Nefelibata
Nefelibata ist portugiesisch und meint jemand, der in den Wolken seiner eigenen Phantasie oder Träume lebt, ein „Wolkenwanderer“.

Einfach nur nach oben sehen. Der Himmel lädt ein. Ich erkenne viel. Nicht nur Schäfchen, da leben Trolle, Kobolde, Feen. Selbst die Zukunft tanzt darin. Und die Träume, meine ganzen Träume. Ich mag, dass die Phantasie frei ist. So frei, dass ich sie mit „Ph“ schreibe und nicht mit „F“ wie meine Lehrerin sagt, solle ich schreiben. Die Phantasie ist so frei, dass sie das wagt. Was ich gut finde.
„Lotte“, höre ich meine Mutter rufen. Sie will, dass ich wieder auf den Boden der Tatsachen komme. Doch der Boden ist hart, viel zu hart. Ich bin doch barfuß, warum versteht sie das nicht. Ich solle nicht so viel im Land meiner Träume sein, meint sie.
Will ich aber. Allen Lotte-Rufen zum Trotz. Da ist es gut und gerade weich genug. Ich weiß, was gut für mich ist. Das sagt etwas in mir, das drinnen wohnt. Dort, wo meine Mutter nicht hinkommen kann.
Träume sind viel echter, als sie denkt. Ich bleibe noch hier. Zumindest eine Weile. So lange wie eine Runde Gummitwist geht.
Ich war mal in Portugal. Da war es warm und schön. Ich pflückte Feigen von den Bäumen und stand auf Zehenspitzen, um viele zu erhaschen. Und Trauben und Orangen. Ich stelle mir vor, ich lebe da. In der Wolkenwelt geht das. Ich gehe am Strand und hüpfe mit den Wellen. Meine Füße sind nass.
Meine Mutter denkt, das geht nicht, wenn ich hier im Trockenen stehe. Doch, es geht, ich fühle es genau. Nefelibata, ein schwieriges Wort. Doch ich habe es mir gemerkt. So nannten die Menschen es dort, wenn jemand in den Wolken seiner Träume lebt. Ich bin eine Wolkenwanderin. Ich wandere gerne hier.
Lass mich, lass mich noch eine Weile hier wandern. Das andere kommt früh genug, das sagt ihr Erwachsene doch immer.
Der Himmel hat nichts dagegen. Und der weiß viel, unendlich viel.