Findesatz-Gedicht 138

Ich wünsche mir eine Welt
in der Menschen einander achten
in der sie nicht wegsehen
in der Hinhören groß geschrieben wird
Eine Welt
in der Bänke vor den Häusern stehen
Zäune kleiner werden
in der wir einander Gegenstände leihen
anstelle alles selbst zu besitzen
Eine Welt
in der wir auf offener Straße singen
Komplimente schenken
auch dem Unbekannten
Eine Welt
in der wir Zeit finden
für das was unsere Herzen möchten
in der Fehler umarmt werden
Eine Welt
in der wir nicht ausgrenzen
den alten Menschen zuhören
die Stimmen der Kinder laut sein dürfen
Ich wünsche mir eine Welt
mit Liebe, Neugierde und viel Vertrauen
mit bunten Blumen und Laub, das liegen bleiben darf
Wenn wir irgendetwas wollen
müssen wir es machen

Findesatz-Gedicht 132

Wieviel Herbst wohnt in mir?
Kann ich Morgen ganz anders sein?
Fühlen wir alle ähnlich?

Wird mein Traum wahr?
Kann Geduld ungeduldig werden?
Liegt der Zauber im Morgentau?

Was hält die Welt zusammen?
Sollen wir uns Flügel malen?
Welche Frage beschäftigt dich gerade?

Findesatz-Gedicht 123

Ich wünsche mir eine Welt mit mehr Hinsehen
Mehr Tänze auf den Bürgersteigen
Blumen in allen Straßen
und bunt fahrende Straßenbahnen
Wiesen voller Bänke, wo Alt und Jung sich treffen
Wo Menschen einander zuhören
und nicht jeder Recht haben will
Eine Welt die wir behutsam pflegen
In der es manchmal ganz leise ist
In der wir die unsichtbaren Fäden fühlen
In der das Miteinander mehr als ein großes Wort ist
Und jetzt, die Träume losschicken

Findesatz-Gedicht 106

Ich werde jeden Tag weiser
hörte ich
und überlege
ob die Weisheit mit dem Alter wächst
Gegenbeispiele gibt es ausreichend
Ich weiß nicht wo die Weisheit wohnt
Im Morgenland bei den drei Weisen?
Welche Gaben bringe ich in die Welt?
Ein Gedanke führt zum Nächsten
Wie diese Assoziationskette
die ich gerne spiele
Ich finde wir sollten mehr spielen
mehr küssen
und weniger bekriegen
Ich verstehe die Welt nicht
wie sie mir in den Nachrichten gezeigt wird
Menschen, deren Augen rufen
deren Kleidung weint
und ich wundere mich
dass unsere bequemen Sessel
uns nicht aufspringen lassen
Auch ich kenne die Lösung nicht
Vielleicht fragen wir ein Kind
und hören ihm zu

Findesatz-Gedicht 54

Niemand lebt für sich allein
Wir sind immer eingebunden
wir können nicht nicht eingebunden sein
Das große Ganze ist eine Umarmung
auch dann
wenn wir sie einmal nicht fühlen

Findesatz-Gedicht 5

Welchen Platz
habe ich
in der Welt
die so groß ist
dass ich mich beinahe
verliere
doch nur beinahe
denn
ich glaube
es findet letztlich
den richtigen Platz
auch ich
auch du
Die Welt
groß genug
und alles
findet
seinen Platz