Wortgewebe – 5

Dolce far niente

Kommt aus dem Italienischen und heißt wörtlich übersetzt: „Das süße Nichtstun“. Sinngemäß bedeutet es: das Leben bewusst zu genießen und die kleinen, ruhigen Momente wertzuschätzen.


Das Café ist nur spärlich besucht. Die Kaffeetassen tragen Schönheit. Wie der Moment. Leise tönt Musik aus den Lautsprechern.
Nichts muss, denkt sie, während sie den ersten Schluck Kaffee nimmt.
Draußen zieht ein sanfter Winterhimmel über die Dächer. Hier drinnen ist es angenehm warm, ihre Schals haben sie abgelegt.
Ab und zu öffnet sich die Türe und Menschen treten ein, bringen ein wenig Kälte und Gespräche mit, manchmal ein Lachen. Menschen gehen wieder hinaus. Die Welt bewegt sich weiter. Natürlich macht sie das. Doch sie folgen ihr nicht. Heute nicht.
Sie sitzen dazwischen, losgelöst von messbarer Zeit oder Verpflichtungen. Tassen klirren leise.
Dolce far niente nennen die Italiener das. Das süße Nichtstun. Eine Süße, die nicht klebt.
Ihre Gedanken wandern nicht, sie ruhen. Es ist wie ein leises Ankommen. Momente, die rein gar nichts verlangen. Momente, die tragen.

Findesatz und Wortspiel – 36

„Jetzt kann ich gemütlich Sein.“

Die Buntheit des Cafés lud ihn ein. Nicht nur seine Augen, auch sein Inneres nahm die Buntheit auf. Er genoss einen Kaffee mit ein wenig Milch. Liebevoll angerichtet von einer älteren Madame, deren Falten viel Schönheit trugen. Merci, sagte er. Der erste Schluck ist ihm immer der Wertvollste. Hätten die Kinder, die wenige Meter entfernt auf dem Marktplatz spielten, ihn beobachtet, hätten sie ihn lächeln sehen. Doch sie waren in ihr Tun vertieft, wie nur Kinder das können. Jetzt kann ich gemütlich Sein, dachte er. Ungeplantes war weit weg. Er wanderte von Ort zu Ort. Nur die jeweilige Etappe zählte. Pausen mitten im Wald oder in Cafés, die unerwartet auftauchten, wie nun. Das Café füllte sich innerhalb einer halben Stunde und er betrachtete die französischen Menschen. Er gab ihnen Namen. Camilla, Jean, Amélie, Antoine, Manon, Pierre. Die französischen Klänge, die seine Ohren streiften, trugen Charme. Leises Lachen zwischen den Stühlen. Die nachmittägliche Sonne schien mild. Mild, ein Wort das zu diesen Tagen passte. Die Landschaft, die Orte, die Menschen, selbst sein Inneres war geruhsam. Diese Milde hob er auf, nicht bewusst, es geschah von ganz allein.

Findesatz und Wortspiel – 25

„Das Wichtigste zuerst.“

Das Wichtigste zuerst
sagt er
Gut
antwortet sie
und setzt ihre Füße ins Gras
geht schaukeln
und beobachtet die Amseln
Nichts könnte wichtiger
Nichts könnte schöner
Nichts könnte heilsamer sein
in diesem Moment

Findesatz und Wortspiel – 3

„Da ist ein ruhiger Ort in uns selbst.“

Köpfe und Füße laufen um die Wette
Volle Regale und zu viel in den Schubladen
In jeder Straße stapeln sich Gegenstände und Meinungen
Der blaue Wind ist nicht haltbar
Die Geräusche hängen an den Laternen
Flecken in allen Mustern
Da ist ein ruhiger Ort in uns selbst
Für Momente ohne ein wenn sein
und auf nichts warten

24. März – Findesatz-Gedicht

Komm, wir lassen alles stehen und liegen und gehen Kaffee trinken
Lass uns den Aufgaben davonlaufen
Das Glück einladen beim Rühren in unsere Tassen
beim einander zuhören
beim Blick nach draußen und in uns hinein
Und ist es nicht unsere Aufgabe, glücklich zu sein?