
Am Morgen war es in den Hallen und in der Agora angenehm leer:

Der Buchmessen-Sonntag begann für mich so, wie es auf dem Schild hier zu lesen ist:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Yoga mit Buch“. An diesem Stand bot die Yoga-Lehrerin Karina Goldberg Yoga-Übungen an. Ein angenehmer und schöner Start in den Messetag, denn Messetage sind bekanntlich lang und intensiv. Die Füße wurden trainiert, der Rücken gestärkt und das Herz geöffnet. Bei den Yogaübungen Bücher einzubeziehen, gefiel mir richtig gut.

So gestärkt ging es dann weiter für mich zur Literaturbühne. Dort erlebte ich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Claudia Schick zu seinem Buch „Elternabend“. Auf dem Buchcover steht weiterhin: „Kein Thriller (Auch wenn der Titel nach Horror klingt)“.
Sebastian Fitzek sagte: „Ich liebe Elternabende, weil ich liebe ja verhaltensauffällige Menschen und skurrile Situationen.“ Er meinte, es seien die Eltern, die dafür sorgen, dass ein Elternabend aus dem Ruder laufe, nicht die Erzieher*innen oder Pädagog*innen.
Er erzählte von einer Szene, die er bei einem Elternabend im Kindergarten erlebte: Die Eltern sollten sich über das Spiel „Stopptanz“ vorstellen. Wenn die Musik stoppte, sollten sie dem Gegenüber den eigenen Namen nennen. Ein Vater meinte dazu: „Nee, wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“ Doch, genau da war er gerade.
Ein weiterer seiner Sätze, den ich aufhebenswert fand: „Die Quelle des Humors ist der Kummer, den man verarbeitet.“
Für sein erstes Buch hat er übrigens 15 Verlage angeschrieben, es kamen 12 Absagen, drei haben sich bis heute nicht gemeldet, so erzählte dieser bekannte Bestsellerautor.
Auf die Frage, ob er Alpträume habe, sagte er: „Nein, die Realität macht mir Angst.“
Er könne ruhig schlafen, andere, die seine Thriller lesen, womöglich nicht mehr „und damit verdiene er sogar noch Geld.“
Es war ein schönes und humorvolles Gespräch.
In ein paar Tagen kommt sein neues Buch raus, „Die Einladung“, diesmal wieder ein Psychothriller.

Dieses schöne Zeichenmaschine nennt sich „IMMUMAT- der Illustrationsautomat“. Eine Maschine, die Wünsche erfüllt und jährlich hier zu finden ist. Der ILLUMAT wandelt eigene Wünsche in Bilder um und schenkt damit eine feine Freude. Er war sehr beliebt und meist sah ich beim Vorbeigehen dort eine lange Schlange.


Schön, dass an den Ständen Raum und Muße zum Stöbern und Lesen ist. So wie diese Leserin am Katapult-Verlag:

In den Frankfurt-Studios besuchte ich die Veranstaltung „Über die Macht von Utopien und wie wir unsere Welt noch retten können“. Dort erlebte ich den Schweizer Zukunftsforscher und Autor Joël Luc Cachelin (“Veganomics. Die vegane Revolution und ihre Zukunftsmärkte“) sowie die Autorin Theresa Hannig („Pantopia“).
Die beiden waren im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Henn über Visionen und Ideen für eine nachhaltige gerechte Zukunft.
„Können Utopien die Welt verbessern oder sind es nur Utopien“, fragte die Moderatorin. Joël Luc Cachelin meinte, theoretisch sei alles möglich, was er in seinem Buch beschreibe und er glaube, dass unser Weg dorthin gehe.
Theresa Hannig versteht ihren Roman als Anregung zum Gedankenaustausch und wünscht sich, dass wir sagen: „Lass und mal positiv in die Zukunft schauen.“
„Wir haben genug Dystopien, was und fehlt ist ein Gedankenrepertoire, dass es gut gehen kann“, so Theresa Hannig.
Joël Luc Cachelin meinte, wir sollten uns die Frage stellen „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“ und wir können „Die Zukunft mitgestalten, auf die wir Lust haben“. „Eigentlich wissen wir alle wie es geht und wie es um diesen Planeten steht, es geht nur um den politischen Willen und die eigene Trägheit. Das Wissen ist da, die Technologien und die Fakten sind da. Doch Fakten ändern unser Leben nicht. Es gibt Lösungen“, so Theresa Hannig und sie setzte bei uns an: „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“
„Eine Utopie ist kein Zustand, eine Utopie ist immer ein Weg und wir müssen da täglich dran arbeiten, dann wird es was. Wenn wir nicht daran arbeiten, dann wird es sicher nichts. Wenn wir es versuchen, dann haben wir es wenigstens versucht“, so Theresa Hannig.
Ein Gespräch, das mich sehr ansprach.

Ursula Poznanski, von ihr kennen viele sicherlich die Erebos-Bücher, las aus ihrem neuen Jugendthriller „Oracel“ vor:

Ihr seht, es war gut besucht:

Ab Freitag dürfen die Bücher auf der Buchmesse verkauft werden und wie schön, lesefreudige Menschen decken sich mit Büchern ein:

Eine lange Menschenschlange stand nun vor dem Frankfurt Pavillon, da viele bei der Veranstaltung “Back to Hogwarts – 25 Jahre Harry Potter in Deutschland mit Rufus Beck“ den Schauspieler und Hörspielsprecher Rufus Beck erleben wollten. Einige kamen erst hinein, wenn andere hinausgingen.
Dem Presseausweis sei Dank, dass ich mich nicht einzureihen brauchte.
Der Moderator Tobias Goldfarb begrüßte Rufus Beck: „Harry Potter ist eine Legende, du aber auch.“

Als Harry Potter verlegt wurde, so Rufus Beck, war der Hörspielmarkt klein, dass das Hörspiel solche Ausmaße annahm, war „ein kosmisches Ereignis.“
Er erzählte von seinen 25 Jahren mit Harry Potter und sagte, er habe beim Sprechen nie an das Ergebnis gedacht, sondern an das, was er fühle.
„Du hast große Parallelen mit Harry Potter, ihr könnt beide zaubern, Harry mit seinem Zauberstab, du mit deiner Stimme“, so der Moderator. Und dann konnten wir live erleben, wie Rufus Beck Passagen aus Harry Potter vortrug.
Das war ein aktives Hörspiel, er spielte mit seiner Stimme, die er beeindruckend variieren kann und mit Einsatz seines ganzen Körpers.
Die Freude vom Zuhören lag im Raum und in den Gesichtern:

Sicherlich ist es immer wieder schön, wenn er nach Veranstaltungen in lachende Gesichter schaut:

Hier seht ihr den Illustrator Eduardo Lima, die Illustratorin Miraphora Mina neben dem Moderator Tobias Goldfarb. Die beiden sind seit über zwanzig Jahren für die Harry-Potter-Welt tätig und gestalten das grafische Universum der Harry-Potter-Serien mit. Ausgehend von ihren Arbeiten zu den Filmen haben sie nun die ersten drei Harry-Potter-Bände neu designed und illustriert:

Im Vorbeigehen sah ich Motsi Mabuse auf der Open Stage:

Leider habe ich diese Veranstaltung “Phoenix Talk mit Ahmad Monsour / Denken mit Kinnert und Welzer“ nur in Teilen erlebt. Da es eine Podcastaufzeichnung ist, besteht die Möglichkeit, es nachzuhören:

Die diesjährig letzte Veranstaltung der Reihe “SHEROES Streiterinnen für die Zukunft“ fand zu dem Thema “Wir – widerständig und demokratisch?“ statt.
Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Lea Bonasera, die Mitgründerin der Letzten Generation (“Die Zeit für Mut ist jetzt! Wie uns ziviler Widerstand aus Krisen führt“) und Jasmin M`Barek, der Zeit-Journalistin (“Protest. Über Wirksamkeit und Risiken des zivilen Ungehorsams“).
Durch den Klimaaktivismus ist Protest in unserer Gesellschaft so präsent wie lange nicht mehr. Es wurde darüber diskutiert, welche Formen es gibt und was zum Ziel führt.

Lea Bonasera sagte, dass die Letzte Generation diese Protestform wählt, da viele Menschen Veränderungen in unserer Gesellschaft wollen, die sich auf die Fakten der Wissenschaft gründen und sie mit ihren Protesten diese Umsetzungen beschleunigen wollen, da die Politik nicht reagiere oder nicht schnell genug reagiere.
Sie machte noch einmal deutlich, dass, wenn sie Gemälde in Museen mit Farbe bewerfen, dies so gewählt wird, dass die Farbe abgehe und dass eine Glasscheibe vor dem Kunstwerk ist, was in den Medien oft nicht beschrieben wird.
„Allen Menschen im demokratischen Spektrum emphatisch zuhören“ ist ein wichtiger Schlüssel, so Jasmin M`Barek.
„Ziviler Widerstand hätte sich nicht als Mittel so entwickeln können, wären es nicht gerade für unterrepräsentierte Gruppen wie zum Beispiel Frauen oder LGBTIQ so bedeutsam gewesen und uns das bewusst zu machen und zu denken, wir sind viel stärker als wir denken“, ist Lea Bonasera bedeutsam.
Es war eine Diskussion auf einem wertschätzenden Niveau. Wie sehr wünsche ich mir das auch für die breite Gesellschaft.
Auch hier waren viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer aller Altersstufen vertreten:

Ein Teil des Gesprächs zwischen dem Musiker Max Mutzke und Bärbel Schäfer konnte ich hören. Er, der vierfacher Vater ist, hat das Kinderbuch „Komm mit ins Paradies der Träumer“ geschrieben, sein Vatersein hatte hierauf Einfluss.

Noch einmal ging ich ins Pressezentrum, in dem ich diesen Bericht weiterschrieb. Oft saß ich mit anderen Pressevertreter*innen hier und wir schrieben von dem, was wir hier erlebten. Immer wunderbar versorgt mit Ruhe, Kaffee, Tee, Wasser, Äpfeln und freundlichen Mitarbeitenden. Dank an euch an dieser Stelle!
Euer Taschentuch-Turm mit dem lesenden Zwerg ist auch erwähnenswert:

Zum Abschluss ging es für mich in den Ehrengast Pavillon Slowenien zur „GastRollen-Übergabe Ehrengast 23 Slowenien – Ehrengast 2024 Italien“.
Die ist die feierliche Abschlussveranstaltung des aktuellen Ehrengastauftritts und jedes Jahr wird die „GastRolle“ – ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt – um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht.
Gerne zeige ich euch diese „GastRolle“. Ich finde den Gedanken schön, dass dort bereits viele lyrische Zitate wohnen:

Shila Bejhat, die diese Veranstaltung moderierte, führte ein literarisches Gespräch mit dem slowenischen Autor Dušan Jelinčič:

Er hat u.a. den Roman “Sternklare Nächte im Karakorum“ geschrieben, in dem es um Bergsteigen geht.
„Das Ziel ist nicht, den Gipfel zu erklimmen, sondern das Beste im Tal zu entdecken“, sagte Dušan Jelinčič.
Die italienische Autorin Ilaria Tutti schenkte eine Videobotschaft, da sie nicht anwesend sein konnte. Weitere Persönlichkeiten nahmen an dieser Zeremonie teil, darunter Katja Stergar, Direktorin der Slowenischen Buchagentur, und Mauro Mazza, Vertreter der italienischen Regierung.
Katja Stergar sagte: „Wir freuen uns sehr, die slowenische Kultur dem deutschsprachigen und internationalen Publikum mit einem solch umfangreichen Programm in Frankfurt präsentiert zu haben. Die Teilnahme am Ehrengastprojekt war wie eine Achterbahnfahrt mit allen Höhen und Tiefen. Aber man ist nie allein, es gibt immer eine helfende Hand, ein Wort der Ermutigung und ein Lächeln von jemandem, der einen unterstützt. Der Ehrengast-Pavillon und die Veranstaltungen mit allen beteiligten Autor*innen auf und außerhalb der Messe stießen auf sehr großes Interesse. Ich freue mich heute, die GastRolle an unser Nachbarland Italien zu übergeben, denn ich weiß, dass unsere Geschichte dank der slowenischen Minderheit in Italien im nächsten Jahr weitergeschrieben wird.”
Juergen Boos, der der Frankfurter Buchmesse verabschiedete sich von Katja Storgar und damit Slowenien als Gastland. Es war zu spüren, wie sehr er dieses Gastland mochte und all das, was es geschenkt hat:

Nun wurde also Slowenien als Gastland 2023 verabschiedet, Italien als Gastland 2024 begrüßt und Katja Stergar überreichte Mauro Mazza die GastRolle:

Mauro Mazza sagte zur GastRollen-Übergabe von Slowenien an Italien: „Zwischen unseren beiden Ländern besteht eine geografische Nähe, die auch eine kulturelle Nähe ist, selbst in der Schönheit ihrer jeweiligen Vielfalt. Diese Veranstaltung bot uns die Gelegenheit, den Wert der Nähe im Namen der Literatur zu feiern.“
Zum Abschluss dieser Zeremonie spielte die italienische Violinistin Francesca Dego und bereicherte mit wundervollen Klängen:

Sicherlich waren nun alle Gefühle bei dem slowenischen Gastland vorhanden, Traurigkeit, das alles vorbei ist, doch auch Freude über all das Erlebte. Diese Freude ist auf einem der Abschlussfotos sichtbar:

Damit ging die 75. Frankfurter Buchmesse zu Ende.
Ein paar Zahlen teile ich mit euch:
215.000 Besucher*innen waren dabei. Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) erlebte die Frankfurter Buchmesse nach den Coronajahren einen deutlicher Wachstumsschub. An den Publikumstagen Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022.
Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen.
Mehr als 7.000 Medienvertreter*innen berichteten über die gut 2.600 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen.
Ich habe nicht alles sehen können, was es Großartiges zu erleben gab und meine persönlichen Berichte zeigen euch einen Ausschnitt dieser großen Buchmesse.
Ich bin erfüllt und inspiriert und dankbar über all das, was ich erleben konnte. Und das war eine wunderbare Fülle.
Die Themen der Zeit fanden hier Raum. Es gab viele schöne Begegnungen. Es gab Austausch. Und es gab jede Menge spürbare Bücherliebe.
Was ich in diesem Jahr besonders mitnehme, ist die oftmals geäußerte Aussage, dass wir mehr Utopien brauchen, dass es Hoffnung gibt und dass die Literatur hierbei eine Rolle spielt.
Wir alle gestalten diese Welt mit. Es liegt nicht alles in unseren Händen, doch auch wir haben Hände, Füße und Herz und sind auch die, die Geschichte mitschreiben.

So grüße ich euch sehr erfüllt, mit vielen Eindrücken und soooooo viel Bücherliebe,
Marion












































































