Frankfurter Buchmesse 2026 – Mein Mittwoch

Heute Morgen führte mein erster Weg durch die Hallen. Dabei hatte ich ein besonderes Ziel: Die Büchermeile des Schöne Bücher Netzwerks. Hier ist auch der OCM Verlag zu finden, bei dem mein Roman im Frühjahr erscheinen wird. Es gab ein erfreutes Wiedersehen mit meinem Verleger Georg Nies:

Was ein schöner Auftakt! Nach guten Gesprächen ging es weiter.
Ein toller Automat:

Es gab Treffen, Austausch und Wiedersehen.
Beim Axel Dielman-Verlag erwarb ich einen Lyrik-Reisepass inklusive Stempel. Eine schöne Idee, Lyrik aus allen 27 EU-Ländern:

Navid Kermani zu seinem Buch „Köln. E Jeföhl“:

Dann erlebte ich Wolf Biermann, der gerade 90 geworden ist. Humorvolle und kluge Gedanken schenkte er:

Franziska Gänsler stand mit ihrem Buch „Orca“ auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Ein gutes Interview zu dem lesenswerten Buch mit dieser sympathischen Autorin:

In der Reihe Sheroes sprach Jagoda Marinic mit Franca Cerutti („Die innere Oma“) und Alexandra Zykunov („Aber patriarchale Kackscheiße darf man schon sagen, oder?“) über Rollenbilder und wie wir sie loswerden:

Ein beeindruckendes Interview mit Gisele Pelicot („Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln“) berührte spürbar die Zuhörenden. Sie hat den Prozess gegen ihren Exmann und über fünfzig weiteren Männern, die für unzählige sexuelle Übergriffe gegen sie verurteilt worden sind, öffentlich gemacht, eben damit „die Scham die Seite wechselt“. Zu Recht gab es vor und nach dem Interview Standing Ovations für diese Frau und ihren Mut und ihre Entschlossenheit:

Draußen auf der Agora strahlen die Farben:

Omnid Nouripour zu seinem Buch „Empört euch nicht!“:

Nun besuchte ich mit meiner Tochter (die ein paar Tage mit mir hier ist) erneut den Gastland Pavillon Tschechien. Wie bereits gestern berichtet, wird hier täglich ein neues Kunstwerk gezeichnet. Dies ist das heutige:

Und dann gab es wunderbare tschechische Musik. Was eine Wohltat, hier zu sitzen und den Tönen zu lauschen:

In der Stadt finden in diesen Tagen im Zusammenhang mit der Buchmesse das Buchfestival Open Books statt. Wir gingen zur Literatur im Römer:

Hier erlebten wir Edgar Selge zu seinem Buch „Jonas letzter Winter“:

Und Angelika Küstendorf zu ihrem Buch „Trost“. Zwei gute Gespräche:

Dann ging es für uns ins Hotel zurück.
Ich blicke auf einen Tag mit vielen Eindrücken, guten Begegnungen und Gesprächen und natürlich großartigen Büchern zurück.

Es grüßt euch aus Frankfurt
Marion

Mein Besuch der 78. Frankfurter Buchmesse 2026 – Eröffnung

Der Oktober ist da und das bedeutet Buchmessezeit!
Mit sehr viel Vorfreude im Gepäck kam ich heute Morgen hier in Frankfurt an.
Die 78. Frankfurter Buchmesse beginnt morgen. Heute war die Eröffnung.
Gerne teile ich auch in diesem Jahr wieder Eindrücke von meinem Erleben mit euch.

Für mich ging es als erstes zur Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse.
Bei dieser Pressekonferenz sprachen Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, und die amerikanische Historikerin und Autorin Jill Lepore.
Gute Reden und kluge Gedanken, wie dieser von Sebastian Guggolz: „Die bedeutenden Gegengewichte zu den Lautsprechern unserer Gegenwart und zum Bekenntniszwang sind und bleiben: die Bücher.“
Juergen Boos erzählte zu Beginn seiner Rede von einem Besuch mit Menschen des Gastlands Tschechien in einem Frankfurter Restaurant. Dort hätte der Wirt von der Buchmesse geschwärmt: „Frankfurt leuchtet!“.
Wie schön, dass es bis in in die Cafés und Restaurants hinein wirkt.

Jill Lepore sprach über die Freiheit des Lesens und Schreibens: „Unsere Gedanken und unsere Worte und unsere Bücher gehören uns. Und die Zustimmung zu jedem Regierungssystem oder ihre Verweigerung muss von uns kommen.“:

Hier seht ihr Juergen Boos, der langjährige Direktor der Frankfurter Buchmesse, und sein Nachfolger Joachim Kaufmann, der künftig die Leitung übernehmen wird:

Im Anschluss an diese Pressekonferenz fand der Presserundgang durch den Pavillon des diesjährigen Ehrengastes Tschechien statt. Auf diese Veranstaltung freue ich mich immer sehr. Dieser Raum wird jährlich von dem betreffenden Gastland individuell gestaltet.
Noch waren die Türen zum Raum geschlossen und die Spannung wuchs:

Es ist ein schöner Moment, wenn die Türen geöffnet werden und wir den Gastland Pavillon und anschließend eine Führung durch diesen Raum erleben können.
Wir erblickten eine Landschaft mit vielen hellen Kieselsteinen, so wirken die aufblasbaren Elemente mit ihren organischen Formen.
Dazwischen ein orangener Leuchtturm, der literarische Zitate tschechischer Autor*innen auf die Kieselsteine projiziert:

Natürlich gibt es jede Menge Bücher tschechischer Autor*innen:

Täglich wird an dieser großen Leinwand eine Künstlerin oder ein Künstler live zeichnen:

Es konnten Fragen gestellt werden, wie ihr seht:

Hier werden diese Woche Gespräche, Lesungen und Vorführungen stattfinden:

Ein Café in diesem schönen Gastland-Raum:

Ich ging erneut zu dem Leuchtturm, an dem Besuchende eine Stimmung auswählen oder kreieren und eintippen können, woraus dann ein Gedicht auf einen Kieselstein projiziert wird.
Wie fühlte ich mich? Mmmhh… Buchmessenliebend. Also gab ich diesen Begriff ein. Und dieses Gedicht erschien:

Es war schön, dieses Gedicht zu lesen, meine Schreib- und Leseliebe zu fühlen, zu wissen, hier werden in den nächsten Tagen viele Bücher vorgestellt und Literatur und Bücher werden gefeiert werden. Ein berührender Moment, ausgelöst von einem Gedicht und der Atmosphäre. Auch wegen solcher Momente, liebe ich die Buchmesse.

Anschließend ging es noch durch die Hallen und auf den noch leeren Innenhof:

Es wurde emsig aufgebaut. Schön bunt sah es auch nun schon aus:

Fleißiges Arbeiten überall. Das war heute kein seltener Anblick:

Die Literaturbühne war nur heute so leer. Ab morgen wird das anders:

Abends wurde die Frankfurter Buchmesse offiziell eröffnet.
Ich freue mich sehr auf diese Buchmessen-Woche!

Es grüßt euch aus Frankfurt
Marion

Wortgewebe – 36

Iktsuarpok

Iktsuarpok stammt aus dem Inuktitut und beschreibt die ungeduldige Erwartung, dass jemand kommt, und das ständige Nachsehen vor der Tür.

Mehr als einmal öffne ich die Tür

Meine Vorfreude ist ein bunter Vogel

Iktsuarpok sitzt auf der Fensterbank und in mir

Die Wände und der rote Stuhl erwarten dich

Selbst die Äpfel in der Schale zittern leicht

Ich schaue die Straße entlang

Zählen drei mal bis 10 in vier Sprachen

Das Licht ist an

Wenn du noch nicht kommst

werde ich bis hundert zählen

und nicht müde werden

Wortgewebe – 35

Hiraeth

Hiraeth kommt aus dem Walisischen und bedeutet Heimweh nach einem Ort oder einer Zeit, zu der man vielleicht nie zurückkehren kann.

Ganz still stand er dort. Er ließ seinen Blick wandern. Es war, als stimmten alle Farben, jedes Licht und jedes Geräusch. Und vielleicht machte es das tatsächlich. Es war ein Ort, der ihn tief und ruhig atmen ließ. Der etwas in ihm berührte. Das Wort Hiraeth fiel ihm ein. Er wusste, er würde Heimweh nach diesem Ort haben, nach dieser Zeit. Doch das machte nichts. Es wäre schlimmer, dies hier nicht erlebt zu haben. Vielleicht trägt jedes Leben dieses Heimweh, dachte er. Diese Liebe zu Orten. Er wusste, der Ort würde in ihm weiterwirken. Dankbarkeit legte sich um ihn.

Wortgewebe – 34

Tsundoku

Tsundoku kommt aus dem Japanischen und meint: Bücher kaufen und sie ungelesen stapeln, oft mit dem Vorsatz, sie irgendwann zu lesen.

Wenn er neue Städte besucht, sucht er Buchhandlungen auf. Er kann es nicht lassen, Bücher zu kaufen. Wenigsten eines. Heute kaufte er zwei. Er wird sie ungelesen stapeln. Zumindest eine zeitlang. Da er noch viele andere Bücher hat, die er lesen möchte. Tsundoku sagt sein japanischer Freund. Er liebt es, in Geschichten einzutauchen. Versinken in andere Leben, die seines streifen. Wenn er in Buchhandlungen ist, atmet er tief. Es sind Glücksorte für ihn. Er besitzt nicht viel. Sein Haus ist klein. Doch Bücher besitzt er viele. In jedem Zimmer sind sie. Freunde leihen seine Bücher aus. Meist bekommt er sie zurück. Manche Bücher liest er zweimal. Oft sitzt er in seinem grünen Sessel, nimmt ein Buch vom Stapel, riecht daran, betrachtet das Cover und streicht mit seinen Händen darüber, als sei es die Haut einer Geliebten. Dann liest er die ersten Sätze. Sie sind ein Tor. Bücher haben mein Leben schon mehrmals gerettet, sagte er seiner Schwester vor ein paar Wochen. Sie nickte dazu. Auch sie kennt es. Bücher, die zur richtigen Zeit auftauchen. Bücher, die bleiben. Bücher, die heilsame Pflaster sind.

Wortgewebe – 33

Pihentagyú

Pihentagyú kommt aus dem Ungarischen. Wörtlich kann es übersetzt werden mit „ausgeruhter Kopf“. Der Begriff wird jedoch meist benutzt, für jemanden, der ausgefallene und schräge Ideen hat.

Für sie sind die Wege nicht gerade

Sie geht Umwege

Flüstert und schreit

Wenn andere nicht weiter wollen

geht sie auf ungewöhnliche Weise voran

Legt bunte Spuren

Vögel und Menschen schauen ihr zu

pfeifen und schütteln den Kopf

Sie verschenkt Seifenblasen und Stärke

Ihre Worten sagen: Es geht

Noch mehr ihre Taten

Pihentagyú nennen wir sie

Sie malt ein Stück vom Paradies