ABC-Etüde

Christiane hat wieder zu den abc.etüden, eingeladen, bei denen es gilt, 3 Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Worte stammen diesmal von Torsten mit seinem Blog Wortman und lauten:

Affe
neu
blockieren

Und hier kommt meine Etüde:

Wir müssen nicht das ganze Leben umkrempeln, um neue Energie zu spüren. Manchmal reicht eine Kleinigkeit. Den Weg zum Bäcker anders als sonst gehen, einen Umweg nehmen. Den Platz am Tisch ändern und eine neue Aussicht vom Küchenstuhl aus erleben. Mitten am Alltagsmittwoch das schönste Kleid hervorholen und tragen. Morgens meditieren, die Malstifte hervorholen oder endlich Buddenbrooks lesen. Den Schrank ausmisten und Sachen verschenken. Etwas ausprobieren. Wir haben doch alle diese verborgene Liste in uns, auf der geschrieben steht, was wir einmal ausprobieren wollen. Ideen, die wir einst hatten und die eingeschlafen sind. Es schleichen sich viele Gründe ein, die uns abhalten und blockieren, meist sind wir es selbst. Doch Gründe dürfen beiseitegeschoben oder in die Tasche gesteckt werden.
Manchmal funktioniert unser Inneres wunderbar. Eine Sache neu beginnen, weckt Lust auf etwas weiteres. Als wohne ein Domino in uns. Als stupse ein Stein den anderen an.
Bei ihr war es der Spanischkurs vor einigen Monaten. Sie mag den Klang der Sprache. Eines Tages wird sie in Spanien wandern und den Einheimischen mehr als ein „Buenas dias!“ zurufen können. Sie tippt „Mono“ in ihr Handy und freut sich, diese App entdeckt zu haben. Mono ist Affe, das kann sie sich gut merken, ebenso wie oso für Bär und gato für Katze.
Es blieb nicht beim Spanischkurs, auch ihr Französisch hat sie wieder aufgefrischt. Ein paar Wochen danach begann sie mit Laufen. Ein neue Tätigkeit kitzelt eine nächste wach. Sie mag es inzwischen, wenn sie über die Felder läuft, die Sonne aufgehen sieht, den Wind fühlt, ihre Füße auf den Waldwegen spürt. Sie fühlt, da ist noch vieles in ihr, das sie ausprobieren und machen möchte. Manchmal ist Leben leicht. Beginnen. Irgendetwas Neues ist immer da, das uns einladen möchte.  

15 Gedanken zu „ABC-Etüde

  1. Sehr gern gelesen und bewillkommt. Ich hatte schon befürchtet, so etwas Positives nie mehr zu lesen zu bekommen. In den vergangenen Jahren scheint mir die Erziehung zu Routinen allzu sehr idealisiert worden, die Rebellion der 60er und 70er Jahre genau dagegen wieder vergessen und in Bucket-Lists versenkt und ertränkt, so dass es dringend notwendig scheint, dass die Menschen sich wieder daran erinnern, wie es ist, unvorbereiteten, ungeplanten Erlebnissen die Gelegenheit zu geben, etwas zu erleben statt nur Pläne abzuhaken. Die Befriedigung, ein Ziel erreicht zu haben, leitet immer nur zur nächsten Erwartung eines weiteren Ziels, und kann nicht mit dem Wunder von unerwartet geschenktem Glück mithalten.

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  2. Ja, der erste Schritt ist oft leicht, egal, was das Sprichwort sagt. Es kommt dann aber darauf an, dass/ob man den zweiten, dritten und vierten auch macht, wenn die Träume keine Schäume bleiben sollen. Wobei natürlich auch das Träumen seinen eigenen Wert hat … 🤔😁
    Danke dir sehr!
    Morgenkaffeegrüße 😁🌼☕🍪👍

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.21 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram | Irgendwas ist immer

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