13. August

Kennt nicht jeder diesen einen Ort, der ist, als sei er für uns gemacht.

Er spricht wortlos erwas Inneres in uns an, küsst uns und lädt uns zum Tanze ein, sanft und sehnsuchtsvoll.

Es gibt diese Orte, die uns zu besseren Menschen werden lassen.

Hier lernen wir das Wort Demut auf eine neue Art kennen.

Glockenklang, sanfter Wind und das Kennenlernen der Einheimischen. Du freust dich, wenn sie dich am Morgen begrüßen und dir zulachen, als seiest du eine von ihnen.

In der Nacht die Rufe des Käuzchens verstehen wollen. Am Tag mit dem zahnlosen Mann reden, der dir die weißen Deckchen zeigt, die seine Mutter gehäkelt hat. Du kannst nicht anders als eines zu kaufen, da du weißt, es wird dich an diesen Ort erinnern.

Am Abend auf einer Bank sitzen und dem Wellenklang des Meeres zuhören. Zwei Frauen auf der Bank nebenan hören, die eine jung, die andere alt und sehen, dass sie miteinander erzählen und lachen und dass sie das Leben lieben, zumindest in diesem Moment.

Es gibt diese Orte, die dich plötzlich an eine verstorbene Tante denken lassen, die viele schöne Kindheitserinnerungen schenkte.

Orte, an denen jeder alte Laternenpfahl, jeder von den Bewohnern hingestellte Stuhl, jeder Mauerstein und jedes einfallende Licht stimmt.

Orte, die dich vor Glück weinen lassen.

Orte von denen du weißt, dass sie dir bleiben.

Etüdensommerpausenintermezzo

… bei dem ich gerne mitmache.

Hier der Link zu Christianes Einladung https://wp.me/p4Z44p-1rg

Und nun meine Sommergeschichte:

Diese Insel empfängt sie wie ein zweites Zuhause. Vertraute Gerüche, Trockenmauern, Schafe, Gänsegeier, Steineichen, grün, mild, rau und schön.

Die Kirchturmspitze mit all ihren verblassenden Farben wacht über den Ort und strahlt Sicherheit aus. 50 Menschen bewohnen diesen Ort, ein Café, ein Supermarkt, ein Restaurant und eine Eisdiele. Dazu ein paar Bänke unter Pinien und Katzen, die in Hauseingängen schlafen oder sanft herumstreunen. Kein unnötiger Firlefanz, der Ort spricht reduziert. Als brauche er keinerlei Ablenkungsmanöver von sich selbst. Ganz von alleine lassen sich die inneren Fußfesseln abstreifen.

Schwalben sitzen auf Stromleitungen und putzen in der Nachmittagssonne ihr schwarz-weißes Federkleid, um dann erneut ihre Kunststücke beim Flug zu zeigen.

Der Ort schenkt Vertrautes sowie Unerwartetes. Aus halbgeöffneten Fenstern dringen Stimmen, Kochtöpfe und Radiogesang. Nirgendwo Verkaufsbuden mit Broschen, Ketten, Ohrringen oder Magneten. Nur Kinder, die hin und wieder am Brunnen des Ortes selbstbemalte Steine verkaufen. Und eine einheimische ältere Frau, die auf ihrer Bank vor dem Haus Salbeisirup, Honig und Öl anbietet. Manchmal erlaubt ein geöffnetes Fenster den Blick in eine andere Lebensweise und sie erblickt Holzstühle, ein Tisch mit einer rot-weiß karierten Decke, Trockensträuße und ein Biedermeierschänkchen, von dem die Farbe abblättert. Gebeugte Körper, die dort stehen und in einer für sie fremden Sprache Wörter miteinander teilen. Sie sah diese Körper in der Messe, die sie am Sonntag besuchte und hörte, wie die Einheimischen laut Kirchenlieder sangen, als trotzten sie allem. Stolz und melancholisch auf eine schöne Art, so fühlte sie ihren Gesang, als sie in der hinteren Kirchenbank saß und sich hiervon berühren ließ.

Sie sitzt im einzigen Café des Ortes, trinkt Cappuccino und blickt auf das türkis schimmernde Wasser. Wenn ihr Körper darin eintaucht, bestaunt sie die Welt, die sie dort findet und die so unerforscht ist. Seesterne, Krustenanemonen, bunt schillernde Fischschwärme, die beinahe endlos wirken und plötzlich ein einzelner Fisch, der vor ihr herschwimmt und den sie den Unterwasserkönig nennt. Alle Luxusprobleme hat sie dann längst hinter sich gelassen, sie schwimmt sich frei.

Der Ort ist umgeben von Bergen. Wanderwege laden ein erkundet zu werden und zeigen natürliche und geistige Schönheit. Jede Anstrengung wird von atemberaubenden Ausblicken belohnt.

Am Abend klingt leise Gitarrenmusik an ihr Ohr. Eine Frauenstimme singt. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Sie weiß, dass sie den Moment nicht festhalten kann und vielleicht macht ihn das so kostbar. Wie könnte sie für diesen Ort etwas anderes als Liebe empfinden?

6. August

Ziellos

Leben beobachten

Fremde Gebäude winken

zum Flug der Möwen

Im Schatten der Bäume sitzen

Der Geruch von Thymian

Nie versiegende Quelle

Beruhigung einatmen

Ankommen