Findesatz-Gedicht 130

Zeigt euch in eurer Einzigartigkeit
und in eurer Schönheit
lasst Farben blühen
seid Musik
barfuß
entdeckt Kleinigkeiten
von vorherigen Generationen
erlaubt euch ein Schneckentempo
und streckt euer Inneres himmelhoch

Findesatz-Gedicht 129

Wir fühlen uns wie Zuhause
in diesem Ort
Menschen schauen nicht vorbei
sie schauen uns an und teilen Worte und das Salz
Nachts sind die Straßenlaternen aus
und Sterne weisen uns die Wege
In dem Haus lässt ein warmes Bett uns gut schlafen
und am Morgen zeigt der Garten Herbstzeitlose und Astern
Auf dem Weg zum Bäcker überholen uns Radfahrer
von denen immer einer pfeift
Katzen umspielen die Mauern und die Beine
und Kunst lacht auf den Fensterbänken
Wir möchten ankommen
Mehr noch als in einem Ort
an dem wir alt, grau, weise
vielleicht ein wenig verrückt und vergesslich werden
In uns
Ankommen in uns

Findesatz-Gedicht 128

Ich würde es wieder so machen
Genau so
Es war nicht alles gut
Wie könnte es
Doch es war richtig
für den Weg
der der meine ist
Alle Wege und Pfade
Umwege, Abzweigungen und Irrwege
haben mich hingeführt
zu meinem Inneren
und nahe zur Welt

Findesatz-Gedicht 127

Was meinen wir eigentlich, wenn wir ‚Gott‘ sagen?
Welches Bild hatte ich als Kind von Gott?
Welches Bild habe ich heute?
Wie wünsche ich mir Gott?
Und wie nicht?
Welches Bild von Gott hätte ich gerne?
Ist mein Gott eine Göttin?
Ist er im Himmel?
Weit weg?
Mir nahe?
Ist er da wo ich bin?
Ist er ein Gott auf Augenhöhe?
Ist er in der Musik, im Tanz, in den Bäumen?
In mir?
Ist Gott nur ein Name?
Ist Gott alles?
Ist Gott in den Gedanken?
Denke ich Gott klein?
Denkt Gott mich groß?
Glaube ich an Gott?
Glaubt Gott an mich?