Können wir eine Stunde gewinnen?






Und hier seht ihr noch, wie ich meine täglichen Buchmessenberichte geschrieben habe (unten rechts im Bild):



Meine erste Veranstaltung an diesem Sonntag und damit dem letzten Messetag führt mich zu Denis Scheck „Druckfrisch“, bei dem ich wieder Neuerscheinungen des Buchmarkts kennen lernen konnte. Einige dieser Neuerscheinungen, die er temporeich vorstellte, teile ich hier:
„Feuer der Freiheit – Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943“ von Wolfram Eilenberger ist ein Buch, in dem der Autor die Lebenswege der einflussreichen Philosophinnen Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Any Rand und Simone Weil schildert.
Das Buch „Herz Faden – Roman der Augsburger Puppenkiste“ von Thomas Hettche ist ein Buch, in dem poetisch über die Magie der Augsburger Puppenkiste und den Willen eines Mädchens, den Krieg hinter sich zu lassen geschrieben wird. Bei dieser Buchbesprechung stellte Denis Scheck die gute Frage: „Kann man die verletzte Seele durch Erzählen heilen?“
Das Buch „Erd Beben Wetter“ von Zaia Alexander beschrieb Denis Scheck als lesenswerten modernen Hexenroman.
„Leben verboten!“ ein Roman von Maria Lazar stellte Denis Scheck als ein Buch vor, das alle Fans von Volker Kutschers „Babylon Berlin“ mögen werden.
Mit den folgenden zwei Büchern könne die Aussage widerlegt werden, dass Schauspier nicht schreiben könnten, so Denis Scheck. Zum einen der Roman von Joachim Meyerhoff „Hamster im hinteren Stromgebiet“ und der Roman von Hanns Zisch „Der zerrissene Brief“, das Denis Scheck als berührende Liebesgeschichte beschrieb.
Erneut stellte Denis Scheck die Bücher „Dorfroman“ von Christoph Peters und „Ein Mann der Kunst“ von Kristof Magnusson vor, die ich bereits am ersten Messetag kennenlernen konnte und die schon längst auf meiner Wunschliste stehen.
Um Tiere ging es in den nächsten beiden vorgestellten Büchern. Zum einen „Füchse – Ein Porträt“ von Katrin Schuhmacher und zum anderen „Honigbienen – Geheimnisvolle Waldbewohner“ von Ingo Arndt und Jürgen Tautz, das neben neusten Erkenntnissen als Bildband faszinierende Bilder aufweise.
Als Astronomiefan stellte Denis Scheck auch gerne das Buch „Der Atlas des Himmels – Eine kleine Geschichte der Astronomie“ von Edward Brooke-Hitching und Lutz-W.Wolff vor.
Auch ein Gartenbuch wurde vorgestellt: „Adenauer – Der Garten und sein Gärtner“ von Christian Feyerabend und dem Fotografen Roland Breitschuh.
Denis Scheck beendete seine Buchvorstellungen mit den guten Worten: „Gehen Sie in Ihre Buchhandlung (…) und finden Sie Ihr Buch fürs Leben.“

Die nächste Veranstaltung war ein Gespräch zwischen der Autorin Iris Wolff und Denis Scheck. Hier konnte ich ein weiteres gutes Gespräch und eine sympathische Schriftstellerin erleben, deren Buch „Die Unschärfe der Welt“ vorgestellt wurde. Einige ihrer schönen Sätze, die in dem Gespräch fielen, teile ich gerne hier: „Literatur ist so etwas wunderbares, weil es immer ein Zwiegespräch ist.“ „Jedes gute Buch macht einen ein bisschen schlauer, rüttelt einen auf, erweitert den Horizont und macht die Welt größer.“ „Es gibt eine Parallele zwischen Büchern und Zauber. Das kann Literatur auch, sie kann gegen das Vergessen arbeiten, sie kann uns in Zeiten führen, die nicht die unsere wahren.“ „Bücher sind für mich Räume, in denen ich entdecken kann, wie ich sein kann.“
In dem Roman von Iris Wolff werden sieben Geschichten erzählt, in denen immer die Hauptperson auftaucht, manchmal verdeckt und im Hintergrund. In der ersten Geschichte etwa, ahnen wir Leser*innen nicht, wer die Hauptperson ist. Denis Scheck fragte sie zu diesem Stilmittel und Iris Wolff meinte: „Das, was weggelassen wird, was nicht erzählt ist, ist wichtig. So wie bei einem Gedicht das weiße Blatt wichtig ist.“ Iris Wolff las mit ihrer sehr angenehmen Stimme, die zum Eintauchen einlädt, einen Ausschnitt aus ihrem Roman vor. Denis Scheck sagte zu dieser Lesepassage, hierin spiegele sich das, was in dem gesamten Buch und bei dieser Autorin zu finden sei: „Eine große Sinnlichkeit und eine große Intelligenz.“

Hier seht ihr Max Moor im Gespräch mit Dierk Hirschel, dessen Buch den Titel „Das Gift der Ungleichheit – Wie wir die Gesellschaft vor einem sozial und ökologisch zerstörerischen Kapitalismus schützen können“ trägt. „Auf dem Sofa zu sitzen und zu schauen, was die anderen machen, das wird nicht reichen, die Menschen müssen sich bewegen.“, war einer von Dierk Hirschels Gedanken.
Von Max Moor tauchte der Satz auf: „Die größte Gefahr ist, dass wir den Optimismus verlieren und dass wir resignieren.“ In dem Buch, so Moor, seien tausend Gründe, warum wir pessimistisch sein können, doch auch tausend Gründe, was wir dagegen tun können.

Dann ging es weiter mit dem „Stern Crime Talk – Verbrechen der Vergangenheit“. Der Moderator Giuseppe di Grazia sprach mit Daniela Lecher, die unter dem Namen „Alex Beer“ Kriminalromane aus dem Wien der 20er veröffentlicht und dem zugeschalteten Oliver Hilmes, der seine Leser*innen mit seinen Kriminalromanen ins Berlin der 30er Jahre entführt. Für ihre historischen Kriminalromane recherchieren beide Autoren intensiv, so war Daniele Lecher unzählige Tage und Stunden in der Wiener Nationalbibliothek. „Ich würde die Nationalbibliothek von Wien heiraten, wenn ich könnte“, so ein Satz von Daniela Lecher.

Hier seht ihr Bärbel Schäfer im Gespräch mit Jürgen Neffe zu dessen autobiografischem Roman „Das Ding – Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl“.:

Jetzt ging es weiter mit „Streiterinnen!“ ein Format, das täglich stattfand. In der heutigen Diskussionsrunde ging es um das Thema Mode.“

„Wir wollen keine Kleidung tragen, die Menschen verletzt.“, so Jana Braumüller und stellte die kritische Frage: „Brauchen wir die Modezyklen, wie wir sie leben, brauchen wir die Modemessen?“ Sie wünscht sich, dass auch im Discounter Kleidung verkauft werde, die keine Menschenrechtsverletzung beinhalte. „Warum müssen wir so viel konsumieren, was wollen wir übertünchen?“, auch das sind Fragen, die in ihrer Arbeit und ihren Büchern auftauchen. „Weniger kaufen“, war ein Appell von Kathrin Hartmann während des Gesprächs. Wenn jede und jeder an der Utopie mitarbeite von einer nachhaltigen und fairen Welt, dann sei schon viel erreicht, war ein Schlussplädoyer von Kathrin Hartmann.

Lustig sind auch oft die Sätze, bevor es offiziell losgeht, wie hier von Bärbel Schäfer: „Okay, dann muss ich mich hier mal gerade hinsetzen, wenn ihr soviel Licht rauspustet.“
Jetzt war Cornelia Funke aus Los Angeles zugeschaltet, die mit Bärbel Schäfer über ihr Leben und ihr neues Buch „Reckless Band 4 – Auf silberner Fährte“ sprach. Ich freute mich, die sympathische Autorin hier zugeschaltet zu erleben, deren Jugendbücher wie Tintenherz und Herr der Diebe nicht nur meine Kinder, sondern auch ich sehr gerne gelesen habe. „Eine der kreativsten und einflussreichsten Schriftsellerinnen unsere Zeit“, so wurde Cornelia Funke begrüßt und es folgte ein lebendiges schönes und amüsantes Gespräch.
Ihr seht, auch die Hunde von Cornelia Funke, nahmen an dem Gespräch teil:

„Wenn Sie vom Schreiben sprechen, haben wir immer das Gefühl, dass Ihre Augen und Ihr Herz funkeln, das spüren wir auch hier in Frankfurt“, sagte Bärbel Schäfer so passend.
„Kann man den Blick auf das kleine Glück trainieren?“ war eine der schönen Fragen von Bärbel Schäfer. „Ich glaube, ich bin mit einem Glücks-Gen ausgestattet. Ich bin durch die kleinsten Dinge sehr leicht glücklich zu machen. Bei mir braucht es oft nur winzige Auslöser, um glücklich zu sein.“, so Cornelia Funke.
Ein weiterer Gedanke von Bärbel Schäfer während des Gesprächs: „ Das kleine Glück aufgefädelt auf einer Perlenschnur kann das große Glück sein.“
„Ordnen Sie Bücher oder können Sie auch aushalten, wenn sie quer im Regal liegen?“ fragte Bärbel Schäfer und Cornelia Funke, die sehr viele Bücher besitzt, antwortete: „Ich liebe Regale, die geordnet sind, ich habe zum Beispiel ein ganz großes Regal zum Thema Natur, doch ich liebe auch die wild gemischten Regale, bei denen ich nie weiß, was rauskommt wenn ich eines hinausziehe.“
Cornelia Funke hat auf ihrem Grundstück in Malibu vier Gästehäuser, dort lässt sie immer wieder Künstler*innen leben, die beispielsweise dort schreiben und ihrer Kunst nachgehen. „Ich bin da wie eine Ronja Räubertochter, die gern mit ganz Vielen lebt und deshalb macht mir das auch nichts, wenn hier Leute in der Küche stehen und kochen.“, so Cornelia Funke.
Nach diesem Gespräch ging ich zu Bärbel Schäfer (bei einer Buchmesse ohne Publikum sind solche kleinen Begegnungen leicht möglich) und teite ihr mit, wie schön dieses Interview gewesen sei und Bärbel Schäfer meinte begeistert: „Ich habe mich gerade wieder neu in Cornelia Funke verliebt.“
Nun folgte „ARTE es wird Zeit – die kanadischen Künstlerin Emily Carr: Malerin Autorin, Aktivistin für die first nation“. Die Moderatorin Bianca Haude sprach mit dem Herausgeber Peter Graf und der Übersetzerin Marion Hertle über das Buch zu Emily Carr.

Zum Abschluss höre ich dem Gespräch zwischen Bärbel Schäfer und dem Kabarettisten und Autor Vince Ebert zu. Sein neues Buch trägt den Titel: „Broadway statt Jakobsweg – Entschleunigung auf andere Art“. Vince Ebert reiste mit seiner Frau für ein Jahr und einem Koffer nach New York, der Stadt die niemals schläft, und präsentierte dort sein Bühnenprogramm. Durch das Spielen auf Bühnen in dieser Stadt, die als das Mekka der Comedy-Szene gilt, habe er seine eigenen Ängste überwunden, antwortete Vince Ebert auf die Frage, was er dort über sich gelernt habe. Wie zu erwarten, gab es auch bei diesem Gespräch viel zu Schmunzeln.

Hiermit ging auch der letzte Buchmessentag für mich zu Ende. Eine Buchmesse, die ganz anders war, als all die bisherigen Buchmessen. Eine Buchmesse ohne Publikum. Eine Buchmesse, die dennoch das Buch gefeiert hat. Eine Buchmesse, in der vieles fehlte, eine Buchmesse, die jedoch auch vieles schenkte. Eine Buchmesse, die digital und hier vor Ort zeigte, welch wunderbaren Bücher es gibt. Eine Buchmesse, die wieder einmal sehr große Lust auf Lesen macht!
Also, gehen wir weiter in die Buchhandlungen, stöbern dort, schauen ganz gezielt oder lassen uns beraten, lassen wir die Bücher zu uns sprechen, verschenken wir Bücher und schenken wir uns selbst Bücher.
All dies wünscht sich und euch, Marion



Heute war mein 4. Tag der Frankfurter Buchmesse, von dem ich wieder gerne berichte.
Ich erlebe die Buchmesse als eine der wenigen Besucher*innen vor Ort, wie ihr wisst. Wie die Menschen Zuhause vor den Bildschirmen die Buchmesse erleben, vielleicht auf einem bequemen Stuhl, mit Kaffee, Tee oder Keksen ausgestattet, bekomme ich kaum mit. Eine Zwischenbilanz konnte ich hier allerdings erfahren, die ich gerne mit euch teile:
148.000 User*innen aus 183 Ländern nutzten bis heute die digitalen Angebote in der Messewoche. 4.422 digitale Aussteller*innen aus 103 Ländern haben sich auf der Plattform buchmesse.de registriert. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse wurden in der Messewoche 3.627 Events eingetragen.
Das sind hohe Zahlen. Schön, dass die digitale Form viele Menschen erreichen kann und Literatur auch in diesen Zeiten die verdiente Aufmerksamkeit erhält.
Nun jedoch weiter zu meinen heutigen Erlebnissen. Meine erste Veranstaltung führte mich zur ARD-Messebühne, auf der Michael Friedmann von Cécile Schortmann interviewt wurde. Er hat gemeinsam mit Harald Welzer das Buch „Zeitenwende – Der Angriff auf Demokratie und Menschenwürde“ geschrieben. Michael Friedmann und Harald Welzer, die nicht immer einer Meinung sind, haben sich in dem Buch damit auseinandergesetzt, dass wir eine Epochenwende erleben. Die Coronakrise kann auch als eine Lerngeschichte verstanden werden, die die Demokratie und die Lösung vieler Zukunftsprobleme beinhaltet von Rassismus, Ungleichheit bis hin zum Klimawandel. „Oft fehlt mir der Widerspruch, dass Menschen konkret formulieren, wofür sie stehen.“, so Friedmann. Ein weiterer seiner Sätze, die bei dem Gespräch auftauchten, lautete: „Ich hatte noch nie Angst vor der Vielfalt der Menschen, sondern vor dessen Einfalt, also wählen wir die Vielfalt.“

An diesem Buchmessentag, bei dem ich wieder vielen interessanten Gesprächen beiwohnen konnte, hatte ich – wie auch an den anderen Tagen – das Gefühl, ich hätte ganz viel geredet. Wenn ich abends mit meinen Lieben daheim telefoniere, fällt mir auf, dass meine Stimme rauh ist. Nein, nicht weil ich krank bin, sondern weil ich den ganzen Tag wenig geredet habe und außer wenn ich Draußen bin, den ganzen Tag den Mundschutz trage. Es sind Sätze, wie diese, die ich hier sage: „Die grüne Jacke ist auch Morgen noch da“ als Antwort auf den Satz der Mitarbeiterin am Eingang: „Da sind Sie ja wieder. Ich erkenne Sie immer sofort an Ihrer grünen Jacke“. Oder: „Ja, habe ich“ als Antwort auf die Frage eines Mitarbeiters am Eingang: „Haben Sie den Gesundheitsfragebogen ausgefüllt?“ Oder: „Danke, das glaube ich Ihnen“, wenn ich meinen Laptop wieder abhole, den ich in den Räumen der ARD aufgeladen habe und mir der Mitarbeiter sagt: „Ich bin auch nicht an Ihren Laptop drangegangen.“ Oder auch: „Ich komme nicht mehr in mein Zimmer“, wenn ich nachts an der Rezeption des Hotels stehe und Hilfe brauche, da ich vor meinem Hotelzimmer stehe, das mit der Code-Karte nicht mehr zu öffnen ist. Und zwischendurch finden tatsächlich auch kleine und feine Gespräche mit den Autoren und Veranstaltern statt. Nun aber weiter zur Buchmesse selbst.
Hier seht ihr eine Gesprächsrunde, moderiert von Cécile Schortmann und der Kinderbuchautorin Margit Auer („Die Schule der magischen Tiere“) und Christine und Benjamin Knödler, ein Autorenduo, bestehend aus Mutter und Sohn, die gemeinsam das Buch „Young Rebels – 25 Jugendliche, die die Welt verändern!“ geschrieben haben. Zugeschaltet war der Schauspieler und Kinderbuchautor Max von Thun („Der Sternenmann und die furchtlose Prinzessin Luna“).

Christine und Benjamin Knödler präsentieren in ihrem Buch, das sich an Jugendliche und wie ich finde auch an Erwachsene richtet, junge Menschen aus der ganzen Welt, die die gegebenen Umstände nicht hinnehmen und sich für Veränderungen einsetzen. So tauchen Aktivist*innen wie Greta Thunberg, Emma Gonzales, Malala Yousafzai, Jakob Springfeld oder Felix Finkbeiner in dem Buch auf. Neben der Kimathematik geht es um Armut, Rassismus oder Menschenrechte. Sie lasen eine berührende Stelle des Buches vor, in der Emma Gonzales vorgestellt wird. Ich bin mir sicher, dass stimmt, was Christine Knödler zu ihrem Buch sagte: „Das Lesen der Geschichten verändert einen.“ „Lesen ist etwas, dass ein Einzelner tut, doch es hat mit Beziehung zu tun, man tritt in Beziehung mit den Figuren, den Menschen und dem Leben“ war eine weitere ihrer Aussagen.

Übrigens habe ich anschließend mit dem Autorenduo Mutter und Sohn Knödler gesprochen und erzählt, dass ich sie hier gerne erwähne, was die beiden aufrichtig freute. Ihr seht, manchmal kann ich auch hier reden.
Hier noch zwei weitere Zitate der guten Gesprächsrunde: „Literatur lässt uns Erfahrungen sammeln, die wir sonst nicht machen würden“, sagte Christine Knödler zu dem Thema, dass sich Kinder- und Jugendliteratur in vielen Punkten nicht sehr von Erwachsenenliteratur unterscheide.
„Ich bin ein großer Fan von Langeweile, weil ich glaube, dass sie der Nährboden für so viel anderes ist“ war ein schöner Satz von Max von Thun.
Danach besuchte ich die Gesprächsrunde „ARTE es wird Zeit – Kanadische Literatur und ethnische Diversität“ mit der Moderatorin Annabelle Assaf, der Übersetzerin Bianca Hauda und Hans-Jürgen Balmes. Kanada ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse und nimmt vordergründig digital an dem Programm teil. Im nächsten Jahr werden wir hier vor Ort hoffentlich auch analog von dem Gastland und seiner großen Vielfalt erfahren.

Hier sehr ihr nochmal einen Blick auf die leeren Gänge in diesem Jahr:

Auch am Essensstand geht es dieses Jahr ganz ohne Schlangestehen:

Danach besuchte ich Veranstaltungen im Rahmen des Bookfest city, die in der Stadt verteilt mit Publikum stattfinden dürfen. Ich konnte Tobias Elsäßer im Gespräch mit dem Moderator Martin Schäuble in der Matthäuskirche erleben. Tobias Elsäßer las aus seinem neuen Jugendroman „Play“ vor, ein Buch über Selbstbestimmung in einer digitalisierten Gesellschaft. Jonas, der Protagonist, möchte sich nicht von Algorithmen beeinflussen lassen, nicht von einer App, die seine Zukunft vorhersagt und er macht sich auf und sucht seinen eigenen Weg. Tobias Elsäßer las vor, trug Musikstücke vor und ließ die Zuhörer*innen an seinem Schreibprozess teilhaben. In dem Gespräch und der anschließenden offenen Diskussion ging es um Überwachung im digitalen Zeitalter und unseren Umgang mit den sozialen Medien.

Tobias Elsäßer sagte den schönen Satz, den er oft zu Schülern sagt: „Wenn ihr Zuhause seid……“. Ich konnte ihn so schnell nicht aufschreiben. Also habe ich ihn nach der Veranstaltung gefragt, er hat ihn netterweise wiederholt, während ich den Satz auf dem Diktiergerät aufnehmen konnte. Also, nun aber: „Wenn ihr Zuhause seid, legt Musik auf, legt ein weißes Blatt Papier bereit und hört der Musik zu und dann schreibt mal auf, was euch durch den Kopf geht, dann werdet ihr merken, dass in eurem Kopf unglaublich viel drin ist, was uns von Maschinen unterscheidet.“ Ein weiterer guter Satz, den er sprach: „Wir müssen lernen, uns Auszeiten zu geben.“
Auf die nächste Veranstaltung in der Katharinenkirche freute ich mich sehr, da ich nun zum ersten Mal einer meiner Lieblingsautorinnen live zuhören konnte. Zsuzsa Bánk sprach zu ihrem neuen Buch „Sterben im Sommer“. Jürgen Hosemann, der Moderator, äußerste sich zu ihrem Werk und dem Abend: „Es ist Coronazeit und ein Herbstabend und möchte man dann ein Buch über den Tod eines Vaters hören, ist es da das richtige Buch? Ja, es ist das richtige Buch, auch in diesen Zeiten, weil es Worte gibt für etwas, das wir genauso brauchen werden. Worte für Situationen, in die wir genauso kommen können. Es ist das richtige Buch, weil es schön ist, was eine Tochter da über ihren Vater schreibt. Es ist das richtige Buch, weil es voller schöner tiefer Gedanken ist, die trösten. Es ist das richtige Buch, weil es Glück nicht nur empfinden, sondern weitergeben kann.“ Als Zsuzsa Bánk aus ihrem Buch vorlas und ich ihren fließenden, treibenden Gedankengängen lauschen konnte, dachte ich: Ihr könnte ich stundenlang zuhören, in diesem melodischen Klang lässt sich wunderbar eintauchen. Auf die Frage des Moderators, worin ihr Vater ein Vorbild für sie gewesen sei, antwortete sie: „Er war ein Vorbild für mich in Sachen Leichtigkeit. Er hatte eine große Lebensfreude. Er hat das Leben sehr umarmt und das finde ich sehr vorbildhaft.“

Meine letzte Veranstaltung an diesem Tag führte mich zum Instituto Cervantes Francfort, dort fand im Rahmen des Bookfest city eine Darbietung statt. Die Tänzerin Paula Quintana zeigte „Pieles“, eine großartige Tanzperformance. Zu Beginn wurde dieser Satz der Künstlerin zitiert: „Ertrunken in der Suche nach dem Gleichgewicht, nur schaffe ich es zu atmen, wenn ich mich jedem Augenblick dem hingebe, was ich bin.“ In ihrer Tanzperformance zeigte Paula Quintana eine emotionale Reise zu den Gefühlen. Es waren Momente beim Zusehen, da wünschte ich, die Zeit würde anhalten. Zu spüren war, dass das Publikum sehr angetan war und es gab lang anhaltenden Applaus für diese berührende Darstellung. Ich finde, Tanz und Buch passen ganz wunderbar zusammen, denn auch Worte tanzen und der Tanz erzählt.

Auch an diesem Buchmessentag bin ich reich beschenkt worden. Ich bin dankbar, dass es Kunst gibt, dass es Tanz gibt, dass es Bücher gibt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die Bücher schreiben, Menschen, die es möglich machen, dass diese Bücher zur Leserschaft gelangt. Menschen, die Worte tanzen lassen.