



Boketto ist Japanisch. Das Wort beschreibt einen Zustand, in dem jemand gedankenlos in die Ferne schaut, ohne an etwas Bestimmtes zu denken.

Milder Wind umfing ihn. Er fühlte sich leicht. Das schaffte das Meer. Jedes Mal ging es ihm so. Er würde sich niemals sattsehen können an den Wellen, den Dünen und dem Spiel des Lichts. Er ging die Seebrücke entlang. Blieb stehen und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Gedankenlos, einfach nur existierend. Was sonst in seinem Kopf umherwanderte, verschwand. Als löse es sich auf.
Boketto nennen die Menschen in Japan diesen Zustand. Er kannte den Begriff, da er dieses Land liebte und die Sprache gelernt hatte. Doch hier dachte er nicht an Worte. Hier blickte er einfach und war.
Es tat ihm gut, keinen Fokus zu haben, kein Ziel, keine Absicht.
Später saß er bei einem warmen Sanddornsaft in einem Café.
Die Gedanken waren zurückgekehrt. Doch es wirkte nach, dieses heilsame Schauen vorhin auf der Brücke.


Qarrtsiluni ist ein Begriff aus dem Inuit. Er beschreibt einen Zustand tiefer Stille, in dem Menschen gemeinsam ruhig sitzen und darauf warten, dass etwas entsteht oder aufbricht. Sinngemäss wird es etwa so übersetzt: „gemeinsamem stilles Warten“.

Qarrtsiluni
Mit euch
ruhig werden
Der Atem
weht langsamer
Warten
ohne Anspannung
Stille ist
ein grünes Feld
weit genug für das Kommende


Das Wort Glimpse kommt aus dem Englischen und bedeutet ein sehr kurzer, oft zufälliger Blick auf etwas, das man nur für einen Moment sieht.

Glimpse
Im Vorbeigehen
entdecken
Oh rufen oder Ah denken
Das Unerwartete ist schön
wie das Leben selbst
Auch dann
wenn wir meinen
über allem liege ein Schleier
Verstecktes wartet
überall


Gigil kommt aus der Sprache der Tagalog (auf den Philippinen) und beschreibt das intensive Bedürfnis, etwas extrem Süßes oder Liebenswertes zu knuddeln, zu drücken oder zu kneifen.

Momente in denen die Hand
das weiche Fell berührt
Gigil wächst von innen
Das Schnurren ein Rhythmus der flüstert
Du riechst nach Erde und draußen
nach etwas das nur dir gehört
Deine Ohren zeigen was du willst
klar genug
Stark und sanft zugleich
Sich nicht überhören
Vielleicht lässt sich das lernen


Serendipity kommt aus dem Englischen und bedeutet: zufällig etwas entdecken, obwohl man etwas anderes gesucht hat.

Wir suchten das Café
mit blauen Fensterläden
Wir fanden es nicht
Doch das machte nichts
Gar nichts
Wir fanden stattdessen
das weiße Café
mitten im Sonnenlicht
Wir blieben lange
tranken drei Getränke
redeten und schwiegen
schauten und waren
Serendipity sagten wir
beim Hinausgehen
Und wussten
das Leben findet uns