Dieses Jahr findet ihr hier zwei Kategorien. Kategorie 1 – Wortgewebe: Wöchentlich stelle ich ein Wort aus einem anderen Land vor und verwebe es in einen kurzen Text, ergänzt durch ein passendes Foto. Kategorie 2 – Lächelspuren: Ebenfalls wöchentlich hinterlasse ich lachende Gesichter aus Naturmaterialien oder Kreide im öffentlichen Raum, und halte es mit einem Foto fest. Zudem werden wir wie jedes Jahr über die Leipziger und Frankfurter Buchmesse berichten.
Am frühen Morgen hatten auch die Kaffeebuden wieder auf, bereit zum letzten Tag der 78. Frankfurter Buchmesse:
Auf der Lesebühne der Unabhängigen Verlage hörte ich Emil Fadel zu, der aus seinem Buch „Schnittblumen machen mich traurig“ vorlas. Ein sympathischer Autor (der Sohn von Rafik Schami kann nur sympathisch sein):
Eine weitere lesenswerte Autorin erlebte ich auf der Literaturbühne. Eva Menasse mit ihrem Buch „Alleinruhelage“:
Eine der vielen Mitmachaktionen, die auf der Buchmesse zu finden waren:
Am Amnesty International Stand fand die Aktion „Beim Namen nennen – Gemeinsam gegen das Vergessen“ statt. Die OMAS GEGEN RECHTS Frankfurt lasen eine Namensliste Verstorbener vor, die bei ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Bewegend und eindrücklich:
Stellwände mit Porträts erinnerten an ermordete oder inhaftierte Journalisten und Journalistinnen weltweit:
Auch hier fanden Mitmachaktionen statt:
Immer wieder besuchte ich den OCM-Stand und es gab ein erfreutes Wiedersehen mit meinen Verlegern und gute Gespräche:
Da musste natürlich auch ein gemeinsames Bild her:
In dem Schöne Bücher Netzwerk sind neben dem OCM Verlag weitere tolle Verlage, so auch der Schillo Verlag und ich entdeckte die schönen lyrischen Betrachtungen von der lieben Bloggerkollegin Diana Jahr (Viele liebe Grüße, liebe Diana):
Später erlebte ich Daniela Dröscher mit ihrem Buch „Mädchen allein zu zweit“. Am Morgen haben wir am Frühstückstisch noch miteinander geredet, da wir – was ein Zufall – im selben Hotel genächtigt haben. Schöne Begegnungen sind das. Nun war sie also hier auf der Bühne:
Gute wichtige Bücher am Katapult-Stand:
Und gute Worte, außerhalb eines Buchs:
Lesefreudige Menschen:
In diesem Jahr gab es die sogenannte Creator Lounge, in der Bloggende sich zurückziehen können. Dazu habe ich mich einladen lassen:
Wir wurden – wie auch im Pressezentrum – bestens versorgt:
Und die Beine, die in diesen Tagen viele Kilometer gehen, machten in dieser schönen Atmosphäre Pause:
Immer wieder führte mein Weg mich auch auf die Agora:
Auch hier fanden Veranstaltungen statt und es gab Signierzelte, Getränke- und Essenangebote und Pausenplätze:
Im Tschechien Pavillon fand eine Performance statt:
Das heutige Bild in diesem Pavillon (ich berichtete, es wurde täglich live ein neues Bild gezeichnet):
Auf der Literaturbühne erlebte ich Michel Friedman:
Er war im Gespräch mit Reiner Haseloff, Paula Fürstenberg und Benjamin Höhne zu dem wichtigen Thema „Demokratie“:
Die Abschlussveranstaltung ist alljährlich in dem Pavillon die feierliche „Gastrollenübergabe“. Die Gläser standen schon bereit:
Juergen Boos musste sich von dem Gastland Tschechien verabschieden, was ihm nicht leicht fiel, am liebsten würde er alle tschechischen Autorinnen und Autoren dabehalten, wie er sagte:
Vollbesetzte Stühle:
Nach guten Reden fand dann die Übergabe der GastRolle statt. Das Ehrengastland 2026 Tschechien übergab diese Rolle dem Ehrengastland 2027 Chile:
Die GastRolle ist ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt und wird alljährlich um ein weiteres litertraisches Zitat von dem jeweiligen Gastland bereichert. Ich mag diesen Brauch sehr. Die Gastrolle, nun in den Händen von Chile:
Es gab Musik des Gastands 2027:
Für mich ging es zum Abschluss noch einmal zum Verlag, es gab herzliche Verabschiedungen und pünktlich zum offiziellen Ende um 18.30 Uhr lauten Applaus all der Menschen, die in den Hallen waren. Ein schöner Moment! Es war eine wunderbare Buchmesse. Ich blicke dankbar auf diese Tage. Es waren reichhaltige und erfüllende Tage. Sie waren gefüllt mit großartigen Veranstaltungen, guten Gesprächen, Begegnungen, Wiedersehen, Kennenlernen, Netzwerken, Erzählen und natürlich tollen Büchern, Büchern, Büchern. Es war ein Fest der Bücher und der Begegnungen. In diesem Jahr fand ich besonders spürbar, dass die Buchmesse immer auch eine politische Messe ist. So viele Menschen, die hier klar ihre Haltung zeigen und sich für Demokratie und Vielfalt einsetzen. Ja, es war ein Fest:
Hier noch ein paar Zahlen: Mit insgesamt 236.000 Besuchenden(119.000 Fachbesuchenden und 117.000 Privatbesuchenden) aus 137 Ländern konnte die Frankfurter Buchmesse ihr hohes Vorjahresniveau halten. Es nahmen insgesamt 4.000 Ausstellende teil und es fanden mehr als 3.800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und darüber hinaus statt.
Jede Buchmesse geht einmal zu Ende. So wurden die Teppiche wieder eingerollt:
Nun hieß es Abschied nehmen. Ich freue mich schon jetzt auf die 79. Frankfurter Buchmesse, die vom 6. bis 10. Oktober 2027 stattfinden wird. Doch zunächst darf diese reichhaltige Buchmesse nachklingen. Denn das tut sie. Vieles wirkt nach. Ich hoffe, dass viel von dem Mut, der klaren Haltung, der Zuversicht und der Liebe zu den Büchern weiterwirkt und von hier aus in die Welt hinausdringt. Wir alle gestalten diese Welt mit. Nutzen wir das.
Ich verabschiede mich mit einem letzten Bild von der 78. Frankfurter Buchmesse:
Diesmal zeige ich zu Beginn nicht das offizielle Logo zum Gastland Tschechien, sondern ein buntes Bild, das Menschen am Gutenbergstand entstehen lassen.
Am Morgen erlebte ich Christine Westermann und Mona Ameziane zu ihrem gemeinsamen Buch „Wann wusstest du, dass es gut wird?“
Dann ging ich zur 30 Minuten WG mit der sympathischen Hannah Häffner zu ihrem tollen Buch „Die Riesinnen“ (das gestern den Buchpreis der Unabhängigen erhalten hat, ich schrieb darüber):
Nun wurde es spürbar voller, da ab 11 Uhr die Buchmesse für das Privatpublikum öffnete.
Ich erlebte Treffen, Gespräche, Wiedersehen. An den Ständen gab es Feines zu entdecken:
Eine Botschaft an einem Stand:
Es gibt einige Fotospots auf der Buchmesse, hier seht ihr einen:
Denis Scheck sprach in seiner gewohnt temporeichen Art über Bücher. Er empfahl unter anderem Bücher von Anne Carson, die frisch gekürte Nobelpreisträgerin für Literatur:
Die Festhalle, in der in diesem Jahr New Aduld untergebracht ist, füllte sich spürbar:
Clara Lösel mit ihren guten und kritischen Texten war zu erleben:
Ein interessantes Interview mit dem Buchhändler des Göttinger Buchladens Rote Straße zu dem Thema „Was Buchläden antifaschistisch macht“ erlebte ich dann (bestimmt erinnern sich viele daran, dass diese Buchhandlung den Deutschen Buchhandlungspreis 2026 bekommen sollte, dann jedoch vom Staatsminister Weimar – mit zwei weiteren Buchhandlungen – von der Liste gestrichen wurde, da angeblich verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse vorlagen. Welche Vorwürfe das sind, wurde bis heute leider nicht nachvollziehbar erklärt. Weimar erhielt viel Kritik für dieses Vorgehen):
Mit Freude besuche ich jeden Tag den OCM Stand:
Zudem doppelte Freude, dass mein Mann heute angekam und den OCM Stand (der Verlag, bei dem mein Debüt im Frühjahr erscheinen wird) besuchen konnte:
Die tschechische Schriftstellerin Dora Kapralova mit ihrem Buch „Maribohyphnose“ erlebte ich dann. Jedes Jahr kaufe ich ein Buch des Gastlands der Buchmesse. Dieses Jahr ist es dieses Buch geworden:
Hier seht ihr Radka Denemarkova, eine tolle Frau und Schriftstellerin:
Zudem ist sie auch humorvoll und hatte Lust auf einmal andere Fotoposen:
Die wunderbare Cornelia Funke:
Einer der schönen Stände:
Miram Cabe und ihr Buch „Unerwünschte Tochter“ auf dem blauen Sofa:
Im Tschechien Pavillon hörte ich einem Poetry Slam zu, es gab tschechische und deutsche Texte:
Und dann ging es für mich zur Social Reading Party von Bookie in der Festhalle. Hach, wieder so eine wunderbare Veranstaltung:
Geruhsame Musik lief und die Leute holten ihre Bücher hervor. Und dann wurde gelesen. Da waren sie wieder, die berührenden Buchmessen-Momente. So viele Menschen zeitgleich lesend zu sehen, war sehr sehr schön. Menschen, die in Zeilen, Geschichten, Bücher eintauchten. Ich finde, lesende Menschen sind wunderschön:
Eine bezaubernde Atmosphäre!
Abends ging es für meinen Mann und mich zur ARD Radiokulturnacht der Bücher. Davon werde ich nach der Buchmesse berichten.
Es grüßt euch mit viel Dankbarkeit, Bücherliebe und Leselust
Heute war der diesjährige letzte Buchmessentag. Die Tage hier vergehen schnell und schenken gleichzeitig sehr viel! Am Morgen sprach Paul Maar zu seinem neuem Buch und dem Mini-Sams und las mit seiner unverkennbaren Stimme Passagen aus dem Buch vor:
Mitten unter den Zuhörern war das Sams, seht selbst:
Martin Moosbach sprach zu seinem Roman „Die Richtige“. Ein tolles Buchcover, wie ich finde:
„Reduzierter Strich – feiner Humor“ – unter dem Motto präsentierten @kriegundfreitag und meta bene ihre Werke und ein amüsantes Gespräch. Ich mag die Kunst von den beiden, die ebenso tiefsinnig wie humorvoll ist:
Die norwegische Autorin Kristin Valla wurde zu ihrem Buch „Ein Raum zum Schreiben“ interviewt. Sie las zudem vor und nachdem wir ihren norwegischen Klängen gelauscht hatten, wurde es auf Deutsch vorgelesen. Ein Buch, das einlädt, den eigenen Träumen zu folgen und bei dem die Leserschaft zugleich viel über berühmte Literatinnen erfahren. Eines der Bücher, das ich mir direkt kaufte:
Weiter ging es mit wunderbaren Büchern. Mona Ameziane sprach mit Takis Würger über seinen Roman „Für Polina“. Takis Würger sagte, er habe mit dem Buch einen Roman geschrieben „der zum Träumen einlädt“. Ein Buch über eine große Liebe:
Auch auf ihn hatte ich mich gefreut. Dominik Bloh, der aus aus seinem Leben und zu seinem Buch „Straße im Kopf“ erzählte. Er hat jahrelang als Obdachloser gelebt und wurde aufgrund seines ersten Buches, in dem über sein Leben auf der Straße berichtete, zum Bestsellerautor und sein Leben veränderte sich. Das alte Straßenleben ist noch immer in seinem Kopf und er erlebt zwei Welten. Offen, mitnehmend und gesellschaftskritisch teilte er seine Gedanken mit uns:
Erneut ging es für mich zur großen Messebühne. Tobias Schlegel sprach zu seinem Buch „Leichtes Herz und schwere Beine. Mit Mama auf dem Jakobsweg“. Mit seiner 73-jährigen Mutter ist er den Jakobsweg gegangen und hat ihr damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Er lernte seine Mutter auf dieser besondere Reise ganz neu kennen. Ja, meine Bücher-Wunschliste wächst und wächst:
Dimitrij Kapitelman zu seinem Roman „Russische Spezialitäten“. Im Buchmessenprogramm wird dieses Werk passend beschrieben als „tragisch, zärtlich und komisch zugleich“:
In der schönen #buchbar genoss ich einen Cappuccino:
Und hörte Carolin Stüdemann zu, die das Buch „Die Zukunft unseres Wassers“ geschrieben hat und den Fragen nachgeht, was Wasser kann, wem es gehört und wo es fehlt. Sie engagiert sich mit ihrer NGO Viva con Aqua seit Jahren dafür, dass die gesamte Menschheit einen sicheren Zugang zu sauberem Wasser erhält:
Bei Kaffee und Kuchen – so das Konzept der #buchbar – hörten die Menschen ihr zu und kamen anschließend mit ihr ins Gespräch:
Immer wieder viele Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse:
Ich erlebe jede Buchmesse als eine politische Messe, auch diesmal war dies sehr spürbar bei all den bedeutsamen Veranstaltungen. Hier sprach Carlo Masla über sein Sachbuch „Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario“:
Die Themen waren vielfältig, auch das zeichnet die Buchmessen aus. So hatte auch New Adult seinen Platz auf der Buchmesse. Tami Fischer zu ihrem aktuellen Roman:
Und was gehört auch zu einer Buchmesse? Lesende Menschen, unbedingt. Und die sind zu erleben, wie ihr seht:
Die Debütantinnen Eva Strasser mit „Wildhof“, Ines Habich-Milović mit „Dein Vater hat die Taschen voller Kirschen“ und Fiona Sironic mit „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“, moderiert von Wiebke Poromka:
Noch einmal ein Blick auf den Stand des Gastlands Norwegen mit seinen großartigen Autorinnen und Autoren:
Der Buchmessentag nahte sich dem Ende entgegen und die sonst so vollen Stände leerten sich:
Viele Worte, Gespräche, Gedanken durften hier wie an all den anderen Plätzen der Buchmesse erlebt werden:
Auch für einige Cosplayer war es Zeit, die Kostüme abzustreifen:
Was ein Geschenk, so viele wundervolle Bücher hier erlebt zu haben. Mit vielen Eindrücken verließen wir das Messegelände.
Und erlebten am Abend „Poetry Jam“ in der Stadt und damit einen wunderbaren Abend mit tollen Texten und sympathischen Menschen:
Ich blicke sehr dankbar auf diese Buchmesse zurück. Morgen geht es nach Hause. Im Gepäck werde ich nicht nur viele tolle Bücher mitnehmen, sondern auch viele gute Begegnungen, viel Inspiration, viel Stärkendes und vieles, das nach nachwirken wird. Die Themen der Zeit – wie Klimagerechtigkeit und Demokratie – fanden hier viel Raum und ich erlebte ein wertschätzendes Miteinander und viele mutige Menschen, die ihre Stimme erheben. Ich bin dankbar über all die Menschen, die nicht aufhören, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, mit ihren Geschichten, mit ihren Anstößen, mit ihren Gedanken und mit ihrem Einsatz. Und wir alle gestalten diese Welt mit, schreibend, lesend, lebend. Und lasst uns viel viel lesen. Es grüßt euch aus Leipzig mit soooo viel Bücherliebe
Heute etwas außerhalb der Reihe. Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Buchhandlung betretet und diesen wunderbaren Glücksmoment verspürt? Ja, ihr kennt es bestimmt. So ging es mir, als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal in der Kölner Buchhandlung Manulit war. Was ein Wohlfühlort, der mir mehrmals ein leises „Hach, ist das schön!“ entlockte. Ich entdeckte nur gute Bücher, wahre Buchschätze, und liebevolle Kleinigkeiten zwischen den Büchern oder auf den Regalen. Dazu eine einladende Kaffeebar. Ein sehr inspirierender Ort, der die Schönheit der Bücher zeigt, das alles in einem wundervollen Rahmen. Manulit ist Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreises 2024, der am Wochenende verliehen wurde, und hat unter der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ diesen schönen Preis entgegengenommen. Da freue ich mich sehr mit. Hier ein paar Eindrücke meines Besuchs:
Auch heute erlebten wir einen schönen inspirierenden Buchmessentag in Leipzig. Gerne teile ich wieder einige Eindrücke mit euch:
Beim Vorbeigehen für so gut empfunden, dass wir dort stehen blieben. David Friedrich, ein großartiger Poetry-Slammer, der einige seiner Texte vortrug. Ebenso humorvoll wie tiefsinnig:
Auf Rafik Schami hatte ich mich sehr gefreut. Ein großartiger Geschichtenerzähler. Er erzählte, wie das Leben ihn zu dem Erzähler gemacht hat, der er heute ist:
Er erhielt viel Applaus vom Publikum:
Der freischaffende Künstler Hartmut Kiewert, der sich mit dem Mensch-Tier-Verhältnis auseinandersetzt:
Hier seht ihr Edith Löhle, in deren Debütoman „Bible Bad Ass“ es um Frauenfiguren der Bibel geht. Ein tolle Buchvorstellung eines guten Buches:
Erneut gab es viele gute Stände, die zum Verweilen einluden, Stöbern in Büchern und gute Gespräche. Abends ging es für uns zur Schaubühne Lindenfels und wir erlebten die Schriftstellerinnen Zsuzsa Bank, Anna Enquist mit der Moderatorin Margot Digkgraaf und die Musikerin Vera Marijt. Was ein schöner Abschluss eines weiteren wunderbaren Buchmessentags in Leipzig:
So grüßt euch dankbar aus dieser schönen Stadt Marion
Am Morgen war es in den Hallen und in der Agora angenehm leer:
Der Buchmessen-Sonntag begann für mich so, wie es auf dem Schild hier zu lesen ist:
Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Yoga mit Buch“. An diesem Stand bot die Yoga-Lehrerin Karina Goldberg Yoga-Übungen an. Ein angenehmer und schöner Start in den Messetag, denn Messetage sind bekanntlich lang und intensiv. Die Füße wurden trainiert, der Rücken gestärkt und das Herz geöffnet. Bei den Yogaübungen Bücher einzubeziehen, gefiel mir richtig gut.
So gestärkt ging es dann weiter für mich zur Literaturbühne. Dort erlebte ich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Claudia Schick zu seinem Buch „Elternabend“. Auf dem Buchcover steht weiterhin: „Kein Thriller (Auch wenn der Titel nach Horror klingt)“. Sebastian Fitzek sagte: „Ich liebe Elternabende, weil ich liebe ja verhaltensauffällige Menschen und skurrile Situationen.“ Er meinte, es seien die Eltern, die dafür sorgen, dass ein Elternabend aus dem Ruder laufe, nicht die Erzieher*innen oder Pädagog*innen. Er erzählte von einer Szene, die er bei einem Elternabend im Kindergarten erlebte: Die Eltern sollten sich über das Spiel „Stopptanz“ vorstellen. Wenn die Musik stoppte, sollten sie dem Gegenüber den eigenen Namen nennen. Ein Vater meinte dazu: „Nee, wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“ Doch, genau da war er gerade. Ein weiterer seiner Sätze, den ich aufhebenswert fand: „Die Quelle des Humors ist der Kummer, den man verarbeitet.“ Für sein erstes Buch hat er übrigens 15 Verlage angeschrieben, es kamen 12 Absagen, drei haben sich bis heute nicht gemeldet, so erzählte dieser bekannte Bestsellerautor. Auf die Frage, ob er Alpträume habe, sagte er: „Nein, die Realität macht mir Angst.“ Er könne ruhig schlafen, andere, die seine Thriller lesen, womöglich nicht mehr „und damit verdiene er sogar noch Geld.“ Es war ein schönes und humorvolles Gespräch. In ein paar Tagen kommt sein neues Buch raus, „Die Einladung“, diesmal wieder ein Psychothriller.
Dieses schöne Zeichenmaschine nennt sich „IMMUMAT- der Illustrationsautomat“. Eine Maschine, die Wünsche erfüllt und jährlich hier zu finden ist. Der ILLUMAT wandelt eigene Wünsche in Bilder um und schenkt damit eine feine Freude. Er war sehr beliebt und meist sah ich beim Vorbeigehen dort eine lange Schlange.
Schön, dass an den Ständen Raum und Muße zum Stöbern und Lesen ist. So wie diese Leserin am Katapult-Verlag:
In den Frankfurt-Studios besuchte ich die Veranstaltung „Über die Macht von Utopien und wie wir unsere Welt noch retten können“. Dort erlebte ich den Schweizer Zukunftsforscher und Autor Joël Luc Cachelin (“Veganomics. Die vegane Revolution und ihre Zukunftsmärkte“) sowie die Autorin Theresa Hannig („Pantopia“). Die beiden waren im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Henn über Visionen und Ideen für eine nachhaltige gerechte Zukunft. „Können Utopien die Welt verbessern oder sind es nur Utopien“, fragte die Moderatorin. Joël Luc Cachelin meinte, theoretisch sei alles möglich, was er in seinem Buch beschreibe und er glaube, dass unser Weg dorthin gehe. Theresa Hannig versteht ihren Roman als Anregung zum Gedankenaustausch und wünscht sich, dass wir sagen: „Lass und mal positiv in die Zukunft schauen.“ „Wir haben genug Dystopien, was und fehlt ist ein Gedankenrepertoire, dass es gut gehen kann“, so Theresa Hannig. Joël Luc Cachelin meinte, wir sollten uns die Frage stellen „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“ und wir können „Die Zukunft mitgestalten, auf die wir Lust haben“. „Eigentlich wissen wir alle wie es geht und wie es um diesen Planeten steht, es geht nur um den politischen Willen und die eigene Trägheit. Das Wissen ist da, die Technologien und die Fakten sind da. Doch Fakten ändern unser Leben nicht. Es gibt Lösungen“, so Theresa Hannig und sie setzte bei uns an: „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“ „Eine Utopie ist kein Zustand, eine Utopie ist immer ein Weg und wir müssen da täglich dran arbeiten, dann wird es was. Wenn wir nicht daran arbeiten, dann wird es sicher nichts. Wenn wir es versuchen, dann haben wir es wenigstens versucht“, so Theresa Hannig. Ein Gespräch, das mich sehr ansprach.
Ursula Poznanski, von ihr kennen viele sicherlich die Erebos-Bücher, las aus ihrem neuen Jugendthriller „Oracel“ vor:
Ihr seht, es war gut besucht:
Ab Freitag dürfen die Bücher auf der Buchmesse verkauft werden und wie schön, lesefreudige Menschen decken sich mit Büchern ein:
Eine lange Menschenschlange stand nun vor dem Frankfurt Pavillon, da viele bei der Veranstaltung “Back to Hogwarts – 25 Jahre Harry Potter in Deutschland mit Rufus Beck“ den Schauspieler und Hörspielsprecher Rufus Beck erleben wollten. Einige kamen erst hinein, wenn andere hinausgingen. Dem Presseausweis sei Dank, dass ich mich nicht einzureihen brauchte. Der Moderator Tobias Goldfarb begrüßte Rufus Beck: „Harry Potter ist eine Legende, du aber auch.“
Als Harry Potter verlegt wurde, so Rufus Beck, war der Hörspielmarkt klein, dass das Hörspiel solche Ausmaße annahm, war „ein kosmisches Ereignis.“ Er erzählte von seinen 25 Jahren mit Harry Potter und sagte, er habe beim Sprechen nie an das Ergebnis gedacht, sondern an das, was er fühle. „Du hast große Parallelen mit Harry Potter, ihr könnt beide zaubern, Harry mit seinem Zauberstab, du mit deiner Stimme“, so der Moderator. Und dann konnten wir live erleben, wie Rufus Beck Passagen aus Harry Potter vortrug. Das war ein aktives Hörspiel, er spielte mit seiner Stimme, die er beeindruckend variieren kann und mit Einsatz seines ganzen Körpers. Die Freude vom Zuhören lag im Raum und in den Gesichtern:
Sicherlich ist es immer wieder schön, wenn er nach Veranstaltungen in lachende Gesichter schaut:
Hier seht ihr den Illustrator Eduardo Lima, die Illustratorin Miraphora Mina neben dem Moderator Tobias Goldfarb. Die beiden sind seit über zwanzig Jahren für die Harry-Potter-Welt tätig und gestalten das grafische Universum der Harry-Potter-Serien mit. Ausgehend von ihren Arbeiten zu den Filmen haben sie nun die ersten drei Harry-Potter-Bände neu designed und illustriert:
Im Vorbeigehen sah ich Motsi Mabuse auf der Open Stage:
Leider habe ich diese Veranstaltung “Phoenix Talk mit Ahmad Monsour / Denken mit Kinnert und Welzer“ nur in Teilen erlebt. Da es eine Podcastaufzeichnung ist, besteht die Möglichkeit, es nachzuhören:
Die diesjährig letzte Veranstaltung der Reihe “SHEROES Streiterinnen für die Zukunft“ fand zu dem Thema “Wir – widerständig und demokratisch?“ statt. Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Lea Bonasera, die Mitgründerin der Letzten Generation (“Die Zeit für Mut ist jetzt! Wie uns ziviler Widerstand aus Krisen führt“) und Jasmin M`Barek, der Zeit-Journalistin (“Protest. Über Wirksamkeit und Risiken des zivilen Ungehorsams“). Durch den Klimaaktivismus ist Protest in unserer Gesellschaft so präsent wie lange nicht mehr. Es wurde darüber diskutiert, welche Formen es gibt und was zum Ziel führt.
Lea Bonasera sagte, dass die Letzte Generation diese Protestform wählt, da viele Menschen Veränderungen in unserer Gesellschaft wollen, die sich auf die Fakten der Wissenschaft gründen und sie mit ihren Protesten diese Umsetzungen beschleunigen wollen, da die Politik nicht reagiere oder nicht schnell genug reagiere. Sie machte noch einmal deutlich, dass, wenn sie Gemälde in Museen mit Farbe bewerfen, dies so gewählt wird, dass die Farbe abgehe und dass eine Glasscheibe vor dem Kunstwerk ist, was in den Medien oft nicht beschrieben wird. „Allen Menschen im demokratischen Spektrum emphatisch zuhören“ ist ein wichtiger Schlüssel, so Jasmin M`Barek. „Ziviler Widerstand hätte sich nicht als Mittel so entwickeln können, wären es nicht gerade für unterrepräsentierte Gruppen wie zum Beispiel Frauen oder LGBTIQ so bedeutsam gewesen und uns das bewusst zu machen und zu denken, wir sind viel stärker als wir denken“, ist Lea Bonasera bedeutsam. Es war eine Diskussion auf einem wertschätzenden Niveau. Wie sehr wünsche ich mir das auch für die breite Gesellschaft. Auch hier waren viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer aller Altersstufen vertreten:
Ein Teil des Gesprächs zwischen dem Musiker Max Mutzke und Bärbel Schäfer konnte ich hören. Er, der vierfacher Vater ist, hat das Kinderbuch „Komm mit ins Paradies der Träumer“ geschrieben, sein Vatersein hatte hierauf Einfluss.
Noch einmal ging ich ins Pressezentrum, in dem ich diesen Bericht weiterschrieb. Oft saß ich mit anderen Pressevertreter*innen hier und wir schrieben von dem, was wir hier erlebten. Immer wunderbar versorgt mit Ruhe, Kaffee, Tee, Wasser, Äpfeln und freundlichen Mitarbeitenden. Dank an euch an dieser Stelle! Euer Taschentuch-Turm mit dem lesenden Zwerg ist auch erwähnenswert:
Zum Abschluss ging es für mich in den Ehrengast Pavillon Slowenien zur „GastRollen-Übergabe Ehrengast 23 Slowenien – Ehrengast 2024 Italien“. Die ist die feierliche Abschlussveranstaltung des aktuellen Ehrengastauftritts und jedes Jahr wird die „GastRolle“ – ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt – um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht. Gerne zeige ich euch diese „GastRolle“. Ich finde den Gedanken schön, dass dort bereits viele lyrische Zitate wohnen:
Shila Bejhat, die diese Veranstaltung moderierte, führte ein literarisches Gespräch mit dem slowenischen Autor Dušan Jelinčič:
Er hat u.a. den Roman “Sternklare Nächte im Karakorum“ geschrieben, in dem es um Bergsteigen geht. „Das Ziel ist nicht, den Gipfel zu erklimmen, sondern das Beste im Tal zu entdecken“, sagte Dušan Jelinčič. Die italienische Autorin Ilaria Tutti schenkte eine Videobotschaft, da sie nicht anwesend sein konnte. Weitere Persönlichkeiten nahmen an dieser Zeremonie teil, darunter Katja Stergar, Direktorin der Slowenischen Buchagentur, und Mauro Mazza, Vertreter der italienischen Regierung.
Katja Stergar sagte: „Wir freuen uns sehr, die slowenische Kultur dem deutschsprachigen und internationalen Publikum mit einem solch umfangreichen Programm in Frankfurt präsentiert zu haben. Die Teilnahme am Ehrengastprojekt war wie eine Achterbahnfahrt mit allen Höhen und Tiefen. Aber man ist nie allein, es gibt immer eine helfende Hand, ein Wort der Ermutigung und ein Lächeln von jemandem, der einen unterstützt. Der Ehrengast-Pavillon und die Veranstaltungen mit allen beteiligten Autor*innen auf und außerhalb der Messe stießen auf sehr großes Interesse. Ich freue mich heute, die GastRolle an unser Nachbarland Italien zu übergeben, denn ich weiß, dass unsere Geschichte dank der slowenischen Minderheit in Italien im nächsten Jahr weitergeschrieben wird.”
Juergen Boos, der der Frankfurter Buchmesse verabschiedete sich von Katja Storgar und damit Slowenien als Gastland. Es war zu spüren, wie sehr er dieses Gastland mochte und all das, was es geschenkt hat:
Nun wurde also Slowenien als Gastland 2023 verabschiedet, Italien als Gastland 2024 begrüßt und Katja Stergar überreichte Mauro Mazza die GastRolle:
Mauro Mazza sagte zur GastRollen-Übergabe von Slowenien an Italien: „Zwischen unseren beiden Ländern besteht eine geografische Nähe, die auch eine kulturelle Nähe ist, selbst in der Schönheit ihrer jeweiligen Vielfalt. Diese Veranstaltung bot uns die Gelegenheit, den Wert der Nähe im Namen der Literatur zu feiern.“ Zum Abschluss dieser Zeremonie spielte die italienische Violinistin Francesca Dego und bereicherte mit wundervollen Klängen:
Sicherlich waren nun alle Gefühle bei dem slowenischen Gastland vorhanden, Traurigkeit, das alles vorbei ist, doch auch Freude über all das Erlebte. Diese Freude ist auf einem der Abschlussfotos sichtbar:
Damit ging die 75. Frankfurter Buchmesse zu Ende. Ein paar Zahlen teile ich mit euch: 215.000 Besucher*innen waren dabei. Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) erlebte die Frankfurter Buchmesse nach den Coronajahren einen deutlicher Wachstumsschub. An den Publikumstagen Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022. Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen. Mehr als 7.000 Medienvertreter*innen berichteten über die gut 2.600 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen.
Ich habe nicht alles sehen können, was es Großartiges zu erleben gab und meine persönlichen Berichte zeigen euch einen Ausschnitt dieser großen Buchmesse. Ich bin erfüllt und inspiriert und dankbar über all das, was ich erleben konnte. Und das war eine wunderbare Fülle. Die Themen der Zeit fanden hier Raum. Es gab viele schöne Begegnungen. Es gab Austausch. Und es gab jede Menge spürbare Bücherliebe. Was ich in diesem Jahr besonders mitnehme, ist die oftmals geäußerte Aussage, dass wir mehr Utopien brauchen, dass es Hoffnung gibt und dass die Literatur hierbei eine Rolle spielt. Wir alle gestalten diese Welt mit. Es liegt nicht alles in unseren Händen, doch auch wir haben Hände, Füße und Herz und sind auch die, die Geschichte mitschreiben.
So grüße ich euch sehr erfüllt, mit vielen Eindrücken und soooooo viel Bücherliebe, Marion
Am Abend fand einer der Höhepunkte der Buchmessetage statt: die Literaturgala. Thea Dorn („Das Literarische Quartett“) und Denis Scheck („Druckfrisch“) moderierten den Abend.
Der preisgekrönte britisch-indische Schriftsteller Sir Salman Rushdie war an diesem Abend zu erleben. Er wird am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023 ausgezeichnet. Der Besuch der Literaturgala ist sein einziger öffentlicher Auftritt bei der Buchmesse. Seit dem Angriff auf seine Person im Sommer 2022 hat Salman Rushdie nur wenige öffentliche Auftritte wahrgenommen. Es war spürbar, wie bewegt das Publikum über seinen Auftritt war. In seinem Buch „Victory City“, ein epischer Roman über Macht und Liebe, geht es darum, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Salam Rushdie hat kürzlich in einem Interview zur 75. Frankfurter Buchmesse die Bedeutung der Buchmesse als Ort des demokratischen Austauschs beschrieben, was ich gerne hier teile: „Die Frankfurter Buchmesse ist eines der wichtigsten kulturellen Foren in der westlichen Welt. […] Ihr Einfluss besteht gerade in dem freien Austausch von Ideen zwischen vielen Kulturen durch Bücher. Ein solcher Austausch ist für den sozialen Wandel und die Demokratie unerlässlich.“ Auf die Frage, wie er – nach der Attacke auf sein Leben im letzten Jahr – mit Angst umgehe, antwortete er, er sei mit der Angst nicht erst konfrontiert seit dem letzten Jahr, sondern er kenne diesen Zustand seit über 30 Jahren. Man könne mit der Angst nur so umgehen, dass man sie in ein kleines Kästchen verschließe und in der Ecke eines Zimmers stelle und sich den Sorgen und Nöten des Tages zuwende und diesen Tag dann genießen könne, anders würde es nicht gehen. Auch sagte er: „Literatur kann Probleme nicht lösen, doch sie kann sie darstellen und beleuchten.“ Die Funktion von Literatur, so Salam Rushdie, sei in Friedens- wie in Kriegszeiten dieselbe, „es gehe darum, Schönheit in die Welt zu bringen, Schönheit zu erzeugen, Freude zu spenden.“
Thomas Hettche sprach zu seinem Buch „Sinkende Sterne“, das bereits gestern in meinem Bericht auftauchte. „Literatur ist keine Antwort, es ist eine Frage.“, so Thomas Hettche. Herrlich amüsant sind Versprecher, wie ich finde, so sagte Thomas Hettche, in dessen Roman auch Rilke auftaucht, er sei im Grab von Rilke gewesen. Gut, dass Thea Dorn nachfragte, denn natürlich war Thomas Hettche am und nicht im Grab von Rilke. Zum Glück, sonst könnten wir dieses Buch nun nicht lesen.
Erneut konnte ich Cornelia Funke erleben, die ihr Buch “Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ wie auch ihre anderen Bücher nicht nur geschrieben, sondern auch illustriert hat. Wieder hörte ich ihrer zauberhaften Art und ihren feinsinnigen Gedanken gerne zu. Als Kind hat sie Bibliotheken kennengelernt und entdeckt, dass es dort flüsternde Bücher gebe, die viele Fenster und Türen hätten. Denis Scheck bezeichnete sie während des Gesprächs als „Literarische Herbergsmutter“, da sie jungen Künstler*innen auf ihrem toskanischen Gutshof Unterkunft bietet und ihnen Arbeitsräume zur Verfügung stellt. Sie erzählte, dass sie das Zusammenkommen mit den Autor*innen, Illustrator*innen und Musiker*innen sehr möge. „Ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen“, so Cornelia Funke. Zum Thema Rache sagte sie: „Rache verneint alle Farben des Lebens.“ Auf die Frage wie das Böse in die Welt komme, sagte sie: „Ich glaube und ich hoffe, da bin ich nicht zu optimistisch, dass all das, was Böse in uns wird oder zerstören und verletzen möchte, etwas Verletztes in uns ist. Etwas, das zerbrochen ist und dass, wenn wir heil sind und wenn wir uns auf die anderen, auf die Welt, auf die Schönheit und auf das Licht der Welt einlassen, diese zerbrochenen Dinge heilen können und wir das Böse dadurch beherrschen und verdrängen können.“ Und ganz leise und zart fügte sie hinzu „Vielleicht irre mich da auch.“ Ich hoffe, sie irrt sich nicht.
Der Historiker Sir Christopher Clark sprach zu seinem Sachbuch „Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt“. Neben Romanen und Kinderbüchern gibt es natürlich eine Menge Sachbücher auf der Buchmesse und wie wichtig, dass auch eines auf dieser Gala Raum findet. Christopher Clark sagte: „Es war die weiblichste Revolution der Gesichte, die Frauen waren da überall vorhanden.“ Danach hätten die Männer leider wieder die Macht übernommen und die Frauen hätten nicht in die „Motorräume“ gedurft, die sie in Schwung gebracht hätten, doch sie waren bedeutsame Zeitzeuginnen und schrieben darüber.
Auch auf dieser Literaturgala war deutlich, wie bei der gesamten Buchmesse, dass es neben den aktuellen Büchern der Schriftsteller*innen auch um die großen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit und um die Herausforderungen für die Zukunft geht.
So kam nun der im Exil lebende iranische Schriftsteller Amir Gudarzi auf die Bühne. Amir Gudarzi hat mit seinem Buch „Das Ende ist nah“ einen Roman über Fremdheit und Außenseitertum, über Mut, die Macht der Sprache und Liebe geschrieben. Das Buch schenkt einen Einblick in das, was Menschen auf sich nehmen, wenn sie flüchten. Er sprach darüber, wie er die Freiheitsbewegung im Iran vor zwanzig Jahren und heute erlebe. Er habe strukturelle Gewalt vom Regime und auch strukturelle Gewalt als Asylsuchender erlebt. Ein Mensch mit einer bewegten Geschichte.
Als er die Bühne verließ und Lizzie Doron, die israelische Schriftstellerin und Friedensaktivistin, auf die Bühne kam, umarmten die beiden sich. Thea Dorn: „Das geht wahrscheinlich nur auf der Buchmesse, dass sich ein iranischer Exilautor und eine israelische Autorin umarmen.“
Lizzie Doron erzählte bewegt davon, dass sie bis aufs Mark erschüttert sei über den Angriffskrieg der Hamas auf Israel. Sie hielt ein Bild hoch von den von den Hamas entführten Kindern. Lizzie Doron sprach viel über die Situation in Israel. Sie wurde als Friedensaktivistin befragt und auch als Autorin. So wurde auch über ihr Buch „Nur nicht zu den Löwen“ erzählt. Auf die Frage „Ist there any hope?“ sagte sie: „I can`t stop dreaming of peace“ und wir sollten nicht aufhören, uns dafür einzusetzen.
Der Abend wurde beendet „mit der Kraft und der Klugheit der Literatur“, indem Thea Dorn und Denis Scheck beide Passagen aus Büchern vorlasen, die zu der aktuellen Situation passen. So las Thea Dorn eine Passage von Heinrich Mann vor und Denis Scheck eine Passage aus dem Buch von Richard Ford „Valentinstag“, in dem es um die Bedeutung der Literatur geht. Es war inmitten all der aktuellen Situation, die viel Raum in den Gesprächen fand, ein Fest der Literatur.
Es grüßt euch aus Frankfurt, Marion
P.S.: Morgen berichte ich euch von meinem letzten Tag auf der Buchmesse, dem Buchmessensonntag.
Meine erste Veranstaltung führte mich erneut zum Gastland-Pavillon und der Honey Hour mit Barbara Korun. Imkerei und Dichtkunst, beides spielt in Slowenien eine große Rolle und so wird in den morgendlichen Veranstaltungen dazu eingeladen, dass Süßigkeiten mit den Versen verschmilzen. Diese Honey Hour fand an jedem Morgen mit anderen slowenischen Dichter*innen statt. Heute las Barbara Korun eigene Gedichte vor und einige Gedichte anderer slowenischer Dichterinnen. Ich fand es wunderbar, den Messetag so geruhsam und poetisch zu beginnen. Auf dem Bild seht ihr den Moderator Matthias Göritz, die Autorin Barbara Korun – sie las ihre Gedichte nicht nur vor, sie ließ sie uns spüren dank ihrer Gestik und Mimik – und die Moderatorin Amalija Macek:
Die nächste Veranstaltung „Atemprotokolle“, die ebenso im Ehrengast Pavillon Slowenien stattfand, schenkte Wort- und Musikklänge. Der Autor Aleš Šteger trug Gedichte aus seinem Buch „Atemprotokolle“ vor. Seine Verse verbanden sich mit den Tönen des Akkordeonspieler Jure Tori. Was eine wunderbare musikalisch literarische Performance. Ich dachte beim Zuschauen, allein deshalb hätte es sich schon gelohnt, diese Buchmesse zu besuchen und nach Frankfurt zu reisen. Aleš Šteger zeigte sich als ein Meister der Performance und in beeindruckender Weise spielten Musik und Worte miteinander.
Ich weiß, das Wort „berührend“ habe ich bei meinen diesjährigen Messeberichten bereits mehrmals verwendet, doch ich kann nicht anders, als es wiederholt so zu beschreiben, denn ich war zutiefst berührt von dieser Performance und den Texten.
Der Slowenien Pavillon an diesem Samstag:
Der slowenische Büchertisch vor dem Ehrengast-Pavillon. Schön, dass viele Menschen sicherlich neue slowenische Autorinnen und Autoren entdeckt haben:
Draußen am Amnesty International Stand:
In der ruhigen Umgebung des Pressezentrums schrieb ich meinen gestrigen Bericht zu Ende und staunte beim Gang dorthin über die vollen Hallen. Am Messesamstag (die Fachbesuchertage sind seit gestern beendet und seit Freitag Mittag ist es eine Publikumsmesse) ist die Buchmesse immer gut gefüllt, doch dieses Jahr erlebe ich sie noch um einiges gefüllter als sonst. Die Buchbranche wird es freuen. Eine Frau, mit der ich ins Gespräch kam, meinte so schön: „Ich sehe so viele junge Menschen, so viele junge Menschen, die buchbegeistert sind.“ Ja, das ist großartig. Wenn ich hier bin, denke und fühle ich immer wieder, das Buch lebt und wird geliebt. Mein Blick vom ruhigen Pressezentrum aus auf die volle Agora:
Als ich später wieder hinausging entdeckte ich eine endlos wirkende Schlange. Weshalb standen diese vielen Menschen an? Signierstunde mit Sebastian Fitzek, wie immer hier sehr beliebt, wie ihr seht:
Ich freue mich immer, wenn ich lesefreudige Menschen sehe. Hier direkt eine ganze lesefreudige Familie, die neue Buchschätze erworben hat:
An dieser Stelle Danke allen Menschen, die mir so freundlich und vertrauensvoll ihre Erlaubnis gaben und geben, dass ich sie für diesen Blog und meine Berichterstattung fotografieren darf.
Auch heute wieder freute ich mich über lesende Menschen inmitten all des Trubels. Auch diese drei Leseratten fanden ein ruhiges Leseplätzchen und konnten in neue Lieblingsbücher eintauchen:
Marc-Uwe Kling, den viele sicherlich von den Känguru-Chroniken kennen, las aus seinem Roman „Der Spurenfinder“, eine Fantasy-Krimi-Komödie:
Viele lauschten seinen Worten:
Die“75 Stühle – 75 Geschichten“ im Sonnenschein der Agora:
Beliebt war auch Guido Maria Kretschmer, wie ihr seht:
Wie jedes Jahr gilt, dass ich viele tolle Buchvorstellungen nicht besuchen kann und viele lohnenswerte Diskussionsrunden verpasse. Hier erlebte ich etwa nur das Ende, aus der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft / Wir – angekommen und integriert?“ Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Isabel Schayani („Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“) und Sineb el Masar („Sind wir nicht alle ein bisschen Almand?“), warum wir keine Identitätskrisen brauchen.
Äußerst beliebt war auch Otto Waalkes auf der Literaturbühne. Bärbel Schäfer sprach mit ihm über sein Buch „Ganz große Kunst – 75 Meisterwärke“.
Menschen meiner Generation sind mit dem Komiker Otto aufgewachsen. Was viele vermutlich wie ich nicht wussten, dass Otto acht Semester Kunst studiert hat. Otto hat sich nun an Meisterwerken aus der Kunst angelehnt und diese in seiner Art gezeichnet, mit dabei der Ottifant, der nach seinen humorvollen Worten bisher in der Kunst vernachlässigt wurde. So hat er 75 neue „Meisterwärke“ erschaffen, zu den 75 Bildern gibt es Begleittexte, natürlich mit viel Humor. Otto sagte, sein Buch verstehe man auch, wenn man die Originale, die er parodiert, nicht kenne. „Die Parodie ist die aufrichtigste Form der Bewunderung“, so Otto. Während des Gesprächs tauchte auch auf, dass der Literaturkritiker Denis Scheck Otto als einen „Kunsträuber im liebevollen Sinne“ bezeichnet habe. Auch für Bärbel Schäfer zeichnete er einen seiner berühmten Ottifanten:
Nach der Veranstaltung sagte Otto spontan, er zeichne auch für die Zuhörenden Ottifanten und es wurde lebhaft, wie ihr seht:
Wieder im Innenhof auf der Open Stage erlebte ich „Zeichenkunst und intelligenter Humor: Fix, @kriegundfreitag und meta bene“. Die drei Künstler waren im Gespräch über ihre Werke, ihre Herangehensweisen und Inspiration, über ihre Leidenschaft für das Zeichnen, ihre Bücher und über ihre unterschiedlichen Stile:
Am Abend ging es für uns zur Frankfurter Buchmesse Spezial- der Literaturgala. (Karin und Christiane, die ihr hier mitlest, dabei denke ich immer an euch, erlebten wir die Literaturgala doch hier vor einigen Jahren gemeinsam). Von der Literaturgala berichte ich euch demnächst.
Aus Frankfurt grüße ich euch, mit viel Dankbarkeit über all diese Eindrücke in mir, Marion