Außerhalb der Reihe – Eine Etappe mit dem Time Circus

Heute einmal etwas außerhalb der Reihe, denn ich möchte euch vom Wochenende erzählen.
Am Wochenende hat die belgische Künstlergruppe Time Circus bei uns im Ort Pause gemacht. Nur wenige Meter von unserem Haus entfernt machten sie Samstag Abend Halt, um dort zu übernachten und wir kamen mit ihnen ins Gespräch. Time Circus ist eine Künstlergruppe aus Antwerpen. Sie gehen zu Fuß mit ihrem Landschiff, das komplett aus recycelten Materialien gebaut ist. Sie sind Anfang Mai in Antwerpen gestartet und wollen im Februar nächsten Jahres in Athen sein, um an einem weiteren Künstlerprojekt teilzunehmen. Pro Tag gehen sie 10 bis 15 km mit ihrem Landschiff. Menschen sind eingeladen, Etappen mit ihnen zu gehen, da jede Hilfe willkommen ist.
Am Sonntag Morgen gegen 11 Uhr ging es weiter. Einige Leute aus dem Ort hatten sich versammelt, um die sympathische Künstlergruppe zu verabschieden.
Spontan sind mein Mann und ich dann eine Etappe mitgegangen und haben die nächsten 11 km das drei tonnenschwere Landschiff mitgezogen und mitgeschoben.
Während ich diese Etappe mitging dachte ich, wie faszinierend es ist, alleine könnte niemand von uns dieses schwere Gefährt bewegen und mit sechs Leuten geht das.
Ich erlebte diese Etappe als ursprünglich und entschleunigend, jede einzelne noch so kleine Steigung war zu spüren. Menschen am Wegesrand ermutigten uns und Cafébesitzer*innen luden zu Getränken und Eis ein. Ein Besitzer eines Schnellimbiss spendierte Fritten und weitere Getränke. Ich nehme von diesem Tag mit, wie schön ein Miteinander funktionieren kann. Es gibt jede Menge Hilfsbereitschaft, Offenheit, Ermunterung, gesunde Neugierde, Begeisterungsfähigkeit und Menschen, die ihre Träume umsetzen. Auch nehme ich mit, dass wir den jetzigen Tag genießen sollen, denn vieles lässt sich nicht voraus planen. Der Weg wird viele Überraschungen aufweisen. Zuversicht und Offenheit sind gute Reisebegleiterinnen, für diese Künstlergruppe und sicherlich für uns alle. Es war eine sehr schöne Erfahrung. Vielleicht kommen sie auch bei euch vorbei. Die nächste größere Stadt wird Bonn sein.
Die weitere Reise von Time Circus könnt ihr verfolgen unter http://www.facebook.com/timecircus.be
Gerne teile ich hier ein paar Fotos mit euch.

Mein Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse – Tag 2

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Nach dem schönen Start am Dienstag, ging es Mittwoch weiter mit meinem Besuch der 71. Frankfurter Buchmesse. An diesem Tag öffnete die Buchmesse offiziell für das Fachpublikum, das heißt, dass Menschen, die sich beruflich mit Produktion, Vertrieb oder Vermittlung von Büchern befassen, Verleger, Lektoren, Autoren, Illustratoren, Übersetzer, Agenten sowie Lehrer, Erzieher, Journalisten und Blogger auf dem Messegelände und den noch angenehm leeren Gänge zu finden waren.
Auf der Agora, dem zentralen Außengelände, gab es Vieles zu entdecken. So auch diese eindrückliche Aktion vom WWF, die zu einem Gang durch ein dargestelltes Meer einlud:

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Erschreckend, dass jede Minute eine komplette LKW Ladung Plastikmüll im Meer verschwindet. Die Vorstellung, dass ein LKW ans Meer fahren und jede Minute eine Ladung dort auskippen würde, finden wir vermutlich alle grauenvoll und ist wieder einmal ein wichtiger Anstoß, Plastik zu vermeiden!

Wieder in den Hallen, hörte ich eine Weile bei „ndr-Kultur, Bücher Leben Extra“ zu, bei der Volker Weidermann, den viele sicherlich aus dem Literarischen Quartett kennen, und Verena Friederike Hasel zu dem Thema „Tolle Typen“ mit dem Moderator Alexander Solloch ein interessantes Gespräch führten. Verena Friederike Hasel berichtet in ihrem Buch „Der tanzende Direktor“ von einer wundervollen Schule, die sie in Neuseeland erlebt hat. Hiervon würde ich mir Vieles für das deutsche Schulsystem wünschen. Volker Weidermann schreibt in seinem Buch „Das Duell“ über das spannende und knisternde Verhältnis zwischen Marcel Reich-Ranicki und Günter Grass.

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Als Nächstes hörte ich Joachim Gauck zu, der auf dem Blauen Sofa im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Biedekopf zu seinem Buch „Toleranz – einfach schwer“ erzählte. Einer seiner Gedanken während des Gesprächs: „Immer wird sich zeigen, dass wenn wir die Offenheit aufbringen, den anderen wirklich wahrzunehmen, sich bei uns der Raum der Toleranz erweitert.“

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Weiter ging es auf dem Blauen Sofa mit Saša Stanišić, dem frischgekührten Buchpreisträger des Deutschen Buchpreises im Gespräch mit Luzia Braun. Saša Stanišić konnte ich bereits auf der Leipziger Buchmesse im März erleben. Ich habe sein Buch Herkunft dieses Jahr gelesen und es gehört seitdem zu meinen Lieblingsbüchern. Auch hier zeigte sich wie bei so vielen Gesprächen und Interviews auf dieser Buchmesse, dass Tiefe und Lachen sich wunderbar treffen.

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Eine Besucherin, die neben mir saß, fragte mich anschließend, ob ich das Buch Herkunft gelesen habe und meinte: „Wenn das Buch so ist, wie er gerade war, muss ich es unbedingt lesen!“

Hiernach wurde Felicitas Hoppe auf dem Blauen Sofa von Dorothea Westphal zu ihrem Buch „Grimms Märchen“ interviewt, worin sie einen modernen Blick auf die Märchenwelt der Brüder Grimm wirft.

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Weiter ging ich durch die Gänge. Dabei entdeckte ich wie Buchmessen-Gepäck aussehen kann:

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Ich hörte Sascha Lobo eine Weile zu, der mit der Spiegel-Redakteurin Katja Thimm über sein Buch „Der Realitätsschock“ sprach.

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Hier einige seiner Gedanken: „Ich habe wie ganz viele andere Menschen eben auch gedacht, der Klimawandel ist ein ganz dringendes Thema für 2050, da müssen wir uns wirklich bis dahin was überlegen und dass es auf einmal so unmittelbar wird (…) der Klimawandel wird so greif-und spürbar und diese Sicherheit in der wir uns bewegt haben (…) diese Sicherheit ist implodiert. Ich befürchte, der sinnvollste Umgang ist erst mal das Eingestehen, das man sich getäuscht hat, das Eingestehen, okay, das habe ich falsch eingeschätzt und dann versuchen zu begreifen, was genau geschieht, um die eigene Schockstarre zu überwinden.“

Auch hörte ich den „Stimmen gegen Rechts“ zu, hier sprachen Autoren und Autorinnen mit multikulturellen Wurzeln.

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Immer wieder lud die Agora, der zentrale Innenhof, draußen ein. Anlässlich von „70 Jahren Grundgesetz“ wurden Auszüge aus dem Grundgesetz auf eine Leinwand projiziert und es gab Mitmachaktionen.

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Dieser wunderbare Bücherbus aus Norwegen war auch auf dem Außengelände zu finden:

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Die Besucherinnen und Besucher des Bücherbusses waren eingeladen, aufzuschreiben, warum sie lesen. Auch wegen solchen kleinen Aktionen mag ich die Buchmesse sehr.

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Nach einer Pause im Freien ging es schließlich Drinnen weiter und ich hörte Jackie Thomae zu, die im Gespräch mit René Aguigah zu ihrem Buch „Brüder“ erzählte.

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Bei meinem Gang durch die Hallen bemerkte ich am Norwegenstand, dass Hakoon diesen Stand gerade besuchte. „Das ist unser Kronprinz“, sagte eine Mitarbeiterin am Stand sichtlich voller Freude.

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Es gab viele gute Aktionen auf dieser Buchmesse. Bei dieser waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, hinter einer Schreibmaschine Platz zu nehmen und aufzuschreiben, was sie mit Deutschland verbinden.

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Hier seht ihr Christoph Rosol, der mit Tobias Asmuth zu der Thematik „4 Sekunden und Schluss? – Anthropozän- Zeitalter des Menschen“ diskutierte. Auch das ein Thema, das häufig auf dieser Buchmesse auftauchte.

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Er gehört zur Frankfurter Buchmesse dazu und darf nicht fehlen: „Man of the Millenium“, der freundliche Herr, der Johannes Gutenberg darstellte, den Erfinder des Buchdrucks:

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Ich konnte eine Weile Robert Habeck zuhören, den Vorsitzenden von Bündnis 90/ Die Grünen, der im Gespräch mit Jean-Baptitse Del Amo und dem Moderator Cord Riechelmann über das Thema „Kranke Haltung. Das Mensch-Tier-Verhältnis in der industriell betriebenen Zucht“ sprach. Jean-Baptiste Del Amo hat den Roman „Tierreich“ geschrieben, in dem es um das Schicksal einer Schweinezüchter-Familie und der Entwicklung eines Bauernhofs zu einem Massenzuchtbetrieb geht.
Beim Zuhören wurde deutlich, dass es kein Buch für leicht Besaitete, jedoch ein sehr wichtiges Buch ist. Robert Habeck sagte so wahr: „Vieles funktioniert, nur weil wir nicht hingucken. (…) Wenn wir uns ethisch damit beschäftigen würden, würde das nicht funktionieren, das ist nicht möglich.“

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An dieser Stelle möchte ich einmal all die tollen Übersetzerinnen und Übersetzer erwähnen, die viele Veranstaltung großartig übersetzen.

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Beim Gang durch die Hallen entdeckte ich diese von Kinder bedruckten Taschen mit guten Botschaften:

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Dann hörte ich Ulrich Wickert eine Weile zu, der aus seinem Leben und zu seinem Buch „Identifiziert euch! Warum wir ein neues Heimatgefühl brauchen“ erzählte, hier mit SZ-Redakteurin Franziska Augstein. Einer seiner Sätze: „Heimat ist dort, wo ich mich sicher in meiner Umwelt fühle.“

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Nina George eröffnete die Ausstellung „Das Buchorchester“. Mit dieser Wanderausstellung wird deutlich gemacht, wer alles hinter einem Buch steht. Ein Buch funktioniert nur, wenn viele Menschen daran mitarbeiten, wie in einem Orchester. „All die Bücher, die Sie hier auf der Messe sehen – sehen Sie nicht nur den Verlag, sehen Sie nicht nur die Autorin, sehen Sie tausend Menschen die diese Literatur vermitteln, die die Freiheit auf Papier in die Welt hinaus zum Fliegen bringen.“, so Nina George (links im Bild).

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Nachdenkenswerte Botschaften:

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Eine weitere gute Veranstaltung nannte sich „Von Papierbergen und Querdenken“ und es ging um die wichtige Frage, wie die Buchproduktion nachhaltiger werden kann. Antje Birkholz, Susanne Tiarks und Ernst Gugler diskutierten mit der Moderatorin über diese wichtige Thematik. Ernst Gugler schenkte bei der guten Diskussion den Satz: „Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe von Menschen, die Welt ändern können.“ Hier spürte ich Zuversicht, dass sich in der Buchbranche zum Thema Nachhaltigkeit weiterhin viel bewegen wird.

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Wie jeden Abend, fanden auch außerhalb des Messegeländes im Rahmen der Buchmesse Veranstaltungen statt und ich besuchte die St. Katharinenkirche, in der zu „Zwischen Zeilen – eine Stunde Schönheit“ eingeladen wurde. Schriftstellerinnen und Schriftsteller lasen Literatur von Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten.

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Voller Vorfreude besuchte ich schließlich die Veranstaltung „Doris Dörrie: Leben, Schreiben, Atmen.“ Doris Dörrie las nicht nur vor und erzählte aus ihrem Leben, sie lud auch passend zu ihrem Buch zu einer großen Schreibwerkstatt ein. Welch ein schönes Geschenk, jede und jeder im Publikum erhielt eine feines Heft vom Diogenes Verlag und dann wurde unter der kreativen Schreibanleitung von Doris Dörrie in diesem großen Saal geschrieben. Wunderbar!

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So ging es zum Beispiel darum, an welches Essen wir uns als Kind erinnern. Nach diesen kleinen Schreibübungen war das Publikum eingeladen, zu erzählen, was in den Texten auftauchte, wie in diesem Beispiel, welche Essens-Erinnerungen auftauchten. Es kamen tolle Beispiele und es war schön, wie dieses Erzählen das Publikum verband. Wenn etwa jemand die Suppe der Großmutter nannte, dachten viele im Saal an die Suppe der eigenen Großmutter. Auch der „Schokokuss, der zwischen ein Brötchen gelegt wurde“ und hier laut genannt wurde, löste im großen Saal ein Gefühl der Verbundenheit aus und jede und jeder fühlte seine eigene Geschichte hierzu.
Doris Dörrie machte deutlich, dass man beim Schreiben in eine unendliche Schatzkiste eintauchen kann.
Hier einer ihrer guten Gedanken: „Wenn man begriffen hat, wie einzigartig diese Biografie ist, dann kann man auch sehr gut die Einzigartigkeit des anders begreifen und diesen unendlichen Kosmos, den wir alle in uns tragen.“

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Ein sehr schöner Abschluss des Tages war, dass ich Karin, die ich aus dem Blog http://www.11sternschnuppe11.wordpress.com kenne, bei dieser Veranstaltung getroffen habe. Auch das ist die Buchmesse: Herzliche Treffen, gute Gespräche und Begegnungen!

So ging auch ein zweiter toller Buchmessentag zu Ende.

Morgen folgt Tag 3 meines Buchmesseberichts.