Findesatz und Wortspiel – 52

„Modern ist ein altes Wort.“

Er schlenderte durch die Stadt. An einigen Schaufenstern blieb er stehen. Nicht um etwas zu kaufen. Zu betrachten,  was hinter den Scheiben lag, gefiel ihm. Es lag Nebel in den Gassen. Menschen in farbenfrohen Mützen, Schals und Handschuhen machten die Straßen bunt. Die weihnachtliche Beleuchtung stimmte ihn friedlich. Eine Buchhandlung zog ihn an. Hier konnte er stundenlang verweilen. Als er später wieder hinausging, war ihm, als sei die Luft klarer als zuvor. Sprüche an Schaufenstern ließen ihn anhalten. Er lächelte den Sätzen zu. Beim Weitergehen schaute er in die Augen eines angeleinten Hundes. Für einen Moment dachte er an all die Tiere, die er in sein Leben ließ und es war, als wirkten sie alle nach. Zwei junge Menschen überholten ihn. Er nahm ihre Gesprächsfetzen auf. „Modern ist ein altes Wort“, sagte einer der beiden, „es ist modern und gleichzeitig alt.“ Schon waren sie entfernter. Geschenkte Sätze. Geschenkte Gedanken. Losgelöst vom Geschehen. Er mochte diese Zufallssätze  die an seine Ohren drang. Er sammelte sie innerlich. Ganz ohne Einkaufstasche. Ganz ohne schwere Pakete. Ganz ohne Umtauschwunsch. Unbezahlbar gut.

3. September

Was ist dein Herzenswunsch?
Lässt du ihn sprechen
oder hörst du weg
wenn er sich meldet?
Er mag Gespräche mit dir
nimmt dich ernst
Er möchte dir Leichtigkeit schenken
Frohsinn und das was wir Glück nennen
Er weiß darum
dass es nicht immer einfach ist
Er weiß ebenso
dass vieles möglich ist

Findesatz-Gedicht 20

Wenn wir tief in uns reinhören
wissen wir
in welche Richtung wir wollen
Der innere Kompass kennt
keine Lügen
Er spricht wahr
und deutlich
Doch wir
verschließen die Ohren
so lange
bis weghören nicht mehr möglich ist