Friluftsliv
Es ist ein norwegisches Wort und bedeutet wörtlich Freiluftleben. Friluftsliv beschreibt jedoch mehr als nur draußen sein, es ist eine skandinavische Lebensphilosophie, die beinhaltet, bewusst Zeit in der Natur zu verbringen und Verbundenheit mit der Umwelt zu spüren.

Die Türe lässt er hinter sich zufallen und atmet tief ein. Sobald er draußen ist, ist es, als weite sich sein Inneres. Er braucht keinen Anlauf, sofort ist dieses Gefühl da.
Vielleicht, weil er als Junge täglich stundenlang draußen unterwegs war. Mit seinen Freunden spielte er wieder und wieder im Wald. Sie bauten Hütten, liefen mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch Bäche und lagen auf Wiesen. Sie waren freie Kinder, die erst zum Abendessen heimkehrten. Die Hosen oft zerrissen und von den Eltern mit Flicken versehen.
Du trägst das Friluftsliv-Gen in dir, sagt seine Frau häufig zu ihm. Ja, er liebt es, in der Natur zu sein. Verbundenheit mit der Erde zu spüren. Sich als Teil der Natur zu fühlen.
Seine Gedanken fließen dahin, sanft wie seine Schritte. Dieses Gedankenfließenlassen kommt ihm vor, als würde er neu zusammengesetzt. Als setze sich alles in ihm genau dorthin, wo es Platz hat.
Das Wetter spielt keine Rolle, er geht zu jeder Jahreszeit hinaus. Nur Gewitter hält ihn ab. Heute ist das Wetter mild. Die Luft auf der Haut. Er geht hier draußen aufrechter als in Räumen. Das geschieht ganz von allein.
In wenigen Minuten ist er im Wald. Er geht abseits der geteerten Wege, mitten hinein. Überall lassen sich Pfade finden. Das Geräusch der knackenden Äste unter seinen Füßen mag er.
Später geht er über Felder, den Wald hinter sich lassend. Sein Blick wandert mehrmals nach oben in den Himmel. Er lässt seine Schultern kreisen und breitet die Hände aus. Wie die Flügel eines Vogels. Die Natur lässt ihn wieder der Junge sein, der mit ausgebreiteten Armen durch Wiesen lief.
Dieser Junge wohnt noch immer in ihm. All das, was war, lebt in seinen Poren: das Kind, der Jugendliche, der junge Mann, der älter werdende Mann. Er hat keine Angst vor Veränderungen. Wie könnte er? Die Natur zeigt es ihm immer wieder. Leben bedeutet Veränderung, vom ersten Schritt an. Es fügt sich ein, denkt er, und er ist dankbar. Dankbar für die Natur. Dankbar, dass er sich diese Zeit nimmt, Tag für Tag, nichts heilt ihn mehr.













