Findesatz-Gedicht 40

Wir haben keinen Cent ausgegeben
und so einen schönen Tag gehabt
Umsonst das Feld, der Wind, die Wärme der Sonne
der Geruch der Magnolie, das Lied des Vogels
das Berührt werden der Schönheit
das Ahnen des Wunders

ABC Etüde

Christiane hat wieder zu den abc etüden eingeladen, bei denen es gilt, 3 Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Worte stammen diesmal von Sabine (Frau Flumsel) mit ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Sie lauten:

Strickjacke
trügerisch
entdecken

Hier kommt meine Etüde:

Der März hat gerade erst begonnen und ihr ist, als sei der Frühling bereits da. Vögelgesang weckte sie am Morgen. Wie immer ist ihr erster Gang nach dem Aufstehen und dem Füttern der Katze, ihr Gang auf die Terrasse. Der Himmel zeigt sich blau und die Sonne schimmert, wie sie es nur am frühen Morgen vermag.
Die Farbe des Himmels ist trügerisch, noch ist die Luft kühl und sie zieht ihre Strickjacke enger um sich. Sie atmet tief ein und aus, schließt die Augen und hört den Geräuschen des Gartens für einen Moment zu. Dann geht sie ihre morgendliche Runde durch den Garten.
Es zeigen sich viele Schneeglöckchen, ein ganzer Krokussteppich, deren Blüten noch zu schlafen scheinen und gelb leuchtende Narzissen. Auch die Weidenkätzchen blühen, das wird die Bienen freuen. Gestern waren die Knospen des Rhododendrons noch geschlossen, heute sind sie halb geöffnet und ihr rot wirkt wie ein Versprechen auf kommende Tage im Freien.
An jedem Morgen gibt es Neues zu entdecken. Sie ist davon überzeugt, dass der Gang nach Draußen, auf eine Wiese oder in den Wald uns zu besseren Menschen machen kann.
Der Tau auf dem Gras glitzert. Sie hockt sich hin und berührt ihn mit ihren Händen. Er ist wohltuend frisch. Sie legt beide Hände in das nasse Gras. So viel Frische, ihr ist, als könne sie ihr Gesicht damit waschen. Vielleicht liegt all das, was wir brauchen, direkt vor unseren Füßen, denkt sie. Wir neigen dazu, an uns vorbei zu leben. Sie streift ihre Gartenschuhe ab und geht barfuß über das feuchte Gras, wie sie es als Kind häufig machte.
Später geht sie hinein und ihre Füße hinterlassen nasse Abdrücke und einzelne Grashalme auf dem Holzboden. Doch das macht nichts. Gar nichts. Diese Momente werden sie durch den Tag tragen.

ABC-Etüde

Christiane hat wieder zu den ABC-Etüden eingeladen. Die Wortspende kommt diesmal von Kain Schreiber, der den Blog  Gedankenflut betreibt. Wie immer gilt es 3 Begriffe in einen Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die 3 Wörter lauten:

Nachtlicht – lieblich – teilen.

Und hier kommt meine Etüde:

Der November lädt dazu ein, die Straße im Dunkeln entlang zu gehen. Die Taschenlampe bleibt im Flur, denn das Nachtlicht der Straßenlaternen reicht. Es ist ein gelbliches Licht, der Mond schenkt seinen weißen Schein von oben dazu. Sanfter Abendwind lässt einzelne Blätter hochfliegen. Wenn sie ihre Hand ausstreckt, kann sie seine fühlen. Um Wärme zu teilen, reicht eine Hand. Manchmal reicht ein Blick, auch hinter den Masken, die wir nun tragen. Lass uns nicht aufhören an das Morgen zu glauben, sagt sie in die Dämmerung hinein. Eines Tages werden wir auf offener Straße Umarmungen lieben wie nie zuvor. Sie wird die ganze Welt gut finden, in dem Moment, wenn ihr Lieblingslied erklingen und sie mitten unter vielen Menschen die Arme heben wird und jede Pore in ihr diese Klänge fühlen wird. Eines Tages stehen wir nahe an Unbekannten und sprechen miteinander ohne zwei Schritte zurück zu gehen. Doch noch ist November. Kein Grund, den Kopf gesenkt zu halten, sagt sie. Sie weiß nicht, ob sie es zu ihm oder zu sich selbst sagt. Vielleicht sagt sie es all den Blättern, die dort liegen und die vom Gestern sprechen. Auch jetzt will das Leben geliebt werden. Wir können das Laub atmen, Maronen im Backofen rösten, neue Bücher lesen und wohlriechenden Tee aus Lieblingstassen trinken. Wir können das Licht dieses Monats sehen. Es ist nicht grau, es trägt rot, orange und rosa, sieh doch, sagt sie. Auch Augen können umarmen. Sie machen es sanfter und lieblicher als unsere Hände es können. Auch jetzt ist die Welt da. Die Erde ist noch immer rund. Auch jetzt will die Welt geliebt werden. Auch jetzt spricht die Natur in ihrer unübersetzbaren schönen Sprache zu uns. Lass uns hineinfühlen, was dieser Monat uns schenkt.