Findesatz-Gedicht 116

Es ist so still hier

so war es früher überall

Dann kamen wir

schufen Licht zwischen Bäumen

erfanden Maschinen

die Vogelstimmen übertönten

Seitdem dringen tagtäglich Geräusche in unsere Ohrmuscheln

treffen Lichtmuster unsere Netzhaut

Manche von uns gehen ins Kloster für eine Woche oder drei Tage

um dem Schweigen zu lauschen

Wenn wir den Sternenhimmel sehen

weil der Strom ausfällt

freuen wir uns über Schnuppen

Wir schließen die Augen und wünschen uns was

Ich wünsche mir

ein bisschen mehr Weniger

um zu hören

den Wind in den Weiden

die Flügel der Libelle

den eigenen Herzschlag

Findesatz-Gedicht 70

Wir erklären uns das Leben
und staunen in das Unverständnis hinein
Zeichen und Wunder geschehen
heute wie einst
Wir sollten nicht
Unerklärtes mit Unerklärlichem erklären
Wir sollten
uns das Leben erklären
das Staunen behalten
das Unerklärliche leben lassen
uns hin und wieder
auf eine Bank setzen
und dem Leben still zusehen