Armut, Rassismus oder Menschenrechte. Sie lasen eine berührende Stelle des Buches vor, in der Emma Gonzales vorgestellt wird. Ich bin mir sicher, dass stimmt, was Christine Knödler zu ihrem Buch sagte: „Das Lesen der Geschichten verändert einen.“ „Lesen ist etwas, dass ein Einzelner tut, doch es hat mit Beziehung zu tun, man tritt in Beziehung mit den Figuren, den Menschen und dem Leben“ war eine weitere ihrer Aussagen.

Übrigens habe ich anschließend mit dem Autorenduo Mutter und Sohn Knödler gesprochen und erzählt, dass ich sie hier gerne erwähne, was die beiden aufrichtig freute. Ihr seht, manchmal kann ich auch hier reden.

Hier noch zwei weitere Zitate der guten Gesprächsrunde: „Literatur lässt uns Erfahrungen sammeln, die wir sonst nicht machen würden“, sagte Christine Knödler zu dem Thema, dass sich Kinder- und Jugendliteratur in vielen Punkten nicht sehr von Erwachsenenliteratur unterscheide.

„Ich bin ein großer Fan von Langeweile, weil ich glaube, dass sie der Nährboden für so viel anderes ist“ war ein schöner Satz von Max von Thun.

Danach besuchte ich die Gesprächsrunde „ARTE es wird Zeit – Kanadische Literatur und ethnische Diversität“ mit der Moderatorin Annabelle Assaf, der Übersetzerin Bianca Hauda und Hans-Jürgen Balmes. Kanada ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse und nimmt vordergründig digital an dem Programm teil. Im nächsten Jahr werden wir hier vor Ort hoffentlich auch analog von dem Gastland und seiner großen Vielfalt erfahren.

Hier sehr ihr nochmal einen Blick auf die leeren Gänge in diesem Jahr:

Auch am Essensstand geht es dieses Jahr ganz ohne Schlangestehen:

Danach besuchte ich Veranstaltungen im Rahmen des Bookfest city, die in der Stadt verteilt mit Publikum stattfinden dürfen. Ich konnte Tobias Elsäßer im Gespräch mit dem Moderator Martin Schäuble in der Matthäuskirche erleben. Tobias Elsäßer las aus seinem neuen Jugendroman „Play“ vor, ein Buch über Selbstbestimmung in einer digitalisierten Gesellschaft. Jonas, der Protagonist, möchte sich nicht von Algorithmen beeinflussen lassen, nicht von einer App, die seine Zukunft vorhersagt und er macht sich auf und sucht seinen eigenen Weg. Tobias Elsäßer las vor, trug Musikstücke vor und ließ die Zuhörer*innen an seinem Schreibprozess teilhaben. In dem Gespräch und der anschließenden offenen Diskussion ging es um Überwachung im digitalen Zeitalter und unseren Umgang mit den sozialen Medien.

Tobias Elsäßer sagte den schönen Satz, den er oft zu Schülern sagt: „Wenn ihr Zuhause seid……“. Ich konnte ihn so schnell nicht aufschreiben. Also habe ich ihn nach der Veranstaltung gefragt, er hat ihn netterweise wiederholt, während ich den Satz auf dem Diktiergerät aufnehmen konnte. Also, nun aber: „Wenn ihr Zuhause seid, legt Musik auf, legt ein weißes Blatt Papier bereit und hört der Musik zu und dann schreibt mal auf, was euch durch den Kopf geht, dann werdet ihr merken, dass in eurem Kopf unglaublich viel drin ist, was uns von Maschinen unterscheidet.“ Ein weiterer guter Satz, den er sprach: „Wir müssen lernen, uns Auszeiten zu geben.“

Auf die nächste Veranstaltung in der Katharinenkirche freute ich mich sehr, da ich nun zum ersten Mal einer meiner Lieblingsautorinnen live zuhören konnte. Zsuzsa Bánk sprach zu ihrem neuen Buch „Sterben im Sommer“. Jürgen Hosemann, der Moderator, äußerste sich zu ihrem Werk und dem Abend: „Es ist Coronazeit und ein Herbstabend und möchte man dann ein Buch über den Tod eines Vaters hören, ist es da das richtige Buch? Ja, es ist das richtige Buch, auch in diesen Zeiten, weil es Worte gibt für etwas, das wir genauso brauchen werden. Worte für Situationen, in die wir genauso kommen können. Es ist das richtige Buch, weil es schön ist, was eine Tochter da über ihren Vater schreibt. Es ist das richtige Buch, weil es voller schöner tiefer Gedanken ist, die trösten. Es ist das richtige Buch, weil es Glück nicht nur empfinden, sondern weitergeben kann.“ Als Zsuzsa Bánk aus ihrem Buch vorlas und ich ihren fließenden, treibenden Gedankengängen lauschen konnte, dachte ich: Ihr könnte ich stundenlang zuhören, in diesem melodischen Klang lässt sich wunderbar eintauchen. Auf die Frage des Moderators, worin ihr Vater ein Vorbild für sie gewesen sei, antwortete sie: „Er war ein Vorbild für mich in Sachen Leichtigkeit. Er hatte eine große Lebensfreude. Er hat das Leben sehr umarmt und das finde ich sehr vorbildhaft.“

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zum Instituto Cervantes Francfort, dort fand im Rahmen des Bookfest city eine Darbietung statt. Die Tänzerin Paula Quintana zeigte „Pieles“, eine großartige Tanzperformance. Zu Beginn wurde dieser Satz der Künstlerin zitiert: „Ertrunken in der Suche nach dem Gleichgewicht, nur schaffe ich es zu atmen, wenn ich mich jedem Augenblick dem hingebe, was ich bin.“ In ihrer Tanzperformance zeigte Paula Quintana eine emotionale Reise zu den Gefühlen. Es waren Momente beim Zusehen, da wünschte ich, die Zeit würde anhalten. Zu spüren war, dass das Publikum sehr angetan war und es gab lang anhaltenden Applaus für diese berührende Darstellung. Ich finde, Tanz und Buch passen ganz wunderbar zusammen, denn auch Worte tanzen und der Tanz erzählt.

Auch an diesem Buchmessentag bin ich reich beschenkt worden. Ich bin dankbar, dass es Kunst gibt, dass es Tanz gibt, dass es Bücher gibt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die Bücher schreiben, Menschen, die es möglich machen, dass diese Bücher zur Leserschaft gelangt. Menschen, die Worte tanzen lassen.

Frankfurter Buchmesse 3. Tag, Teil 2

Hier folgt mein 2. Teil meines dritten Tags auf der Frankfurter Buchmesse, der aus der langen ARD-Buchmessennacht bestand.

Auch wenn die Buchmesse in diesem Jahr überwiegend digital und hier auf dem Messegelände ohne Publikum stattfindet, wird das Buch gefeiert, so auch mit dieser Buchmessennacht.

Zu Beginn fand ein interessantes Gespräch statt zwischen dem Moderator Alf Mentzer und Richard David Precht über dessen neues Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“.

Hiernach sprach die Moderatorin Catherine Mundt mit Zoe Beck über ihr neues Buch „Paradise City“, ein Kriminalroman, der 80 bis 100 Jahre in der Zukunft spielt. Durch Corona ist einiges von den Buchinhalten in die Gegenwart gerückt.

Der Friedensnobelpreisträger David Grossmann war aus Israel zugeschaltet und redete mit dem Moderator Alf Mentzler über sein neues Buch „Was Nina wusste“. In dem Buch geht es um drei Frauen, ein altes Familiengeheimnis und eine Gefängnisinsel. Der Roman beruht auf einer realen Geschichte. Inmitten der Geschichte der Brutalität des Gefängnisses taucht in dem Buch eine zarte Alternativgeschichte der Hoffnung auf.

Weiter sprach die Moderatorin Catherine Mundt mit Bas Kast, den ich bereits am Nachmittag erlebt hatte. In seinem Roman „Das Buch eines Sommers“ geht es um Selbstfindung. Hauptfigur des Romans ist Nicolas, der davon träumt, Schriftsteller zu sein. Die Botschaft des Buches besteht darin, den Traum zu leben, den wir in uns haben. Vor diesem Buch hat Bas Kast das Buch „Der Ernährungskompass“ geschrieben. Er meinte, das Gemeinsame eines Kochbuchs und eines Romans bestehe darin, dass in beiden Worte vorkommen, ansonsten sei es total unterschiedlich, ob er ein Kochbuch oder einen Roman schreibe.

Alf Mentzler sprach mit Jan Weiler, der „den ganz normalen Wahnsinn des Familienalltags“ herrlich amüsant beschreibt. In seinem aktuellen Buch „Die Ältern“ geht es um die Geschichte der Eltern, wenn der Nachwuchs flügge wird und das Haus verlässt. „Ältern mit Ä sind Eltern, die ihre Aufgabe verloren haben“, sagte er zu dem Titel des Buchs. Jan Weiler erlebt diese Phase, in der er sich wie 29 fühlt und von den Kindern behandelt wird, als sei er 79. Er las während des Abends immer wieder Episoden aus seinem humorvollen Buch vor.

Zugeschaltet war nun Elke Heidenreich aus Köln und erzählte zu ihrem Buch „Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute“. Es geht in dem Buch nicht um Mode, doch um Geschichten, die mit Kleidung zu tun haben. Wann hatten wir was wo an, was hatten wir zum Beispiel an, als wir besonders glücklich waren, was bei einem Rendezvous. Vieles im Leben vergessen wir, viele Erinnerungen an Kleidungsstücke bleiben. In ihren Geschichten über Kleider erzählt sie vom Leben selbst.

Klaus Brinkbäumer wurde zu seinem Buch „Im Wahn – Eine amerikanische Geschichte“ interviewt, das er gemeinsam mit Stephan Lamby geschrieben hat. Das Buch ist eine aktuelle Reportage über die USA.

Nun war Jan Böhmermann zugeschaltet. Catherine Mundt interviewte ihn zu seinem Buch „Gefolgt von niemanden, dem du folgst: Twitter-Tagebuch, 2009-2020“. In dem Buch hat er, wie der Name schon sagt, seine Twitter-Nachrichten der letzten 11 Jahre veröffentlicht. Es ist eine Chronik dieser Jahre. Das Buch zeigt zudem, wie das analoge und das digitale Leben ineinandergreifen. Der augenzwinkernde Satz von Jan Böhmermann tauchte auf : „Bei Facebook sind die Dummen, bei Twitter die Schlauen“, dem er jedoch zufügte, dass er auch selbst bei Facebook sei.

Zwischendurch las Jan Weiler eine weitere Episode aus „Die Ältern“ vor.

Alexa Henning von Lange wurde zu ihrem Buch „Die Wahnsinnige“ interviewt. Ihr Buch handelt von Johanna von Kastilien bzw. Johanna die Wahnsinnige. Mit diesem historischen Hintergrund geht die Autorin in dem Buch der Frage nach, wie wir die werden können, die wir sind, auch wenn dieser Weg nicht für uns vorgesehen ist. In dem Gespräch meinte Alexa Henning von Lange: „Auch wenn es eine ganz andere Zeit war und wir heute nicht genau wissen, wie es war, damals zu leben, verbinden uns Empfindungen, die die Menschen früher und wir heute haben.“

Hier wird Max Czollek von Catherine Mundt zu seinem Buch „Gegenwartsbewältigung“ befragt, bei dem es sich um einen politischen Essay handelt:

Die Buchpreisträgerin Anne Weber war nun zugeschaltet und sprach von ihrem Buch „Annette, Ein Heldinnen- Epos“, in dem es um Anne Beuamanoir geht, die 1923 in der Bretagne geboren ist und zwei jugendlichen jüdischen Menschen das Leben gerettet hat und ein bewegtes Leben aufweist. Anne Weber hat Anne Beuamanoir kennengelernt und bat sie darum, ihre Geschichte aufschreiben zu dürfen. Anne Weber erzählte, dass Anne Beuamanoir sich selbst nicht als Heldin sehe, doch das mache vielleicht auch Heldinnen aus, dass sie sich selbst nicht als solche betrachten.

Wieder folgte eine sehr lustige Episode aus „Die Ältern“ von Jan Weiler, diesmal ging es um das Thema Halloween.

Susanne Fröhlich wurde zu ihrem Buch „Wenn ich dich nicht hätte! Freundinnen, ein geniale Liebe!“, das sie mit ihrer Freundin Constanze Kleis geschrieben hat, interviewt. Das Buch behandelt verschiedene Aspekte einer Freundschaft. Während des Gesprächs sagte Susanne Fröhlich: „Wir wissen heute, wenn wir Freundschaften pflegen, leben wir vier Jahre länger und Spaß macht es auch.“

Weiter ging es in der langen Buchnacht, in der die Buchvorstellungen Schlag auf Schlag kamen, mit dem Buch von Ahmad Mansour „Solidarisch sein! Gegen Rassismus, Antisemitismus und Hass.“ Ahmad Mansour ist Psychologe und Extremismus-Experte. Das Buch ist ein Plädoyer für eine solidarische Gesellschaft. Auf die Frage, was für Ahmad Mansour echte Solidarität ausmache, antwortete er: „Dass wir fühlen, dass die, die angegriffen wurden, nicht die anderen sind, sondern das sind ‚Wir'“.

Hier seht ihr Stefanie Sargnagel aus Wien zugeschaltet, die zu ihrem ersten Buch „Dicht“ interviewt wurde. Ein Buch, das in einer lakonischen Sprache geschrieben ist und einige biografische Züge trägt:

Das war tatsächlich eine lange Buchmessenacht und in dieser Nacht habe ich bestimmt von neuen Büchern geträumt.

Frankfurter Buchmesse 3. Tag, Teil 1

Mein Weg an diesem 3. Buchmessetag führte mich wieder zur Festhalle. Hier seht ihr sie von außen:

Das erste Gespräch, das ich hier verfolgte, war zwischen dem Moderator Thomas Ranft und Sven Plöger, den die meisten über den Wetterbericht kennen. Das aktuelle Buch von Sven Plöger trägt den Titel: „Zieht euch warm an, es wird heiß! – Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von Morgen lernen.“ Ein gutes Interview, bei dem zu spüren war, dass das Klimathema eine Herzensangelegenheit des sympathischen Sven Plöger ist. Er brachte im Gespräch sehr verständliche Beispiele, warum das Klimathema so bedeutsam ist. Er spricht nicht von Verzicht, um das Klima zu schützen, sondern von Veränderung, die sogar einen Gewinn bedeuten könne. Wenn Sven Plöger die aktuellen Krisen mit einer Welle vergleicht, dann spricht er davon, dass Corona eine 5 Meter hohe Welle und die Klimakrise eine 500 Meter hohe Welle sei. Er sagte, dass wir eine Transformation sowie politische Rahmenbedingungen benötigen, um die erforderlichen Ziele zu erreichen. Wenn wir auf die Wissenschaft hören, retten wir uns und damit auch den Wohlstand, so Sven Plöger. Er betonte, dass wir Chancen haben, das Problem zu lösen. In seinem sicherlich sehr lesenswerten Buch gibt er zudem konkrete Handlungsempfehlungen.

Da auch heute wieder die Messe ohne Publikum stattfindet, ist der Bezug zum sparsam besetzten Publikum schnell vorhanden und so sagte er nach dem Applaus: „Der Applaus ist ja grandios, Dankeschön!“ Ja, auch fünf Zuhörer*innen können laut klatschen.

Später fand das Gespräch zur Preisverleihung LITPROM LiBeraturpreis statt. Lina Atfah, die ursprünglich aus Syrien kommt, erhielt den Preis für ihren Gedichtband „Das Buch von der fehlenden Ankunft.“ Wie schön, dass dieser Preis für ein Gedichtband vergeben wird.

Auf der Bühne seht ihr die Moderatorin Claudia Kramatschek, Lina Aftah, daneben ihren Mann und Jan Wagner, der ihre Gedichte ins Deutsche übersetzt hat. Lina Aftah las in ausdrucksstarker Art ein Gedicht in arabischer Sprache vor, was beinahe wie ein Gesang klang. Auch wenn ich kein Wort verstand, war es wunderbar. Hiernach folgte Jan Weiler, der das Gedicht in Deutsch vortrug. In dem Gespräch äußerte Jan Weiler den Gedanken: „Jedes Gedicht, das man schreibt, ist auch ein Gruß in die Vergangenheit und ein Dank an die bisherigen Dichter, die schon da waren. Man hat das Gefühl, alles war schon da und ist schon gesagt worden und es geht dann doch, es nochmal zu sagen.“

Hier seht ihr eine Frau, die ihr vermutlich alle kennt: Alice Schwarzer, die von Cecile Schortmann zu ihrem Leben und zu ihrem neuen Buch „Lebenswerk“ interviewt wurde. In dem Buch gibt Alice Schwarzer Rückblick, Ausblick und zieht Bilanz. Auf die Frage, was ihre größte Errungenschaft sei, antwortete sie: „Ich bin stolz darauf, dass ich vielen Frauen und auch Männern Mut gemacht habe.“

Später hörte ich dem Gespräch zwischen der Moderatorin Cecile Schortmann und dem Schauspieler und Autor Christian Berkel zu. In seinem aktuellen Buch „Ada“ erzählt er die Geschichte einer jungen Frau, die aus dem Schweigen der Elterngeneration heraustritt. Es ist ein Buch vom Suchen und Ankommen, ein Buch in dem es auch um die 68er Bewegung geht. Christian Berkel erzählte während des Gesprächs auch aus seinem Leben.

Hier seht ihr den Moderator Thomas Ranft im Gespräch mit dem Autor Bas Kast. Sein neues Buch trägt den Titel „Das Buch eines Sommers – Werde, der du bist“. Er nennt sein Buch ein Wohlfühlbuch. Die Hauptperson im Buch versucht, sich selbst zu finden. Im Gespräch ging es u.a. darum, wie wir unsere Zeit gestalten. Bas Kast meinte, dass der Blick auf die Endlichkeit unseres Lebens, dem Leben mehr Tiefe geben könne. Wenn er zum Beispiel wüsste, dass er nächste Woche sterben würde, würde er, anstelle sich die Zeit mit seinem Handy zu vertreiben, mehr raus in die Natur gehen oder gute Gespräche mit seiner Frau führen.

Nun fand die Fernsehaufsendung von 3sat „Die Zukunft des Buches – Ist die Corona-Krise eine Chance?“ statt. Samstag Abend um 21.45 Uhr wird diese Sendung übertragen. Deshalb verrate ich nun nicht zuviel. Soviel jedoch: Alle, die Bücher und die Buchmesse lieben, empfehle ich, schaut sie euch an. Bevor die Aufzeichnung losging, erfolgte eine Einweisung an die Mitwirkenden:

Auf der Bühne waren Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Karin Schmidt-Friderichs (Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Cecile Schortmann (Moderatorin), Leif Randt (Autor) und Sandra Kegel (FAZ- und 3sat-Literaturkritikerin).

Zwei schöne Sätze, die Juergen Boos sagte, teile ich hier gerne: „Wenn etwas resilient ist, dann das Buch.“ „Wir können uns nicht treffen, aber das Buch lebt.“

Hiernach wurden andere Zuhörer*innen und ich von wunderbarer Musik beschenkt. Chilly Gonzales, ein kanadischer Pianist und Entertainer, spielte auf dem Klavier und las anschließend aus seinem Buch „Enya“ vor. Der Musiker Malakoff Kowalski kam hinzu und war auch am Klavier zu hören. Nach einem Gespräch der beiden, bei dem es u.a. darum ging, ob Musik klug sein müsse oder ob es reiche, wenn sie ins Herz gehe, setzte sich Chilly Gonzales erneut ans Klavier und Malakoff Kowalski las dazu aus dem Buch vor. Eine wohltuend schöne Atmosphäre durfte ich hier erleben.

Heute Abend findet die lange ARD-Buchmessennacht statt, die ich besuchen werde und die ihr live im Internet verfolgen könnt. Über diese Buchmessenacht werde ich im Teil 2 berichten.

Aus Frankfurt grüßt euch, mit viel Bücherfreude, Marion