Findesatz-Gedicht 114

Wie viele Entscheidungen treffen wir an einem Tag
Nie zählte ich sie
Es werden viele sein
Es ist eine Kunst, Entscheidungen zu treffen
Tragen wir unser Ja und unser Nein in die Welt
Wir dürfen wählen
Lass uns das klar und hell machen
Egal wie es ausgeht
Lass uns unsere Krummheiten anlachen
Dem Perfekten nicht nachlaufen
Unsere Schritte gehen
einen nach dem anderen

Findesatz-Gedicht 113

Wir wissen es nicht als Kind
wenn wir im Sand spielen oder im Wald
oder mit den Farbstiften das Blatt ausfüllen
Doch irgendwann trifft uns die Erkenntnis
Die Endlichkeit des Lebens
Dann ringen wir nach Luft
Finden es unbegreiflich
und es integriert sich in unser Leben
auf stille Weise
Manchmal vergessen wir es
dann fühlen wir es
und manchmal erscheint alles leicht
Diese Erkenntnis
die lautlos in uns wohnt
lädt ein das Leben zu füllen
mit all dem was uns wertvoll ist
und was uns sinnig unsinnig ist
Zurechtzurücken und zu runden
Die Fäden zu spinnen
All die geschenkten Tage und Nächte zu gestalten
ihnen ein Gewand zu geben
Zu tanzen und zu lieben
Das Viel und das Wenige zu pflegen
Träumen ein Gesicht zu geben
Morgen nicht ins Übermorgen zu verstecken
Trauen wonach der Mut ruft
Die wenigstens Menschen sagen am Ende ihres Lebens
Ich habe zuviel ausprobiert

Findesatz-Gedicht 104

Wir tragen Körbe
Äpfel, Saft und Möhren schauen heraus
Wir tragen Handtaschen
verborgen ein kleiner Spiegel, ein Lippenstift und ein Portemonnaie
ein Ausweis, der uns weismacht, wir könnten Fremden davon erzählen, wer wir sind
Wir tragen Erinnerungen
auf der Haut und im Herzen
Das was man im Herzen trägt
kann einem niemand mehr nehmen
Das Herz und sein ureigener Rhythmus begleitet uns
bis es nicht mehr schlägt
Eines Tages werden all diese Erinnerungen mit uns ruhen
Die Äpfel werden längst gegessen
der Lippenstift nur noch ein Rest sein
der Ausweis kümmert uns nicht mehr
Das aus dem Herzen weht sich mit uns fort

Findesatz-Gedicht 102

Es war nicht nur ein Erleben
es war auch ein Erlernen
Das Leben traf mich
ich stieg mitten hinein
Allein war ich nie
auch wenn ich es gelegentlich meinte
Feste umgaben mich
Ich wurde in ihre Mitte genommen
Auf langen Straßen flossen die Gedanken seicht davon
Worte hafteten auf meiner Haut
Meine Wünsche reichten bis zu den Sternen
Der Wind sprach von dem Künftigen
Und alles hängt mit allem zusammen
an diesen unsichtbaren Fäden
Mein Lächeln hat ein Gedächtnis

Findesatz-Gedicht 101

Ich bin Gedanken und Gefühle, Wohlwollen, Güte und Wärme

An manchen Tagen bin ich mir ganz nahe

Ich bin Tanz, Struktur und Chaos

An manchen Tagen umarmen sich die Gegensätze

Ich bin Nebelschleier, Wolke und eine Möwe am Meer

An manchen Tagen fliegen meine Ängste auf und davon

Ich bin Stärke, Leichtigkeit und Freiheit

An manchen Tagen erinnert mich das Leben, dass ich jederzeit alles bei mir habe

Findesatz-Gedicht 100

Was suchst du?

Was fällt dir leicht?

Was möchtest du noch lernen?

Lebst du deine Facetten?

Wo wohnt dein Schatten?

Würdest du alles noch einmal so machen?

Welche Gebote sind dir wichtig?

Welche Regeln brichst du?

Wohin verzieht sich dein Nebel?