Demo „Lützerath bleibt“

Heute teile ich Bilder von einer Demonstration, die ich heute in dem Ort Lützerath erlebt habe. An dem Tag, an dem sich in Glasgow die Staaten zur Weltklima-Konferenz treffen, fand hier im Rheinland die Demonstration „Lützerath bleibt“ statt. 5000 Menschen haben hier protestiert, um sich für den den drohenden Abriss Lützeraths sowie fünf weiterer Dörfer einzusetzen und zu zeigen, dass wir gegen die Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler sind.
RWE möchte weitere Dörfer abbaggern, um Kohle aus dem Boden zu holen. Wir sagen, die Kohle muss im Boden bleiben, die Dörfer müssen erhalten werden und das 1,5 Grad Ziel muss angestrebt werden.
Es war eine beeindruckende und großartige Demo.

Findesatz-Gedicht 138

Ich wünsche mir eine Welt
in der Menschen einander achten
in der sie nicht wegsehen
in der Hinhören groß geschrieben wird
Eine Welt
in der Bänke vor den Häusern stehen
Zäune kleiner werden
in der wir einander Gegenstände leihen
anstelle alles selbst zu besitzen
Eine Welt
in der wir auf offener Straße singen
Komplimente schenken
auch dem Unbekannten
Eine Welt
in der wir Zeit finden
für das was unsere Herzen möchten
in der Fehler umarmt werden
Eine Welt
in der wir nicht ausgrenzen
den alten Menschen zuhören
die Stimmen der Kinder laut sein dürfen
Ich wünsche mir eine Welt
mit Liebe, Neugierde und viel Vertrauen
mit bunten Blumen und Laub, das liegen bleiben darf
Wenn wir irgendetwas wollen
müssen wir es machen

Findesatz-Gedicht 136

Es gibt viele viele gute Bücher
und ich habe mir vorgenommen viel mehr zu lesen
nicht nur abends im Bett
sondern auch sonst
viel viel mehr
sagte er
und setzte sich in seinen Sessel
Sein Blick ging hinaus
und seine Augen ruhten auf den herbstlichen Garten
sie blieben an dem sich verfärbenden Laub der Kastanie hängen
Er wusste darum
dass er niemals alle Bücher dieser Welt lesen konnte
nicht alle guten Bücher würden sein Haus bewohnen
viele gute Sätze würden sein Ohr nicht streifen
Vielleicht war es das gelbe Blatt das gerade herunterfiel
er vertraute in diesem Moment darauf
dass die Bücher ihn finden würden
die von ihm gelesen werden sollten
Nachdem er ein paar Minuten dem leisen Wind zusah
blätterte er die erste Seite um
und begann zu lesen

Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Sonntag und damit der letzte Buchmessentag. Auch heute war es bei strahlend blauem Himmel erneut ein gut besuchter Messetag.

Am Morgen ging ich zunächst noch einmal durch die Hallen. Dem rechten Verlag, der hier ausstellte, möchte ich keine Aufmerksamkeit schenken. Doch ich fragte die Büchergilde, die direkt gegenüber ihren Stand hatten, ob gegenüber viel los sei. Sie meinten, es sei überwiegend die gleiche Gruppe an Leuten dort zu finden. Die Büchergilde setzte gut lesbare Aussagen, klasse und wichtig, direkt vor Augen des rechten Verlags:

An dieser Stelle möchte ich meine Feststellung hier teilen, dass sehr viele Menschen hier auftraten, die sich gegen Rassismus einsetzten, das war deutlich spürbar und sichtbar.

Stände wie diese gehören für mich zu den Freuden der Buchmesse, Menschen, die mit Liebe ihre Kunst teilen. Hier seht ihr Anna Käse mit ihrem Stand „Kunst für Freunde“. Sie lässt mit einem alten Tiefdruckverfahren ihre Bilder entstehen, die oftmals mit Wort-Botschaften versehen sind und natürlich gab es bei ihr auch Bücher. Hier seht ihr Anna Käse an ihrem Stand, in der Hand hält die ein Bild zu ihrer Reihe der Maschinen, die bei Gefühlen helfen. „Der Hintergrund war, dass ich es so schade fand, dass uns die heutigen Maschinen fast ausschließlich bei materiellen Dingen helfen und meine Maschinen sollen uns bei emotionalen Problemen unterstützen. Wenn du zum Beispiel vergessen hast, was Glück ist, dann reicht dir die Maschine den Schlüssel zum Glück und zieht dich daran wieder nach oben.“ Auch erklärte sie mir die Technik hierzu: „Zusätzlich zu den handgemachten Kupferdruck sind die Bilder wirklich mit alten Metallstücken bedruckt, das sind alte Unterlegscheiben, Zahnräder, Schlüsselringe, die habe ich eingeschwärzt und dann nochmal im Hochdruckverfahren mit abgedruckt.“ Ein Stand, zum lange Stöbern.

Anna Käse – Kunst für Freunde:

Danach hörte ich Hannah Reuter zu, die zu ihrem Buch „Blind mit Kind- Episoden aus unserem Alltag“ erschienen beim Verlag w_orten & meer erzählte und daraus vorlas. Sie sagte, der Titel stelle das im Zentrum, was in ihrem Familienalltag gar nicht im Zentrum stehe, nämlich die Blindheit. „Ich bin nicht in erster Linie blind, ich bin Hannah, ich bin Mutter, ich bin Hundebesitzerin, Kaffeetrinkerin, Tango-Fan und noch einiges mehr. Ich bin natürlich auch blind, aber das schon seit Geburt und das macht das Ganze total normal.“ Da sie jedoch sehr häufig die Frage gestellt bekam, wie das eigentlich gehe, blind mit Kind, entstand die Idee, Kolumnen hierzu zu schreiben, die es nun in Buchform gibt. Eine tolle Lesung zu einer sehr sympathischen Frau.

Hier seht ihr links Toni Thonius vom Verlag w_orten & meer und rechts Hannah Reuter:

Nach der Lesung packten sie die Materialien zusammen, ihr Kind und ihr Assistenzhund waren auch dabei. Den zweiten Assistenzhund, den ihr seht, ist der einer Freundin, die Hannah Reuter auf der Messe begleitet hat. Dieses wie ich finde schöne Foto darf ich auch hier teilen:

Danach besuchte ich den Stand vom Verlag Hermann Schmidt, wo ich viele Schätze entdeckte, wie diese hier. Auch das sind Glücksmomente der Buchmesse, solch wunderbaren Bücher in den Händen zu halten, bei denen ich „Hach, ist das schön“ murmele und darin zu lesen (das untere linke ist ein Notizbuch, das darf selbst gefüllt werden):

Nach einem Aufenthalt in dem Innenhof, der Agora, ging es für mich zur Festhalle. Dort erlebte ich noch ein Teil des bereichernden Gesprächs „Süß oder sauer? Der Kampf um die Wut“ in der Reihe „SHEROES-Streiterinnen für die Zukunft“. Jagoda Marinić sprach mit Ann-Kristin Tlusty, die das Buch „Süss“ geschrieben hat und Nataly Amiri, die Iran-Korrespondentin vom ARD und Autorin des Buchs „Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran“.
Nataly Amiri sagte am Ende des Gesprächs: „Das ist mein Wunsch, dass wir nicht phlegmatisch werden und auf dem Sofa sitzen, die Demokratie ist sehr zerbrechlich und wir haben hier ein hohes und wertvolles Gut, Demokratie und Freiheit, das wir verlernt haben zu schätzen und für die sollten wir aufstehen und uns einsetzen.“

Von links nach rechts seht ihr Jagoda Marinic, Ann-Kristin Tlusty und Nataly Amiri:

Hiernach befragte Marion Kuchenny den Theaterregisseur Tobias Ginsberg zu seinem Buch „Die letzten Männer des Westens.“ Tobias Ginsberg hat sich ein Jahr lang undercover in antifeministische, rechtsgesinnte Männergruppen bewegt und dort recherchiert. „Wo liegt der Reiz des Extremismus?“ dieser Frage wollte er nachgehen. Tobias Ginsberg ist dafür, zu begreifen, was Angst macht, dann mache es keine Angst mehr, denn dann würde es greifbar. Er wollte begreifen, wie sie glauben, um sie dann greifen zu können. Er sagte, dass er glaube, dass „wir in unserer Gesellschaft viel erreichen können, doch wir dürfen uns nicht ausruhen, die Kräfte lauern an allen Ecken.“ 

Bärbel Schäfer war im Gespräch mit Dietrich Grönemeyer zu seinen Kinderbüchern „Der kleine Medicus“:

Liola Albus signierte ihr aktuelles Buch „Älter werde ich später!“:

Draußen war auch Ulrike Folkerts zu hören, die zugeschaltet war und über ihre Autobiographie „Ich muss raus“ erzählte:

Schönes und Typisches hier: Menschen, die lesen. Ich finde, ein Buch in den Händen ist doch viel schöner als ein Handy in den Händen.

Bücher können nicht nur gelesen werden, manchmal dienen sie auch als Kopfkissen:

(Danke den Beiden, dass ich die Bilder hier teilen darf.)

Auch die Aktion „Faires Lesen“ war ein Thema hier, denn Schreiben ist nicht umsonst. Im Netz findet ihr mehr Informationen hierzu:

Hier seht ihr Ingrid Brodning, die über ihr Buch „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online“ sprach. Sie gilt als Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in der digitalen Welt:

Die letzte Veranstaltung des Tages war die „GastRollen-Übergabe Kanada 2021 -Spanien 2022“. Diese Veranstaltung ist immer ein krönender Abschluss der Buchmessentage. Bei dieser Feierlichkeit wird das Gastland verabschiedet und das neue Gastland wird begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sprach mit dem kanadischen Schriftsteller Dany Laferrière (mittig im Bild) und dem spanischen Schrifsteller Manuel Vilas (rechts im Bild).
Es fielen viele wunderbare Sätze in dem schönen Gespräch. So sagte Dany Laferriere: „Es ist toll, dass es einen Ort des Buches gibt“ oder „Das große Geschenk des Buches ist die Ruhe.“ Zum Schreiben sagte er: „Man geht in eine Art Brunnen rein, man taucht ein und versucht ein Licht zu sein, das auch für andere scheint.“
Manuel Vilas äußerte sich: „Meine Literatur entsteht aus der großen Liebe zum Leben“ und „Das Leben hat ohne Liebe keinen Sinn“ und ein letzter seiner Sätze „Ich bin verliebt in das Leben, es ist ein großes Mysterium , alle, die wir hier sind, wir leben, das ist ein großes Wunder.“ :
Mich Satzsammlerin erfreuen solche Sätze sehr.

Auf dem nächste Foto seht ihr Juergen Boos, den Dirketor der Frankfurter Buchmesse, im Gespräch mit Caroline Fortin und María José Gálvez.
Carolin Fortin sagte zu ihren Erfahrungen als Gastland Kanada: „Wir haben gedacht, wir wollen die Menschen überraschen und wir haben uns auch selbst überrascht.“
María José Gálvez äußerte sich bezüglich des zukünftigen Gastlands Spaniens: „Wir möchten gerne zeigen, wie wir sind. Wir möchten uns zeigen als Land aber auch als Kultur und Literatur.“
Carolin Fortin bedankte sich bei ihrem ganzen kanadischen Team für diese intensive Zeit:

Und nun überreichte Kanada die traditionelle GastRolle an den neuen Ehrengast Spanien:

Großartige spanische Musik einer Brassband gab es auch:

Und hier noch zwei Abschlussbilder der Veranstaltung:

Noch ein paar Informationen, worauf die Frankfurter Buchmesse zurückblickt:
36.000 Fachbesucher*innen aus 105 Ländern und 37.500 Leser*innen aus 85 Ländern haben die diesjährige Frankfurter Buchmesse besucht und 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich hier.
Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte in seiner Rückschau: „Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen. Dies zeigt, wie resilient und kreativ unsere Branche ist. (…) Man konnte die Wiedersehensfreude in den Hallen förmlich spüren.“
Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, äußerte sich: „Die Frankfurter Buchmesse war geprägt von Wiedersehensfreude und Aufbruchsstimmung. (…) In aufgewühlten Zeiten standen auch wichtige gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir intensiv weiterführen müssen und werden – so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen in unserer Gesellschaft und auf Buchmessen.“

Wie ich oben bereits schrieb, fanden sehr viele Gespräche zu den Themen Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, Gendern und Meinungsfreiheit statt, das fiel sehr ins Gewicht. Auch das wichtige Thema Nachhaltigkeit war immer wieder erlebbar.
Das große Thema der Buchmesse war „Wir wollen wir Leben“, hierauf wurden viele reichhaltige Antworten geschenkt. Und wie bei allen guten Fragen und Antworten, laden diese auch zu weiteren Fragen und Überlegungen ein.

Was nicht fehlen darf, ist ein Danke an Rosa und Andy für all die vielen leckeren Tees, die ich – und viele andere Menschen – an ihrem Yogi-Tee-Stand in den letzten Tagen trinken durfte:

„Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse“, diesen Satz hörte ich hier einige male.
Ich blicke auf wunderbare intensive Buchmessen-Tage zurück, auf eine große Vielfalt an Gehörtem, Erlebtem, an berührenden Momenten und natürlich an Büchern.
Damit beende ich meine diesjährigen Berichte von der Frankfurter Buchmesse und sage,
es grüßt euch aus Frankfurt

Eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Heute ist bereits der 4. Tag der Frankfurter Buchmesse. Schon am Morgen war zu erleben, dass es nun am Wochenende deutlich voller ist und dass der Kartenverkauf für heute ausgeschöpft war. Das freut mich sehr für alle Aussteller*innen und die Buchbranche. Mehrmals hörte ich von den Mitarbeiter*innen an verschiedenen Ständen: „Das haben wir so vermisst. Es ist so schön, dass wieder viel los ist.“

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, in der die „SWR-Lesenswert“-Veranstaltung stattfand. „Es wird viel um Frauen gehen, um Paare und viel um Liebe“, so die Moderatorin Anja Höfer. Tolle Interviews zu tollen Büchern erlebte ich hier.
Diese Bücher wurden vorgestellt:
Florin Illies „Liebe in Zeiten des Hasses“
Pascal Hugues „Mädchenschule“
Nicole Seifert „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“, das Wort Frauen ist hierbei durchgestrichen
Hannah Lühmann „Auszeit“ und
Andreas Schwab „Zeit der Aussteiger. Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità“

Anja Brokert im Gespäch mit Florian Illies:

Anja Höfer im Gespräch mit Pascal Hugues (links im Bild) :

rechts Nicole Seifter:

links Hannah Lühmann:

rechts Andreas Schwab:

Jetzt führte mein Weg mich zu der Veranstaltung vom ELIF Verlag „Isländsiche Lyrik mit Wolfgang Schiffer.“ Wolfgang kenne ich seit einigen Jahren über den Blog und es war schön, dass wir uns nun vor Ort begegnen konnten. Mit dem Verleger Dincer Gücyeter, stellte er wunderbare isländische Gedichtbände vor und Wolfgang las daraus vor. So hörten wir Auszüge aus dem Gedichtband „Das Kleingedruckte“ von Linda Vilhjálmsdóttir und aus „Lederjackenwetter“ von Frída Ísberg. Ein sehr schöner Moment der Buchmesse war es, diesen Gedichten zu lauschen. Ich wusste beim Zuhören der Worte, dass ich mir diesen Gedichtband gleich am Stand kaufen möchte. Wolfgang Schiffer hat auch Gedichte aus Island eingelesen, die vertont wurden „Das Alphabet des Feuers“. Nächstes Jahr, so stellte er vor, wird es einen „Poesiebrief“ geben, auf den ich mich nun schon freue. Eine Besucherin sagte am ELIF Stand zu Wolfgang: „Sie sind meine Entdeckung der Buchmesse!“ Was ein wunderbares Kompliment für den ELIF Verlag. Um zwei Bücher reicher ging es, nach einem angenehmen Gespräch mit Wolfgang, weiter.

Bei der Lesung:
links Wolfgang Schiffer, rechts Dincer Gücyeter:

Und am ELIF Stand:

Es gibt viele kleine und große Verlage hier und ich bin mir bewusst, dass ich viele sicherlich wundervolle Verlage gar nicht wahrnehme. Da reichen selbst mehrere Messetage nicht, um all das Vorhandene zu entdecken. Auch das gehört zur Buchmesse, dass nicht alle Schätze wahrgenommen werden können.

Erneut erlebte ich Samira El Quassil und Karig Friedemann, die in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung der Frage nachgingen, wie groß die Macht der Geschichten ist und wie Narrative die Welt prägen. Ihr Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen“ zeigt den großen Einfluss, den Geschichten haben, sie behandeln darin das Patriarchat bis zur Klimakrise. „Man kann nicht nicht Geschichten erzählen, um so wichtiger, dass wir uns gewahr werden, was wir machen“, so Samira El Quassil. Es ging auch um den Begriff „Klimawandel“ während des sehr interessanten Gesprächs, dass dieser Begriff die Klimakrise verharmlose und wie bedeutsam es sei, dass wir immer schauen, wer welchen Begriff warum benutze. In ihrem Buch fordern sie „Mut zu mehr Phantasie und Mut zu utopischem Denken.“


Der Innenhof der Buchmesse, die Agora, lädt mich immer wieder ein:

Hier seht ihr Marc Elsberg, den Autor des Bestsellers „Blackout. Morgen ist es zu spät“. Nun gibt es eine Premiumausgabe des Thrillers mit einer  Kurzgeschichte von Marc Elsberg wie es weitergehen wird mit der Geschichte und anderen Extras, wie Materialen zur Verfilmung der Serie:

Lange Schlangen vor der Signierbox waren heute vorhanden:

Hier ein Bild von der Veranstaltung „Brauchen wir noch Politikbücher?“, deren Ende ich mitbekam. Ihr seht Sarah Wagenknecht und die Verlegerin Britta Egetmeier (rechts) im Gespräch mit der Spiegel-Moderatorin Susanne Beyer (links):

Danach besuchte ich die Veranstaltung „Frauen in der Literatur – nicht mehr zu übersehen!“ mit Nicole Seifert („FrauenLiteratur“, erinnert ihr euch, das Buch, bei dem Frauen durchgestrichen ist) und Simone Buchholz (die Autorin der „Chastity-Riley-Kriminalromane“) und den Moderatorinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler. Eines der Themen in der Diskussion war der Blick auf die Literatur, die in der Schule besprochen wird. Dieser Literaturkanon zeige sich noch immer sehr männerlastig. „Wo sollen wir denn anfangen, wenn nicht in der Schule? Ich würde mir wünschen, dass da einmal mit einem ganz großen Besen gekehrt werden kann, damit das schneller geht.“, so Simone Buchholz.

Angela Wittmann, Nicole Seifert, Simone Buchholz, Meike Schnitzer (von links nach rechts):

Was gibt es hier noch zu sehen? Natürlich lesende Menschen. Netterweise durfte ich die beiden fotografieren und darf es hier teilen, zeigt es doch so schön die Lesefreude:

Morgens sehen wir uns am Frühstücksbüffet des Hotels und nachmittags besuchte ich ihren Stand: Kerstin Groeper (die Verlegerin und Schriftstellerin) und Katharina Schacht (One Spirit DL e.V.) am TraumFänger Verlag, ein Verlag zum Thema Indianistik. Schon bei den morgendlichen Gesprächen konnte ich ihre große Leidenschaft für diese Thematik entdecken.

Die Verlegerin Kerstin Groeper rechts im Bild und links Katharina Schacht:

Ich schreibe meinen Buchmessenbericht hier vor Ort auf der Buchmesse selbst, mal ziehe ich mich dazu in den ruhigen Pressebereich zurück, mal sitze ich in der Festhalle oder sitze draußen und schreibe.
Irgendwann schließen die Türen und wir – ja, wir, denn mein Mann ist inzwischen auch hier – wollten bis zur Abendveranstaltung noch hinaus. Doch dann blieben wir am Podcast Stand, dem detektor.fm, der der offizieller Podcast-Partner der Frankfurter Buchmesse ist. In den letzten Tagen habe ich bereits mehrmals den Gesprächen dort live zugehört. Nun moderierten sie gerade ihre Abschlussrunde des heutigen Tages, die Nachbarstände und Gänge waren bereits leer. Alle Mitarbeiter*innen kamen hierzu zusammen und erzählten ihre schlimmsten und schönsten Messeerlebnisse im Podcast. Es war ein Genuss, zuzuhören.

Und nach dem offiziellen Ende des Podcasts ließen sie die tolle Musik noch weiterlaufen und es gab zum Abschluss eine Tanzsequenz. Ich darf das Foto hier teilen:

Auch das war ein Glücksmoment pur für mich, dort – in dem nun sehr leeren Forum – zu tanzen, denn das machte ich. Bücher und Tanzen, zwei Dinge, die ich so sehr mag und die alles andere als Dinge sind. Sagte ich schon mal, wie sehr ich die Buchmesse liebe?

Abends ging es dann zur letzten Veranstaltung des Tages, der ZEIT-Literaturtalk. Volker Weidemann war im Gespräch mit Jenny Erpenbeck „Kairos“ und Julia Franck „Welten auseinander“. Feinsinnige Gespräche zu den Büchern, zu dem Werdegang der Autorinnen und ihrem Schreiben konnten wir hier erleben.

Volker Weidemann, Jenny Erpenbeck und Julia Franck:

Auf die Frage, was Jenny Erpenbecks glücklichster Moment in ihrem Buch „Kairos“ ist, nannte sie „die Begegnung der beiden Hauptfiguren, es ist Liebe auf den ersten Blick und alle anderen Augenblicke, die kommen, werden an diesem ersten Augenblick gemessen, den Augenblick des Zusammentreffens.“ Alles im Leben der beiden Hauptfiguren, die junge Katharina und den wesentlichen älteren, verheirateten Hans, verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Von Jenny Erpenbeck fiel auch der Satz: „Geheimnisse hinterlassen Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, dass Dinge, die verschwiegen werden genauso viel Gewicht haben wie Dinge, die erzählt werden.“

Julia Francks „Welten auseinander“ ist ein sehr persönliches und ehrliches Buch. Julia Franck schreibt über ihr Aufwachsen, über eine Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, über eine frühe Flucht aus der DDR, sie schreibt über ihre große Liebe und über Schmerz und Tod. „Beim Schreiben vergegenwärtigen wir Dinge, die nicht verloren gehen sollen.“, so Julia Franck mit ihrer besonnenen und ummantelnden Stimme, der ich sehr gerne zuhöre.

Später wurde Elif Shafak aus London zugeschaltet. Elif Shafak ist eine türkische Schriftstellerin, die in ihren Büchern oft ein Sprachrohr ist für Menschen, die nicht gehört werden.

In ihrem aktuellen Buch „Das Flüstern der Feigenbäume“ lässt sie einen Baum sprechen. Es geht um das geteilte Zypern, über einen Feigenbaum, der sprechen kann und ins Exil geht und um eine Liebesgeschichte. Ihr Buch feiert die Diversität, die Liebe, das Leben, so Elif Shafak. Im Gespräch erzählte sie, dass Bäume und Achtsamkeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben höre sie, so erzählte sie, Heavy Metal, am liebsten immer wieder das gleiche Lied.
Alle drei vorgestellten Bücher sind in meinen Augen sehr lesenswert und meine Liste, der noch zu lesenden Büchern, hat sich abermals vergrößert.

Somit geht ein weiterer wunderbarere Buchmessentag zu Ende und es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3

Heute ist der 3. Tag der Frankfurter Buchmesse und ab Mittag wurden die Türen für das Privatpublikum geöffnet.

Mein erster Besuch am Morgen ging zum Pressegespräch mit Tsitsi Dangarembga, bei dem „wir Medienvertreter*innen“ Fragen stellen konnten. Tsitsi Dangarembga erhält Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie ist eine Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe und eine wichtige Künstlerin ihres Landes sowie eine bedeutsame Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur. Tsitsi Dangarembga beschäftigt sich in ihren Romanen mit dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Sie setzt sich für Freiheitsrechte ein. Ihr Wirken geht über das in ihrem Land hinaus.

Auch später erlebte ich sie noch in einem Gespräch. Hier sind auch ihre Bücher sichtbar:

Am Morgen war es in den Hallen noch leer und ich stöberte durch eine weitere Halle.
Auch Polizisten hatten Interesse an der Gutenberg-Ausstellung und haben und sich die Buchpresse erklären lassen:

Dieses Internationale, das hier auf der Buchmesse zu finden ist, mag ich sehr. So klingen den ganzen Tag vielfältige Sprachen an mein Ohr. Auch in den Hallen der internationalen Aussteller ist diese Vielfalt erlebbar. Viele schöne Stände gibt es hier zu entdecken und ich wünschte, ich könnte mehr Sprachen sprechen, um viele dieser Bücher lesen zu können. Gerne teile ich einige Eindrücke von dort.

Hier seht ihr den slowenischen Stand:

Der Stand von Kolumbien:

Hier präsentiert sich Pakistan:

Bei diesem Stand von Taiwan, der wie eine Küche gestaltet ist, dachte ich, wie passend, sind doch Bücher Nahrung für die Seele:

Der fröhliche indische Stand:

In dieser Halle ließ ich mir viel Zeit und wünsche ihm viel Publikum.

Ecken zum Entspannen sind immer wieder auf dem Messegelände eingebaut:

Auch draußen lassen sich immer wieder Pausen einbauen und zwischendurch werde auch mal ich fotografiert:

Hier seht ihr Jagoda Marinic im Gespräch mit Svenja Faßpöhler („Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“) und Dilek Güngor („Vater und ich“):

Bei diesem und sehr vielen der hier stattfindenden Gespräche ging und geht es auch um das Thema Rassismus. Die Autorin Jasmina Kuhnke („Schwarzes Herz“ heißt ihr aktuelles Buch) hat ihren Besuch der Frankfurter Buchmesse aufgrund von Bedrohungen seitens der rechten Szene abgesagt.
Bei der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag sagte Juergen Boos dazu, dass ein rechtsgesinnter Verlag hier ausstellt: „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist.“ 
Bei den Diskussionen um dieses Thema höre ich unterschiedliche Stellungnahmen, viele können die Reaktion von Jasmina Kuhnke und anderen Schriftsteller*innen, die sich ihr angeschlossen haben, verstehen, viele andere betonen jedoch, dass sie es wichtig finden, hier zu sein, da Worte eine Kraft haben und sie diese Kraft nutzen möchten und gerade nun Präsenz zeigen wollen. Einander zuhören und darüber diskutieren, das erlebe ich hier.

Nun zu Harald Welzer, der im Gespräch zu seinem neuen Buch „Ankommen. Ein Nachlass auf mich selbst“ war. Dieses sicherlich sehr lesenswerte Buch lässt sich in drei Bereiche aufteilen: Im ersten Teil hält Harald Welzer eine Brandrede zum Klimathema, im zweiten Teil sind Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten aufgeschrieben und im dritten Teil schreibt er einen Nachruf auf sich selbst. „Was möchte ich, was in meinem Nachruf stehen könnte? Worauf möchte ich am Lebensende zurückblicken?“, diese guten Fragen stellte Harald Welzer zu seiner Idee des Nachrufs. Diesee Nachruf soll nicht als wirklicher Nachruf verstanden werden, sondern diene der Reflexion des eigenen Lebens. Ich finde, das regt zum Nachmachen an.
In Harald Welzers Nachruf soll etwa stehen „Er hat sich stets bemüht, gute Fehler zu machen“ und „Er konnte gut Zeit verschwenden.“ Sätze, die ich mag.

Hiernach erlebte ich Sven Regener, der sein Buch „Glitterschnitter“ vorstellte. Er las – mit einer sehr lebendigen und mitnehmenden Stimme – eine Szene aus seinem Buch vor, die in Ikea spielt und äußerst amüsant war.

Bülant Ceylan sprach zu seinem Buch „Ankommen. Aber wo eigentlich?“ Ein Buch, das er als Liebeserklärung an seine Frau und an seine Eltern beschrieb. Natürlich tauchten auch viele amüsante Sätze auf, wie: „Angela und Fritz heißen meine Geschwister, die Leute lachen immer, aber es ist wirklich wahr.“

Teile des Podcast-Gespräch mit Friedemann Karig und Samira El Quassil, die das Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben verändern“ geschrieben haben, konnte ich hören.

Hier ein Bild des Podcast-Gesprächs mit Mohamed Amjahid, der das Buch „Der weiße Fleck“ geschrieben hat:

In der Signierbox entdeckte ich Ursula Poznanski. Ihr aktueller Jugendroman „Shelter“ klingt sehr interessant. Ihre Erebosbücher fand ich so mitnehmend und spannend, dass ich sie kaum weglegen konnte.

Im Kanada Pavillon erlebte ich abermals die Künstlerin Vivek Shraya mit einer tollen Performance:

Auch diese gute Aussage teile ich gerne hier:

Am Abend fand die große ARD-Buchmessennacht statt. 15 Autor*innen wurden von Alf Mentzer und Catherine Mund interviewt und stellten ihre neuen Bücher vor. Ein sehr vielseitiger Abend mit:
Marina Weisband „Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen von ihrem Leben“
Eva Menasse „Dunkelblau“
Sönke Wortmann „Es gilt das gesprochene Wort“
Antje Ravik Strubel „Blaue Frau“
Svenja Flaßpöhler „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“
Stefan Aust „Xi Jinping“
Sven Regener „Glitterschnitter“
Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschikv „Mitte“
Johanna Adorján „Ciao“
Armin Nassehi „Unbehagen“
Lukas Rietzschel „Raumfahrer“
John von Düffel „Die Wütenden und die Schuldigen“,
Helen Macdonald „Abendflüge“
Klaus Pohl „Sein oder Nicht Sein“
Bülent Ceylan „Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“

Hier einige Bilder des Abends:

Catherine Mund (links) und Marina Weisband (rechts):

Alf Mentzer (links) und Sönke Wortmann (rechts):

Volker Kutscher und Kat Menschikv:

John von Düffel:

Helen Mcdonald:

Klaus Pohl:

Sönke Wortmann schenkte an dem Abend den Satz: „Worte können die Welt besser machen.“
Bülant Ceylan las zwischen den Interviews immer wieder aus seinem Buch vor und las seinen guten Satz: „Jeder von uns kann seinen Teil zu einer offenen, respektvollen und toleranten Gesellschaft beitragen.“
Einen weiteren Satz von Bülant Ceylan teile ich hier gerne:“ Es ist schön, wieder Lachen zu hören, letztes Jahr habe ich nur vor Autos gespielt. Ich denke immer, hier sitzen Pappkartons.“
Zum Glück war und ist hier viel Echtheit, Lachen, Tiefe, Gespräche, Diskussionen und viel Lebendigkeit.

Es grüßt euch aus Frankfurt zu später Stunde,
Marion