Findesatz und Wortspiel – 32

„Anna, denk an die Lutscher morgen!“

Es war während er auf der Bank saß. Zuvor war er durch den Ort gegangen. Er hatte ein paar Tage frei und ließ sich treiben. Ein Museumsbesuch, ein Eis am Nachmittag, ein Spaziergang, ein Espresso in einem Café. Nun saß er und sah dem beginnenden Abend zu. Zwei Kinder liefen vorbei. „Anna, denk an die Lutscher morgen!“ Das war der Moment, der ihn innehalten ließ. Es gibt sie, die zugeworfenen, flüchtigen Sätze, die ins Innere wandern und etwas berühren. Die beiden Kinder waren schon wieder aus seinem Blickfeld verschwunden. Welche Schönheit und Unbeschwertheit in diesem Ruf liegt, dachte er. Als gäbe es nichts Wichtigeres als an Lutscher zu denken. Manchmal ist genau das das Wichtigste. Das Zuversichtlichste was geschehen kann. Mehr Vorfreude geht nicht. Der Satz erschien ihm wie ein Fenster, das weit geöffnet wird. Ein Fenster, das nach Lust ruft. Nach der selbstverständlichen Gewissheit eines Morgen. Er lächelte. Er lächelte dem Satz nach, der sich wie eine Decke um ihn legte.

30. August – Findesatz-Gedicht

Wir müssen nicht immer das Warum verstehen
Legen wir uns in den Tag und die Nacht
mit all dem Nichtwissen
das unter unserer Haut wohnt
Neben den Angststrahlen
fühlen wir Funken der Zuversicht
Halten wir sie wach
tanzen mit ihnen
und begegnen uns mit offenen Augen