Findesatz-Gedicht 25

Einverstanden-Tage
die von Zeit zu Zeit ungefragt da sind
Der Morgentau auf dem Gras lässt anhalten
Alle Farben leuchten doppelt
Vögel singen ihre schönsten Lieder
Nirgendwo anders sein wollen
Alles stimmt
Auch das was war
und kommen wird
Ich liebe heute mein Leben
flüstern wir uns zu
und schenken dem Himmel
ein Danke

Gedanken teilen

Heute möchte ich einmal etwas außerhalb der Reihe schreiben.
Zu Beginn des Jahresprojekts habe ich überlegt, ob das der geeignete Zeitpunkt ist, wieder Findesätze zu sammeln, also Sätze, die ich an dem jeweiligen Tag irgendwo live höre und die ich dann aufschreibe. Ich wusste schließlich darum, dass wir noch eine Weile von Covid-19 umgeben und damit auch Einschränkungen verbunden sind, was bedeutet, weniger im Außen und weniger unterwegs zu sein. Ich ahnte zwar, dass meine Familie, die mich hier direkt umgibt, mir immer wieder wunderbare Sätze schenken wird, aber mir war klar, dass ich nicht jeden Tag einen Satz meines Mannes oder meiner Kinder aufschreiben möchte.
Nun sind die ersten Wochen des Jahres bereits um und ich bin gerade sehr dankbar und glücklich, da ich spüre – auch durch das Projekt des Sätzesammelns – wie reichhaltig das Leben ist. Auch jetzt, auch in dieser Zeit. Mir kommen täglich viele schöne, bemerkenswerte Sätze entgegen. Es geht mir sogar manchmal so, dass ich an einem Tag viele aufhebenswerte Sätze höre und mich entscheiden muss, welchen ich nehme. Und das liegt nicht nur daran, dass ich eine redefreudige Familie um mich herum habe.
Ich stelle fest, dass das Leben auch nun weiter geht mit Austausch, mit Gedanken, mit Gesprächen, mit einem Miteinander und Voneinander lernen, mit Bereicherungen, mit dem Glück der Gemeinschaft. Wir können nicht all das machen, was wir sonst machen würden, doch es ist auch weiterhin sehr vieles möglich, davon bin ich überzeugt.
Ich gehe mit einzelnen Freundinnen mit Sicherheitsabstand spazieren oder ich telefoniere mit Familienangehörigen oder Freunden und bin zu digitalen Treffen verabredet. Dabei wandern viele wunderbare Sätze hin und her. Ich nehme an Online-Kursen teil, bei denen gute, bewegende Gespräche stattfinden. Es gibt eine Vielzahl von großartigen Angeboten im Internet. Ich mag auch Ruhe und Zeiten, in denen nicht viel um mich herum stattfindet, doch ich mag es auch Inspirationen und Anregungen von außen zu erhalten. Und das alles können wir weiterhin erleben.
Deshalb meine Anregung an alle, die vielleicht gerade Austausch und Begegnungen vermissen, geht mit nahen Menschen spazieren, werdet kreativ, entdeckt was alles möglich ist, probiert Neues und fühlt, wie schön dieses Leben und ein Miteinander ist, auch jetzt.

Eure Marion

Findesatz-Gedicht 2

Heute gibt es ein Gedicht zum gestrigen Findesatz „Wir haben es schon gut.“

Wir haben es schon gut
Sagen wir uns
Am Morgen beim Aufwachen
Am Abend beim Zubettgehen
Am Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht
Am Nachmittag, wenn der Tee einlädt
Wir haben es schon gut
Sagen wir uns
Viel zu wenig

17. September

Rose September

Bald reichen Jahreszeiten einander die Hand
Im Herbst werden all die zurückliegenden Sommerwochen wohnen
Noch schweigen die Socken in den Schubladen
Spätsommerwochen, ein Wort, das sie mag
Als ob in diesen fünf Silben Dankbarkeit wohnt
und gleichzeitig die Bereitschaft loszulassen
Als zeige dieses Wort, wie schön und vergänglich das Leben ist
Ob die Katze zu ihren Füßen weiß, dass der Herbst naht?
Hört sie die Luft am Morgen davon sprechen?
Spinnfäden mischen sich mit dem Spiel der Septembersonne
Aus dem Nachbarhaus hört sie Klavierklänge
auch sie verklingen
Wärme legt sich auf ihre Haut
und Rosen blühen sich dem Leben entgegen