Dieses Jahr findet ihr hier zwei Kategorien.
Kategorie 1 – Wortgewebe: Wöchentlich stelle ich ein Wort aus einem anderen Land vor und verwebe es in einen kurzen Text, ergänzt durch ein passendes Foto.
Kategorie 2 – Lächelspuren: Ebenfalls wöchentlich hinterlasse ich lachende Gesichter aus Naturmaterialien oder Kreide im öffentlichen Raum, und halte es mit einem Foto fest.
Zudem werde ich wie jedes Jahr über die Leipziger und Frankfurter Buchmesse berichten.
Christiane hat wieder zu den abc.etüden eingeladen, bei denen es gilt, 3 vorgegebene Begriffe in einem Text mit maximal 300 Wörtern zu verpacken. Die Worte stammen dieses Mal von Ulrike und ihrem Blog Blaupause7. Die drei Worte lauten: Lautsprecher, orange, erschüttern.
Und hier kommt meine Etüde:
Er schließt die Haustüre auf und stellt seine nassen Schuhe in den Flur. Die wohlige Wärme des Drinnen umgibt ihn. Nach solch einem Spaziergang in der frischen Januarluft, ist ein Tee genau richtig. Er setzt Teewasser auf. Die Katze kommt und streicht um seine Füße. Ihr schwarzes glänzendes Fell bildet einen Kontrast zu seinen orangenen Wollsocken. Er mag Kontraste. Nachdem der Tee genug gezogen hat, setzt er sich auf seine Bank ins Wohnzimmer und schaut hinaus. Tee, der Blick nach draußen, die Frische der Natur noch auf der Haut, die Katze neben ihm auf der Bank, ihr Schnurren beruhigend gut. Das sind Momente, in denen er fest davon überzeugt ist, dass ihn nichts erschüttern kann. Diese Momente braucht es, um all dem standzuhalten, was das Leben hin und wieder fordert. Von ihm und all den anderen 8 Milliarden Menschen da draußen. Der Tee wärmt, sein Duft unvergleichlich gut. Er geht zu seinem Plattenspieler, den er vor Kurzem aus dem Dachspeicher hervorgeholt hat, und legt eine Platte auf. Es gibt Lieder, die begleiten durchs Leben. Der Lautsprecher lässt Töne erklingen, die sich mit seinen Erinnerungen mischen. Er sieht sich tanzen, als 17-jähriger, die Haare lang, der Pulli weit, die Bewegungen suchend, er sieht sich als 25-jähriger, mit dem VW Bus eines Freundes in Frankreich, die Gitarre im Gepäck und diese Töne spielend, er sieht sich als 40-jähriger, die Haare längst kurz, Diagnosen in sich tragend und genau dieses Lied als Trost erlebend, er sieht sich als 60-jähriger, die Kinder groß, das Haar lichter, vieles geschafft und das Lied noch immer an seiner Seite. Nein, er will nicht mehr 17 sein, keine 25, 40 oder 60. Er will das sein, was er ist. Ein Mann, der spürt, dass das Leben endlich ist. Diese Endlichkeit schenkt dem Augenblick seine große Schönheit.
Diese Zeiten sind besonders Als stehe die Welt ein wenig still Dabei tanzt sie immer Vieles ist anders fällt weg und wird vermisst Dann höre ich wie du sagst: Ich hab um 10 Uhr ein Brötchengespräch mit Aldo Und ich weiß wieder wie wunderbar kreativ wir Menschen sind Erfinden Wörter, die es noch nicht gab Trotzen dem Negativen Finden Begegnungen vor und hinter Bildschirmen Wir können vieles auch jetzt immer noch Lass uns den Wald besuchen die Felder betrachten eine neue Sprache lernen Malstifte hervorholen den Januarwind beobachten das Zimmer zur Tanzfläche machen ein Gedicht schreiben und eines auswendig lernen Lass uns verabreden zu Brötchengesprächen und dieses neue Wort mögen
Das eigene Selbst kennen, liebgewinnen, nicht verlieren Nur mit dem Selbst kann ich mich dem Du zuwenden Das Du wirft Farben zurück Farblos sind wir nie
Wir flüstern unseren Wunsch in den Himmel werfen ihn in der Nacht dem Mond zu mit sanftem Schwung Zarter geht es nicht Kein Wind kein Tropfen soll ihn treffen
Ich habe mich von www.puzzleblume.wordpress.com einladen lassen bei der Zimmerreise 01/2021 mitzumachen. Die Idee der Zimmerreisen finde ich wunderbar. In der jetzigen Zeit des Lockdowns sind wir alle vermutlich wenig unterwegs. Dennoch können wir reisen. Wir können eine Reise machen zu dem, was uns umgibt. Wir können unser Zimmer, unsere Wohnung, unser Haus, unseren Garten, unsere nahe Umgebung bereisen, dies alles mit wachen Augen betrachten und uns anregen lassen, zu hören, was die dortigen Gegenstände uns für Geschichten erzählen. Ich bin mir sicher, sie haben viel zu erzählen.
Die erste Zimmerreise soll zu den Buchstaben A, B oder C sein. Ich habe das A gewählt.
Und hier kommt meine Zimmerreise, mit dem Titel:
Das Andenken
Hallo, ich möchte mich gerne vorstellen. Ich bin das Andenken. So heiße ich. Ich weiß, viele tragen meine Namen, doch das macht nichts. Wir sind dennoch alle einzigartig. Schön, dass du mir zuhörst. Ich möchte dir ein wenig von mir erzählen. Ich hänge an einer weißen Wand in einem Flur, in dem oft die Sonne hereinscheint. Fenster von oben und von der Seite lassen wärmendes Licht herein. Hier hänge ich gerne und zeige mich. Das ist eine schöne Mischung, abhängen, beobachten, sich präsentieren und Freude verschenken. So mag ich mein Leben. Ich sehe die Menschen, die hier wohnen, täglich gehen sie ein und aus. Ich sehe außerdem eine Katze, die hier lebt und dann sehe ich noch andere Menschen, die hier zu Besuch kommen. Ich glaube, es sind Freunde derer, die hier leben. In letzter Zeit sah ich sie weniger, doch sie werden eines Tages wieder häufiger kommen, da bin ich mir sicher. Ich hing nicht immer hier. Mein erster Wohnort trägt den Namen Veli Losinj, das ist ein bunter Ort auf einer kleinen kroatischen Insel. Dort lebte ich in einem wunderschönen Atelier, das lichtdurchflutet und in seiner Einfachheit bezaubernd war. Eine Frau namens Nena hat mich erschaffen. Sie ist eine Künstlerin. Sie war es auch, die mir meine Farben schenkte. Du musst wissen, ich bin entstanden aus Treibgut. Einst war ich Holz, das im Meer umhertrieb. Die Wellen kamen und gingen und eines Tages trieben sie mich an Land. An einem milden Frühsommertag kam diese Frau den Strand entlang, sie sammelte Sachen, aus denen ich bestehe. Sie hob mich auf, betrachtete mich und legte mich in einen mitgebrachten Korb. So lernte ich ihr Atelier kennen. Viele schöne bunte Gegenstände hingen an ihren Wänden. Erst lag ich auf einer ausgebreiteten Decke auf dem Innenhof und die Maisonne trocknete mich. Als ich trocken war, kitzelte Nena mich mit ihrem Pinsel. Sie malte mich an. Blau und Gelb stehen mir, wie ich finde. Später setzte Nena mich zusammen und dann durfte ich dort hängen, wo die anderen Kunstwerke hingen. Denn das war ich nun, ein kleines Kunstwerk. So nannte Nena mich und die bewundernden Blicke der Besucherinnen und Besucher schienen dem Recht zu geben. Es war eine schöne Zeit. Ich hörte Stimmen in vielen Sprachen. Kinderaugen bestaunten mich und die Augen der Erwachsenen wurden weicher, wenn sie mich ansahen. Nena pflegte uns gut. Eines Tages kam die Frau, in deren Haus ich nun lebe, in das Atelier. Sie kam mit ihrer Familie und auch sie gingen umher und betrachteten uns. Sie kamen mit Nena ins Gespräch und Nena erzählte von ihren Spaziergängen am Meer, bei denen sie das Treibgut sammelt. Bei mir blieben sie besonders lange stehen. Sie lächelten, als sie mich sahen. Sie wollten mir ein neues Zuhause schenken. So landete ich, in weiches Papier gehüllt, in dem Rucksack der Frau. Drei Wochen lag ich einpackt in einem Fach in einem rollenden Haus. Es war zwar ein wenig dunkel, doch gemütlich. Ich konnte die neuen Menschen mehr und mehr kennen lernen, indem ich sie zwar nicht sehen konnte, doch ich hörte sie durch den Schrank hindurch. Irgendwann nach vielem Geschaukel, das mich ein wenig an meine Zeit im Meer denken ließ, kamen wir in dem Ort an, an dem ich nun lebe. Ich wurde in das Haus getragen, das nun mein Zuhause ist. „Unser Andenken“, sagte die Frau, als sie mich auspackte. Da wusste ich, dass ich ein richtiges Andenken bin. Das Wort mag ich, es trägt schöne Erinnerungen und einen Hauch Achtsamkeit. Andenken bin ich gerne. Bedeutet es doch, dass in mir Geschichten wohnen und ich wortlos an Erlebnisse erinnern kann. Das ist mein Zauber. Nachdem ich an diese weiße Wand befestigt wurde, nahm die Frau den kleinen Stein und setzte ihn zu mir. Da fühlte ich mich so richtig vollkommen. Nachts, als die Familie schlief, fragte ich den kleinen Stein, wo er herkomme. Stell dir vor, auch er kam auch von dieser kleinen kroatischen Insel. Die Frau hatte ihn beim Spazieren am Strand entdeckt, dabei ist er so klein, dass er schon befürchtet hatte, er werde übersehen. Nun ist er immer bei mir und ich finde, wir passen wunderbar zusammen. Der Stein erinnert die Menschen an die Sonne, an das blaue Meer, an die Schönheit und Leichtigkeit der Insel, an Tage im Freien, an Luft, die in den Himmel malt. Ich bin gerne ein Andenken. Ich glaube, die Menschen mögen mich, da ich sie daran erinnere, dass aus dem Wenigen etwas entstehen kann, dass ein Hinsehen lohnt und dass ein Hauch der Insel mitgetragen werden kann an jeden Ort der Welt. Wenn sie mich betrachten sind sie manchmal für einen Moment still. Dann ist mir, als hören wir den Klang der Wellen, die sagen, alles kommt, alles geht, alles kommt. Das sagen sie mit einer solchen Zuversicht, dass ich mein Gelb und Blau lächeln lasse.
Wir sagen uns am Abend wenn der Tag müde wird Für heute ist es genug ich mache morgen weiter Dann decken wir zu was wir machten Da darf es bleiben und ruhen und träumen in der milden Nacht Unsere Hände am Morgen nehmen es neu in die Hand Wir stehen davor und sehen es ist gewachsen Vieles geschieht wenn wir es lassen