Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Sonntag und damit der letzte Buchmessentag. Auch heute war es bei strahlend blauem Himmel erneut ein gut besuchter Messetag.

Am Morgen ging ich zunächst noch einmal durch die Hallen. Dem rechten Verlag, der hier ausstellte, möchte ich keine Aufmerksamkeit schenken. Doch ich fragte die Büchergilde, die direkt gegenüber ihren Stand hatten, ob gegenüber viel los sei. Sie meinten, es sei überwiegend die gleiche Gruppe an Leuten dort zu finden. Die Büchergilde setzte gut lesbare Aussagen, klasse und wichtig, direkt vor Augen des rechten Verlags:

An dieser Stelle möchte ich meine Feststellung hier teilen, dass sehr viele Menschen hier auftraten, die sich gegen Rassismus einsetzten, das war deutlich spürbar und sichtbar.

Stände wie diese gehören für mich zu den Freuden der Buchmesse, Menschen, die mit Liebe ihre Kunst teilen. Hier seht ihr Anna Käse mit ihrem Stand „Kunst für Freunde“. Sie lässt mit einem alten Tiefdruckverfahren ihre Bilder entstehen, die oftmals mit Wort-Botschaften versehen sind und natürlich gab es bei ihr auch Bücher. Hier seht ihr Anna Käse an ihrem Stand, in der Hand hält die ein Bild zu ihrer Reihe der Maschinen, die bei Gefühlen helfen. „Der Hintergrund war, dass ich es so schade fand, dass uns die heutigen Maschinen fast ausschließlich bei materiellen Dingen helfen und meine Maschinen sollen uns bei emotionalen Problemen unterstützen. Wenn du zum Beispiel vergessen hast, was Glück ist, dann reicht dir die Maschine den Schlüssel zum Glück und zieht dich daran wieder nach oben.“ Auch erklärte sie mir die Technik hierzu: „Zusätzlich zu den handgemachten Kupferdruck sind die Bilder wirklich mit alten Metallstücken bedruckt, das sind alte Unterlegscheiben, Zahnräder, Schlüsselringe, die habe ich eingeschwärzt und dann nochmal im Hochdruckverfahren mit abgedruckt.“ Ein Stand, zum lange Stöbern.

Anna Käse – Kunst für Freunde:

Danach hörte ich Hannah Reuter zu, die zu ihrem Buch „Blind mit Kind- Episoden aus unserem Alltag“ erschienen beim Verlag w_orten & meer erzählte und daraus vorlas. Sie sagte, der Titel stelle das im Zentrum, was in ihrem Familienalltag gar nicht im Zentrum stehe, nämlich die Blindheit. „Ich bin nicht in erster Linie blind, ich bin Hannah, ich bin Mutter, ich bin Hundebesitzerin, Kaffeetrinkerin, Tango-Fan und noch einiges mehr. Ich bin natürlich auch blind, aber das schon seit Geburt und das macht das Ganze total normal.“ Da sie jedoch sehr häufig die Frage gestellt bekam, wie das eigentlich gehe, blind mit Kind, entstand die Idee, Kolumnen hierzu zu schreiben, die es nun in Buchform gibt. Eine tolle Lesung zu einer sehr sympathischen Frau.

Hier seht ihr links Toni Thonius vom Verlag w_orten & meer und rechts Hannah Reuter:

Nach der Lesung packten sie die Materialien zusammen, ihr Kind und ihr Assistenzhund waren auch dabei. Den zweiten Assistenzhund, den ihr seht, ist der einer Freundin, die Hannah Reuter auf der Messe begleitet hat. Dieses wie ich finde schöne Foto darf ich auch hier teilen:

Danach besuchte ich den Stand vom Verlag Hermann Schmidt, wo ich viele Schätze entdeckte, wie diese hier. Auch das sind Glücksmomente der Buchmesse, solch wunderbaren Bücher in den Händen zu halten, bei denen ich „Hach, ist das schön“ murmele und darin zu lesen (das untere linke ist ein Notizbuch, das darf selbst gefüllt werden):

Nach einem Aufenthalt in dem Innenhof, der Agora, ging es für mich zur Festhalle. Dort erlebte ich noch ein Teil des bereichernden Gesprächs „Süß oder sauer? Der Kampf um die Wut“ in der Reihe „SHEROES-Streiterinnen für die Zukunft“. Jagoda Marinić sprach mit Ann-Kristin Tlusty, die das Buch „Süss“ geschrieben hat und Nataly Amiri, die Iran-Korrespondentin vom ARD und Autorin des Buchs „Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran“.
Nataly Amiri sagte am Ende des Gesprächs: „Das ist mein Wunsch, dass wir nicht phlegmatisch werden und auf dem Sofa sitzen, die Demokratie ist sehr zerbrechlich und wir haben hier ein hohes und wertvolles Gut, Demokratie und Freiheit, das wir verlernt haben zu schätzen und für die sollten wir aufstehen und uns einsetzen.“

Von links nach rechts seht ihr Jagoda Marinic, Ann-Kristin Tlusty und Nataly Amiri:

Hiernach befragte Marion Kuchenny den Theaterregisseur Tobias Ginsberg zu seinem Buch „Die letzten Männer des Westens.“ Tobias Ginsberg hat sich ein Jahr lang undercover in antifeministische, rechtsgesinnte Männergruppen bewegt und dort recherchiert. „Wo liegt der Reiz des Extremismus?“ dieser Frage wollte er nachgehen. Tobias Ginsberg ist dafür, zu begreifen, was Angst macht, dann mache es keine Angst mehr, denn dann würde es greifbar. Er wollte begreifen, wie sie glauben, um sie dann greifen zu können. Er sagte, dass er glaube, dass „wir in unserer Gesellschaft viel erreichen können, doch wir dürfen uns nicht ausruhen, die Kräfte lauern an allen Ecken.“ 

Bärbel Schäfer war im Gespräch mit Dietrich Grönemeyer zu seinen Kinderbüchern „Der kleine Medicus“:

Liola Albus signierte ihr aktuelles Buch „Älter werde ich später!“:

Draußen war auch Ulrike Folkerts zu hören, die zugeschaltet war und über ihre Autobiographie „Ich muss raus“ erzählte:

Schönes und Typisches hier: Menschen, die lesen. Ich finde, ein Buch in den Händen ist doch viel schöner als ein Handy in den Händen.

Bücher können nicht nur gelesen werden, manchmal dienen sie auch als Kopfkissen:

(Danke den Beiden, dass ich die Bilder hier teilen darf.)

Auch die Aktion „Faires Lesen“ war ein Thema hier, denn Schreiben ist nicht umsonst. Im Netz findet ihr mehr Informationen hierzu:

Hier seht ihr Ingrid Brodning, die über ihr Buch „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online“ sprach. Sie gilt als Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in der digitalen Welt:

Die letzte Veranstaltung des Tages war die „GastRollen-Übergabe Kanada 2021 -Spanien 2022“. Diese Veranstaltung ist immer ein krönender Abschluss der Buchmessentage. Bei dieser Feierlichkeit wird das Gastland verabschiedet und das neue Gastland wird begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sprach mit dem kanadischen Schriftsteller Dany Laferrière (mittig im Bild) und dem spanischen Schrifsteller Manuel Vilas (rechts im Bild).
Es fielen viele wunderbare Sätze in dem schönen Gespräch. So sagte Dany Laferriere: „Es ist toll, dass es einen Ort des Buches gibt“ oder „Das große Geschenk des Buches ist die Ruhe.“ Zum Schreiben sagte er: „Man geht in eine Art Brunnen rein, man taucht ein und versucht ein Licht zu sein, das auch für andere scheint.“
Manuel Vilas äußerte sich: „Meine Literatur entsteht aus der großen Liebe zum Leben“ und „Das Leben hat ohne Liebe keinen Sinn“ und ein letzter seiner Sätze „Ich bin verliebt in das Leben, es ist ein großes Mysterium , alle, die wir hier sind, wir leben, das ist ein großes Wunder.“ :
Mich Satzsammlerin erfreuen solche Sätze sehr.

Auf dem nächste Foto seht ihr Juergen Boos, den Dirketor der Frankfurter Buchmesse, im Gespräch mit Caroline Fortin und María José Gálvez.
Carolin Fortin sagte zu ihren Erfahrungen als Gastland Kanada: „Wir haben gedacht, wir wollen die Menschen überraschen und wir haben uns auch selbst überrascht.“
María José Gálvez äußerte sich bezüglich des zukünftigen Gastlands Spaniens: „Wir möchten gerne zeigen, wie wir sind. Wir möchten uns zeigen als Land aber auch als Kultur und Literatur.“
Carolin Fortin bedankte sich bei ihrem ganzen kanadischen Team für diese intensive Zeit:

Und nun überreichte Kanada die traditionelle GastRolle an den neuen Ehrengast Spanien:

Großartige spanische Musik einer Brassband gab es auch:

Und hier noch zwei Abschlussbilder der Veranstaltung:

Noch ein paar Informationen, worauf die Frankfurter Buchmesse zurückblickt:
36.000 Fachbesucher*innen aus 105 Ländern und 37.500 Leser*innen aus 85 Ländern haben die diesjährige Frankfurter Buchmesse besucht und 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich hier.
Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte in seiner Rückschau: „Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen. Dies zeigt, wie resilient und kreativ unsere Branche ist. (…) Man konnte die Wiedersehensfreude in den Hallen förmlich spüren.“
Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, äußerte sich: „Die Frankfurter Buchmesse war geprägt von Wiedersehensfreude und Aufbruchsstimmung. (…) In aufgewühlten Zeiten standen auch wichtige gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir intensiv weiterführen müssen und werden – so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen in unserer Gesellschaft und auf Buchmessen.“

Wie ich oben bereits schrieb, fanden sehr viele Gespräche zu den Themen Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, Gendern und Meinungsfreiheit statt, das fiel sehr ins Gewicht. Auch das wichtige Thema Nachhaltigkeit war immer wieder erlebbar.
Das große Thema der Buchmesse war „Wir wollen wir Leben“, hierauf wurden viele reichhaltige Antworten geschenkt. Und wie bei allen guten Fragen und Antworten, laden diese auch zu weiteren Fragen und Überlegungen ein.

Was nicht fehlen darf, ist ein Danke an Rosa und Andy für all die vielen leckeren Tees, die ich – und viele andere Menschen – an ihrem Yogi-Tee-Stand in den letzten Tagen trinken durfte:

„Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse“, diesen Satz hörte ich hier einige male.
Ich blicke auf wunderbare intensive Buchmessen-Tage zurück, auf eine große Vielfalt an Gehörtem, Erlebtem, an berührenden Momenten und natürlich an Büchern.
Damit beende ich meine diesjährigen Berichte von der Frankfurter Buchmesse und sage,
es grüßt euch aus Frankfurt

Eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Heute ist bereits der 4. Tag der Frankfurter Buchmesse. Schon am Morgen war zu erleben, dass es nun am Wochenende deutlich voller ist und dass der Kartenverkauf für heute ausgeschöpft war. Das freut mich sehr für alle Aussteller*innen und die Buchbranche. Mehrmals hörte ich von den Mitarbeiter*innen an verschiedenen Ständen: „Das haben wir so vermisst. Es ist so schön, dass wieder viel los ist.“

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, in der die „SWR-Lesenswert“-Veranstaltung stattfand. „Es wird viel um Frauen gehen, um Paare und viel um Liebe“, so die Moderatorin Anja Höfer. Tolle Interviews zu tollen Büchern erlebte ich hier.
Diese Bücher wurden vorgestellt:
Florin Illies „Liebe in Zeiten des Hasses“
Pascal Hugues „Mädchenschule“
Nicole Seifert „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“, das Wort Frauen ist hierbei durchgestrichen
Hannah Lühmann „Auszeit“ und
Andreas Schwab „Zeit der Aussteiger. Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità“

Anja Brokert im Gespäch mit Florian Illies:

Anja Höfer im Gespräch mit Pascal Hugues (links im Bild) :

rechts Nicole Seifter:

links Hannah Lühmann:

rechts Andreas Schwab:

Jetzt führte mein Weg mich zu der Veranstaltung vom ELIF Verlag „Isländsiche Lyrik mit Wolfgang Schiffer.“ Wolfgang kenne ich seit einigen Jahren über den Blog und es war schön, dass wir uns nun vor Ort begegnen konnten. Mit dem Verleger Dincer Gücyeter, stellte er wunderbare isländische Gedichtbände vor und Wolfgang las daraus vor. So hörten wir Auszüge aus dem Gedichtband „Das Kleingedruckte“ von Linda Vilhjálmsdóttir und aus „Lederjackenwetter“ von Frída Ísberg. Ein sehr schöner Moment der Buchmesse war es, diesen Gedichten zu lauschen. Ich wusste beim Zuhören der Worte, dass ich mir diesen Gedichtband gleich am Stand kaufen möchte. Wolfgang Schiffer hat auch Gedichte aus Island eingelesen, die vertont wurden „Das Alphabet des Feuers“. Nächstes Jahr, so stellte er vor, wird es einen „Poesiebrief“ geben, auf den ich mich nun schon freue. Eine Besucherin sagte am ELIF Stand zu Wolfgang: „Sie sind meine Entdeckung der Buchmesse!“ Was ein wunderbares Kompliment für den ELIF Verlag. Um zwei Bücher reicher ging es, nach einem angenehmen Gespräch mit Wolfgang, weiter.

Bei der Lesung:
links Wolfgang Schiffer, rechts Dincer Gücyeter:

Und am ELIF Stand:

Es gibt viele kleine und große Verlage hier und ich bin mir bewusst, dass ich viele sicherlich wundervolle Verlage gar nicht wahrnehme. Da reichen selbst mehrere Messetage nicht, um all das Vorhandene zu entdecken. Auch das gehört zur Buchmesse, dass nicht alle Schätze wahrgenommen werden können.

Erneut erlebte ich Samira El Quassil und Karig Friedemann, die in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung der Frage nachgingen, wie groß die Macht der Geschichten ist und wie Narrative die Welt prägen. Ihr Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen“ zeigt den großen Einfluss, den Geschichten haben, sie behandeln darin das Patriarchat bis zur Klimakrise. „Man kann nicht nicht Geschichten erzählen, um so wichtiger, dass wir uns gewahr werden, was wir machen“, so Samira El Quassil. Es ging auch um den Begriff „Klimawandel“ während des sehr interessanten Gesprächs, dass dieser Begriff die Klimakrise verharmlose und wie bedeutsam es sei, dass wir immer schauen, wer welchen Begriff warum benutze. In ihrem Buch fordern sie „Mut zu mehr Phantasie und Mut zu utopischem Denken.“


Der Innenhof der Buchmesse, die Agora, lädt mich immer wieder ein:

Hier seht ihr Marc Elsberg, den Autor des Bestsellers „Blackout. Morgen ist es zu spät“. Nun gibt es eine Premiumausgabe des Thrillers mit einer  Kurzgeschichte von Marc Elsberg wie es weitergehen wird mit der Geschichte und anderen Extras, wie Materialen zur Verfilmung der Serie:

Lange Schlangen vor der Signierbox waren heute vorhanden:

Hier ein Bild von der Veranstaltung „Brauchen wir noch Politikbücher?“, deren Ende ich mitbekam. Ihr seht Sarah Wagenknecht und die Verlegerin Britta Egetmeier (rechts) im Gespräch mit der Spiegel-Moderatorin Susanne Beyer (links):

Danach besuchte ich die Veranstaltung „Frauen in der Literatur – nicht mehr zu übersehen!“ mit Nicole Seifert („FrauenLiteratur“, erinnert ihr euch, das Buch, bei dem Frauen durchgestrichen ist) und Simone Buchholz (die Autorin der „Chastity-Riley-Kriminalromane“) und den Moderatorinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler. Eines der Themen in der Diskussion war der Blick auf die Literatur, die in der Schule besprochen wird. Dieser Literaturkanon zeige sich noch immer sehr männerlastig. „Wo sollen wir denn anfangen, wenn nicht in der Schule? Ich würde mir wünschen, dass da einmal mit einem ganz großen Besen gekehrt werden kann, damit das schneller geht.“, so Simone Buchholz.

Angela Wittmann, Nicole Seifert, Simone Buchholz, Meike Schnitzer (von links nach rechts):

Was gibt es hier noch zu sehen? Natürlich lesende Menschen. Netterweise durfte ich die beiden fotografieren und darf es hier teilen, zeigt es doch so schön die Lesefreude:

Morgens sehen wir uns am Frühstücksbüffet des Hotels und nachmittags besuchte ich ihren Stand: Kerstin Groeper (die Verlegerin und Schriftstellerin) und Katharina Schacht (One Spirit DL e.V.) am TraumFänger Verlag, ein Verlag zum Thema Indianistik. Schon bei den morgendlichen Gesprächen konnte ich ihre große Leidenschaft für diese Thematik entdecken.

Die Verlegerin Kerstin Groeper rechts im Bild und links Katharina Schacht:

Ich schreibe meinen Buchmessenbericht hier vor Ort auf der Buchmesse selbst, mal ziehe ich mich dazu in den ruhigen Pressebereich zurück, mal sitze ich in der Festhalle oder sitze draußen und schreibe.
Irgendwann schließen die Türen und wir – ja, wir, denn mein Mann ist inzwischen auch hier – wollten bis zur Abendveranstaltung noch hinaus. Doch dann blieben wir am Podcast Stand, dem detektor.fm, der der offizieller Podcast-Partner der Frankfurter Buchmesse ist. In den letzten Tagen habe ich bereits mehrmals den Gesprächen dort live zugehört. Nun moderierten sie gerade ihre Abschlussrunde des heutigen Tages, die Nachbarstände und Gänge waren bereits leer. Alle Mitarbeiter*innen kamen hierzu zusammen und erzählten ihre schlimmsten und schönsten Messeerlebnisse im Podcast. Es war ein Genuss, zuzuhören.

Und nach dem offiziellen Ende des Podcasts ließen sie die tolle Musik noch weiterlaufen und es gab zum Abschluss eine Tanzsequenz. Ich darf das Foto hier teilen:

Auch das war ein Glücksmoment pur für mich, dort – in dem nun sehr leeren Forum – zu tanzen, denn das machte ich. Bücher und Tanzen, zwei Dinge, die ich so sehr mag und die alles andere als Dinge sind. Sagte ich schon mal, wie sehr ich die Buchmesse liebe?

Abends ging es dann zur letzten Veranstaltung des Tages, der ZEIT-Literaturtalk. Volker Weidemann war im Gespräch mit Jenny Erpenbeck „Kairos“ und Julia Franck „Welten auseinander“. Feinsinnige Gespräche zu den Büchern, zu dem Werdegang der Autorinnen und ihrem Schreiben konnten wir hier erleben.

Volker Weidemann, Jenny Erpenbeck und Julia Franck:

Auf die Frage, was Jenny Erpenbecks glücklichster Moment in ihrem Buch „Kairos“ ist, nannte sie „die Begegnung der beiden Hauptfiguren, es ist Liebe auf den ersten Blick und alle anderen Augenblicke, die kommen, werden an diesem ersten Augenblick gemessen, den Augenblick des Zusammentreffens.“ Alles im Leben der beiden Hauptfiguren, die junge Katharina und den wesentlichen älteren, verheirateten Hans, verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Von Jenny Erpenbeck fiel auch der Satz: „Geheimnisse hinterlassen Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, dass Dinge, die verschwiegen werden genauso viel Gewicht haben wie Dinge, die erzählt werden.“

Julia Francks „Welten auseinander“ ist ein sehr persönliches und ehrliches Buch. Julia Franck schreibt über ihr Aufwachsen, über eine Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, über eine frühe Flucht aus der DDR, sie schreibt über ihre große Liebe und über Schmerz und Tod. „Beim Schreiben vergegenwärtigen wir Dinge, die nicht verloren gehen sollen.“, so Julia Franck mit ihrer besonnenen und ummantelnden Stimme, der ich sehr gerne zuhöre.

Später wurde Elif Shafak aus London zugeschaltet. Elif Shafak ist eine türkische Schriftstellerin, die in ihren Büchern oft ein Sprachrohr ist für Menschen, die nicht gehört werden.

In ihrem aktuellen Buch „Das Flüstern der Feigenbäume“ lässt sie einen Baum sprechen. Es geht um das geteilte Zypern, über einen Feigenbaum, der sprechen kann und ins Exil geht und um eine Liebesgeschichte. Ihr Buch feiert die Diversität, die Liebe, das Leben, so Elif Shafak. Im Gespräch erzählte sie, dass Bäume und Achtsamkeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben höre sie, so erzählte sie, Heavy Metal, am liebsten immer wieder das gleiche Lied.
Alle drei vorgestellten Bücher sind in meinen Augen sehr lesenswert und meine Liste, der noch zu lesenden Büchern, hat sich abermals vergrößert.

Somit geht ein weiterer wunderbarere Buchmessentag zu Ende und es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3

Heute ist der 3. Tag der Frankfurter Buchmesse und ab Mittag wurden die Türen für das Privatpublikum geöffnet.

Mein erster Besuch am Morgen ging zum Pressegespräch mit Tsitsi Dangarembga, bei dem „wir Medienvertreter*innen“ Fragen stellen konnten. Tsitsi Dangarembga erhält Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie ist eine Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe und eine wichtige Künstlerin ihres Landes sowie eine bedeutsame Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur. Tsitsi Dangarembga beschäftigt sich in ihren Romanen mit dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Sie setzt sich für Freiheitsrechte ein. Ihr Wirken geht über das in ihrem Land hinaus.

Auch später erlebte ich sie noch in einem Gespräch. Hier sind auch ihre Bücher sichtbar:

Am Morgen war es in den Hallen noch leer und ich stöberte durch eine weitere Halle.
Auch Polizisten hatten Interesse an der Gutenberg-Ausstellung und haben und sich die Buchpresse erklären lassen:

Dieses Internationale, das hier auf der Buchmesse zu finden ist, mag ich sehr. So klingen den ganzen Tag vielfältige Sprachen an mein Ohr. Auch in den Hallen der internationalen Aussteller ist diese Vielfalt erlebbar. Viele schöne Stände gibt es hier zu entdecken und ich wünschte, ich könnte mehr Sprachen sprechen, um viele dieser Bücher lesen zu können. Gerne teile ich einige Eindrücke von dort.

Hier seht ihr den slowenischen Stand:

Der Stand von Kolumbien:

Hier präsentiert sich Pakistan:

Bei diesem Stand von Taiwan, der wie eine Küche gestaltet ist, dachte ich, wie passend, sind doch Bücher Nahrung für die Seele:

Der fröhliche indische Stand:

In dieser Halle ließ ich mir viel Zeit und wünsche ihm viel Publikum.

Ecken zum Entspannen sind immer wieder auf dem Messegelände eingebaut:

Auch draußen lassen sich immer wieder Pausen einbauen und zwischendurch werde auch mal ich fotografiert:

Hier seht ihr Jagoda Marinic im Gespräch mit Svenja Faßpöhler („Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“) und Dilek Güngor („Vater und ich“):

Bei diesem und sehr vielen der hier stattfindenden Gespräche ging und geht es auch um das Thema Rassismus. Die Autorin Jasmina Kuhnke („Schwarzes Herz“ heißt ihr aktuelles Buch) hat ihren Besuch der Frankfurter Buchmesse aufgrund von Bedrohungen seitens der rechten Szene abgesagt.
Bei der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag sagte Juergen Boos dazu, dass ein rechtsgesinnter Verlag hier ausstellt: „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist.“ 
Bei den Diskussionen um dieses Thema höre ich unterschiedliche Stellungnahmen, viele können die Reaktion von Jasmina Kuhnke und anderen Schriftsteller*innen, die sich ihr angeschlossen haben, verstehen, viele andere betonen jedoch, dass sie es wichtig finden, hier zu sein, da Worte eine Kraft haben und sie diese Kraft nutzen möchten und gerade nun Präsenz zeigen wollen. Einander zuhören und darüber diskutieren, das erlebe ich hier.

Nun zu Harald Welzer, der im Gespräch zu seinem neuen Buch „Ankommen. Ein Nachlass auf mich selbst“ war. Dieses sicherlich sehr lesenswerte Buch lässt sich in drei Bereiche aufteilen: Im ersten Teil hält Harald Welzer eine Brandrede zum Klimathema, im zweiten Teil sind Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten aufgeschrieben und im dritten Teil schreibt er einen Nachruf auf sich selbst. „Was möchte ich, was in meinem Nachruf stehen könnte? Worauf möchte ich am Lebensende zurückblicken?“, diese guten Fragen stellte Harald Welzer zu seiner Idee des Nachrufs. Diesee Nachruf soll nicht als wirklicher Nachruf verstanden werden, sondern diene der Reflexion des eigenen Lebens. Ich finde, das regt zum Nachmachen an.
In Harald Welzers Nachruf soll etwa stehen „Er hat sich stets bemüht, gute Fehler zu machen“ und „Er konnte gut Zeit verschwenden.“ Sätze, die ich mag.

Hiernach erlebte ich Sven Regener, der sein Buch „Glitterschnitter“ vorstellte. Er las – mit einer sehr lebendigen und mitnehmenden Stimme – eine Szene aus seinem Buch vor, die in Ikea spielt und äußerst amüsant war.

Bülant Ceylan sprach zu seinem Buch „Ankommen. Aber wo eigentlich?“ Ein Buch, das er als Liebeserklärung an seine Frau und an seine Eltern beschrieb. Natürlich tauchten auch viele amüsante Sätze auf, wie: „Angela und Fritz heißen meine Geschwister, die Leute lachen immer, aber es ist wirklich wahr.“

Teile des Podcast-Gespräch mit Friedemann Karig und Samira El Quassil, die das Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben verändern“ geschrieben haben, konnte ich hören.

Hier ein Bild des Podcast-Gesprächs mit Mohamed Amjahid, der das Buch „Der weiße Fleck“ geschrieben hat:

In der Signierbox entdeckte ich Ursula Poznanski. Ihr aktueller Jugendroman „Shelter“ klingt sehr interessant. Ihre Erebosbücher fand ich so mitnehmend und spannend, dass ich sie kaum weglegen konnte.

Im Kanada Pavillon erlebte ich abermals die Künstlerin Vivek Shraya mit einer tollen Performance:

Auch diese gute Aussage teile ich gerne hier:

Am Abend fand die große ARD-Buchmessennacht statt. 15 Autor*innen wurden von Alf Mentzer und Catherine Mund interviewt und stellten ihre neuen Bücher vor. Ein sehr vielseitiger Abend mit:
Marina Weisband „Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen von ihrem Leben“
Eva Menasse „Dunkelblau“
Sönke Wortmann „Es gilt das gesprochene Wort“
Antje Ravik Strubel „Blaue Frau“
Svenja Flaßpöhler „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“
Stefan Aust „Xi Jinping“
Sven Regener „Glitterschnitter“
Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschikv „Mitte“
Johanna Adorján „Ciao“
Armin Nassehi „Unbehagen“
Lukas Rietzschel „Raumfahrer“
John von Düffel „Die Wütenden und die Schuldigen“,
Helen Macdonald „Abendflüge“
Klaus Pohl „Sein oder Nicht Sein“
Bülent Ceylan „Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“

Hier einige Bilder des Abends:

Catherine Mund (links) und Marina Weisband (rechts):

Alf Mentzer (links) und Sönke Wortmann (rechts):

Volker Kutscher und Kat Menschikv:

John von Düffel:

Helen Mcdonald:

Klaus Pohl:

Sönke Wortmann schenkte an dem Abend den Satz: „Worte können die Welt besser machen.“
Bülant Ceylan las zwischen den Interviews immer wieder aus seinem Buch vor und las seinen guten Satz: „Jeder von uns kann seinen Teil zu einer offenen, respektvollen und toleranten Gesellschaft beitragen.“
Einen weiteren Satz von Bülant Ceylan teile ich hier gerne:“ Es ist schön, wieder Lachen zu hören, letztes Jahr habe ich nur vor Autos gespielt. Ich denke immer, hier sitzen Pappkartons.“
Zum Glück war und ist hier viel Echtheit, Lachen, Tiefe, Gespräche, Diskussionen und viel Lebendigkeit.

Es grüßt euch aus Frankfurt zu später Stunde,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der erste offizielle Buchmessentag für das Fachpublikum.

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, dort sprach Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse mit den kanadischen Autoren Kim Thuy und Michel Jean. In dem schönen und humorvollen Gespräch wurde die Vielfalt Kanadas deutlich und die Magie, die Bücher besitzen.

Bücher, die zum Entdecken einladen, gibt es auch in der Festhalle:

Draußen probierte ich den Loop aus, eine Licht- und Soundinstallation zu literarischen Werken aus Quebec.

Danach ging ich zum Blauen Sofa in einer der Hallen, deren Gänge noch leer waren.

Hier sprach die Moderatorin Wiebke Poromlka mit der frisch gekürten Buchpreisträgerin Antje Rávik Strubel über ihr Buch „Die blaue Frau“, das Montag als bester deutschsprachiger Roman des Jahres ausgezeichnet wurde. Es geht um eine widerspenstige junge Frau, die auf der Flucht vor ihren Erinnerungen an erlebte sexuelle Gewalt ist. „Der Roman vermag Sprachlosigkeit zu überwinden.“, beschrieb die Moderatorin. „Es ist eine poetische Gerechtigkeit, wenn es schon sonst keine Gerechtigkeit gibt.“, so Antje Rávik Strubel in dem Gespräch.

Der Moderator René Aguigah ist hier im Gespräch mit dem Historiker und Schriftsteller Per Leo zu seinem Buch „Tränen ohne Trauern. Nach der Erinnerungskultur“ zu sehen:

Und hier seht ihr den Bestsellerautor Arno Strobel, der zu seinem Psyhothriller Sharing interviewt wurde:

Danach hörte ich Thomas Gsella zu, in dessen Gedichten Humor und Tiefe wohnen. „Ich zahl’s euch reim! Neue politische Gedichte“ steht nun auf meiner Wunschliste. Auch im Interview mit Andreas Schäfer vom Verlag Antje Kunstmann zeigte er viel Humor.

Die Stände luden zum Stöbern ein.

Dieses wunderschöne Bilderbuch hat sofort mein Herz erobert:

Eine Seite daraus:

Nun ging es wieder zur Festhalle und ich hörte dem tollen Gespräch zwischen der Moderatorin Jagoda Marinic und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyzen-Kim zu im Rahmen der Reihe „Sheroes – Streiterinnen für die Zukunft“. „Es gibt eine Diskussionsklimakrise neben der Klimakrise“, sagte Mai Thi Nguyzen-Kim zu dem sprachlichen Umgang in den sozialen Medien. Ihre große Freude an der Wissenschaft war deutlich zu sehen und zu spüren und ist ansteckend. „Man erklärt sich die Welt nicht weg, man macht sie sich immer wunderbarer.“, so eine ihrer Antworten.

Weiter ging es für mich durch die Gänge.

Ein besonderer Genuss ist es immer wieder, an den künstlerischen Ständen zu verweilen und mit Ausstellerinnen zu reden, die ich jedes Jahr hier treffe.

Hier sehr ihr Petra Lorenz von der edition-leuchtkäfer. Sie zeigt, wie schön und kostbar die „einfachen Dinge“ sind.

Diese Wunschmaschine finde ich  klasse:

Danach hörte ein Teil des Gesprächs zwischen der Moderatorin Bärbel Schäfer und der Schriftstellerin Eva Menasse zu, zu ihrem Roman „Dunkelblau“:

Selfies sind auch bei Moderatorinnen beliebt, wie ihr seht:

Den guten und wichtigen Aussagen von Harald Lesch hörte ich zu, der über sein Buch „Erneuerbare Energien“ sprach. Ein Buch, von dem ich mir wünsche, dass es auch von den Politikerinnen und Politikern gelesen und beachtet wird.

Anschließend konnte ich noch ein Teil des guten Gesprächs „Gendern – Wie Sprache elegant für alle gelingt“ zuhören. Ihr seht hier Kathrin Kunkel-Razum vom Dudenverlag, die Fernsehjournalistin Petra Gerster, Bernward Loheide von der dpa und Constanze Neumann vom Aufbau Verlag.

Draußen machte ich Pausen. Auch hier ist es leerer als sonst. Das Yogi-Zelt vermisse ich, doch zumindest gibt es den beliebten Yogi-Tee-Stand in der Festhalle. Frankfurter Buchmesse und Yogi-Tee gehören einfach zusammen.

Ein nächstes gutes Interview hörte ich, bei dem der Moderator Joachim Dicks die Autorin Alina Bronsky zu ihrem Buch „Barbara stirbt nicht“ und den Autor Ralph Bollmann „Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Zeit“ interviewte. Alinas Bronskys Buch wurde als Buch mit Wärme, Humor und Perspektive beschrieben. Ich hörte dem Vorlesen einzelner Seiten sehr gerne zu und auch dieses Buch kommt auf meine Wunschliste.

Abends fand die Veranstaltung Canada Night statt. Eine Veranstaltung mit wundervoller Musik, Tanz, Literatur und Diskussionen. Hier einige Eindrücke des Abends:

Dieser Abend schenkte einen bereichernden Blick auf Kanada. Die Diversität, die vielen Künste und die Schönheit Kanadas war spür- und erlebbar. „Vielfalt ist da“, sagte Vivek Shraya und diesen schönen Gedanken nehme ich mit. Beim Rausgehen gab es noch diese feine kanadische Überraschungstüte, die ich ebenso gerne mitnehme.

Es grüßt euch aus Frankfurt, mit vielen Eindrücken, Marion

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 6

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Hier kommt mein Bericht vom 6. und damit letzten Tag der 71. Frankfurter Buchmesse.
Der Sonntag war der Abschluss der Frankfurter Buchmesse und ich blickte gespannt darauf, was mich heute erwarten würde. Wie in den Tagen zuvor, hatte ich mir einige Veranstaltungen herausgesucht, anderes geschah spontan. Mir war es heute wie auch an allen anderen Tagen nicht möglich, all das zu besuchen, was mich interessierte. So ist dieser gesamte Bericht nur ein kleiner Einblick in diese Buchmessen-Woche mit dem enorm reichhaltigen und interessanten Programm.

Auch an diesem Tag war die Buchmesse gut gefüllt. Oft schaute ich mir die Menschenmenge an und dachte: Das Buch lebt, es ist bunt und vielfältig wie diese Messe. Die offiziellen Besucherzahlen bestätigten meinen Eindruck: Insgesamt kamen 302.267 Besucherinnen und Besucher zur Buchmesse, ein Zuwachs von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein Grund, optimistisch in die Buch-Zukunft zu schauen.

Mein erster Weg an diesem Morgen führte mich zu der Veranstaltung „Ein Appell von Reinhold Messner: Rettet die Berge“. Reinhold Messner, dessen neues Buch „Der Eispapst: Die Akte Welzenbach“ heißt, wurde von Stefan Mayr interviewt. „Der Berg ist absichtslos. In der Auseinandersetzung Berg – Mensch macht nur der Mensch Fehler. Der Berg kann keine Fehler machen.“, so Reinhold Messner.

BM 6b

Hiernach hörte ich David Höner im Gespräch mit Danielle Baumeister zu, der zu seinem Buch „Kochen ist Politik. Warum ich in den Dschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden“ erzählte. Mit seiner Hilfsorganisation „Cuisine sans frontieres“, Kochen ohne Grenzen, reist David Höner durch Krisenregionen der Welt, um Menschen beim Kochen und Essen einander näher zu bringen. „Das Rezept ist jetzt nicht, man nehme 10 Gramm Salz und 1 Kilo Mehl, das Rezept ist die Begegnung.“, war einer seiner Sätze. Ein weiterer seiner Gedankengänge: „Wenn ich zum Beispiel zu Ihnen komme und sage, ich hätte gerne 100 Gramm Mehl, weil ich kein Mehl mehr zu Hause habe und ich möchte einen Kuchen backen, dann werden Sie mir das Mehl geben und nicht sagen, Sie müssen mir aber Morgen 150 Gramm Mehl zurückgeben, sondern ich krieg das und ich bringe dann 100 Gramm Mehl mit einer Tafel Schokolade oder einem Stück Kuchen zurück, weil ich mich so freue. Diese Art und Weise zu handeln, ist eine menschliche Art und Weise zu handeln. Aus unerfindlichen Gründen haben wir das umgedreht und in unserer Wirtschaftshaltung machen wir genau das: wir geben 100 Gramm Mehl und bestehen darauf, dass wir 150 Gramm Mehl zurückbekommen. Und wenn wir die 150 Gramm nicht zurückbekommen, bestrafen wir den anderen.“ Noch ein weiterer seiner Gedankengänge: „Ich glaube, alle wollen die Welt verbessern. Alle können das auch. Weltverbessern ist nicht das Privileg von ein paar wenigen Leuten, die das gerne möchten, sondern Weltverbessern ist eigentlich der ganz normaler Inhalt, den wir haben, wir wollen uns und unseren Familien und unserer Umwelt mit guten Taten eine Verbesserung zukommen lassen.“

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Im Norwegen-Pavillon wollte ich Jostein Gaarder erleben. Sein Buch „Sophies Welt“ ist sicherlich den meisten Menschen ein Begriff. Sein neues Buch trägt den Titel „Genau richtig, Die kurze Geschichte einer langen Nacht.“ Jostein Gaarder war leider erkrankt, doch seine Rede wurde nun vorgelesen. Hier ein Auszug daraus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Diese Regel muss selbstverständlich die nächste Generation miteinbeziehen. Sie muss absolut alle, die nach uns auf diesem Planeten leben werden, miteinbeziehen. Die Menschen leben nämlich auf dieser Erde nicht alle gleichzeitig. Die gesamte Menschheit lebt nicht auf einmal. Es lebten Menschen vor uns hier, manche leben jetzt und wiederum andere werden nach uns leben, aber auch die, die nach uns leben werden, sind unsere Mitmenschen. Wenn wir es schaffen wollen, unsere eigene Lebensmittelversorgung und biologische Vielfalt dieses Planeten zu erhalten, setzt dies eine kopernikanische Wende in unserem Denken voraus. Genauso naiv wie es war zu glauben, dass alle Himmelskörper um unsere Erdkugel kreisen, genauso naiv ist es, so zu leben, als drehe sich alles um unsere Zeit.“ Auch wenn er selbst nicht da sein konnte, seiner Rede zuzuhören, war sehr schön.
Ein Foto von Jostein Gaarder an diesem Tag ist demnach nicht möglich, doch ich konnte ihn erleben, als er am Dienstag aus dem Literaturzug ausstieg. Das Foto füge ich nun hier ein, ihr seht Jostein Gaarder vorne rechts:

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Denis Scheck erlebte ich auch auf der ARD Bühne mit „Best of Druckfrisch“. In seiner gewohnt temporeichen und humorvollen Art stellte er Bücher vor und endete mit den Worten: „Sie müssen Ihre eigene Intelligenz als Leserin und Leser und Ihren eigenen Geschmack entwickeln, wir kommen ja nicht als Menschen zur Welt, wir müssen uns erst selber dazu machen, indem wir unsere Fähigkeiten ausbilden. So eine Buchmesse wie die in Frankfurt ist eine wunderbare Gelegenheit, den Verstand an Literatur zu schärfen und selber auf den Geschmack Lesen zu kommen.“

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Auf der ARD Bühne waren die nächsten Gäste Heiko und Roman Lochmann, früher bekannt unter „Die Lochis“, die hier ihre Geschichte erzählten. Ihr habt es sicherlich längst gemerkt, das Programm der Frankfurter Buchmesse ist sehr vielfältig. Hier seht ihr, dass viele Menschen und wie erwartet besonders jüngere Besucherinnen und Besucher Heiko und Roman Lochmann zuhörten:

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Draußen signierte Ursuala Poznanski die „Erebos“-Bücher:

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Am Wochenende dominierten die Cosplayer das Bild der Frankfurter Buchmesse. Hier machten sie gerade eine Polonaise:

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Plätze fanden sich überall:

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Da ich die Hilde Domin sehr schätze, führte mein Weg mich nun zu Marion Tauschwitz. Marion Tauschwitz war fünf Jahre lang eine enge Vertraute von Hilde Domin und hat sie bis zu deren Tod begleitet. Sie hat bereits eine Biografie zu Hilde Domin geschrieben, in ihrem jetzigen Buch „Das unverlierbare Leben: Erinnerungen an Hilde Domin“ schreibt sie über ihre persönlichen Erlebnisse mit ihr.

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Wieder führte mein Weg zur ARD Bühne, wo ich das Ende der Buchpräsentation „Der junge Doktorrand“ von Jan Peter Bremer mitbekam, bei dem Denis Scheck den Autor interviewte. „Ich habe nie etwas anderes gemacht als Schreiben, mein erstes Buch ist erschienen als ich 22 war und ich kann auch eigentlich nichts anderes.“, war einer der Sätze von Jan Peter Bremer.

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Nun gab es ein interessantes Gespräch auf dieser Bühne, bei dem der Schlafforscher Albrecht Vorster vom Moderator Thomas Ranft interviewt wurde. „Warum wir schlafen“ ist das Buch des Schlafforschers. „Der Schlaf ist definitiv keine Zeit der Ruhe, da wird so viel herumgewerkelt und herausgeschraubt wie zu keinem anderen Zeitpunkt tagsüber.“, so Albrecht Vorster. Unter anderem erzählte er, dass wir im Schlaf all das nochmal erleben, was tagsüber eine große Bedeutung für uns hat. Wie schön, dachte ich, dann habe ich die Frankfurter Buchmesse in der Nacht gleich noch einmal erlebt. Auch ihm hätte ich noch lange zuhören können.

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Auf dem blauen Sofa konnte ich dann Jojo Moyes erleben, deren neues Buch „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ präsentiert wurde. „Ich glaube an die Bildung und an das Wissen, denn wenn wir nichts wissen, dann können wir gar nichts, dann haben wir nicht die Bausteine zur Verfügung.“, so Jojo Moyes im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Biedenkopf.

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Nach einer Pause im Freien, konnte ich der Veranstaltung „Zwischen Hilflosigkeit und Hoffnung – Leben mit dem Klimawandel“ zuhören. Luisa Neubauer hörte ich erneut, die hier sagte: „Das ist die andere große Lehre aus der Vergangenheit, wenn Menschen etwas wirklich wollen, dann geht richtig viel, viel mehr als wir uns vorstellen können.“ Von Thore D. Hansen nahm ich den Satz mit: „Die Lösungen sind da, es liegt tatsächlich an uns. Wenn wir das politisch wollen, dann geht das.“ Prof. Uwe Schneidewind sagte: „Hoffnung ist eine innere Ressource, mit der ich die Kraft in mir mobilisiere.“ Und Michael Müller äußerte sich während des guten Gesprächs: „Wenn ich mal Urenkel habe, dann möchte ich den Urenkelinnen-Test bestehen. Wenn meine Urenkel später fragen: He, der Uropa, der hat doch genau in der Zeit gelebt, als Luisa Neubauer die tollen Bücher schrieb, was hat er denn damals gemacht, hat er die unterstützt, hat er die Welt umkonstruiert? Das wird die Urenkelinnenfrage sein.“

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Ich konnte dem Gespräch nicht weiter folgen, da ich nun ein Presse-Ticket für die Veranstaltung der „Feierlichen Übergabe: Ehrengast Norwegen 2019 – Ehrengast Kanada 2020“ hatte. So führte mich mein Weg erneut zum Norwegen-Pavillon zu meiner letzten Veranstaltung dieser Buchmesse.
Während dieser Veranstaltung dachte ich noch einmal, dass Norwegen ein tolles Gastland dieser Buchmesse war, das viele wunderbare Autoren präsentiert hat. Hier seht ihr das norwegische Team, das ich am Ende fotografieren konnte:

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Im Gespräch zwischen Erlend Leo (Norwegen) und der schlagfertigen Margret Atwood (Kanada) ging es bei dieser Veranstaltung sehr amüsant zu und beide feixten in liebevoller Weise damit herum, welches Land denn nun mehr zu bieten habe. Hier seht ihr sie mit dem Moderator Thomas Böhm:

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Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte anschließend zu den beiden, er wisse nicht, wie man das in Englisch sage, in Deutsch würde man sagen. „Ihr seid schon zwei sehr coole Socken.“ In der Rede von Juergen Boos tauchte auch dieser Satz auf: „Es geht darum, die Menschen zusammen zu bringen.“, und ich dachte beim Zuhören, das vermag diese Veranstaltung wie die ganze Buchmesse und diese wundervolle Welt der Bücher.
Margit Walsø, die Direktorin von NORLA (NORLA hat im Auftrag der norwegischen Regierung den Gastlandauftritt dieser Buchmesse organisiert), fasste zusammen: „Es ging sehr um die Freude am Lesen und alles was hier passiert ist, zwischen den Autoren und dem Publikum, das war sehr inspirierend und das nehmen wir mit.“
Anschließend sagte Caroline Fortin, die Vorsitzende Canada FBM 2020, in ihrer Rede, sie glaube daran, dass Kanada uns im nächsten Jahr überraschen werde. Ja, das glaube ich ihr sofort.
Hier seht ihr die Übergabe des eigens hierfür geschaffenen Kunstprojekts, links im Bild Margit Walsø, rechts Caroline Fortin:

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Dieses Gedicht von Georgette Leblanc wurde eingespielt, mit dem Kanada sich für diese Buchmesse 2020 präsentierte:

Ich bin, sind
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten
All my relations, alle verbunden
Hier ist der Ort des Gedichts
Unsere Augen erfüllt von lebendigen Landschaften
Wir sollten es wissen, wir sind die Träumenden
X, wir sind verantwortlich
Für Schönheit
Ich packe das Eis bei den Hüften
Ich weiß, was ich tue, trotz meiner Jugend
Seine Mutter spricht in Bildern
Auch Sprache ist ein Naturphänomen
Ich kann nur Löwenzahn, Rabe und ein paar Brocken Alge
Kreative Aktivität aller Art wird möglich
Energie wird nicht länger unterdrückt
Man kann immer etwas aus seinem Leben machen
Etwas Altes oder Neues
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten

Die Inuit Throad Singers Charlotte Quamaniq und Alexa Galloway-Alainga mit einem Kehlgesang:

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Die kanadische Sängerin Amanda Rheaume schenkte ein Lied, in dem es um „Story telling“, dem Geschichten erzählen, geht. Ich war berührt, als Amanda Rheaume mit ihrer Stimme und der Gitarre den Raum füllte und am Ende die vielen Menschen aus den unterschiedlichen Ländern in ihr Lied miteinstimmten. Was ein wunderbarer Abschluss dieser Buchmesse!

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Thomas Böhm gab dem Publikum zur Verabschiedung diese Worte mit: „Sie können ein großartiges literarisches Nachspiel der Buchmesse genießen, denn Sie haben die überwältigende Auswahl all der Bücher, die übersetzt worden sind (…) Sie brauchen einfach nur in die Buchhandlung Ihres Vertrauens gehen, wenn Sie die Bücher im Internet bestellen, stirbt irgendwo ein Einhorn.“

Tschüss, Frankfurter Buchmesse!

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Ich blicke auf eine intensive und wunderbare Buchmessen-Woche zurück. Es war eine Feier der Geschichten! Neben der großen Leselust auf viele neue Bücher, nahm ich zahlreiche gute Gedanken und Inspiration mit.
Diese Buchmesse hinterlässt bei mir den Gedanken, dass wir Menschen viel aus Büchern lernen können und Bücher die Welt besser machen. Die Bücher, die ich kennenlernen durfte, und die Gespräche, die ich erlebte, schenken viel Hoffnung, sie betonen das Miteinander und den wichtigen Einsatz für den Klimaschutz.
Schön, dass ihr Leserinnen und Leser an meiner Buchmessen-Woche teilgehabt habt.

Es grüßt euch, Marion, die dankbar auf diese Buchmesse zurück blickt und bereits Vorfreude auf die Frankfurter Buchmesse 2020 hat.
Ich im Spiegel im Norwegen-Pavillon:

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Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 5

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Hier kommt mein Bericht über meinen 5. Tag bei der Frankfurter Buchmesse. Am Wochenende ist die Frankfurter Buchmesse für Privatbesucher geöffnet. Das war an diesem Samstag spürbar, denn es wurde nun voller. Ein gutes Zeichen, dass Menschen Bücher lieben und gelesen wird!

Mein Tag auf der Buchmesse begann im Lesezelt. Dort wurde mit den Preisträgern des Jugendlitertaturpreises 2019 gesprochen. Der Jugendliteraturpreis wurde am Abend zuvor auf der Buchmesse verliehen. Hier hörte ich eine Weile zu. Auf diesem Foto seht ihr Iris Anemone Paul, die in der Kategorie Bilderbuch mit ihrem Buch „Polka für Igor“ gewonnen hat:

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Nun ging ich zum Norwegen-Pavillon, da ich den Schriftsteller Thomas Espedal gerne einmal live erleben wollte. Er und die Schriftstellerin Roskva Koritzinsky wurden von John Freeman zu der Thematik Kurzgeschichten interviewt. Hier legte Thomas Espedal gerade dar, wie poetische Musikalität in einer Kurzgeschichte wohnen kann: „Bababap pomm bababap pomm, dadadadooo, dadadadidado, totottotink,da da da dadooo, todo domm.“:

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Eine ältere Frau neben mir schwärmte nach der Veranstaltung: „Hach, es hat mir so gut gefallen, es war so erfrischend, es war wunderbar.“

Sehr gespannt war ich auf die Veranstaltung „Klimakrise – wie können wir der Aufgabe gerecht werden?“. Luisa Neubauer, die Klimaaktivistin, die für die deutsche Fridays for Future Bewegung federführend ist, traf sich zum Gespräch mit dem CDU Politiker und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet. Das Gespräch wurde begleitet von der Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns. Luisa Neubauer hat das Buch „Vom Ende der Klimakrise“ gemeinsam mit dem Soziologen Alexander Repenning geschrieben, in dem es um die Geschichte unserer Zukunft geht. Es war eine spannende Diskussion und wie erwartet vertraten Luisa Neubauer und Armin Laschet sehr unterschiedliche Standpunkte. Luisa Neubauer erntete viel Applaus und Zuspruch in diesem großen Congress Center. Hier einige ihrer deutlichen Aussagen: „Die Zeit läuft uns davon, ich denke nicht daran, was wir in zehn Jahren machen, ich denke daran, was wir nächstes Jahr machen müssen, welche Weichen gestellt werden müssen und wann das in den Köpfen der Menschen gelangt, die diese politischen Entscheidungen treffen müssen, die diese Impulse treffen und die in der Verantwortung stehen (…) Wir haben eben keine Zeit mehr, es leiden Menschen auf der ganzen Welt und wir vernarren uns hier in kleinen Fragen und wir vergessen, dass es gerade um Leben und Tod geht.“

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Hiernach besuchte ich den Norwegen-Pavillon erneut, um Maja Lunde zuzuhören. Im Gespräch mit John Freeman ging es um „Natur und Literatur“. Nach „Die Geschichte der Bienen“ und „Die Geschichte des Wassers“, hat Maja Lunde nun das Buch „Die Letzten ihrer Art“ geschrieben. Es ist der dritte Band ihres geplanten Klimaquartetts. Auch ihr liegt das Thema Klimaschutz sehr am Herzen, das war in dem Interview deutlich zu spüren. Hier einer ihrer Gedanken: „Die meisten von uns werden nicht leugnen, dass wir nicht gut mit unserem Planeten umgehen und wenn wir unseren Lebensstil nicht ändern, werden wir und jede andere Gattung ganz große Probleme haben.“ Sie erzählte, dass sie oft schlecht schlafe, da sie große Sorge um unseren Planeten habe. Sie schreibe auch diese Bücher, um damit etwas zu verändern und sie sagte so wahr, Literatur berühre die Leserinnen und Leser und gehe direkt ins Herz. „Ich glaube, dass wir anfangen müssen, der Natur zu folgen, wir müssen anfangen eine Pflanze anzuschauen, ein Tier anzuschauen und ihren Wert zu sehen und nicht einfach denken, dass die Natur etwas ist, was für uns nur als Werkzeug fungiert.“, so ein weiterer Satz von Maja Lunde.

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Neben diesen guten Veranstaltungen bestand die Buchmesse auch aus Zeit für Begegnungen. Ich traf mich nun mit Christiane https://365tageasatzaday.wordpress.com und Karin https://11sternschnuppe11.wordpress.com . Es war ein sehr schönes Treffen, bei dem wir erzählten und umher gingen. Zudem tauchte eine verloren gegangene Handtasche wieder auf, was zeigt, dass es auf der Buchmesse nicht nur literaturbegeisterte sondern auch ehrliche Menschen gibt. Schließlich trennten sich unsere Wege wieder, doch wir waren für den Abend erneut miteinander verabredet.

Erinnert ihr euch an den WWF Stand, von dem ich am ersten Tag erzählte? Auch zu dieser Frage lud der Stand ein:

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Mein Weg führte mich nun zum Blauen Sofa, wo ich John Strelecky erleben konnten. Viele kennen ihn sicherlich von den Büchern „The Big Five for Life“ oder „Das Café am Rande der Welt“.
Sein neues Buch „Auszeit im Café am Rande der Welt“ wurde im Gespräch mit Michael Sahr präsentiert. Hier einige von John Streleckys Gedanken: „Wenn wir nicht aufpassen, wird der Tag zur Woche und die Woche zum Monat und der Monat zum Jahr und plötzlich sagt man sich, oh ist schon wieder Weihnachten, und dann ist schon wieder ein Jahr vorbei und deswegen sage ich immer: Man sollte lieber das Abenteuer wagen und was probieren, auch wenn man nicht weiß, ob man es 100 % schafft, aber man lebt es einfach.“
„Weil das Ziel im Leben nicht ist, das Leben irgendwie durchzustehen (…) wenn man dann soweit gekommen ist, das man etwas macht, das einem Spaß macht, dann will man die Zeit nicht irgendwie rumkriegen, man will am Ende des Lebens zurückdenken und sagen: Mein Leben war wirklich toll, ich habe genau das gemacht, was ich tun wollte.“
„Mein Traum ist einfach, das man das Leben zulässt, das in einem steckt und dazu steht, was man besonders macht und dann öffnet sich die Tür zu einer eigenen Welt und ich bin davon überzeugt, dass wir so auch die Welt positiv verändern können. Wenn man sich erlaubt, sich selbst zu sein, ganz authentisch, dann inspiriert das auch alle anderen, die einen sehen.“
Es war ein tolles Interview und ich hätte John Strelecky noch lange zuhören können.

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Kurz erlebte ich Ulrich Tukur auf dem blauen Sofa, der diesmal nicht als Tatort-Kommissar in Erscheinung trat, sondern von Cecile Schortmann zu seinem Buch „Der Ursprung der Welt“ interviewt wurde.:

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Weiterhin konnte ich Melanie Raabe (links im Bild) bei der Veranstaltung „Vom Print zum Podcast“ eine Weile zuhören. Sie und Isa von Heyl (rechts im Bild) wurden hierzu interviewt:

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Danach besuchte ich die Buchvorstellung „Mama Superstar“ von Manik Chander und Melisa Manrique. Das Buch erzählt die Geschichte von 11 Frauen, deren Mütter nach Deutschland emigriert sind. Sie teilen ihre Geschichten in dem Buch und machen damit Mut und zeigen zudem, dass ihre emigrierten Mütter Superstars sind. Links seht ihr die Moderatorin, rechts Manik Chander, eine der Herausgeberinnen.

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Wie jeden Tag lud auch das Draußen ein:

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Hier eine Malaktion, passend zu dem Buch „Im Unterland“ von Robert Macfarlane, in dem es um eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde geht:

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Auf der Buchmesse ging es friedlich zu und die Polizistinnen und Polizisten konnten die Aussicht genießen:

Im Frankfurt Pavilion hörte ich eine Weile bei „Stern Crime Talk – Wahre Verbrechen – wahre Romane“ zu. Charlotte Link (rechts im unteren Bild) und Sabine Thiesler (mittig im Bild) wurden von Samuel Björk interviewt. „Ängste ist etwas, das uns alle beschäftigt, oft mehr als wir nach außen zugeben.“, so Charlotte Link.
Charlotte Link erzählte Anekdoten aus ihrem Leben. Schon als Kind habe sie sich Geschichten ausgedacht und die Rollen im Spiel mit ihren Freundinnen verteilt. Manchmal hätten ihre Freundinnen geweint, seien nach Hause gegangen und konnten abends nicht einschlafen. Natürlich haben sich am nächsten Tag die Mütter der anderen Kinder bei Charlotte Links Mutter beschwert. Ihr seht, ihren Hang zu spannenden Geschichten trug sie bereits als Kind in sich. Es kann auch äußerst humorvoll zugehen wenn es um Kriminalgeschichten geht, das zeigt auch dieses Bild:

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Kai Wiesinger erlebte ich auch kurz. Er wurde von Anna Engel interviewt zu seinem Buch: „Der Lack ist ab.“ „50 ist das neue 30, sagt sich schön, doch der Meniskus versteht das nicht.“, war einer seiner humorvollen Sätze.

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Bei einer Pause im Pressecentrum wuchs meine Vorfreude auf die nächste Veranstaltung: Die Literaturgala. Vorab konnte ich an dem Photocall teilnehmen, bei dem in angenehmer Atmosphäre so kurz vor der Literaturgala die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Gala für Fotos zur Verfügung standen:

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Ihr seht: Thomas Böhm, Juergen Boos, Maja Lunde, Bärbel Schäfer, Margaret Atwood, Ken Follett, Elif Shafak, Bela B Felsenheimer, Colson Whitehead und Nina Petri.

Gemeinsam mit Christiane und Karin genoss ich dann diesen wunderbaren Abend.
Bärbel Schäfer eröffnete die Literaturgala mit den Worten: „(…) Die Frankfurter Buchmesse ist ein Ort der Vielfalt, des Respektes und der Anerkennung des Anderen und ich habe das Gefühl, wo Literatur ist, wo Kreativität ist, da ist auch immer Hoffnung.“ Es war eine Literaturgala, bei der großartige Menschen zu Wort kamen, tolle Bücher vorgestellt wurden und während der Interviews Lachen ebenso wie Tiefgang das Congress Center erfüllte.
So wurde die Autorin Elif Shafak zu ihrem aktuellen Roman „Unerhörte Stimmen“ interviewt. Colson Whitehead erzählte zu seinem Buch „Die Nickel Boys“. Maja Lunde wurde zu ihrem Buch „Die letzten ihrer Art“ interviewt.
Bela B Felsenheimer und Nina Petri lasen Auszüge aus den Büchern vor.
Ken Follett las an diesem Abend aus seinem Buch „Notre-Dame“. Das Buch kam zustande, da er nach dem Brand in Notre-Dame von seinem französischer Verleger gefragt wurde, ob er ein Buch über Notre-Dame schreiben würde, dessen Einnahmen der Wiederaufnahme der Kirche dienen würde.
Und schließlich betrat Margret Atwood an diesem Abend die Bühne. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel „Die Zeuginnen“ und ist eine Art Fortsetzung von „Der Report der Magd“. Damals habe sie nicht damit gerechnet, dass es eine Fortsetzung geben würde, doch die Zeiten machen das erforderlich, so erzählte sie. Im Gespräch bekundete Margret Atwood, die 2017 mit den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, ihre Sympathie mit der Extinction-Rebellion-Protestbewegung. Wäre sie noch jünger, so Margret Atwood, würde sie sich an den Blockaden dieser Bewegung beteiligen. Auch aus ihrem Buch wurden Auszüge vorgelesen.

Die Literaturgala endetet mit den Worten von Moderator Thomas Böhm: „Und dass wir uns und unsere Lebensweise ändern können, dass das geht von jetzt auf gleich, wenn wir es wollen, dafür liefert die Literatur das Modell. Jedes der vorgestellten Bücher heute Abend ist das Modell einer anderen Welt, in der wir menschliche Grausamkeit erkennen können, in der poetische Gerechtigkeit denen widerfährt, deren Leiden sonst ohne Beachtung bliebe, eine Welt, in der uns Solidarität und Humanität als Maßstäbe vor Augen geführt werden.“

So endete ein wundervoller und inspirierender 5. Tag der Frankfurter Buchmesse.

Morgen geht es weiter mit meinem Bericht vom 6. und damit letzten Tag auf der Frankfurter Buchmesse.

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 4

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Heute werde ich von meinem 4. Tag auf der 71. Frankfurter Buchmesse erzählen. Die bisherigen Tage waren bereits intensiv, dennoch freute ich mich auf diesen neuen Buchmesse-Tag, wusste ich doch darum, dass mich wieder gute Veranstaltungen erwarteten würden. Ihr merkt es sicherlich, ich mag die Frankfurter Buchmesse sehr.
Heute wurde es bereits etwas voller, was vermutlich am Freitag lag und dem beginnenden Wochenende.
Mein Tag begann mit einem Gang durch die Halle in der sich die Kunstbücher befinden, das erlebe ich immer als einen Höhepunkt, da dort eine besonders schöne Atmosphäre vorzufinden ist. Hier war es, als tickten die Uhren etwas langsamer und es war weniger turbulent als in anderen Hallen.
Immer wieder schön und dazugehörend, der Kleinheinrich Buchkunst Verlag:

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Auch machte ich wie bereits im Jahr zuvor Halt bei Kasia Lewandowska und ihren schönen Werken. Ich mag es, wie sie Bild und Wort miteinander verbindet:

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Nach einem schönen Gespräch mit ihr ging es weiter durch diese Halle. Hier ließen sich viele Menschen finden, die mit großer Liebe ihre Bücher gestalten.
In dieser Halle gab es auch Kreatives von The Arts+ und B3 Biennale zu bestaunen:

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Diese Figur schien die Buchmesse auch zu mögen:

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Hier seht ihr Kinder der Melibokusschule Zwingenberg, die an diesem Tag die Buchmesse besuchten:

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Meine erste Veranstaltung führte mich zu der Diskussionsrunde „Meinungsfreiheit und Solidarität“. Die Teilnehmenden Deniz Yücel, Jennifer Clement, Alexander Skipis, Ine Marie Eriksen Søreide und die Moderatorin Esra Küçük diskutierten über Möglichkeiten der praktischen Solidarität. In seinem Buch „Agentterrorist“ erzählt der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel von seiner Haftzeit in der Türkei. „Diese Angst vergessen zu werden, da ist diese Tür, die geht zu und da draußen geht diese Welt weiter.“, war einer seiner Sätze bei dieser Veranstaltung.

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Danach ging es für mich ins Yogi-Lesezelt. Beim Tee trinken hörte ich der Veranstaltung „Der Rikscha-Fahrer der das Glück verschenkt“ eine Weile zu. Dr. Biyon Kattilahu sprach mit dem Moderator Christian Fremy über sein Buch und es gab aufmunternde Aktionen, bei denen er das Publikum einbezog. „Der wichtigste Moment ist immer Jetzt, der wichtigste Mensch ist immer der, der mir gerade gegenübersteht.“, war einer seiner Sätze. Biyon schaffte es, das Publikum lachend und fröhlich zu hinterlassen.

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Hier seht ihr Tobias Vogel, den Cartoonisten, bekannt unter Krieg und Freitag. Ich finde seine Zeichnungen klasse, mit denen er Alltägliches und Gesellschaftliches zuspitzt und philosophisch hinterfragt. Er zeichnete in seiner typischen Art der genialen Einfachheit, was die Besucherinnen und Besucher sich wünschten und signierte dazu:

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Nun ging ich zu der Veranstaltung „Fridays für Future: Bilderbücher für die nächste Generation“. Es ging dabei um die Frage, mit welchen Büchern wir das Interesse der Kinder an den Themen Natur- und Umweltschutz fördern können. Antje Damm (mittig), Prof. Caroline Roeder (links) und Claire Lecoeuvre (rechts) tauschten sich hierüber aus. Ich freute mich, Antje Damm einmal live zu erleben, mag ich ihre Bücher sehr, die ich nicht nur in für Kinder, sondern auch für Erwachsene wertvoll finde. Es wurde ihr aktuelles Bilderbuch „Was wird aus uns?“ vorgestellt, das aus einfachen doch tiefen Fragen und schönen Bildern besteht:

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Auch die Agora, das zentrale Außengelände, lud wieder ein:

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Vor dem Lesezelt standen später die Leute Schlange, da viele Sebastian Fitzek erleben wollten. In seinem neuen Thriller „Das Geschenk“ ist der Protagonist ein Analphabet. Tim-Thilo Felmmer von der Alfa-Selbsthilfe war ebenfalls auf der Bühne, er war früher Analphabet und ist heute Bilderbuchautor. Moderiert wurde diese Veranstaltung von Sabrina Rabow.

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Nun freute ich mich sehr, Sebastião Salgado zu erleben, den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels. Mit seinen schwarz-weiß Bildern setzt er sich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Klimaschutz ein. Dieser brasilianische Fotograf wurde von dem Moderator Gert Scobel zu seiner Arbeit und zu seinem Buch „Gold. Mein Land, unsere Erde“ interviewt. Einer von Sebastião Salgados Sätzen während des Gesprächs: „Wenn man etwas macht, das man wirklich liebt, dann macht man das gut, dann steckt man sein Herz darein.“

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Hiernach hörte ich Richard David Precht zu. Sein neues Buch heißt „Sei du selbst. Eine Geschichte der Philosophie.“ Nicht zum ersten Mal während dieser Buchmesse dachte ich, wie viele kluge Köpfe hier zu finden sind. Hier einer von Prechts Gedanken während des Gesprächs mit Simone Miller: „Der normale Mensch ist froh, wenn er für irgendwas eine Wahrheit gefunden hat, wie schnell und wie zufällig auch immer, und auf diesen Standunkt stellt er sich dann und lässt sich davon auch nicht mehr abbringen, weil sich die Wahrheit nach der Nützlichkeit bemisst. Wenn ich Ihre politische Weltsicht mit einer Information konfrontiere, die Ihnen überhaupt nicht in den Kram passt, dann werden Sie die entweder ignorieren oder Sie werden mich zum Schwachkopf erklären und dann brauchen Sie ihr Weltbild nicht weiter zu überdenken. Das findet gegenwärtig beim ‚menschengemachten‘ Klimawandel statt. (…) Für diese Menschen ist es ein großes Problem, den Klimawandel im vollen Umfang anzuerkennen. Was macht man also? Man leugnet den Klimawandel, dann ist man das Problem los. Das ist ein schönes Beispiel, das zeigt, diesen Menschen geht es nicht um Wahrheiten, sondern um nützliche Wahrheiten.“

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Nun kam Thomas Gottschalk zum Blauen Sofa, wo er von Jo Schück interviewt wurde. Erst zögerte ich, ob ich bleiben oder weitergehen solle, da es noch so Vieles zu entdecken gab, doch ich blieb und habe es nicht bereut. Thomas Gottschalk erzählte von seinem Leben und zu seinem Buch „Herbstbunt“. Er zeigte sich als guter Entertainer, äußerst humorvoll und er ging in sehr amüsanter Art und Weise auf das Publikum ein. Bei dieser Veranstaltung habe ich Tränen gelacht.

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Mein nächster Halt führt mich zu der Veranstaltung „Ewige Helden – Was Kinderbuch-Klassiker so beliebt macht“. Natürlich tauchte hierbei auch Pippi Langstrumpf auf, die nächstes Jahr 75 Jahre wird. Ist es nicht wunderbar, dass das Buch und diese Figur noch immer aktuell sind?

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Bei der Podiumsdikussion „Ist Lesen der wahre Luxus? Über die Relevanz der Buchindustrie und ihr Innovationsproblem“ sagte Katrin Burr diesen Satz: „Die Liebe zum Buch, die gibt es weiterhin.“

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Hier seht ihr Axel Hacke im Gespräch mit Detlef Esslinger zu seinem Buch „Wozu wir da sind. Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben.“

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Abends ging ich im Rahmen des Bookfestes, den abendlichen Veranstaltungen zur Frankfurter Buchmesse, zu Peter Wohllebens Veranstaltung „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“. So ist auch der Titel seines neuen Sachbuchs. Im schönen Gesellschaftshaus des Palmengartens erwartete er das Publikum und zeigte in einem angenehm zu hörenden Vortrag sein großes Wissen und seine Begeisterung für die Natur. Er bezog das Publikum mit ein, immer wieder gab es Fragen, die wir beantworten konnten, und ich glaube, dass alle Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem Abend viel Neues erfuhren. Seine Ausführungen zeigten, wie faszinierend unsere Natur ist. Einer seiner Sätze: „Im Wald gibt es keinen Kampf untereinander, man muss sich einpassen um zu überleben, das ist ein Miteinander und kein Gegeneinander.“

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Mit vielen schönen Eindrücken endete auch dieser Buchmessen-Tag.

Da ich am Wochenende unterwegs sein werde, folgt mein Bericht über den nächsten Buchmessetag nächste Woche.

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 3

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Heute lest ihr meinen Bericht zu meinem 3. Tag auf der 71. Frankfurter Buchmesse.
Der Donnerstag begann für mich mit einer Veranstaltung auf dem Blauen Sofa, da dort Miku Sophie Kühmel von Daniel Fiedler interviewt wurde. Miku Sophie Kühmel hat den Aspekte Literatur Preis für ihren Roman Kintsugi bekommen. Dieser Preis wird jährlich für das wichtigste Debüt der Saison verliehen. Ich erlebte eine sympathische junge Autorin und ein Buch, das bereits auf meiner Wunschliste steht. Während des Gesprächs tauchte auf, dass Kintsugi ein leises Buch ist, das Zeit und Muße braucht. Wie schön, dachte ich, das braucht es in unserer oft zu lauten und schnelllebigen Gesellschaft.

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Hiernach ging ich durch verschiedene Hallen, die noch angenehm leer waren. Immer wieder gab es nette Gespräche und schöne Stände zu entdecken.

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Hier seht ihr den Stand des Kein und Aber Verlags. Bereits die Architektur des Standes ließ mich staunen, da sie wie ein hoher Kubus aus miteinander verbundenen Büchern bestand.

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Eine Öffnung lud ein, das Innere des Buchraums zu betreten. Die Wände zeigten Projektionsflächen von Buchcovern. Bei der Berührung eines Covers wurde eine dreidimensionale Bildprojektion des Buches gezeigt. Was eine Idee!

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Auch diese Idee ließ mich anhalten: Hier konnten die Besucherinnen und Besucher ihren Gedanken oder Wunsch aufschreiben und nach einer Weile zauberte der Wunsch-Automat eine Zeichnung zu dem Aufgeschriebenem hervor.

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Schöne Botschaften an den Ständen:

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Nun ging es in das schöne Lesezelt, einer meiner Lieblingsorte auf der Frankfurter Buchmesse. Beim Hereinkommen duftet es immer köstlich nach dem dortigen Yogi-Tee, was eine Wohltat für die Sinne ist.

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In diesem schönen Lesezelt stellte Andera Gadeib ihr Buch „Die Zukunft ist menschlich. Ein Manifest für einen intelligenten Umgang mit dem digitalen Wandel in unserer Gesellschaft“ vor. Andera Gadeib kenne ich aus Aachen und es war schön, hier mitten in diesem Lesezelt ein vertrautes Gesicht zu erleben. Letztes Jahr haben wir uns auch auf der Buchmesse getroffen und sie erzählte von ihrem Buchprojekt und nun stellte sie es hier vor, klasse!
Da ich zeitgleich eine Eintrittskarte für die nächste Pressekonferenz hatte, konnte ich ihrer Buchvorstellung leider nicht lange beiwohnen. Da Andera jedoch nächsten Monat in Aachen eine Lesung halten wird, zu der ich hingehen werde, tröstete es mich darüber hinweg, dass ich hier nur kurz sein konnte. Später war Andera Gadeib in der Signierbox, dort besuchte ich sie noch einmal:

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Nun zur „Pressekonferenz zum Ehrengastauftritt Kanada 2020“: Kanada wird im nächsten Jahr das Gastland der Buchmesse sein. Wir konnten etwas über das Literatur- und Kulturprogramm erfahren, mit dem sich Kanada im nächsten Jahr präsentieren wird. Wie das diesjährige Gastland Norwegen, verspricht es auch im nächsten Jahr ein interessantes und sehr vielfältiges Gastland zu sein. „Diese Unterschiede sind unsere Stärke, die sich zu einem farbenprächtigen Gewand zusammenfügen und unser Land repräsentieren.“, so Caroline Fortin, die Vorsitzende des Komitees Canada FBM2020.

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Hier seht ihr die kanadische Cellistin Cris Derksen:

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Ein Abschlussbild dieser Pressekonferenz, auf der ihr die Moderatorin Nam Kiwanuka, die Schriftstellerinnen Lisa Moore und J.D. Kurtness, Caroline Fortin, Vorsitzende des Komitees Canada FBM2020, Juergen Boos, den Direktor der Frankfurter Buchmesse, Hélène Laurendeau, die stellvertretende Ministerin, Ministerium für Kanadisches Kulturerbe, den Schriftsteller Christian Guay-Poliquin und die Cellistin Cris Derksen seht.

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Meine Vorfreude auf das Gastland Kanada ist geweckt worden und ich bin mir sicher, das, was in dem eingespielten Film über das Gastland 2020 auftauchte, stimmt:

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Hiernach besuchte ich die ARD Bühne und hörte Rafik Schami im Interview mit Selma Üsük zu. Sein neues Buch „Die geheime Mission des Kardinals“ wurde präsentiert. Endlich konnte ich diesen sympathischen und humorvollen Menschen live erleben. Rafik Schami liest nie bei seinen Lesungen vor, sondern er erzählt immer zu seinem Buch und aus seinem Leben. “Man kann ihnen so wunderbar folgen, so ein bisschen Lobhudelei muss jetzt auch mal sein.“, sagte die Moderatorin. Vielleicht erklärt das nächste Zitat von Rafik Schami, das während des Gesprächs auftauchte, warum er so wunderbar schreiben und erzählen kann: „Ich bin begeistert von der mündlichen Erzählkultur, die ich als Kind in Syrien genossen habe (…) Der Erzähler oder die Erzählerin erzählen so schön, dass sie uns in den Bann ziehen bis zum Ende, das habe ich geliebt, zu sehen, wie Erwachsene plötzlich Kinderaugen bekommen, wie sie anfangen mitzureisen durch die Geschichte und das wollte ich machen. Ich schreibe Romane, damit ich erzählen kann.“

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Draußen herrschte kein Regen und doch waren viele Regenschirme zu sehen. Denn bei dieser Aktion wurden Besucherinnen und Besuchern der Frankfurter Buchmesse Regenschirme gereicht und diese geöffnet als Zeichen für mehr Meinungsfreiheit in China:

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Nach einer Pause im Freien ging es wieder durch die Hallen. Hier seht ihr eine Diskussionsrunde zu der Thematik „Urheberrecht – und was dahinter steckt!“ bei der Johannes Stricker, Matthias Hornschuh, Sascha Lobo, Zoë Beck und die Moderatorin Carola Christiansen sich über das Pro und Contra verschiedener Thesen austauschten.

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Danach besuchte ich die Veranstaltung „Was macht die Liebe zum Buch aus?“, die im Zusammenhang mit der „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“ stattfand, die vom 2. bis 9. November 2019 stattfindet. In den lebendig schönen Interviews wurde darüber gesprochen, was ein Buch zu einem Lieblingsbuch macht und welche Lieblingsbücher und heimliche Lieblingsbücher die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer haben.

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Anschließend fand die Auszeichnung „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ statt. Gewonnen hat das Buch „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens, dieses und alle anderen vorgestellten Bücher (Herkunft von Saša Stanišić, Radio Activity von Karin Kalisa, Die Liebe im Ernstfall von Daniela Krien und Alte Sorten von Ewald Arenz) klangen sehr reizvoll.

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Mit den Worten „Lasst uns das Buch weiter feiern!“ beendete die Moderatorin diese Veranstaltung. Dem und auch diesen Fahnen stimme ich gerne zu:

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Gerade als ich nach Draußen ging, erhielt ich eine Nachricht von Andera: „Zeit für einen Kaffee?“ Und wir trafen uns draußen zu einer schönen Pause.

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Hiernach gingen wir zur der Veranstaltung „Achten statt Ächten“ mit Pater Dr. Anselm Grün, Dr. Thomas Middelhoff und dem Moderator Daniel Schneider. Wenn Anselm Grün auf der Buchmesse ist, bedeutet das immer für mich, hinzugehen, da ich seiner sanften Stimme und seinen Worten gerne zuhöre.
„Es ist wichtig, dass ich immer auf der Suche bin und nicht stehen bleibe.“, einer der Sätze, die Anselm Grün hier schenkte.

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Hiernach besuchte ich den Frankfurt Pavilion und hörte eine Weile beim Diogenes Talk zu.

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In den Hallen entdeckte ich auch diese gute Aktion: „Was kannst du tun? – 52 weeks of sustainability“. Constanze Guhrs und Emiliy Claire Völcker haben eine Illustrationschallenge zum Thema Nachhaltigkeit entworfen. Die ersten 16 Wochen dieser Challenge werden in Frankfurt vorgestellt. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung können ihre Ideen vor Ort zeichnen und mit in diese Ausstellung einfließen lassen.

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Nun ging es zum Literarischen Quartett, das aufgezeichnet und am nächsten Tag gesendet wurde. Christine Westermann, Volker Weidemann, Thea Dorn und als Gast Sibylle Berg, tauschten sich über die aktuelle Thematik um Peter Handke und Saša Stanišić aus, zu der sie unterschiedliche Meinungen vertraten.
Dann stellten sie vier Neuerscheinungen vor: Winterbienen von Norbert Scheuer, Metropol von Eugen Ruhe, Sabrina von Nick Drasno und Schutzzone von Nora Bossong. Zu diesen einzeln vorgestellten Büchern gab es teils sehr kontroverse Meinungen, das Literarische Quartett eben. Beim Zuhören dachte ich zuerst, dass es nicht immer schön ist, wenn negativ über ein Buch geredet wird, in dem die Schriftstellerin oder der Schriftsteller vermutlich viel Zeit und Herz investiert hat, doch später dachte ich, wie gut es ist, dass man vollkommen unterschiedlicher Meinung sein kann und trotzdem an einem Tisch sitzt, einander zuhört und auf den anderen eingeht.

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Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zu der Lesung von Jo Nesbo, bei der er seinen neuen Harry-Hole-Krimi vorstellte. Es ist die einzige Lesung, die Jo Nesbo in Deutschland hält. Moderiert wurde die Veranstaltung von Alf Mentzer und Tatort-Star Oliver Mommsen las die deutsche Fassung. Ich gestehe, an diesem Abend hörte ich das erste Mal Zeilen über Harry Hole. Ich glaube, ich war die einzige in diesem großen Congress Center der Frankfurter Buchmesse, die die Buchfigur Harry Hole noch nicht kannte.

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Ein bunter schöner 3. Messetag ging zu Ende und trotz Harry Hole konnte ich mich nach Telefonaten mit meinen lieben Menschen Zuhause gut ins Land der friedlichen Träume begeben.