Wortgewebe – 20

Boketto

Boketto ist Japanisch. Das Wort beschreibt einen Zustand, in dem jemand gedankenlos in die Ferne schaut, ohne an etwas Bestimmtes zu denken.

Milder Wind umfing ihn. Er fühlte sich leicht. Das schaffte das Meer. Jedes Mal ging es ihm so. Er würde sich niemals sattsehen können an den Wellen, den Dünen und dem Spiel des Lichts. Er ging die Seebrücke entlang. Blieb stehen und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Gedankenlos, einfach nur existierend. Was sonst in seinem Kopf umherwanderte, verschwand. Als löse es sich auf.
Boketto nennen die Menschen in Japan diesen Zustand. Er kannte den Begriff, da er dieses Land liebte und die Sprache gelernt hatte. Doch hier dachte er nicht an Worte. Hier blickte er einfach und war.
Es tat ihm gut, keinen Fokus zu haben, kein Ziel, keine Absicht.
Später saß er bei einem warmen Sanddornsaft in einem Café.
Die Gedanken waren zurückgekehrt. Doch es wirkte nach, dieses heilsame Schauen vorhin auf der Brücke.

2 Gedanken zu „Wortgewebe – 20

  1. Solch ein Wort einer fremden Sprache ist bereichernd, wenn es in der eigenen Sprache keinen vergleichbaren Ausdruck gibt.

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