



Tsundoku kommt aus dem Japanischen und meint: Bücher kaufen und sie ungelesen stapeln, oft mit dem Vorsatz, sie irgendwann zu lesen.

Wenn er neue Städte besucht, sucht er Buchhandlungen auf. Er kann es nicht lassen, Bücher zu kaufen. Wenigsten eines. Heute kaufte er zwei. Er wird sie ungelesen stapeln. Zumindest eine zeitlang. Da er noch viele andere Bücher hat, die er lesen möchte. Tsundoku sagt sein japanischer Freund. Er liebt es, in Geschichten einzutauchen. Versinken in andere Leben, die seines streifen. Wenn er in Buchhandlungen ist, atmet er tief. Es sind Glücksorte für ihn. Er besitzt nicht viel. Sein Haus ist klein. Doch Bücher besitzt er viele. In jedem Zimmer sind sie. Freunde leihen seine Bücher aus. Meist bekommt er sie zurück. Manche Bücher liest er zweimal. Oft sitzt er in seinem grünen Sessel, nimmt ein Buch vom Stapel, riecht daran, betrachtet das Cover und streicht mit seinen Händen darüber, als sei es die Haut einer Geliebten. Dann liest er die ersten Sätze. Sie sind ein Tor. Bücher haben mein Leben schon mehrmals gerettet, sagte er seiner Schwester vor ein paar Wochen. Sie nickte dazu. Auch sie kennt es. Bücher, die zur richtigen Zeit auftauchen. Bücher, die bleiben. Bücher, die heilsame Pflaster sind.


Pihentagyú kommt aus dem Ungarischen. Wörtlich kann es übersetzt werden mit „ausgeruhter Kopf“. Der Begriff wird jedoch meist benutzt, für jemanden, der ausgefallene und schräge Ideen hat.

Für sie sind die Wege nicht gerade
Sie geht Umwege
Flüstert und schreit
Wenn andere nicht weiter wollen
geht sie auf ungewöhnliche Weise voran
Legt bunte Spuren
Vögel und Menschen schauen ihr zu
pfeifen und schütteln den Kopf
Sie verschenkt Seifenblasen und Stärke
Ihre Worten sagen: Es geht
Noch mehr ihre Taten
Pihentagyú nennen wir sie
Sie malt ein Stück vom Paradies


Dépaysement
Dépaysement kommt aus dem Französischen und meint das Gefühl, wenn man die vertraute Welt hinter sich lässt und irgendwo ganz anders neu eintaucht.

Das Gewohnte verlassen
Neu eintauchen
Für einen Tag oder eine Woche
Die Blumen singen anders
Ungewohnte Klänge
Dépaysement wohnt in der Luft
Wir breiten die Arme aus
Legen uns hinein
Sind Bäume und Reh
Meisen und Staude zugleich
Wir leben ungeschminkt
Unsere Füße finden Halt


Uitwaaien kommt aus dem Niederländisch und meint: Nach draußen gehen, meist bei Wind, um den Kopf freizubekommen und sich geistig zu erfrischen.

Uuitwaaien
Wind
umspielt
die Haut
Tief atmen
Alles wird frei
Gedanken fließen
Als setze sich etwas
Anderes fliegt davon
Mit der Frische gehen
Sich entgegen


Pochemuchka kommt auf dem Russischen und bezeichnet einen Menschen, der zu viele Fragen stellt.

Kann ein Pochemuchka eine Frage stellen, die älter ist als die Menschheit?
Wo ist der Wind Zuhause?
Ist Gelb langsamer als Rot?
Weiß der Igel, dass er Stacheln hat?
Ist deine Erinnerung wahr?
Wo bleibt der Moment stehen?
Sollen wir die Hoffnung nie verlieren?
Ist alles zu schnell?
Stimmt jemals alles?