Wortgewebe – 24

Nefelibata

Nefelibata ist portugiesisch und meint jemand, der in den Wolken seiner eigenen Phantasie oder Träume lebt, ein „Wolkenwanderer“.

Einfach nur nach oben sehen. Der Himmel lädt ein. Ich erkenne viel. Nicht nur Schäfchen, da leben Trolle, Kobolde, Feen. Selbst die Zukunft tanzt darin. Und die Träume, meine ganzen Träume. Ich mag, dass die Phantasie frei ist. So frei, dass ich sie mit „Ph“ schreibe und nicht mit „F“ wie meine Lehrerin sagt, solle ich schreiben. Die Phantasie ist so frei, dass sie das wagt. Was ich gut finde.
„Lotte“, höre ich meine Mutter rufen. Sie will, dass ich wieder auf den Boden der Tatsachen komme. Doch der Boden ist hart, viel zu hart. Ich bin doch barfuß, warum versteht sie das nicht. Ich solle nicht so viel im Land meiner Träume sein, meint sie.
Will ich aber. Allen Lotte-Rufen zum Trotz. Da ist es gut und gerade weich genug. Ich weiß, was gut für mich ist. Das sagt etwas in mir, das drinnen wohnt. Dort, wo meine Mutter nicht hinkommen kann.
Träume sind viel echter, als sie denkt. Ich bleibe noch hier. Zumindest eine Weile. So lange wie eine Runde Gummitwist geht.
Ich war mal in Portugal. Da war es warm und schön. Ich pflückte Feigen von den Bäumen und stand auf Zehenspitzen, um viele zu erhaschen. Und Trauben und Orangen. Ich stelle mir vor, ich lebe da. In der Wolkenwelt geht das. Ich gehe am Strand entlang und hüpfe mit den Wellen. Meine Füße sind nass.
Meine Mutter denkt, das geht nicht, wenn ich hier im Trockenen stehe. Doch, es geht, ich fühle es genau. Nefelibata, ein schwieriges Wort. Doch ich habe es mir gemerkt. So nannten die Menschen es dort, wenn jemand in den Wolken seiner Träume lebt. Ich bin eine Wolkenwanderin. Ich wandere gerne hier.
Lass mich, lass mich noch eine Weile hier wandern. Das andere kommt früh genug, das sagt ihr Erwachsene doch immer.
Der Himmel hat nichts dagegen. Und der weiß viel, unendlich viel.

28. Juni – Findesatz-Gedicht

Eine lange Weile Zeit haben
in die Luft schauen
Gedankenblasen davon tragen
Mit den Beinen baumeln
Kritzelfiguren tanzen lassen
Das Gras betrachten
und nicht sehen wie es wächst
Mit dem Wind reden
und weiter nichts machen
Langeweile kann uns auch richtig kreativ machen
Drum laden wir sie ein
Sie nährt die Phantasie
von der wir uns weigern sie mit F zu schreiben

Findesatz-Gedicht 135

Vielleicht erfindest du Morgen etwas, von dem alle denken, das sei nicht möglich
vielleicht auch in drei oder dreißig Jahren
Ich finde einen Grill cool, den man auch als Badehose benutzen kann
oder eine Brille, die Tomaten schält
Unsere Phantasie spielt mit uns
und weigert sich mit F geschrieben zu werden
Das Leben ist bunt
und die Welt wird angemalt
von dir und mir und den Menschen nebenan
Wer hat den Farbstift erfunden
und wer deine Augen
dein Lachen
und wer deine Ideen