Frankfurter Buchmesse – Tag 5


Sonntag und damit der letzte Tag der Frankfurter Buchmesse.
Einige Zahlen zu Beginn: Mit 93.000 Fachbesucher*innen (2021 waren es 36.000 Fachbesucher*innen) und 87.000 Privatbesucher*innen (2021 waren es 37.500 Privatbesucher*innen) war die Frankfurter Buchmesse sehr gut besucht. Über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern haben sich hier präsentiert.

Mein erste Veranstaltung an diesem Sonntag führte mich zu Veit Lindau. Er ist Gründer der erfolgreichen Life Coaching Community homodea, eine Community zur Persönlichkeitsentwicklung. Umgeben vom Messetrubel des Buchmessensonntags lud Veit dazu ein, innezuhalten und persönlichen Fragen nachzugehen. „Stille Seele, wildes Herz“ heißt sein aktuelles Buch. Einige seiner Gedanken, die er bei dem Gespräch schenkte: „Erinnre dich daran, was dein Herz will“, „Mild zu sein bedeutet, dass alle deine Fehler Sinn machen“ und „Du hast ein Recht auf Freude“.

Hiernach erlebte ich die Nachhaltigkeitsexpertin Anke Schmidt, die das Buch „Schlauer putzen“ geschrieben hat. Anke Schmidt veröffentlicht Zero Waste-Tipps auf ihrem Instagram-Kanal und ist als Wastelesshero bekannt. An dem Ulmer Stand beantwortete sie Fragen, gab nützliche Tipps und zeigte, wie man ein „Anti-Geruchsspray“ herstellt. In ihrem Buch gibt sie Anregungen und Tricks, wie sich mehr Nachhaltigkeit günstig und leicht in den eigenen Haushalt bringen lässt:

In den Hallen ist immer etwas zu entdecken, wie hier Sebastian Fitzek:

Das Buch „Das Klimabuch“ von Greta Thunberg vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 27. Oktober:

Hanna Harms hat mit ihrem Buch „Milch ohne Honig“ einen poetisch gezeichneten Sachcomic zum Thema Bienensterben geschrieben und zeigt damit in zauberhafter Weise die Dringlichkeit von nachhaltigem Umweltschutz:

Sie signierte nicht nur, sie schenkte dazu auch eine schöne Zeichnung:

Danach erlebte ich Alok Vaid-Menon im Gespräch mit Charlotte Milsch über das Geschlechtersystem. Alok Vaid-Menon ist eine nichtbinäre Person aus den USA, die Bücher schreibt und Performance-Kunst macht. „Mehr als binär“, das aktuelle Buch, regt an, über die Kategorien von Mann und Frau hinaus zu denken. Alok Vaid-Menon sprach von den Vorurteilen die gendernonkonforme Menschen täglich erleben. In dem Buch wird Wissen vermittelt, um der zunehmenden Trans-Diskriminierung mit Haltung zu begegnen und es lädt ein, die Geschlechter in allen Farben zu sehen:

Danach erlebte die Buchvorstellung des Lyrik-Bands „Halb Vogel bin ich, halb Baum“ von Umar Abdul Nasser:

Der Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser kommt aus dem Irak und lebte mehr als zwei Jahre im Versteck vor dem IS, bevor er das Land für Stipendien-Aufenthalte verlassen konnte.
Er las in seiner Heimatsprache Gedichte vor, ich lauschte dem schönen Klang und später der Übersetzung:

Im Pressezentrum sind immer wieder Ruhe und Kaffee zu finden:

Auch an diesem Tag entdecke ich an vielen Plätzen lesende Menschen, wie hier den Buchmessenbesucher Thorsten, draußen in ein Buch vertieft:

In der Agora sah ich eine Performance:

Auf der ARD-Bühne ging es für mich weiter zu Bärbel Schäfers Bücher-Talk mit Diane und Reinhold Messner. Reinhold Messner hat mit seiner Frau Diane gemeinsam das Buch „Sinnbilder“ geschrieben. Darin gehen die beiden der Frage nach einem gelingenden Leben nach. Es geht in dem Buch um die Themen Verzicht, Fragen zur Nachhaltigkeit und Generationsgerechtigkeit.
Die beiden leben als Selbstversorger. „Mir ist der Konsum ein Gräuel“, so Reinhold Messner. „Es muss vorbei sein, dass wir alles konsumieren und wegwerfen“, so sagte er und „Jeder hat eine Verantwortung für die Welt zu tragen“.
Diane Messner sagte: „Wenn ich für mich selbst Verantwortung übernehme, übernehme ich gleichzeitig Verantwortung für die Welt“.
Natürlich wurde auch über das Bergsteigen und das Gehen gesprochen. „Wir Menschen sind Fußgänger, wir können nur in der Geschwindigkeit des Gehens die Welt erkunden“, war von Reinhold Messner zu hören.
„Es ist sehr anstrengend mit ihm wandern zu gehen, das muss ich gestehen“, sagte Diane Messner und ihr Mann habe ein anderes Tempo als sie und würde beim Gehen keine Pausen mögen oder wenn sie stehenbleibe. „Manchmal schimpft er und dann sage ich: Wenn du noch mal schimpfst, dann gehen wir ins Schwimmbad. Weil er kann nicht schwimmen.“, auch solche amüsanten Sätze waren zu hören.

Nach dem Gespräch gab es Selfie-Freude:

Meine letzte Veranstaltung führte mich zur „GastRollen-Übergabe Spanien – Slowenien“. Dies ist immer die Abschussveranstaltung im Ehrengast-Pavillon. Jedes Jahr wird die „Gast-Rolle“, ein speziell entworfenes Kunstobjekt, um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht. Nun wurde also Spanien als Gastland 2022 verabschiedet und Slowenien als Gastland 2023 begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sagte: „Bücher – es geht immer weiter und die dringende Themen dieser Zeit waren hier auf der Buchmesse sehr präsent.“ Sie führte ein Gespräch mit dem spanischen Autor Manuel Rivas (mittig im Bild) und dem slowenischen Autor Drago Jancar (rechts im Bild):

Es ist ein schönes Ritual, die Autoren oder Autorinnen der beiden Gastländer lesen jeweils einen Roman des anderen und reden dann darüber.
Manuel Rivas brachte einen Schlüssel als Symbol mit und Drago Jancar sagte zu diesem Symbol: „Literatur ist immer ein Schlüssel, der die Herzen der Menschen öffnet.“ Manuel Rivas äußerte in dem Gespräch den Satz: „Gott sei Dank haben wir eine Diversität auch in der Kultur.“
In dem Gespräch lag ein Apell zum Dialog und zur Begegnung in der Welt.

Wie Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse in seiner Rede sagte, sei immer ein lachendes und ein weinendes Auge bei dieser Feierlichkeit dabei.
Hier seht ihr, wie Slowenien die Gast-Rolle erhalten hat:

Janez Krevel hörten wir mit seinen Kontrabassklängen:

Die Mitwirkenden des neuen Gastlandes Slownien betraten nochmal mit Juergen Boos die Bühne:

Damit ging der letzte Buchmessentag zu Ende.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte rückblickend zu dieser Buchmesse: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse gab so wichtige Anstöße angesichts der aktuellen Herausforderungen in Branche, Gesellschaft und Weltpolitik. Damit konnte die Frankfurter Buchmesse ihre Bedeutung als wichtigster Handelsplatz für Bücher sowie als Ort der Vielfalt und des friedlichen Austauschs unterstreichen.“

Ihre Worte kann ich sehr bejahen, denn so erlebte auch ich die Buchmesse.
Mehr als einmal dachte ich bei den vielen Veranstaltungen, Gesprächen, Diskussionen, beim Ansehen der Bücher und bei den Begegnungen, das hier viel Hoffnung wohnt. All die drängenden Themen der Zeit sind da. Es wurde deutlich und spürbar, dass wir die Gestaltenden unserer Zukunft sind.
Ja, es war auch anstrengend und ich habe eine Woche mit zu wenig Schlaf verbracht und manchmal tat mir der Arm vom Eintippen weh und ja, es war eine wunderbare Woche, es gab viele Impulse, Geschenke für die Augen, Ohren und für das Herz und mehr als einmal dachte ich, die Frankfurter Buchmesse macht diese Welt zu einem besseren Ort.
Dankbar nehme ich einen großen Koffer gefüllt mit Inspiration mit. Lasst uns weiter Geschichten erzählen, einander zuhören und voneinander lernen. Lasst uns weiter Geschichten und Bücher feiern und die Welt gestalten.

So grüßt euch aus Frankfurt mit viel Wörterliebe,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Auf dem Weg zu Buchmesse entdeckte ich Walter (Kennt ihr die Walter-Wimmelbücher? Ich finde sie klasse!).
Wo ist Walter?


Hier:

Mit vielen anderen Buchliebhaber*innen freute ich mich auf diesen Buchmessentag:

Ein Gang durch die Hallen mit Stopps an Ständen, wie hier am Stand der Vereinten Nationen:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Querdenker: Einfach mal die Klappe halten!“. Julia Brinkmann war im Gespräch mit Tillmann Betsch, der Professor an der Universität Erfurt ist. In seinem Buch „Science matters! Wissenschaftlich statt querdenken“ entlarvt Tillmann Betch die Fehler des Querdenkens und die Taktiken der Faktenleugner:

Danach ging es zum Katapult Verlag, wo die Veranstaltung „100 Karten über die Ukraine und den Krieg“ stattfand. Das Buch mit dem gleichnamigen Titel betrachtet die Ukraine unter dem Thema des Krieges und ebenso abseits des Krieges. Sehr interessante Fakten wurden gezeigt und auch wir Zuhörer*innen wurden einbezogen. Eine gute Veranstaltung von einem tollen Verlag:

Es war spürbar, dass Wochenende ist und die Buchmesse gut besucht ist. Walter entdeckte ich nicht mehr:

Halt machte ich bei Amnesty International die mit ihrem Amnesty Mobil im Innenhof standen. Hier hörte ich einen Teil der Veranstaltung „Schwerpunktland- Russland/Ukraine“. Der russischstämmige Dimitry (rechts im Bild) ist seit über 10 Jahren aktiv, um Deutschland gegen den Einfluss des russischen Regimes zu verteidigen. Er las aus dem letzten Brief von Alexej Nawalny. Zusammen mit Witalij (links im Bild), der vor über 30 Jahren als politischer Flüchtig nach Deutschland kam, sprachen sie über die Probleme mit denen die Zivilbevölkerung in beiden Ländern wegen des Krieges zu tun haben. Vedrin Sahovic (Mitte) von Amnesty International Frankfurt moderierte das Gespräch:

Auf der ARD-Bühne erlebte ich Tupoka Ogette im Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker:

Tupoke Ogetta ist Anti-Rassismus-Expertin, Podcasterin und Autorin. Sie sprach zu ihrem aktuellen Sachbuch „Und jetzt du. Rassismuskritisch leben“.
Tupoka Ogette machte deutlich, dass Rassismus nicht nur in der rechten Ecke zu finden sei, sondern auch bei vielen Menschen die Rassismus ablehnen. Die meisten Menschen seien unbeabsichtigt rassistisch. Sie plädiert für eine Kultur, in der wir offen damit umgehen. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine Freude daran entwickeln, diese Welt gemeinsam ein Stück besser zu machen“, so einer ihrer guten Sätze. In ihrem Buch gibt sie gute Denkansätze. Wie ihr seht, ist sie bekannt und ihre Veranstaltung war gut besucht:

Nun hörte ich Eckart Nickel zu seinem Buch „Spitzweg“, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. (Eine kleine Anmerkung: Ich finde, ein Buch zu schreiben ist toll. Es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises zu schaffen ist klasse. Es dann auf die Shortlist zu schaffen ist immens. Es gibt demnach viele Gewinnerinnen und Gewinner.)
„Ich habe mir nie viel aus Kunst gemacht“, ist der erste Satz dieses Buches. So offenbart sich der Erzähler im Buch zu Beginn als Kunstbanause und berichtet davon, wie sein Freund Carl ihn mit seiner Begeisterung für den Maler Spitzweg schließlich vom Gegenteil überzeugt.
Eckart Nickel sagte während des Gesprächs: „Wenn ich mir eine Mission auf die Fahne schreiben würde, dann ist es die: Schaut Spitzweg an.“ Die Moderatorin Sandra Kegel meinte daraufhin, jetzt würden wir alle das Buch lesen und danach ins Museum gehen.
Ich finde das übrigens ein schöne Aufforderung. Auf dem Buchcover seht ihr ein Bild von Spitzweg:

Entspannte Mittagspause und wen entdeckte ich?
Walter! Findet ihr ihn?

Lange Signierschlangen gab es auch an diesem Tag. Ist es nicht schön, die Wartezeit lesend zu verbringen? Auch zu zweit in einem Buch zu lesen ist toll:

Ebenso toll, mitten auf dem Innenhof sitzt eine Buchliebhaberin, ganz versunken in ihr Buch:

(Danke für eure Zustimmung, dass ich die Fotos hier teilen darf.)

Auf der Buchmesse werden unendlich viele Geschichten erzählt. Passend, dass auf dem Innenhof ein Geschichtenerzähler anzutreffen war:

Ich bin für mehr Geschichten und weniger Güterkonsum:

Auf der ARD-Bühne war Bärbel Schäfer im Gespräch mit Judith Holofernes zu deren aktuellem Buch „Die Träume anderer Leute“. In diesem autobiografischen Roman beschreibt die ehemalige Leadsängerin der Band „Wir sind Helden“ über die Dynamik in der Musikbranche, ihre Zeit nach den Helden, ihr Soloprojekt, sie schreibt über Krisen und Träume. Judith Holofernes erzählt davon, wie sie sich aus den kommerziellen Zwängen des Musikbetriebs befreite und zu der Künstlerin wurde, die sie schon lange sein wollte und damit ihr Leben zurückbekam.

Jetzt erlebte ich Biyon Kattilathu (links im Bild) im Gespräch mit einem Verlagsmitarbeiter zu seinem Buch „Komm mit auf einen Spaziergang zu dir selbst. Eine magische Reise zu mehr Achtsamkeit, Selbstliebe und Glück“.
Hier zeigten sie den Ansatz vom „tun haben sein“ hin zum „sein tun und haben“:

„Was vom Herzen kommt, geht auch ins Herz“, so Biyon Kattilathu. Weitere Sätze von ihm, die ich gerne hier teile: „Mal gewinnst du, mal lernst du“, „Denn das ist so wichtig sich auszuruhen“ und „Große Menschen reden über Träume und Visionen, normale Menschen reden über Sachen und kleine Menschen reden über andere Menschen.“
Spontan sangen die beiden auch und es wurden Fragen aus dem Publikum ausführlich beantwortet.

Eine Litfaßsäule zeigte Plakate, die von Besucher*innen gestaltet wurden. Diese Mitmachaktionen sind immer wieder auf der Buchmesse anzutreffen:

Überall sind prominente Menschen anzutreffen, wie hier Ulrich Wickert zu seinem Buch „Die Schatten von Paris“:

Schön ist es auch, Bücher zu entdecken, bei denen Menschen mitgewirkt haben die ich kenne, wie hier bei dem Buch „Die Spinner:innen“ (An dieser Stelle einen besonderen Gruß an dich, liebe Nanni):

Zum Abschluss des heutigen Tages ging es nochmal in den Spanien-Pavillon. Ich nahm auf dem Stuhl „Die Dichterin“ Platz und lauschte den Gedichten in spanischer Sprache:

Ich finde lesende Menschen wunderbar. Wie hier Gerlinde, die in ein Buch vertieft, mein Fotografinnenauge ansprach:

Wir kamen ins Gespräch und Gerlinde sagte, Lesen beschwinge und dass sie sich über die Übersetzungen freue. Wie schön, passen ihre Worte doch genau zu dem Motto der Buchmesse: „Translate. Transfer. Transform“.

Fasziniert lauschte ich der spanischen Performance „Ttukunak“. Wunderbar, ausdrucksstark und deutlich, dass auch Musik Geschichten und Gefühle erzählt:

Auch diesen Satz hob ich auf, den ich am Abend von einem Besucher hörte: „Ich habe so viel zu lesen, herrlich!“

Wieder fühle ich mich reich beschenkt und grüße euch herzlich aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – 3. Tag, Teil 2

Gestern Abend besuchten wir die ARD- Radiokulturnacht der Bücher. Ein reichhaltiges buntes Programm in der schönen Atmosphäre des hr-Sendesaals, das live übertragen wurde.
Catherine Mundt und Christoph Schröder führten durch den Abend:

Hier seht ihr Karin Duve zu ihrem Buch „Sisi“:

Eva Demski und ihr Buch „Mein anarchistisches Album“:

Lukas Bärfuss zu seinem Buch „Vaters Kiste“:

Der Abend war in vier Blöcke aufgeteilt und Vince Ebert las nach jedem Block aus seinem Buch „Lichtblick statt Blackout“.
Weiter ging es mit den Gesprächen und Buchvorstellungen von Jasmin Schreiber zu ihrem Buch „Biodiversität“:

Juri Andruschowytsch mit seinem Buch „Radionacht“:

Karl Schlögl zu seinem Buch „Entscheidung in Kiew“:

Mithu Sanyal und ihr Buch „Über Emily Bronte“:

Nach jedem Block sorgte die Band Gramophoniacs für tolle musikalische Unterhaltung:

Thersesia Enzenberger und ihr Buch „Auf See“:

Michael Friedmann mit seinem sehr persönlichen Buch „Fremd“:

Der Buchpreisträger Kim de l’Horizon und sein Buch „Blutbuch“:

Die spanische Autorin Elvira Sastre (mittig) mit ihrem Buch „Die Tage ohne dich“, links die Übersetzerin:

Im letzten Block erlebten wir Dörte Hansen zu ihrem Buch „Zur See“:

Ulrike Herrmann und ihr Buch „Das Ende des Kapitalismus“:

Und Joshua Groß zu seinem Buch „Prana Extrem“:

Der Abend schenkte ein vielfältiges Programm und es stehen wieder neue Bücher auf meiner Wunschliste.
Da alle guten Dinge drei sind, möchte ich drei Sätze des gestrigen Abends mit euch teilen, die ich zum Aufheben schön finde:

„Sage nie, du kannst nichts tun“, so Michael Friedmann.
„Was du auch tust, finde den Herzschlag darin“, sagte die spanische Autorin Elvira Sastreu.
„Ich werde ab Montag jeden Tag eine Dreiviertelstunde lesen, egal was kommt“, so ein Besucher der Buchnacht.

Hiermit grüße ich euch herzlich aus Frankfurt,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – 3 Tag

Mein erster Weg führte mich heute durch die Hallen. Heute ist die Buchmesse für das Publikum geöffnet und bereits am Morgen waren die Hallen gut gefüllt. Gleichzeitig ist ausreichend Platz in den breit angelegten Gängen:

Buchliebhaber*innen jeden Alters sind vorhanden:

Ich erlebte Stefanie Stahl, die von Bärbel Schäfer zu ihrem neuen Buch „Wer wir sind. Wie wir wahrnehmen, fühlen und lieben – Alles, was Sie über Psychologie wissen sollten“ interviewt wurde. Viele kennen Stefanie Stahl sicherlich von ihrem bekannten Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden.“ In ihrem aktuellen Buch geht es ihr darum, dass wir Menschen zu unserem authentischen Selbst finden. „Die frohe Botschaft ist, es ist gar nicht so schwierig,“ so Stefanie Stahl und „wenn wir das gefunden haben, dann können wir uns gut auf alles Leben da draußen konzentrieren“.

Richard David Precht und Harald Welzer diskutierten mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier und dem Moderator Daniel Bohns zu ihrem aktuellen Buch „Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“. Ein Buch, das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird. Precht und Welzer beschreiben ihr Buch als eine Aufforderung zum Diskurs. Eine sehr spannende lebendige Diskussion fand hier auf der Bühne statt mit unterschiedlichen Meinungen. Auch das Publikum wurde einbezogen und stellte abschließend Fragen. Auch das ist Buchmesse: Diskussionen und Auseinandersetzung und wo kämen wir hin, wenn wir keine Diskussionen hätten.

Ist das nicht bezaubernd? Mit Büchern träumen, ein schönes Bild an einem Stand:

Halt machte ich auch bei dem Stand „Buchkinder Leipzig e.V.“ , eine Buch- und Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Bei Buchkinder entwickeln Jungen und Mädchen ihre Geschichten zu eigenen Büchern. Die Kinder schreiben ihre Ideen auf, illustrieren, setzen und drucken sie und finden sie später gebunden zwischen Buchdeckeln vorliegen. Wunderbar!

Jetzt erlebte ich Elke Heidenreich im Gespräch mit Bärbel Schäfer. In ihrem Buch „Ihr glücklichen Augen: Kurze Geschichten zu weiten Reisen“ schreibt Elke Heidenreich darüber, wie sie ganz ohne Reiseführer gereist ist, in die Nähe und Ferne und sich dabei von ihrer Neugierde leiten ließ.
„Herz aufmachen und gucken“ , so sagte sie, sei ihre Art zu reisen. „Man muss darauf vertrauen, dass die Menschen im Kern gut sind“ und sie spüre beim Reisen „eine Verbundenheit mit allen.“ Ein schönes und humorvolles Gespräch und ein Buch, das meine Leselust weckt:

Nun erlebte ich Serhij Zhadan, der Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Cecile Schortmann war im Gespräch mit ihm und die Übersetzerin übertrug ihn ins Deutsche.
Serhij Zhadan ist ukrainischer Schriftsteller und Musiker und lebt in Charkiw, 40 km von der russischen Grenze entfernt. Seit 2014 schreibt er Posts über die Situation im Donbas. Diese Posts in den sozialen Netzwerken sprechen den Ukrainern Mut zu. In dem Buch „Himmel über Charkiw. Nachrichten vom Überleben im Krieg“ sind diese Posts chronologisch aufgezeigt.

„Der Himmel ist der Ort der Hoffnung und gleichzeitig auch ein Ort, von dem eine große Bedrohung ausgeht.“, so Zhadan. Er selbst habe sich entschieden nicht zur Waffe zu greifen und sei anders wirksam. Er ist ehrenamtlich tätig und hilft Bedürftigen vor Ort, so evakuiert er Kinder und alte Leute aus den Vororten, verteilt Lebensmittel, koordiniert Lieferungen und gibt Konzerte. Es wurde ein kurzer Film über sein Wirken in Charkiw gezeigt. Auch las er eines seiner Gedichte vor. „Gedichte und Literatur haben Kraft, auch im Krieg“, so Zedhan.
Er ist für Konzerte und für Veranstaltungen wie der Buchmesse unterwegs, nächste Woche geht er wieder zurück in die Ukraine, weil er dort seinen Platz sieht und weiter vor Ort wirksam sein möchte.
Seine Worte zu hören, empfand ich als sehr berührend. Auch das ist Buchmesse, zu Tränen gerührt sein. Lange gab es Standing Ovation nach diesem Gespräch:

In der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ waren nun die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die Biologin und Schriftstellerin Jasmin Schreiber (deren Bücher ich sehr mag) im Gespräch mit Jagoda Marinic:

Luisa Neubauer hat mit ihrer Großmutter gemeinsam das Buch „Gegen die Ohnmacht“ geschrieben. Jasmin Schreibers aktuelles Buch trägt den Titel „Biodiversität“.
„Ich versuche Menschen zu zeigen, dass die Natur keine Kulisse sondern eine Protagonistin ist“, so Jasmin Schreiber und nannte das Beispiel, wenn wir einen Post auf Instagram mit einem tollen Baum im Hintergrund machen, sollten wir diesen Baum nicht als Kulisse sondern als Lebewesen erleben. Ihr Buch ist „George“ gewidmet, einer Schnecke, die die letzte ihrer Art war, seit 2019 ist diese Schneckenart (deren komplizierter Name ich mir nicht merken konnte) ausgestorben. „Endling“ werden die letzten Tiere ihrer Art genannt.
Luisas Großmutter war nicht mit auf der Buchmesse, doch sie sei im Buch zu lesen und zu spüren, so die Moderatorin. Ein Foto von der Großmutter wurde eingeblendet:

Tolle Antworten gaben sowohl Luisa Neubauer als auch Jasmin Schreiber und beide leisten viel für die Gesellschaft, wie ich finde. Luisa Neubauer, die selbst politisch tätig ist, machte deutlich, dass es nicht ohne Widerstand gehe, da die Politik an vielen Stellen versage. Zu Fridays for Future sagte sie: „Uns müsste es eigentlich gar nicht geben.“ Und sie schenkte den guten Satz. „Hoffnung kommt von Handeln.“
Hier seht ihr Luisa Neubauer und Jasmin Schreiber mit ihren spontan getauschten Büchern:

Und Selfie-Freude:

In dem Innenhof befindet sich die Signierbox und hier seht ihr Elke Heidenreich darin:

Ein schöner Mitmachstand im Innenhof, bei dem die Besucher* innen Taschen gestalten können:

Für alle Altersstufen sind „Stars und Sternchen“ dabei, hier Cali Kessy, ein Foto für meine liebe Nichte, die sie mag:

Danach war ich bei dem ARTE Talk – „Sex und Macht“. Die Moderatorin Shila Behjat war im Gespräch mit Carel van Schaik („Die Wahrheit über Eva. Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern“) und Mithu Sanyal (der ich sehr gerne zuhöre und sympathisch finde ich zudem, dass sie ihre Schuhe abstreifte):

Eine sehr interessante und gute Diskussion mit einem hoffnungsvollen Blick fand hier statt. Diese Diskussion gehört zur ARTE-Serie „Naked: Männer, Frauen und noch viel mehr“, es ist eine Serie die sechs Folgen zu den Themen Sexualität und Geschlechterrollen in Vergangenheit Gegenwart und Zukunft umfasst, die ab dem 2. November auf Arte zu sehen ist. Gewiss sehr sehenswert. Ein gezeigter Trailer hierzu sprach mich sehr an.

Diese lange Warteschlange galt Vanessa Mai und ihrem Buch, das sie signierte:

Hier hier seht ihr Stephanie Schneider, die den deutschen Kinderbuchpreis 2022 für ihr Buch „Grimm und Möhrchen – ein Zesel zieht ein“ erhalten hat und mit der ich ein kurzes „Flurgespräch“ führen konnte:

Und überall viele ästhetisch schöne Bücher:

Im Frankfurt Pavilion erlebte ich ein Teil der ukrainischen Performance „Fokstroty“ mit Serhij Zhadan (dem Friedenspreisträger), Yuriy Gurzky und Lyula Yakomchuch.

Musik und Tanz, ja das ist immer wichtig, auch wenn das Thema Krieg vorhanden ist. Mir taten diese Klänge sehr gut.

Hier seht ihr den Erbauer des Frankfurt Pavilions. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Für ihn ist es wunderbar zu sehen wie dieser Raum gefüllt wird, besonders heute Abend zu diesem Anlass, wie er sagte:

Abends besuchten wir die ARD-Radiokukturnacht der Bücher, von der ich euch Morgen in Teil 2 berichte.
Ein Tag auf der Buchmesse Frankfurt, mit vielen guten Büchern, tollen Diskussionen, vielen Anregungen und ich fühle mich sehr reich beschenkt.

Bücherliebende Grüße aus Frankfurt,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – 2. Tag

Ein weiterer Tag auf der Frankfurter Buchmesse.
Meine erste Veranstaltung führte mich zur „Pressekonferenz Ehrengast 2023 Slowenien“. Slowenien, das im nächsten Jahr das Gastland der Buchmesse sein wird, hat das Motto „Waben der Worte“ gewählt. Worte der Literaten und Dichtenden, die in die Welt hinausfliegen werden. Wir hörten Reden von Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse, von der slowenischen Kulturministerin Asta Vrečko und dem slowenischen Kurator Miha Kovač. In der anschließenden Gesprächsrunde wurden die Autorinnen und Autoren Peter Svetina, Nataša Kramberger, Erwin Koester und Ana Marwan von Katja Gasser interviewt. Slowenien ist ein kleines Land, das gemessen an der Einwohnerzahl eine große kulturelle Vielfalt aufweist und ich freue mich auf dieses Gastland im nächsten Jahr.

Nun freute ich mich auf Maja Göpel, die auf dem Blauen Sofa zu ihrem Buch „Wir können auch anders. Aufbruch in die Welt von Morgen“ interviewt wurde. Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, systemisch zu denken. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse verdeutlicht sie in ihrem Buch, wie wir komplexe Entwicklungen verstehen und dieses Wissen für eine bessere Welt nutzen können. Strukturwandel betrachtet sie als eine Chance. Es sei Zeit, dass wir uns als Einzelne und auch als Gesellschaft erlauben, neu zu denken, zu träumen und die Frage zu stellen, wer wir sein wollen. „Je nachdem welche Entscheidung wir treffen, können unterschiedliche Zukünfte entstehen.“, so Maja Göpel. Ein Buch, das Mut auf den notwendigen Transformationsprozess macht und betont, dass wir aktive Gestalterinnen und Gestalter sein können.

Auf der ARD-Bühne erlebte ich Denis Scheck, der gewohnt temporeich und humorvoll einige Bücher vorstellte. So empfahl er etwa „Über die See“ von Mariette Navarro, für alle Krimifans „Alibi für einen König“ von Josephine Tey“, weiterhin die Romanbiografie „Mildred: Die Geschichte der Mildred Harnack und ihres leidenschaftlichen Widerstands gegen Hitler“, das Sachbuch des Jahres „Die Hohenzollern und die Nazis: Geschichte einer Kollaboration“ von Stephan Malinowski und das Buch „Die Heldin reist“ von Doris Dörrie, das nun auch auf meiner Wunschliste steht.

Hiernach ging ich zum Congress Center auf der Frankfurter Buchmesse. Es war angekündigt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi per Videobotschaft zur Buchbranche sprechen werde. Er wurde auf gemeinsame Einladung der Frankfurter Buchmesse und des Europäischen Verlegerverbandes hierzu eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung sprachen Peter Kraus vom Cleff (Präsident der FEP und Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Oleksandr Afonin (Präsident Ukrainian Publishers and Booksellers Association) und Jesús Badenes del Río (CEO, Grupo Planeta).

Peter Krauss von Cleff erzählte in seiner Begrüßungsrede, dass das Gespräch mit Selenskyi gestern Abend aufgezeichnet wurde. Er und vermutlich alle im Saal waren sichtlich berührt, auch in Anbetracht der aktuellen Energieversorgungsprobleme in der Ukraine.

In seiner Videobotschaft rief Selenskyi dazu auf, Wissen weiterzugeben „Knowledge to the people, that is the answer“, also das Wissen sei die Antwort. Die Rede ist in voller Länge auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse zu hören.

Nach seiner Rede standen die Menschen spürbar berührt auf und applaudierten:

Ukraine ist ein Thema, auf das hier auf der Buchmesse ein großer Fokus gelegt wird.
Nach dieser Veranstaltung ging ich zum ukrainischen Stand. Hier finden viele Diskussionsrunden statt:

Neben dem Thema Krieg sind auch poetische und literarische Bücher zu finden und dass auch das nicht untergeht, finde ich bedeutsam.

Bilder von ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern sind zu sehen, die sich mit dem Thema Krieg beschäftigten und ebenso mit der ukrainischen Kultur:

Auch diese Bilder berührten mich.

Andere Stände zeigen auch Solidarität mit der Ukraine:

In dieser Halle ist auch der Gutenberg Stand zu finden, bei dem Besucher*innen kreativ sein können und der alljährlich zur Buchmesse dazugehört:

Hier seht ihr Joni Majer und Birte Speuer, die zu ihrem Buch „worklove. Ein Fragebuch. Von der Liebe zur Arbeit – und der Arbeit an der Liebe“, erzählten. Es ist im schönen Verlag Hermann Schmidt verlegt, von dem ich gestern schon schrieb. Sie erzählten, wie ihr Buch entstanden ist, ein Prozess der vier Jahre gedauert habe. Bist du neugierig? Wovon willst du dich befreien? Wo wirst du nicht beurteilt?, sind einige der unzähligen Fragen in diesem Buch.
Wenn ich – die ich Fragen sehr mag – das Buch nicht schon hätte, hätte ich es mir nun gekauft.

Zur Preisverleihung „Das Lieblingsbuch der Unabhängigen 2022“ gehe ich jedes Jahr sehr gerne. Schon viele wunderbare Bücher habe ich hierüber kennenlernen können. Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren die Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig moderierte die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden und … ihr ahnt es… auch diese Bücher stehen nun auf meiner Wunschliste:

Mit Spannung wurde nun bekannt gegeben wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist.
Gewonnen hat Bonnie Garmus mit ihrem Buch „Eine Frage der Chemie“. Ein Buch, das nach Erfahrung der Buchhändler*innen viele Leser*innen lieben und das sogar weltweit.
Felicitas von Lovenberg vom Piper Verlag nahm den Preis entgegen:

Bonnie Garmus selbst konnte nicht anwesend sein, doch ihr seht sie hier:

Wie gut, dass wir Übersetzerinnen und Übersetzer haben, sonst hätte dieses sicherlich wunderbare Buch nicht zu uns nach Deutschland gefunden. „Eine Frage der Chemie ist ein Buch des Buchhandels und ein Erfolg des Buchhandels, nicht von Amazon.“, sagte Felicitas von Lovenberg und sie sagte, das mache Mut. Dem stimmt ich zu, denn ihr wisst ja, kauft nicht beim sogenannten „Riesen“, sondern beim Buchhandel vor Ort.
Die Verlegerin betonte zudem, wie großartig alle nominierten Bücher seien.
Ist es nicht wunderbar, dass die im Jahr 1957 geborene Bonnie Garmus mit diesem Buch ihr Erstlingswerk geschrieben hat? Auch das macht Mut, es ist nie zu spät zu schreiben. Wer von euch also schreiben möchte, schreibt, egal wie jung oder wie alt ihr seid.
Übersetzt haben den Roman Klaus Timmermann und Ulrike Wasel, die im Übrigen auch das wundervolle Buch von Delia Owens „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzten.
Und noch ein Abschlussbild dieser schönen Veranstaltung:

Ich ging Stände entlang, entdeckte ansprechende Titel:

Und ich setzte mich ins schon vertraue Pressezentrum, um zu schreiben und ging schließlich wieder hinunter zur ARD Bühne. Hier erlebte ich Bärbel Schäfer – die ich alljährlich hier als tolle Moderatorin erlebe – im Bücher-Talk mit Luzia Braun, zu deren Buch „Sich sehen“:

In diesem Buch haben Luzia Braun und Ursula März mit neunzehn verschiedenen Menschen über eigene und fremde Gesichter gesprochen. Neunzehn Geschichten von Prominenten und nicht prominenten Personen und ganz unterschiedlichen Blickwinkeln über das Gesicht. Ein Boxer, Modemacher, Dermatologin, Zwilling, Transgender, Philosoph, Bestatter, Schriftstellerin oder jemand, dessen Gesicht sich radikal veränderte, sie alle wurden befragt und teilen mit großer Offenheit ihre Sichtweisen zu dem Gesicht als Spiegel der Seele in diesem Buch. Ich finde, das klingt sehr interessant und spannend. Ja, ihr ahnt es, meine Wunschliste wird länger und länger…

Eine Nachricht auf meinem Handy ließ mich eine Pause machen und ein Wiedersehen mit einem lieben Menschen aus der Heimat erleben. (Solltest du hier lesen, liebe C., schön, dass wir uns getroffen haben.)

Im Spanischen Pavillon erlebte ich die „Umarmung“ (ihr erinnert euch? So heißt die Sitzgelegenheit), anders als bei der Eröffnung Dienstag nun gut „besessen“:

Hier hörte ich den Abschluss der Veranstaltung „Musik und Literatur“, wunderbarer Gesang und Klänge, zum Eintauchen schön:

Am Abend fand die Veranstaltung „Bookfest extra: Donna Leon“ statt. Shelly Kupferberg im Gespräch mit Donna Leon:

Donna Leon selbst las aus ihrem aktuellen Buch „Mein Leben in Geschichten“ in Englisch und mit sehr belebter stimmungsreichen Stimme vor. Wolfram Koch las ihre Geschichten in Deutsch vor:

Fragen wie: Wo hat Donna Leon ihren Namen her? Womit hat sie ihr Geld verdient, bevor sie aus Wörtern Geschichten machte? Wie lebt es ich mit einer kriminellen Energie? wurden von Donna Leon beantwortet. Es wurde deutlich, dass Donna Leon eine Frau ist, die viel erlebt hat, in Amerika, dem Iran, in Saudi-Arabien, Italien wie in der Schweiz. Eine Jugend auf der Farm, eine Pyiamaparty im Iran, Geldnot und Wundern in den Bergen, ein reichhaltiges Leben wohnt in ihr. Und definitiv auch viel Humor, das zeigte sie bei diesem BOOKFEST.

So ging ein weiterer Buchmessentag für mich zu Ende mit Vielfalt, Inspiration, guten Begegnungen, hilfsbereiten Menschen (Wo finden wir zum Saal Illusion?), berührenden Momenten und ebenso mit Humor. Bunt wie das Leben selbst.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

PS. Wenn ihr wissen wollt, von wo aus ich diesen Bericht gerade schreibe. Von der Lobby des Hotels Maritim aus, das sich direkt neben dem Messegelände befindet. Nein, hier bin ich nicht untergebracht, hier warte ich auf meinen Mann, der im Zug sitzt und gleich hier am Messegelände ankommen wird.

Frankfurter Buchmesse 2022 – 1. Tag

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der 1. Tag der Frankfurter Buchmesse, der für das Fachpublikum geöffnet ist. Ab Freitag ist die Buchmesse für Privatbesucher*innen geöffnet.
Bereits heute war die Buchmesse gut besucht, es war deutlich voller als im vergangenen Jahr, was die Buchbranche freuen wird.
Insgesamt werden 4000 Aussteller aus 95 Ländern hier erwartet. Die Frankfurter Buchmesse ist spürbar zurück mit all ihrer Buchliebe und Buchbegeisterung.
Meine erster Weg führte mich zur ARD Bühne zu der Veranstaltung „Klima Panel“. Hier wurde der Frage nachgegangen „Der Klimawandel ist überall spürbar. Wie wird er in der Literatur verarbeitet?“
Günther Wessel (Sachbuch „Klimakrise“), die Psychologin und bei Scientist for Future tätige Katharina van Bronswijk (Sachbuch „Klima im Kopf. Angst, Wut, Hoffnung: Was die ökologische Krise mit uns macht“) und Leona Stahlmann (Roman „Diese ganzen belanglosen Wunder“) wurden von Katharina Borchardt hierzu interviewt.

„Dass unser Leben sich ändern muss, das wissen wir alle, wir müssen uns überlegen, wollen wir Teil des Problems oder Teil der Lösung sein.“, so Günther Wessel. „Wenn wir es schaffen, die Wut konstruktiv in Handlungen umzusetzen, so ist das ein guter Weg“,“ äußerte Katharina van Bronswijk.
Trotz der schwierigen Thematik sind die beiden Sachbücher leicht zu lesen und kommen ohne erhobenen Zeigefinger aus. Leona Stahlmann las aus ihrem Roman vor und wir lauschten der schönen fließenden Sprache. Alle drei Bücher stehen nun auf meiner Wunschliste.
„Das entdecken von Schönheit kann dazu führen, dass wir diese Welt erhalten“, so Leona Stahlmann in einem der vielen aufhebenswerten Sätze.
„Ich wünsche viel Angst aber vor allem auch viel Mut und Hoffnung und gute Lektüre.“, so die Moderatorin Katharina Borchardt zum Abschluss dieser guten Gesprächsrunde.

Als ich den Innenhof, die Agora betraf, entdeckte ich König Felipe IV und Königin Letizia und unbeabsichtigt war ich mittendrin und ging in den royalen Spuren:

Winken zum Abschied:

Und begleitet von einer Polizeikolonne fuhr das Königspaar davon:

Die Grünen Politikerin und Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth und die Moderatorin Bärbel Schäfer seht ihr hier, leider ist das Foto etwas verschwommen, doch die beiden netten Frauen strahlen so von innen, da macht das nichts, wie ich finde:

Gute Botschaften zu unseren Füßen:

Kunsttafeln gibt es diesmal viele auf dem Innenhof, der Agora:

Auch weitere Kunst ließ mich innehalten:

Ein Blick von oben auf die Agora:

Danach war ich bei der Diskussionsrunde „Iran – wo lang? Der Aufstand gegen das Mullah-Regime und was der Rest der Welt tun kann“ von der PEN Berlin in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse. Doris Akrap (links) im Gespräch mit Deniz Yücel, Behzad Karim Khani, Omid Nouripour, Cinur Ghaderi und Natalie Amiri:

Der Tod der iranischen 22-jährigen Masha Amini vor wenigen Wochen hat diese Veranstaltung ins Leben gerufen. Auch in vielen anderen Veranstaltungen taucht das Thema Iran und die Proteste auf. Es wurde deutlich, dass die Themen Iran, Ukraine, Russland, Energiekrise nicht separat zu betrachten sind. Eine sehr interessante und wichtige Diskussionsrunde, wie ich finde. In diesem Frankfurt Pavilion wurde im wahrsten Sinne des Wortes auch Flagge gezeigt:

Weiter ging es für mich durch die Hallen. Hier seht ihr Jan Faktor, der zu seinem Buch „Trottel“ interviewt wurde, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 stand. Es handelt sich um einen autobiografischen Schelmenroman oder wie der Autor selbst bei dem Interview so amüsant sagte: „Im Trottel-Roman ist viel mehr erlaubt, das kann ich nur empfehlen, eine neue Gattung.“ Jan Faktor behandelt in seinem Buch auch ein ernstes Thema, denn sein Sohn, der psychisch krank war, nahm sich vor zehn Jahren das Leben. Trotz dieses Themas ist das Buch reich an Humor. Der Moderator schloss das Interview mit den Worten: „Dieses Buch ist ein Abenteuer, lesen Sie es, Sie werden reich belohnt.“

Bei dem Gang durch die Hallen entdeckte ich bekannte Verlage und Lieblingsbücher:

Und ein weiterer meiner Lieblingsverlage, der Hermann Schmidt Verlag, der wunderbare Bücher verlegt, die wie eine Schatzkiste sind:

Lieblingssänger – zumindest in Buchform – entdeckte ich hier auch:

Und neue Bücher und für mich neue Verlage. Das Buch „Alltags for Future“ gibt Anregungen für einen ökologischen Tagesablauf von morgens bis zum Abend:

Wichtig und schön, dass große wie kleine Verlage hier Raum haben.

Ein Wiedersehen mit Kasia Lewandowska, jedes Jahr besuche ich ihren Stand und wir freuen uns, uns wiederzusehen. Auch dieses Jahr zeigt sie in ihren Kunstwerken und -büchern wieder viel Hoffnung, Wärme und Licht:

Hiernach besuchte ich die Veranstaltung der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ „Wir – für Alt und Jung!“, bei der Livia Gerster zu ihrem Buch „Die Neuen“ und Ananda Klar zu ihrem Buch „Nehmt uns endlich ernst!“ von Jagoda Marinic interviewt wurden. In dem Gespräch ging es darum, dass sich junge Menschen in der Politik oft nicht gehört fühlen und die Frage, ob sich das mit dem Generationswechsel im Bundestag ändere.
Ananda Klar kritisierte in dem Gespräch, die politisch kürzlich getroffene Entscheidung, dass das Dorf Lützerath wegen der Braunkohle abgebaggert werden soll. Lützerath ist nur wenige km von meinem Heimatort entfernt und die Wachsamkeit für diese Thematik ist nicht nur in meiner Heimat, sondern auch hier in Frankfurt spürbar.

Mit einer Frau neben mir kam ich ins Gespräch und auch das ist typisch für die Frankfurter Buchmesse, Austausch und Begegnungen.

Schön sind die vielen spanischen Worte, die hier immer wieder auf den Gängen oder an Ständen auftauchen. Da Spanien das Gastland ist, wie ich gestern berichtete, sind hier viele Spanierinnen und Spanier anzutreffen. Auch viele andere Nationalitäten sind vertreten und dieses bunte Miteinander ist eine weitere der schönen Seiten der Frankfurter Buchmesse. Wie gut passt da auch das Thema der Buchmesse „Übersetzungen“ bzw. „Translate, Transfer, Transform“. Sicherlich geht es euch wie mir, wir erweitern unseren Horizont auch über Literatur, die übersetzt wurde und indem wir so von anderen Menschen erfahren und voneinander lernen.

Eine Neuheit bzw. eine der Neuheiten der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist das Awareness-Team, eine Unterstützungsstelle für Diskriminierungsfälle:

Hier seht ihr Daniela Dröscher, die zu ihrem Buch „Lügen über meine Mutter“ von Cecile Schortmann interviewt wurde. Auch dieses Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022. Ein Buch, das autobiografische Züge trägt. Die Protagonistin des Buches, Ella, hat eine Mutter, die der Vater viel zu dick findet und der sie massiv unter Druck setzt, abzunehmen. Daniela Dröscher sagte, sie schreibe nie aus Wut oder Anklage, sondern um zu verstehen. Sie las aus dem sicherlich lesenswerten Buch mit ihrer angenehmen Vorlesestimme:

Viele gute Bücher werden hier vorgestellt und ich bin mir bewusst, dass ich euch viele wunderbare Bücher gar nicht vorstellen kann und ich nicht alle Buchpräsentationen besuchen kann. Wie jedes Jahr, schenkt mein Bericht eine kleine Auswahl an Buchvorstellungen und allgemeinen Messeeindrücken. Ich hoffe, dass die Bücher in den nächsten Wochen und Jahren zu uns finden werden, die uns finden möchte.

Nun besuchte ich die „Julius-Campe-Preisverleihung“, die dieses Jahr die Buchmesse Frankfurt erhält. Sie erhält diesen Preis, da sie für Vielfalt und Freiheit der Literatur und für den Wert des Lesens steht.

Claudia Roth hielt die Laudatio, dabei tauchten die guten Worte auf: „Der Preis steht für all das, was Putin mit seinem verbrecherischen Krieg gegen die Ukraine bekämpft. Sie steht für die Freiheit, für die Freiheit der Literatur, für die Freiheit der Rede, die Freiheit der Kultur, mit anderen Worten für die Demokratie und damit für die Menschen. Worte berühren uns, sie inspieren, sie laden zum Träumen ein, ermöglichen Verständnis und Kenntnis und deshalb brauchen wir Literatur. Sie ist ohne jeden Zweifel Grundnahrungsmittel in unserer Demokratie.“

Tim Jung vom Hoffmann und Campe Verlag und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bei der Übergabe der Urkunde:

Was machte ich danach?
Mich ins Pressezentrum setzen und diesen Bericht schreiben. Hier oben ist Ruhe, Internetanschluss, Kaffee:

Zudem leckere Äpfel:

Und immer freundliche Mitarbeiter*innen im Pressezentrum:

Inzwischen im Hotelzimmer zurück, grüße ich euch nach einem weiteren inspirierenden Messetag aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Eröffnung

Die 74. Frankfurter Buchmesse wurde heute eröffnet. Ich freue mich sehr, hier vor Ort zu sein und euch von der weltweit größten Buchmesse zu berichten.
Es begann mit der Eröffnungspressekonferenz:

Hier seht ihr links Juergen Boos, den Direktor der Frankfurter Buchmesse, daneben Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und den britisch-pakistanischen Schriftsteller, Mohsin Hamid, der eine beeindruckende Rede hielt:

Juergen Boos appellierte an die Buchbranche, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein sichtbares Gegengewicht zu spalterischen, antidemokratischen und diskriminierenden Tendenzen zu schaffen. Karin Schmidt-Friderichs äußerte sich: „In einer Welt, in der zwischen politischen, kulturellen und ideologischen Haltungen immer tiefere Gräben entstehen, schafft die Buchmesse Raum für den friedlichen, demokratischen Austausch.“ Auch diesen guten Satz von ihr hob ich auf: „Wir reden hier miteinander und nicht übereinander.“

Nach diesen guten Reden ging es zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons, in dem der Presserundgang stattfand. In diesem Jahr ist Spanien unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“ das Gastland der Buchmesse. Traditionell bekommt das Gastland der Frankfurter Buchmesse einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon -, den es mit eigenen Ideen und Botschaften füllt und einen Eindruck von der Literatur- und Kulturlandschaft schenkt. Diesen Raum finde ich jedes Jahr besonders interessant, da er immer sehr individuell gestaltet wird.
Der Spanische Pavillon ist ein interaktiver Raum und gerne teile ich hier Einrücke mit euch.
Wir erhielten viele Informationen beim Presserundgang:

Dazu gab es Lachen und Freude, zum Beispiel bei der „Übersetzerin“, ein Monitor, der hier gerade bedient wird. In diesem Gerät werden spanische und deutsche Ausdrücke gesammelt, die sich so gut wie nicht übersetzen lassen. Bei der Vorführung tauchte das deutsche Wort „Sitzfleisch“ auf, das der spanischen Mentalität wahrlich fremd ist:

Hier seht ihr „Die Dichterin“. Wenn jemand auf dem Stuhl Platz nimmt, ertönen Verse auf spanisch, katalanisch, baskisch oder galicisch. Ein Stuhl, der zum Innehalten einlädt. Wer die Sprache nicht kennt, lauscht dem schönen Klang:

Bei „Der Dolmetscherin“ lädt ein Mikrofon ein, ein Wort – etwa ein Lieblingswort – zu sprechen. Dieses verwandelt sich auf der Leinwand in farbige Muster. Welche Wörter hier wohl in den nächsten Tagen gesprochen und verwandelt werden?

Das Gedicht „Leben“ von Paula Romero ist auf dieser Installation zu lesen:

Wörter, die in dem Pavillon gesprochen werden, erscheinen auf dieser Wand:

Natürlich darf eines nicht fehlen: Bücher. Eine große Bücherwand mit Sitzgelegenheiten davor lädt ein. Sie trägt den schönen Namen „Umarmung“. Dieses Sofa soll ein Ort der Begegnung sein, der die unsichtbare Umarmung zwischen Autor*innen und Leser*innen darstellt:

Die spanische Organisation ONCE ermöglicht blinden Menschen zu lesen in Blindenschrift, Reliefschrift oder in 3D und zeigt fühlbare Bücher. Ein 3Drucker ist hier vorhanden und ich ließ mir das Wort „Freude“ ausdrucken:

Ein weiterer Eindruck dieses stimmungsvollen Pavillons:

Eine weitere Ecke in dem Pavillon lud ein und hier einzutreten ist ein besonderer Genuss. Die auftauchenden Worte, Klänge und Lichtspiele wirken zauberhaft schön. Nach dem Presserundgang saß ich hier noch eine ganze Weile und fühlte mich, als badete ich in Wörtern. Was ein genussvolles Bad:

Noch war das Café in diesem Raum leer, das wird sich sicherlich in den nächsten Tagen ändern:

In diesem schönen Raum habe ich begonnen, meinen heutigen Bericht zu schreiben, umgeben von den angenehmen Klängen. Sagte ich schon, wie sehr ich die Buchmesse mag?
Ich hätte ewig hier bleiben können, doch irgendwann ging ich wieder hinaus.
Auch diese Bühne wird sicherlich in den nächsten Tagen nicht mehr so leer zu finden sein:

Schon war es später Nachmittag und ich konnte an der feierlichen Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse teilnehmen. Einige Fotos und Eindrücke teile ich hier gerne.
Der spanische König Felipe IV und die spanische Königin Letizia wurden gebührend empfangen und sie nahmen Platz:

„Translate, Transfer, Transform“ ist das Motto der diesjährigen Buchmesse und die Bedeutung der Übersetzung wurde in vielen guten Gesprächen und Reden deutlich:

Vertonung spanischer Gedichte waren von der spanischen Sängerin Silvia Perez Cruz zu hören:

Frank Walter Steinmeier:

König Felipe IV, nun auf der Bühne:

Auf der Bühne dürfen Autorinnen und Autoren nicht fehlen.
Antonoi Munez Molina:

Irene Vallejo:

Nun wurde mit dem Hammerschlag die Buchmesse von Karin Schmidt-Friderichs offiziell eröffnet:

Nach dieser Feier gab es noch einen Empfang.
Am Abend konnte ich zur Eröffnung von OPEN BOOKS mit dem Blauen Sofa gehen, das städtische Lesefest zur Buchmesse, das alljährlich viele Veranstaltungen in der Stadt bietet.
Cecile Schortmann war im Gespräch mit Kim de l’Horizon.  Kim de l’Horizon hat gestern den Deutschen Buchpreis 2022 für den Roman „Blutbuch“ erhalten, dieser Preis zeichnet den besten deutschsprachigen Roman aus. Kim de l’Horizon sieht sich als non-binäre Person, eine Person, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlt. Gestern bei der Preisverleihung hat Kim de l’Horizon sich in der Dankesrede die Haare abrasiert, um ein Zeichen zu setzten für die Frauen im Iran und für alle Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden. Nun erzählte Kim de l’Horizon zu dieser Geste und vor allem zu dem Roman, der autofiktive Züge trägt. Mit angenehmer Stimme las Kim de l’Horizon aus dem Roman vor, gebannt lauschten die Zuhörer*innen dem sicherlich sehr lesenswerten Buch:

Draußen konnte ich ein paar Worte mit Kim de l’Horizon wechseln und machte gleich ein Foto:

Nun gab es ein Gespräch mit Manja Präkels zu ihrem Buch „Welt im Widerhall oder war das eine Plastiktüte?“ Sie schenkte im Interview den Satz: „Reisen macht das Herz und den Verstand auf.“ Manja Präkels ist eine Dauerbeobachterin der Gesellschaft und rechter Verbrechen. Sie ist für ihre Recherche weit in den Osten Deutschlands gereist. Daraus ist ihr Buch entstanden. In diesem Essay verknüpft sie die Erfahrungen mit eigenen Erinnerungen ihres Aufwachsens im Osten Deutschlands. „Das was geschieht, können alle sehen. In meinen Texten leg ich den Fokus sehr hart darauf, das macht es vielleicht schwer das auszuhalten, aber ich glaube – das ist mir ein Anliegen – dass es helfen kann, die Sinne der Leserinnen und Leser zu schärfen“, so Manja Präkels in dem guten Gespräch:

Als nächstes wurde Durs Grünbein interviewt zu seinem Gedichtband „Äquidistanz“. Der erste Lyriker bei der Eröffnung der OPEN BOOKS. Wir hörten aus seinem Gedichtband poetisch-historische Lyrik. In Versen zu denken sei das einzige, was er könne, sagte er. Sein Band lade ein, darin zu flanieren, so die Moderatorin, dorthin zu gehen, dort zu verweilen, dorthin zurückzukehren:

Zum Abschluss erlebten wir Jürgen Kaube zu seinem Buch, das er gemeinsam mit Andre Kieserling geschrieben hat „Die gespaltene Gesellschaft“. In diesem Buch sind die beiden Autoren der Frage der gesellschaftlichen Spaltung nachgegangen und geben damit „Orientierung in einer unübersichtlichen Lage“:

Dieses Interview konnte ich nicht mehr bis zu Ende verfolgen, da ich ins Hotel musste, um noch hereinzukommen.
So blicke ich nun, vom Hotelzimmer aus, auf einen sehr erfüllenden Tag der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse zurück.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion