„Das Leben ist ein Abenteuer und Abenteuer ist, ich weiß nicht, was dabei rauskommt.“



Seitdem ich meinen Mann kenne
kenne ich das Wort Langeweile nicht mehr
sagte sie lachend
Sie malen das Leben des anderen an
ohne die eigene Farbe zu verlieren
Sie springen ins Ungewisse
wissen, da ist eine Hand, die hält
Sie vertrauen
dem Neuen
sich
und einander
Das Leben schenkte viele Stationen
An jedem Ort liefen sie barfuß
über Wiesen
pflückten Blumen
sangen bis zu den Sternen
weinten gemeinsam
bauten Hüte aus Papier
stiegen in Brunnen
fanden Lieblingsbänke
und besuchten Marktstände
All das Gestrige in sich tragend
neugierig auf das Morgen
schauen sie dem Heute lachend ins Gesicht
Auch hier wird eine Bank zur Lieblingsbank werden
und ihrem Leben leise zuhören


Christiane hat wieder zu den abc.etüden eingeladen, bei denen es gilt, 3 vorgegebene Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Worte stammen dieses Mal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Die drei Worte lauten: Lautsprecher, orange, erschüttern.
Und hier kommt meine Etüde:
Er schließt die Haustüre auf und stellt seine nassen Schuhe in den Flur. Die wohlige Wärme des Drinnen umgibt ihn. Nach solch einem Spaziergang in der frischen Januarluft, ist ein Tee genau richtig. Er setzt Teewasser auf. Die Katze kommt und streicht um seine Füße. Ihr schwarzes glänzendes Fell bildet einen Kontrast zu seinen orangenen Wollsocken. Er mag Kontraste. Nachdem der Tee genug gezogen hat, setzt er sich auf seine Bank ins Wohnzimmer und schaut hinaus. Tee, der Blick nach draußen, die Frische der Natur noch auf der Haut, die Katze neben ihm auf der Bank, ihr Schnurren beruhigend gut. Das sind Momente, in denen er fest davon überzeugt ist, dass ihn nichts erschüttern kann. Diese Momente braucht es, um all dem standzuhalten, was das Leben hin und wieder fordert. Von ihm und all den anderen 8 Milliarden Menschen da draußen. Der Tee wärmt, sein Duft unvergleichlich gut. Er geht zu seinem Plattenspieler, den er vor Kurzem aus dem Dachspeicher hervorgeholt hat, und legt eine Platte auf. Es gibt Lieder, die begleiten durchs Leben. Der Lautsprecher lässt Töne erklingen, die sich mit seinen Erinnerungen mischen. Er sieht sich tanzen, als 17-jähriger, die Haare lang, der Pulli weit, die Bewegungen suchend, er sieht sich als 25-jähriger, mit dem VW Bus eines Freundes in Frankreich, die Gitarre im Gepäck und diese Töne spielend, er sieht sich als 40-jähriger, die Haare längst kurz, Diagnosen in sich tragend und genau dieses Lied als Trost erlebend, er sieht sich als 60-jähriger, die Kinder groß, das Haar lichter, vieles geschafft und das Lied noch immer an seiner Seite. Nein, er will nicht mehr 17 sein, keine 25, 40 oder 60. Er will das sein, was er ist. Ein Mann, der spürt, dass das Leben endlich ist. Diese Endlichkeit schenkt dem Augenblick seine große Schönheit.

Wir richten uns ein
in unserem Leben
Halten uns an Pläne
und aneinander
Leben, als wiegen wir uns in Sicherheit
Handeln mit Wünschen
Vertagen Träume auf Übermorgen
Dabei weiß unser Inneres es besser
Morgen kann alles ganz anders ein
Lass uns das Übermorgen
und Morgen
mitten hinein
in unser
Heute
legen
Lass es uns anmalen
mit Lieblingsstiften
gelb und rot und blau


Leute, was habt ihr denn heute schon gemacht
fragte ich in den milden Januarsamstag hinein
Worte erzählten vom nah entfernten Leben
Spazieren, lesen, Tee und reden
Die Schönheit des Alltags
springend oder gehend
Das Sein
leben
Wir haben
Uns nicht verloren
Wir leben mit Sinnen
Und auch mit dem Unsinn
Wir legen uns rückwärts in den Tag
Sonne und Schnee fällt auf unser Haar
Wir gehen aufrecht und malen das Leben an

Mein Gedicht zum gestrigen Findesatz
Körper, Geist und Seele
Geben wir ihnen Balsam
Nahrung und Pflege
Tanzen wir mit ihnen
Handreichende Geschwister
Körper, Geist und Seele
das sind die drei Schlüsselbegriffe
Nehmen wir den Schlüssel
schließen auf
und leben uns entgegen

