Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Heute Morgen führte mich mein erster Weg zur Pressekonferenz, bei der Italien sich als das nächste Gastland der Buchmesse vorstellte:

Es wird das Motto „Verwurzelt in der Zukunft“ tragen. Mauro Mazza, der Sonderbeauftragte der italienischen Regierung, erklärte die Bedeutung dieses Mottos: „Wir nehmen das Beste aus unserer Vergangenheit und nehmen das mit in die Zukunft.“
Hier seht ihr die italienische Delegation gemeinsam mit Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse:

Wie immer gibt es Vieles zu entdecken. Etwa diese Buchlampen an einem Stand:

Eine lange Schlange bei der Sprechstunde für Illustrator*innen:

Mitmachaktionen bei denen Besucher*innen mit Klebebuchstaben erzählen können, was die Buchmesse für sie bedeutet:

Hier seht ihr die Bücher, die zum Deutschen Buchpreis nominiert waren:

Bei der Veranstaltung „Künstliche Intelligenz braucht Regulierung – Was darf ein Algorithmus alles entscheiden?“ sprach Prof. Dr. Katharina Zweig, KI Expertin und Autorin („Die KI war’s!“) mit dem Moderator Rainer Straub.
Angenehm mitnehmend und informativ erzählte sie über diese aktuelle und spannende Thematik.
Ein Verbot dieser Technik sei keine Lösung, sondern die Lösung liege im richtigen Umgang mit dem System.
„So etwas wie hier ist nicht kopierbar, das ist echt.“, war einer ihrer guten Sätze.

Die Autorin Marion Poschmann sprach mit der Moderatorin Ariane Binder über ihr aktuelles Buch „Chor der Erinnyen“. Ihr Roman ist eine Parallelgeschichte zu ihrem letzten Buch „Die Kieferninseln“. Die Protagonistin Mathilda macht mit ihren Freundinnen einen Ausflug in eine Waldhütte und wird dort zunehmend durchlässiger für die Natur. Es geht um angepasste Freundinnen, aufbegehrende Mütter, über die Dämonisierung von Frauen und die Kraft der Verbundenheit.

Wie in jedem Jahr so besuchte ich auf der Literaturbühne „Druckfrisch / Literaturtipps von Denis Scheck“. Denis Scheck stellte neue Bücher vor und kommentierte sie.
Für ihn ist das beste Buch des Jahres „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann:

Weiterhin empfahl er „Echtzeitalter“ von Tonio Schachinger, das den Deutschen Buchpreis erhalten hat, „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ von Terézia Mora, „Viermal Ich“ von Maria Lazar, „Schneeflocken wie Feuer“ von Elfi Conrad, „Tausend und ein Morgen“ von Illja Trojanow, „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ von Walter Moers, „Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ von Cornelia Funke – die ich diese Woche noch erleben werde, worauf ich mich sehr freue.
Weitere Empfehlungen von Denis Scheck waren „Eigentum“ von Wolf Haas, „Sinkende Sterne“ von Thomas Hettche, „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann (das habe ich bereits gelesen und ist auch meine unbedingte Buchempfehlung), „Krähen im Park“ von Christoph Peters, „Alle meine Geister“ von Uwe Timm, „Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi und den Roman „Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani.
Hach, es gibt viele großartige Bücher.
Denis Scheck sagte, zu dem Buch von Cornelia Funke, den guten Satz: „Für mich besteht die Macht der Literatur darin, uns auch Alternativen aufzuzeigen, uns in die Haut oder das Fell eines anderen Wesens zu versetzen, uns von dem ewigen Kreis durch den eigenen Nabel zu befreien und uns auch mal die Welt aus anderen Augen wahrnehmen zu lassen, so dass man von seiner narzisstischen Selbstversenkung wegkommt und mehr Respekt und Empathie für den anderen aufbringt.“

Bei meiner nächsten Veranstaltung erlebte ich Bärbel Schäfer, die zu ihrem Buch „Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben“ von Catrin Boldebuck interviewt wurde. Bärbel Schäfer hat ihre weißen Sneaker gegen schlammige Gummistiefel getauscht und im Selbstversuch ein Jahr lang einmal wöchentlich einen Schäfer bei seiner Arbeit begleitet. Hierbei lernte sie eine Menge über das Wesen der Schafe und auch Vieles für ihr eigenes Leben kennen. Die Erfahrung hat sie ein eigenes Innehalten gelehrt. „Der Umgang mit den Schafen zwingt einen zu Geduld und auch mal zu sagen, ein anderes Tempo ist okay, und vielleicht kannst du in diesem anderen Tempo auch etwas Neues für dich entdecken.“, so Bärbel Schäfer.

Im Vorbeigehen sah ich Verena Pooth. Ihr seht, hier sind einige sogenannter „Stars und Sternchen“:

Überall kreative Dekorationen:

Die Preisverleihung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2023“ gehört für mich jedes Jahr zu den Höhepunkten der Buchmesse. Wie ihr seht, auch für viele andere, denn diese Veranstaltung war gut besucht, an diesem Buchmessetag, der noch nicht für das Privatpublikum zugänglich ist:

Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher davon ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig und Sarah Reul moderierten die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden. Alle finde ich sehr lesenswert:

Mit Spannung wurde dann bekannt gegeben, wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist. Gewonnen hat mit ihrem Buch „22 Bahnen“ Caroline Wahl:

Ich habe es vor Kurzem gelesen und habe dieses gute Buch auch schon weiterempfohlen.
Große Freude nicht nur bei Caroline Wahl, auch beim ganzen Dumont Verlag, in dem das Buch erschienen ist:

Hier auch nochmal die anderen Autorinnen, die nominiert waren, denn alle haben großen Applaus verdient zu dieser Nominierung und ihren tollen Büchern (für die, die mitzählen, eine Autorin konnte nicht anwesend sein, stellvertretend für sie kam später die Verlegerin auf die Bühne):

Schönes in der Kunstabteilung:

Mitmachaktionen in der Agora:

Dann besuchte ich die Reihe „SHEROES -Streiterin für die Zukunft“ zum Thema „Wir – digital und menschlich?“ Die Autorin und Philosophin Lisz Hirn („Der überschätzte Mensch. Eine Anthropologie der Verletzlichkeit“), die Autorin und Unternehmerin Mina Saidze („Fair Tech. Digitalisierung neu denken für eine gerechte Gesellschaft“) sprachen mit Jagoda Marinić über künstliche Intelligenz. Ihr merkt, ein Thema über das häufig hier auf der Buchmesse diskutiert wird. KI ist als Zukunftsträger in aller Munde und ist ethisch herausfordernd und stellt unser Selbstverständnis infrage. Es wurde gemeinsam überlegt, wie sich der Umgang mit KI menschlich und sozial zukunftsfähig gestalten lässt.

Diese Thematik weckt das Interesse vieler Menschen, wie ihr seht:

Auch auf die auf die nächste Veranstaltung freute ich mich. Elena Fischer sprach zu ihrem Buch „Paradise Garden“ mit Debora Schnitzler. Dieses Buch stand bereits vorher auf meiner Wunschliste, nachdem ich es zum einen von einer Freundin empfohlen bekam und zum anderen eine Hörprobe erlebte. Auf der Longlist der Nominierungen des Deutschen Buchpreises ist es auch zu finden. Die Protagonistin, die 14-jährige Billie fährt los, um ihren unbekannten Vater zu finden und um herauszubekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war. Elena Fischer sagte, es gehe nicht vordergründig um diese Autofahrt, sondern um die innere Reise ihrer Protagonistin.
Sie beschreibt ihren Roman als eine Entwicklungsgeschichte, die Protagonistin Billie würde ihn vermutlich als „Mutter-Vater-Tochter-Such-Roman“ beschreiben.
In dem schönen Gespräch, in dem es auch um ihren Schreibprozess ging, erzählte Elena Fischer, dass sie manchmal Briefe an ihre Figuren schreibe, um sie mehr kennenzulernen. Sie wurde gefragt, was sie dazu sage, dass ihr Roman oft mit dem Buch „Tschick“ verglichen wird. Elena Fischer meinte dazu: „Es wird langsam peinlich, doch ich habe dieses Buch noch immer nicht gelesen.“ Herrlich und irgendwie menschlich, wie ich finde, da selbst tolle Autorinnen es nicht schaffen, alle guten Bücher bereits gelesen zu haben.
Was sie Menschen mitgeben möchte, die selbst schreiben, fragte die Moderatorin und Elena Fischer sagte: „Freude beim Schreiben und zwar unabhängig von dem, was vielleicht am Ende damit passiert, also Schreiben um des Schreibens willen finde ich ganz wichtig, Dranbleiben und auf die eigene Stimme hören.“

Auch das mag ich an der Buchmesse, unerwartet kostbare Schätze zu entdecken. Dieses Bilderbuch (nicht nur für Kinder!) gehört für mich dazu:

Der ukrainische Stand hat erneut eine große Ausstellungsfläche erhalten. Hier finden immer wieder Veranstaltungen und Diskussionsrunden statt.

Neben dem Thema Krieg, ist es nach wie vor bedeutsam, dass auch die Literatur dieses Landes vorgestellt wird und Raum erhält.

Als weitere Schatzgrube erlebte ich die Illustrationen am slowenischen Stand, zauberhaft:

Weitere schöne Stände:

Und immer wieder schöne Bilder, bei denen ich stehen bleibe und mich erfreue:

Mitmachaktionen am Gutenberg Stand:

Gerne habe ich mitgemacht, ta daaa:

Eine weitere Mitmachaktion bei der sich auch Otto Waalkes eingebracht hat:

Im slowenischen Pavillon ging ich noch umher und was darf auf einer Buchmesse nicht fehlen? Lesen! Das machte ich nun. Wohltuend in dieser Umgebung in Zeilen einzutauchen.

Abends erlebte ich im Frankfurt Pavillon Omer Klein, ein weltberühmter israelischer Jazzpianist.

Er schenkte wohltuende Töne inmitten dieser schönen Umgebung des Pavillons „I am here because I believe in the power of music“, sagte er.

So ging erneut ein weiterer erfüllter und bewegender Buchmessetag zu Ende.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der 1. Tag der Frankfurter Buchmesse, der für das Fachpublikum geöffnet ist. Ab Freitag 14 Uhr ist die Buchmesse für Privatbesucher*innen geöffnet.

75 Stühle, die Montag in der Stadt Frankfurt aufgebaut waren, sind nun hier auf dem Innenhof, der Agora, zu finden. Hier können die Besucher*innen Platz nehmen und erfahren per QR-Code von persönlichen Geschichten von ganz unterschiedlichen Menschen und ihrer Verbindung mit der Frankfurter Buchmesse. Unter den Erzähler*innen befinden sich bekannte Namen ebenso wie unbekannte Namen von Besucher*innen und internationale Buchmesse-Freund*innen, und ebenso Namen von Menschen, die hinter den Kulissen für die Buchmesse aktiv sind. Gerne habe ich Platz genommen und viele Geschichten gelesen.

Auf der ARD ZDF 3SAT Bühne wurde Doris Knecht von Alexander Solloch zu ihrem Buch „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ interviewt. Ihr Roman ist die Selbstbefragung einer Frau, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben steht. Das Buch stellt die Frage, wie ist es, wenn das Leben noch einmal anfängt. Einer ihrer Sätze während des Gesprächs: „Ich wollte unbedingt ein positives Buch schreiben mit einem versöhnlichen Ton und das hat sehr auf mich gewirkt.“
Meine Buch-Wunschliste wächst…


Als Findesatz-Sammlerin sammle ich nicht nur Sätze von Autorinnen und Autoren, sondern auch Sätze von Menschen, die ich im Vorbeigehen hören. So sagte eine Frau zu ihrer Freundin: „Wir können gerade mal nach Slowenien gehen.“ Wunderbar, dank des Gastlandes Slowenien ist das möglich, auf der Buchmesse mal eben nach Slowenien zu gehen.

Als nächstes erlebte ich Philipp Oehmke im Gespräch mit der Moderatorin Anja Brockert zu seinem Buch „Schönwald“. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte über zwei Generationen. Als die Tochter der Familie einen queeren Buchladen eröffnet, reist ihre Familie an und es kommen verdrängte Konflikte an die Oberfläche. Der Großvater der Tochter war früher bei der Wehrmacht. Nun kritisieren Aktivistinnen, dass die Frau den progressiven Buchladen aufgemacht habe, der auf Nazigeld aufbaue. „In dem Buch geht es um Wahrheit und Lüge und um die ganzen Abstufungen die es dazu gibt“, so die Moderatorin. Philipp Oehmke sagte, er mag das Genre Familiengeschichte, „da lässt sich im Kleinen erkennen, was in der Gesellschaft vorherrscht.“
Er las einen Ausschnitt aus seinem Buch vor.

Als Nächstes erlebte ich den frischgekürten Buchpreisträger Tonio Schachinger, der mit Cécile Schortmann über sein Buch „Echtzeitalter“ sprach. Der Protagonist in „Echtzeitalter“ ist Till, der ein elitäres, österreichisches Internat besucht. Er fühlt sich nicht wohl inmitten des snobistischen Umfelds und möchte lieber Profi-Gamer werden. Nach dem Tod seines Vaters findet er Zuflucht im Spiel „Age of Empires“ und gehört bald zu den weltweit besten Spielern. Doch das zählt nicht in der Welt der Erwachsenen. Da ich dieses Buch bereits habe, steht es nicht auf meiner Wunschliste, ansonsten würde es darauf stehen. Tonio Schachinger las eine Stelle aus dem Buch vor.
Im Gespräch erzählte er weiterhin, dass er einen handgeschriebenen Brief von einer 89-jährigen Frau erhalten habe, deren Enkel auf das Gymnasium gehe, das in dem Buch unter einem anderen Namen auftaucht. „Selten lösen Bücher so viel aus“, schrieb sie in ihrem Brief. Tonio Schachinger meinte, diese Aussage sei nicht so relevant wie der erhaltene Buchmessenpreis – auf die Verkaufszahlen bezogen – , dennoch sei diese Aussage für ihn relevant.
Cécile Schortmann sagte am Ende des Gesprächs zu seinem Buch, der ein großer Gesellschaftsroman sei: „Lesen Sie dieses Buch, es ist witzig, es ist rasant und es nimmt uns mit in die Welt des Gamings.“

Sina Scherzant wurde von Mona Ameziane zu ihrem Buch mit dem schönen Titel „Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne“ interviewt. In ihrem Debütroman schreibt Sina Scherzant darüber, wie es ist, wenn man aufhört, sich immer nach anderen zu richten. Es geht um die Geschichte einer jungen Frau, die den Mut findet, für sich einzustehen. Sina Scherzant ist Einigen vielleicht bekannt über ihren erfolgreichen Instagram Account alman_memes2.0, den sie gemeinsam mit ihrem Freund betreibt.

Das Thema Ukraine und der russische Angriffskrieg ist auf der Buchmesse präsent. Auch bei dieser bewegenden und schönen Ausstellung auf dem Innenhof:

Zum Messejubiläum hat der Duden dieses Werk gestaltet:

Nun erlebte ich Necati Öziri auf der Literaturbühne im Gespräch mit dem Moderator Michael Schmitt zu seinem Buch „Vatermal“. Der Roman stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Er handelt von einer Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Auch er las aus seinem Buch vor. Neben dem guten Gespräch hörten wir nun gute Passagen. Das Buch trägt einen einladenden Erzählstil in einem schönen sentimentalen Ton, wie ich finde.
Ihr ahnt es, meine Buchwunschliste wächst…

Ausstellungen auf der Agora:

Die Agora von oben:

Wichtige Aussagen an einem Stand:

Nun erlebte ich Peter Wohlleben auf der Literaturbühne im Gespräch mit der Moderatorin Katty Sallie zu seinem Buch „Unser wildes Erbe – Wie Instinkte uns steuern und was das für unsere Zukunft bedeutet“. In seinem Buch gibt Peter Wohlleben Einblicke in die Natur des Menschen und fragt, wie es sein kann, dass das vermeintlich höchstentwickelte Wesen auf diesem Planeten seinen Lebensraum selbst zerstört. Anhand vieler Vergleiche zur Tier- und Pflanzenwelt zeigt er, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind, sondern die Evolution nach wie vor auch bei uns wirkt. Wenn wir die menschliche Natur verstehen, können wir neue Wege einschlagen, die eine lebenswerte Zukunft ermöglichen.
Peter Wohlleben sagte, er plädiere dafür, dass wir das Thema Klimaschutz emotional behandeln, im positiven Sinne, indem wir beginnen, dieses Thema mit positiven Emotionen zu besetzen.
Einige seiner guten Sätze: „Klimaschutz sollte so funktionieren, dass es die Glücksgefühle triggert.“
„Wir können irre viel machen und sollten nicht in Angst erstarren.“
„Klimaschutz muss Hirn und das Herz ansprechen.“
Ich erlebte Peter Wohlleben schon häufig hier auf der Buchmesse, immer wieder schafft er es, in einer begrenzten Zeit viel gutes und interessantes Wissen und Gedanken mitzugeben.
Er endete mit dem Satz: „Bleiben sie optimistisch.“

Hier seht ihr von links die Strafverteidigerin Christina Klemm („Gegen Frauenhass“) die hunderte Opfer geschlechtsspezifischer Verbrechen vertreten hat, daneben Jovana Reisinger („Menstruation“) die in ihrem Buch zeigt, welcher Frauenhass in Mythen und Schweigen über die Monatsblutung steckt, und daneben die Moderatorin Wiebke Porrombka.
Auf dem Foto stellen die beiden Autorinnen gerade dar, wie Frauen einander einen Tampon weiterreichen, „versteckt in einer Faust, so dass sich vermuten lässt, dass in den Händen entweder Drogen oder ein Tampon sei.“ Wie gut, wenn wir weg von dieser Tabuisierung kommen.
Es wurde darüber diskutiert, wie wichtig es ist, dass wir Wege aus der patriarchalen Gewaltspirale hinausfinden.

Also ich draußen umherging, sah ich, wie Jo Schück die Autorin Valery Tscheplanowa zu ihrem Buch „Das Pferd im Brunnen“ befragte, das alles, während sie aßen. Am Freitag wird diese besondere Buchvorstellung in Aspekte ausgestrahlt. Neben dem Buch gilt meine Bewunderung der Art, während eines Interviews so elegant essen zu können:

Der Kölner Illustrator Thorwald Spangenberg machte im Innenhof Pause und zeichnete. Was ein schöner Ort um kreativ zu sein.

Prominente sind immer wieder zu treffen, wie hier Helge Schneider:

An vielen Ständen gibt es immer wieder Lesungen und Gespräche, wie hier mit Axel Scheffler:

Gute Frage:

Einer meiner Lieblingsverlage, der Verlag Hermann Schmidt:

Und einer meiner Lieblingsmoderatoren, Gerd Scobel, der auf Literaturbühne mit dem Autor Frank Witzel über dessen Buch „Die fernen Orte des Versagens“ sprach. Ausgehend von Alltagssituationen beschreibt Frank Witzel einen bunten Strauß an Lebensentwürfen und gibt dabei ein Blick auf unterschiedliche Beweggründe menschlichen Handelns frei. Herr Rath, so heißt die Person in dem Buch, erinnert Gerd Scobel an Herr K, den wir von Bertolt Brecht kennen.
„Das Denken ist so interessant, dass es einen ein Leben lang beschäftigen kann“, so Frank Witzel.
Gerd Scobel beendete das Gespräch mit den Worten: „Ich hatte viel Spaß beim Lesen und den wünsche ich Ihnen auch.“
Übrigens erzählte Gerd Scobel, dass er, wenn er ein neues Buch beginne, zwar nicht das Ende lese, doch immer den Dank lese, der am Ende des Buches stehe. Das kenne ich auch und mache ich ebenso.

Ich besuchte den Stand der Deutschen Nationalbibliothek, der zum Mitmachen einlud, etwa Gedichte in Form eines Elfchen schreiben, Visionen zeichnen, ein Selfie machen oder mit Bauklötzen die Zukunft planen.
Viele Elfchen waren auch auf dem Bildschirm zu lesen. So was mag ich und macht für mich auch die Buchmesse aus, irgendwo unerwartet Gedichte lesen, wunderbar!
Und gerne habe ich mich einladen lassen und auch ein Elfchen geschrieben.

„Mein Nachbar auf der Wolke“ heißt der schöne Titel eines Lyrikbuchs und die nächste Veranstaltung hieß ebenso. Es war eine Lesung und ein Gespräch über die slowenische Poesie mit der Lyrikerin Miljana Cunta (auf dem Bild sitzt sie noch rechts), dem deutschen Kurator des Gastlandes Matthias Göritz und Ernst Osterkamp, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. In Slowenien gilt Dichten seit jeher als eine Überlebensstrategie und gemessen an der kleinen Bevölkerungszahl gibt es eine große Fülle an lyrischen Stimmen, das machte diese Veranstaltung deutlich.

In der Stadt gibt es an verschiedenen Leseorten die Open Books, das Lesefest zur Buchmesse. So besuchte ich am Abend die Veranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek „Warum noch Bücher lesen? Das Ljubliana Manifest“.
Die Autoren Durs Grünbein, Matthias Göritz und Aleš Šteger sprachen über das Buch und das Lesen als Erkenntnis- und Erlebnisform. In dem Gespräch tauchte auf, dass Lesen eine heilsame Wirkung habe, in dem es so entgegengesetzt ist, zu der Reizüberflutung, der wir Menschen so häufig ausgesetzt sind. Das Gespräch zwischen den Dreien trug eine schöne, behutsame und ruhige Atmosphäre.

Das Gespräch machte deutlich, dass auch im Zeitalter des Digitalen, dass Lesen das beste Werkzeug ist, das wir für unser Denken haben. Wenn wir Literatur lesen, dann hilft uns das, andere in ihrer Besonderheit zu begreifen. Bücher lehren Empathie.
Dem stimme ich zu und hoffe, dass viele der großartigen Bücher, die hier auf der Buchmesse zu finden sind, gelesen und geliebt werden.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion



Frankfurter Buchmesse – Eröffnung Teil 2

Nun kommt mein zweiter Teil von der gestrigen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.
Am späten Nachmittag fand im Congress Center des Messegeländes die Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse 2023 statt.
Die Kontrollen sind in diesem Jahr sehr intensiv, so mussten wir alle aus dem Gebäude, in dem sich das Congress Center befindet, da die Polizei dort mit Hunden alles auf Sprengstoff absuchte. Meinen Messebericht schreiben, musste ich unterbrechen. Doch Sicherheit geht vor. So konnten wir eine schöne Pause in der Agora, dem Innenhof, erleben.

Schließlich ging es dann zur Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse.
Ich saß neben dem sympathischen Architekten Ragunath Vasudevan, der den schönen Frankfurt Pavilions (ihr erinnert euch, davon berichtet ich in meinem ersten Teil) entworfen hat und wir kamen miteinander ins Gespräch. Der Frankfurt Pavilion ist für mich und sicherlich für viele andere seit vielen Jahren untrennbar mit der Frankfurter Buchmesse verbunden. Jedes Jahr wird er hier immer wieder aufgebaut. Auf dem Foto seht ihr Ragunath Vasudevan und links daneben seinen Chef Till Schneider von schneider+schumacher.

Mona Ameziane moderierte den Abend. Wie auch bereits bei der Pressekonferenz am Morgen war auch bei dieser Eröffnungsfeier der Angriff von den Hamas auf Israel ein großes Thema und er wurde deutlich verurteilt in den Reden der Sprecherinnen und Sprecher.
Hier seht ihr links die Moderatorin, daneben Juergen Boos (Direktor der Frankfurter), Angela Dorn (Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst), Mike Josef (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main) und Karin Schmidt-Friderichs (Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels):

In dem Gespräch wurden auch Fragen beantwortet, was die Redner*innen momentan lesen, worauf sie sich bei der Buchmesse am meisten freuen, und immer wieder wurde die Bedeutung der Bücher deutlich, gerade auch in diesen Zeiten. Es wurde in dem Gespräch formuliert, dass die Buchmesse ein Ort der Begegnung und eine Brücke zur Kultur sei.
„Lesen zwingt uns zum Innehalten, das ist eine der größten Stärken der Bücher“, so Karin Schmidt-Friderichs.

Diese beiden slowenischen Musiker zeigten beeindruckende Musik, erzeugten wunderbare Töne mit ungewöhnlichen Instrumenten, u.a. einer Säge:

Claudia Roth (Bundesbeauftragte für Kultur und Medien) ist für Olaf Scholz (Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland) eingesprungen, der heute kurzfristig nach Israel gereist ist. Auch sie verurteilte die Angriffe der Hamas auf Israel zutiefst. Gerade in Zeiten von Krieg und Krisen brauche es Bücher und Literatur, so Claudia Roth, sie könnten helfen, Erlebtes und Erfahrungen zu verarbeiten und schier Unbeschreibliches zu beschreiben. „Literatur kann uns helfen, zu verstehen und mitzufühlen.“

Hier seht ihr Nataša Pirc Musar (Präsidentin der Republik Slowenien). Auch sie nahm in ihrer Rede klar Stellung zu den Terrorangriffen von den Hamas. „Ich kann nicht anders, als das immer wieder zu verurteilen“.

Miljana Cunta (Rednerin Ehrengast Slowenien) verurteilte die Terrorangriffe ebenso. Weiterhin sprach sie schöne Worte über Lyrik:

Auch tauchte der Satz an diesem Abend auf, dass Slowenien das Land mit der „dichtesten Dichte an Dichtern habe“. Diese Aussage stammt ursprünglich von Aleš Štege, der eine „Gebrauchsanweisung für Slowenien“ geschrieben hat.

Als letzter Redner kam der slowenische Autor und Philosoph Slavoj Žižek auf die Bühne. Am Morgen auf der Pressekonferenz hatte der Pressesprecher der Frankfurter Buchmesse, Torsten Casimir, gesagt, dies sei „der einzige Programmpunkt, der nicht planbar ist“.
Dies bewahrheitete sich. Die Rede von Slavoj Žižek führte zu starken Reaktionen im Publikum.

Žižek sagte in seiner Rede, er verurteile die terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Bevölkerung, betonte jedoch, man müsse auch den Palästinensern zuhören und deren Hintergrund beachten, wenn man den Konflikt verstehen wolle.
Er kritisierte, dass seine Vorredner*innen über Israel, aber niemand über die Palästinenser gesprochen hätten.
Seine Rede wurde wiederholt von Zwischenrufen unterbrochen und einige Gäste verließen den Saal. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker ging zur Bühne und widersprach Žižek und warf ihm vor, die Verbrechen der Hamas zu relativieren.
Žižek sagte, er relativiere nicht. Die Terroranschläge seien ein schreckliches Verbrechen und Israel habe in seinen Augen auch jedes Recht, sich zu verteidigen.

Juergen Boos ging nach Žižeks Rede spontan erneut zur Bühne und ergriff das Wort:

„Es ist die Freiheit des Wortes. Und die müssen wir hier stehen lassen, das ist mir wichtig.“, sagte Juergen Boos und führte fort. „Ich glaube, ich kann für diese Gemeinde, und ich möchte es hier als eine Gemeinde bezeichnen, sprechen: Wir verurteilen den Terror. Wir sind Menschen und wir denken menschlich. Menschlich auf israelischer Seite, auf palästinischer Seite. Und es ist mir sehr wichtig, dass wir uns alle einig sind in der Verurteilung der Unmenschlichkeit, in der Verurteilung des Terrors. Und ich glaube, Sie sind da alle bei mir. Und ich bin froh, dass wir das hier so aussprechen können. Ich bin auch froh, wenn eine Rede unterbrochen wird. Das muss möglich sein. Ich bin froh, dass wir die Rede zu Ende gehört haben, auch wenn sie uns nicht gefallen mag. Auch wenn wir sie sogar verurteilen, es ist wichtig, dass wir uns zuhören.“

Karin Schmidt-Friderichs hatte nun die Aufgabe, die Buchmesse mit dem Hammerschlag offiziell zu eröffnen. Nach dem zuvorigen Tumult sicherlich keine leichte Aufgabe und auch sie griff das Vorherige auf und sprach: „Mit einem ganz klaren Bekenntnis zu Frieden und Toleranz und zu einem Miteinander und Respekt vor Israel und mit einer Ablehnung des Wortes „aber“ eröffne ich die 75. Frankfurter Buchmesse“.
Es folgte der Hammerschlag und diese Jubiläumsmesse war damit offiziell eröffnet.

Nach dieser Feier gab es noch einen Empfang, auf dem sicherlich über das Erlebte diskutiert wurde. Auch das ist Buchmesse, ein Ort der Diskussionen, ganz deutlich.

Es grüßt euch erneut aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Eröffnung – Teil 1

Die 75. Frankfurter Buchmesse ist heute eröffnet worden. Wie immer erfüllt es mich mit großer Freude und Dankbarkeit hier zu sein. Gerne werde ich in den nächsten Tagen von meinen Eindrücken auf der weltweit größten Buchmesse berichten und euch an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Am Vormittag fand die Eröffnungspressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse statt:

Ich mag den schönen Frankfurt Pavilion sehr. Noch hat der Pavilion übrigens keinen Spitznamen. Sollte euch einer einfallen, meldet euch bei der Buchmesse, sie suchen noch.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hielt eine gute Rede, die mit den Worten endete: „Ich wünsche Ihnen und uns eine gute und anregende Messe, voller guter Begegnungen, mit Denkanstößen und Respekt, Weltoffenheit und Toleranz.“

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich klar zu der aktuellen Situation in der Welt: „Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir haben die Krise des Klimawandels und die Krise der westlichen Demokratien. Wir erleben seit über anderthalb Jahren Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Und seit dem 7. Oktober einen neuen, schrecklichen Höhepunkt der Gewalteskalation durch den Terrorkrieg der Hamas gegen Israel. Wir sind entsetzt. Bei der Frankfurter Buchmesse geht es immer um Menschlichkeit, im Zentrum steht die menschliche Begegnung. Diese Menschlichkeit ist am 7. Oktober durch den Angriff der Hamas-Terroristen auf Israel abermals zerbrochen. Unser Mitgefühl gilt den Menschen, deren Angehörige Opfer dieses Gewaltexzesses wurden, und allen Menschen in Israel und Palästina, die unter dem Krieg leiden.“

Juergen Boos gab in seiner Rede auch einen Überblick, was die Besucher*innen alles auf dieser Messe erwartet. Die aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft werden in zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen Raum haben.

Als Gastrednerin der heutigen Eröffnungspressekonferenz erlebten wir die britische Umweltjournalistin und Sachbuchautorin: Gaia Vince („Das nomadische Jahrhundert“), die in ihrer großartigen Rede den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der bereits einsetzenden globalen Migrationsbewegung deutlich machte. In ihrer Rede ging sie darauf ein, dass die Hitzewelle im letzten Jahr 60.000 Menschen in Europa getötet hat. Ein großer Teil der Erde, vor allem im globalen Süden, wird zunehmend nicht mehr bewohnbar sein. Migration wird uns alle betreffen. Es sei die Frage, wie wir damit umgehen. Wir Menschen müssten einander helfen, um uns alle in Sicherheit zu bringen.
Gaia Vince betonte die tollen Seiten der Migration und stellte den Bezug zu Büchern her. „Die Kraft eines Buches liegt darin, dass wir unsere Insel-Dasein verlassen. Wir blättern um und lernen eine neue Sichtweise kennen, die erleuchtend sein kann.“
Gaia Vince betonte, dass wir Menschen einander viel zu bieten haben und einander bereichern.  „Alle haben das gleiche Recht auf einen sicheren Platz. Veränderung ist nicht hoffnungslos. Wir haben noch die Wahl. Unsere Sicherheit hängt davon ab, dass wir nicht Zäune bauen, sondern dass wir Werkzeuge nutzen. Es gibt nur ein „Uns“, nur eine menschliche Zukunft.“ Darüber zu diskutieren, sei sehr bedeutsam.

Das Motto der Jubiläumsmesse ist „And the story goes on“ und ja, so ist es, die Geschichte geht weiter:

Nach dieser Pressekonferenz  ging es zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons, in dem der Presserundgang stattfand. Das diesjährige Gastland Slowenien trägt das Motto „Waben der Worte“ („Satovje besed“). Traditionell bekommt das Gastland der Frankfurter Buchmesse einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon -, den es mit eigenen Ideen und Botschaften füllt und der einen Eindruck von der Literatur- und Kulturlandschaft schenkt. Auf diese 2.300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche freue ich mich immer sehr, da sie alljährlich individuell von dem Gastland gestaltet wird.
Jure Sadar, der slowenische Architekt und Gründer vom Studio Sadar, stellte bei dem Presserundgang das Konzept des Pavillons vor.
Hier seht ihr ihn, daneben seine Frau Urška Sadar, die slowenische Designerin und Gründung von urskas, einem Designstudio und einer Schmuckmarke. Sie ist Mitgestalterin des Ehrengast-Pavillons. Und links daneben Katja Stergar, die Direktorin der Slowenischen Buchagentur:

Orientiert haben sie sich beim Design an dem Ehrengastmotto „Waben der Worte“, so soll der Pavillon eine Vielfalt von Erfahrungen zu schaffen. Er soll ein Ort des Ideenaustauschs in Bezug auf Wissen, Kultur und Literatur werden.

Das Konzept der Nachhaltigkeit steht im Schwerpunkt, so ist die gesamte Ausstattung des Pavillons von der slowenischen Natur inspiriert und verfolgt einen nachhaltigen Ansatz. Die Ausstattung kann nach der Buchmesse zusammengeklappt und wiederverwendet oder recycelt werden. Wenn sich beispielsweise eine Schule oder eine Bücherei meldet und sagt, sie habe Interesse an einer Sitzgelegenheit, nur zu, das ist willkommen.

Der Pavillon ist in einen offenen Raum und in wabenartige, halbtransparente Auditorien unterteilt. Diese Auditorien befinden sich in den Ecken des Raumes und hier wird es Lesungen und Podiumsdiskussionen geben:

Der Weg durch den offenen Teil des Pavillons wird von sogenannten „Wald“-Bücherregalen geschmückt. Ich entdeckte bereits gute Werke slowenischer Autoren und Autorinnen:

Auffallend fand ich die oft bunten und schön illustrierten Buchcover:

Die sogenannten „Canyon“-oder „Schlucht“-Sitzgelegenheiten – die von einer natürlich fließenden Schlucht inspiriert sind – schenken die Möglichkeit, sich auszuruhen, zu unterhalten und natürlich zu lesen. In ihnen integriert sind Rosmarinpflanzen und es duftete gut:

Es finden sich auch „Open Book“-Elemente im offenen Teil, ein interaktives Instrument, mit dem die Besucher*innen mehr von den slowenischen Autor*innen erfahren können:

In dem offenen Teil befinden sich auch die „Buchreflexions“-Elemente. Das Reflektieren soll darauf hinweisen, dass das Lesen einen Buches immer mit Reflexion zu tun hat. Wenn wir lesen, gehen wir in Resonanz mit dem Geschriebenen und dem Autor oder der Autorin.

Im Mittelpunkt dieses Pavillons steht die Ausstellung „Books on Slovenia“ und hängende Kunstwerke und Lyrikzitate ergänzen die Ausstellung. An der Decke finden sich Kunstinstallationen von der Künstlerin Eva Petric:

Sie zeigt die slowenische Kunst der Idrja-Spitze und diese sollen Baumwipfel darstellen, die somit über dem Bücher-Wald thronen.

Tagsüber vermittelt der natürlich beleuchtete Pavillon den Eindruck einer riesigen Bücherlandschaft, am späten Nachmittag und am Abend entstehen intimere Ecken mit sanftem künstlichem Licht. Ich werde diesen Raum sicherlich zu verschiedenen Uhrzeiten besuchen.

Eine schöne Kinderecke gibt es auch in diesem Pavillon:

Schaukeln ist definitv nicht nur was für Kinder. Die musste ich ausprobieren. Schaukeln und Bücher, wunderbar:


Neben den Porträts slowenischer Autoren und Autorinnen gibt es eine Café-Ecke, in der in den nächsten Tagen slowenische Leckereien genossen werden können. Sicherlich wird es dann voller als nach dem heutigen Presseundgang:

Diesen schönen Satz aus der Pressemappe Slowenien teile ich gerne mit euch:
„Slowenien wirkt klein und marginal, so wie auch Bienen auf den ersten Blick klein und marginal erscheinen. Doch bei beiden trügt der Schein: Die Welt ist groß, schön und bunt, vor allem dank marginaler Lebewesen und Kulturen.“

Passend zum Motto erhielten wir neben der Pressemappe noch ein Honigglas:

Teil 2 des heutigen Tages folgt.

Es grüßt euch freudig aus Frankfurt, mit Lust auf slowenische Literatur,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 5


Sonntag und damit der letzte Tag der Frankfurter Buchmesse.
Einige Zahlen zu Beginn: Mit 93.000 Fachbesucher*innen (2021 waren es 36.000 Fachbesucher*innen) und 87.000 Privatbesucher*innen (2021 waren es 37.500 Privatbesucher*innen) war die Frankfurter Buchmesse sehr gut besucht. Über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern haben sich hier präsentiert.

Mein erste Veranstaltung an diesem Sonntag führte mich zu Veit Lindau. Er ist Gründer der erfolgreichen Life Coaching Community homodea, eine Community zur Persönlichkeitsentwicklung. Umgeben vom Messetrubel des Buchmessensonntags lud Veit dazu ein, innezuhalten und persönlichen Fragen nachzugehen. „Stille Seele, wildes Herz“ heißt sein aktuelles Buch. Einige seiner Gedanken, die er bei dem Gespräch schenkte: „Erinnre dich daran, was dein Herz will“, „Mild zu sein bedeutet, dass alle deine Fehler Sinn machen“ und „Du hast ein Recht auf Freude“.

Hiernach erlebte ich die Nachhaltigkeitsexpertin Anke Schmidt, die das Buch „Schlauer putzen“ geschrieben hat. Anke Schmidt veröffentlicht Zero Waste-Tipps auf ihrem Instagram-Kanal und ist als Wastelesshero bekannt. An dem Ulmer Stand beantwortete sie Fragen, gab nützliche Tipps und zeigte, wie man ein „Anti-Geruchsspray“ herstellt. In ihrem Buch gibt sie Anregungen und Tricks, wie sich mehr Nachhaltigkeit günstig und leicht in den eigenen Haushalt bringen lässt:

In den Hallen ist immer etwas zu entdecken, wie hier Sebastian Fitzek:

Das Buch „Das Klimabuch“ von Greta Thunberg vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 27. Oktober:

Hanna Harms hat mit ihrem Buch „Milch ohne Honig“ einen poetisch gezeichneten Sachcomic zum Thema Bienensterben geschrieben und zeigt damit in zauberhafter Weise die Dringlichkeit von nachhaltigem Umweltschutz:

Sie signierte nicht nur, sie schenkte dazu auch eine schöne Zeichnung:

Danach erlebte ich Alok Vaid-Menon im Gespräch mit Charlotte Milsch über das Geschlechtersystem. Alok Vaid-Menon ist eine nichtbinäre Person aus den USA, die Bücher schreibt und Performance-Kunst macht. „Mehr als binär“, das aktuelle Buch, regt an, über die Kategorien von Mann und Frau hinaus zu denken. Alok Vaid-Menon sprach von den Vorurteilen die gendernonkonforme Menschen täglich erleben. In dem Buch wird Wissen vermittelt, um der zunehmenden Trans-Diskriminierung mit Haltung zu begegnen und es lädt ein, die Geschlechter in allen Farben zu sehen:

Danach erlebte die Buchvorstellung des Lyrik-Bands „Halb Vogel bin ich, halb Baum“ von Umar Abdul Nasser:

Der Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser kommt aus dem Irak und lebte mehr als zwei Jahre im Versteck vor dem IS, bevor er das Land für Stipendien-Aufenthalte verlassen konnte.
Er las in seiner Heimatsprache Gedichte vor, ich lauschte dem schönen Klang und später der Übersetzung:

Im Pressezentrum sind immer wieder Ruhe und Kaffee zu finden:

Auch an diesem Tag entdecke ich an vielen Plätzen lesende Menschen, wie hier den Buchmessenbesucher Thorsten, draußen in ein Buch vertieft:

In der Agora sah ich eine Performance:

Auf der ARD-Bühne ging es für mich weiter zu Bärbel Schäfers Bücher-Talk mit Diane und Reinhold Messner. Reinhold Messner hat mit seiner Frau Diane gemeinsam das Buch „Sinnbilder“ geschrieben. Darin gehen die beiden der Frage nach einem gelingenden Leben nach. Es geht in dem Buch um die Themen Verzicht, Fragen zur Nachhaltigkeit und Generationsgerechtigkeit.
Die beiden leben als Selbstversorger. „Mir ist der Konsum ein Gräuel“, so Reinhold Messner. „Es muss vorbei sein, dass wir alles konsumieren und wegwerfen“, so sagte er und „Jeder hat eine Verantwortung für die Welt zu tragen“.
Diane Messner sagte: „Wenn ich für mich selbst Verantwortung übernehme, übernehme ich gleichzeitig Verantwortung für die Welt“.
Natürlich wurde auch über das Bergsteigen und das Gehen gesprochen. „Wir Menschen sind Fußgänger, wir können nur in der Geschwindigkeit des Gehens die Welt erkunden“, war von Reinhold Messner zu hören.
„Es ist sehr anstrengend mit ihm wandern zu gehen, das muss ich gestehen“, sagte Diane Messner und ihr Mann habe ein anderes Tempo als sie und würde beim Gehen keine Pausen mögen oder wenn sie stehenbleibe. „Manchmal schimpft er und dann sage ich: Wenn du noch mal schimpfst, dann gehen wir ins Schwimmbad. Weil er kann nicht schwimmen.“, auch solche amüsanten Sätze waren zu hören.

Nach dem Gespräch gab es Selfie-Freude:

Meine letzte Veranstaltung führte mich zur „GastRollen-Übergabe Spanien – Slowenien“. Dies ist immer die Abschussveranstaltung im Ehrengast-Pavillon. Jedes Jahr wird die „Gast-Rolle“, ein speziell entworfenes Kunstobjekt, um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht. Nun wurde also Spanien als Gastland 2022 verabschiedet und Slowenien als Gastland 2023 begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sagte: „Bücher – es geht immer weiter und die dringende Themen dieser Zeit waren hier auf der Buchmesse sehr präsent.“ Sie führte ein Gespräch mit dem spanischen Autor Manuel Rivas (mittig im Bild) und dem slowenischen Autor Drago Jancar (rechts im Bild):

Es ist ein schönes Ritual, die Autoren oder Autorinnen der beiden Gastländer lesen jeweils einen Roman des anderen und reden dann darüber.
Manuel Rivas brachte einen Schlüssel als Symbol mit und Drago Jancar sagte zu diesem Symbol: „Literatur ist immer ein Schlüssel, der die Herzen der Menschen öffnet.“ Manuel Rivas äußerte in dem Gespräch den Satz: „Gott sei Dank haben wir eine Diversität auch in der Kultur.“
In dem Gespräch lag ein Apell zum Dialog und zur Begegnung in der Welt.

Wie Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse in seiner Rede sagte, sei immer ein lachendes und ein weinendes Auge bei dieser Feierlichkeit dabei.
Hier seht ihr, wie Slowenien die Gast-Rolle erhalten hat:

Janez Krevel hörten wir mit seinen Kontrabassklängen:

Die Mitwirkenden des neuen Gastlandes Slownien betraten nochmal mit Juergen Boos die Bühne:

Damit ging der letzte Buchmessentag zu Ende.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte rückblickend zu dieser Buchmesse: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse gab so wichtige Anstöße angesichts der aktuellen Herausforderungen in Branche, Gesellschaft und Weltpolitik. Damit konnte die Frankfurter Buchmesse ihre Bedeutung als wichtigster Handelsplatz für Bücher sowie als Ort der Vielfalt und des friedlichen Austauschs unterstreichen.“

Ihre Worte kann ich sehr bejahen, denn so erlebte auch ich die Buchmesse.
Mehr als einmal dachte ich bei den vielen Veranstaltungen, Gesprächen, Diskussionen, beim Ansehen der Bücher und bei den Begegnungen, das hier viel Hoffnung wohnt. All die drängenden Themen der Zeit sind da. Es wurde deutlich und spürbar, dass wir die Gestaltenden unserer Zukunft sind.
Ja, es war auch anstrengend und ich habe eine Woche mit zu wenig Schlaf verbracht und manchmal tat mir der Arm vom Eintippen weh und ja, es war eine wunderbare Woche, es gab viele Impulse, Geschenke für die Augen, Ohren und für das Herz und mehr als einmal dachte ich, die Frankfurter Buchmesse macht diese Welt zu einem besseren Ort.
Dankbar nehme ich einen großen Koffer gefüllt mit Inspiration mit. Lasst uns weiter Geschichten erzählen, einander zuhören und voneinander lernen. Lasst uns weiter Geschichten und Bücher feiern und die Welt gestalten.

So grüßt euch aus Frankfurt mit viel Wörterliebe,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Auf dem Weg zu Buchmesse entdeckte ich Walter (Kennt ihr die Walter-Wimmelbücher? Ich finde sie klasse!).
Wo ist Walter?


Hier:

Mit vielen anderen Buchliebhaber*innen freute ich mich auf diesen Buchmessentag:

Ein Gang durch die Hallen mit Stopps an Ständen, wie hier am Stand der Vereinten Nationen:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Querdenker: Einfach mal die Klappe halten!“. Julia Brinkmann war im Gespräch mit Tillmann Betsch, der Professor an der Universität Erfurt ist. In seinem Buch „Science matters! Wissenschaftlich statt querdenken“ entlarvt Tillmann Betch die Fehler des Querdenkens und die Taktiken der Faktenleugner:

Danach ging es zum Katapult Verlag, wo die Veranstaltung „100 Karten über die Ukraine und den Krieg“ stattfand. Das Buch mit dem gleichnamigen Titel betrachtet die Ukraine unter dem Thema des Krieges und ebenso abseits des Krieges. Sehr interessante Fakten wurden gezeigt und auch wir Zuhörer*innen wurden einbezogen. Eine gute Veranstaltung von einem tollen Verlag:

Es war spürbar, dass Wochenende ist und die Buchmesse gut besucht ist. Walter entdeckte ich nicht mehr:

Halt machte ich bei Amnesty International die mit ihrem Amnesty Mobil im Innenhof standen. Hier hörte ich einen Teil der Veranstaltung „Schwerpunktland- Russland/Ukraine“. Der russischstämmige Dimitry (rechts im Bild) ist seit über 10 Jahren aktiv, um Deutschland gegen den Einfluss des russischen Regimes zu verteidigen. Er las aus dem letzten Brief von Alexej Nawalny. Zusammen mit Witalij (links im Bild), der vor über 30 Jahren als politischer Flüchtig nach Deutschland kam, sprachen sie über die Probleme mit denen die Zivilbevölkerung in beiden Ländern wegen des Krieges zu tun haben. Vedrin Sahovic (Mitte) von Amnesty International Frankfurt moderierte das Gespräch:

Auf der ARD-Bühne erlebte ich Tupoka Ogette im Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker:

Tupoke Ogetta ist Anti-Rassismus-Expertin, Podcasterin und Autorin. Sie sprach zu ihrem aktuellen Sachbuch „Und jetzt du. Rassismuskritisch leben“.
Tupoka Ogette machte deutlich, dass Rassismus nicht nur in der rechten Ecke zu finden sei, sondern auch bei vielen Menschen die Rassismus ablehnen. Die meisten Menschen seien unbeabsichtigt rassistisch. Sie plädiert für eine Kultur, in der wir offen damit umgehen. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine Freude daran entwickeln, diese Welt gemeinsam ein Stück besser zu machen“, so einer ihrer guten Sätze. In ihrem Buch gibt sie gute Denkansätze. Wie ihr seht, ist sie bekannt und ihre Veranstaltung war gut besucht:

Nun hörte ich Eckart Nickel zu seinem Buch „Spitzweg“, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. (Eine kleine Anmerkung: Ich finde, ein Buch zu schreiben ist toll. Es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises zu schaffen ist klasse. Es dann auf die Shortlist zu schaffen ist immens. Es gibt demnach viele Gewinnerinnen und Gewinner.)
„Ich habe mir nie viel aus Kunst gemacht“, ist der erste Satz dieses Buches. So offenbart sich der Erzähler im Buch zu Beginn als Kunstbanause und berichtet davon, wie sein Freund Carl ihn mit seiner Begeisterung für den Maler Spitzweg schließlich vom Gegenteil überzeugt.
Eckart Nickel sagte während des Gesprächs: „Wenn ich mir eine Mission auf die Fahne schreiben würde, dann ist es die: Schaut Spitzweg an.“ Die Moderatorin Sandra Kegel meinte daraufhin, jetzt würden wir alle das Buch lesen und danach ins Museum gehen.
Ich finde das übrigens ein schöne Aufforderung. Auf dem Buchcover seht ihr ein Bild von Spitzweg:

Entspannte Mittagspause und wen entdeckte ich?
Walter! Findet ihr ihn?

Lange Signierschlangen gab es auch an diesem Tag. Ist es nicht schön, die Wartezeit lesend zu verbringen? Auch zu zweit in einem Buch zu lesen ist toll:

Ebenso toll, mitten auf dem Innenhof sitzt eine Buchliebhaberin, ganz versunken in ihr Buch:

(Danke für eure Zustimmung, dass ich die Fotos hier teilen darf.)

Auf der Buchmesse werden unendlich viele Geschichten erzählt. Passend, dass auf dem Innenhof ein Geschichtenerzähler anzutreffen war:

Ich bin für mehr Geschichten und weniger Güterkonsum:

Auf der ARD-Bühne war Bärbel Schäfer im Gespräch mit Judith Holofernes zu deren aktuellem Buch „Die Träume anderer Leute“. In diesem autobiografischen Roman beschreibt die ehemalige Leadsängerin der Band „Wir sind Helden“ über die Dynamik in der Musikbranche, ihre Zeit nach den Helden, ihr Soloprojekt, sie schreibt über Krisen und Träume. Judith Holofernes erzählt davon, wie sie sich aus den kommerziellen Zwängen des Musikbetriebs befreite und zu der Künstlerin wurde, die sie schon lange sein wollte und damit ihr Leben zurückbekam.

Jetzt erlebte ich Biyon Kattilathu (links im Bild) im Gespräch mit einem Verlagsmitarbeiter zu seinem Buch „Komm mit auf einen Spaziergang zu dir selbst. Eine magische Reise zu mehr Achtsamkeit, Selbstliebe und Glück“.
Hier zeigten sie den Ansatz vom „tun haben sein“ hin zum „sein tun und haben“:

„Was vom Herzen kommt, geht auch ins Herz“, so Biyon Kattilathu. Weitere Sätze von ihm, die ich gerne hier teile: „Mal gewinnst du, mal lernst du“, „Denn das ist so wichtig sich auszuruhen“ und „Große Menschen reden über Träume und Visionen, normale Menschen reden über Sachen und kleine Menschen reden über andere Menschen.“
Spontan sangen die beiden auch und es wurden Fragen aus dem Publikum ausführlich beantwortet.

Eine Litfaßsäule zeigte Plakate, die von Besucher*innen gestaltet wurden. Diese Mitmachaktionen sind immer wieder auf der Buchmesse anzutreffen:

Überall sind prominente Menschen anzutreffen, wie hier Ulrich Wickert zu seinem Buch „Die Schatten von Paris“:

Schön ist es auch, Bücher zu entdecken, bei denen Menschen mitgewirkt haben die ich kenne, wie hier bei dem Buch „Die Spinner:innen“ (An dieser Stelle einen besonderen Gruß an dich, liebe Nanni):

Zum Abschluss des heutigen Tages ging es nochmal in den Spanien-Pavillon. Ich nahm auf dem Stuhl „Die Dichterin“ Platz und lauschte den Gedichten in spanischer Sprache:

Ich finde lesende Menschen wunderbar. Wie hier Gerlinde, die in ein Buch vertieft, mein Fotografinnenauge ansprach:

Wir kamen ins Gespräch und Gerlinde sagte, Lesen beschwinge und dass sie sich über die Übersetzungen freue. Wie schön, passen ihre Worte doch genau zu dem Motto der Buchmesse: „Translate. Transfer. Transform“.

Fasziniert lauschte ich der spanischen Performance „Ttukunak“. Wunderbar, ausdrucksstark und deutlich, dass auch Musik Geschichten und Gefühle erzählt:

Auch diesen Satz hob ich auf, den ich am Abend von einem Besucher hörte: „Ich habe so viel zu lesen, herrlich!“

Wieder fühle ich mich reich beschenkt und grüße euch herzlich aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – 3. Tag, Teil 2

Gestern Abend besuchten wir die ARD- Radiokulturnacht der Bücher. Ein reichhaltiges buntes Programm in der schönen Atmosphäre des hr-Sendesaals, das live übertragen wurde.
Catherine Mundt und Christoph Schröder führten durch den Abend:

Hier seht ihr Karin Duve zu ihrem Buch „Sisi“:

Eva Demski und ihr Buch „Mein anarchistisches Album“:

Lukas Bärfuss zu seinem Buch „Vaters Kiste“:

Der Abend war in vier Blöcke aufgeteilt und Vince Ebert las nach jedem Block aus seinem Buch „Lichtblick statt Blackout“.
Weiter ging es mit den Gesprächen und Buchvorstellungen von Jasmin Schreiber zu ihrem Buch „Biodiversität“:

Juri Andruschowytsch mit seinem Buch „Radionacht“:

Karl Schlögl zu seinem Buch „Entscheidung in Kiew“:

Mithu Sanyal und ihr Buch „Über Emily Bronte“:

Nach jedem Block sorgte die Band Gramophoniacs für tolle musikalische Unterhaltung:

Thersesia Enzenberger und ihr Buch „Auf See“:

Michael Friedmann mit seinem sehr persönlichen Buch „Fremd“:

Der Buchpreisträger Kim de l’Horizon und sein Buch „Blutbuch“:

Die spanische Autorin Elvira Sastre (mittig) mit ihrem Buch „Die Tage ohne dich“, links die Übersetzerin:

Im letzten Block erlebten wir Dörte Hansen zu ihrem Buch „Zur See“:

Ulrike Herrmann und ihr Buch „Das Ende des Kapitalismus“:

Und Joshua Groß zu seinem Buch „Prana Extrem“:

Der Abend schenkte ein vielfältiges Programm und es stehen wieder neue Bücher auf meiner Wunschliste.
Da alle guten Dinge drei sind, möchte ich drei Sätze des gestrigen Abends mit euch teilen, die ich zum Aufheben schön finde:

„Sage nie, du kannst nichts tun“, so Michael Friedmann.
„Was du auch tust, finde den Herzschlag darin“, sagte die spanische Autorin Elvira Sastreu.
„Ich werde ab Montag jeden Tag eine Dreiviertelstunde lesen, egal was kommt“, so ein Besucher der Buchnacht.

Hiermit grüße ich euch herzlich aus Frankfurt,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – 3 Tag

Mein erster Weg führte mich heute durch die Hallen. Heute ist die Buchmesse für das Publikum geöffnet und bereits am Morgen waren die Hallen gut gefüllt. Gleichzeitig ist ausreichend Platz in den breit angelegten Gängen:

Buchliebhaber*innen jeden Alters sind vorhanden:

Ich erlebte Stefanie Stahl, die von Bärbel Schäfer zu ihrem neuen Buch „Wer wir sind. Wie wir wahrnehmen, fühlen und lieben – Alles, was Sie über Psychologie wissen sollten“ interviewt wurde. Viele kennen Stefanie Stahl sicherlich von ihrem bekannten Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden.“ In ihrem aktuellen Buch geht es ihr darum, dass wir Menschen zu unserem authentischen Selbst finden. „Die frohe Botschaft ist, es ist gar nicht so schwierig,“ so Stefanie Stahl und „wenn wir das gefunden haben, dann können wir uns gut auf alles Leben da draußen konzentrieren“.

Richard David Precht und Harald Welzer diskutierten mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier und dem Moderator Daniel Bohns zu ihrem aktuellen Buch „Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“. Ein Buch, das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird. Precht und Welzer beschreiben ihr Buch als eine Aufforderung zum Diskurs. Eine sehr spannende lebendige Diskussion fand hier auf der Bühne statt mit unterschiedlichen Meinungen. Auch das Publikum wurde einbezogen und stellte abschließend Fragen. Auch das ist Buchmesse: Diskussionen und Auseinandersetzung und wo kämen wir hin, wenn wir keine Diskussionen hätten.

Ist das nicht bezaubernd? Mit Büchern träumen, ein schönes Bild an einem Stand:

Halt machte ich auch bei dem Stand „Buchkinder Leipzig e.V.“ , eine Buch- und Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Bei Buchkinder entwickeln Jungen und Mädchen ihre Geschichten zu eigenen Büchern. Die Kinder schreiben ihre Ideen auf, illustrieren, setzen und drucken sie und finden sie später gebunden zwischen Buchdeckeln vorliegen. Wunderbar!

Jetzt erlebte ich Elke Heidenreich im Gespräch mit Bärbel Schäfer. In ihrem Buch „Ihr glücklichen Augen: Kurze Geschichten zu weiten Reisen“ schreibt Elke Heidenreich darüber, wie sie ganz ohne Reiseführer gereist ist, in die Nähe und Ferne und sich dabei von ihrer Neugierde leiten ließ.
„Herz aufmachen und gucken“ , so sagte sie, sei ihre Art zu reisen. „Man muss darauf vertrauen, dass die Menschen im Kern gut sind“ und sie spüre beim Reisen „eine Verbundenheit mit allen.“ Ein schönes und humorvolles Gespräch und ein Buch, das meine Leselust weckt:

Nun erlebte ich Serhij Zhadan, der Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Cecile Schortmann war im Gespräch mit ihm und die Übersetzerin übertrug ihn ins Deutsche.
Serhij Zhadan ist ukrainischer Schriftsteller und Musiker und lebt in Charkiw, 40 km von der russischen Grenze entfernt. Seit 2014 schreibt er Posts über die Situation im Donbas. Diese Posts in den sozialen Netzwerken sprechen den Ukrainern Mut zu. In dem Buch „Himmel über Charkiw. Nachrichten vom Überleben im Krieg“ sind diese Posts chronologisch aufgezeigt.

„Der Himmel ist der Ort der Hoffnung und gleichzeitig auch ein Ort, von dem eine große Bedrohung ausgeht.“, so Zhadan. Er selbst habe sich entschieden nicht zur Waffe zu greifen und sei anders wirksam. Er ist ehrenamtlich tätig und hilft Bedürftigen vor Ort, so evakuiert er Kinder und alte Leute aus den Vororten, verteilt Lebensmittel, koordiniert Lieferungen und gibt Konzerte. Es wurde ein kurzer Film über sein Wirken in Charkiw gezeigt. Auch las er eines seiner Gedichte vor. „Gedichte und Literatur haben Kraft, auch im Krieg“, so Zedhan.
Er ist für Konzerte und für Veranstaltungen wie der Buchmesse unterwegs, nächste Woche geht er wieder zurück in die Ukraine, weil er dort seinen Platz sieht und weiter vor Ort wirksam sein möchte.
Seine Worte zu hören, empfand ich als sehr berührend. Auch das ist Buchmesse, zu Tränen gerührt sein. Lange gab es Standing Ovation nach diesem Gespräch:

In der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ waren nun die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die Biologin und Schriftstellerin Jasmin Schreiber (deren Bücher ich sehr mag) im Gespräch mit Jagoda Marinic:

Luisa Neubauer hat mit ihrer Großmutter gemeinsam das Buch „Gegen die Ohnmacht“ geschrieben. Jasmin Schreibers aktuelles Buch trägt den Titel „Biodiversität“.
„Ich versuche Menschen zu zeigen, dass die Natur keine Kulisse sondern eine Protagonistin ist“, so Jasmin Schreiber und nannte das Beispiel, wenn wir einen Post auf Instagram mit einem tollen Baum im Hintergrund machen, sollten wir diesen Baum nicht als Kulisse sondern als Lebewesen erleben. Ihr Buch ist „George“ gewidmet, einer Schnecke, die die letzte ihrer Art war, seit 2019 ist diese Schneckenart (deren komplizierter Name ich mir nicht merken konnte) ausgestorben. „Endling“ werden die letzten Tiere ihrer Art genannt.
Luisas Großmutter war nicht mit auf der Buchmesse, doch sie sei im Buch zu lesen und zu spüren, so die Moderatorin. Ein Foto von der Großmutter wurde eingeblendet:

Tolle Antworten gaben sowohl Luisa Neubauer als auch Jasmin Schreiber und beide leisten viel für die Gesellschaft, wie ich finde. Luisa Neubauer, die selbst politisch tätig ist, machte deutlich, dass es nicht ohne Widerstand gehe, da die Politik an vielen Stellen versage. Zu Fridays for Future sagte sie: „Uns müsste es eigentlich gar nicht geben.“ Und sie schenkte den guten Satz. „Hoffnung kommt von Handeln.“
Hier seht ihr Luisa Neubauer und Jasmin Schreiber mit ihren spontan getauschten Büchern:

Und Selfie-Freude:

In dem Innenhof befindet sich die Signierbox und hier seht ihr Elke Heidenreich darin:

Ein schöner Mitmachstand im Innenhof, bei dem die Besucher* innen Taschen gestalten können:

Für alle Altersstufen sind „Stars und Sternchen“ dabei, hier Cali Kessy, ein Foto für meine liebe Nichte, die sie mag:

Danach war ich bei dem ARTE Talk – „Sex und Macht“. Die Moderatorin Shila Behjat war im Gespräch mit Carel van Schaik („Die Wahrheit über Eva. Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern“) und Mithu Sanyal (der ich sehr gerne zuhöre und sympathisch finde ich zudem, dass sie ihre Schuhe abstreifte):

Eine sehr interessante und gute Diskussion mit einem hoffnungsvollen Blick fand hier statt. Diese Diskussion gehört zur ARTE-Serie „Naked: Männer, Frauen und noch viel mehr“, es ist eine Serie die sechs Folgen zu den Themen Sexualität und Geschlechterrollen in Vergangenheit Gegenwart und Zukunft umfasst, die ab dem 2. November auf Arte zu sehen ist. Gewiss sehr sehenswert. Ein gezeigter Trailer hierzu sprach mich sehr an.

Diese lange Warteschlange galt Vanessa Mai und ihrem Buch, das sie signierte:

Hier hier seht ihr Stephanie Schneider, die den deutschen Kinderbuchpreis 2022 für ihr Buch „Grimm und Möhrchen – ein Zesel zieht ein“ erhalten hat und mit der ich ein kurzes „Flurgespräch“ führen konnte:

Und überall viele ästhetisch schöne Bücher:

Im Frankfurt Pavilion erlebte ich ein Teil der ukrainischen Performance „Fokstroty“ mit Serhij Zhadan (dem Friedenspreisträger), Yuriy Gurzky und Lyula Yakomchuch.

Musik und Tanz, ja das ist immer wichtig, auch wenn das Thema Krieg vorhanden ist. Mir taten diese Klänge sehr gut.

Hier seht ihr den Erbauer des Frankfurt Pavilions. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Für ihn ist es wunderbar zu sehen wie dieser Raum gefüllt wird, besonders heute Abend zu diesem Anlass, wie er sagte:

Abends besuchten wir die ARD-Radiokukturnacht der Bücher, von der ich euch Morgen in Teil 2 berichte.
Ein Tag auf der Buchmesse Frankfurt, mit vielen guten Büchern, tollen Diskussionen, vielen Anregungen und ich fühle mich sehr reich beschenkt.

Bücherliebende Grüße aus Frankfurt,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – 2. Tag

Ein weiterer Tag auf der Frankfurter Buchmesse.
Meine erste Veranstaltung führte mich zur „Pressekonferenz Ehrengast 2023 Slowenien“. Slowenien, das im nächsten Jahr das Gastland der Buchmesse sein wird, hat das Motto „Waben der Worte“ gewählt. Worte der Literaten und Dichtenden, die in die Welt hinausfliegen werden. Wir hörten Reden von Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse, von der slowenischen Kulturministerin Asta Vrečko und dem slowenischen Kurator Miha Kovač. In der anschließenden Gesprächsrunde wurden die Autorinnen und Autoren Peter Svetina, Nataša Kramberger, Erwin Koester und Ana Marwan von Katja Gasser interviewt. Slowenien ist ein kleines Land, das gemessen an der Einwohnerzahl eine große kulturelle Vielfalt aufweist und ich freue mich auf dieses Gastland im nächsten Jahr.

Nun freute ich mich auf Maja Göpel, die auf dem Blauen Sofa zu ihrem Buch „Wir können auch anders. Aufbruch in die Welt von Morgen“ interviewt wurde. Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, systemisch zu denken. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse verdeutlicht sie in ihrem Buch, wie wir komplexe Entwicklungen verstehen und dieses Wissen für eine bessere Welt nutzen können. Strukturwandel betrachtet sie als eine Chance. Es sei Zeit, dass wir uns als Einzelne und auch als Gesellschaft erlauben, neu zu denken, zu träumen und die Frage zu stellen, wer wir sein wollen. „Je nachdem welche Entscheidung wir treffen, können unterschiedliche Zukünfte entstehen.“, so Maja Göpel. Ein Buch, das Mut auf den notwendigen Transformationsprozess macht und betont, dass wir aktive Gestalterinnen und Gestalter sein können.

Auf der ARD-Bühne erlebte ich Denis Scheck, der gewohnt temporeich und humorvoll einige Bücher vorstellte. So empfahl er etwa „Über die See“ von Mariette Navarro, für alle Krimifans „Alibi für einen König“ von Josephine Tey“, weiterhin die Romanbiografie „Mildred: Die Geschichte der Mildred Harnack und ihres leidenschaftlichen Widerstands gegen Hitler“, das Sachbuch des Jahres „Die Hohenzollern und die Nazis: Geschichte einer Kollaboration“ von Stephan Malinowski und das Buch „Die Heldin reist“ von Doris Dörrie, das nun auch auf meiner Wunschliste steht.

Hiernach ging ich zum Congress Center auf der Frankfurter Buchmesse. Es war angekündigt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi per Videobotschaft zur Buchbranche sprechen werde. Er wurde auf gemeinsame Einladung der Frankfurter Buchmesse und des Europäischen Verlegerverbandes hierzu eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung sprachen Peter Kraus vom Cleff (Präsident der FEP und Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Oleksandr Afonin (Präsident Ukrainian Publishers and Booksellers Association) und Jesús Badenes del Río (CEO, Grupo Planeta).

Peter Krauss von Cleff erzählte in seiner Begrüßungsrede, dass das Gespräch mit Selenskyi gestern Abend aufgezeichnet wurde. Er und vermutlich alle im Saal waren sichtlich berührt, auch in Anbetracht der aktuellen Energieversorgungsprobleme in der Ukraine.

In seiner Videobotschaft rief Selenskyi dazu auf, Wissen weiterzugeben „Knowledge to the people, that is the answer“, also das Wissen sei die Antwort. Die Rede ist in voller Länge auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse zu hören.

Nach seiner Rede standen die Menschen spürbar berührt auf und applaudierten:

Ukraine ist ein Thema, auf das hier auf der Buchmesse ein großer Fokus gelegt wird.
Nach dieser Veranstaltung ging ich zum ukrainischen Stand. Hier finden viele Diskussionsrunden statt:

Neben dem Thema Krieg sind auch poetische und literarische Bücher zu finden und dass auch das nicht untergeht, finde ich bedeutsam.

Bilder von ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern sind zu sehen, die sich mit dem Thema Krieg beschäftigten und ebenso mit der ukrainischen Kultur:

Auch diese Bilder berührten mich.

Andere Stände zeigen auch Solidarität mit der Ukraine:

In dieser Halle ist auch der Gutenberg Stand zu finden, bei dem Besucher*innen kreativ sein können und der alljährlich zur Buchmesse dazugehört:

Hier seht ihr Joni Majer und Birte Speuer, die zu ihrem Buch „worklove. Ein Fragebuch. Von der Liebe zur Arbeit – und der Arbeit an der Liebe“, erzählten. Es ist im schönen Verlag Hermann Schmidt verlegt, von dem ich gestern schon schrieb. Sie erzählten, wie ihr Buch entstanden ist, ein Prozess der vier Jahre gedauert habe. Bist du neugierig? Wovon willst du dich befreien? Wo wirst du nicht beurteilt?, sind einige der unzähligen Fragen in diesem Buch.
Wenn ich – die ich Fragen sehr mag – das Buch nicht schon hätte, hätte ich es mir nun gekauft.

Zur Preisverleihung „Das Lieblingsbuch der Unabhängigen 2022“ gehe ich jedes Jahr sehr gerne. Schon viele wunderbare Bücher habe ich hierüber kennenlernen können. Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren die Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig moderierte die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden und … ihr ahnt es… auch diese Bücher stehen nun auf meiner Wunschliste:

Mit Spannung wurde nun bekannt gegeben wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist.
Gewonnen hat Bonnie Garmus mit ihrem Buch „Eine Frage der Chemie“. Ein Buch, das nach Erfahrung der Buchhändler*innen viele Leser*innen lieben und das sogar weltweit.
Felicitas von Lovenberg vom Piper Verlag nahm den Preis entgegen:

Bonnie Garmus selbst konnte nicht anwesend sein, doch ihr seht sie hier:

Wie gut, dass wir Übersetzerinnen und Übersetzer haben, sonst hätte dieses sicherlich wunderbare Buch nicht zu uns nach Deutschland gefunden. „Eine Frage der Chemie ist ein Buch des Buchhandels und ein Erfolg des Buchhandels, nicht von Amazon.“, sagte Felicitas von Lovenberg und sie sagte, das mache Mut. Dem stimmt ich zu, denn ihr wisst ja, kauft nicht beim sogenannten „Riesen“, sondern beim Buchhandel vor Ort.
Die Verlegerin betonte zudem, wie großartig alle nominierten Bücher seien.
Ist es nicht wunderbar, dass die im Jahr 1957 geborene Bonnie Garmus mit diesem Buch ihr Erstlingswerk geschrieben hat? Auch das macht Mut, es ist nie zu spät zu schreiben. Wer von euch also schreiben möchte, schreibt, egal wie jung oder wie alt ihr seid.
Übersetzt haben den Roman Klaus Timmermann und Ulrike Wasel, die im Übrigen auch das wundervolle Buch von Delia Owens „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzten.
Und noch ein Abschlussbild dieser schönen Veranstaltung:

Ich ging Stände entlang, entdeckte ansprechende Titel:

Und ich setzte mich ins schon vertraue Pressezentrum, um zu schreiben und ging schließlich wieder hinunter zur ARD Bühne. Hier erlebte ich Bärbel Schäfer – die ich alljährlich hier als tolle Moderatorin erlebe – im Bücher-Talk mit Luzia Braun, zu deren Buch „Sich sehen“:

In diesem Buch haben Luzia Braun und Ursula März mit neunzehn verschiedenen Menschen über eigene und fremde Gesichter gesprochen. Neunzehn Geschichten von Prominenten und nicht prominenten Personen und ganz unterschiedlichen Blickwinkeln über das Gesicht. Ein Boxer, Modemacher, Dermatologin, Zwilling, Transgender, Philosoph, Bestatter, Schriftstellerin oder jemand, dessen Gesicht sich radikal veränderte, sie alle wurden befragt und teilen mit großer Offenheit ihre Sichtweisen zu dem Gesicht als Spiegel der Seele in diesem Buch. Ich finde, das klingt sehr interessant und spannend. Ja, ihr ahnt es, meine Wunschliste wird länger und länger…

Eine Nachricht auf meinem Handy ließ mich eine Pause machen und ein Wiedersehen mit einem lieben Menschen aus der Heimat erleben. (Solltest du hier lesen, liebe C., schön, dass wir uns getroffen haben.)

Im Spanischen Pavillon erlebte ich die „Umarmung“ (ihr erinnert euch? So heißt die Sitzgelegenheit), anders als bei der Eröffnung Dienstag nun gut „besessen“:

Hier hörte ich den Abschluss der Veranstaltung „Musik und Literatur“, wunderbarer Gesang und Klänge, zum Eintauchen schön:

Am Abend fand die Veranstaltung „Bookfest extra: Donna Leon“ statt. Shelly Kupferberg im Gespräch mit Donna Leon:

Donna Leon selbst las aus ihrem aktuellen Buch „Mein Leben in Geschichten“ in Englisch und mit sehr belebter stimmungsreichen Stimme vor. Wolfram Koch las ihre Geschichten in Deutsch vor:

Fragen wie: Wo hat Donna Leon ihren Namen her? Womit hat sie ihr Geld verdient, bevor sie aus Wörtern Geschichten machte? Wie lebt es ich mit einer kriminellen Energie? wurden von Donna Leon beantwortet. Es wurde deutlich, dass Donna Leon eine Frau ist, die viel erlebt hat, in Amerika, dem Iran, in Saudi-Arabien, Italien wie in der Schweiz. Eine Jugend auf der Farm, eine Pyiamaparty im Iran, Geldnot und Wundern in den Bergen, ein reichhaltiges Leben wohnt in ihr. Und definitiv auch viel Humor, das zeigte sie bei diesem BOOKFEST.

So ging ein weiterer Buchmessentag für mich zu Ende mit Vielfalt, Inspiration, guten Begegnungen, hilfsbereiten Menschen (Wo finden wir zum Saal Illusion?), berührenden Momenten und ebenso mit Humor. Bunt wie das Leben selbst.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

PS. Wenn ihr wissen wollt, von wo aus ich diesen Bericht gerade schreibe. Von der Lobby des Hotels Maritim aus, das sich direkt neben dem Messegelände befindet. Nein, hier bin ich nicht untergebracht, hier warte ich auf meinen Mann, der im Zug sitzt und gleich hier am Messegelände ankommen wird.

Frankfurter Buchmesse 2022 – 1. Tag

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der 1. Tag der Frankfurter Buchmesse, der für das Fachpublikum geöffnet ist. Ab Freitag ist die Buchmesse für Privatbesucher*innen geöffnet.
Bereits heute war die Buchmesse gut besucht, es war deutlich voller als im vergangenen Jahr, was die Buchbranche freuen wird.
Insgesamt werden 4000 Aussteller aus 95 Ländern hier erwartet. Die Frankfurter Buchmesse ist spürbar zurück mit all ihrer Buchliebe und Buchbegeisterung.
Meine erster Weg führte mich zur ARD Bühne zu der Veranstaltung „Klima Panel“. Hier wurde der Frage nachgegangen „Der Klimawandel ist überall spürbar. Wie wird er in der Literatur verarbeitet?“
Günther Wessel (Sachbuch „Klimakrise“), die Psychologin und bei Scientist for Future tätige Katharina van Bronswijk (Sachbuch „Klima im Kopf. Angst, Wut, Hoffnung: Was die ökologische Krise mit uns macht“) und Leona Stahlmann (Roman „Diese ganzen belanglosen Wunder“) wurden von Katharina Borchardt hierzu interviewt.

„Dass unser Leben sich ändern muss, das wissen wir alle, wir müssen uns überlegen, wollen wir Teil des Problems oder Teil der Lösung sein.“, so Günther Wessel. „Wenn wir es schaffen, die Wut konstruktiv in Handlungen umzusetzen, so ist das ein guter Weg“,“ äußerte Katharina van Bronswijk.
Trotz der schwierigen Thematik sind die beiden Sachbücher leicht zu lesen und kommen ohne erhobenen Zeigefinger aus. Leona Stahlmann las aus ihrem Roman vor und wir lauschten der schönen fließenden Sprache. Alle drei Bücher stehen nun auf meiner Wunschliste.
„Das entdecken von Schönheit kann dazu führen, dass wir diese Welt erhalten“, so Leona Stahlmann in einem der vielen aufhebenswerten Sätze.
„Ich wünsche viel Angst aber vor allem auch viel Mut und Hoffnung und gute Lektüre.“, so die Moderatorin Katharina Borchardt zum Abschluss dieser guten Gesprächsrunde.

Als ich den Innenhof, die Agora betraf, entdeckte ich König Felipe IV und Königin Letizia und unbeabsichtigt war ich mittendrin und ging in den royalen Spuren:

Winken zum Abschied:

Und begleitet von einer Polizeikolonne fuhr das Königspaar davon:

Die Grünen Politikerin und Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth und die Moderatorin Bärbel Schäfer seht ihr hier, leider ist das Foto etwas verschwommen, doch die beiden netten Frauen strahlen so von innen, da macht das nichts, wie ich finde:

Gute Botschaften zu unseren Füßen:

Kunsttafeln gibt es diesmal viele auf dem Innenhof, der Agora:

Auch weitere Kunst ließ mich innehalten:

Ein Blick von oben auf die Agora:

Danach war ich bei der Diskussionsrunde „Iran – wo lang? Der Aufstand gegen das Mullah-Regime und was der Rest der Welt tun kann“ von der PEN Berlin in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse. Doris Akrap (links) im Gespräch mit Deniz Yücel, Behzad Karim Khani, Omid Nouripour, Cinur Ghaderi und Natalie Amiri:

Der Tod der iranischen 22-jährigen Masha Amini vor wenigen Wochen hat diese Veranstaltung ins Leben gerufen. Auch in vielen anderen Veranstaltungen taucht das Thema Iran und die Proteste auf. Es wurde deutlich, dass die Themen Iran, Ukraine, Russland, Energiekrise nicht separat zu betrachten sind. Eine sehr interessante und wichtige Diskussionsrunde, wie ich finde. In diesem Frankfurt Pavilion wurde im wahrsten Sinne des Wortes auch Flagge gezeigt:

Weiter ging es für mich durch die Hallen. Hier seht ihr Jan Faktor, der zu seinem Buch „Trottel“ interviewt wurde, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 stand. Es handelt sich um einen autobiografischen Schelmenroman oder wie der Autor selbst bei dem Interview so amüsant sagte: „Im Trottel-Roman ist viel mehr erlaubt, das kann ich nur empfehlen, eine neue Gattung.“ Jan Faktor behandelt in seinem Buch auch ein ernstes Thema, denn sein Sohn, der psychisch krank war, nahm sich vor zehn Jahren das Leben. Trotz dieses Themas ist das Buch reich an Humor. Der Moderator schloss das Interview mit den Worten: „Dieses Buch ist ein Abenteuer, lesen Sie es, Sie werden reich belohnt.“

Bei dem Gang durch die Hallen entdeckte ich bekannte Verlage und Lieblingsbücher:

Und ein weiterer meiner Lieblingsverlage, der Hermann Schmidt Verlag, der wunderbare Bücher verlegt, die wie eine Schatzkiste sind:

Lieblingssänger – zumindest in Buchform – entdeckte ich hier auch:

Und neue Bücher und für mich neue Verlage. Das Buch „Alltags for Future“ gibt Anregungen für einen ökologischen Tagesablauf von morgens bis zum Abend:

Wichtig und schön, dass große wie kleine Verlage hier Raum haben.

Ein Wiedersehen mit Kasia Lewandowska, jedes Jahr besuche ich ihren Stand und wir freuen uns, uns wiederzusehen. Auch dieses Jahr zeigt sie in ihren Kunstwerken und -büchern wieder viel Hoffnung, Wärme und Licht:

Hiernach besuchte ich die Veranstaltung der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ „Wir – für Alt und Jung!“, bei der Livia Gerster zu ihrem Buch „Die Neuen“ und Ananda Klar zu ihrem Buch „Nehmt uns endlich ernst!“ von Jagoda Marinic interviewt wurden. In dem Gespräch ging es darum, dass sich junge Menschen in der Politik oft nicht gehört fühlen und die Frage, ob sich das mit dem Generationswechsel im Bundestag ändere.
Ananda Klar kritisierte in dem Gespräch, die politisch kürzlich getroffene Entscheidung, dass das Dorf Lützerath wegen der Braunkohle abgebaggert werden soll. Lützerath ist nur wenige km von meinem Heimatort entfernt und die Wachsamkeit für diese Thematik ist nicht nur in meiner Heimat, sondern auch hier in Frankfurt spürbar.

Mit einer Frau neben mir kam ich ins Gespräch und auch das ist typisch für die Frankfurter Buchmesse, Austausch und Begegnungen.

Schön sind die vielen spanischen Worte, die hier immer wieder auf den Gängen oder an Ständen auftauchen. Da Spanien das Gastland ist, wie ich gestern berichtete, sind hier viele Spanierinnen und Spanier anzutreffen. Auch viele andere Nationalitäten sind vertreten und dieses bunte Miteinander ist eine weitere der schönen Seiten der Frankfurter Buchmesse. Wie gut passt da auch das Thema der Buchmesse „Übersetzungen“ bzw. „Translate, Transfer, Transform“. Sicherlich geht es euch wie mir, wir erweitern unseren Horizont auch über Literatur, die übersetzt wurde und indem wir so von anderen Menschen erfahren und voneinander lernen.

Eine Neuheit bzw. eine der Neuheiten der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist das Awareness-Team, eine Unterstützungsstelle für Diskriminierungsfälle:

Hier seht ihr Daniela Dröscher, die zu ihrem Buch „Lügen über meine Mutter“ von Cecile Schortmann interviewt wurde. Auch dieses Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022. Ein Buch, das autobiografische Züge trägt. Die Protagonistin des Buches, Ella, hat eine Mutter, die der Vater viel zu dick findet und der sie massiv unter Druck setzt, abzunehmen. Daniela Dröscher sagte, sie schreibe nie aus Wut oder Anklage, sondern um zu verstehen. Sie las aus dem sicherlich lesenswerten Buch mit ihrer angenehmen Vorlesestimme:

Viele gute Bücher werden hier vorgestellt und ich bin mir bewusst, dass ich euch viele wunderbare Bücher gar nicht vorstellen kann und ich nicht alle Buchpräsentationen besuchen kann. Wie jedes Jahr, schenkt mein Bericht eine kleine Auswahl an Buchvorstellungen und allgemeinen Messeeindrücken. Ich hoffe, dass die Bücher in den nächsten Wochen und Jahren zu uns finden werden, die uns finden möchte.

Nun besuchte ich die „Julius-Campe-Preisverleihung“, die dieses Jahr die Buchmesse Frankfurt erhält. Sie erhält diesen Preis, da sie für Vielfalt und Freiheit der Literatur und für den Wert des Lesens steht.

Claudia Roth hielt die Laudatio, dabei tauchten die guten Worte auf: „Der Preis steht für all das, was Putin mit seinem verbrecherischen Krieg gegen die Ukraine bekämpft. Sie steht für die Freiheit, für die Freiheit der Literatur, für die Freiheit der Rede, die Freiheit der Kultur, mit anderen Worten für die Demokratie und damit für die Menschen. Worte berühren uns, sie inspieren, sie laden zum Träumen ein, ermöglichen Verständnis und Kenntnis und deshalb brauchen wir Literatur. Sie ist ohne jeden Zweifel Grundnahrungsmittel in unserer Demokratie.“

Tim Jung vom Hoffmann und Campe Verlag und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bei der Übergabe der Urkunde:

Was machte ich danach?
Mich ins Pressezentrum setzen und diesen Bericht schreiben. Hier oben ist Ruhe, Internetanschluss, Kaffee:

Zudem leckere Äpfel:

Und immer freundliche Mitarbeiter*innen im Pressezentrum:

Inzwischen im Hotelzimmer zurück, grüße ich euch nach einem weiteren inspirierenden Messetag aus Frankfurt,
Marion