Findesatz-Gedicht 152

Was sind wir bereit zu geben?
Was ist ein Elternhaus?
Was ist meine größte Frage?

Wo bin ich?
Wo wohnt die Weisheit?
Wo geht die Sonne abends hin?

Wie fangen wir uns auf?
Wie bleiben wir uns treu?
Wie glaube ich an meine Träume?

Findesatz-Gedicht 151

Ich sah das herbstliche Blatt
spürte das Geheimnis der Vergänglichkeit
Der Baum ließ mich anhalten
und seine Stärke fühlen
Beim Blick nach oben
lachte die Frische des Himmels
Mein Fuß stieß an einen Stein
ihn aufhebend
fühlte ich seine Kanten und Weichheit
Bei den Schneebeeren wusste ich
dass das Kind immer in mir wohnt
Ich ging den Bach entlang
sah seinen eigenen Lauf
Ich besuchte heute keine Schule
keinen Kurs und erhielt kein Zertifikat
und lernte viel
Mir war
als spürte ich etwas von den Wundern
den großen
die uns halb schwindelig machen
Was nicht in uns ist
kann uns auch nicht berühren

Findesatz-Gedicht 150

Als mein Vater 80 geworden ist
hat er gesagt
nun habe er die Hälfte erreicht
In den geschenkten Jahren
die danach folgten
verlor er einiges
Seine Brille
Seinen Schlüssel
Eines Tages seinen Führerschein
Seine Telefonnummer
Seinen besten Freund
Manchmal auch sich selbst
Seinen Humor
verlor er nie

Findesatz-Gedicht 149

Eine Lieblingsblume
Lieblingstee
Apfelkuchen mit Zimt
Lesen im Lieblingssessel
das schenke ich mir
Das Telefon überhören
Keine Nachrichten an diesem Tag
Das Gute sehen
An die Hoffnung glauben
das schenke ich mir
Annehmen was ist
Loslassen
Ausgeglichenheit atmen
Mir alles zutrauen
das schenke ich mir
Kreativ sein
Kind sein
Weise sein
Genügen
das schenke ich mir
Tanzen in der Küche
Nicht an Morgen denken
Unvernünftig sein
Wunder küssen
das schenke ich mir

Findesatz-Gedicht 148

Sie sah die Bäume
Jeder zeigte sich anders
trug seine eigene Schönheit
und sein eigenes Inneres
Waren einander nahe
und ließen Raum
Kein Baum verbog sich
um wie der andere zu wirken
Eingebettet zwischen Himmel und Erde
Ganz sie selbst
Jeder auf seine Art und Weise