Frankfurter Buchmesse – Tag 5


Sonntag und damit der letzte Tag der Frankfurter Buchmesse.
Einige Zahlen zu Beginn: Mit 93.000 Fachbesucher*innen (2021 waren es 36.000 Fachbesucher*innen) und 87.000 Privatbesucher*innen (2021 waren es 37.500 Privatbesucher*innen) war die Frankfurter Buchmesse sehr gut besucht. Über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern haben sich hier präsentiert.

Mein erste Veranstaltung an diesem Sonntag führte mich zu Veit Lindau. Er ist Gründer der erfolgreichen Life Coaching Community homodea, eine Community zur Persönlichkeitsentwicklung. Umgeben vom Messetrubel des Buchmessensonntags lud Veit dazu ein, innezuhalten und persönlichen Fragen nachzugehen. „Stille Seele, wildes Herz“ heißt sein aktuelles Buch. Einige seiner Gedanken, die er bei dem Gespräch schenkte: „Erinnre dich daran, was dein Herz will“, „Mild zu sein bedeutet, dass alle deine Fehler Sinn machen“ und „Du hast ein Recht auf Freude“.

Hiernach erlebte ich die Nachhaltigkeitsexpertin Anke Schmidt, die das Buch „Schlauer putzen“ geschrieben hat. Anke Schmidt veröffentlicht Zero Waste-Tipps auf ihrem Instagram-Kanal und ist als Wastelesshero bekannt. An dem Ulmer Stand beantwortete sie Fragen, gab nützliche Tipps und zeigte, wie man ein „Anti-Geruchsspray“ herstellt. In ihrem Buch gibt sie Anregungen und Tricks, wie sich mehr Nachhaltigkeit günstig und leicht in den eigenen Haushalt bringen lässt:

In den Hallen ist immer etwas zu entdecken, wie hier Sebastian Fitzek:

Das Buch „Das Klimabuch“ von Greta Thunberg vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 27. Oktober:

Hanna Harms hat mit ihrem Buch „Milch ohne Honig“ einen poetisch gezeichneten Sachcomic zum Thema Bienensterben geschrieben und zeigt damit in zauberhafter Weise die Dringlichkeit von nachhaltigem Umweltschutz:

Sie signierte nicht nur, sie schenkte dazu auch eine schöne Zeichnung:

Danach erlebte ich Alok Vaid-Menon im Gespräch mit Charlotte Milsch über das Geschlechtersystem. Alok Vaid-Menon ist eine nichtbinäre Person aus den USA, die Bücher schreibt und Performance-Kunst macht. „Mehr als binär“, das aktuelle Buch, regt an, über die Kategorien von Mann und Frau hinaus zu denken. Alok Vaid-Menon sprach von den Vorurteilen die gendernonkonforme Menschen täglich erleben. In dem Buch wird Wissen vermittelt, um der zunehmenden Trans-Diskriminierung mit Haltung zu begegnen und es lädt ein, die Geschlechter in allen Farben zu sehen:

Danach erlebte die Buchvorstellung des Lyrik-Bands „Halb Vogel bin ich, halb Baum“ von Umar Abdul Nasser:

Der Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser kommt aus dem Irak und lebte mehr als zwei Jahre im Versteck vor dem IS, bevor er das Land für Stipendien-Aufenthalte verlassen konnte.
Er las in seiner Heimatsprache Gedichte vor, ich lauschte dem schönen Klang und später der Übersetzung:

Im Pressezentrum sind immer wieder Ruhe und Kaffee zu finden:

Auch an diesem Tag entdecke ich an vielen Plätzen lesende Menschen, wie hier den Buchmessenbesucher Thorsten, draußen in ein Buch vertieft:

In der Agora sah ich eine Performance:

Auf der ARD-Bühne ging es für mich weiter zu Bärbel Schäfers Bücher-Talk mit Diane und Reinhold Messner. Reinhold Messner hat mit seiner Frau Diane gemeinsam das Buch „Sinnbilder“ geschrieben. Darin gehen die beiden der Frage nach einem gelingenden Leben nach. Es geht in dem Buch um die Themen Verzicht, Fragen zur Nachhaltigkeit und Generationsgerechtigkeit.
Die beiden leben als Selbstversorger. „Mir ist der Konsum ein Gräuel“, so Reinhold Messner. „Es muss vorbei sein, dass wir alles konsumieren und wegwerfen“, so sagte er und „Jeder hat eine Verantwortung für die Welt zu tragen“.
Diane Messner sagte: „Wenn ich für mich selbst Verantwortung übernehme, übernehme ich gleichzeitig Verantwortung für die Welt“.
Natürlich wurde auch über das Bergsteigen und das Gehen gesprochen. „Wir Menschen sind Fußgänger, wir können nur in der Geschwindigkeit des Gehens die Welt erkunden“, war von Reinhold Messner zu hören.
„Es ist sehr anstrengend mit ihm wandern zu gehen, das muss ich gestehen“, sagte Diane Messner und ihr Mann habe ein anderes Tempo als sie und würde beim Gehen keine Pausen mögen oder wenn sie stehenbleibe. „Manchmal schimpft er und dann sage ich: Wenn du noch mal schimpfst, dann gehen wir ins Schwimmbad. Weil er kann nicht schwimmen.“, auch solche amüsanten Sätze waren zu hören.

Nach dem Gespräch gab es Selfie-Freude:

Meine letzte Veranstaltung führte mich zur „GastRollen-Übergabe Spanien – Slowenien“. Dies ist immer die Abschussveranstaltung im Ehrengast-Pavillon. Jedes Jahr wird die „Gast-Rolle“, ein speziell entworfenes Kunstobjekt, um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht. Nun wurde also Spanien als Gastland 2022 verabschiedet und Slowenien als Gastland 2023 begrüßt.
Die Moderatorin Shila Behjat sagte: „Bücher – es geht immer weiter und die dringende Themen dieser Zeit waren hier auf der Buchmesse sehr präsent.“ Sie führte ein Gespräch mit dem spanischen Autor Manuel Rivas (mittig im Bild) und dem slowenischen Autor Drago Jancar (rechts im Bild):

Es ist ein schönes Ritual, die Autoren oder Autorinnen der beiden Gastländer lesen jeweils einen Roman des anderen und reden dann darüber.
Manuel Rivas brachte einen Schlüssel als Symbol mit und Drago Jancar sagte zu diesem Symbol: „Literatur ist immer ein Schlüssel, der die Herzen der Menschen öffnet.“ Manuel Rivas äußerte in dem Gespräch den Satz: „Gott sei Dank haben wir eine Diversität auch in der Kultur.“
In dem Gespräch lag ein Apell zum Dialog und zur Begegnung in der Welt.

Wie Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse in seiner Rede sagte, sei immer ein lachendes und ein weinendes Auge bei dieser Feierlichkeit dabei.
Hier seht ihr, wie Slowenien die Gast-Rolle erhalten hat:

Janez Krevel hörten wir mit seinen Kontrabassklängen:

Die Mitwirkenden des neuen Gastlandes Slownien betraten nochmal mit Juergen Boos die Bühne:

Damit ging der letzte Buchmessentag zu Ende.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte rückblickend zu dieser Buchmesse: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse gab so wichtige Anstöße angesichts der aktuellen Herausforderungen in Branche, Gesellschaft und Weltpolitik. Damit konnte die Frankfurter Buchmesse ihre Bedeutung als wichtigster Handelsplatz für Bücher sowie als Ort der Vielfalt und des friedlichen Austauschs unterstreichen.“

Ihre Worte kann ich sehr bejahen, denn so erlebte auch ich die Buchmesse.
Mehr als einmal dachte ich bei den vielen Veranstaltungen, Gesprächen, Diskussionen, beim Ansehen der Bücher und bei den Begegnungen, das hier viel Hoffnung wohnt. All die drängenden Themen der Zeit sind da. Es wurde deutlich und spürbar, dass wir die Gestaltenden unserer Zukunft sind.
Ja, es war auch anstrengend und ich habe eine Woche mit zu wenig Schlaf verbracht und manchmal tat mir der Arm vom Eintippen weh und ja, es war eine wunderbare Woche, es gab viele Impulse, Geschenke für die Augen, Ohren und für das Herz und mehr als einmal dachte ich, die Frankfurter Buchmesse macht diese Welt zu einem besseren Ort.
Dankbar nehme ich einen großen Koffer gefüllt mit Inspiration mit. Lasst uns weiter Geschichten erzählen, einander zuhören und voneinander lernen. Lasst uns weiter Geschichten und Bücher feiern und die Welt gestalten.

So grüßt euch aus Frankfurt mit viel Wörterliebe,
eure Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Auf dem Weg zu Buchmesse entdeckte ich Walter (Kennt ihr die Walter-Wimmelbücher? Ich finde sie klasse!).
Wo ist Walter?


Hier:

Mit vielen anderen Buchliebhaber*innen freute ich mich auf diesen Buchmessentag:

Ein Gang durch die Hallen mit Stopps an Ständen, wie hier am Stand der Vereinten Nationen:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Querdenker: Einfach mal die Klappe halten!“. Julia Brinkmann war im Gespräch mit Tillmann Betsch, der Professor an der Universität Erfurt ist. In seinem Buch „Science matters! Wissenschaftlich statt querdenken“ entlarvt Tillmann Betch die Fehler des Querdenkens und die Taktiken der Faktenleugner:

Danach ging es zum Katapult Verlag, wo die Veranstaltung „100 Karten über die Ukraine und den Krieg“ stattfand. Das Buch mit dem gleichnamigen Titel betrachtet die Ukraine unter dem Thema des Krieges und ebenso abseits des Krieges. Sehr interessante Fakten wurden gezeigt und auch wir Zuhörer*innen wurden einbezogen. Eine gute Veranstaltung von einem tollen Verlag:

Es war spürbar, dass Wochenende ist und die Buchmesse gut besucht ist. Walter entdeckte ich nicht mehr:

Halt machte ich bei Amnesty International die mit ihrem Amnesty Mobil im Innenhof standen. Hier hörte ich einen Teil der Veranstaltung „Schwerpunktland- Russland/Ukraine“. Der russischstämmige Dimitry (rechts im Bild) ist seit über 10 Jahren aktiv, um Deutschland gegen den Einfluss des russischen Regimes zu verteidigen. Er las aus dem letzten Brief von Alexej Nawalny. Zusammen mit Witalij (links im Bild), der vor über 30 Jahren als politischer Flüchtig nach Deutschland kam, sprachen sie über die Probleme mit denen die Zivilbevölkerung in beiden Ländern wegen des Krieges zu tun haben. Vedrin Sahovic (Mitte) von Amnesty International Frankfurt moderierte das Gespräch:

Auf der ARD-Bühne erlebte ich Tupoka Ogette im Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker:

Tupoke Ogetta ist Anti-Rassismus-Expertin, Podcasterin und Autorin. Sie sprach zu ihrem aktuellen Sachbuch „Und jetzt du. Rassismuskritisch leben“.
Tupoka Ogette machte deutlich, dass Rassismus nicht nur in der rechten Ecke zu finden sei, sondern auch bei vielen Menschen die Rassismus ablehnen. Die meisten Menschen seien unbeabsichtigt rassistisch. Sie plädiert für eine Kultur, in der wir offen damit umgehen. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine Freude daran entwickeln, diese Welt gemeinsam ein Stück besser zu machen“, so einer ihrer guten Sätze. In ihrem Buch gibt sie gute Denkansätze. Wie ihr seht, ist sie bekannt und ihre Veranstaltung war gut besucht:

Nun hörte ich Eckart Nickel zu seinem Buch „Spitzweg“, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. (Eine kleine Anmerkung: Ich finde, ein Buch zu schreiben ist toll. Es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises zu schaffen ist klasse. Es dann auf die Shortlist zu schaffen ist immens. Es gibt demnach viele Gewinnerinnen und Gewinner.)
„Ich habe mir nie viel aus Kunst gemacht“, ist der erste Satz dieses Buches. So offenbart sich der Erzähler im Buch zu Beginn als Kunstbanause und berichtet davon, wie sein Freund Carl ihn mit seiner Begeisterung für den Maler Spitzweg schließlich vom Gegenteil überzeugt.
Eckart Nickel sagte während des Gesprächs: „Wenn ich mir eine Mission auf die Fahne schreiben würde, dann ist es die: Schaut Spitzweg an.“ Die Moderatorin Sandra Kegel meinte daraufhin, jetzt würden wir alle das Buch lesen und danach ins Museum gehen.
Ich finde das übrigens ein schöne Aufforderung. Auf dem Buchcover seht ihr ein Bild von Spitzweg:

Entspannte Mittagspause und wen entdeckte ich?
Walter! Findet ihr ihn?

Lange Signierschlangen gab es auch an diesem Tag. Ist es nicht schön, die Wartezeit lesend zu verbringen? Auch zu zweit in einem Buch zu lesen ist toll:

Ebenso toll, mitten auf dem Innenhof sitzt eine Buchliebhaberin, ganz versunken in ihr Buch:

(Danke für eure Zustimmung, dass ich die Fotos hier teilen darf.)

Auf der Buchmesse werden unendlich viele Geschichten erzählt. Passend, dass auf dem Innenhof ein Geschichtenerzähler anzutreffen war:

Ich bin für mehr Geschichten und weniger Güterkonsum:

Auf der ARD-Bühne war Bärbel Schäfer im Gespräch mit Judith Holofernes zu deren aktuellem Buch „Die Träume anderer Leute“. In diesem autobiografischen Roman beschreibt die ehemalige Leadsängerin der Band „Wir sind Helden“ über die Dynamik in der Musikbranche, ihre Zeit nach den Helden, ihr Soloprojekt, sie schreibt über Krisen und Träume. Judith Holofernes erzählt davon, wie sie sich aus den kommerziellen Zwängen des Musikbetriebs befreite und zu der Künstlerin wurde, die sie schon lange sein wollte und damit ihr Leben zurückbekam.

Jetzt erlebte ich Biyon Kattilathu (links im Bild) im Gespräch mit einem Verlagsmitarbeiter zu seinem Buch „Komm mit auf einen Spaziergang zu dir selbst. Eine magische Reise zu mehr Achtsamkeit, Selbstliebe und Glück“.
Hier zeigten sie den Ansatz vom „tun haben sein“ hin zum „sein tun und haben“:

„Was vom Herzen kommt, geht auch ins Herz“, so Biyon Kattilathu. Weitere Sätze von ihm, die ich gerne hier teile: „Mal gewinnst du, mal lernst du“, „Denn das ist so wichtig sich auszuruhen“ und „Große Menschen reden über Träume und Visionen, normale Menschen reden über Sachen und kleine Menschen reden über andere Menschen.“
Spontan sangen die beiden auch und es wurden Fragen aus dem Publikum ausführlich beantwortet.

Eine Litfaßsäule zeigte Plakate, die von Besucher*innen gestaltet wurden. Diese Mitmachaktionen sind immer wieder auf der Buchmesse anzutreffen:

Überall sind prominente Menschen anzutreffen, wie hier Ulrich Wickert zu seinem Buch „Die Schatten von Paris“:

Schön ist es auch, Bücher zu entdecken, bei denen Menschen mitgewirkt haben die ich kenne, wie hier bei dem Buch „Die Spinner:innen“ (An dieser Stelle einen besonderen Gruß an dich, liebe Nanni):

Zum Abschluss des heutigen Tages ging es nochmal in den Spanien-Pavillon. Ich nahm auf dem Stuhl „Die Dichterin“ Platz und lauschte den Gedichten in spanischer Sprache:

Ich finde lesende Menschen wunderbar. Wie hier Gerlinde, die in ein Buch vertieft, mein Fotografinnenauge ansprach:

Wir kamen ins Gespräch und Gerlinde sagte, Lesen beschwinge und dass sie sich über die Übersetzungen freue. Wie schön, passen ihre Worte doch genau zu dem Motto der Buchmesse: „Translate. Transfer. Transform“.

Fasziniert lauschte ich der spanischen Performance „Ttukunak“. Wunderbar, ausdrucksstark und deutlich, dass auch Musik Geschichten und Gefühle erzählt:

Auch diesen Satz hob ich auf, den ich am Abend von einem Besucher hörte: „Ich habe so viel zu lesen, herrlich!“

Wieder fühle ich mich reich beschenkt und grüße euch herzlich aus Frankfurt,
Marion