Mein Bericht von der Leipziger Buchmesse – Teil 2


Heute berichte ich von meinem zweiten Tag auf der Leipziger Buchmesse.
Am Freitagmorgen waren noch Plätze frei, wie hier in der Ruheoase der Buchbar:


Den Stand des guten Katapult Verlags besuche ich immer wieder gerne:

Meine erste Veranstaltung führte mich zum Podcast-Radio. Dort erzählte der Journalist Daniel Schulz über sein Buch „Ich höre keine Sirenen mehr. Krieg und Alltag in der Ukraine“ und über seine Erfahrungen in der Ukraine, in dem er seit vielen Jahren unterwegs ist und viele Freundschaften dort hat. Wenn er erzählt, ist zu spüren, dass hier jemand spricht, der nicht von außerhalb über die Ukraine schreibt, sondern eng mit ihr verbunden ist. Ein bewegendes Buch, das auch auf meiner Wunschliste steht.

Peter Wohlleben und Pierre L. Ibisch haben gemeinsam das Buch „Waldwissen. Vom Wald her die Welt verstehen. Erstaunliche Erkenntnisse über den Wald, den Menschen und unsere Zukunft“ geschrieben. Und tatsächlich, es war erstaunlich– wie immer bei Peter Wohlleben – und sehr interessant, was die beiden berichteten. Die beiden Waldexperten blicken in die Zukunft des Waldes und damit in die Zukunft von uns Menschen. Das Thema Klimagerechtigkeit tauchte hier wie bei sehr vielen Veranstaltungen der Buchmesse auf und überall ist die Dringlichkeit zu spüren.

Bei der Stiftung Buchkunst werden die schönsten Bücher aus der ganzen Welt präsentiert. Viele Schätze gab es hier zu entdecken, so auch dieses wunderbare Buch:

Sehr interessant war auch die nächste Unterhaltung, bei der Emilia Roig mit dem Moderator Vladimir Balzer zu ihrem Buch „Das Ende der Ehe“ erzählte. Die Autorin blickt kritisch hinter ein patriarchales System, wie sie die Ehe beschreibt, und plädiert für Wege zu einer Revolution der Liebe. Ein Buch, das als provokant und mutig beschrieben wird:

Jan Weiler las aus seinem Buch „Älternzeit“. Er beschreibt wie immer humorvolle Episoden aus seinem Alltag mit den inzwischen erwachsenen Kindern. Sicherlich werden alle, die Kinder ähnlichen Alters haben, viele Situationen in dem Buch wiedererkennen.

Eine Buchmesse ohne den Gutenberg-Stand ist undenkbar:

Die Halle, in der auch die kleinen, feinen Kunstverlage zu finden sind, mag ich sehr. Es ist ein Wiedersehen mit Bekannten und ein Entdecken von neuen Schätzen.
So wie bei Sylvia Graupner mit ihrer schönen und zuversichtlichen Kunst:

Marianne Nagel zeigte mit Anne Deuter wunderbare Buchkunst. Optisch und haptisch ein feinsinniges Vergnügen:

Und schöne Leinwandlyrik von Martina Mruck:

Manchmal ist es pures Glück, ein unbekanntes Buch aufzuschlagen und genau das ist dann eines, das etwas in uns zum Klingen bringt und uns leise flüstern lässt „Hach, wie schön.“. So ging es mir am schönen Schweizer Stand mit dem Buch von Philip Kovce „Aphorismen. Wenn alles gesagt ist, beginnt das Gespräch“. Unerwartete Schätze, die zu uns finden.
Am Schweizer Stand drehte ich das Komplimenten-Rad und las in den Wortfächern:

In der Glashalle zur Mittagszeit:

Aufgrund der Manga-Comic-Con, die mit der Leipziger Buchmesse verbunden ist, sind überall Cosplayer zu sehen (beim Cosplay stellt jemand eine Figur aus einem Manga, Anime, Film oder Videospiel durch ein Kostüm möglichst originalgetreu dar):

Am taz Stand sprach Dirk von Lowtzow mit dem Moderator Andreas Fanziadeh zu seinem Buch „Ich tauche auf“. Ein Buch, in dem der Sänger von der Band Tocotronic, in Tagebuchform von einem Jahr Pandemie erzählt:

Und immer wieder gibt es zauberhaft Stände, wie hier bei den sympathischen Schwestern Jagoda und Guinevere Paul, die eine zeichnet, die andere schreibt, zusammen sind sie „die Paulinen“:

Kreatives zum Mitmachen gibt es auch an einigen Ständen:

Ein weiteres tolles Interview gab es beim aspekte Talk: Klima & Literatur.  Hier erlebte ich erneut Maja Lunde („Der Traum von einem Baum“) und Marc Elsberg (C-Celsius) mit dem Moderator:

Das Buch von Maja Lunde hatte ich mir übrigens am Abend zuvor von ihr signieren lassen und bei der Widmung erfahren, dass ihr Sohn den gleichen Namen wie mein Mann trägt. Doch weiter zur guten Veranstaltung und zu Sätzen, die ich dabei sammelte:
„Die Natur hat vielleicht keine Meinung, doch sie hat eine Stimme und die ist manchmal ziemlich laut. Wir hören sie inzwischen permanent. Sie schreit, mir ist zu heiß, mir ist zu trocken, mir ist zu feucht. Wir müssen zuhören.“, so Marc Elsberg.
Und Maja Lunde sagte während des Gesprächs: „Wir können immer noch Dinge verändern, wir haben immer noch Zeit. Wir haben diese Probleme, die sind da, doch wir sind in der Position heute noch etwas dagegen zu tun, das Ende ist noch offen.“
Ich finde klasse, dass sich neben Sachbüchern auch die Belletristik dem dringlichen Thema der Klimagerechtigkeit widmet.

Danach freute ich mich auf Robert Seethaler. Er sprach mit Katja Gasser über sein aktuelles Buch „Das Café ohne Namen“. Das Buch handelt von einem Café und seine Menschen und von einem Mann, der seiner Sehnsucht folgt. Auch hier erlebte ich ein wunderbares Interview und hörte viele gute Sätze. Einer der Sätze von Robert Seethaler: „Das ist vielleicht eine Marotte, dass ich das Wort sehr ernst nehme. Das Wort soll leuchten im besten Sinne.“ Na, ich würde sagen, eine wunderbare Marotte, die uns seine guten Bücher schenkt.

Überall Besucher*innen, Prominenz wie hier Max Moor und die Cosplayer. Eine bunte Buchmesse:

Die Treppe war an diesem Freitag voller als am Tag zuvor:

Carsten Otte sprach mit Birgit Birnbacher über ihr Buch „Wovon wir leben“. Eine bedeutsame Frage, die die Autorin in ihrem Roman behandelt. Ihr ahnt es vielleicht, meine Wunschliste wächst weiter…

Und Clemens J. Setz (ihr erinnert euch? Er gehört zu den Nominierten des Leipziger Buchpreises) im Interview zu seinem Roman „Monde vor der Landung“, das voller origineller Gedankengänge ist:  

Am Abend war ich zur Langen Leipziger Lesenacht, die in der schönen Moritzbastei in der Stadt stattfand. Wunderbar, in den verschiedenen Räumen der Bastei lasen viele Autorinnen und Autoren und erzählten zu den Büchern. Das Café, der Innenhof, der Büchertisch luden auch ein, eine tolle Atmosphäre und ein reichhaltiger Abend.

Hier einige Eindrücke des Abends in den verschiedenen Räumlichkeiten der Moritzbastei:

So ging ein zweiter wundervoller Buchmessen-Tag zu Ende, an dem ich nicht zum ersten mal dachte: Ja, Bücher machen unsere Welt zu einem besseren Ort.
Morgen folgt mein Bericht vom 3. Tag auf der Leipziger Buchmesse.

Bericht über meinen Besuch der Leipziger Buchmesse – Teil 1

Diese Woche werde ich keine Findesätze und Findesatz-Gedichte teilen, da ich euch gerne von der Leipziger Buchmesse erzählen möchte. Hier kommt Teil 1 meines Berichts:

Letzte Woche habe ich die Leipziger Buchmesse besucht, die vom 27. bis zum 30. April einlud. Nach drei Jahren Pause fand diese Messe im Verbund mit der Manga-Comic-Con endlich wieder statt.
Ich reiste bereits am Mittwoch an und war nach einem Treffen mit zwei lieben Menschen in der Stadt Leipzig unterwegs, die viele schöne Plätze, Gebäude, Läden, Kunst, Cafés und blühende Kirschbäume zeigte. Meine Lust, Leipzig ein weiteres mal zu besuchen und die Stadt in Ruhe zu erkunden, ist da.

Verbunden mit der Buchmesse fand an verschiedenen Orten in der Stadt das Lesefest „Leipzig liest“ statt. So führte mich meine erste Veranstaltung am Mittwochabend zum Haus des Buches, dort war Judith Hermann im Gespräch mit dem Moderator Thorsten Ahrend und stellte ihr Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ vor:

Judith Hermann sprach über ihr Leben, das Schreiben, über Wahrheit und Erfindung, all das in ihrer eigenen poetischen Art. Was ein wunderbarer Start in die Buchmessen-Tage mit diesem feinsinnigen und auch humorvollen Abend. Ein Buch mit einer sehr schönen Sprache. Es ist eines der Bücher, bei denen mir schnell klar wurde, das werde ich lesen.

Am nächsten Morgen öffneten die Tore der Leipziger Buchmesse.

Die Leipziger Buchmesse ist eine Publikumsmesse, das heißt an allen vier Tagen ist sie für das Publikum geöffnet. Sie war gut besucht, dennoch war Donnerstag ausreichend Raum, die Hallen und Stände zu erkunden. Auch die Gänge und Treppen mit Platz:

Ein schönes gemeinsames Ritual für alle Mitarbeitenden am Cornelsen Stand, bevor der Stand eröffnet wurde:

Die Buchmesse besteht nicht nur aus Büchern und Ständen, sondern auch aus den vielen Veranstaltungen auf dem Buchmessengelände. An vielen Orten in den Hallen finden Interviews, Lesungen und ein reichhaltiges Programm statt.
Hier seht ihr Julia Schoch, die im Gespräch mit Matthias Schmidt ihr Buch „Das Liebenspaar des Jahrhunderts“ vorstellte:

 „Wenn man am Ende des Lebens angekommen ist, dann erinnert man sich eher an die Menschen, die man geliebt hat und nicht an die Neujahrsansprache des Kanzlers.“, war einer ihrer Sätze während des Gesprächs.

Ich besuchte die beliebte Veranstaltung „Preis der Leipziger Buchmesse – Belletristik“, bei der die Nominierten und ihre Bücher vorgestellt wurden: Ulrike Draesner, Joshua Groß, Dinçer Güçyeter, Angela Steidele und in Abwesenheit Clemens J. Setz:

Einige, die hier lesen, kennen Dinçer Güçyeter. Ich konnte ihn letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse über Wolfgang Schiffer kennenlernen. Wolfgang betreibt den literarischen Blog Wortspiele und Dincer und er haben gemeinsam den ELIF Verlag, der im Übrigen auf der Leipziger Buchmesse einen Preis erhielt.
Sehr gespannt war ich, wer am Nachmittag gewinnen würde, wobei ich finde, dass bereits alle Nominieren mit dieser besonderen Auszeichnung Gewinner*innen sind.

Österreich ist in diesem Jahr das Gastland der Leipziger Buchmesse. Österreich zeigte einen einladenden Stand mit vielen Büchern, einem Café mit typisch österreichischem Essen und Trinken und der Veranstaltungsecke:

„Liebe aus Österreich? Ja! Liebe aus Österreich!“ hieß die Unterhaltung, bei der der Gedichtautomat eröffnet wurde, der voller österreichischer Lyrik steckt. Andreas Unterweger, Franz Josef Czemin und Gerhild Steinbuch sprachen mit dem Moderator Rainer Moritz und über das Projekt und über die Notwendigkeit von Poesie im Alltag:

Wie funktioniert der Poesieautomat, der ein umfunktionierte Kondomautomat ist? Eine Münze einwerfen, die Kategorie wählen, den Knopf drücken, das Gedicht herausnehmen und lesen. Wunderbar!

Es gab unzählige gute Veranstaltungen, die ich nur im Vorbeigehen sah, da es nicht möglich ist, alles zu verfolgen.
Hier diskutierte die Moderatorin Caro Baum mit der Autorin Svenja Gräfen (die das Buch „Radikale Selbstfürsorge“ geschrieben hat) über die Thematik “Literatur & Geschlechter“. Dabei ging es um das Gendern und welche Auswirkungen das für die Sprache und Literatur hat:

Über Künstliche Intelligenz sprach Gert Scobel mit Markus Dömer (Head of Business Development beim Carlsen Verlag), Tobias Wüstenfeld (Illustrator) und Matthias Göritz (Buch „Die Sprache der Sonne“). Ein sehr interessantes Gespräch, in dem es um die Chancen, Risiken und Gefahren von KI ging:

„Ich glaube, dass kein Autor und kein Buch über Chat GPT ersetzt werden kann.“ und „Man kann sich Sorgen machen, doch man muss keine Angst haben.“, so Markus Dömer.

Michael Dietz und Jochen Schliemann waren beim Podcast Radio detektor.fm zu hören. Die beiden haben das Buch „Reisen Reisen. Wie wir die Welt entdecken wollen“ geschrieben. Die beiden betreiben auch selbst einen Podcast, in dem sie über das Reisen berichten. Sie machen Lust aufs Entdecken und auf Perspektivwechsel und zeigen dabei, wie man voller Respekt für Mensch und Natur unterwegs sein kann:

Am Nachmittag wurde der ukrainische Stand eröffnet. Hier fanden während der gesamten Buchmesse immer wieder interessante Diskussionen und Lesungen statt.
„Es ist wichtig, Impulse für ein neues Nachdenken über die Geschichte und Gesellschaftskultur der Ukraine zu geben und damit Grundlagen zu schaffen, damit dieses große wichtige Land als der eigenständige und dynamische Nachbar wahrgenommen wird, der er eigentlich schon immer war.“, so Fabian Mühlthaler vom Goethe-Institut Ukraine bei der Eröffnung:

„Der zähe Kampf für Klimagerechtigkeit“ hieß die Veranstaltung, die ich danach besuchte. Die beiden Klimaaktivistinnen waren mit der Moderatorin im Gespräch über ihren Einsatz für Klimagerechtigkeit. Auch Lützerath und der Hambacher Wald tauchten in dem Gespräch mehrmals auf, Orte oder ehemalige Orte, die nicht weit von meinem Heimatort entfernt sind und die mir am Herzen liegen. Sie sprachen auch über das Buch „Ende Gelände. We shut shit down“, das in einem kollektiven Schreibprozess entstanden ist und über den Klima Kalender, ein Kalender, der Menschen in ihrem täglichen Leben beim Einsatz für Klimagerechtigkeit unterstützen möchte:

Lena Falkenhagen diskutierte mit Sawsan Chebli („Laut“), Isabel Abedi („Verbotene Welt“) und Gilda Sahebi („Unser Schwert ist die Liebe“) über „Brennpunkt Iran: Frau – Leben – Freiheit! In der Literatur“:

Die nächste Veranstaltung, die ich besuchte, war die Preisverleihung der Leipziger Buchmesse 2023, die immer inmitten der Glashalle stattfindet. Die Gewinner*innen in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung wurden im feierlichen Rahmen bekannt gegeben.
Auf diesem Foto seht ihr Oliver Zille, den Direktor der Leipziger Buchmesse am Rednerpult und auf der Bühne die Jurymitglieder. Alle nominierten Bücher in den drei Kategorien entdeckt ihr ebenso auf dem Foto:


Ich war schon bei einigen Preisverleihungen bei Buchmessen. Diese Preisverleihung war die berührendste, die ich jemals erlebte. Das lag sicherlich maßgebend an Dinçer Güçyetern (über den ich bereits vorher schrieb) und der im Bereich Belletristik gewann. Was eine Freude!
„Wenn diese Frau nicht gesagt hätte, Dinçer, mach weiter, das sind deine Träume, wir haben noch genug Nudeln im Schrank, bitte, gib deine Träume nicht auf, ich hätte es ohne sie nicht geschafft.“, sagte der frisch gekürter Preisträger der Leipziger Buchmesse und bedankte sich damit bei seiner Frau Ayşe. Dinçer Güçyeter holte dazu seine Frau auf die Bühne:

Anschließend lud er alle anderen Nominierten in seiner Sparte auf die Bühne und sagte, es sei ihr gemeinsamer Preis. Es gab Standing Ovations und viele Menschen waren von seinen Worten und Gesten sichtlich bewegt und es flossen einige Tränen der Rührung. Hach, das ging wunderbar ans Herz:

Neben Dinçer Güçyeter, der Preisträger im Bereich Belletristik, gewann in der Kategorie Sachbuch die Autorin Regina Scheer für die Biografie „Bittere Brunnen: Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution“ und in der Kategorie Übersetzung Johanna Schwering, sie hat den Roman „Die Cousinen“ von Aurora Venturini aus dem argentinischen Spanisch ins Deutsche übertragen.
Alle drei Preisträger*innen gemeinsan:

Schönes an den Ständen gab es immer wieder zu entdecken:

Auch auf den Abend freute ich mich, denn die 3. Klimabuchmesse wurde eröffnet mit der Veranstaltung „Träume von Bäumen, Artenvielfalt & gesunder Erde“. Eckart von Hirschhausen übernahm die Schirmherrschaft für diese Klimabuchmesse:

Das Buch von Martin Häusler „Als ich mich auf den Weg machte, die Erde zu retten: Eine Reise in die Nachhaltigkeit“ wurde vorgestellt, das Eckart von Hirschhausen herausgegeben hat. Ein großartiges und inspirierendes Buch, das ich euch sehr ans Herz lege. In dem Gespräch wurde betont, dass das Thema Nachhaltigkeit weder eine bestimmte Generation noch eine bestimmte Partei betrifft, denn es betrifft uns alle und kann nur gemeinsam gelöst werden. Ein Buch, das die Dringlichkeit der Thematik zeigt und zugleich viel Hoffnung gibt. Es ist eine Einladung, sich auf den Weg zu machen, denn jede und jeder kann Teil der Lösung werden. Zwei Gebärdendolmetscherinnen übersetzten den gesamten Abend.

Einige der guten Sätze, die Eckart von Hirschhausen sagte: „Ich bin gerne unter kreativen und engagierten Leuten, weil das Hoffnung gibt.“ und „Wir können das Thema nicht delegieren, das steht jetzt an.“

Auch das Buch von Katrin Böhning-Gaese und Friederike Bauer „Vom Verschwinden der Arten. Der Kampf um die Zukunft der Menschheit“ ist sehr lesenswert. In dem Gespräch wurde deutlich, wie eng der Klimaschutz mit dem Artenschutz verbunden ist, der Verlust an Biodiversität heizt den Klimawandel an und jede Art, die von dieser Erde verschwindet und damit unwiderruflich weg ist, hat einen Einfluss auf unser gesamtes Ökosystem. Die beiden Autorinnen machten deutlich, welche enorme Tragweite der rasante Artenschwund für uns Menschen hat. Auch dieses Buch zeigt, dass die Lage sehr ernst, doch nicht aussichtslos ist, denn noch können wir Menschen das Artensterben aufhalten. Ein hochaktuelles Buch, dass die Dringlichkeit zeigt, lösungsorientiert ist und Perspektiven aufzeigt.

An diesem Abend war auch die wunderbare Maja Lunde zu erleben, deren neues Buch „Der Traum von einem Baum“ den Abschluss ihres Bestseller-Klimaquartetts bildet. Gesa Ufer sprach mit Maja Lunde über ihr Buch, das in Spitzbergen im Jahre 2110 spielt. Sie sprachen über ihr Schreiben und über die Klimathematik. Maja Lunde las zudem einen Ausschnitt aus ihrem Buch in Norwegisch vor und Claudia Michaelsen las mehrere Abschnitte in Deutsch.

Auf die Frage, ob wir die Angst brauchen, um uns Menschen wachzurütteln, antwortete Maja Lunde: „Es ist gar nicht möglich als Mensch mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und keine Angst zu haben. Diese Angst ist ein gesundes Gefühl, weil es uns antreibt. Die Gefahr ist jedoch, dass die Angst uns in Starre fallen lässt und an der Stelle kommt die Hoffnung ins Spiel. Für mich ist sie der treibende Motor und ohne Hoffnung werden wir nicht ins Handeln kommen. Wir sind dazu verpflichtet, in Hoffnung zu leben, weil wir sonst unsere Kinder und die anderen Arten, die auf diesem Planeten gerettet werden müssen, nicht mehr retten. Hoffnung ist das Schlüsselwort für das, was wir brauchen.“, so Maja Lunde.

Es war ein bewegender und mutmachender Abend, der die Dringlichkeit der Klimathematik deutlich aufzeigte und zugleich viel Zuversicht schenkte. Ich finde großartig und wichtig, dass so viele Menschen deutliche Worte sprechen und sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. Ich hoffe, dass diese Bücher viele Menschen erreichen werden.

So ging ein reichhaltiger, berührender und wunderbarer Buchmessen-Tag zu Ende.
Morgen berichte ich euch von meinem zweiten Tag auf der Leipziger Buchmesse.

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 5

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Hier kommt mein Bericht über meinen 5. Tag bei der Frankfurter Buchmesse. Am Wochenende ist die Frankfurter Buchmesse für Privatbesucher geöffnet. Das war an diesem Samstag spürbar, denn es wurde nun voller. Ein gutes Zeichen, dass Menschen Bücher lieben und gelesen wird!

Mein Tag auf der Buchmesse begann im Lesezelt. Dort wurde mit den Preisträgern des Jugendlitertaturpreises 2019 gesprochen. Der Jugendliteraturpreis wurde am Abend zuvor auf der Buchmesse verliehen. Hier hörte ich eine Weile zu. Auf diesem Foto seht ihr Iris Anemone Paul, die in der Kategorie Bilderbuch mit ihrem Buch „Polka für Igor“ gewonnen hat:

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Nun ging ich zum Norwegen-Pavillon, da ich den Schriftsteller Thomas Espedal gerne einmal live erleben wollte. Er und die Schriftstellerin Roskva Koritzinsky wurden von John Freeman zu der Thematik Kurzgeschichten interviewt. Hier legte Thomas Espedal gerade dar, wie poetische Musikalität in einer Kurzgeschichte wohnen kann: „Bababap pomm bababap pomm, dadadadooo, dadadadidado, totottotink,da da da dadooo, todo domm.“:

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Eine ältere Frau neben mir schwärmte nach der Veranstaltung: „Hach, es hat mir so gut gefallen, es war so erfrischend, es war wunderbar.“

Sehr gespannt war ich auf die Veranstaltung „Klimakrise – wie können wir der Aufgabe gerecht werden?“. Luisa Neubauer, die Klimaaktivistin, die für die deutsche Fridays for Future Bewegung federführend ist, traf sich zum Gespräch mit dem CDU Politiker und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet. Das Gespräch wurde begleitet von der Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns. Luisa Neubauer hat das Buch „Vom Ende der Klimakrise“ gemeinsam mit dem Soziologen Alexander Repenning geschrieben, in dem es um die Geschichte unserer Zukunft geht. Es war eine spannende Diskussion und wie erwartet vertraten Luisa Neubauer und Armin Laschet sehr unterschiedliche Standpunkte. Luisa Neubauer erntete viel Applaus und Zuspruch in diesem großen Congress Center. Hier einige ihrer deutlichen Aussagen: „Die Zeit läuft uns davon, ich denke nicht daran, was wir in zehn Jahren machen, ich denke daran, was wir nächstes Jahr machen müssen, welche Weichen gestellt werden müssen und wann das in den Köpfen der Menschen gelangt, die diese politischen Entscheidungen treffen müssen, die diese Impulse treffen und die in der Verantwortung stehen (…) Wir haben eben keine Zeit mehr, es leiden Menschen auf der ganzen Welt und wir vernarren uns hier in kleinen Fragen und wir vergessen, dass es gerade um Leben und Tod geht.“

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Hiernach besuchte ich den Norwegen-Pavillon erneut, um Maja Lunde zuzuhören. Im Gespräch mit John Freeman ging es um „Natur und Literatur“. Nach „Die Geschichte der Bienen“ und „Die Geschichte des Wassers“, hat Maja Lunde nun das Buch „Die Letzten ihrer Art“ geschrieben. Es ist der dritte Band ihres geplanten Klimaquartetts. Auch ihr liegt das Thema Klimaschutz sehr am Herzen, das war in dem Interview deutlich zu spüren. Hier einer ihrer Gedanken: „Die meisten von uns werden nicht leugnen, dass wir nicht gut mit unserem Planeten umgehen und wenn wir unseren Lebensstil nicht ändern, werden wir und jede andere Gattung ganz große Probleme haben.“ Sie erzählte, dass sie oft schlecht schlafe, da sie große Sorge um unseren Planeten habe. Sie schreibe auch diese Bücher, um damit etwas zu verändern und sie sagte so wahr, Literatur berühre die Leserinnen und Leser und gehe direkt ins Herz. „Ich glaube, dass wir anfangen müssen, der Natur zu folgen, wir müssen anfangen eine Pflanze anzuschauen, ein Tier anzuschauen und ihren Wert zu sehen und nicht einfach denken, dass die Natur etwas ist, was für uns nur als Werkzeug fungiert.“, so ein weiterer Satz von Maja Lunde.

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Neben diesen guten Veranstaltungen bestand die Buchmesse auch aus Zeit für Begegnungen. Ich traf mich nun mit Christiane https://365tageasatzaday.wordpress.com und Karin https://11sternschnuppe11.wordpress.com . Es war ein sehr schönes Treffen, bei dem wir erzählten und umher gingen. Zudem tauchte eine verloren gegangene Handtasche wieder auf, was zeigt, dass es auf der Buchmesse nicht nur literaturbegeisterte sondern auch ehrliche Menschen gibt. Schließlich trennten sich unsere Wege wieder, doch wir waren für den Abend erneut miteinander verabredet.

Erinnert ihr euch an den WWF Stand, von dem ich am ersten Tag erzählte? Auch zu dieser Frage lud der Stand ein:

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Mein Weg führte mich nun zum Blauen Sofa, wo ich John Strelecky erleben konnten. Viele kennen ihn sicherlich von den Büchern „The Big Five for Life“ oder „Das Café am Rande der Welt“.
Sein neues Buch „Auszeit im Café am Rande der Welt“ wurde im Gespräch mit Michael Sahr präsentiert. Hier einige von John Streleckys Gedanken: „Wenn wir nicht aufpassen, wird der Tag zur Woche und die Woche zum Monat und der Monat zum Jahr und plötzlich sagt man sich, oh ist schon wieder Weihnachten, und dann ist schon wieder ein Jahr vorbei und deswegen sage ich immer: Man sollte lieber das Abenteuer wagen und was probieren, auch wenn man nicht weiß, ob man es 100 % schafft, aber man lebt es einfach.“
„Weil das Ziel im Leben nicht ist, das Leben irgendwie durchzustehen (…) wenn man dann soweit gekommen ist, das man etwas macht, das einem Spaß macht, dann will man die Zeit nicht irgendwie rumkriegen, man will am Ende des Lebens zurückdenken und sagen: Mein Leben war wirklich toll, ich habe genau das gemacht, was ich tun wollte.“
„Mein Traum ist einfach, das man das Leben zulässt, das in einem steckt und dazu steht, was man besonders macht und dann öffnet sich die Tür zu einer eigenen Welt und ich bin davon überzeugt, dass wir so auch die Welt positiv verändern können. Wenn man sich erlaubt, sich selbst zu sein, ganz authentisch, dann inspiriert das auch alle anderen, die einen sehen.“
Es war ein tolles Interview und ich hätte John Strelecky noch lange zuhören können.

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Kurz erlebte ich Ulrich Tukur auf dem blauen Sofa, der diesmal nicht als Tatort-Kommissar in Erscheinung trat, sondern von Cecile Schortmann zu seinem Buch „Der Ursprung der Welt“ interviewt wurde.:

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Weiterhin konnte ich Melanie Raabe (links im Bild) bei der Veranstaltung „Vom Print zum Podcast“ eine Weile zuhören. Sie und Isa von Heyl (rechts im Bild) wurden hierzu interviewt:

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Danach besuchte ich die Buchvorstellung „Mama Superstar“ von Manik Chander und Melisa Manrique. Das Buch erzählt die Geschichte von 11 Frauen, deren Mütter nach Deutschland emigriert sind. Sie teilen ihre Geschichten in dem Buch und machen damit Mut und zeigen zudem, dass ihre emigrierten Mütter Superstars sind. Links seht ihr die Moderatorin, rechts Manik Chander, eine der Herausgeberinnen.

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Wie jeden Tag lud auch das Draußen ein:

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Hier eine Malaktion, passend zu dem Buch „Im Unterland“ von Robert Macfarlane, in dem es um eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde geht:

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Auf der Buchmesse ging es friedlich zu und die Polizistinnen und Polizisten konnten die Aussicht genießen:

Im Frankfurt Pavilion hörte ich eine Weile bei „Stern Crime Talk – Wahre Verbrechen – wahre Romane“ zu. Charlotte Link (rechts im unteren Bild) und Sabine Thiesler (mittig im Bild) wurden von Samuel Björk interviewt. „Ängste ist etwas, das uns alle beschäftigt, oft mehr als wir nach außen zugeben.“, so Charlotte Link.
Charlotte Link erzählte Anekdoten aus ihrem Leben. Schon als Kind habe sie sich Geschichten ausgedacht und die Rollen im Spiel mit ihren Freundinnen verteilt. Manchmal hätten ihre Freundinnen geweint, seien nach Hause gegangen und konnten abends nicht einschlafen. Natürlich haben sich am nächsten Tag die Mütter der anderen Kinder bei Charlotte Links Mutter beschwert. Ihr seht, ihren Hang zu spannenden Geschichten trug sie bereits als Kind in sich. Es kann auch äußerst humorvoll zugehen wenn es um Kriminalgeschichten geht, das zeigt auch dieses Bild:

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Kai Wiesinger erlebte ich auch kurz. Er wurde von Anna Engel interviewt zu seinem Buch: „Der Lack ist ab.“ „50 ist das neue 30, sagt sich schön, doch der Meniskus versteht das nicht.“, war einer seiner humorvollen Sätze.

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Bei einer Pause im Pressecentrum wuchs meine Vorfreude auf die nächste Veranstaltung: Die Literaturgala. Vorab konnte ich an dem Photocall teilnehmen, bei dem in angenehmer Atmosphäre so kurz vor der Literaturgala die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Gala für Fotos zur Verfügung standen:

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Ihr seht: Thomas Böhm, Juergen Boos, Maja Lunde, Bärbel Schäfer, Margaret Atwood, Ken Follett, Elif Shafak, Bela B Felsenheimer, Colson Whitehead und Nina Petri.

Gemeinsam mit Christiane und Karin genoss ich dann diesen wunderbaren Abend.
Bärbel Schäfer eröffnete die Literaturgala mit den Worten: „(…) Die Frankfurter Buchmesse ist ein Ort der Vielfalt, des Respektes und der Anerkennung des Anderen und ich habe das Gefühl, wo Literatur ist, wo Kreativität ist, da ist auch immer Hoffnung.“ Es war eine Literaturgala, bei der großartige Menschen zu Wort kamen, tolle Bücher vorgestellt wurden und während der Interviews Lachen ebenso wie Tiefgang das Congress Center erfüllte.
So wurde die Autorin Elif Shafak zu ihrem aktuellen Roman „Unerhörte Stimmen“ interviewt. Colson Whitehead erzählte zu seinem Buch „Die Nickel Boys“. Maja Lunde wurde zu ihrem Buch „Die letzten ihrer Art“ interviewt.
Bela B Felsenheimer und Nina Petri lasen Auszüge aus den Büchern vor.
Ken Follett las an diesem Abend aus seinem Buch „Notre-Dame“. Das Buch kam zustande, da er nach dem Brand in Notre-Dame von seinem französischer Verleger gefragt wurde, ob er ein Buch über Notre-Dame schreiben würde, dessen Einnahmen der Wiederaufnahme der Kirche dienen würde.
Und schließlich betrat Margret Atwood an diesem Abend die Bühne. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel „Die Zeuginnen“ und ist eine Art Fortsetzung von „Der Report der Magd“. Damals habe sie nicht damit gerechnet, dass es eine Fortsetzung geben würde, doch die Zeiten machen das erforderlich, so erzählte sie. Im Gespräch bekundete Margret Atwood, die 2017 mit den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, ihre Sympathie mit der Extinction-Rebellion-Protestbewegung. Wäre sie noch jünger, so Margret Atwood, würde sie sich an den Blockaden dieser Bewegung beteiligen. Auch aus ihrem Buch wurden Auszüge vorgelesen.

Die Literaturgala endetet mit den Worten von Moderator Thomas Böhm: „Und dass wir uns und unsere Lebensweise ändern können, dass das geht von jetzt auf gleich, wenn wir es wollen, dafür liefert die Literatur das Modell. Jedes der vorgestellten Bücher heute Abend ist das Modell einer anderen Welt, in der wir menschliche Grausamkeit erkennen können, in der poetische Gerechtigkeit denen widerfährt, deren Leiden sonst ohne Beachtung bliebe, eine Welt, in der uns Solidarität und Humanität als Maßstäbe vor Augen geführt werden.“

So endete ein wundervoller und inspirierender 5. Tag der Frankfurter Buchmesse.

Morgen geht es weiter mit meinem Bericht vom 6. und damit letzten Tag auf der Frankfurter Buchmesse.