Archiv für den Monat September 2021
Findesatz-Gedicht 121

Das Leben war gut zu ihm
Nicht immer, wie könnte es
und doch fühlt er sich als Glückskind
mit all den Jahren, die er in sich trägt
Von seinem Lebensgefühl
ist er total mit sich im Reinen
Wenn er seine Geige stimmt
die ersten Töne erklingen
schließe ich die Augen
höre ihm zu
und ich mich hinein
Glück färbt ab
immer
Findesatz 121
„Von seinem Lebensgefühl ist er total mit sich im Reinen.“
Findesatz-Gedicht 120

Erfindest du etwas?
Tanzt du mit den Schmetterlingen?
Malst du Wolken in den Himmel?
Bleibst du bei mir?
Hörst du dein Herz schlagen?
Glaubst du deiner Fantasie?
Sollen wir?
Hast du sowas schon mal gemacht?
Träumst du mit mir?
Findesatz 120
„Malst du Wolken in den Himmel?“

Findesatz-Gedicht 119
Der Morgen weckt mich
Das geöffnete Fenster zeigt wie der Wind heute spricht
Kaffeegeruch küsst die Nasenflügel
während die Zeitung auf dem Tisch liegt
mit Nachrichten, die mich fragen lassen
warum wir Menschen so sind
Die Terrasse empfängt meine nackten Füße
und die Kastanie wirft die ersten Blätter ab
Die Schmerzen sind nicht fühlbar
Nebenan erzählen Hühner einander Geschichten
Verschwommenes vom Traum wohnt noch auf meiner Haut
Ich blicke in den Himmel
Ich strecke mich dem Tag entgegen
Ja, juchhu, ich lebe!
Findesatz 119
„Ja, juchhu, ich lebe!“
ABC-Etüde
Gerne habe ich mich von Christiane auf ihrem Blog Irgendwas ist immer zu den ABC-Etüden für die Textwoche 36/37 2021 einladen lassen. Dabei gilt es, drei vorgegebene Wörter in einen Text mit maximal 300 Worten einzubauen.
Die diesmalige Wortspende stammt von Ludwig Zeidler und seine drei Worte lauten:
Schlick / ominös / putzen
Hier kommt mein Text:
Die Chucks liegen im Hausflur neben dem Eingang. Wenn er spätnachmittags seine Haustüre aufschließt, streift der die Chucks ab und lässt sie dort bis zum nächsten Morgen liegen, es sei denn er geht zu seinem Nachbarn auf ein abendliches Gespräch, trifft sich mit Freunden in einem Café oder geht ins Theater.
Seine nackten Füße hinterlassen ein leises Geräusch auf dem Holzboden. Barfuß geht er am liebsten, dann fühlt er sich frei und geerdet.
Er setzt sich Tee auf, seine Katze streicht um seine Beine und er krault die Stelle hinter ihren Ohren, die ein lautes Schnurren hervorruft. Er redet mit ihr, wie er das immer macht. „Was hast du denn den ganzen Tag gemacht?“, fragt er sie, „Dein Leben besteht aus schlafen, streunen, essen, trinken, dich putzen und manchmal eine Maus jagen. Jaja, dich kraulen lassen natürlich auch. Du machst das gut mit dem Leben, weißt du das.“
Mit dem dampfenden Teebecher in der Hand geht er hinaus auf die Terrasse, seine Katze begleitet ihn und zu zweit gehen sie durch den Garten. Er öffnet das Gatter am Ende des Gartens, das in den angrenzenden Wald hineinführt. Er geht ein paar Meter in den Wald hinein, seine Katze bleibt stehen, wie sie das immer am Waldrand macht. „Das ist dir nicht geheuer, was? Der dunkle ominöse Wald! Dabei ist er ein Lebewesen wie wir.“ Seine Katze setzt sich, während er weiter geht.
Tagsüber hat es ein wenig geregnet und an einigen Stellen ist der Boden aufgeweicht. Seine Füße fühlen den Schlick, doch das macht ihm nichts, im Gegenteil, er fühlt sich lebendig und der Natur verbunden.
Er bleibt stehen, nimmt die Frische an seinen Füßen wahr, die Wärme des Teebechers an seinen Händen und ist dankbar, all das fühlen zu können. Danke, flüstert er und atmet tief ein und aus.
Findesatz-Gedicht 118

Manchmal ist eine Blume schöner als hundert Blumen
Diese eine Blume küsst die Augen
Ihre schöne Schlichtheit füllt den Raum
Nichts lenkt ab von ihrer Farbe und Form
Sie kann sich entfalten
und flüstert unserem Inneren zu
Weniger ist Mehr





