Frankfurter Buchmesse 5. Tag

Meine erste Veranstaltung an diesem Sonntag und damit dem letzten Messetag führt mich zu Denis Scheck „Druckfrisch“, bei dem ich wieder Neuerscheinungen des Buchmarkts kennen lernen konnte. Einige dieser Neuerscheinungen, die er temporeich vorstellte, teile ich hier:

„Feuer der Freiheit – Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943“ von Wolfram Eilenberger ist ein Buch, in dem der Autor die Lebenswege der einflussreichen Philosophinnen Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Any Rand und Simone Weil schildert.

Das Buch „Herz Faden – Roman der Augsburger Puppenkiste“ von Thomas Hettche ist ein Buch, in dem poetisch über die Magie der Augsburger Puppenkiste und den Willen eines Mädchens, den Krieg hinter sich zu lassen geschrieben wird. Bei dieser Buchbesprechung stellte Denis Scheck die gute Frage: „Kann man die verletzte Seele durch Erzählen heilen?“

Das Buch „Erd Beben Wetter“ von Zaia Alexander beschrieb Denis Scheck als lesenswerten modernen Hexenroman.

„Leben verboten!“ ein Roman von Maria Lazar stellte Denis Scheck als ein Buch vor, das alle Fans von Volker Kutschers „Babylon Berlin“ mögen werden.

Mit den folgenden zwei Büchern könne die Aussage widerlegt werden, dass Schauspier nicht schreiben könnten, so Denis Scheck. Zum einen der Roman von Joachim Meyerhoff „Hamster im hinteren Stromgebiet“ und der Roman von Hanns Zisch „Der zerrissene Brief“, das Denis Scheck als berührende Liebesgeschichte beschrieb.

Erneut stellte Denis Scheck die Bücher „Dorfroman“ von Christoph Peters und „Ein Mann der Kunst“ von Kristof Magnusson vor, die ich bereits am ersten Messetag kennenlernen konnte und die schon längst auf meiner Wunschliste stehen.

Um Tiere ging es in den nächsten beiden vorgestellten Büchern. Zum einen „Füchse – Ein Porträt“ von Katrin Schuhmacher und zum anderen „Honigbienen – Geheimnisvolle Waldbewohner“ von Ingo Arndt und Jürgen Tautz, das neben neusten Erkenntnissen als Bildband faszinierende Bilder aufweise.

Als Astronomiefan stellte Denis Scheck auch gerne das Buch „Der Atlas des Himmels – Eine kleine Geschichte der Astronomie“ von Edward Brooke-Hitching und Lutz-W.Wolff vor.

Auch ein Gartenbuch wurde vorgestellt: „Adenauer – Der Garten und sein Gärtner“ von Christian Feyerabend und dem Fotografen Roland Breitschuh.

Denis Scheck beendete seine Buchvorstellungen mit den guten Worten: „Gehen Sie in Ihre Buchhandlung (…) und finden Sie Ihr Buch fürs Leben.“

Die nächste Veranstaltung war ein Gespräch zwischen der Autorin Iris Wolff und Denis Scheck. Hier konnte ich ein weiteres gutes Gespräch und eine sympathische Schriftstellerin erleben, deren Buch „Die Unschärfe der Welt“ vorgestellt wurde. Einige ihrer schönen Sätze, die in dem Gespräch fielen, teile ich gerne hier: „Literatur ist so etwas wunderbares, weil es immer ein Zwiegespräch ist.“ „Jedes gute Buch macht einen ein bisschen schlauer, rüttelt einen auf, erweitert den Horizont und macht die Welt größer.“ „Es gibt eine Parallele zwischen Büchern und Zauber. Das kann Literatur auch, sie kann gegen das Vergessen arbeiten, sie kann uns in Zeiten führen, die nicht die unsere wahren.“ „Bücher sind für mich Räume, in denen ich entdecken kann, wie ich sein kann.“

In dem Roman von Iris Wolff werden sieben Geschichten erzählt, in denen immer die Hauptperson auftaucht, manchmal verdeckt und im Hintergrund. In der ersten Geschichte etwa, ahnen wir Leser*innen nicht, wer die Hauptperson ist. Denis Scheck fragte sie zu diesem Stilmittel und Iris Wolff meinte: „Das, was weggelassen wird, was nicht erzählt ist, ist wichtig. So wie bei einem Gedicht das weiße Blatt wichtig ist.“ Iris Wolff las mit ihrer sehr angenehmen Stimme, die zum Eintauchen einlädt, einen Ausschnitt aus ihrem Roman vor. Denis Scheck sagte zu dieser Lesepassage, hierin spiegele sich das, was in dem gesamten Buch und bei dieser Autorin zu finden sei: „Eine große Sinnlichkeit und eine große Intelligenz.“

Hier seht ihr Max Moor im Gespräch mit Dierk Hirschel, dessen Buch den Titel „Das Gift der Ungleichheit – Wie wir die Gesellschaft vor einem sozial und ökologisch zerstörerischen Kapitalismus schützen können“ trägt. „Auf dem Sofa zu sitzen und zu schauen, was die anderen machen, das wird nicht reichen, die Menschen müssen sich bewegen.“, war einer von Dierk Hirschels Gedanken.

Von Max Moor tauchte der Satz auf: „Die größte Gefahr ist, dass wir den Optimismus verlieren und dass wir resignieren.“ In dem Buch, so Moor, seien tausend Gründe, warum wir pessimistisch sein können, doch auch tausend Gründe, was wir dagegen tun können.

Dann ging es weiter mit dem „Stern Crime Talk – Verbrechen der Vergangenheit“. Der Moderator Giuseppe di Grazia sprach mit Daniela Lecher, die unter dem Namen „Alex Beer“ Kriminalromane aus dem Wien der 20er veröffentlicht und dem zugeschalteten Oliver Hilmes, der seine Leser*innen mit seinen Kriminalromanen ins Berlin der 30er Jahre entführt. Für ihre historischen Kriminalromane recherchieren beide Autoren intensiv, so war Daniele Lecher unzählige Tage und Stunden in der Wiener Nationalbibliothek. „Ich würde die Nationalbibliothek von Wien heiraten, wenn ich könnte“, so ein Satz von Daniela Lecher.

Hier seht ihr Bärbel Schäfer im Gespräch mit Jürgen Neffe zu dessen autobiografischem Roman „Das Ding – Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl“.:

Jetzt ging es weiter mit „Streiterinnen!“ ein Format, das täglich stattfand. In der heutigen Diskussionsrunde ging es um das Thema Mode.“

„Wir wollen keine Kleidung tragen, die Menschen verletzt.“, so Jana Braumüller und stellte die kritische Frage: „Brauchen wir die Modezyklen, wie wir sie leben, brauchen wir die Modemessen?“ Sie wünscht sich, dass auch im Discounter Kleidung verkauft werde, die keine Menschenrechtsverletzung beinhalte. „Warum müssen wir so viel konsumieren, was wollen wir übertünchen?“, auch das sind Fragen, die in ihrer Arbeit und ihren Büchern auftauchen. „Weniger kaufen“, war ein Appell von Kathrin Hartmann während des Gesprächs. Wenn jede und jeder an der Utopie mitarbeite von einer nachhaltigen und fairen Welt, dann sei schon viel erreicht, war ein Schlussplädoyer von Kathrin Hartmann.

Lustig sind auch oft die Sätze, bevor es offiziell losgeht, wie hier von Bärbel Schäfer: „Okay, dann muss ich mich hier mal gerade hinsetzen, wenn ihr soviel Licht rauspustet.“

Jetzt war Cornelia Funke aus Los Angeles zugeschaltet, die mit Bärbel Schäfer über ihr Leben und ihr neues Buch „Reckless Band 4 – Auf silberner Fährte“ sprach. Ich freute mich, die sympathische Autorin hier zugeschaltet zu erleben, deren Jugendbücher wie Tintenherz und Herr der Diebe nicht nur meine Kinder, sondern auch ich sehr gerne gelesen habe. „Eine der kreativsten und einflussreichsten Schriftsellerinnen unsere Zeit“, so wurde Cornelia Funke begrüßt und es folgte ein lebendiges schönes und amüsantes Gespräch.

Ihr seht, auch die Hunde von Cornelia Funke, nahmen an dem Gespräch teil:

„Wenn Sie vom Schreiben sprechen, haben wir immer das Gefühl, dass Ihre Augen und Ihr Herz funkeln, das spüren wir auch hier in Frankfurt“, sagte Bärbel Schäfer so passend.

„Kann man den Blick auf das kleine Glück trainieren?“ war eine der schönen Fragen von Bärbel Schäfer. „Ich glaube, ich bin mit einem Glücks-Gen ausgestattet. Ich bin durch die kleinsten Dinge sehr leicht glücklich zu machen. Bei mir braucht es oft nur winzige Auslöser, um glücklich zu sein.“, so Cornelia Funke.

Ein weiterer Gedanke von Bärbel Schäfer während des Gesprächs: „ Das kleine Glück aufgefädelt auf einer Perlenschnur kann das große Glück sein.“

„Ordnen Sie Bücher oder können Sie auch aushalten, wenn sie quer im Regal liegen?“ fragte Bärbel Schäfer und Cornelia Funke, die sehr viele Bücher besitzt, antwortete: „Ich liebe Regale, die geordnet sind, ich habe zum Beispiel ein ganz großes Regal zum Thema Natur, doch ich liebe auch die wild gemischten Regale, bei denen ich nie weiß, was rauskommt wenn ich eines hinausziehe.“

Cornelia Funke hat auf ihrem Grundstück in Malibu vier Gästehäuser, dort lässt sie immer wieder Künstler*innen leben, die beispielsweise dort schreiben und ihrer Kunst nachgehen. „Ich bin da wie eine Ronja Räubertochter, die gern mit ganz Vielen lebt und deshalb macht mir das auch nichts, wenn hier Leute in der Küche stehen und kochen.“, so Cornelia Funke.

Nach diesem Gespräch ging ich zu Bärbel Schäfer (bei einer Buchmesse ohne Publikum sind solche kleinen Begegnungen leicht möglich) und teite ihr mit, wie schön dieses Interview gewesen sei und Bärbel Schäfer meinte begeistert: „Ich habe mich gerade wieder neu in Cornelia Funke verliebt.“

Nun folgte „ARTE es wird Zeit – die kanadischen Künstlerin Emily Carr: Malerin Autorin, Aktivistin für die first nation“. Die Moderatorin Bianca Haude sprach mit dem Herausgeber Peter Graf und der Übersetzerin Marion Hertle über das Buch zu Emily Carr.

Zum Abschluss höre ich dem Gespräch zwischen Bärbel Schäfer und dem Kabarettisten und Autor Vince Ebert zu. Sein neues Buch trägt den Titel: „Broadway statt Jakobsweg – Entschleunigung auf andere Art“. Vince Ebert reiste mit seiner Frau für ein Jahr und einem Koffer nach New York, der Stadt die niemals schläft, und präsentierte dort sein Bühnenprogramm. Durch das Spielen auf Bühnen in dieser Stadt, die als das Mekka der Comedy-Szene gilt, habe er seine eigenen Ängste überwunden, antwortete Vince Ebert auf die Frage, was er dort über sich gelernt habe. Wie zu erwarten, gab es auch bei diesem Gespräch viel zu Schmunzeln.

Hiermit ging auch der letzte Buchmessentag für mich zu Ende. Eine Buchmesse, die ganz anders war, als all die bisherigen Buchmessen. Eine Buchmesse ohne Publikum. Eine Buchmesse, die dennoch das Buch gefeiert hat. Eine Buchmesse, in der vieles fehlte, eine Buchmesse, die jedoch auch vieles schenkte. Eine Buchmesse, die digital und hier vor Ort zeigte, welch wunderbaren Bücher es gibt. Eine Buchmesse, die wieder einmal sehr große Lust auf Lesen macht!

Also, gehen wir weiter in die Buchhandlungen, stöbern dort, schauen ganz gezielt oder lassen uns beraten, lassen wir die Bücher zu uns sprechen, verschenken wir Bücher und schenken wir uns selbst Bücher.

All dies wünscht sich und euch, Marion

Frankfurter Buchmesse 4. Tag

Heute war mein 4. Tag der Frankfurter Buchmesse, von dem ich wieder gerne berichte.

Ich erlebe die Buchmesse als eine der wenigen Besucher*innen vor Ort, wie ihr wisst. Wie die Menschen Zuhause vor den Bildschirmen die Buchmesse erleben, vielleicht auf einem bequemen Stuhl, mit Kaffee, Tee oder Keksen ausgestattet, bekomme ich kaum mit. Eine Zwischenbilanz konnte ich hier allerdings erfahren, die ich gerne mit euch teile:

148.000 User*innen aus 183 Ländern nutzten bis heute die digitalen Angebote in der Messewoche. 4.422 digitale Aussteller*innen aus 103 Ländern haben sich auf der Plattform buchmesse.de registriert. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse wurden in der Messewoche 3.627 Events eingetragen.

Das sind hohe Zahlen. Schön, dass die digitale Form viele Menschen erreichen kann und Literatur auch in diesen Zeiten die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

Nun jedoch weiter zu meinen heutigen Erlebnissen. Meine erste Veranstaltung führte mich zur ARD-Messebühne, auf der Michael Friedmann von Cécile Schortmann interviewt wurde. Er hat gemeinsam mit Harald Welzer das Buch „Zeitenwende – Der Angriff auf Demokratie und Menschenwürde“ geschrieben. Michael Friedmann und Harald Welzer, die nicht immer einer Meinung sind, haben sich in dem Buch damit auseinandergesetzt, dass wir eine Epochenwende erleben. Die Coronakrise kann auch als eine Lerngeschichte verstanden werden, die die Demokratie und die Lösung vieler Zukunftsprobleme beinhaltet von Rassismus, Ungleichheit bis hin zum Klimawandel. „Oft fehlt mir der Widerspruch, dass Menschen konkret formulieren, wofür sie stehen.“, so Friedmann. Ein weiterer seiner Sätze, die bei dem Gespräch auftauchten, lautete: „Ich hatte noch nie Angst vor der Vielfalt der Menschen, sondern vor dessen Einfalt, also wählen wir die Vielfalt.“

An diesem Buchmessentag, bei dem ich wieder vielen interessanten Gesprächen beiwohnen konnte, hatte ich – wie auch an den anderen Tagen – das Gefühl, ich hätte ganz viel geredet. Wenn ich abends mit meinen Lieben daheim telefoniere, fällt mir auf, dass meine Stimme rauh ist. Nein, nicht weil ich krank bin, sondern weil ich den ganzen Tag wenig geredet habe und außer wenn ich Draußen bin, den ganzen Tag den Mundschutz trage. Es sind Sätze, wie diese, die ich hier sage: „Die grüne Jacke ist auch Morgen noch da“ als Antwort auf den Satz der Mitarbeiterin am Eingang: „Da sind Sie ja wieder. Ich erkenne Sie immer sofort an Ihrer grünen Jacke“. Oder: „Ja, habe ich“ als Antwort auf die Frage eines Mitarbeiters am Eingang: „Haben Sie den Gesundheitsfragebogen ausgefüllt?“ Oder: „Danke, das glaube ich Ihnen“, wenn ich meinen Laptop wieder abhole, den ich in den Räumen der ARD aufgeladen habe und mir der Mitarbeiter sagt: „Ich bin auch nicht an Ihren Laptop drangegangen.“ Oder auch: „Ich komme nicht mehr in mein Zimmer“, wenn ich nachts an der Rezeption des Hotels stehe und Hilfe brauche, da ich vor meinem Hotelzimmer stehe, das mit der Code-Karte nicht mehr zu öffnen ist. Und zwischendurch finden tatsächlich auch kleine und feine Gespräche mit den Autoren und Veranstaltern statt. Nun aber weiter zur Buchmesse selbst.

Hier seht ihr eine Gesprächsrunde, moderiert von Cécile Schortmann und der Kinderbuchautorin Margit Auer („Die Schule der magischen Tiere“) und Christine und Benjamin Knödler, ein Autorenduo, bestehend aus Mutter und Sohn, die gemeinsam das Buch „Young Rebels – 25 Jugendliche, die die Welt verändern!“ geschrieben haben. Zugeschaltet war der Schauspieler und Kinderbuchautor Max von Thun („Der Sternenmann und die furchtlose Prinzessin Luna“).

Christine und Benjamin Knödler präsentieren in ihrem Buch, das sich an Jugendliche und wie ich finde auch an Erwachsene richtet, junge Menschen aus der ganzen Welt, die die gegebenen Umstände nicht hinnehmen und sich für Veränderungen einsetzen. So tauchen Aktivist*innen wie Greta Thunberg, Emma Gonzales, Malala Yousafzai, Jakob Springfeld oder Felix Finkbeiner in dem Buch auf. Neben der Kimathematik geht es um Armut, Rassismus oder Menschenrechte. Sie lasen eine berührende Stelle des Buches vor, in der Emma Gonzales vorgestellt wird. Ich bin mir sicher, dass stimmt, was Christine Knödler zu ihrem Buch sagte: „Das Lesen der Geschichten verändert einen.“ „Lesen ist etwas, dass ein Einzelner tut, doch es hat mit Beziehung zu tun, man tritt in Beziehung mit den Figuren, den Menschen und dem Leben“ war eine weitere ihrer Aussagen.

Übrigens habe ich anschließend mit dem Autorenduo Mutter und Sohn Knödler gesprochen und erzählt, dass ich sie hier gerne erwähne, was die beiden aufrichtig freute. Ihr seht, manchmal kann ich auch hier reden.

Hier noch zwei weitere Zitate der guten Gesprächsrunde: „Literatur lässt uns Erfahrungen sammeln, die wir sonst nicht machen würden“, sagte Christine Knödler zu dem Thema, dass sich Kinder- und Jugendliteratur in vielen Punkten nicht sehr von Erwachsenenliteratur unterscheide.

„Ich bin ein großer Fan von Langeweile, weil ich glaube, dass sie der Nährboden für so viel anderes ist“ war ein schöner Satz von Max von Thun.

Danach besuchte ich die Gesprächsrunde „ARTE es wird Zeit – Kanadische Literatur und ethnische Diversität“ mit der Moderatorin Annabelle Assaf, der Übersetzerin Bianca Hauda und Hans-Jürgen Balmes. Kanada ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse und nimmt vordergründig digital an dem Programm teil. Im nächsten Jahr werden wir hier vor Ort hoffentlich auch analog von dem Gastland und seiner großen Vielfalt erfahren.

Hier sehr ihr nochmal einen Blick auf die leeren Gänge in diesem Jahr:

Auch am Essensstand geht es dieses Jahr ganz ohne Schlangestehen:

Danach besuchte ich Veranstaltungen im Rahmen des Bookfest city, die in der Stadt verteilt mit Publikum stattfinden dürfen. Ich konnte Tobias Elsäßer im Gespräch mit dem Moderator Martin Schäuble in der Matthäuskirche erleben. Tobias Elsäßer las aus seinem neuen Jugendroman „Play“ vor, ein Buch über Selbstbestimmung in einer digitalisierten Gesellschaft. Jonas, der Protagonist, möchte sich nicht von Algorithmen beeinflussen lassen, nicht von einer App, die seine Zukunft vorhersagt und er macht sich auf und sucht seinen eigenen Weg. Tobias Elsäßer las vor, trug Musikstücke vor und ließ die Zuhörer*innen an seinem Schreibprozess teilhaben. In dem Gespräch und der anschließenden offenen Diskussion ging es um Überwachung im digitalen Zeitalter und unseren Umgang mit den sozialen Medien.

Tobias Elsäßer sagte den schönen Satz, den er oft zu Schülern sagt: „Wenn ihr Zuhause seid……“. Ich konnte ihn so schnell nicht aufschreiben. Also habe ich ihn nach der Veranstaltung gefragt, er hat ihn netterweise wiederholt, während ich den Satz auf dem Diktiergerät aufnehmen konnte. Also, nun aber: „Wenn ihr Zuhause seid, legt Musik auf, legt ein weißes Blatt Papier bereit und hört der Musik zu und dann schreibt mal auf, was euch durch den Kopf geht, dann werdet ihr merken, dass in eurem Kopf unglaublich viel drin ist, was uns von Maschinen unterscheidet.“ Ein weiterer guter Satz, den er sprach: „Wir müssen lernen, uns Auszeiten zu geben.“

Auf die nächste Veranstaltung in der Katharinenkirche freute ich mich sehr, da ich nun zum ersten Mal einer meiner Lieblingsautorinnen live zuhören konnte. Zsuzsa Bánk sprach zu ihrem neuen Buch „Sterben im Sommer“. Jürgen Hosemann, der Moderator, äußerste sich zu ihrem Werk und dem Abend: „Es ist Coronazeit und ein Herbstabend und möchte man dann ein Buch über den Tod eines Vaters hören, ist es da das richtige Buch? Ja, es ist das richtige Buch, auch in diesen Zeiten, weil es Worte gibt für etwas, das wir genauso brauchen werden. Worte für Situationen, in die wir genauso kommen können. Es ist das richtige Buch, weil es schön ist, was eine Tochter da über ihren Vater schreibt. Es ist das richtige Buch, weil es voller schöner tiefer Gedanken ist, die trösten. Es ist das richtige Buch, weil es Glück nicht nur empfinden, sondern weitergeben kann.“ Als Zsuzsa Bánk aus ihrem Buch vorlas und ich ihren fließenden, treibenden Gedankengängen lauschen konnte, dachte ich: Ihr könnte ich stundenlang zuhören, in diesem melodischen Klang lässt sich wunderbar eintauchen. Auf die Frage des Moderators, worin ihr Vater ein Vorbild für sie gewesen sei, antwortete sie: „Er war ein Vorbild für mich in Sachen Leichtigkeit. Er hatte eine große Lebensfreude. Er hat das Leben sehr umarmt und das finde ich sehr vorbildhaft.“

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zum Instituto Cervantes Francfort, dort fand im Rahmen des Bookfest city eine Darbietung statt. Die Tänzerin Paula Quintana zeigte „Pieles“, eine großartige Tanzperformance. Zu Beginn wurde dieser Satz der Künstlerin zitiert: „Ertrunken in der Suche nach dem Gleichgewicht, nur schaffe ich es zu atmen, wenn ich mich jedem Augenblick dem hingebe, was ich bin.“ In ihrer Tanzperformance zeigte Paula Quintana eine emotionale Reise zu den Gefühlen. Es waren Momente beim Zusehen, da wünschte ich, die Zeit würde anhalten. Zu spüren war, dass das Publikum sehr angetan war und es gab lang anhaltenden Applaus für diese berührende Darstellung. Ich finde, Tanz und Buch passen ganz wunderbar zusammen, denn auch Worte tanzen und der Tanz erzählt.

Auch an diesem Buchmessentag bin ich reich beschenkt worden. Ich bin dankbar, dass es Kunst gibt, dass es Tanz gibt, dass es Bücher gibt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die Bücher schreiben, Menschen, die es möglich machen, dass diese Bücher zur Leserschaft gelangt. Menschen, die Worte tanzen lassen.

Frankfurter Buchmesse 3. Tag, Teil 2

Hier folgt mein 2. Teil meines dritten Tags auf der Frankfurter Buchmesse, der aus der langen ARD-Buchmessennacht bestand.

Auch wenn die Buchmesse in diesem Jahr überwiegend digital und hier auf dem Messegelände ohne Publikum stattfindet, wird das Buch gefeiert, so auch mit dieser Buchmessennacht.

Zu Beginn fand ein interessantes Gespräch statt zwischen dem Moderator Alf Mentzer und Richard David Precht über dessen neues Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“.

Hiernach sprach die Moderatorin Catherine Mundt mit Zoe Beck über ihr neues Buch „Paradise City“, ein Kriminalroman, der 80 bis 100 Jahre in der Zukunft spielt. Durch Corona ist einiges von den Buchinhalten in die Gegenwart gerückt.

Der Friedensnobelpreisträger David Grossmann war aus Israel zugeschaltet und redete mit dem Moderator Alf Mentzler über sein neues Buch „Was Nina wusste“. In dem Buch geht es um drei Frauen, ein altes Familiengeheimnis und eine Gefängnisinsel. Der Roman beruht auf einer realen Geschichte. Inmitten der Geschichte der Brutalität des Gefängnisses taucht in dem Buch eine zarte Alternativgeschichte der Hoffnung auf.

Weiter sprach die Moderatorin Catherine Mundt mit Bas Kast, den ich bereits am Nachmittag erlebt hatte. In seinem Roman „Das Buch eines Sommers“ geht es um Selbstfindung. Hauptfigur des Romans ist Nicolas, der davon träumt, Schriftsteller zu sein. Die Botschaft des Buches besteht darin, den Traum zu leben, den wir in uns haben. Vor diesem Buch hat Bas Kast das Buch „Der Ernährungskompass“ geschrieben. Er meinte, das Gemeinsame eines Kochbuchs und eines Romans bestehe darin, dass in beiden Worte vorkommen, ansonsten sei es total unterschiedlich, ob er ein Kochbuch oder einen Roman schreibe.

Alf Mentzler sprach mit Jan Weiler, der „den ganz normalen Wahnsinn des Familienalltags“ herrlich amüsant beschreibt. In seinem aktuellen Buch „Die Ältern“ geht es um die Geschichte der Eltern, wenn der Nachwuchs flügge wird und das Haus verlässt. „Ältern mit Ä sind Eltern, die ihre Aufgabe verloren haben“, sagte er zu dem Titel des Buchs. Jan Weiler erlebt diese Phase, in der er sich wie 29 fühlt und von den Kindern behandelt wird, als sei er 79. Er las während des Abends immer wieder Episoden aus seinem humorvollen Buch vor.

Zugeschaltet war nun Elke Heidenreich aus Köln und erzählte zu ihrem Buch „Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute“. Es geht in dem Buch nicht um Mode, doch um Geschichten, die mit Kleidung zu tun haben. Wann hatten wir was wo an, was hatten wir zum Beispiel an, als wir besonders glücklich waren, was bei einem Rendezvous. Vieles im Leben vergessen wir, viele Erinnerungen an Kleidungsstücke bleiben. In ihren Geschichten über Kleider erzählt sie vom Leben selbst.

Klaus Brinkbäumer wurde zu seinem Buch „Im Wahn – Eine amerikanische Geschichte“ interviewt, das er gemeinsam mit Stephan Lamby geschrieben hat. Das Buch ist eine aktuelle Reportage über die USA.

Nun war Jan Böhmermann zugeschaltet. Catherine Mundt interviewte ihn zu seinem Buch „Gefolgt von niemanden, dem du folgst: Twitter-Tagebuch, 2009-2020“. In dem Buch hat er, wie der Name schon sagt, seine Twitter-Nachrichten der letzten 11 Jahre veröffentlicht. Es ist eine Chronik dieser Jahre. Das Buch zeigt zudem, wie das analoge und das digitale Leben ineinandergreifen. Der augenzwinkernde Satz von Jan Böhmermann tauchte auf : „Bei Facebook sind die Dummen, bei Twitter die Schlauen“, dem er jedoch zufügte, dass er auch selbst bei Facebook sei.

Zwischendurch las Jan Weiler eine weitere Episode aus „Die Ältern“ vor.

Alexa Henning von Lange wurde zu ihrem Buch „Die Wahnsinnige“ interviewt. Ihr Buch handelt von Johanna von Kastilien bzw. Johanna die Wahnsinnige. Mit diesem historischen Hintergrund geht die Autorin in dem Buch der Frage nach, wie wir die werden können, die wir sind, auch wenn dieser Weg nicht für uns vorgesehen ist. In dem Gespräch meinte Alexa Henning von Lange: „Auch wenn es eine ganz andere Zeit war und wir heute nicht genau wissen, wie es war, damals zu leben, verbinden uns Empfindungen, die die Menschen früher und wir heute haben.“

Hier wird Max Czollek von Catherine Mundt zu seinem Buch „Gegenwartsbewältigung“ befragt, bei dem es sich um einen politischen Essay handelt:

Die Buchpreisträgerin Anne Weber war nun zugeschaltet und sprach von ihrem Buch „Annette, Ein Heldinnen- Epos“, in dem es um Anne Beuamanoir geht, die 1923 in der Bretagne geboren ist und zwei jugendlichen jüdischen Menschen das Leben gerettet hat und ein bewegtes Leben aufweist. Anne Weber hat Anne Beuamanoir kennengelernt und bat sie darum, ihre Geschichte aufschreiben zu dürfen. Anne Weber erzählte, dass Anne Beuamanoir sich selbst nicht als Heldin sehe, doch das mache vielleicht auch Heldinnen aus, dass sie sich selbst nicht als solche betrachten.

Wieder folgte eine sehr lustige Episode aus „Die Ältern“ von Jan Weiler, diesmal ging es um das Thema Halloween.

Susanne Fröhlich wurde zu ihrem Buch „Wenn ich dich nicht hätte! Freundinnen, ein geniale Liebe!“, das sie mit ihrer Freundin Constanze Kleis geschrieben hat, interviewt. Das Buch behandelt verschiedene Aspekte einer Freundschaft. Während des Gesprächs sagte Susanne Fröhlich: „Wir wissen heute, wenn wir Freundschaften pflegen, leben wir vier Jahre länger und Spaß macht es auch.“

Weiter ging es in der langen Buchnacht, in der die Buchvorstellungen Schlag auf Schlag kamen, mit dem Buch von Ahmad Mansour „Solidarisch sein! Gegen Rassismus, Antisemitismus und Hass.“ Ahmad Mansour ist Psychologe und Extremismus-Experte. Das Buch ist ein Plädoyer für eine solidarische Gesellschaft. Auf die Frage, was für Ahmad Mansour echte Solidarität ausmache, antwortete er: „Dass wir fühlen, dass die, die angegriffen wurden, nicht die anderen sind, sondern das sind ‚Wir'“.

Hier seht ihr Stefanie Sargnagel aus Wien zugeschaltet, die zu ihrem ersten Buch „Dicht“ interviewt wurde. Ein Buch, das in einer lakonischen Sprache geschrieben ist und einige biografische Züge trägt:

Das war tatsächlich eine lange Buchmessenacht und in dieser Nacht habe ich bestimmt von neuen Büchern geträumt.

Frankfurter Buchmesse 3. Tag, Teil 1

Mein Weg an diesem 3. Buchmessetag führte mich wieder zur Festhalle. Hier seht ihr sie von außen:

Das erste Gespräch, das ich hier verfolgte, war zwischen dem Moderator Thomas Ranft und Sven Plöger, den die meisten über den Wetterbericht kennen. Das aktuelle Buch von Sven Plöger trägt den Titel: „Zieht euch warm an, es wird heiß! – Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von Morgen lernen.“ Ein gutes Interview, bei dem zu spüren war, dass das Klimathema eine Herzensangelegenheit des sympathischen Sven Plöger ist. Er brachte im Gespräch sehr verständliche Beispiele, warum das Klimathema so bedeutsam ist. Er spricht nicht von Verzicht, um das Klima zu schützen, sondern von Veränderung, die sogar einen Gewinn bedeuten könne. Wenn Sven Plöger die aktuellen Krisen mit einer Welle vergleicht, dann spricht er davon, dass Corona eine 5 Meter hohe Welle und die Klimakrise eine 500 Meter hohe Welle sei. Er sagte, dass wir eine Transformation sowie politische Rahmenbedingungen benötigen, um die erforderlichen Ziele zu erreichen. Wenn wir auf die Wissenschaft hören, retten wir uns und damit auch den Wohlstand, so Sven Plöger. Er betonte, dass wir Chancen haben, das Problem zu lösen. In seinem sicherlich sehr lesenswerten Buch gibt er zudem konkrete Handlungsempfehlungen.

Da auch heute wieder die Messe ohne Publikum stattfindet, ist der Bezug zum sparsam besetzten Publikum schnell vorhanden und so sagte er nach dem Applaus: „Der Applaus ist ja grandios, Dankeschön!“ Ja, auch fünf Zuhörer*innen können laut klatschen.

Später fand das Gespräch zur Preisverleihung LITPROM LiBeraturpreis statt. Lina Atfah, die ursprünglich aus Syrien kommt, erhielt den Preis für ihren Gedichtband „Das Buch von der fehlenden Ankunft.“ Wie schön, dass dieser Preis für ein Gedichtband vergeben wird.

Auf der Bühne seht ihr die Moderatorin Claudia Kramatschek, Lina Aftah, daneben ihren Mann und Jan Wagner, der ihre Gedichte ins Deutsche übersetzt hat. Lina Aftah las in ausdrucksstarker Art ein Gedicht in arabischer Sprache vor, was beinahe wie ein Gesang klang. Auch wenn ich kein Wort verstand, war es wunderbar. Hiernach folgte Jan Weiler, der das Gedicht in Deutsch vortrug. In dem Gespräch äußerte Jan Weiler den Gedanken: „Jedes Gedicht, das man schreibt, ist auch ein Gruß in die Vergangenheit und ein Dank an die bisherigen Dichter, die schon da waren. Man hat das Gefühl, alles war schon da und ist schon gesagt worden und es geht dann doch, es nochmal zu sagen.“

Hier seht ihr eine Frau, die ihr vermutlich alle kennt: Alice Schwarzer, die von Cecile Schortmann zu ihrem Leben und zu ihrem neuen Buch „Lebenswerk“ interviewt wurde. In dem Buch gibt Alice Schwarzer Rückblick, Ausblick und zieht Bilanz. Auf die Frage, was ihre größte Errungenschaft sei, antwortete sie: „Ich bin stolz darauf, dass ich vielen Frauen und auch Männern Mut gemacht habe.“

Später hörte ich dem Gespräch zwischen der Moderatorin Cecile Schortmann und dem Schauspieler und Autor Christian Berkel zu. In seinem aktuellen Buch „Ada“ erzählt er die Geschichte einer jungen Frau, die aus dem Schweigen der Elterngeneration heraustritt. Es ist ein Buch vom Suchen und Ankommen, ein Buch in dem es auch um die 68er Bewegung geht. Christian Berkel erzählte während des Gesprächs auch aus seinem Leben.

Hier seht ihr den Moderator Thomas Ranft im Gespräch mit dem Autor Bas Kast. Sein neues Buch trägt den Titel „Das Buch eines Sommers – Werde, der du bist“. Er nennt sein Buch ein Wohlfühlbuch. Die Hauptperson im Buch versucht, sich selbst zu finden. Im Gespräch ging es u.a. darum, wie wir unsere Zeit gestalten. Bas Kast meinte, dass der Blick auf die Endlichkeit unseres Lebens, dem Leben mehr Tiefe geben könne. Wenn er zum Beispiel wüsste, dass er nächste Woche sterben würde, würde er, anstelle sich die Zeit mit seinem Handy zu vertreiben, mehr raus in die Natur gehen oder gute Gespräche mit seiner Frau führen.

Nun fand die Fernsehaufsendung von 3sat „Die Zukunft des Buches – Ist die Corona-Krise eine Chance?“ statt. Samstag Abend um 21.45 Uhr wird diese Sendung übertragen. Deshalb verrate ich nun nicht zuviel. Soviel jedoch: Alle, die Bücher und die Buchmesse lieben, empfehle ich, schaut sie euch an. Bevor die Aufzeichnung losging, erfolgte eine Einweisung an die Mitwirkenden:

Auf der Bühne waren Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Karin Schmidt-Friderichs (Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Cecile Schortmann (Moderatorin), Leif Randt (Autor) und Sandra Kegel (FAZ- und 3sat-Literaturkritikerin).

Zwei schöne Sätze, die Juergen Boos sagte, teile ich hier gerne: „Wenn etwas resilient ist, dann das Buch.“ „Wir können uns nicht treffen, aber das Buch lebt.“

Hiernach wurden andere Zuhörer*innen und ich von wunderbarer Musik beschenkt. Chilly Gonzales, ein kanadischer Pianist und Entertainer, spielte auf dem Klavier und las anschließend aus seinem Buch „Enya“ vor. Der Musiker Malakoff Kowalski kam hinzu und war auch am Klavier zu hören. Nach einem Gespräch der beiden, bei dem es u.a. darum ging, ob Musik klug sein müsse oder ob es reiche, wenn sie ins Herz gehe, setzte sich Chilly Gonzales erneut ans Klavier und Malakoff Kowalski las dazu aus dem Buch vor. Eine wohltuend schöne Atmosphäre durfte ich hier erleben.

Heute Abend findet die lange ARD-Buchmessennacht statt, die ich besuchen werde und die ihr live im Internet verfolgen könnt. Über diese Buchmessenacht werde ich im Teil 2 berichten.

Aus Frankfurt grüßt euch, mit viel Bücherfreude, Marion

Frankfurter Buchmesse 2. Tag

Mein erster Besuch heute ging wieder zur Festhalle – hier ist der einzige Ort im Messegelände der Frankfurter Buchmesse, an dem in diesen Tagen Programm stattfindet – neben den vielfältigen Veranstaltungen in der Stadt und den unzähligen digitalen Angeboten in diesem Jahr.

Ihr seht, die Festhalle ist ungewöhnlich leer:

Hier seht ihr den einzigen Bücherstand auf dem Messegelände:

Denis Scheck stellte in seiner Veranstaltung „Druckfrisch“ wieder Buch-Neuerscheinungen vor. Ein für mich besonderes Erlebnis, denn neben den ARD-Mitarbeiter*innen war ich die einzige Person im Publikum. Da vorne seht ihr meine Jacke über dem Stuhl hängen, diese ungewöhnliche Situation wollte ich fotografieren:

Für Wortliebhaber*innen sicherlich interessant ist das Buch „Wunderkammer der deutschen Sprache, Ein Füllhorn“ herausgegen von Thomas Böhm und Carsten Pfeiffer, eine Art Wörterbuch, das sich vielen schönen und wundersamen Wörtern der deutschen Sprache widmet. Kanntet ihr zum Beispiel schon das Wort „Brötchentütchennavigator“?

Auch heute stellte Denis Scheck wieder Lyrik vor. Hier seht ihr, wie er aus dem Buch „Averno“ von Louise Glück ein Gedicht vorlas:

Einige weitere der von ihm vorgestellten Bücher teile ich auch hier wieder, so das Buch „Wilde Freude“ von Sorj Chalandon, in dem es um eine Frau geht, die Brustkrebs hat, von ihrem Mann verlassen wird und die nun mit vier Freundinnen plant, einen Juwelierladen auszurauben.

Das Buch „Das sind wir“ von Graham Swift, in dem ein Zauberer und ein Entertainer sich in dieselbe Frau verlieben, beschrieb Denis Scheck als ein Buch mit großer Leichtigkeit und Finesse.

Auch empfahl er das Buch „Ein Mann des Meeres“ von Andre Wirsing, der die sieben bedeutensten Wasserstraßen der Welt durchschwommen hat.

Hier seht ihr Denis Scheck bei der nächsten Veranstaltung, bei der er mit dem zugeschalteten isländischen Autor Hallgrimur Helgason über dessen Buch „60 Kilo Sonnenschein“ spricht. Ein Buch in dem es um Gestur geht, einen unehelichen Bauernsohn aus einem fiktiven isländischen Dorf, der zunehmend den Weg in das erwachende moderne Island erlebt, das alles humorvoll und turbulent erzählt.

Später erlebte ich ein Gespräch zwischen Nell Zink („Das Hohelied“) und dem Moderator Markus Brock. Auch dieses Interview kann man nachhören und dabei einiges über die Schriftstellerin erfahren, die viel Humor zeigte. Auch eine für mich neue Erfahrung: Wenn eine Veranstaltung ohne Publikum stattfindet, ich dennoch klatsche, die Schriftstellerin mich natürlich problemlos entdeckt und mir daraufhin eine „Danke“ schenkt.

Hier seht ihr Hadija Haruna-Oelker, Melisa Erkurt („Generation haram – Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“) und Olivia Wenzel („1000 Serpentinen Angst“) zu dem Thema „Streiterinnen- Leben gegen Diskriminierung?:

Der Moderator Ulrich Timm sprach mit den Autoren Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby über deren aktuelles Buch „Im Wahn – die amerikanische Katastrophe“. Die Themenvielfalt ist wie jedes Jahre sehr groß hier und es gibt viele interessante Gespräche.

Danach hörte ich mit einigen anderen der Veranstaltung von ARTE zu „Es wird Zeit – Generation Greta und die Politikkultur der jungen Generation“. Die Moderatorin Aline Abboud diskutierte mit ihren Gästen Ceyana Kiri (YouTuberin Kinda Kiri), Madita Hampe (Redaktionskollektiv Rubikon), Erik Albrecht (der gemeinsam mit Klaus Hurrelmann das Buch „Generation Greta“ geschrieben hat) und Claire Isambert (die Leiterin der ARTE Kulturabteilung). ARTE macht momentan einen breit angelegten Fragebogen „Es wird Zeit“, deren Ergebnisse Ende November in einer sicherlich sehr spannenden Dokumentation gezeigt werden.

Mir fällt auf, dass die Themen Zukunft, Klimakrise und Klimaschutz auch in diesem Jahr wieder sehr präsent sind und diese Themen in vielen Gesprächen auftauchen.

Zwischendurch machte ich folgendes, nämlich Lesen. Hier ein Beispiel:

Diese schöne Seite ist aus diesem Buch:

Ein weiteres Interview hörte ich zwischen Fritz Eckenga („Eva, Adam, Frau und Mann – Da muss Gott wohl nochmal ran“) und der Moderatorin Daniella Baumeister. Dazu trug Fritz Eckenga einige seiner „Rettungs-Reime“ vor, diese wie auch das Interview waren herrlich amüsant.

Abends war ich zu einer der Veranstaltungen, die mit Publikum stattfinden, das Bookfest City. Hier besuchte ich den Kunstverein Montez, in dem Richard David Precht („Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“) mit Edith Lange darüber sprach, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Richard David Precht stellt in seinem Buch zentrale essentielle Zukunftsfragen und gibt interessante Antworten. Die Themen Corona, Klimakrise und Digitalisierung standen im Zentrum des Gesprächs. Precht machte deutlich, dass uns die Klimakrise deutlich länger beschäftigen wird als die Coronakrise und wie wichtig es ist, dass wir Menschen handeln, um Zukunft möglich zu machen.

Es war ein sehr interessantes, tiefgründiges und mitunter auch humorvolles Gespräch.

Hier noch zwei seiner Sätze, die dabei auftauchten: „Menschen sagen zu sich Ich, philosophisch ist das der Hammer.“

„Ich denke, dass ein Optimist, der sich in seinen Idealen getäuscht sieht, immer noch ein erfüllteres Leben gelebt hat, als ein Pessimist, der sich in allem bestätigt sieht.“

In diesem Sinne beende ich meinen Bericht vom 2. Messetag mit zuversichtlichen Grüßen.

Frankfurter Buchmesse 1. Tag

Nach der gestrigen Eröffnungsfeier, war heute der 1. Tag der Frankfurter Buchmesse.

Die Gänge sind leer, da die Buchmesse ohne Publikum und überwiegend digital stattfindet. Mit einer Handvoll anderen Presseleuten war ich tagsüber im Festsaal und konnte verschiedenen Buchmessengesprächen beiwohnen.

Der Tag begann auf der ARD-Messebühne mit einem Gespräch mit den Autoren Verena Keßler, deren neues Buch „Die Gespenster von Demin“ heißt, Ijoma Mangold, dessen Buch den Titel „Der innere Stammtisch“ trägt, und dem Moderator Ulrich Kühn.

Danach wurde umgebaut für die nächste Veranstaltung:

Oder doch andersherum, damit Denis Scheck die Buchtitel lesen kann?

Nun also kam Denis Scheck mit „Best of Druckfrisch“. In seiner gewohnt temporeichen Art gab er Buchempfehlungen. Erfreut hat mich sehr, dass er mit Lyrik startete. Auch wenn er sich zu Beginn negativ zu Julia Engelmann äußerte, deren Gedichte und Art ich mag. Er lobte Louise Glück, die vor ein paar Tagen den Literaturnobelpreis erhielt und las aus einem ihrer Gedichtbände vor. Auch andere Lyriker stellte er vor, in dem er aus ihren Werken vorlas. Schön war es, in dieser – zwar leeren – Festhalle, Gedichte zu hören. Hiernach stellte Denis Scheck verschiedene Romane vor, von denen ich hier nur einige nenne, so etwa Christoph Peters „Dorfroman“, in dem es um eine Jugend im Zeitalter der Anti-Atomkraft-Bewegung geht oder das Buch von Kristof Magnusson „Ein Mann der Kunst“, der sich in satirischer Art mit den Kunstbetrieb befasst. Der Roman von Michael Wildenhain „Die Erfindung der Null“ handelt vom Aufstieg und Fall eines Mathematikgenies. Denis Schenk endete seine Buchvorstellung mit den Worten „Vertrauen Sie keiner Literaturkritik, vertrauen Sie keiner Literaturkritikerin, sondern vertrauen Sie Ihrer eigenen literarischen Intelligenz, die Bücher sind dazu da, dieselbe an ihr zu schärfen.“

Später hörte ich dem Gespräch zwischen der Moderatorin Marion Kuchenny und Julia Finkernagel zu, die über ihr Buch „Immer wieder Ostwärts – Oder wie man in der Transsibirischen Eisenbahn duscht, ohne seekrank zu werden“ erzählte. Wenn ich nicht schon zuvor den Wunsch gehabt hätte, mal mit der Transsibirischen Eisenbahn zu fahren, hätte ich ihn spätestens nach diesem Gespräch. Julia Finkernagel sagte den schönen Satz, den sie beim Reisen und im Umgang mit anderen Kulturen und zunächst fremden Menschen erfährt: „Wir haben alle einen ähnlichen Kern, der uns miteinander verbindet.“

Die frischgekührte Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2020, Anne Weber, konnte ich hiernach erleben, die im Interview mit Cécile Schortmann zu ihrem Buch „Annette, Ein Heldinnen Epos“ erzählte und daraus vorlas:

Im Gespräch zwischen der Moderatorin Marion Kuchenny und der Autorin Gabriele Krone-Schmalz ging es um das Buch „Respekt geht anders – Betrachtungen über unser zerstrittenes Land“. Hierbei fiel der gute Satz von Gabriele Krone-Schmalz: „Reale Menschen kennenzulernen ist das beste Mittel gegen Feindbilder.“

Nun folgte ein amüsantes Gespräch zwischen der Moderatorin Bärbel Schäfer und dem Autor Harald Martenstein, über dessen aktuelles Buch „Berlin in hundert Kapiteln, von denen leider nur dreizehn fertig wurden“, das er gemeinsam mit Lorenz Maroldt schrieb.

Ein weiteres gutes Gespräch fand zwischen der Moderatorin Alina Abboud, dem Autor Dirk Pohlmann, der das Buch „Die Ökokatastrophe“ gemeinsam mit Jens Wernecke herausgegeben hat, Eva von Recker, die das Buch „Revolution für das Leben: Philosophie der neuen Protestform“ geschrieben hat und der Filmemacherin Mirjam Leuze statt. Es gab Einspieler ihres Films „Der Wal und der Rabe“. Ich zitiere gerne einen Satz von Dirk Pohlmann, der während des Gesprächs fiel: „Ohne Systemwandel ist der Klimawandel nicht aufzuhalten.“ Das Gespräch verdeutlichte die Wichtigkeit, sich für einen Wandel einzusetzen. Die Filmemacherin und die beiden Autoren zeigten sich als engagierte Menschen. Der bewegende Film „Der Wal und der Rabe“ war heute Abend auf Arte zu sehen, ich hoffe, es gibt ihn in der Mediathek und ich lege ihn allen, die hier lesen, ans Herz. (Ergänzung: Ich habe inzwischen nachgesehen, es gibt den Film in der Mediathek bei Arte.)

Danach erlebte ich Peter Stamm („Wenn es dunkel wird“) mit dem Moderator Martin Maria Schwarz. In dem Interview fiel der Satz von Peter Stamm: „Im Normalen ist viel mehr Außergewöhnlichkeit als im Extremen.“

Die Eröffnung des Weltempfangs „Europa – Kulturen verbinden“ fand am späten Nachmittag statt, hierbei ging es um einen Austausch und um das Verhältnis zwischen Politik und Kultur.

Am Abend ging es für mich zum Bookfest city, das an verschiedenen Orten in der Stadt stattfindet. In der Matthäuskirche stellten Daniel Al-Kayal und Jakob Nehls ihr Buch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“ vor, das sie gemeinsam mit sechs anderen jungen Menschen geschrieben haben. Angesichts schwindender Ressourcen stellen sie in dem Buch Forderungen nach einem nachhaltigen Klima- und Umweltschutz. Ihre konkreten Forderungen haben sie mit den Erkenntnissen vieler Wissenschaftler*innen abgeglichen, mit denen sie sich getroffen haben. Sie machen deutlich, dass die Forderungen faktisch umsetzbar, bisher jedoch politisch nicht gewollt sind. In der anschließenden Diskussion fiel der schöne Satz von Jakob Nehls: „Ökologisches Leben macht Spaß, es macht viel mehr Spaß mit dem Rad durch die Stadt zu fahren als mit dem SUV.“ Die Essenz des Buches fassten die beiden zusammen: „Es ist möglich, doch es schwierig, also lasst es uns anpacken.“ Sympathische engagierte Menschen konnte ich hier erleben, deren Buch ich viele Leser*innen wünsche.

Zum Abschluss des Tages ging ich zum Haus des Buches (was ein schöner Name). Auch hier waren die Sicherheitsvorkehrungen in diesen Corona-Zeiten eingehalten:

„Lies! Das Buch Literatur in einfacher Sprache“ wurde vorgestellt. Der Referent Hauke Hückstädt hat Schriftstller*innen eingeladen, Geschichten in bewusst einfacher Sprache zu verfassen, damit sie vielen Menschen zugänglich sind. Einer der Autoren, Kristof Magnusson, las aus dem Buch vor. Das Buch hat eine Sprache, die nicht verästelt und kompliziert, sondern leicht verständlich ist, ohne dabei seinen Anspruch zu verlieren. Ein interessantes Projekt, das auch in der Inklusionsarbeit angewendet wird.

Der erste Messetag ging zu Ende. Mein Gefühl, dass es viele wunderbare Bücher gibt, bleibt.

Die Frankfurter Buchmesse

Heute wurde die Frankfurter Buchmesse eröffnet.

Die Frankfurter Buchmesse ist in diesen Coronazeiten anders als sonst, denn sie wird überwiegend digital stattfinden. Keine Hallenausstellungen, keine Stände, keine abendlichen Partys, kein wie sonst dort üblicher herrlicher Trubel. Doch das Buch wird dennoch gefeiert. Es gibt über 750 Sprecher*innen auf verschiedenen Online-Kanälen, es gibt 260 Stunden Programm und 2100 Veranstaltungen in dieser Messewoche.

Also, liebe Buchliebhaber*innen, schaut rein und lasst euch inspirieren. Unter www.buchmesse.de/live findet ihr ein vielfältiges Programm.

Und für die, die in der Nähe leben, es findet auch ein Programm vor Ort statt, so gibt das Bookfest City unter coronakonformen Auflagen und mit begrenzten Teilnehmerzahlen.

Auf der ARD Messebühne werden viele Veranstaltungen stattfinden, die live übertragen werden. Ich habe eine Presse-Zulassung erhalten, werde dabei sein und von der Buchmesse berichten.

Heute war ich bei der Eröffnungsfeier. Es war ungewohnt, in diesem großen Festsaal mit nur etwa 50 Personen zu sitzen, natürlich alle mit Abstand und Mundschutz. Doch die Bedeutung des Buchs war auch heute spürbar.

Hier ein paar Sätze aus den Reden bei der Eröffnungsfeier:

„Lesen bewahrt vor der Enge des Denkens und Wahrnehmens und davor, die eigene Weltsicht für das Maß aller Dinge zu halten.“ Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien

„Bücher sind Lebensmittel… Bücher sind Ich-Zeit… Bücher sind Leuchttürme.“ Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Ja, das sind sie, Leuchttürme, die wir brauchen, nach wie vor.

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 6

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Hier kommt mein Bericht vom 6. und damit letzten Tag der 71. Frankfurter Buchmesse.
Der Sonntag war der Abschluss der Frankfurter Buchmesse und ich blickte gespannt darauf, was mich heute erwarten würde. Wie in den Tagen zuvor, hatte ich mir einige Veranstaltungen herausgesucht, anderes geschah spontan. Mir war es heute wie auch an allen anderen Tagen nicht möglich, all das zu besuchen, was mich interessierte. So ist dieser gesamte Bericht nur ein kleiner Einblick in diese Buchmessen-Woche mit dem enorm reichhaltigen und interessanten Programm.

Auch an diesem Tag war die Buchmesse gut gefüllt. Oft schaute ich mir die Menschenmenge an und dachte: Das Buch lebt, es ist bunt und vielfältig wie diese Messe. Die offiziellen Besucherzahlen bestätigten meinen Eindruck: Insgesamt kamen 302.267 Besucherinnen und Besucher zur Buchmesse, ein Zuwachs von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein Grund, optimistisch in die Buch-Zukunft zu schauen.

Mein erster Weg an diesem Morgen führte mich zu der Veranstaltung „Ein Appell von Reinhold Messner: Rettet die Berge“. Reinhold Messner, dessen neues Buch „Der Eispapst: Die Akte Welzenbach“ heißt, wurde von Stefan Mayr interviewt. „Der Berg ist absichtslos. In der Auseinandersetzung Berg – Mensch macht nur der Mensch Fehler. Der Berg kann keine Fehler machen.“, so Reinhold Messner.

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Hiernach hörte ich David Höner im Gespräch mit Danielle Baumeister zu, der zu seinem Buch „Kochen ist Politik. Warum ich in den Dschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden“ erzählte. Mit seiner Hilfsorganisation „Cuisine sans frontieres“, Kochen ohne Grenzen, reist David Höner durch Krisenregionen der Welt, um Menschen beim Kochen und Essen einander näher zu bringen. „Das Rezept ist jetzt nicht, man nehme 10 Gramm Salz und 1 Kilo Mehl, das Rezept ist die Begegnung.“, war einer seiner Sätze. Ein weiterer seiner Gedankengänge: „Wenn ich zum Beispiel zu Ihnen komme und sage, ich hätte gerne 100 Gramm Mehl, weil ich kein Mehl mehr zu Hause habe und ich möchte einen Kuchen backen, dann werden Sie mir das Mehl geben und nicht sagen, Sie müssen mir aber Morgen 150 Gramm Mehl zurückgeben, sondern ich krieg das und ich bringe dann 100 Gramm Mehl mit einer Tafel Schokolade oder einem Stück Kuchen zurück, weil ich mich so freue. Diese Art und Weise zu handeln, ist eine menschliche Art und Weise zu handeln. Aus unerfindlichen Gründen haben wir das umgedreht und in unserer Wirtschaftshaltung machen wir genau das: wir geben 100 Gramm Mehl und bestehen darauf, dass wir 150 Gramm Mehl zurückbekommen. Und wenn wir die 150 Gramm nicht zurückbekommen, bestrafen wir den anderen.“ Noch ein weiterer seiner Gedankengänge: „Ich glaube, alle wollen die Welt verbessern. Alle können das auch. Weltverbessern ist nicht das Privileg von ein paar wenigen Leuten, die das gerne möchten, sondern Weltverbessern ist eigentlich der ganz normaler Inhalt, den wir haben, wir wollen uns und unseren Familien und unserer Umwelt mit guten Taten eine Verbesserung zukommen lassen.“

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Im Norwegen-Pavillon wollte ich Jostein Gaarder erleben. Sein Buch „Sophies Welt“ ist sicherlich den meisten Menschen ein Begriff. Sein neues Buch trägt den Titel „Genau richtig, Die kurze Geschichte einer langen Nacht.“ Jostein Gaarder war leider erkrankt, doch seine Rede wurde nun vorgelesen. Hier ein Auszug daraus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Diese Regel muss selbstverständlich die nächste Generation miteinbeziehen. Sie muss absolut alle, die nach uns auf diesem Planeten leben werden, miteinbeziehen. Die Menschen leben nämlich auf dieser Erde nicht alle gleichzeitig. Die gesamte Menschheit lebt nicht auf einmal. Es lebten Menschen vor uns hier, manche leben jetzt und wiederum andere werden nach uns leben, aber auch die, die nach uns leben werden, sind unsere Mitmenschen. Wenn wir es schaffen wollen, unsere eigene Lebensmittelversorgung und biologische Vielfalt dieses Planeten zu erhalten, setzt dies eine kopernikanische Wende in unserem Denken voraus. Genauso naiv wie es war zu glauben, dass alle Himmelskörper um unsere Erdkugel kreisen, genauso naiv ist es, so zu leben, als drehe sich alles um unsere Zeit.“ Auch wenn er selbst nicht da sein konnte, seiner Rede zuzuhören, war sehr schön.
Ein Foto von Jostein Gaarder an diesem Tag ist demnach nicht möglich, doch ich konnte ihn erleben, als er am Dienstag aus dem Literaturzug ausstieg. Das Foto füge ich nun hier ein, ihr seht Jostein Gaarder vorne rechts:

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Denis Scheck erlebte ich auch auf der ARD Bühne mit „Best of Druckfrisch“. In seiner gewohnt temporeichen und humorvollen Art stellte er Bücher vor und endete mit den Worten: „Sie müssen Ihre eigene Intelligenz als Leserin und Leser und Ihren eigenen Geschmack entwickeln, wir kommen ja nicht als Menschen zur Welt, wir müssen uns erst selber dazu machen, indem wir unsere Fähigkeiten ausbilden. So eine Buchmesse wie die in Frankfurt ist eine wunderbare Gelegenheit, den Verstand an Literatur zu schärfen und selber auf den Geschmack Lesen zu kommen.“

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Auf der ARD Bühne waren die nächsten Gäste Heiko und Roman Lochmann, früher bekannt unter „Die Lochis“, die hier ihre Geschichte erzählten. Ihr habt es sicherlich längst gemerkt, das Programm der Frankfurter Buchmesse ist sehr vielfältig. Hier seht ihr, dass viele Menschen und wie erwartet besonders jüngere Besucherinnen und Besucher Heiko und Roman Lochmann zuhörten:

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Draußen signierte Ursuala Poznanski die „Erebos“-Bücher:

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Am Wochenende dominierten die Cosplayer das Bild der Frankfurter Buchmesse. Hier machten sie gerade eine Polonaise:

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Plätze fanden sich überall:

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Da ich die Hilde Domin sehr schätze, führte mein Weg mich nun zu Marion Tauschwitz. Marion Tauschwitz war fünf Jahre lang eine enge Vertraute von Hilde Domin und hat sie bis zu deren Tod begleitet. Sie hat bereits eine Biografie zu Hilde Domin geschrieben, in ihrem jetzigen Buch „Das unverlierbare Leben: Erinnerungen an Hilde Domin“ schreibt sie über ihre persönlichen Erlebnisse mit ihr.

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Wieder führte mein Weg zur ARD Bühne, wo ich das Ende der Buchpräsentation „Der junge Doktorrand“ von Jan Peter Bremer mitbekam, bei dem Denis Scheck den Autor interviewte. „Ich habe nie etwas anderes gemacht als Schreiben, mein erstes Buch ist erschienen als ich 22 war und ich kann auch eigentlich nichts anderes.“, war einer der Sätze von Jan Peter Bremer.

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Nun gab es ein interessantes Gespräch auf dieser Bühne, bei dem der Schlafforscher Albrecht Vorster vom Moderator Thomas Ranft interviewt wurde. „Warum wir schlafen“ ist das Buch des Schlafforschers. „Der Schlaf ist definitiv keine Zeit der Ruhe, da wird so viel herumgewerkelt und herausgeschraubt wie zu keinem anderen Zeitpunkt tagsüber.“, so Albrecht Vorster. Unter anderem erzählte er, dass wir im Schlaf all das nochmal erleben, was tagsüber eine große Bedeutung für uns hat. Wie schön, dachte ich, dann habe ich die Frankfurter Buchmesse in der Nacht gleich noch einmal erlebt. Auch ihm hätte ich noch lange zuhören können.

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Auf dem blauen Sofa konnte ich dann Jojo Moyes erleben, deren neues Buch „Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ präsentiert wurde. „Ich glaube an die Bildung und an das Wissen, denn wenn wir nichts wissen, dann können wir gar nichts, dann haben wir nicht die Bausteine zur Verfügung.“, so Jojo Moyes im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Biedenkopf.

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Nach einer Pause im Freien, konnte ich der Veranstaltung „Zwischen Hilflosigkeit und Hoffnung – Leben mit dem Klimawandel“ zuhören. Luisa Neubauer hörte ich erneut, die hier sagte: „Das ist die andere große Lehre aus der Vergangenheit, wenn Menschen etwas wirklich wollen, dann geht richtig viel, viel mehr als wir uns vorstellen können.“ Von Thore D. Hansen nahm ich den Satz mit: „Die Lösungen sind da, es liegt tatsächlich an uns. Wenn wir das politisch wollen, dann geht das.“ Prof. Uwe Schneidewind sagte: „Hoffnung ist eine innere Ressource, mit der ich die Kraft in mir mobilisiere.“ Und Michael Müller äußerte sich während des guten Gesprächs: „Wenn ich mal Urenkel habe, dann möchte ich den Urenkelinnen-Test bestehen. Wenn meine Urenkel später fragen: He, der Uropa, der hat doch genau in der Zeit gelebt, als Luisa Neubauer die tollen Bücher schrieb, was hat er denn damals gemacht, hat er die unterstützt, hat er die Welt umkonstruiert? Das wird die Urenkelinnenfrage sein.“

BM 6n

Ich konnte dem Gespräch nicht weiter folgen, da ich nun ein Presse-Ticket für die Veranstaltung der „Feierlichen Übergabe: Ehrengast Norwegen 2019 – Ehrengast Kanada 2020“ hatte. So führte mich mein Weg erneut zum Norwegen-Pavillon zu meiner letzten Veranstaltung dieser Buchmesse.
Während dieser Veranstaltung dachte ich noch einmal, dass Norwegen ein tolles Gastland dieser Buchmesse war, das viele wunderbare Autoren präsentiert hat. Hier seht ihr das norwegische Team, das ich am Ende fotografieren konnte:

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Im Gespräch zwischen Erlend Leo (Norwegen) und der schlagfertigen Margret Atwood (Kanada) ging es bei dieser Veranstaltung sehr amüsant zu und beide feixten in liebevoller Weise damit herum, welches Land denn nun mehr zu bieten habe. Hier seht ihr sie mit dem Moderator Thomas Böhm:

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Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse sagte anschließend zu den beiden, er wisse nicht, wie man das in Englisch sage, in Deutsch würde man sagen. „Ihr seid schon zwei sehr coole Socken.“ In der Rede von Juergen Boos tauchte auch dieser Satz auf: „Es geht darum, die Menschen zusammen zu bringen.“, und ich dachte beim Zuhören, das vermag diese Veranstaltung wie die ganze Buchmesse und diese wundervolle Welt der Bücher.
Margit Walsø, die Direktorin von NORLA (NORLA hat im Auftrag der norwegischen Regierung den Gastlandauftritt dieser Buchmesse organisiert), fasste zusammen: „Es ging sehr um die Freude am Lesen und alles was hier passiert ist, zwischen den Autoren und dem Publikum, das war sehr inspirierend und das nehmen wir mit.“
Anschließend sagte Caroline Fortin, die Vorsitzende Canada FBM 2020, in ihrer Rede, sie glaube daran, dass Kanada uns im nächsten Jahr überraschen werde. Ja, das glaube ich ihr sofort.
Hier seht ihr die Übergabe des eigens hierfür geschaffenen Kunstprojekts, links im Bild Margit Walsø, rechts Caroline Fortin:

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Dieses Gedicht von Georgette Leblanc wurde eingespielt, mit dem Kanada sich für diese Buchmesse 2020 präsentierte:

Ich bin, sind
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten
All my relations, alle verbunden
Hier ist der Ort des Gedichts
Unsere Augen erfüllt von lebendigen Landschaften
Wir sollten es wissen, wir sind die Träumenden
X, wir sind verantwortlich
Für Schönheit
Ich packe das Eis bei den Hüften
Ich weiß, was ich tue, trotz meiner Jugend
Seine Mutter spricht in Bildern
Auch Sprache ist ein Naturphänomen
Ich kann nur Löwenzahn, Rabe und ein paar Brocken Alge
Kreative Aktivität aller Art wird möglich
Energie wird nicht länger unterdrückt
Man kann immer etwas aus seinem Leben machen
Etwas Altes oder Neues
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten

Die Inuit Throad Singers Charlotte Quamaniq und Alexa Galloway-Alainga mit einem Kehlgesang:

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Die kanadische Sängerin Amanda Rheaume schenkte ein Lied, in dem es um „Story telling“, dem Geschichten erzählen, geht. Ich war berührt, als Amanda Rheaume mit ihrer Stimme und der Gitarre den Raum füllte und am Ende die vielen Menschen aus den unterschiedlichen Ländern in ihr Lied miteinstimmten. Was ein wunderbarer Abschluss dieser Buchmesse!

BM 6r

Thomas Böhm gab dem Publikum zur Verabschiedung diese Worte mit: „Sie können ein großartiges literarisches Nachspiel der Buchmesse genießen, denn Sie haben die überwältigende Auswahl all der Bücher, die übersetzt worden sind (…) Sie brauchen einfach nur in die Buchhandlung Ihres Vertrauens gehen, wenn Sie die Bücher im Internet bestellen, stirbt irgendwo ein Einhorn.“

Tschüss, Frankfurter Buchmesse!

BM 6t

Ich blicke auf eine intensive und wunderbare Buchmessen-Woche zurück. Es war eine Feier der Geschichten! Neben der großen Leselust auf viele neue Bücher, nahm ich zahlreiche gute Gedanken und Inspiration mit.
Diese Buchmesse hinterlässt bei mir den Gedanken, dass wir Menschen viel aus Büchern lernen können und Bücher die Welt besser machen. Die Bücher, die ich kennenlernen durfte, und die Gespräche, die ich erlebte, schenken viel Hoffnung, sie betonen das Miteinander und den wichtigen Einsatz für den Klimaschutz.
Schön, dass ihr Leserinnen und Leser an meiner Buchmessen-Woche teilgehabt habt.

Es grüßt euch, Marion, die dankbar auf diese Buchmesse zurück blickt und bereits Vorfreude auf die Frankfurter Buchmesse 2020 hat.
Ich im Spiegel im Norwegen-Pavillon:

BM 6u