Findesatz-Gedicht 113

Wir wissen es nicht als Kind
wenn wir im Sand spielen oder im Wald
oder mit den Farbstiften das Blatt ausfüllen
Doch irgendwann trifft uns die Erkenntnis
Die Endlichkeit des Lebens
Dann ringen wir nach Luft
Finden es unbegreiflich
und es integriert sich in unser Leben
auf stille Weise
Manchmal vergessen wir es
dann fühlen wir es
und manchmal erscheint alles leicht
Diese Erkenntnis
die lautlos in uns wohnt
lädt ein das Leben zu füllen
mit all dem was uns wertvoll ist
und was uns sinnig unsinnig ist
Zurechtzurücken und zu runden
Die Fäden zu spinnen
All die geschenkten Tage und Nächte zu gestalten
ihnen ein Gewand zu geben
Zu tanzen und zu lieben
Das Viel und das Wenige zu pflegen
Träumen ein Gesicht zu geben
Morgen nicht ins Übermorgen zu verstecken
Trauen wonach der Mut ruft
Die wenigstens Menschen sagen am Ende ihres Lebens
Ich habe zuviel ausprobiert

Findesatz-Gedicht 112

Ich möchte gerne im Wald sitzen
und zwei Stunden lang nur die Bäume anschauen
Ich glaube
dann kommt meine Seele zur Ruhe
mein Kopf und mein Bauch
Ich glaube
dann atme ich durch
tief und in alle Poren gehend
Ich glaube
dann will ich nichts anderes
als dort zu sitzen, zu sehen und zu atmen
Ich glaube
dann fühle ich Ruhe und das Eingebunden sein
im Kreislauf des Lebens
Ich glaube
dann ahne ich den Zusammenhang
von all den versteckten Fäden
Ich glaube
dann verzeihe ich mir ohne Worte
all das was ich machte und all das was ich nicht machte
Ich glaube
das würde heilen
und Pflaster auf alle Schmerzen malen
Ich glaube
dann würde ich mit leichten Schritten aufstehen
und ein festes Blatt im Wind sein

Findesatz-Gedicht 111

Ich finde das Buch so schön
ich möchte es am liebsten jedem Menschen schenken
der mir viel bedeutet
sagte sie
und ich dachte
das ist das schönste Kompliment
das man einem Buch
und einem Menschen geben kann

Findesatz-Gedicht 109

Das Herz schlägt Tag für Tag
auch nachts verrichtet es sein Werk
während wir ruhen
und uns in unsere sommerlichen Bettdecken wälzen
Es ist mehr als das was uns auf rot leuchtenden Postkarten entgegenkommt
Mehr als ein beinahe abgegriffenes Wort
Mehr als das was wir auf Liebesbriefen zeichneten
und vielleicht heute noch zeichnen
Das Herz trägt unsichtbare Pflaster
Wenn wir still werden
fühlt unsere Hand es
die rechte wie die linke
sein gleichmäßiges Poch poch, Poch poch
Hin und wieder stolpert es
und findet seinen Takt wieder
Es lebt in seinem Rhythmus
Das Herz ist ein Haus
In ihm leben Wünsche und Wahrheit
Das Herz kann viel mehr erkennen
als alle Sinne
Im Herzen barfuß
sind wir alle