Pisanzapra
Pisanzapra kommt aus dem Malaiischen und meint die Zeit, die es dauert, eine Banane zu essen – eine Art, einen kurzen Zeitraum zu beschreiben.

Lange sah ich ihn nicht mehr. Ich weiß nicht, ob er noch in meinen Gedanken war. Bewusst habe ich nicht an ihn gedacht. Doch innerlich wird er irgendwo gewohnt haben. So wie alle Menschen in uns leben, mit denen wir irgendwann Zeit verbracht haben.
Es war mitten in der Fußgängerzone. Er kam mir entgegen. Oder wir uns. Wir erkannten uns, als wir kurz voreinander waren und dieser Augenblick uns anhalten ließ. So voreinander stehend, sagten wir den Namen des anderen. Und umarmten uns. Es war eine tiefe Umarmung, die keine Worte benötigte. Erst dann blickten wir uns länger an. Wir nahmen das Ältergewordensein an uns wahr. Und zugleich das gebliebene Vertraute.
Es ist schön, dich zu sehen, sagte er. Jedes Wort sprach er langsam aus. Und ich sagte: Ja, es ist schön, dich zu sehen. Dabei legte ich meine Hand auf mein Herz. Das geschah nicht bewusst. Es geschah ganz von allein. Wir wechselten ein paar Sätze, die ausdrückten, dass wir uns über dieses überraschende Wiedersehen freuten. Wir überlegten nicht, ob und wann wir uns wiedersehen. Es war, als sei dieser Moment des Wiedersehens genug.
Zu Hause kochte ich mir einen Tee. Ich setzte mich damit auf die überdachte Terrasse, während es begann, leicht zu regnen. Ich ging diese kurze Begegnung noch einmal durch. Versuchte, sie erneut zu erleben. Wie lang hat die Begegnung gedauert, überlegte ich. Und mir fiel dieses malaiische Wort Pisanzapra ein. Den Zeitraum, den es braucht, eine Banane zu essen. So lange dauerte unser Wiedersehen. Was nicht unbedingt lange ist. Und doch war es, als sei es genauso gut und richtig.
Ich trank den Tee in kleinen Schlucken aus. Jetzt hörte auch der Regen auf. Seine Spuren auf dem Terrassendach und dem Rasen hinterlassend.
Ich ging hinein und deckte den Tisch für das Abendbrot. Die Blumen in der Tischmitte leuchteten.