13. Januar – Findesatz-Gedicht

Wir tragen die schönste Mütze
wärmen unsere Hände ineinander
schenken dem Maronenmann ein Lächeln
und uns die Maronen
Wir pusten Atemwolken in die Welt
und tanzen Spuren auf der weißen Wiese
Wie hören dem Vogel zu
der im Januar sein Lied singt
Schmecken die Luft
und pfeifen dem Nebel ein Lied
Wir entdecken das Blau des Himmels
und lassen uns von der Freiheit anstecken
Die Frische malt unsere Wangen an
Wir rocken den Winter

8. Januar – Findesatz-Gedicht 4

Anlehnen und
in den Himmel schauen
Atem reinigt
Mit den Gespenstern leben
ihnen ihr schönstes Gewand geben
Das Licht des Tages lässt sie verblassen
Jeder Tag schenkt Licht
auch im Winter
Immer fliegt irgendwo ein Vogel
und zeigt sich ein Versprechen
Zum Takt des Windes
spricht die Haut
und glaubt an das Leben

Findesatz-Gedicht 151

Ich sah das herbstliche Blatt
spürte das Geheimnis der Vergänglichkeit
Der Baum ließ mich anhalten
und seine Stärke fühlen
Beim Blick nach oben
lachte die Frische des Himmels
Mein Fuß stieß an einen Stein
ihn aufhebend
fühlte ich seine Kanten und Weichheit
Bei den Schneebeeren wusste ich
dass das Kind immer in mir wohnt
Ich ging den Bach entlang
sah seinen eigenen Lauf
Ich besuchte heute keine Schule
keinen Kurs und erhielt kein Zertifikat
und lernte viel
Mir war
als spürte ich etwas von den Wundern
den großen
die uns halb schwindelig machen
Was nicht in uns ist
kann uns auch nicht berühren

Findesatz-Gedicht 148

Sie sah die Bäume
Jeder zeigte sich anders
trug seine eigene Schönheit
und sein eigenes Inneres
Waren einander nahe
und ließen Raum
Kein Baum verbog sich
um wie der andere zu wirken
Eingebettet zwischen Himmel und Erde
Ganz sie selbst
Jeder auf seine Art und Weise

Findesatz-Gedicht 142

Ein neuer Lieblingssessel
und die Fensterrahmen wurden lackiert
Endlich ein Kamin, ein langgehegter Wunsch
Der Flachbildschirm ist nicht übermäßig groß
Ein bunter Teppich
Lieblingsbücher in Regalen
Fotos in kleinen Rahmen schenken Erinnerungen
Die neue Bettwäsche blumig schön
Im Eingang ein Bild zum Verweilen
und eine Lampe vom Kunsthandwerkermarkt
Der Handstaubsauger macht seine Dienste
Milch wird aufgeschäumt
Brot frisch gebacken
Das Haus bewohnt, gepflegt und gestaubt
Hier wird gelebt, gefeiert, erzählt
Es schenkt Raum und Zuflucht
Wenn wir die Natur nicht schützen
nutzt uns auch die Schutzhülle des Hauses nichts

Findesatz-Gedicht 116

Es ist so still hier

so war es früher überall

Dann kamen wir

schufen Licht zwischen Bäumen

erfanden Maschinen

die Vogelstimmen übertönten

Seitdem dringen tagtäglich Geräusche in unsere Ohrmuscheln

treffen Lichtmuster unsere Netzhaut

Manche von uns gehen ins Kloster für eine Woche oder drei Tage

um dem Schweigen zu lauschen

Wenn wir den Sternenhimmel sehen

weil der Strom ausfällt

freuen wir uns über Schnuppen

Wir schließen die Augen und wünschen uns was

Ich wünsche mir

ein bisschen mehr Weniger

um zu hören

den Wind in den Weiden

die Flügel der Libelle

den eigenen Herzschlag

Findesatz-Gedicht 112

Ich möchte gerne im Wald sitzen
und zwei Stunden lang nur die Bäume anschauen
Ich glaube
dann kommt meine Seele zur Ruhe
mein Kopf und mein Bauch
Ich glaube
dann atme ich durch
tief und in alle Poren gehend
Ich glaube
dann will ich nichts anderes
als dort zu sitzen, zu sehen und zu atmen
Ich glaube
dann fühle ich Ruhe und das Eingebunden sein
im Kreislauf des Lebens
Ich glaube
dann ahne ich den Zusammenhang
von all den versteckten Fäden
Ich glaube
dann verzeihe ich mir ohne Worte
all das was ich machte und all das was ich nicht machte
Ich glaube
das würde heilen
und Pflaster auf alle Schmerzen malen
Ich glaube
dann würde ich mit leichten Schritten aufstehen
und ein festes Blatt im Wind sein

Findesatz-Gedicht 103

Heute ist der Himmel mein Hut

Die Sonne mein Kleid

Das Gras meine Stiefel

Der Wind ist mein Strumpfband

Die Wolke mein Spiegel

Ich finde mich schön damit

Wenn ich am Abend heimkehre

lege ich meine Kleidung auf die Truhe

und mich zur Ruhe

Ich lasse mich vom Mond zudecken

und die Sterne erzählen ihre sanfteste Gute-Nacht-Geschichte