76. Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Samstag ist der meistbesuchte Tag der Frankfurter Buchmesse.  In diesem Jahr waren die Eintrittskarten bereits vor ein paar Tagen ausverkauft.
Wenn ich die vollen Gänge sehe, dann denke ich immer, das Buch lebt, und wie!
Auch an gut besuchten Tagen lassen sich ruhige Ecken finden.
Meine erste Veranstaltung führte mich zum „Der AfD-Komplex – Demokratie in Gefahr“ mit den beiden CORRECTIV-Reportern Jean Peters und Marcus Bensmann:

CORRECTIV zeigte wieder einmal, was für einen wichtigen, mutigen aufdeckenden Journalismus sie betreiben. Die Veranstaltung machte deutlich, wie bedeutsam es ist, hinzusehen und nicht wegzusehen, was die AFD möchte. Jean Peters riet dazu, bei der AfD zu lesen, da wir somit von ihren Plänen und Werten erfahren. Die beiden Journalisten veranschaulichten in ihrem Gespräch, mit welchen gefährlichen völkischen Ideen diese Partei besetzt ist. Die Bücher der beiden, die ihr auf dem Foto seht, sind sicherlich sehr lesenswert.
Zu Recht erhielten die beiden Journalisten viel Wertschätzung und Applaus in dem voll besetzten Frankfurt Pavilon:

Viele gute Veranstaltungen bekomme ich nur am Rande mit, so auch die Vorstellung der Sieger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2024, von der ich euch dennoch gerne ein Foto zeige, da ich Kinder-und Jugendliteratur sehr bedeutsam finde:

Auf dieser Veranstaltung wurde das Jugendwort 2024 bekannt gegeben. Die Top 10 Wörter wurden in einem Videobeitrag präsentiert und am Ende des Videos das Jugendwort des Jahres enthüllt: Aura. Anschließend wurde über Sprache und Jugendkultur gesprochen:

Einige Veranstaltungen sind so stark frequentiert, dass die Menschen nicht mehr in die betreffenden Räume hineinkommen. Dank meines Presseausweises darf ich immer hinein, so dass ich dieses Foto aufnehmen konnte. Mai Thi Nguyen-Kim und Marie Meimberg, beide schreiben beliebte Wissenschafts-Sachbücher für Kinder, mit der Moderatorin Kathleen Hildebrand:

Die Buchmesse lässt auch die Menschen an den Gesprächen teilnehmen, die nicht mehr in den Pavilion hineinkonnten. So wird das Gespräch auf einem großen Bildschirm nach Draußen übertragen. Das wurde genutzt:

Die Literaturbühne von ARD, ZDF und 3SAT von oben:

Ich staune immer wieder, wie voll es am Samstag ist. Ich schiebe an der Stelle ein Foto vom Eröffnungstag ein:

Ich mag die Tage, an denen wenig los ist und ich mag es auch, wenn viel los ist, denn das bedeutet, dass viele Menschen Bücher lieben.
Zurück zu heute. Denis Scheck stellte bei der Veranstaltung Druckfrisch in seiner gewohnt temporeichen Art einige seine Lieblingsbücher vor:

Mit dabei diesmal sogar Pixi-Bücher. Beliebte Autor*innen wie Cornelia Funke, Paul Maar oder Saša Stanišić haben Pixi zum 70-jährigen Jubiläum Geschichten geschrieben und ein Set aus 8 Pixi-Büchern ist daraus entstanden.
Weiterhin empfahl er:
Die Vegetarierin von Han Kang, Lichtungen von Iris Wolff und Hey guten morgen, wie geht es dir von Martina Hefter.
Schön fand ich, dass er auch einen Gedichtband empfahl, und zwar „Nach Eden. Gedicht“ von Daniela Seel. Er sagte dazu: „Wenn Sie ein Buch suchen, das berührt, dann lesen Sie dieses.“
Weiterhin empfahl er den Roman Muttersuchen von Eva Christina Zelle, den Comic Komplett Kafka von Nicolas Mahler sowie Im Krieg – Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg von Nora Krug, laut Scheck ein mutiges Unterfangen, dieses gezeichnete Buch zum russischen Angriffskrieg.
Seine Empfehlungen gingen weiter mit Innerstädtischer Tod von Christoph Peters, Helden von Frank Schätzing, Unser Ole von Katja Lange-Müller, Bei aller Liebe von Jane Campell, Mein drittes Leben von Daniela Krien, Die vorletzte Frau von Katja Oskamp, Reichskanzlerplatz von Nora Bossong und das wunderbare Buch mit dem langen Titel „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ von einem meiner Lieblingsautoren Saša Stanišić.
Es ging weiter mit dem Bilderbuch Earhart, Der abenteuerliche Flug einer Wühlmaus um die Welt von Torben Kuhlmann und Schecks persönlichem Lieblingsbuch der diesjährigen Buchmesse, der Roman Die Eisenbahnen Mexikos von Gian Marco Griffi.
Was eine vielfältige Palette und ich halte sie tatsächlich alle für lesenswert.

Die Maus kann auf die Bühne und mit ihr Max und Oskar, die von ihren Lieblingsbüchern erzählten. Auch Kinder aus dem Publikum wurden nach ihren Lieblingsbüchern befragt:

Roberto Saviano war im Gespräch mit Denis Scheck zu erleben. Seit seinem Werk „Gomorrha“ ist Saviano bekannt geworden im Kampf gegen die Mafia. Als er die Bühne betrat, erhielt er tosenden wertschätzenden Applaus vom Publikum. Das war wieder einer der berührenden Momente auf der Buchmesse.
In dem guten Gespräch ging es um Angst und Mut und um seinen Roman Falcone. Saviano zeigt anhand von Falcones Geschichte wie durch Zivilcourage die Welt verändert werden kann. „Mutig wird man, um sich selbst treu zu bleiben“, so Saviano. Auf die Frage, wie er mit seiner eigenen Angst umgehe – Savione lebt seit Jahren unter Polizeischutz, auch hier auf der Buchmesse ist er mit Schutzpersonen unterwegs – sagte, er habe manchmal Angst und Panik und „Literatur ist mein Heilmittel, Schreiben und Lesen bedeutet für mich, dass ich mich wirklich unsterblich fühle in irgendeiner Art.“

Sabin Tambrea, den viele sicherlich als hervorragenden Schauspieler kennen, war nun auf der Literaturbühne zu erleben zu seinem Buch „Vaterländer“:

Ich gebe zu, dass ich bei vielen Schauspielern und Schauspielerinnen kritisch bin, wenn sie ein Buch veröffentlichen. Dieses Buch hingegen steht nun auf meiner Wunschliste.
Zu Beginn des Interviews meinte die Moderatorin Katty Salie, Sabin Tambrea sei gerade symbolisch zum Ritter geschlagen wurde, weil Denis Scheck ihm gesagt habe, dass sein Buch gut sei.
In dem Roman erzählt er die Geschichte seiner rumänisch-ungarischen Familie durch die Augen dreier Generationen, des jungen Sabin, seines Vaters und seines Großvaters.
Bei jedem Gespräch, das ich hier erlebe, geht es nie nur um die Bücher, immer geht es auch um den Menschen, der das Buch schreibt.
Sabine sagte in dem Gespräch, er habe eine sentimentale Seele, in ihm wohne immer eine Abschiedsangst, da er als Kind früh seine Heimat verloren habe. Seine feinsinnigen Worte und sein Buch zeigen, was es für Menschen bedeutet, aus ihrer Heimat zu fliehen. Was für ein bedeutsames Buch in unserer heutigen Zeit, wie ich finde.
„Es tut gut zu sehen, wie sich das Publikum berühren lässt. Dass es die Herzen erreicht, das ist ein großes Geschenk“, so sagte er.

Hier seht ihr links im Bild Anne Applebaum, die morgen den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten wird:

Schön war es, sowohl gestern als auch heute, unerwartet frühere WG-Mitbewohnerinnen von mir zu treffen und in den Pausen über das Leben und Bücher zu reden.
Immer wieder lohnenswert ist ein Besuch am Amnesty International Stand. Unterschriften zu geben und sich somit für die Freiheit einzusetzen, ist etwas sehr Leichtes, das wir alle machen können:

Eine weitere berührende Veranstaltung erlebte ich nun, bei dem das Buch „People of Deutschland. 45 Menschen, 45 Geschichten. Über Rassismus im Alltag und wie wir unser Land verändern wollen“ vorgestellt wurde:

Die Moderatorin sprach von einem „Zauber des Buches“, es sei sehr berührend und eindrucksvoll. Die Veranstaltung zeigte, wie wahr ihre Worte sind. Die Mutter zu hören, die ihr Kind in Hanau verloren hat, ging sicherlich jedem im Raum nahe. Sie sagte die guten Worte „Menschen können Rassismus verbreiten und genauso können wir auch Menschlichkeit verbreiten“:

Mona Amaziane war im Gespräch mit Caroline Wahl zu ihrem Buch „Windstärke 17“. Ich habe es bereits gelesen und finde es lesenswert:

Jo Lendle sprach und las aus seinem Buch „Die Himmelsrichtungen“:

Zum Abschluss des heutigen Tages erlebten wir die Poetry Sammlerin Pauline Puhze mit berührenden Texten:

Meine Augen und mein Inneres freute sich bei diesem Anblick: Einen Mitarbeiter der Frankfurter Buchmesse lesend zu sehen. Wenn nicht viel los ist, dürfen sie das, ein Buch zur Hand nehmen und lesen. Wunderbar, denn das gehört definitiv zu den schönen Seiten des Lebens:

So grüße euch mit ganz viel Leselust aus der Buchmessenstadt Frankfurt
Eure Marion

2 Gedanken zu „76. Frankfurter Buchmesse – Tag 4

  1. ganz herzlichen dank für die tollen berichte von der buchmesse. leider ist mir ein besuch nicht mehr möglich, aber diese teilnahme hier habe ich interessiert gelesen und eine wunschliste für neukäufe angelegt. lieben gruß, roswitha

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