Wortgewebe – 16

Serendipity

Serendipity kommt aus dem Englischen und bedeutet: zufällig etwas entdecken, obwohl man etwas anderes gesucht hat.

Wir suchten das Café

mit blauen Fensterläden

Wir fanden es nicht

Doch das machte nichts

Gar nichts

Wir fanden stattdessen

das weiße Café

mitten im Sonnenlicht

Wir blieben lange

tranken drei Getränke

redeten und schwiegen

schauten und waren

Serendipity sagten wir

beim Hinausgehen

Und wussten

das Leben findet uns

Wortgewebe – 15

Meraki

Meraki kommt aus dem Griechischen und bedeutet etwas mit Seele, Liebe und Hingabe tun.

Beinahe wären sie daran vorbeigelaufen. Doch da sie gerne rechts und links schaut, entdeckte sie das Café. Weiß lag es in der Frühlingssonne. Die Fenster waren geöffnet, sanfter Kaffeeduft strömte hinaus.
„Ich glaube, hier sollten wir reingehen. Was meinst du?“
Er musste sich nicht überreden lassen.
Auf den Holztischen standen Blumen, an den Wänden hingen Regale mit Büchern und zauberhaftem Krimskrams. Bilder in warmen Tönen schmückten den Raum, bunte Kissen lagen auf den Stühlen.
Sie wusste, hier waren sie richtig.
Nachdem sie diese Speisekarte gelesen hatten, bestellten sie einen Latte Macchiato, einen Cappuccino und zwei Frühstücksbowls.
Ihre Handys blieben aus. Es gab immer Geschichten in ihnen.
Als die Bedienung die Bestellung brachte, leuchteten ihre Augen. Es schmeckte mehr als gut. Immer wieder kam ein genüssliches „Mmmh“ über ihre Lippen.
„Ich glaube“, sagte sie, „das schmeckt so unglaublich gut, weil da in der Küche jemand etwas mit Seele tut. Mit Liebe und Hingabe.“
„Meraki“, sagte er.
Was für ein schönes Wort, dachte sie.
Sie nahm sich vor, es mit nach draußen und in ihren Alltag zu nehmen.
Doch noch waren sie hier.
Genau richtig.

Wortgewebe – 14

Saudade

Saudade kommt aus dem Portugiesischen. Es bedeutet ein tiefes Gefühl von Sehnsucht oder Nostalgie, oft für etwas oder jemanden, der oder die fehlt.

Ben war in der Stadt unterwegs. Er wollte schnell etwas einkaufen und ging mit großen Schritten. Das gute Wetter lockte viele Menschen hinaus. Manchmal musste er entgegenkommenden Gruppen ausweichen. Er hatte nicht viel Zeit. Gleich würde der Laden schließen. Seine Freunde würden in einer knappen Stunde bei ihm sein. Ihm blieb nicht viel Zeit, das versprochene Essen zuzubereiten.
Es wehte ihm entgegen. Mitten in der belebten Fußgängerzone. Für einen Moment blieb er stehen. Genau so hatte sie gerochen. Es war ihr Duft. Jahre war es her. Ein wenig Sandelholz, einen Hauch Bergamotte und ein wenig Orange. Er schloss die Augen. Der Geruch hatte sich verflüchtigt, doch er blieb in ihm.
Er vermisste sie. Doch nicht nur das. Er erinnerte sich an sie. Es war etwas dazwischen. Etwas Schweres und Schönes zugleich.
Er spürte die abendliche Sonne auf seinen geschlossenen Lidern und auf seiner Haut.
Wie ein Duft in Sekunden Bilder hervorruft. Er sah ihr Lachen vor sich, die Sprenkel in ihren grünen Augen, ihre Nase, die sie immer als zu groß bezeichnete und die vielen braunen kleinen Sommersprossen in ihrem Gesicht und auf ihren Schultern, ihre dunklen Locken.
Er kleidete seine Gefühle gerne in Worte. Das machte sie greifbarer. Doch in seiner Sprache gab es kein Wort dafür. In ihrer schon: Saudade.
Heute Abend würde er portugiesisch kochen.

Wortgewebe – 13

Komorebi

Komorebi kommt aus dem Japanischen. Es bedeutet: Das Licht, das durch die Blätter der Bäume fällt.

Im Wald

tanzen die Sinne

Wirbelnder Duft

Seitenwege

und auftauchende Lichtungen

Zwischen Himmel und Erde

da sein

Licht

fällt durch die Blätter

der Bäume

Komorebi

Zum Anhalten schön

Schattenspiel

Auf der Haut

Nichts

will weiter

Ein Herzenswunsch wird Realität

Heute möchte ich etwas außerhalb der Reihe mit euch teilen und euch an meinem Glück teilhaben lassen.
Viele von euch wissen, dass das Schreiben ein wichtiger und ganz besonderer Teil meines Lebens ist.
Ich habe einen Roman geschrieben und ihn an Verlage geschickt. Vor ein paar Wochen kam dann die Zusage eines wunderbaren Verlags, den ich auf der Frankfurter Buchmesse kennengelernt habe.
Damit geht ein großer Herzenswunsch in Erfüllung und ich bin unglaublich dankbar und erfüllt.
Am vergangenen Wochenende stand nun ein besonderer Termin an, mein erstes persönliches Treffen im Verlagshaus des OCM Verlags.

Ich bin nach Dortmund gefahren und durfte ein inspirierendes, herzliches und persönliches Gespräch erleben. Wir haben über die nächsten Schritte gesprochen, Ideen ausgetauscht und mit viel Vorfreude nach vorn geblickt.
Dann kam dieser besondere Moment: Ich habe meinen Autorenvertrag unterschrieben. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu meinem Debüt, das im Februar/März 2027 erscheinen wird.
Von Herzen danke ich den Verlegern Elke Neumann und Georg Nies für ihr Vertrauen in mich und meinen Roman.

Ich freue mich riesig über all das, was nun vor mir liegt, und auf den weiteren Weg.

Berührt und glücklich grüßt euch
Marion

Wortgewebe – 12

Lagom

Das Wort kommt aus dem Schwedischen und beschreibt den Zustand, wenn etwas genau richtig ist – nicht zu viel, nicht zu wenig.

Einverstanden sein
Nicht mit dem Weltgeschehen
Doch mit dem Moment
Lagom
Genau richtig
Es wird nicht anhalten
Doch es trägt
über das Jetzt hinaus