„Ich finde den Gedanken schön, dass es ja kein Loslassen, sondern ein Lockerlassen sein kann.“



Das Leben malt einen Weg
Wir schnüren die Schuhe und gehen wohin es trägt
Manchmal streifen wir die Schuhe ab
fühlen jeden Stein und jedes Korn unter den nackten Zehen
Das Leben geht nicht nur geradeaus
Wir leben in Umwegen und Abzweigungen
ahnen, das meiste versteckt sich in den krummen Wegen
in Seitenstraßen und hinter Kurven
Wenn wir uns bücken und anhalten
die Pläne verlassen
uns vom Leben anhalten lassen
finden wir sie
die stillen Zaubersätze
und leben wir immer mehr
in uns hinein


Hier liegt es
das Mehl, der Zucker, das Backpulver
die Äpfel, die Margarine, der Zimt
Wir können es liegen lassen
oder zugreifen
gestalten
kreativ sein
Also, lass uns was draus machen
Ich verspreche dir,
dann wird ein Duft
durchs Haus und den Garten strömen
Und wir
werden genießen
Hier liegt es
das Jahr, die Monate, die Wochen
der Tag, die Stunden, der Moment
Wir können es liegen lassen
oder zugreifen
gestalten
kreativ sein
Also, lass uns was draus machen
Ich verspreche dir,
dann wird ein Duft
durch unsere Körper und unsere Herzen strömen
Und wir
werden genießen


Wenn wir tief in uns reinhören
wissen wir
in welche Richtung wir wollen
Der innere Kompass kennt
keine Lügen
Er spricht wahr
und deutlich
Doch wir
verschließen die Ohren
so lange
bis weghören nicht mehr möglich ist


Christiane hat wieder zu den abc.etüden, eingeladen, bei denen es gilt, 3 Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Worte stammen diesmal von Torsten mit seinem Blog Wortman und lauten:
Affe
neu
blockieren
Und hier kommt meine Etüde:
Wir müssen nicht das ganze Leben umkrempeln, um neue Energie zu spüren. Manchmal reicht eine Kleinigkeit. Den Weg zum Bäcker anders als sonst gehen, einen Umweg nehmen. Den Platz am Tisch ändern und eine neue Aussicht vom Küchenstuhl aus erleben. Mitten am Alltagsmittwoch das schönste Kleid hervorholen und tragen. Morgens meditieren, die Malstifte hervorholen oder endlich Buddenbrooks lesen. Den Schrank ausmisten und Sachen verschenken. Etwas ausprobieren. Wir haben doch alle diese verborgene Liste in uns, auf der geschrieben steht, was wir einmal ausprobieren wollen. Ideen, die wir einst hatten und die eingeschlafen sind. Es schleichen sich viele Gründe ein, die uns abhalten und blockieren, meist sind wir es selbst. Doch Gründe dürfen beiseitegeschoben oder in die Tasche gesteckt werden.
Manchmal funktioniert unser Inneres wunderbar. Eine Sache neu beginnen, weckt Lust auf etwas weiteres. Als wohne ein Domino in uns. Als stupse ein Stein den anderen an.
Bei ihr war es der Spanischkurs vor einigen Monaten. Sie mag den Klang der Sprache. Eines Tages wird sie in Spanien wandern und den Einheimischen mehr als ein „Buenas dias!“ zurufen können. Sie tippt „Mono“ in ihr Handy und freut sich, diese App entdeckt zu haben. Mono ist Affe, das kann sie sich gut merken, ebenso wie oso für Bär und gato für Katze.
Es blieb nicht beim Spanischkurs, auch ihr Französisch hat sie wieder aufgefrischt. Ein paar Wochen danach begann sie mit Laufen. Ein neue Tätigkeit kitzelt eine nächste wach. Sie mag es inzwischen, wenn sie über die Felder läuft, die Sonne aufgehen sieht, den Wind fühlt, ihre Füße auf den Waldwegen spürt. Sie fühlt, da ist noch vieles in ihr, das sie ausprobieren und machen möchte. Manchmal ist Leben leicht. Beginnen. Irgendetwas Neues ist immer da, das uns einladen möchte.

Kennst du dich?
Immer mehr?
Nimmst du dir Zeit für dich?
Bist du heimisch in dir?
Fühlst du dich rund?
Mit allen Ecken und Kanten?
Hältst du dich aus?
Bist du dir selbst ein guter Freund?
Dem du alles sagen kannst?
