Wer hat den Vögeln das Singen beigebracht?



Vor einigen Wochen ist das Buch „Corona – Persönliche Geschichten aus der Region“ erschienen, herausgegeben von Ingrid Heim. Ich freue mich, mit einer Geschichte dabei zu sein. Ich lebe im Kreis Heinsberg, was im Frühjahr 2020 zu dem bekannten Corona-Hotspot wurde. Ingrid Heim hatte die Idee zu dem Buch und rief vor einigen Monaten dazu auf, Geschichten einzureichen, wie Menschen in unserer Region diese Zeit erlebt haben und erleben.
Herausgekommen ist ein vielfältiges Zeitzeugnis. 70 Beiträge von Menschen unterschiedlichen Alters. Eine Mischung aus berührenden, bewegenden, besinnlichen und auch lustigen persönlichen Geschichten.
Gestern gab es bei der WDR Lokalzeit Aachen einen Beitrag zu dem Buch. Etwa ab der 21. Minute wird darüber berichtet. Und ja, mein Mann und ich tauchen auch darin auf. Wenn ihr mögt, schaut gerne rein.
Hier der Link:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-aachen/video-lokalzeit-aus-aachen—936.html
Es grüßt euch
Marion





Christiane hat in ihrem Blog wieder eine Schreibaufgabe gestellt. Drei Wörter, diesmal von einer Wortspende von kommunikatz, sollen in einen Text mit maximal 300 Wörtern eingebaut werden.
Die Wörter lauten: Pilze, traurig, schlafen.
Und hier kommt meine Etüde:
Milde Oktobersonne wärmt seine Haut. Er fühlt sich wie die gerade begonnene Jahreszeit, nicht mehr frisch, doch noch immer die ureigensten Farben verstreuend. Er trägt seine Patina, sein Gesicht spricht davon und sein Inneres. Der wievielte Herbst ist es, den er bewusst erlebt? Als Kind waren ihm die Jahreszeiten egal, sie waren einfach da, ohne dass er sie als solche wahrnahm. Er hinterfragte sie nicht. Heute nimmt er dankend an, was sie schenken. Die Walnüsse, jedes Jahr aufs Neue. Die Pilze im Wald, die er sammelt, wie seine Tante es ihn lehrte. Das Geräusch des Laubs unter seinen Füßen. Geröstete Kastanien. Zeit, die Lieblingsmütze aus dem Schrank hervorzuholen. Es ist keine Jahreszeit, um traurig zu sein. Der Herbst tröstet in einer sanften Sprache. Er ist unaufgeregter als der Sommer. Doch er weist seine Schönheit und seinen Glanz auf, nicht grell, doch wärmend und vertraut.
Das Licht am Morgen lädt zum Hinsehen ein. Am offenen Fenster reckt er sich. Dann brüht er Kaffee auf und beginnt sein Tageswerk. Mittags entzündet er ein Feuer im Ofen. Er kocht sich eine Suppe. Am Nachmittag stimmt er seine Geige und spielt für sich und seine Katze. Manchmal holt er sein Rad aus dem Schuppen und fährt zu Freunden, sitzt auf deren Eckbänken in den Küchen oder im Windschatten auf einer Terrasse. Jeden Tag liest er in einem Buch. Die Lesezeichen verschwinden. Er hat aufgehört, nach ihnen zu suchen. Es finden sich Neue. Abends nimmt er den Füllhalter und schreibt, was der Tag ihm schenkte. Meist ist es mehr als er denken würde, wenn er es nicht aufschreiben würde. Wenn er sich dann schlafen legt, ist sein Kissen ruhig. Die Geräusche des Ortes verstummen. In seinen Träumen will er niemand anderes sein. Er möchte genau das sein, was er ist, ein Mann mitten im Herbst.


