Findesatz-Gedicht 136

Es gibt viele viele gute Bücher
und ich habe mir vorgenommen viel mehr zu lesen
nicht nur abends im Bett
sondern auch sonst
viel viel mehr
sagte er
und setzte sich in seinen Sessel
Sein Blick ging hinaus
und seine Augen ruhten auf den herbstlichen Garten
sie blieben an dem sich verfärbenden Laub der Kastanie hängen
Er wusste darum
dass er niemals alle Bücher dieser Welt lesen konnte
nicht alle guten Bücher würden sein Haus bewohnen
viele gute Sätze würden sein Ohr nicht streifen
Vielleicht war es das gelbe Blatt das gerade herunterfiel
er vertraute in diesem Moment darauf
dass die Bücher ihn finden würden
die von ihm gelesen werden sollten
Nachdem er ein paar Minuten dem leisen Wind zusah
blätterte er die erste Seite um
und begann zu lesen

Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Sonntag und damit der letzte Buchmessentag. Auch heute war es bei strahlend blauem Himmel erneut ein gut besuchter Messetag.

Am Morgen ging ich zunächst noch einmal durch die Hallen. Dem rechten Verlag, der hier ausstellte, möchte ich keine Aufmerksamkeit schenken. Doch ich fragte die Büchergilde, die direkt gegenüber ihren Stand hatten, ob gegenüber viel los sei. Sie meinten, es sei überwiegend die gleiche Gruppe an Leuten dort zu finden. Die Büchergilde setzte gut lesbare Aussagen, klasse und wichtig, direkt vor Augen des rechten Verlags:

An dieser Stelle möchte ich meine Feststellung hier teilen, dass sehr viele Menschen hier auftraten, die sich gegen Rassismus einsetzten, das war deutlich spürbar und sichtbar.

Stände wie diese gehören für mich zu den Freuden der Buchmesse, Menschen, die mit Liebe ihre Kunst teilen. Hier seht ihr Anna Käse mit ihrem Stand „Kunst für Freunde“. Sie lässt mit einem alten Tiefdruckverfahren ihre Bilder entstehen, die oftmals mit Wort-Botschaften versehen sind und natürlich gab es bei ihr auch Bücher. Hier seht ihr Anna Käse an ihrem Stand, in der Hand hält die ein Bild zu ihrer Reihe der Maschinen, die bei Gefühlen helfen. „Der Hintergrund war, dass ich es so schade fand, dass uns die heutigen Maschinen fast ausschließlich bei materiellen Dingen helfen und meine Maschinen sollen uns bei emotionalen Problemen unterstützen. Wenn du zum Beispiel vergessen hast, was Glück ist, dann reicht dir die Maschine den Schlüssel zum Glück und zieht dich daran wieder nach oben.“ Auch erklärte sie mir die Technik hierzu: „Zusätzlich zu den handgemachten Kupferdruck sind die Bilder wirklich mit alten Metallstücken bedruckt, das sind alte Unterlegscheiben, Zahnräder, Schlüsselringe, die habe ich eingeschwärzt und dann nochmal im Hochdruckverfahren mit abgedruckt.“ Ein Stand, zum lange Stöbern.

Anna Käse – Kunst für Freunde:

Danach hörte ich Hannah Reuter zu, die zu ihrem Buch „Blind mit Kind- Episoden aus unserem Alltag“ erschienen beim Verlag w_orten & meer erzählte und daraus vorlas. Sie sagte, der Titel stelle das im Zentrum, was in ihrem Familienalltag gar nicht im Zentrum stehe, nämlich die Blindheit. „Ich bin nicht in erster Linie blind, ich bin Hannah, ich bin Mutter, ich bin Hundebesitzerin, Kaffeetrinkerin, Tango-Fan und noch einiges mehr. Ich bin natürlich auch blind, aber das schon seit Geburt und das macht das Ganze total normal.“ Da sie jedoch sehr häufig die Frage gestellt bekam, wie das eigentlich gehe, blind mit Kind, entstand die Idee, Kolumnen hierzu zu schreiben, die es nun in Buchform gibt. Eine tolle Lesung zu einer sehr sympathischen Frau.

Hier seht ihr links Toni Thonius vom Verlag w_orten & meer und rechts Hannah Reuter:

Nach der Lesung packten sie die Materialien zusammen, ihr Kind und ihr Assistenzhund waren auch dabei. Den zweiten Assistenzhund, den ihr seht, ist der einer Freundin, die Hannah Reuter auf der Messe begleitet hat. Dieses wie ich finde schöne Foto darf ich auch hier teilen:

Danach besuchte ich den Stand vom Verlag Hermann Schmidt, wo ich viele Schätze entdeckte, wie diese hier. Auch das sind Glücksmomente der Buchmesse, solch wunderbaren Bücher in den Händen zu halten, bei denen ich „Hach, ist das schön“ murmele und darin zu lesen (das untere linke ist ein Notizbuch, das darf selbst gefüllt werden):

Nach einem Aufenthalt in dem Innenhof, der Agora, ging es für mich zur Festhalle. Dort erlebte ich noch ein Teil des bereichernden Gesprächs „Süß oder sauer? Der Kampf um die Wut“ in der Reihe „SHEROES-Streiterinnen für die Zukunft“. Jagoda Marinić sprach mit Ann-Kristin Tlusty, die das Buch „Süss“ geschrieben hat und Nataly Amiri, die Iran-Korrespondentin vom ARD und Autorin des Buchs „Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran“.
Nataly Amiri sagte am Ende des Gesprächs: „Das ist mein Wunsch, dass wir nicht phlegmatisch werden und auf dem Sofa sitzen, die Demokratie ist sehr zerbrechlich und wir haben hier ein hohes und wertvolles Gut, Demokratie und Freiheit, das wir verlernt haben zu schätzen und für die sollten wir aufstehen und uns einsetzen.“

Von links nach rechts seht ihr Jagoda Marinic, Ann-Kristin Tlusty und Nataly Amiri:

Hiernach befragte Marion Kuchenny den Theaterregisseur Tobias Ginsberg zu seinem Buch „Die letzten Männer des Westens.“ Tobias Ginsberg hat sich ein Jahr lang undercover in antifeministische, rechtsgesinnte Männergruppen bewegt und dort recherchiert. „Wo liegt der Reiz des Extremismus?“ dieser Frage wollte er nachgehen. Tobias Ginsberg ist dafür, zu begreifen, was Angst macht, dann mache es keine Angst mehr, denn dann würde es greifbar. Er wollte begreifen, wie sie glauben, um sie dann greifen zu können. Er sagte, dass er glaube, dass „wir in unserer Gesellschaft viel erreichen können, doch wir dürfen uns nicht ausruhen, die Kräfte lauern an allen Ecken.“ 

Bärbel Schäfer war im Gespräch mit Dietrich Grönemeyer zu seinen Kinderbüchern „Der kleine Medicus“:

Liola Albus signierte ihr aktuelles Buch „Älter werde ich später!“:

Draußen war auch Ulrike Folkerts zu hören, die zugeschaltet war und über ihre Autobiographie „Ich muss raus“ erzählte:

Schönes und Typisches hier: Menschen, die lesen. Ich finde, ein Buch in den Händen ist doch viel schöner als ein Handy in den Händen.

Bücher können nicht nur gelesen werden, manchmal dienen sie auch als Kopfkissen:

(Danke den Beiden, dass ich die Bilder hier teilen darf.)

Auch die Aktion „Faires Lesen“ war ein Thema hier, denn Schreiben ist nicht umsonst. Im Netz findet ihr mehr Informationen hierzu:

Hier seht ihr Ingrid Brodning, die über ihr Buch „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online“ sprach. Sie gilt als Expertin für Lügengeschichten, Mobbing und Hass in der digitalen Welt:

Die letzte Veranstaltung des Tages war die „GastRollen-Übergabe Kanada 2021 -Spanien 2022“. Diese Veranstaltung ist immer ein krönender Abschluss der Buchmessentage. Bei dieser Feierlichkeit wird das Gastland verabschiedet und das neue Gastland wird begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sprach mit dem kanadischen Schriftsteller Dany Laferrière (mittig im Bild) und dem spanischen Schrifsteller Manuel Vilas (rechts im Bild).
Es fielen viele wunderbare Sätze in dem schönen Gespräch. So sagte Dany Laferriere: „Es ist toll, dass es einen Ort des Buches gibt“ oder „Das große Geschenk des Buches ist die Ruhe.“ Zum Schreiben sagte er: „Man geht in eine Art Brunnen rein, man taucht ein und versucht ein Licht zu sein, das auch für andere scheint.“
Manuel Vilas äußerte sich: „Meine Literatur entsteht aus der großen Liebe zum Leben“ und „Das Leben hat ohne Liebe keinen Sinn“ und ein letzter seiner Sätze „Ich bin verliebt in das Leben, es ist ein großes Mysterium , alle, die wir hier sind, wir leben, das ist ein großes Wunder.“ :
Mich Satzsammlerin erfreuen solche Sätze sehr.

Auf dem nächste Foto seht ihr Juergen Boos, den Dirketor der Frankfurter Buchmesse, im Gespräch mit Caroline Fortin und María José Gálvez.
Carolin Fortin sagte zu ihren Erfahrungen als Gastland Kanada: „Wir haben gedacht, wir wollen die Menschen überraschen und wir haben uns auch selbst überrascht.“
María José Gálvez äußerte sich bezüglich des zukünftigen Gastlands Spaniens: „Wir möchten gerne zeigen, wie wir sind. Wir möchten uns zeigen als Land aber auch als Kultur und Literatur.“
Carolin Fortin bedankte sich bei ihrem ganzen kanadischen Team für diese intensive Zeit:

Und nun überreichte Kanada die traditionelle GastRolle an den neuen Ehrengast Spanien:

Großartige spanische Musik einer Brassband gab es auch:

Und hier noch zwei Abschlussbilder der Veranstaltung:

Noch ein paar Informationen, worauf die Frankfurter Buchmesse zurückblickt:
36.000 Fachbesucher*innen aus 105 Ländern und 37.500 Leser*innen aus 85 Ländern haben die diesjährige Frankfurter Buchmesse besucht und 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich hier.
Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte in seiner Rückschau: „Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen. Dies zeigt, wie resilient und kreativ unsere Branche ist. (…) Man konnte die Wiedersehensfreude in den Hallen förmlich spüren.“
Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, äußerte sich: „Die Frankfurter Buchmesse war geprägt von Wiedersehensfreude und Aufbruchsstimmung. (…) In aufgewühlten Zeiten standen auch wichtige gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir intensiv weiterführen müssen und werden – so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen in unserer Gesellschaft und auf Buchmessen.“

Wie ich oben bereits schrieb, fanden sehr viele Gespräche zu den Themen Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, Gendern und Meinungsfreiheit statt, das fiel sehr ins Gewicht. Auch das wichtige Thema Nachhaltigkeit war immer wieder erlebbar.
Das große Thema der Buchmesse war „Wir wollen wir Leben“, hierauf wurden viele reichhaltige Antworten geschenkt. Und wie bei allen guten Fragen und Antworten, laden diese auch zu weiteren Fragen und Überlegungen ein.

Was nicht fehlen darf, ist ein Danke an Rosa und Andy für all die vielen leckeren Tees, die ich – und viele andere Menschen – an ihrem Yogi-Tee-Stand in den letzten Tagen trinken durfte:

„Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse“, diesen Satz hörte ich hier einige male.
Ich blicke auf wunderbare intensive Buchmessen-Tage zurück, auf eine große Vielfalt an Gehörtem, Erlebtem, an berührenden Momenten und natürlich an Büchern.
Damit beende ich meine diesjährigen Berichte von der Frankfurter Buchmesse und sage,
es grüßt euch aus Frankfurt

Eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Heute ist bereits der 4. Tag der Frankfurter Buchmesse. Schon am Morgen war zu erleben, dass es nun am Wochenende deutlich voller ist und dass der Kartenverkauf für heute ausgeschöpft war. Das freut mich sehr für alle Aussteller*innen und die Buchbranche. Mehrmals hörte ich von den Mitarbeiter*innen an verschiedenen Ständen: „Das haben wir so vermisst. Es ist so schön, dass wieder viel los ist.“

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, in der die „SWR-Lesenswert“-Veranstaltung stattfand. „Es wird viel um Frauen gehen, um Paare und viel um Liebe“, so die Moderatorin Anja Höfer. Tolle Interviews zu tollen Büchern erlebte ich hier.
Diese Bücher wurden vorgestellt:
Florin Illies „Liebe in Zeiten des Hasses“
Pascal Hugues „Mädchenschule“
Nicole Seifert „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“, das Wort Frauen ist hierbei durchgestrichen
Hannah Lühmann „Auszeit“ und
Andreas Schwab „Zeit der Aussteiger. Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità“

Anja Brokert im Gespäch mit Florian Illies:

Anja Höfer im Gespräch mit Pascal Hugues (links im Bild) :

rechts Nicole Seifter:

links Hannah Lühmann:

rechts Andreas Schwab:

Jetzt führte mein Weg mich zu der Veranstaltung vom ELIF Verlag „Isländsiche Lyrik mit Wolfgang Schiffer.“ Wolfgang kenne ich seit einigen Jahren über den Blog und es war schön, dass wir uns nun vor Ort begegnen konnten. Mit dem Verleger Dincer Gücyeter, stellte er wunderbare isländische Gedichtbände vor und Wolfgang las daraus vor. So hörten wir Auszüge aus dem Gedichtband „Das Kleingedruckte“ von Linda Vilhjálmsdóttir und aus „Lederjackenwetter“ von Frída Ísberg. Ein sehr schöner Moment der Buchmesse war es, diesen Gedichten zu lauschen. Ich wusste beim Zuhören der Worte, dass ich mir diesen Gedichtband gleich am Stand kaufen möchte. Wolfgang Schiffer hat auch Gedichte aus Island eingelesen, die vertont wurden „Das Alphabet des Feuers“. Nächstes Jahr, so stellte er vor, wird es einen „Poesiebrief“ geben, auf den ich mich nun schon freue. Eine Besucherin sagte am ELIF Stand zu Wolfgang: „Sie sind meine Entdeckung der Buchmesse!“ Was ein wunderbares Kompliment für den ELIF Verlag. Um zwei Bücher reicher ging es, nach einem angenehmen Gespräch mit Wolfgang, weiter.

Bei der Lesung:
links Wolfgang Schiffer, rechts Dincer Gücyeter:

Und am ELIF Stand:

Es gibt viele kleine und große Verlage hier und ich bin mir bewusst, dass ich viele sicherlich wundervolle Verlage gar nicht wahrnehme. Da reichen selbst mehrere Messetage nicht, um all das Vorhandene zu entdecken. Auch das gehört zur Buchmesse, dass nicht alle Schätze wahrgenommen werden können.

Erneut erlebte ich Samira El Quassil und Karig Friedemann, die in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung der Frage nachgingen, wie groß die Macht der Geschichten ist und wie Narrative die Welt prägen. Ihr Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen“ zeigt den großen Einfluss, den Geschichten haben, sie behandeln darin das Patriarchat bis zur Klimakrise. „Man kann nicht nicht Geschichten erzählen, um so wichtiger, dass wir uns gewahr werden, was wir machen“, so Samira El Quassil. Es ging auch um den Begriff „Klimawandel“ während des sehr interessanten Gesprächs, dass dieser Begriff die Klimakrise verharmlose und wie bedeutsam es sei, dass wir immer schauen, wer welchen Begriff warum benutze. In ihrem Buch fordern sie „Mut zu mehr Phantasie und Mut zu utopischem Denken.“


Der Innenhof der Buchmesse, die Agora, lädt mich immer wieder ein:

Hier seht ihr Marc Elsberg, den Autor des Bestsellers „Blackout. Morgen ist es zu spät“. Nun gibt es eine Premiumausgabe des Thrillers mit einer  Kurzgeschichte von Marc Elsberg wie es weitergehen wird mit der Geschichte und anderen Extras, wie Materialen zur Verfilmung der Serie:

Lange Schlangen vor der Signierbox waren heute vorhanden:

Hier ein Bild von der Veranstaltung „Brauchen wir noch Politikbücher?“, deren Ende ich mitbekam. Ihr seht Sarah Wagenknecht und die Verlegerin Britta Egetmeier (rechts) im Gespräch mit der Spiegel-Moderatorin Susanne Beyer (links):

Danach besuchte ich die Veranstaltung „Frauen in der Literatur – nicht mehr zu übersehen!“ mit Nicole Seifert („FrauenLiteratur“, erinnert ihr euch, das Buch, bei dem Frauen durchgestrichen ist) und Simone Buchholz (die Autorin der „Chastity-Riley-Kriminalromane“) und den Moderatorinnen Angela Wittmann und Meike Schnitzler. Eines der Themen in der Diskussion war der Blick auf die Literatur, die in der Schule besprochen wird. Dieser Literaturkanon zeige sich noch immer sehr männerlastig. „Wo sollen wir denn anfangen, wenn nicht in der Schule? Ich würde mir wünschen, dass da einmal mit einem ganz großen Besen gekehrt werden kann, damit das schneller geht.“, so Simone Buchholz.

Angela Wittmann, Nicole Seifert, Simone Buchholz, Meike Schnitzer (von links nach rechts):

Was gibt es hier noch zu sehen? Natürlich lesende Menschen. Netterweise durfte ich die beiden fotografieren und darf es hier teilen, zeigt es doch so schön die Lesefreude:

Morgens sehen wir uns am Frühstücksbüffet des Hotels und nachmittags besuchte ich ihren Stand: Kerstin Groeper (die Verlegerin und Schriftstellerin) und Katharina Schacht (One Spirit DL e.V.) am TraumFänger Verlag, ein Verlag zum Thema Indianistik. Schon bei den morgendlichen Gesprächen konnte ich ihre große Leidenschaft für diese Thematik entdecken.

Die Verlegerin Kerstin Groeper rechts im Bild und links Katharina Schacht:

Ich schreibe meinen Buchmessenbericht hier vor Ort auf der Buchmesse selbst, mal ziehe ich mich dazu in den ruhigen Pressebereich zurück, mal sitze ich in der Festhalle oder sitze draußen und schreibe.
Irgendwann schließen die Türen und wir – ja, wir, denn mein Mann ist inzwischen auch hier – wollten bis zur Abendveranstaltung noch hinaus. Doch dann blieben wir am Podcast Stand, dem detektor.fm, der der offizieller Podcast-Partner der Frankfurter Buchmesse ist. In den letzten Tagen habe ich bereits mehrmals den Gesprächen dort live zugehört. Nun moderierten sie gerade ihre Abschlussrunde des heutigen Tages, die Nachbarstände und Gänge waren bereits leer. Alle Mitarbeiter*innen kamen hierzu zusammen und erzählten ihre schlimmsten und schönsten Messeerlebnisse im Podcast. Es war ein Genuss, zuzuhören.

Und nach dem offiziellen Ende des Podcasts ließen sie die tolle Musik noch weiterlaufen und es gab zum Abschluss eine Tanzsequenz. Ich darf das Foto hier teilen:

Auch das war ein Glücksmoment pur für mich, dort – in dem nun sehr leeren Forum – zu tanzen, denn das machte ich. Bücher und Tanzen, zwei Dinge, die ich so sehr mag und die alles andere als Dinge sind. Sagte ich schon mal, wie sehr ich die Buchmesse liebe?

Abends ging es dann zur letzten Veranstaltung des Tages, der ZEIT-Literaturtalk. Volker Weidemann war im Gespräch mit Jenny Erpenbeck „Kairos“ und Julia Franck „Welten auseinander“. Feinsinnige Gespräche zu den Büchern, zu dem Werdegang der Autorinnen und ihrem Schreiben konnten wir hier erleben.

Volker Weidemann, Jenny Erpenbeck und Julia Franck:

Auf die Frage, was Jenny Erpenbecks glücklichster Moment in ihrem Buch „Kairos“ ist, nannte sie „die Begegnung der beiden Hauptfiguren, es ist Liebe auf den ersten Blick und alle anderen Augenblicke, die kommen, werden an diesem ersten Augenblick gemessen, den Augenblick des Zusammentreffens.“ Alles im Leben der beiden Hauptfiguren, die junge Katharina und den wesentlichen älteren, verheirateten Hans, verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Von Jenny Erpenbeck fiel auch der Satz: „Geheimnisse hinterlassen Spuren. Ich hatte immer das Gefühl, dass Dinge, die verschwiegen werden genauso viel Gewicht haben wie Dinge, die erzählt werden.“

Julia Francks „Welten auseinander“ ist ein sehr persönliches und ehrliches Buch. Julia Franck schreibt über ihr Aufwachsen, über eine Jugend voller Brüche und Unsicherheiten, über eine frühe Flucht aus der DDR, sie schreibt über ihre große Liebe und über Schmerz und Tod. „Beim Schreiben vergegenwärtigen wir Dinge, die nicht verloren gehen sollen.“, so Julia Franck mit ihrer besonnenen und ummantelnden Stimme, der ich sehr gerne zuhöre.

Später wurde Elif Shafak aus London zugeschaltet. Elif Shafak ist eine türkische Schriftstellerin, die in ihren Büchern oft ein Sprachrohr ist für Menschen, die nicht gehört werden.

In ihrem aktuellen Buch „Das Flüstern der Feigenbäume“ lässt sie einen Baum sprechen. Es geht um das geteilte Zypern, über einen Feigenbaum, der sprechen kann und ins Exil geht und um eine Liebesgeschichte. Ihr Buch feiert die Diversität, die Liebe, das Leben, so Elif Shafak. Im Gespräch erzählte sie, dass Bäume und Achtsamkeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben höre sie, so erzählte sie, Heavy Metal, am liebsten immer wieder das gleiche Lied.
Alle drei vorgestellten Bücher sind in meinen Augen sehr lesenswert und meine Liste, der noch zu lesenden Büchern, hat sich abermals vergrößert.

Somit geht ein weiterer wunderbarere Buchmessentag zu Ende und es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3

Heute ist der 3. Tag der Frankfurter Buchmesse und ab Mittag wurden die Türen für das Privatpublikum geöffnet.

Mein erster Besuch am Morgen ging zum Pressegespräch mit Tsitsi Dangarembga, bei dem „wir Medienvertreter*innen“ Fragen stellen konnten. Tsitsi Dangarembga erhält Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie ist eine Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe und eine wichtige Künstlerin ihres Landes sowie eine bedeutsame Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur. Tsitsi Dangarembga beschäftigt sich in ihren Romanen mit dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Sie setzt sich für Freiheitsrechte ein. Ihr Wirken geht über das in ihrem Land hinaus.

Auch später erlebte ich sie noch in einem Gespräch. Hier sind auch ihre Bücher sichtbar:

Am Morgen war es in den Hallen noch leer und ich stöberte durch eine weitere Halle.
Auch Polizisten hatten Interesse an der Gutenberg-Ausstellung und haben und sich die Buchpresse erklären lassen:

Dieses Internationale, das hier auf der Buchmesse zu finden ist, mag ich sehr. So klingen den ganzen Tag vielfältige Sprachen an mein Ohr. Auch in den Hallen der internationalen Aussteller ist diese Vielfalt erlebbar. Viele schöne Stände gibt es hier zu entdecken und ich wünschte, ich könnte mehr Sprachen sprechen, um viele dieser Bücher lesen zu können. Gerne teile ich einige Eindrücke von dort.

Hier seht ihr den slowenischen Stand:

Der Stand von Kolumbien:

Hier präsentiert sich Pakistan:

Bei diesem Stand von Taiwan, der wie eine Küche gestaltet ist, dachte ich, wie passend, sind doch Bücher Nahrung für die Seele:

Der fröhliche indische Stand:

In dieser Halle ließ ich mir viel Zeit und wünsche ihm viel Publikum.

Ecken zum Entspannen sind immer wieder auf dem Messegelände eingebaut:

Auch draußen lassen sich immer wieder Pausen einbauen und zwischendurch werde auch mal ich fotografiert:

Hier seht ihr Jagoda Marinic im Gespräch mit Svenja Faßpöhler („Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“) und Dilek Güngor („Vater und ich“):

Bei diesem und sehr vielen der hier stattfindenden Gespräche ging und geht es auch um das Thema Rassismus. Die Autorin Jasmina Kuhnke („Schwarzes Herz“ heißt ihr aktuelles Buch) hat ihren Besuch der Frankfurter Buchmesse aufgrund von Bedrohungen seitens der rechten Szene abgesagt.
Bei der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag sagte Juergen Boos dazu, dass ein rechtsgesinnter Verlag hier ausstellt: „Es muss uns nicht gefallen, aber es muss möglich sein, weil Meinungsfreiheit für uns das höchste Gut ist.“ 
Bei den Diskussionen um dieses Thema höre ich unterschiedliche Stellungnahmen, viele können die Reaktion von Jasmina Kuhnke und anderen Schriftsteller*innen, die sich ihr angeschlossen haben, verstehen, viele andere betonen jedoch, dass sie es wichtig finden, hier zu sein, da Worte eine Kraft haben und sie diese Kraft nutzen möchten und gerade nun Präsenz zeigen wollen. Einander zuhören und darüber diskutieren, das erlebe ich hier.

Nun zu Harald Welzer, der im Gespräch zu seinem neuen Buch „Ankommen. Ein Nachlass auf mich selbst“ war. Dieses sicherlich sehr lesenswerte Buch lässt sich in drei Bereiche aufteilen: Im ersten Teil hält Harald Welzer eine Brandrede zum Klimathema, im zweiten Teil sind Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten aufgeschrieben und im dritten Teil schreibt er einen Nachruf auf sich selbst. „Was möchte ich, was in meinem Nachruf stehen könnte? Worauf möchte ich am Lebensende zurückblicken?“, diese guten Fragen stellte Harald Welzer zu seiner Idee des Nachrufs. Diesee Nachruf soll nicht als wirklicher Nachruf verstanden werden, sondern diene der Reflexion des eigenen Lebens. Ich finde, das regt zum Nachmachen an.
In Harald Welzers Nachruf soll etwa stehen „Er hat sich stets bemüht, gute Fehler zu machen“ und „Er konnte gut Zeit verschwenden.“ Sätze, die ich mag.

Hiernach erlebte ich Sven Regener, der sein Buch „Glitterschnitter“ vorstellte. Er las – mit einer sehr lebendigen und mitnehmenden Stimme – eine Szene aus seinem Buch vor, die in Ikea spielt und äußerst amüsant war.

Bülant Ceylan sprach zu seinem Buch „Ankommen. Aber wo eigentlich?“ Ein Buch, das er als Liebeserklärung an seine Frau und an seine Eltern beschrieb. Natürlich tauchten auch viele amüsante Sätze auf, wie: „Angela und Fritz heißen meine Geschwister, die Leute lachen immer, aber es ist wirklich wahr.“

Teile des Podcast-Gespräch mit Friedemann Karig und Samira El Quassil, die das Buch „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben verändern“ geschrieben haben, konnte ich hören.

Hier ein Bild des Podcast-Gesprächs mit Mohamed Amjahid, der das Buch „Der weiße Fleck“ geschrieben hat:

In der Signierbox entdeckte ich Ursula Poznanski. Ihr aktueller Jugendroman „Shelter“ klingt sehr interessant. Ihre Erebosbücher fand ich so mitnehmend und spannend, dass ich sie kaum weglegen konnte.

Im Kanada Pavillon erlebte ich abermals die Künstlerin Vivek Shraya mit einer tollen Performance:

Auch diese gute Aussage teile ich gerne hier:

Am Abend fand die große ARD-Buchmessennacht statt. 15 Autor*innen wurden von Alf Mentzer und Catherine Mund interviewt und stellten ihre neuen Bücher vor. Ein sehr vielseitiger Abend mit:
Marina Weisband „Frag uns doch! Eine Jüdin und ein Jude erzählen von ihrem Leben“
Eva Menasse „Dunkelblau“
Sönke Wortmann „Es gilt das gesprochene Wort“
Antje Ravik Strubel „Blaue Frau“
Svenja Flaßpöhler „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren“
Stefan Aust „Xi Jinping“
Sven Regener „Glitterschnitter“
Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschikv „Mitte“
Johanna Adorján „Ciao“
Armin Nassehi „Unbehagen“
Lukas Rietzschel „Raumfahrer“
John von Düffel „Die Wütenden und die Schuldigen“,
Helen Macdonald „Abendflüge“
Klaus Pohl „Sein oder Nicht Sein“
Bülent Ceylan „Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“

Hier einige Bilder des Abends:

Catherine Mund (links) und Marina Weisband (rechts):

Alf Mentzer (links) und Sönke Wortmann (rechts):

Volker Kutscher und Kat Menschikv:

John von Düffel:

Helen Mcdonald:

Klaus Pohl:

Sönke Wortmann schenkte an dem Abend den Satz: „Worte können die Welt besser machen.“
Bülant Ceylan las zwischen den Interviews immer wieder aus seinem Buch vor und las seinen guten Satz: „Jeder von uns kann seinen Teil zu einer offenen, respektvollen und toleranten Gesellschaft beitragen.“
Einen weiteren Satz von Bülant Ceylan teile ich hier gerne:“ Es ist schön, wieder Lachen zu hören, letztes Jahr habe ich nur vor Autos gespielt. Ich denke immer, hier sitzen Pappkartons.“
Zum Glück war und ist hier viel Echtheit, Lachen, Tiefe, Gespräche, Diskussionen und viel Lebendigkeit.

Es grüßt euch aus Frankfurt zu später Stunde,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Der 2. Buchmessentag begann für mich mit einem erneuten Rundgang in den Kanada Pavillon, der wieder Wohltat schenkte und wie ein Eintauchen in eine andere Welt ist. Ich hörte diesmal ausgiebiger den virtuellen Sprecher*innen zu, die große Lust auf die kanadische Literatur machen.

Danach ging ich zu THE ARTS+, wo es Kreatives in angenehmer Atmosphäre zu erleben gibt.

So genoss ich dort die virtuelle Ausstellung und die Stimme und Poesie von „Leonard Cohen: A Crack in Everything“.

Dann fand die Pressekonferenz zum Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse 2022 Spanien statt, das unter dem Motto „Sprudelnde Kreativität“ steht. Eine schöne Vorstellung des nächsten Gastlands konnten wir hier erleben. In einer der Reden sagte der spanische Minister Miquel Iceta Llorenz diesen wie ich finde wahren Satz: „Die Zeit, die wir beim Lesen verbringen ist nie verloren.“ Der 18-jährige Mario Obrero las Gedichte vor und schenkte den schönen Satz: „Literatur und Poesie sind immer eine Sprache der Würde.“ Hier ein Abschlussbild dieser Pressekonferenz:

Das Buch „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber habe ich vor Kurzem gelesen und war sehr angetan von diesem Roman. So freute ich mich auf darauf, dass diese Autorin, deren Erzählsprache ich sehr mag, nun auf dem Blauen Sofa zu erleben war. Im Interview mit der Moderatorin Katty Salié zeigte Jasmin Schreiber sich sehr sympathisch, natürlich und beschwingt und damit mag ich nicht nur ihre Bücher sondern auch ihre Art. Ihr aktuelles Buch „Mauersegler“ steht nun auch auf meiner Wunschliste. Ein Buch, in dem es um eine innige Freundschaft,  einen plötzlichen Tod und um Vergebung geht.

Hiernach war Peter Wohlleben auf dem Blauen Sofa zu erleben. Sein neues Buch „Der lange Atem der Bäume“ nimmt den Klimawandel in den Fokus und, so Peter Wohlleben, „wieviel wir von den Bäumen lernen können“. Er machte deutlich, dass es viel wichtiger ist, den bestehenden Wald zu erhalten als neue Bäume anzupflanzen. Gut und passend finde ich zudem, dass sein Buch auf Recyclingpapier gedruckt ist.

Das nächste Interview auf dem Blauen Sofa hatte ich gar nicht geplant, doch nach den ersten Sätzen, die ich beim Zusammenpacken mitbekam, blieb ich sitzen und hörte dem interessanten Interview zu. Isabell Beer erzählt in ihrem Buch „Bis einer stirbt. Drogenszene Internet“ die wahre Geschichte von Leyla und Josh. Es ist eine Reportage über zwei Jugendliche, die beim Experimentieren mit Drogen die Kontrolle verlieren. Eindrücklich beschreibt sie in ihrem Buch, wie sich die Szene seit Christiane F. vom Bahnhof Zoo auf das Internet verschoben hat.

Anschließend ging ich durch die Hallen, in denen es viel zu entdecken gibt.

Am Werkhaus Verlag:

Der Katapult Verlag, den ich mag:

Im Vorbeigehen sind auch Prominente zu sehen, wie hier Roland Kaiser. Ihr seht, die Messe ist vielseitig:

Eines meiner Lieblingsbücher entdeckte ich auch:

Draußen gibt es den Bus der Stadtbücherei:

An der Veranstaltung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2021“ nahm ich gerne teil. Auf diese Preisverleihung freue ich mich jedes Jahr. Der Preis wird von den unabhängigen Buchhandlungen verliehen und damit, so die Moderatorin Wibke Ladwig „werden die Bücher der Herzen gekrönt.“ Die beteiligten Buchhandlungen nominieren die Bücher, die ihre Kunden lesen und lieben. Alle nominierten Bücher wurden vorgestellt von Wibke Ladwig und Florian Valerius, der Buchhändler und zudem der bekannteste Buchblogger Deutschlands ist.

All diese Bücher, die ihr hier seht, klingen sehr lesenswert. Der Preis  ging schließlich an „Der große Sommer“ von Edwald Arenz.

Hier seht ihr Matthias Schmidt im Gespräch mit Andreas Wolfers. Sie stellten das Buch „Allein zwischen Himmel und Erde“ von Boris Hermann vor, das er gemeinsam mit Andreas Wolfers geschrieben hat. Boris Hermann ist derjenige, der mit Greta Thunberg zum UN- Klimagipfel über den Atlantik gesegelt ist, auch hierüber wurde in dem Interview erzählt. In dem Buch beschreibt Boris Hermann seine Erlebnisse bei der Vendée Globe, der berühmtesten und härtesten Regatta der Welt. Er schildert seine Gefühle, alle Höhen und Tiefen, die er in 80 Tagen allein auf dem Meer erlebt hat. Auch dies ist ein Buch, das ich lesen möchte. Boris Hermann setzt sich sehr für den Schutz der Meere und für die Umwelt ein, auch aus diesem Grund hatte Greta Thunberg sich für ihre Reise für ihn als Begleitung entschieden.

Danach hörte ich dem Gespräch zwischen Bärbel Schäfer und Carolin Kebekus zu. In ihrem Buch „Es kann nur eine geben“ geht es Carolin Kebekus um mehr Solidarität unter den Frauen. Sie kritisiert den Konkurrenzkampf und plädiert dafür, dass sich jede Frau in ihrer Eigenart zeigt. In ihrem Buch hat sie 19 Seiten lang Kolleginnen aufgelistet und zeigt damit, dass es ihr um ein Miteinander geht. „Wenn wir gegenseitig dafür sorgen, dass wir andere Frauen sichtbar machen, dann sieht man unsere Vielfalt, denn wir kommen in allen Farben und Formen vor.“ , so einer ihrer auftauchenden Sätze in dem Gespräch, das auch mit dieser wichtigen Thematik, humorvoll war.

Hier seht ihr das Pressezentrum, ein Rückzugsort, um in Ruhe von der Buchmesse berichten zu können:

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zu der „hr2-Hörbuchnacht“. Ein vielfältiger Ausschnitt aus der Hörspielwelt war zu erleben mit Gesprächen zu den Werken. Elke Heidenreich erzählte zu ihrem Hörspiel und Buch „Hier geht’s lang.“ Sie schenkte den schönen Satz: „Ich glaube, ein Buch, das man mal von ganzem Herzen geliebt hat, an das kann man sich immer erinnern.“

Ausschnitte aus „Jahrhundertstimmen“, ein Werk, in dem deutsche Stimmen von 1900 bis 1945 gesammelt sind, wurde auch vorgestellt. So hörte ich die Originalstimmen von Albert Einstein und Thomas Mann an diesem Abend. „Über den Dächern von Nizza“ und „Mischpoke“, weitere Neuerscheinungen, wurden ebenso vorgestellt. Zudem wurde das Hörbuch „Saal 101“ ausgezeichnet.

Ein Buchmessentag, der wieder Lesefreude, viele gute Bücher, Gedanken und Begegnungen schenkte. Nicht nur Sätze, die in den Interviews und aus den vorgelesen Büchern auftauchen, sprechen mich an, sondern auch Sätze wie der einer Frau, die heute Abend hinter mir saß und mit der ich ins Gespräch kam und Visitenkarte austauschte. „Wenn Sie mal etwas brauchen, dann melden Sie sich, ich bin ein offener Mensch und helfe gerne, wenn etwas ist.“ Auch solche schönen Sätze nimmt mein Inneres dankbar auf.

Es grüßt euch aus der Buchmessenstadt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der erste offizielle Buchmessentag für das Fachpublikum.

Mein erster Weg führte mich zur Festhalle, dort sprach Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse mit den kanadischen Autoren Kim Thuy und Michel Jean. In dem schönen und humorvollen Gespräch wurde die Vielfalt Kanadas deutlich und die Magie, die Bücher besitzen.

Bücher, die zum Entdecken einladen, gibt es auch in der Festhalle:

Draußen probierte ich den Loop aus, eine Licht- und Soundinstallation zu literarischen Werken aus Quebec.

Danach ging ich zum Blauen Sofa in einer der Hallen, deren Gänge noch leer waren.

Hier sprach die Moderatorin Wiebke Poromlka mit der frisch gekürten Buchpreisträgerin Antje Rávik Strubel über ihr Buch „Die blaue Frau“, das Montag als bester deutschsprachiger Roman des Jahres ausgezeichnet wurde. Es geht um eine widerspenstige junge Frau, die auf der Flucht vor ihren Erinnerungen an erlebte sexuelle Gewalt ist. „Der Roman vermag Sprachlosigkeit zu überwinden.“, beschrieb die Moderatorin. „Es ist eine poetische Gerechtigkeit, wenn es schon sonst keine Gerechtigkeit gibt.“, so Antje Rávik Strubel in dem Gespräch.

Der Moderator René Aguigah ist hier im Gespräch mit dem Historiker und Schriftsteller Per Leo zu seinem Buch „Tränen ohne Trauern. Nach der Erinnerungskultur“ zu sehen:

Und hier seht ihr den Bestsellerautor Arno Strobel, der zu seinem Psyhothriller Sharing interviewt wurde:

Danach hörte ich Thomas Gsella zu, in dessen Gedichten Humor und Tiefe wohnen. „Ich zahl’s euch reim! Neue politische Gedichte“ steht nun auf meiner Wunschliste. Auch im Interview mit Andreas Schäfer vom Verlag Antje Kunstmann zeigte er viel Humor.

Die Stände luden zum Stöbern ein.

Dieses wunderschöne Bilderbuch hat sofort mein Herz erobert:

Eine Seite daraus:

Nun ging es wieder zur Festhalle und ich hörte dem tollen Gespräch zwischen der Moderatorin Jagoda Marinic und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyzen-Kim zu im Rahmen der Reihe „Sheroes – Streiterinnen für die Zukunft“. „Es gibt eine Diskussionsklimakrise neben der Klimakrise“, sagte Mai Thi Nguyzen-Kim zu dem sprachlichen Umgang in den sozialen Medien. Ihre große Freude an der Wissenschaft war deutlich zu sehen und zu spüren und ist ansteckend. „Man erklärt sich die Welt nicht weg, man macht sie sich immer wunderbarer.“, so eine ihrer Antworten.

Weiter ging es für mich durch die Gänge.

Ein besonderer Genuss ist es immer wieder, an den künstlerischen Ständen zu verweilen und mit Ausstellerinnen zu reden, die ich jedes Jahr hier treffe.

Hier sehr ihr Petra Lorenz von der edition-leuchtkäfer. Sie zeigt, wie schön und kostbar die „einfachen Dinge“ sind.

Diese Wunschmaschine finde ich  klasse:

Danach hörte ein Teil des Gesprächs zwischen der Moderatorin Bärbel Schäfer und der Schriftstellerin Eva Menasse zu, zu ihrem Roman „Dunkelblau“:

Selfies sind auch bei Moderatorinnen beliebt, wie ihr seht:

Den guten und wichtigen Aussagen von Harald Lesch hörte ich zu, der über sein Buch „Erneuerbare Energien“ sprach. Ein Buch, von dem ich mir wünsche, dass es auch von den Politikerinnen und Politikern gelesen und beachtet wird.

Anschließend konnte ich noch ein Teil des guten Gesprächs „Gendern – Wie Sprache elegant für alle gelingt“ zuhören. Ihr seht hier Kathrin Kunkel-Razum vom Dudenverlag, die Fernsehjournalistin Petra Gerster, Bernward Loheide von der dpa und Constanze Neumann vom Aufbau Verlag.

Draußen machte ich Pausen. Auch hier ist es leerer als sonst. Das Yogi-Zelt vermisse ich, doch zumindest gibt es den beliebten Yogi-Tee-Stand in der Festhalle. Frankfurter Buchmesse und Yogi-Tee gehören einfach zusammen.

Ein nächstes gutes Interview hörte ich, bei dem der Moderator Joachim Dicks die Autorin Alina Bronsky zu ihrem Buch „Barbara stirbt nicht“ und den Autor Ralph Bollmann „Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Zeit“ interviewte. Alinas Bronskys Buch wurde als Buch mit Wärme, Humor und Perspektive beschrieben. Ich hörte dem Vorlesen einzelner Seiten sehr gerne zu und auch dieses Buch kommt auf meine Wunschliste.

Abends fand die Veranstaltung Canada Night statt. Eine Veranstaltung mit wundervoller Musik, Tanz, Literatur und Diskussionen. Hier einige Eindrücke des Abends:

Dieser Abend schenkte einen bereichernden Blick auf Kanada. Die Diversität, die vielen Künste und die Schönheit Kanadas war spür- und erlebbar. „Vielfalt ist da“, sagte Vivek Shraya und diesen schönen Gedanken nehme ich mit. Beim Rausgehen gab es noch diese feine kanadische Überraschungstüte, die ich ebenso gerne mitnehme.

Es grüßt euch aus Frankfurt, mit vielen Eindrücken, Marion

Frankfurter Buchmesse – Eröffnung

Die 73. Frankfurter Buchmesse wurde gestern eröffnet. Ab heute, Mittwoch, ist sie für das Fachpublikum und ab Freitag für Privatbesucher*innen zugänglich. Neben den Präsenzveranstaltungen gibt es zahlreiche Online Veranstaltungen und Live-Streams.
Ich bin seit gestern vor Ort in Frankfurt und freue mich, wieder über die Buchmesse berichten zu können.
Mein Tag begann gestern Morgen mit der Eröffnungspressekonferenz. Wie schön, als die Türen öffneten und ich mit anderen Medienvertreter*innen, nach einer gut organisierten Einlasskontrolle, in den Festsaal kam.


Das Motto der diesjährigen Buchmesse lautet: „Re:connect – Welcome back to Frankfurt“.


2000 Aussteller aus 80 Ländern sind angemeldet und über 300 Autor*innen werden über ihre Bücher sprechen. Es ist ein „back to Frankfurt“, was jedoch nicht ein „back to normal“ ist. Es sind deutlich weniger Aussteller vorhanden und weniger Gäste pro Tag zugelassen als in der Zeit vor Corona.
Dennoch ist die Frankfurter Buchmesse ein Grund für Zuversicht und Menschen kommen zusammen, um das Buch zu feiern und wie Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, in seiner Rede so gut sagte, das Buch ist widerstandsfähig.


Die Zuversicht war ebenso in der Rede von Karin Schmidt-Friderichs, der Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, deutlich. So sagte sie, in der Krise habe sich gezeigt, dass das Buch fest in der Gesellschaft verankert ist.

Wie ein roter Faden wird sich die Frage „Wie wollen wir leben?“ durch das Programm der diesjährigen Buchmesse ziehen. Hierzu wird es viele Veranstaltungen geben. Ein Projekt von ARTE wurde bei der gestrigen Pressekonferenz vorgestellt: Acht unterschiedliche Protagonist*innen haben sich für acht Stunden abgeschieden auf einem Schiff getroffen, um der obigen Frage  nachzugehen. Die Teilnehmenden kommen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation und Bildung. Antworten wie „Wir müssen lernen wollen, Ambivalenzen zu ertragen“ und „Lobbyisten in Parlamenten müssen durch Künstler*innen ersetzt werden“ tauchten ebenso auf wie „Vielfalt ist die Schönheit der Welt“.
Hier seht ihr (von links nach rechts) Raul Krauthausen, Juergen Boos, Mithu Sanyal, Dmitry Glukhovsky und die verantwortliche Redakteurin der Arte-Dokumentation Shila Behjat, die zu diesem Projekt erzählten:

Die sicherlich sehr sehenswerte Dokumentation, wird am 23. Oktober um 23.10 h auf Arte ausgestrahlt und wird auch über die Mediathek zu sehen sein.

Natürlich gab es auch Fotos vor der Pressewand:

Und hier von der anderen Seite:

Nach dieser Eröffnungspressekonferenz ging es zum Ehrengast-Pavillon, wo ein Presserundgang stattfand. Kanada ist in diesem Jahr das Gastland der Buchmesse und steht damit im besonderen Fokus. Traditionell bekommt jedes Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon, den es mit eigenen Ideen und Botschaften füllt. Gespannt betrat ich mit den anderen Medienvertrer*innen den Raum, der zunächst abgedunkelt war.

Wir wurden herzlich begrüßt und es gab eine Einführung.

Hier seht ihr den Designer des Raumes Gonzalo Soldi:

Nach der Einführung ging langsam das Licht an und der Raum wurde sichtbar. Sanfte Musik ertönte, leise Stimmen in verschiedenen Sprachen erklangen und wir konnten durch diesen wunderschönen Raum gehen. In diesem Moment fühlte ich wieder, dass es sich gelohnt hatte, so früh aufzustehen, um nach Frankfurt zu fahren. Denn nun dort zu stehen und den Raum wirken zu lassen und die Botschaften zu lesen, war berührend schön. Beim Umhergehen dachte ich, ich möchte diesen Raum gar nicht mehr verlassen. Hier treffen Poesie und Architektur in besonderer Weise zusammen. Ich teile einige Eindrücke gerne mit euch:

Viele kanadische Bücher sind ausgestellt, die die Vielfalt des Landes sichtbar machen:

Auch interaktive Elemente sind in dem Pavillon vorhanden, kanadische Autor*innen erscheinen in lebensgroßen Bewegtbildern und erzählen. Da sich die Wände spiegeln, wirkt es, als seien wir mit ihnen in einem Raum.

Anschließend fand in dem Pavillon noch eine Gesprächsrunde statt und wir konnten Fragen stellen.


Später fand die Eröffnungsfeier der Buchmesse statt, die ich online von meinem Hotelzimmer aus verfolgte. Es tauchten viele gute Gedanken bei dieser Eröffnungsfeier auf. So zum Beispiel von der Autorin und Künstlerin Vivek Shraya: „Ich möchte morgens aufwachen und mich nicht mehr fragen, was möchte ich heute erledigen, sondern wer will ich heute sein.“


Am Abend erlebte ich das Poesiekonzert „Die Tiefe des Himmels“, das im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im Haus zum Dom stattfand.
Hier seht ihr die Lyrikerin Anja Golob und den Pianisten Drago Ivanuśa:

So ging mein erster Tag zu Ende, der schöne Erlebnisse, Begegnungen und Gespräche – auch dafür war Zeit – und berührende Momente schenkte.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Findesatz-Gedicht 135

Vielleicht erfindest du Morgen etwas, von dem alle denken, das sei nicht möglich
vielleicht auch in drei oder dreißig Jahren
Ich finde einen Grill cool, den man auch als Badehose benutzen kann
oder eine Brille, die Tomaten schält
Unsere Phantasie spielt mit uns
und weigert sich mit F geschrieben zu werden
Das Leben ist bunt
und die Welt wird angemalt
von dir und mir und den Menschen nebenan
Wer hat den Farbstift erfunden
und wer deine Augen
dein Lachen
und wer deine Ideen