9 Gedanken zu „24. August

  1. Zu dem Thema „Wo sind wir jetzt“ gibt es eine lustige Betrachtung von Till Eulenspiegel.
    Hier ein Auszug davon, der vielleicht ein wenig an Bedeutung verloren hat mit der Entwicklung von Google Maps und den Navi-Systemen:

    Quelle: Julius Wolff: Till Eulenspiegel redivivus – Kapitel 9

    VII.
    Wo?
    Im Anfang unsrer Reise schon
    Hielt Till mir folgenden Sermon:
    »Merk dir aus meinen Wanderjahren,
    Was oft erprobt ich und erfahren.
    Wenn du einmal zu Fuß, zu Roß,
    Ob einsam, ob mit Dienertroß
    Mit viel Geld oder wenig reist
    Und wo du bist, oft selbst nicht weißt,
    Wie weit von Haus, wo ungefähr
    Dies Städtchen liegt, wie nah dem Meer,
    An welchem Fluß und Berg, kurzum,
    Wo augenblicks du so herum
    Im Vaterland dich just befindest
    Und nach der Himmelsgegend windest, –
    Geb‘ ich dir eine gülden Lehr‘,
    Untrüglich schier, die halt‘ in Ehr.
    Im Wirtshaus in des Schenken Stube,
    Da wo – gleich Herr! – des Schenken Bube
    Den Blanken und den Trüben schenkt,
    Und wo die Zeitung liegt, da hängt,
    Wenn’s ist ein reputierlich Haus,
    Rechts oder links, sonst gradeaus,
    Am Ofen, an der Fensterwand
    Die Karte von sotanem Land.
    Aufs Alter kommt’s dabei nicht an,
    Die projektierte Eisenbahn
    Rückt dich und alle dein Gepäck
    Nicht eine Spanne weit vom Fleck.
    Beiläufig mußt du wissen auch,
    Es ist so ein gelehrter Brauch,
    Die Karten machen’s wie die Frauen,
    Niemand ihr Alter zu vertrauen;
    Was alles darauf stehen mag,
    Der Maßstab, Zeichner und Verlag,
    Das findet man schon allemal,
    Doch niemals eine Jahreszahl,
    Stillschweigend heißt es immerdar:
    Gedruckt zu Glogau dieses Jahr.
    Ist nun in langer Jahre Brauch
    Die Karte schon vergilbt vom Rauch,
    Du kannst doch sehen, wo du bist,
    Wenn du nur richtig suchst und liest.
    Nun aber gib dir keine Mühe
    Und mit dem Zeigefinger ziehe
    Nicht nord- und südwärts ab und auf,
    Verfolge nicht der Flüsse Lauf,
    Denn nimmer so in Ost und West
    Entdeckst du das verwünschte Nest.

    So ziemlich in des Zimmers Mitte
    Stell‘ dich, doch mindestens vier Schritte
    Tritt von der Wand zurück und schau‘
    Die Karte an, daß grau in grau
    Dir Ebne, Berg und Fluß verschwimmt;
    Da zeigt sich deutlich und bestimmt,
    Fast groschengroß ein schwarzer Tüpfel,
    Wie eines hohen Berges Gipfel.
    Nun dicht heran! wie dir die Schuppen
    Jetzt von den Augen fall’n! entpuppen
    Wird sich der Berg, der schwarze Punkt,
    Der wie ein Chimborazzo prunkt,
    Als jener Ort, woselbst du stehst,
    Nach dem du auf der Karte spähst.
    Wo du auch einkehrst fern und nah,
    Hängt an der Wand die Karte da,
    So findest sicher du die Stelle,
    Die von des Kartenplanes Helle
    Sich schwarz und dunkel unterscheidet,
    Auf der manch‘ Finger schon geweidet;
    Man sucht und zeigt, tupft aufs Papier:
    Hier sind wir jetzt! heißt’s fröhlich, hier!
    Am Ort, des Name schwarz umrandet,
    Da bist du glücklich nun gelandet,
    Da stehst du jetzt im Wirtshauszimmer,
    War’s noch so weit, es täuscht dich nimmer.«

    Gruß Werner

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