Wortgewebe – 34

Tsundoku

Tsundoku kommt aus dem Japanischen und meint: Bücher kaufen und sie ungelesen stapeln, oft mit dem Vorsatz, sie irgendwann zu lesen.

Wenn er neue Städte besucht, sucht er Buchhandlungen auf. Er kann es nicht lassen, Bücher zu kaufen. Wenigsten eines. Heute kaufte er zwei. Er wird sie ungelesen stapeln. Zumindest eine zeitlang. Da er noch viele andere Bücher hat, die er lesen möchte. Tsundoku sagt sein japanischer Freund. Er liebt es, in Geschichten einzutauchen. Versinken in andere Leben, die seines streifen. Wenn er in Buchhandlungen ist, atmet er tief. Es sind Glücksorte für ihn. Er besitzt nicht viel. Sein Haus ist klein. Doch Bücher besitzt er viele. In jedem Zimmer sind sie. Freunde leihen seine Bücher aus. Meist bekommt er sie zurück. Manche Bücher liest er zweimal. Oft sitzt er in seinem grünen Sessel, nimmt ein Buch vom Stapel, riecht daran, betrachtet das Cover und streicht mit seinen Händen darüber, als sei es die Haut einer Geliebten. Dann liest er die ersten Sätze. Sie sind ein Tor. Bücher haben mein Leben schon mehrmals gerettet, sagte er seiner Schwester vor ein paar Wochen. Sie nickte dazu. Auch sie kennt es. Bücher, die zur richtigen Zeit auftauchen. Bücher, die bleiben. Bücher, die heilsame Pflaster sind.

9 Gedanken zu „Wortgewebe – 34

  1. Die Geschichte könnte meine Geschichte sein. Ich bin vor einem Jahr umgezogen und musste mich von vielen Büchern trennen, was mir ungeheuer schwer fiel/fällt. Ich habe fast ein Jahr gebraucht um meine Bücher auszupacken. Und einige der Bücher, die ich in den letzten Jahren gekauft hatte waren nicht dabei. Letzte Woche habe ich dann noch vier Kartons mit diesen Büchern gefunden. Die muss ich wohl auch stapeln, denn die Bücherregale sind schon alle voll.

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