Findesatz-Gedicht 116

Es ist so still hier

so war es früher überall

Dann kamen wir

schufen Licht zwischen Bäumen

erfanden Maschinen

die Vogelstimmen übertönten

Seitdem dringen tagtäglich Geräusche in unsere Ohrmuscheln

treffen Lichtmuster unsere Netzhaut

Manche von uns gehen ins Kloster für eine Woche oder drei Tage

um dem Schweigen zu lauschen

Wenn wir den Sternenhimmel sehen

weil der Strom ausfällt

freuen wir uns über Schnuppen

Wir schließen die Augen und wünschen uns was

Ich wünsche mir

ein bisschen mehr Weniger

um zu hören

den Wind in den Weiden

die Flügel der Libelle

den eigenen Herzschlag

Findesatz-Gedicht 112

Ich möchte gerne im Wald sitzen
und zwei Stunden lang nur die Bäume anschauen
Ich glaube
dann kommt meine Seele zur Ruhe
mein Kopf und mein Bauch
Ich glaube
dann atme ich durch
tief und in alle Poren gehend
Ich glaube
dann will ich nichts anderes
als dort zu sitzen, zu sehen und zu atmen
Ich glaube
dann fühle ich Ruhe und das Eingebunden sein
im Kreislauf des Lebens
Ich glaube
dann ahne ich den Zusammenhang
von all den versteckten Fäden
Ich glaube
dann verzeihe ich mir ohne Worte
all das was ich machte und all das was ich nicht machte
Ich glaube
das würde heilen
und Pflaster auf alle Schmerzen malen
Ich glaube
dann würde ich mit leichten Schritten aufstehen
und ein festes Blatt im Wind sein

Findesatz-Gedicht 103

Heute ist der Himmel mein Hut

Die Sonne mein Kleid

Das Gras meine Stiefel

Der Wind ist mein Strumpfband

Die Wolke mein Spiegel

Ich finde mich schön damit

Wenn ich am Abend heimkehre

lege ich meine Kleidung auf die Truhe

und mich zur Ruhe

Ich lasse mich vom Mond zudecken

und die Sterne erzählen ihre sanfteste Gute-Nacht-Geschichte

Findesatz-Gedicht 53

Die Natur ist nie fertig
sie ist immer im Wandel
Sie spricht von Neubeginn
vom Älterwerden
und der Vergänglichkeit
Sie singt vom Kreislauf des Lebens
tanzt ihre Schönheit
und lebt uns vor
wie es geht
sich dem Leben hinzugeben

Findesatz-Gedicht 40

Wir haben keinen Cent ausgegeben
und so einen schönen Tag gehabt
Umsonst das Feld, der Wind, die Wärme der Sonne
der Geruch der Magnolie, das Lied des Vogels
das Berührt werden der Schönheit
das Ahnen des Wunders