15. Oktober

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Kann ein Zufall stolpern?
Weiß die Walnuss, dass sie von Herbst spricht?
Wer ist dein rettender Engel?
Ist Suchen oder Finden schöner?
Kann die Stille in uns schreien?
Schaffe ich alles, was ich will?
Lässt sich jeder Gedanke bis zu Ende denken?

8. Oktober

Stühle Platz R

Komm, setz dich
eine Weile zu dir
Plätze sind überall zu finden
Zu jeder Jahreszeit weltweit
Steh nicht zu früh wieder auf
Vorbeiziehen lassen
das Leben um dich herum
Deine Nase dem Himmel entgegenstrecken
Einfach und unglaublich wirkungsvoll
Mücken tanzen lassen
Jeder Stopp durchbricht das allzu Gewohnte
Auch Züge halten gelegentlich an Bahnhöfen
Nur so erfüllen sie ihren Sinn

 

1. Oktober

Wald Sue

Nicht zu weich gebettet durchs Leben träumen
Nicht zu gesättigt die Nachrichten lesen
Den rebellischen Kern ausbuddeln
Lass uns empören
Teil der öffentlichen Meinung sein
Lass uns Geschichte mitschreiben
Und später zu den Enkeln sagen
Wir haben es nicht verschlafen

 

24. September

Haus Ef

Wir
wir leben und sterben
rucke die guh, rucke die guh
haben Mütter, Stiefmütter, Schwiegermütter
Blut ist im Schuh
Schwestern und Brüder
die Schlechten ins Kröpfchen
wir laden ein und essen
die Guten ins Töpfchen
Perlen und Edelsteine hängen oft zu hoch und sind zu teuer
Das erste Reis, das euch auf dem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab
Im Grunde vertraue ich allen
Bäumlein, Bäumlein rüttel dich
dabei bin ich einmal bestohlen worden
Wirf Gold und Silber über mich
die Polizei hilft nicht immer, habe ich entdeckt
der war wie angegossen
mein Lebenslauf ist drei Seiten lang
die führt er heim
das wichtigste steckt zwischen den Zeilen
und wenn sie nicht gestorben sind
ich habe schon mal über meine Beerdigung nachgedacht
dann leben sie
am liebsten möchte ich 100 werden oder 99
noch heute

 

17. September

Rose September

Bald reichen Jahreszeiten einander die Hand
Im Herbst werden all die zurückliegenden Sommerwochen wohnen
Noch schweigen die Socken in den Schubladen
Spätsommerwochen, ein Wort, das sie mag
Als ob in diesen fünf Silben Dankbarkeit wohnt
und gleichzeitig die Bereitschaft loszulassen
Als zeige dieses Wort, wie schön und vergänglich das Leben ist
Ob die Katze zu ihren Füßen weiß, dass der Herbst naht?
Hört sie die Luft am Morgen davon sprechen?
Spinnfäden mischen sich mit dem Spiel der Septembersonne
Aus dem Nachbarhaus hört sie Klavierklänge
auch sie verklingen
Wärme legt sich auf ihre Haut
und Rosen blühen sich dem Leben entgegen

 

10. September

Kirche O

All die Beziehungen von gestern
leben in uns
Nur kurz sind wir Neugeborene
Ohne die Zahlen zu kennen
zählen wir Augen in die wir blicken
Wenn wir sterben
eines Tages
stirbt immer etwas von anderen mit

3. September

Bäume Himmel

Nimm dein Rad und fahre dem Leben entgegen.
Auf dem Gepäckträger ein Klappstuhl und dein Cello.
Dann findest du eine freie Stelle, die ist, als sei sie für dich gemacht.
Du klappst deinen Stuhl auf und holst dein Instrument heraus.
Aufsteigende Töne vermischen sich mit dem Nebel.
Du spielst für die Bäume und für dich,
für das Gras und die Schnecke.
Sie zeigt dir, wie machtvoll und groß die Langsamkeit ist,
während dein Bogen über die Saiten streicht.
Die Schnecke hört dir zu, sie kennt keine Eile.
Ihr Haus trägt sie mit und damit alles, was sie braucht.
Du weißt in diesem Moment, dass sie überall ankommen kann.
Wildgänse erscheinen, als tanzten sie zu deinen Klängen.
Jeder Ton hebt sich empor.
Auch die Musik lebt von den Pausen.
Geruhsamkeit spricht in dir, während kühle Luft deine Haut berührt.
Dein Atmen singt.
Langsam wird der Himmel blau.
Auch der Tag braucht seine Zeit zum Erwachen.
Und Ruhe malt Balsam auf deine Wunden.

 

27. August

Skulptur O

Sie mag den Nachklang der Ferienzeit.
Das Ankommen Zuhause.
Vom Schnurren der Katze begrüßen lassen.
Der erste Gang durch den Garten
und die Zimmer des Hauses neu erkunden.
Der sanfte Übergang zwischen Urlaub und Alltag.
Urlaubspost durchsehen, alle anderen Briefe noch ungeöffnet lassen.
Auch der Garten hat sich verändert.
Nie steht das Leben still.
Die Äpfel rot, die Blumen lila, der Klee weit.
Milde Sonnenstrahlen spüren.
Vertraute Geräusche aufnehmen,
Glockenklang, das entfernte Rufen einer Kuh und der Wind in der Kastanie.
Plätze im Haus für die gesammelten Souvenirs suchen
und an den fernen Ort und seine Gerüche denken.
Wir nehmen immer etwas mit.
Jeder Ort trägt seine eigene Melodie.
Hinhören. Nachspüren. Summen.
Dort wie hier.

20. August

Das Geräusch beim Öffnen eines Zeltes

Grillengezirpe

Das Klappern eines Würfelbecher von irgendwoher

Entfernte Gitarrenklänge

Leise Stimmen in einer fremden Sprache

Lachen

Das Zuschieben einer Bullytüre

Meeresrauschen beim Einschlafen und Aufwachen

Der Blick auf Picknickdecken

Hängematten zwischen Pinien

Lesende Menschen

Im Wind flatternde Wäsche

Lampions die im Dunkeln leuchten

Kleine Tische mit vier Stühlen drumherum

Ein kleiner Gaskocher

Gesammelte Muscheln auf Holzstämmen

Irgendwo eine Ameisenstraße

Einfachheit inmitten der Naturfülle

Reduziertes Leben

Kleiner Campingplatz im Wald

Mein 5-Sterne-Platz

13. August

Kennt nicht jeder diesen einen Ort, der ist, als sei er für uns gemacht.

Er spricht wortlos erwas Inneres in uns an, küsst uns und lädt uns zum Tanze ein, sanft und sehnsuchtsvoll.

Es gibt diese Orte, die uns zu besseren Menschen werden lassen.

Hier lernen wir das Wort Demut auf eine neue Art kennen.

Glockenklang, sanfter Wind und das Kennenlernen der Einheimischen. Du freust dich, wenn sie dich am Morgen begrüßen und dir zulachen, als seiest du eine von ihnen.

In der Nacht die Rufe des Käuzchens verstehen wollen. Am Tag mit dem zahnlosen Mann reden, der dir die weißen Deckchen zeigt, die seine Mutter gehäkelt hat. Du kannst nicht anders als eines zu kaufen, da du weißt, es wird dich an diesen Ort erinnern.

Am Abend auf einer Bank sitzen und dem Wellenklang des Meeres zuhören. Zwei Frauen auf der Bank nebenan hören, die eine jung, die andere alt und sehen, dass sie miteinander erzählen und lachen und dass sie das Leben lieben, zumindest in diesem Moment.

Es gibt diese Orte, die dich plötzlich an eine verstorbene Tante denken lassen, die viele schöne Kindheitserinnerungen schenkte.

Orte, an denen jeder alte Laternenpfahl, jeder von den Bewohnern hingestellte Stuhl, jeder Mauerstein und jedes einfallende Licht stimmt.

Orte, die dich vor Glück weinen lassen.

Orte von denen du weißt, dass sie dir bleiben.