
Am gestrigen Abend besuchten wir die lange ARD-Radiokulturnacht im hr-Sendesaal.
Die Moderatorin Catherine Mundt und Moderator Christoph Schröder führten durch den Abend.
Vorweg sagten sie, es werde ein breites Angebot an Büchern vorgestellt, die sowohl zum Nachdenken als auch schon mal zum Lachen anregen würden.
Im ausgebuchten und schönen Saal saßen die Menschen an den Tischen und hörten in dieser entspannten Atmosphäre den vielfältigen Buchvorstellungen zu.
Rafik Schami, der das Buch „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ geschrieben hat, ist ein wunderbarer Erzähler. Mit seinem Buch entführt er die Leserinnen und Leser auf den Hof des Königs Salih und in eine Welt von 1001 Nacht.
Es ist immer eine große Freude, Rafik Schami im Gespräch zu erleben.
„Das Erzählen kann, wenn es gut geht, aus einer Sackgasse eine Kreuzung machen“, war einer seiner schönen Sätze.

Angelika Küssendorf folgte als nächstes im Gespräch zu ihrem Buch „Risse“.
Dieser Erzählband ist die Vorgeschichte zu ihrem vor zwanzig Jahren erschienenen Erfolgsroman „Das Mädchen“. In zehn Geschichten beschreibt Angelika Küssendorf über ein Kinderleben in der DDR in den 60er und 70er Jahren, das geprägt war von Geborgenheit und Sehnsucht.

Der Friedenspreisträger Navid Kermani sprach zu seinem Buch „Das Alphabet bis S“.
In diesem Buch verknüpft er die Grundfragen unserer Existenz, Geschlecht, Krieg und Vergänglichkeit mit Alltäglichem. Vorweg las ich, dass sein Buch sowohl ein Roman, Journal, Essay und Meditation gleichzeitig sei.
In dem Gespräch verraten so manche Autoren und Autorinnen auch private Dinge, so sagte Navid Kermani, dass er sein Smartphone morgens in den Briefkasten lege und es erst am Abend wieder hervorhole.

Die Journalistin Isabel Schayani berichtet in ihrem Buch „ Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“ über Flüchtlingsschicksale.
Bei ihren Reportagen kommt sie den Menschen sehr nah und man habe das Gefühl, so die Moderatorin Catherine Mundt, „dass wir in die Seele der Menschen blicken“.
Isabel Schayani plädiert dafür, dass wir in den Debatten um Obergrenzen und ähnlichem nie vergessen dürften, dass wir über Menschen reden.

Thomas Hettche sprach zu seinem Buch „Sinkende Sterne“.
In dem Buch malt er die fantastischen Folgen einer Naturkatastrophe in den Schweizer Bergen aus. Sein Buch kreist um die Fragen, welcher Trost im Erzählen liegt und was es in den Umbrüchen unserer Zeit zu bewahren gibt.
„Schönheit der Natur ist Thema des Buches, Schönheit des Menschen ist Thema und Schönheit eines Textes ist Thema im Buch“, so Thomas Hettche.

Zwischen den Buchvorstellungen gab es immer wieder musikalische Einlagen vom Felix Fromm 4tet und wir genossen die Klänge:

Ronja von Rönne sprach zu ihrem Sachbuch „Trotz“.
In diesem persönlichen Buch beschäftigt sie sich mit dem Trotz und befreit ihn von seinen Vorurteilen. Sie beschreibt ihn von beiden Seiten und durchleuchtet nicht nur ihren eigenen Trotz, sondern auch den der anderen. Im Trotz zeige sich auch der positive Widerstand.
Sie möchte mit dem Buch dazu einladen, dass wir genauer hinschauen.

Während des Abends las Elke Heidenreich immer wieder Auszüge aus ihrem Buch „Frau Dr. Moormann und ich“ vor. Ein Buch, in dem es um eine nachbarschaftliche sogenannte Hassliebe geht. Herrlich humorvoll geschrieben und vorgetragen und so ertönte viel Lachen im Saal.

Die slowenische Gastlandautorin Maja Haderlap stellte ihr Buch „Nachtfrauen“ vor. In ihrem neuen Roman erzählt sie aus dem Leben dreier Generationen von Frauen, von ihren Verstrickungen in aufgezwungene und verinnerlichte Leitbilder und von ihrem Ringen um Autonomie.

Dana Vowinckel sprach zu ihrem Debütroman „Gewässer im Ziplock“.
Das Buch handelt von dem Leben einer jüdischen Patchworkfamilie. Es geht um einen Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem sowie um Lügen, Glücksmomente, Enttäuschungen, Zuneigung und Schmerz.
Dana Vowinckel hat das Buch geschrieben, bevor die Hamas Israel angegriffen haben. Sie sprach in offener Art davon, was die aktuelle Situation in ihr bewege, auch im Zusammenhang mit ihrem Buch.

Und immer wieder gebanntes Zuhören in diesem Saal:

Nun erlebten wir die Büchnerpreisträgerin Terézia Mora mit ihrem Buch „Muna oder Die Hälfte des Lebens“, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
In ihrem Roman schreibt sie, was geschieht, wenn man ein Leben führt, das man in Abhängigkeit von anderen führt. Es geht um die Beziehung zwischen Muna und Magnus. Im Laufe der Jahre nehmen Ungerechtigkeit und Gewalt zu, dennoch ist Muna nicht gewillt aufzugeben.

Tonio Schachinger, der diesjährige Gewinner des Deutschen Buchpreises war auch an diesem großen Bücherabend zu erleben.
Wie immer erfuhren die Zuhörenden viel Interessantes. So auch dieses Detail, dass er für sein vorheriges Buch ein Jahr gebraucht habe, bis er einen Verlag fand.
Und nun ist sein aktuelles Buch als das beste diesjährige Buch Deutschlands ausgezeichnet.

Jörg Maurer hörten wir nun zu seinem Krimi „Kommissar Jennerwein darf nicht sterben“. Über die Beziehung des Kommissars zu seiner Frau, mit der er ein Jahr verheiratet ist, sagte er: „Die haben sich nicht mehr viel zu sagen, die nicken nur.“ Dieses Buch ist der 15. Band dieser Krimireihe.

Steffen Kopetzky zu seinem Buch „Damenopfer“, darin erzählt er über ein weibliches Kapitel sowjetischer Geschichte:

Ilija Trojanow neuer und utopischer Roman heißt „Tausend und ein Morgen“.
Er beschriebt ihn so: „Der Roman ist ein spielerischen Umgang mit der Zukunft.“
Es ist ein Roman, der in sinnlichen Bildern und Geschichten von der unerschöpflichen Kraft unseres Denkens erzählt.
Er sagte weiterhin zu seinem Buch, es sei ein „Roman, der glaubt, dass es eine Zukunft und eine Hoffnung gibt.“ Es sei das „Öffnen eines Fensters in die Vielfalt der Möglichkeiten.“

Der bekannte Meteorologe Sven Plöger äußerte sich mit guten klaren Worten zur Klimakrise. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Zieht euch warm an, es wird noch heißer! Können wir den Klimawandel noch beherrschen?“ Mit Extrakapiteln zu Wasserstoff und Kernfusion taucht im Untertitel auf.
Zu später Stunde erzählt er anschaulich von unserer momentanen Situation.
„Wir haben kein Wissensproblem, wir haben ein Handlungsproblem“, so Sven Plöger und ich wünsche mir, dass viele Menschen ihm und seinem Buch zuhören.

Eine vielseitige Büchernacht ging zu Ende.
Ja, wie die beiden Moderator*innen zu Beginn sagten, es war ein breites Angebot an Büchern, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen anregten, definitiv.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion
Danke Dir für diese Einblicke!
Liebe Grüße!
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Sehr gerne
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