Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Am Morgen war es in den Hallen und in der Agora angenehm leer:

Der Buchmessen-Sonntag begann für mich so, wie es auf dem Schild hier zu lesen ist:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Yoga mit Buch“. An diesem Stand bot die Yoga-Lehrerin Karina Goldberg Yoga-Übungen an. Ein angenehmer und schöner Start in den Messetag, denn Messetage sind bekanntlich lang und intensiv. Die Füße wurden trainiert, der Rücken gestärkt und das Herz geöffnet. Bei den Yogaübungen Bücher einzubeziehen, gefiel mir richtig gut.

So gestärkt ging es dann weiter für mich zur Literaturbühne. Dort erlebte ich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Claudia Schick zu seinem Buch „Elternabend“. Auf dem Buchcover steht weiterhin: „Kein Thriller (Auch wenn der Titel nach Horror klingt)“.
Sebastian Fitzek sagte: „Ich liebe Elternabende, weil ich liebe ja verhaltensauffällige Menschen und skurrile Situationen.“ Er meinte, es seien die Eltern, die dafür sorgen, dass ein Elternabend aus dem Ruder laufe, nicht die Erzieher*innen oder Pädagog*innen.
Er erzählte von einer Szene, die er bei einem Elternabend im Kindergarten erlebte: Die Eltern sollten sich über das Spiel „Stopptanz“ vorstellen. Wenn die Musik stoppte, sollten sie dem Gegenüber den eigenen Namen nennen. Ein Vater meinte dazu: „Nee, wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“ Doch, genau da war er gerade.
Ein weiterer seiner Sätze, den ich aufhebenswert fand: „Die Quelle des Humors ist der Kummer, den man verarbeitet.“
Für sein erstes Buch hat er übrigens 15 Verlage angeschrieben, es kamen 12 Absagen, drei haben sich bis heute nicht gemeldet, so erzählte dieser bekannte Bestsellerautor.
Auf die Frage, ob er Alpträume habe, sagte er: „Nein, die Realität macht mir Angst.“
Er könne ruhig schlafen, andere, die seine Thriller lesen, womöglich nicht mehr „und damit verdiene er sogar noch Geld.“
Es war ein schönes und humorvolles Gespräch.
In ein paar Tagen kommt sein neues Buch raus, „Die Einladung“, diesmal wieder ein Psychothriller.

Dieses schöne Zeichenmaschine nennt sich „IMMUMAT- der Illustrationsautomat“. Eine Maschine, die Wünsche erfüllt und jährlich hier zu finden ist. Der ILLUMAT wandelt eigene Wünsche in Bilder um und schenkt damit eine feine Freude. Er war sehr beliebt und meist sah ich beim Vorbeigehen dort eine lange Schlange.

Schön, dass an den Ständen Raum und Muße zum Stöbern und Lesen ist. So wie diese Leserin am Katapult-Verlag:

In den Frankfurt-Studios besuchte ich die Veranstaltung „Über die Macht von Utopien und wie wir unsere Welt noch retten können“. Dort erlebte ich den Schweizer Zukunftsforscher und Autor Joël Luc Cachelin (“Veganomics. Die vegane Revolution und ihre Zukunftsmärkte“) sowie die Autorin Theresa Hannig („Pantopia“).
Die beiden waren im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Henn über Visionen und Ideen für eine nachhaltige gerechte Zukunft.
„Können Utopien die Welt verbessern oder sind es nur Utopien“, fragte die Moderatorin. Joël Luc Cachelin meinte, theoretisch sei alles möglich, was er in seinem Buch beschreibe und er glaube, dass unser Weg dorthin gehe.
Theresa Hannig versteht ihren Roman als Anregung zum Gedankenaustausch und wünscht sich, dass wir sagen: „Lass und mal positiv in die Zukunft schauen.“
„Wir haben genug Dystopien, was und fehlt ist ein Gedankenrepertoire, dass es gut gehen kann“, so Theresa Hannig.
Joël Luc Cachelin meinte, wir sollten uns die Frage stellen „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“ und wir können „Die Zukunft mitgestalten, auf die wir Lust haben“. „Eigentlich wissen wir alle wie es geht und wie es um diesen Planeten steht, es geht nur um den politischen Willen und die eigene Trägheit. Das Wissen ist da, die Technologien und die Fakten sind da. Doch Fakten ändern unser Leben nicht. Es gibt Lösungen“, so Theresa Hannig und sie setzte bei uns an: „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“
„Eine Utopie ist kein Zustand, eine Utopie ist immer ein Weg und wir müssen da täglich dran arbeiten, dann wird es was. Wenn wir nicht daran arbeiten, dann wird es sicher nichts. Wenn wir es versuchen, dann haben wir es wenigstens versucht“, so Theresa Hannig.
Ein Gespräch, das mich sehr ansprach.

Ursula Poznanski, von ihr kennen viele sicherlich die Erebos-Bücher, las aus ihrem neuen Jugendthriller „Oracel“ vor:

Ihr seht, es war gut besucht:

Ab Freitag dürfen die Bücher auf der Buchmesse verkauft werden und wie schön, lesefreudige Menschen decken sich mit Büchern ein:

Eine lange Menschenschlange stand nun vor dem Frankfurt Pavillon, da viele bei der Veranstaltung “Back to Hogwarts – 25 Jahre Harry Potter in Deutschland mit Rufus Beck“ den Schauspieler und Hörspielsprecher Rufus Beck erleben wollten. Einige kamen erst hinein, wenn andere hinausgingen.
Dem Presseausweis sei Dank, dass ich mich nicht einzureihen brauchte.
Der Moderator Tobias Goldfarb begrüßte Rufus Beck: „Harry Potter ist eine Legende, du aber auch.“

Als Harry Potter verlegt wurde, so Rufus Beck, war der Hörspielmarkt klein, dass das Hörspiel solche Ausmaße annahm, war „ein kosmisches Ereignis.“
Er erzählte von seinen 25 Jahren mit Harry Potter und sagte, er habe beim Sprechen nie an das Ergebnis gedacht, sondern an das, was er fühle.
„Du hast große Parallelen mit Harry Potter, ihr könnt beide zaubern, Harry mit seinem Zauberstab, du mit deiner Stimme“, so der Moderator. Und dann konnten wir live erleben, wie Rufus Beck Passagen aus Harry Potter vortrug.
Das war ein aktives Hörspiel, er spielte mit seiner Stimme, die er beeindruckend variieren kann und mit Einsatz seines ganzen Körpers.
Die Freude vom Zuhören lag im Raum und in den Gesichtern:

Sicherlich ist es immer wieder schön, wenn er nach Veranstaltungen in lachende Gesichter schaut:

Hier seht ihr den Illustrator Eduardo Lima, die Illustratorin Miraphora Mina neben dem Moderator Tobias Goldfarb. Die beiden sind seit über zwanzig Jahren für die Harry-Potter-Welt tätig und gestalten das grafische Universum der Harry-Potter-Serien mit. Ausgehend von ihren Arbeiten zu den Filmen haben sie nun die ersten drei Harry-Potter-Bände neu designed und illustriert:

Im Vorbeigehen sah ich Motsi Mabuse auf der Open Stage:

Leider habe ich diese Veranstaltung “Phoenix Talk mit Ahmad Monsour / Denken mit Kinnert und Welzer“ nur in Teilen erlebt. Da es eine Podcastaufzeichnung ist, besteht die Möglichkeit, es nachzuhören:

Die diesjährig letzte Veranstaltung der Reihe “SHEROES Streiterinnen für die Zukunft“ fand zu dem Thema “Wir – widerständig und demokratisch?“ statt.
Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Lea Bonasera, die Mitgründerin der Letzten Generation (“Die Zeit für Mut ist jetzt! Wie uns ziviler Widerstand aus Krisen führt“) und Jasmin M`Barek, der Zeit-Journalistin (“Protest. Über Wirksamkeit und Risiken des zivilen Ungehorsams“).
Durch den Klimaaktivismus ist Protest in unserer Gesellschaft so präsent wie lange nicht mehr. Es wurde darüber diskutiert, welche Formen es gibt und was zum Ziel führt.

Lea Bonasera sagte, dass die Letzte Generation diese Protestform wählt, da viele Menschen Veränderungen in unserer Gesellschaft wollen, die sich auf die Fakten der Wissenschaft gründen und sie mit ihren Protesten diese Umsetzungen beschleunigen wollen, da die Politik nicht reagiere oder nicht schnell genug reagiere.
Sie machte noch einmal deutlich, dass, wenn sie Gemälde in Museen mit Farbe bewerfen, dies so gewählt wird, dass die Farbe abgehe und dass eine Glasscheibe vor dem Kunstwerk ist, was in den Medien oft nicht beschrieben wird.
„Allen Menschen im demokratischen Spektrum emphatisch zuhören“ ist ein wichtiger Schlüssel, so Jasmin M`Barek.
„Ziviler Widerstand hätte sich nicht als Mittel so entwickeln können, wären es nicht gerade für unterrepräsentierte Gruppen wie zum Beispiel Frauen oder LGBTIQ so bedeutsam gewesen und uns das bewusst zu machen und zu denken, wir sind viel stärker als wir denken“, ist Lea Bonasera bedeutsam.
Es war eine Diskussion auf einem wertschätzenden Niveau. Wie sehr wünsche ich mir das auch für die breite Gesellschaft.
Auch hier waren viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer aller Altersstufen vertreten:

Ein Teil des Gesprächs zwischen dem Musiker Max Mutzke und Bärbel Schäfer konnte ich hören. Er, der vierfacher Vater ist, hat das Kinderbuch „Komm mit ins Paradies der Träumer“ geschrieben, sein Vatersein hatte hierauf Einfluss.

Noch einmal ging ich ins Pressezentrum, in dem ich diesen Bericht weiterschrieb. Oft saß ich mit anderen Pressevertreter*innen hier und wir schrieben von dem, was wir hier erlebten. Immer wunderbar versorgt mit Ruhe, Kaffee, Tee, Wasser, Äpfeln und freundlichen Mitarbeitenden. Dank an euch an dieser Stelle!
Euer Taschentuch-Turm mit dem lesenden Zwerg ist auch erwähnenswert:

Zum Abschluss ging es für mich in den Ehrengast Pavillon Slowenien zur „GastRollen-Übergabe Ehrengast 23 Slowenien – Ehrengast 2024 Italien“.
Die ist die feierliche Abschlussveranstaltung des aktuellen Ehrengastauftritts und jedes Jahr wird die „GastRolle“ – ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt – um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht.
Gerne zeige ich euch diese „GastRolle“. Ich finde den Gedanken schön, dass dort bereits viele lyrische Zitate wohnen:

Shila Bejhat, die diese Veranstaltung moderierte, führte ein literarisches Gespräch mit dem slowenischen Autor Dušan Jelinčič:

Er hat u.a. den Roman “Sternklare Nächte im Karakorum“ geschrieben, in dem es um Bergsteigen geht.
„Das Ziel ist nicht, den Gipfel zu erklimmen, sondern das Beste im Tal zu entdecken“, sagte Dušan Jelinčič.
Die italienische Autorin Ilaria Tutti schenkte eine Videobotschaft, da sie nicht anwesend sein konnte. Weitere Persönlichkeiten nahmen an dieser Zeremonie teil, darunter Katja Stergar, Direktorin der Slowenischen Buchagentur, und Mauro Mazza, Vertreter der italienischen Regierung.

Katja Stergar sagte: „Wir freuen uns sehr, die slowenische Kultur dem deutschsprachigen und internationalen Publikum mit einem solch umfangreichen Programm in Frankfurt präsentiert zu haben. Die Teilnahme am Ehrengastprojekt war wie eine Achterbahnfahrt mit allen Höhen und Tiefen. Aber man ist nie allein, es gibt immer eine helfende Hand, ein Wort der Ermutigung und ein Lächeln von jemandem, der einen unterstützt. Der Ehrengast-Pavillon und die Veranstaltungen mit allen beteiligten Autor*innen auf und außerhalb der Messe stießen auf sehr großes Interesse. Ich freue mich heute, die GastRolle an unser Nachbarland Italien zu übergeben, denn ich weiß, dass unsere Geschichte dank der slowenischen Minderheit in Italien im nächsten Jahr weitergeschrieben wird.”

Juergen Boos, der der Frankfurter Buchmesse verabschiedete sich von Katja Storgar und damit Slowenien als Gastland. Es war zu spüren, wie sehr er dieses Gastland mochte und all das, was es geschenkt hat:

Nun wurde also Slowenien als Gastland 2023 verabschiedet, Italien als Gastland 2024 begrüßt und Katja Stergar überreichte Mauro Mazza die GastRolle:

Mauro Mazza sagte zur GastRollen-Übergabe von Slowenien an Italien: „Zwischen unseren beiden Ländern besteht eine geografische Nähe, die auch eine kulturelle Nähe ist, selbst in der Schönheit ihrer jeweiligen Vielfalt. Diese Veranstaltung bot uns die Gelegenheit, den Wert der Nähe im Namen der Literatur zu feiern.“
Zum Abschluss dieser Zeremonie spielte die italienische Violinistin Francesca Dego und bereicherte mit wundervollen Klängen:

Sicherlich waren nun alle Gefühle bei dem slowenischen Gastland vorhanden, Traurigkeit, das alles vorbei ist, doch auch Freude über all das Erlebte. Diese Freude ist auf einem der Abschlussfotos sichtbar:

Damit ging die 75. Frankfurter Buchmesse zu Ende.
Ein paar Zahlen teile ich mit euch:
215.000 Besucher*innen waren dabei. Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) erlebte die Frankfurter Buchmesse nach den Coronajahren einen deutlicher Wachstumsschub. An den Publikumstagen Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022.
Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen.
Mehr als 7.000 Medienvertreter*innen berichteten über die gut 2.600 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen.

Ich habe nicht alles sehen können, was es Großartiges zu erleben gab und meine persönlichen Berichte zeigen euch einen Ausschnitt dieser großen Buchmesse.
Ich bin erfüllt und inspiriert und dankbar über all das, was ich erleben konnte. Und das war eine wunderbare Fülle.
Die Themen der Zeit fanden hier Raum. Es gab viele schöne Begegnungen. Es gab Austausch. Und es gab jede Menge spürbare Bücherliebe.
Was ich in diesem Jahr besonders mitnehme, ist die oftmals geäußerte Aussage, dass wir mehr Utopien brauchen, dass es Hoffnung gibt und dass die Literatur hierbei eine Rolle spielt.
Wir alle gestalten diese Welt mit. Es liegt nicht alles in unseren Händen, doch auch wir haben Hände, Füße und Herz und sind auch die, die Geschichte mitschreiben.

So grüße ich euch sehr erfüllt, mit vielen Eindrücken und soooooo viel Bücherliebe,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3 Teil 1

Auch wenn ich selbst keine oder noch keine Großmutter bin, hörte ich Margot Käßmann im Gespräch mit der Moderatorin Katty Salié zu ihrem aktuellen Buch „Kostbare Zeit. Das Buch für Großeltern“. Einfühlsam schreibt Margot Käßmann über Themen und Fragen, die Großeltern bewegen.
An Großeltern gewandt sagte sie: „Genießt und freut euch dran, man muss nicht immer auf der AIDA rumfahren.“

Der slowenische Autor Goran Vojnovic sprach zu seinem Buch „18 Kilometer bis Ljubljana“ mit der Moderatorin Ariane Binder. Vorweg las ich über den Roman, dass es einer sei, „in dem sich Lachen und Tränen mischen.“ Goran Vojnovic sprach über die Traumata und die Folgen eines Krieges, die auch nach Beendigung eines Krieges noch da seien. Das erleben auch die Personen in dem Buch.

Neben den guten Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Lesungen und Ständen gibt es – wie könnte es auf einer Buchmesse anders sein – lesende Menschen:

Michael Friedmann („Schlaraffenland abgebrannt. Von der Angst vor einer neuen Zeit“) gehört für mich zu einem klaren Denker und Redner. Das wurde auch hier wieder deutlich mit wichtigen Gedanken zur Demokratie.
Er schenkte den guten Satz zu Büchern: „Romane haben mir die Möglichkeit gegeben, als Einzelgänger Empathie durch Bücher zu empfinden, das ist doch das Allergrößte, was man uns schenken kann, wenn man Bücher aufmacht.“


Im Vorbeigehen entdeckte ich Nancy Faeser:

Noch waren die Hallen leer:

Die Stühle mit den Geschichten (erinnert ihr euch? Ich berichtete gestern davon) waren gut besetzt:

Auf der Literaturbühne erlebte ich Daniel Kehlmann im Gespräch mit Thea Dorn zu seinem Roman „Lichtspiel“. Es geht um Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei. Er las einen Auszug seines Romans vor:

Der Autor und Wissenschaftsjournalist Michael Büker im Gespräch mit Kindern:

Die Türen waren nun für das Privatpublikum geöffnet.
Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem Mann und meiner Tochter, die nun auch die Buchmesse besuchten.
In den Hallen wurde es spürbar voller:

Beim „ARTE-Talk: 100 Jahre Otfried Preußler“ sprach der Autor Tilman Spreckelsen (“Otfried Preußler: Ein Leben in Geschichten“) mit der ARTE Moderatorin Romy Straßenburg und dem Regisseur Thomas von Steinaecker über sein Buch und über den ARTE Film „Otfried Preußler: Auch ich bin Krabat“, der bis zum Jahresende auf ARTE zu sehen ist.


Ihr seht, auch junge Zuhörerinnen sind anwesend. Es gibt sie noch immer, die Fans von „Die kleine Hexe“ und co., schön:

Bei der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ ging es nun über das Thema „Wir – akzeptiert und selbstbestimmt?“. Die Pädagogin und Autorin Florence Brokowski-Shekete („Raus den Schubladen! Meine Gespräche mit schwarzen Deutschen“) und die Autorin und Psychiaterin Dagmar Pauli („Die anderen Geschlechter – Nicht-Binarität und (ganz) trans* normale Sachen“) diskutierten mit der Moderatorin Jagoda Marinić über das Thema wie Selbstbestimmung trotz Erwartungen anderer möglich ist.
Der Wunsch der beiden Autorinnen ist, dass wir Menschen einander zuhören, nicht vorschnell urteilen und unsere Kategorien im Kopf neu sortieren. Ein schönes Zukunftsbild, dass die beiden beschrieben, nicht mehr in Katgeorein sondern in Dimensionen denken, Menschen nicht mehr von außen beobachten, sondern fragen „Wer bist du, was macht dich aus, was bist du für ein Mensch?“
Ein gutes Gespräch, wie so viele hier zu erleben sind.

Schön finde ich auch, dass immer wieder Gespräche über Bücher zu hören sind, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch in den Gängen, bei Pausen, überall reden Menschen miteinander über Bücher.

Auch auf diese Veranstaltung hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Bärbel Schäfer sprach auf der Literaturbühne mit der Autorin Sophie Passmann zu deren Buch „Pick me girls“. Was sind überhaupt Pick me girls? Frauen, denen der männliche Blick wichtig ist, Frauen, die männliche Anerkennung benötigen und sich häufig mehr nach diesem Blick als nach eigenen Selbstbedürfnissen richten.
In dem persönlichen Buch beschreibt Sophie Passmann ihr Frauenleben und wirft Fragen auf, welche Version von ihr selbst sie hätte sein können, wenn das Patriarchat nicht existieren würde. Ein tolles Interview mit der sympathischen Sophie Passmann zu dem sicherlich tollen Buch.


Und wie schön, es war gut besucht:

Selfies, auch bei Prominenten beliebt, wie hier Kai Diekmann („Ich war BILD“) mit dem Moderator Jo Schück:

Der Blick vom ruhigen Pressezentrum aus, in dem ich diese Berichte schreibe:

Auf der Literaturbühne fand nun „Der ARTE Poetry Slam“ mit Samuel Kramer statt. Viele Menschen lauschten diesem Performancepoeten. Er trug einen sehr berührenden Text über die Klimakatastrophe vor. Er begegnet in seinen Texten der Klimakatastrophe mit dem wissenschaftlichen Ist-Zustand und zugleich mit hoffnungsvollen Nuancen.

Und wer ging hier vor mir? Eine Frau, auf die ich mich sehr freute. Erkennt ihr sie von hinten?

Erkannt? Cornelia Funke. Sie wurde bei der nun stattfindenden ARTE Veranstaltung „Das Buch meines Lebens“ von Jagoda Marinić interviewt. Wunderbar, Cornelia Funke live zu erleben. Sie ist sicherlich vielen bekannt über ihre Tintenwelt Trilogie (zu der nun der 4, Band erschienen ist), Drachenreiter oder die wilden Hühner. Es war sehr schön, ihr zuzuhören, wie sie von ihrem Leben erzählte und von mitgebrachten Büchern ihres Lebens, die eine große Rolle ihrem Leben spielen.
Das Gespräch kam mir wie eine einzige große Schatztruhe vor, voller schöner Wort- und Satzperlen.
Ich dachte beim Zuhören, Menschen wie Cornelia Funke machen diese Welt besser.
Hier einige ihrer aufhebenswerten Sätze: „Das habe ich noch nie gedacht. Ich liebe es, wenn ich neue Gedanken denke.“
„Ich glaube, wir müssen alle diesen Samen der Hoffnung pflanzen und wenn wir alle ein bisschen machen, dann kommt eine Menge zusammen.“
Ein berührend schönes Gespräch mit dieser großartigen und feinsinnig sympathischen Autorin:

Abends ging es für uns noch zur langen ARD Radiokultnacht der Bücher im hr-Sendesaal. Davon werde ich euch demnächst berichten.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Heute Morgen führte mich mein erster Weg zur Pressekonferenz, bei der Italien sich als das nächste Gastland der Buchmesse vorstellte:

Es wird das Motto „Verwurzelt in der Zukunft“ tragen. Mauro Mazza, der Sonderbeauftragte der italienischen Regierung, erklärte die Bedeutung dieses Mottos: „Wir nehmen das Beste aus unserer Vergangenheit und nehmen das mit in die Zukunft.“
Hier seht ihr die italienische Delegation gemeinsam mit Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse:

Wie immer gibt es Vieles zu entdecken. Etwa diese Buchlampen an einem Stand:

Eine lange Schlange bei der Sprechstunde für Illustrator*innen:

Mitmachaktionen bei denen Besucher*innen mit Klebebuchstaben erzählen können, was die Buchmesse für sie bedeutet:

Hier seht ihr die Bücher, die zum Deutschen Buchpreis nominiert waren:

Bei der Veranstaltung „Künstliche Intelligenz braucht Regulierung – Was darf ein Algorithmus alles entscheiden?“ sprach Prof. Dr. Katharina Zweig, KI Expertin und Autorin („Die KI war’s!“) mit dem Moderator Rainer Straub.
Angenehm mitnehmend und informativ erzählte sie über diese aktuelle und spannende Thematik.
Ein Verbot dieser Technik sei keine Lösung, sondern die Lösung liege im richtigen Umgang mit dem System.
„So etwas wie hier ist nicht kopierbar, das ist echt.“, war einer ihrer guten Sätze.

Die Autorin Marion Poschmann sprach mit der Moderatorin Ariane Binder über ihr aktuelles Buch „Chor der Erinnyen“. Ihr Roman ist eine Parallelgeschichte zu ihrem letzten Buch „Die Kieferninseln“. Die Protagonistin Mathilda macht mit ihren Freundinnen einen Ausflug in eine Waldhütte und wird dort zunehmend durchlässiger für die Natur. Es geht um angepasste Freundinnen, aufbegehrende Mütter, über die Dämonisierung von Frauen und die Kraft der Verbundenheit.

Wie in jedem Jahr so besuchte ich auf der Literaturbühne „Druckfrisch / Literaturtipps von Denis Scheck“. Denis Scheck stellte neue Bücher vor und kommentierte sie.
Für ihn ist das beste Buch des Jahres „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann:

Weiterhin empfahl er „Echtzeitalter“ von Tonio Schachinger, das den Deutschen Buchpreis erhalten hat, „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ von Terézia Mora, „Viermal Ich“ von Maria Lazar, „Schneeflocken wie Feuer“ von Elfi Conrad, „Tausend und ein Morgen“ von Illja Trojanow, „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ von Walter Moers, „Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ von Cornelia Funke – die ich diese Woche noch erleben werde, worauf ich mich sehr freue.
Weitere Empfehlungen von Denis Scheck waren „Eigentum“ von Wolf Haas, „Sinkende Sterne“ von Thomas Hettche, „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann (das habe ich bereits gelesen und ist auch meine unbedingte Buchempfehlung), „Krähen im Park“ von Christoph Peters, „Alle meine Geister“ von Uwe Timm, „Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi und den Roman „Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani.
Hach, es gibt viele großartige Bücher.
Denis Scheck sagte, zu dem Buch von Cornelia Funke, den guten Satz: „Für mich besteht die Macht der Literatur darin, uns auch Alternativen aufzuzeigen, uns in die Haut oder das Fell eines anderen Wesens zu versetzen, uns von dem ewigen Kreis durch den eigenen Nabel zu befreien und uns auch mal die Welt aus anderen Augen wahrnehmen zu lassen, so dass man von seiner narzisstischen Selbstversenkung wegkommt und mehr Respekt und Empathie für den anderen aufbringt.“

Bei meiner nächsten Veranstaltung erlebte ich Bärbel Schäfer, die zu ihrem Buch „Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben“ von Catrin Boldebuck interviewt wurde. Bärbel Schäfer hat ihre weißen Sneaker gegen schlammige Gummistiefel getauscht und im Selbstversuch ein Jahr lang einmal wöchentlich einen Schäfer bei seiner Arbeit begleitet. Hierbei lernte sie eine Menge über das Wesen der Schafe und auch Vieles für ihr eigenes Leben kennen. Die Erfahrung hat sie ein eigenes Innehalten gelehrt. „Der Umgang mit den Schafen zwingt einen zu Geduld und auch mal zu sagen, ein anderes Tempo ist okay, und vielleicht kannst du in diesem anderen Tempo auch etwas Neues für dich entdecken.“, so Bärbel Schäfer.

Im Vorbeigehen sah ich Verena Pooth. Ihr seht, hier sind einige sogenannter „Stars und Sternchen“:

Überall kreative Dekorationen:

Die Preisverleihung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2023“ gehört für mich jedes Jahr zu den Höhepunkten der Buchmesse. Wie ihr seht, auch für viele andere, denn diese Veranstaltung war gut besucht, an diesem Buchmessetag, der noch nicht für das Privatpublikum zugänglich ist:

Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher davon ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig und Sarah Reul moderierten die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden. Alle finde ich sehr lesenswert:

Mit Spannung wurde dann bekannt gegeben, wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist. Gewonnen hat mit ihrem Buch „22 Bahnen“ Caroline Wahl:

Ich habe es vor Kurzem gelesen und habe dieses gute Buch auch schon weiterempfohlen.
Große Freude nicht nur bei Caroline Wahl, auch beim ganzen Dumont Verlag, in dem das Buch erschienen ist:

Hier auch nochmal die anderen Autorinnen, die nominiert waren, denn alle haben großen Applaus verdient zu dieser Nominierung und ihren tollen Büchern (für die, die mitzählen, eine Autorin konnte nicht anwesend sein, stellvertretend für sie kam später die Verlegerin auf die Bühne):

Schönes in der Kunstabteilung:

Mitmachaktionen in der Agora:

Dann besuchte ich die Reihe „SHEROES -Streiterin für die Zukunft“ zum Thema „Wir – digital und menschlich?“ Die Autorin und Philosophin Lisz Hirn („Der überschätzte Mensch. Eine Anthropologie der Verletzlichkeit“), die Autorin und Unternehmerin Mina Saidze („Fair Tech. Digitalisierung neu denken für eine gerechte Gesellschaft“) sprachen mit Jagoda Marinić über künstliche Intelligenz. Ihr merkt, ein Thema über das häufig hier auf der Buchmesse diskutiert wird. KI ist als Zukunftsträger in aller Munde und ist ethisch herausfordernd und stellt unser Selbstverständnis infrage. Es wurde gemeinsam überlegt, wie sich der Umgang mit KI menschlich und sozial zukunftsfähig gestalten lässt.

Diese Thematik weckt das Interesse vieler Menschen, wie ihr seht:

Auch auf die auf die nächste Veranstaltung freute ich mich. Elena Fischer sprach zu ihrem Buch „Paradise Garden“ mit Debora Schnitzler. Dieses Buch stand bereits vorher auf meiner Wunschliste, nachdem ich es zum einen von einer Freundin empfohlen bekam und zum anderen eine Hörprobe erlebte. Auf der Longlist der Nominierungen des Deutschen Buchpreises ist es auch zu finden. Die Protagonistin, die 14-jährige Billie fährt los, um ihren unbekannten Vater zu finden und um herauszubekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war. Elena Fischer sagte, es gehe nicht vordergründig um diese Autofahrt, sondern um die innere Reise ihrer Protagonistin.
Sie beschreibt ihren Roman als eine Entwicklungsgeschichte, die Protagonistin Billie würde ihn vermutlich als „Mutter-Vater-Tochter-Such-Roman“ beschreiben.
In dem schönen Gespräch, in dem es auch um ihren Schreibprozess ging, erzählte Elena Fischer, dass sie manchmal Briefe an ihre Figuren schreibe, um sie mehr kennenzulernen. Sie wurde gefragt, was sie dazu sage, dass ihr Roman oft mit dem Buch „Tschick“ verglichen wird. Elena Fischer meinte dazu: „Es wird langsam peinlich, doch ich habe dieses Buch noch immer nicht gelesen.“ Herrlich und irgendwie menschlich, wie ich finde, da selbst tolle Autorinnen es nicht schaffen, alle guten Bücher bereits gelesen zu haben.
Was sie Menschen mitgeben möchte, die selbst schreiben, fragte die Moderatorin und Elena Fischer sagte: „Freude beim Schreiben und zwar unabhängig von dem, was vielleicht am Ende damit passiert, also Schreiben um des Schreibens willen finde ich ganz wichtig, Dranbleiben und auf die eigene Stimme hören.“

Auch das mag ich an der Buchmesse, unerwartet kostbare Schätze zu entdecken. Dieses Bilderbuch (nicht nur für Kinder!) gehört für mich dazu:

Der ukrainische Stand hat erneut eine große Ausstellungsfläche erhalten. Hier finden immer wieder Veranstaltungen und Diskussionsrunden statt.

Neben dem Thema Krieg, ist es nach wie vor bedeutsam, dass auch die Literatur dieses Landes vorgestellt wird und Raum erhält.

Als weitere Schatzgrube erlebte ich die Illustrationen am slowenischen Stand, zauberhaft:

Weitere schöne Stände:

Und immer wieder schöne Bilder, bei denen ich stehen bleibe und mich erfreue:

Mitmachaktionen am Gutenberg Stand:

Gerne habe ich mitgemacht, ta daaa:

Eine weitere Mitmachaktion bei der sich auch Otto Waalkes eingebracht hat:

Im slowenischen Pavillon ging ich noch umher und was darf auf einer Buchmesse nicht fehlen? Lesen! Das machte ich nun. Wohltuend in dieser Umgebung in Zeilen einzutauchen.

Abends erlebte ich im Frankfurt Pavillon Omer Klein, ein weltberühmter israelischer Jazzpianist.

Er schenkte wohltuende Töne inmitten dieser schönen Umgebung des Pavillons „I am here because I believe in the power of music“, sagte er.

So ging erneut ein weiterer erfüllter und bewegender Buchmessetag zu Ende.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Eröffnung – Teil 1

Die 75. Frankfurter Buchmesse ist heute eröffnet worden. Wie immer erfüllt es mich mit großer Freude und Dankbarkeit hier zu sein. Gerne werde ich in den nächsten Tagen von meinen Eindrücken auf der weltweit größten Buchmesse berichten und euch an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Am Vormittag fand die Eröffnungspressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse statt:

Ich mag den schönen Frankfurt Pavilion sehr. Noch hat der Pavilion übrigens keinen Spitznamen. Sollte euch einer einfallen, meldet euch bei der Buchmesse, sie suchen noch.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hielt eine gute Rede, die mit den Worten endete: „Ich wünsche Ihnen und uns eine gute und anregende Messe, voller guter Begegnungen, mit Denkanstößen und Respekt, Weltoffenheit und Toleranz.“

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich klar zu der aktuellen Situation in der Welt: „Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir haben die Krise des Klimawandels und die Krise der westlichen Demokratien. Wir erleben seit über anderthalb Jahren Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Und seit dem 7. Oktober einen neuen, schrecklichen Höhepunkt der Gewalteskalation durch den Terrorkrieg der Hamas gegen Israel. Wir sind entsetzt. Bei der Frankfurter Buchmesse geht es immer um Menschlichkeit, im Zentrum steht die menschliche Begegnung. Diese Menschlichkeit ist am 7. Oktober durch den Angriff der Hamas-Terroristen auf Israel abermals zerbrochen. Unser Mitgefühl gilt den Menschen, deren Angehörige Opfer dieses Gewaltexzesses wurden, und allen Menschen in Israel und Palästina, die unter dem Krieg leiden.“

Juergen Boos gab in seiner Rede auch einen Überblick, was die Besucher*innen alles auf dieser Messe erwartet. Die aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft werden in zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen Raum haben.

Als Gastrednerin der heutigen Eröffnungspressekonferenz erlebten wir die britische Umweltjournalistin und Sachbuchautorin: Gaia Vince („Das nomadische Jahrhundert“), die in ihrer großartigen Rede den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der bereits einsetzenden globalen Migrationsbewegung deutlich machte. In ihrer Rede ging sie darauf ein, dass die Hitzewelle im letzten Jahr 60.000 Menschen in Europa getötet hat. Ein großer Teil der Erde, vor allem im globalen Süden, wird zunehmend nicht mehr bewohnbar sein. Migration wird uns alle betreffen. Es sei die Frage, wie wir damit umgehen. Wir Menschen müssten einander helfen, um uns alle in Sicherheit zu bringen.
Gaia Vince betonte die tollen Seiten der Migration und stellte den Bezug zu Büchern her. „Die Kraft eines Buches liegt darin, dass wir unsere Insel-Dasein verlassen. Wir blättern um und lernen eine neue Sichtweise kennen, die erleuchtend sein kann.“
Gaia Vince betonte, dass wir Menschen einander viel zu bieten haben und einander bereichern.  „Alle haben das gleiche Recht auf einen sicheren Platz. Veränderung ist nicht hoffnungslos. Wir haben noch die Wahl. Unsere Sicherheit hängt davon ab, dass wir nicht Zäune bauen, sondern dass wir Werkzeuge nutzen. Es gibt nur ein „Uns“, nur eine menschliche Zukunft.“ Darüber zu diskutieren, sei sehr bedeutsam.

Das Motto der Jubiläumsmesse ist „And the story goes on“ und ja, so ist es, die Geschichte geht weiter:

Nach dieser Pressekonferenz  ging es zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons, in dem der Presserundgang stattfand. Das diesjährige Gastland Slowenien trägt das Motto „Waben der Worte“ („Satovje besed“). Traditionell bekommt das Gastland der Frankfurter Buchmesse einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon -, den es mit eigenen Ideen und Botschaften füllt und der einen Eindruck von der Literatur- und Kulturlandschaft schenkt. Auf diese 2.300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche freue ich mich immer sehr, da sie alljährlich individuell von dem Gastland gestaltet wird.
Jure Sadar, der slowenische Architekt und Gründer vom Studio Sadar, stellte bei dem Presserundgang das Konzept des Pavillons vor.
Hier seht ihr ihn, daneben seine Frau Urška Sadar, die slowenische Designerin und Gründung von urskas, einem Designstudio und einer Schmuckmarke. Sie ist Mitgestalterin des Ehrengast-Pavillons. Und links daneben Katja Stergar, die Direktorin der Slowenischen Buchagentur:

Orientiert haben sie sich beim Design an dem Ehrengastmotto „Waben der Worte“, so soll der Pavillon eine Vielfalt von Erfahrungen zu schaffen. Er soll ein Ort des Ideenaustauschs in Bezug auf Wissen, Kultur und Literatur werden.

Das Konzept der Nachhaltigkeit steht im Schwerpunkt, so ist die gesamte Ausstattung des Pavillons von der slowenischen Natur inspiriert und verfolgt einen nachhaltigen Ansatz. Die Ausstattung kann nach der Buchmesse zusammengeklappt und wiederverwendet oder recycelt werden. Wenn sich beispielsweise eine Schule oder eine Bücherei meldet und sagt, sie habe Interesse an einer Sitzgelegenheit, nur zu, das ist willkommen.

Der Pavillon ist in einen offenen Raum und in wabenartige, halbtransparente Auditorien unterteilt. Diese Auditorien befinden sich in den Ecken des Raumes und hier wird es Lesungen und Podiumsdiskussionen geben:

Der Weg durch den offenen Teil des Pavillons wird von sogenannten „Wald“-Bücherregalen geschmückt. Ich entdeckte bereits gute Werke slowenischer Autoren und Autorinnen:

Auffallend fand ich die oft bunten und schön illustrierten Buchcover:

Die sogenannten „Canyon“-oder „Schlucht“-Sitzgelegenheiten – die von einer natürlich fließenden Schlucht inspiriert sind – schenken die Möglichkeit, sich auszuruhen, zu unterhalten und natürlich zu lesen. In ihnen integriert sind Rosmarinpflanzen und es duftete gut:

Es finden sich auch „Open Book“-Elemente im offenen Teil, ein interaktives Instrument, mit dem die Besucher*innen mehr von den slowenischen Autor*innen erfahren können:

In dem offenen Teil befinden sich auch die „Buchreflexions“-Elemente. Das Reflektieren soll darauf hinweisen, dass das Lesen einen Buches immer mit Reflexion zu tun hat. Wenn wir lesen, gehen wir in Resonanz mit dem Geschriebenen und dem Autor oder der Autorin.

Im Mittelpunkt dieses Pavillons steht die Ausstellung „Books on Slovenia“ und hängende Kunstwerke und Lyrikzitate ergänzen die Ausstellung. An der Decke finden sich Kunstinstallationen von der Künstlerin Eva Petric:

Sie zeigt die slowenische Kunst der Idrja-Spitze und diese sollen Baumwipfel darstellen, die somit über dem Bücher-Wald thronen.

Tagsüber vermittelt der natürlich beleuchtete Pavillon den Eindruck einer riesigen Bücherlandschaft, am späten Nachmittag und am Abend entstehen intimere Ecken mit sanftem künstlichem Licht. Ich werde diesen Raum sicherlich zu verschiedenen Uhrzeiten besuchen.

Eine schöne Kinderecke gibt es auch in diesem Pavillon:

Schaukeln ist definitv nicht nur was für Kinder. Die musste ich ausprobieren. Schaukeln und Bücher, wunderbar:


Neben den Porträts slowenischer Autoren und Autorinnen gibt es eine Café-Ecke, in der in den nächsten Tagen slowenische Leckereien genossen werden können. Sicherlich wird es dann voller als nach dem heutigen Presseundgang:

Diesen schönen Satz aus der Pressemappe Slowenien teile ich gerne mit euch:
„Slowenien wirkt klein und marginal, so wie auch Bienen auf den ersten Blick klein und marginal erscheinen. Doch bei beiden trügt der Schein: Die Welt ist groß, schön und bunt, vor allem dank marginaler Lebewesen und Kulturen.“

Passend zum Motto erhielten wir neben der Pressemappe noch ein Honigglas:

Teil 2 des heutigen Tages folgt.

Es grüßt euch freudig aus Frankfurt, mit Lust auf slowenische Literatur,
Marion