Geschriebenes

Die Welt links und rechts der Insel dreht sich auch ohne dich.

Deine Nachrichten sind in diesen Wochen das Zirpen der Grillen,

das Knacken der Pinien

und der Tanz des Meeres.

Die Delfine, die unerwartet auftauchen und deine Freude gelb malen.

Der nächtliche Himmel, deren Sterne dich wortlos fühlen lassen,

der Mars, der sein Rot zu dir schickt

und der Wind, der allen gehört.

Tiere, die dir zulanden und denen du erfundene Namen schenkst.

Das Gespräch mit dem Mann, der vor drei Tagen seine 99 geschenkten Jahre feierte.

Dir ist, als wohnen alle Nachrichten der Welt in ihm.

Das Greiskraut, die Trockenmauern und die Kormorane bringen dir ihre Geschichten.

Klänge, die aus alten Gemäuern tönen.

Du, neben der alten gebückten Frau und dem jungen Paar, das einen Kinderwagen vor sich hat.

Dieser Augenblick spricht vom bewegt schönen Kreislauf des Lebens.

Du willst nirgendwo anders hin,

nirgendwo anders sein

und der Ort hört dein Danke.

Geschriebenes

himbeeere

Ich wünsche uns
nicht, dass alles perfekt ist,
doch ich wünsche uns
Himbeertage
Geheimsprachen
Momente des Stillstehens
und Augenblicke der Buntheit
Aufstand, Unterstand, doch keinen Mittelstand
dass wir auf die Frage, wer wir sind, mehr sagen können, als unseren eigenen Namen
dass wir nicht alles verstehen und das Unverständnis lieben
Die Freude am Du
dass wir das Lachen zwischen zwei Fremden auf der Straße spüren
Tanzen unterm Sternenzelt
Luftblasen von Innen
Singen, wenn wir meinen, wir können es nicht
Vertrauen ins Trauen
Loslassen können, wenn eine Hand sich öffnet
Wenn einer uns sagt, es gebe zwei Wege, wir den dritten und vierten suchen
dass wir nicht aufhören an Wünsche zu glauben
dass wir das Alter lieben, das wir gerade haben
Und Wolken
Wolken von unten sehen
an manchen Tagen braucht es nicht mehr als diesen Blick.

Geschriebenes

noch nicht mohn
Nach all den Jahren
immer noch besonders
Den Mohn auf der Wiese aufgehen sehen
Was wohnt in ihm, dass ihm zuflüstert, wie Aufblühen geht
Flieder riechen
Wie viele Jahre sind es, seit meine Nase den Duft aufnimmt
Die allerersten Erdbeeren im Jahr schmecken
als würden sie meinen Mund küssen
Deine Hand betrachten
wie sie mit uns wächst
In deine Linien Geschichten mit meiner Fingerspitze schreiben
Die Farben des Gartens sehen
Hast du je versucht sie zu zählen
Die Farben deiner Augen
Den Schwung deiner Lippen
Mögepunkte auf deine Haut malen
Ohne Decke ins Gras legen
Den Himmel von unten sprechen lassen
Betören lassen vom Geruch, wie ihn nur eine alte Rosensorte schenkt
Das Gesicht einer Kuh betrachten
Gibt es einen Menschen, den das nicht in Staunen versetzt
Der erste Kuckucksruf im Jahr
Die eigenen Füße anschauen
Sich wundern über das Rot auf den Nägeln
und über all das Wachsende in uns
Beim Heimkommen den Blick nach oben wenden
Sterne sehen und nicht anders können
als stehen bleiben und sich klein und unendlich fühlen
Das Haus aufschließen und wahrnehmen, dass nur dieses Haus so riecht
Die Toten nicht vergessen
Bauchkribbeln beim Hinunterfahren eines Berges
Freihändig
mit einem Rufen, als dürfe die ganze Welt es hören
Deine Stimme
wenn sie singt
Dich mitten in einem Konzert umarmen und das Ungesagte fühlen
Tanzen als gehöre die Tanzfläche in dieser Nacht mir
Versinken in Tönen
Lieblingslieder die Lieblingslieder bleiben
Ein Tag am Meer
küsst alle Sinne wach
Auch der Wald
Der Garten
Das Hier sein
Immer noch

Geschriebenes

Blüten Tropfen

Ich hörte, dass sie sich über den vierten Platz freuten
was ich großartig fand
Auch der vierzehnte Platz sollte uns lachen lassen
Meine Siegertreppe wäre ohne Abstufungen
Applaus für alle
Für alle, die laufen und gehen
für alle, die schlendern und sich dem viel zu Hastigen widersetzen
Für all diejenigen, die aufstehen, immer wieder
nach Nächten, in denen ihre Kissen von ihren Ängsten wissen
All die, die nicht mehr in Jahren denken
und dennoch dem Morgen ins Gesicht sehen
Siehst du die Farben hinter den Häusern
All das was zurückliegt, kann Bücher füllen
Schon ein Tag schenkt vieles
Und erst eine Woche
Ein Jahr
und all die Jahre, die der Nachbar in sich trägt
Erhielt er je Applaus
Für den Hühnerstall den er baute
Erhielt der Frühling Applaus
für das Wärmende, das er schenkt
Für den dritten Zitronenfalter, den ich entdeckte
Für den Regen, den wir nicht immer verstehen
Wusstest du, dass Regen wachsen lässt
Ich komm zu dir
halt meinen Mantel auf
kann ein paar Tropfen von dir abwenden
und möchte ihn dir still schenken
deinen Applaus

Geschriebenes

Blüten Februar

Wo fliegen all die Wochen hin, fragte er.
Vielleicht sind sie in den blattlosen Ästen der Bäume, antworte ich ihm.
Sie verstecken sich im Blau des Himmels, das Verheißung flüstert.
Vielleicht wohnen sie in den Tönen, zu denen wir uns bewegten und die mich fühlen ließen, das Leben ist wunderbar.
Womöglich sind sie mitgetragen in all den Begegnungen.
In den Gesprächen, den flüchtigen wie tiefen.
In Augen, die sich trafen und nicht nach wenigen Sekunden wieder wegsahen.
Vielleicht leben sie auch in den Spuren, die die Katze auf dem Holzboden hinterlässt, wenn es draußen feucht ist und sie ihre Türe wieder findet. Die Spuren erzählen von einem anderen Leben.
Sie leben in den auf- und zugeklappten Büchern. In all den Zeilen, die Menschen uns sagen, die heute noch leben und nicht mehr leben.
Die Wochen verstecken sich im Duft, den der Backofen durch das Haus und nach draußen trug.
Sie wohnen in den bunten Pflastern, die auf den Knien der Kinder kleben.
In liegengebliebenen Zeichnungen, die beim Telefonieren entstanden.
Sie leben in den Lachfalten.
Sie wohnen unter der Eckbank der Küche, die sich an all das erinnert.
In den Gesten, die keine Worte brauchen.
In dem Nebel, der sich verzieht, wenn ich neue Menschen in mein Leben lasse.
In dem Erkennen, wie leicht es ist, Fremde nicht mehr fremd sein zu lassen.
In den Blüten, die sich täglich anders zeigen und uns das Frühjahr versprechen.
In dem Staunen, das überall wohnen kann. In dem Staunen, das anhält.

 

Geschriebenes

Weg Schnee
Wie das geht, den Januar zu genießen, fragte er mich.
Ich mache es, antworte ich ihm, indem ich das Neue begrüße.
Die Jalousien oben lasse, Türen öffne und rausgehe in dieses Leben.
Wir können uns die Wangen rosa färben.
Vom wohligen Drinnen umarmen lassen.
Tee aus Lieblingstassen trinken und zuschauen, wie Kandis unsichtbar wird.
Geschenkte Bücher aufblättern und den Silben nachspüren.
Termine im Kalender lachen lassen.
Kennst du es, wenn sie dir Vorfreude zuflüstern?
Zum ersten mal wieder die Tanzfläche betreten.
Weißt du um den Moment, wenn Zehen den Boden fühlen und genau die richtigen Töne deinen Körper treffen?
Vertrautes fühlen und zulachen.
Bei Cafébesuchen Leben teilen.
Wörter über perlende Gläser hinweg schmecken.
Fühlen, die  Tage bleiben wieder länger hell.
Siehst du die Vögel im Garten, wie sie Körner finden?
Die Haustüre anlehnen und Fremde zu Freunden werden lassen.
Zuhören wie es den Menschen an deiner Seite geht.
Bunte Pläne und das Heute teilen.
Sich Neues vornehmen und es eine Woche lang machen.
Die eigenen Fehler blau malen.
Stifte suchen und leeres Papier sprechend machen.
Vorfreude auf den ersten Schnee.
Einen Schneeball  in die Luft werfen.
Stille atmen.
Die versteckten Schlittschuhe rufen hören.
Zuversicht pflücken. Lust hinauslachen. Innere Purzelbäume fühlen.
Dankbarkeit in den Himmel malen.

Geschriebenes

Neben den täglichen Sätzen findet ihr dieses Jahr bei Findesatz die Kategorie „Geschriebenes“. Hier findet ihr hin und wieder kleine Texte, die meiner Feder entstammen und Lust haben, im Blog geteilt zu werden.

Fenster Himmel

Blautupfer

Der Himmel hat überall geöffnet
Blautupfer sammeln
Über den Tag verteilen
In dem Jahr, das noch neu ist
Neu flüstert nach Zuversicht
Leere Seiten im Kalender
die darauf warten, gefüllt zu werden
Beschenkst du dich?
Alles ist dagewesen vor uns
Das Kitzeln und Probieren
das Trauern und Aufschauen
Eine Walnuss, eine Kastanie, eine Himbeere und eine Mango reichen
um das halbe Leben zu verstehen
und dann das Nichtverstehen küssen
Wir müssen nicht überall sein
da sein wo wir gerade sind reicht

Geschriebenes

Findesatz wird manchmal erweitert…

Ich habe mich von Jutta Reichels Frage zu einem Text anregen lassen, http://juttareichelt.com/2015/12/09/ist-das-nicht-seltsam/SeltsamIst das nicht seltsam, ein Wintertag und die Luft flüstert nach Frühling.
Seltsam, wir meinen, zum Jahresende würden die Tage verfliegen, obschon sie weder Flügel noch Krücken tragen.
Seltsam, wir haben jeden Tag und jede Nacht und rufen einander zu, wir hätten keine Zeit.
Warum tanzen wir nicht auf offener Straße.
Warum sehe ich so wenig Küssende.
Wo wohnen die Himbeeren im Winter.
Seltsam, dass wir mit all unseren Sinnen durch den Tag gehen und manchmal mehr fühlen, wenn wir für ein paar tonlose Minuten die Augen schließen.
Warum ist Musik mehr als eine Reihe von Tönen.
Wer sagt uns, dass wir Socken an den Füßen tragen, doch die Hände sich frei bewegen.
Wundert es dich, dass wir mit all den ungestellten Fragen leben.
Seltsam, dass unsere Bettdecken uns wärmen und schlafen lassen, während wir davon wissen, was wenige Kilometer entfernt geschieht.
Seltsam, dass Vorfreude manchmal kribbelt, obschon keine Hand da ist, die uns berührt.
Warum zeigt der Spiegel mich nicht so, wie du mich siehst.
Warum übersehen wir so vieles, das direkt vor unserer Nase liegt.
Warum bauen wir höhere Zäune, obschon sich das Leben erst zeigt, wenn wir gemeinsam an einem Tisch sitzen.
Wunderst du dich, dass wir uns an einiges erinnern, doch anderes im Gestern verschwimmt.
Warum essen wir am Tisch.
Und warum schlafen wir nicht unter dem Bett.
Seltsam, Geschäfte wollen uns glauben lassen, wir wohnen in allen Jahreszeiten gleichzeitig.
Warum sprechen wir Werbeslogans mit, doch können den neuen Nachbarn nicht in seiner Sprache begrüßen.
Warum kehren wir die Straßen, obschon Laub ein Geschenk des Himmels ist.
Warum weckt eine Schaukel meine Freude.
Seltsam, dass manche Tage uns ummanteln und wir wissen, wir haben alles dabei.