Leipziger Buchmesse – Sonntag

Der letzte Tag der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Mein erster Gang – so war es allmorgendlich – ging ins Pressezentrum:

So begann der Tag wieder mit Ruhe.
Und während die Glashalle sich langsam füllte:

waren andere Orte noch geruhsam leer, wie die Terrasse im Morgenlicht:

Hier war immer Ruhe zu finden, die Silent Reading Lounge:

Eindrücke beim Gang durch die Hallen:

Gute Stellungnahme, tolle Aktion, da machte ich gerne mit:

Auf zur #buchbar. Bei leckerem Latte Macchiato

hörte ich Hasnain Kazim zu seinem Essay „Der Islam und ich. Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern über den Islam gelehrt haben“. Er schreibt darin über sein ambivalentes Verhältnis zur Religion, über Herkunft und Erwartungsdruck und darüber, wie schnell öffentliche Debatten Menschen auf Identitäten reduzieren:

Heute war der Weg durch die Hallen angenehm mit ausreichend Platz.
Schöne Stände der wertvollen unabhängigen Verlage, etwa hier:

Mit liebevollen Details:

Der ukrainische Stand:

Ich besuchte die Veranstaltung von CORRECTIV, die so wertvollen Journalismus betreiben. Die Recherche und das Buch „Akten des Missbrauchs: Die Geschichte eines organisierten Verbrechens im Vatikan“ wurde vorgestellt. CORRECTIV-Reporter Marcus Bensmann hat acht Jahre lang daran gearbeitet. Was mit einem Einzelfall im Ruhrgebiet begann, erstreckt sich über viele Länder und geht bis zu den Toren des Vatikans. Es zeigt sich ein Netzwerk der Vertuschung. Im Herzen des Vatikans existiert eine einzigartige Registratur, die den Weg in ein Archiv weist, das Informationen zu klerikalen Missbrauchstätern weltweit sammelt und verwahrt. Es geht Bensmann nicht um eine Zersetzung der Kirche, er selbst ist noch in der Kirche, doch es geht darum, dass Verantwortung nicht vertuscht werden darf.

Die Recherche wird auf Theaterbühnen und in Kinos zu sehen sein.
Aufführungstermine lassen sich unter diesem Link verfolgen:

Abermals besuchte ich die #buchbar, wo Debüts vorgestellt wurden, wie dieses:

Ein Blick nach draußen:

Eva Gengler im Gespräch zu ihrem Buch „Feministische KI“:

Tomer Gardi sprach zu seinem Roman „Liefern“, in dem es um Essenslieferanten geht. Zur Recherche hat der Autor mit Essenslieferanten in mehreren Ländern gesprochen, über ihr Leben, ihre Hoffnungen und Sehnsüchte. Jedes Kapitel trägt einen anderen Klang, da jede vorkommende Stadt und jedes Land einen anderen Klang trägt, so der sympathische Autor. Der Roman wirkt wie ein Blick auf die Globalisierung, er ist gegenwärtig, politisch und zugleich leichtfüßig. Gestern tauchte er auch bei Denis Schecks Buchempfehlungen auf und auch dieser Roman steht auf meiner Wunschliste:

Lesezeit mit Matthias Jügler, Charlotte Gneuß und Steffen Moratz, moderiert von Carsten Tesch, nannte sich meine nächste Veranstaltung. „Wir dachten, wir könnten fliegen“ heißt die Anthologie, herausgegeben von Matthias Jügler. Viele Autor*innen sind darin vertreten wie T.C.Boyle, Julia Schoch, Kim de l`Horizon, Charlotte Gneuß uva. Sie alle schrieben über ausgestorbene und verlorene Tiere und Pflanzen. Schauspieler*innen und Schauspieler haben diese Geschichten vertont. Eine wichtige Thematik, denn vermutlich wissen wir alle es, das Massensterben bedroht unser gesamtes Ökosystem. Ich wünsche dem Buch und uns allen, dass dieses Buch einen wichtigen Anstoß gibt, dass wir uns für eine klimagerechte Zuunft einsetzen.

Mitmachaktionen:

Der Cappuccino auf der Buchmesse schmeckt vorzüglich. Danke all den vielen Menschen, die mit so guter Laune und so fleißig diese Woche hier gearbeitet haben:

Ja, Geschichten verbinden:

So leer war es nur nun zum Ende am taz-Stand:

Die Glashalle leerte sich:

Manches ging verloren:

Doch ich bin mir sicher, dass ganz vieles mitgenommen wird, viele Bücher, viele Buchtipps, viel Inspiration und viele Eindrücke.

Auch die Treppe leerte sich:

Das Pressezentrum darf nun ausruhen:

Die Glashalle im Abendlicht, jedes Jahr ist das besonders schön:

Hier noch beeindruckende Zahlen: 313.000 Besucher*:innen (2025: 296.000) kamen in diesem Jahr zur Leipziger Buchmesse und haben bei über 3.000 Veranstaltungen an über 300 Leseorten in Leipzig die Literatur in all ihren Spielarten gefeiert. 2.044 Aussteller*innen aus 54 Ländern beteiligten sich, um die Buchmesse als Präsentationsplattform für ihre Frühjahrs-Neuerscheinungen zu nutzen und ihre Autor*innen dem Lesepublikum vorzustellen.

Ich blicke dankbar auf diese Tage zurück.
Auch diesmal dachte ich wieder, die Buchmessen machen die Welt zu einem besseren Ort. Die Themen der Zeit fanden Raum. Es gibt wunderbare Bücher, tolle Autor*innen und überhaupt so viele Menschen, die in der Buchbranche mit viel Herz wertvolle Arbeit leisten.
Ich blicke dankbar, inspiriert und erfüllt auf diese Buchmesse zurück, die auch geprägt war von wertvollen Begegnungen.

Ich freue mich nun schon auf die Leipziger Buchmesse 2027:

Ja, darauf freue ich mich sehr. Zum einen weil ich die Buchmessen sehr schätze und liebe. Zum anderen, weil zur Leipziger Buchmesse 2027 mein Debüt erscheinen wird. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, viel Freude, Vorfreude und es berührt mich in schöner Art und Weise.

So grüße ich euch bewegt und glücklich aus Leipzig
Marion

Leipziger Buchmesse – Samstag

Der Samstag ist der vollste Tag der Buchmesse. Schon am Morgen war viel los. Viele Cosplayer gab es zu entdecken:

Meine erste Veranstaltung führte mich zur Glashalle, wo auf der Literaturbühne das Buch von Maxim Leo „Einatmen. Ausatmen“ vorgestellt wurde. Ein humorvoller Roman über die Suche nach dem richtigen Leben und dem Weg zu uns selbst. In dem Gespräch sagte Martin Leo, dass er gerne von Dankbarkeit anstelle Achtsamkeit spreche. Woraufhin die Moderatorin Katty Sallíe das Publikum einlud, einen Moment die Dankbarkeit zu spüren, darüber, dass wir heute hier sind und hier sitzen. Mitten im Trubel drumherum war das ein sehr besonderer Moment der gemeinschaftlichen Stille.

In dem Format Druckfrisch gab Denis Scheck in gewohnt temporeicher Art Literaturtipps zu aktuellen Neuerscheinungen. Hier etwa den Roman „Frauenprobleme“ von Lina Muzur:

Als er das Sachbuch „Meinungsfreiheit“ von Ronan Steinke vorstellte, ging er auf den Kulturstaatsminister Wolfram Weimar ein, der veranlasst hat, dass drei  Buchhandlungen vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurden – obschon sie zuvor von der Jury nominiert worden sind – und dass dieser bedeutsame Preis für dieses Jahr nun ganz abgesagt wurde. Ein Thema, das hier auf der Buchmesse sehr präsent ist. Den drei Buchhandlungen müsste man ein Denkmal setzen, so Denis Scheck. Es ist zu spüren, die Buchmesse ist immer auch eine politische Messe.

Stellungnahme zu dieser Debatte auch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels:

Hier seht ihr Sophie Passmann zu ihrem Buch „Wie kann sie nur?“ im Gespräch mit Mona Ameziane. Ihr Buch handelt von der widersprüchlichen Welt weiblicher Selbstdarstellung in den sozialen Medien:

Eine wichtige und gute Diskussionsrunde zum Thema „Nicht nachlassendes Engagement. Der Kampf gegen rassistische und patriarchale Gewalt“.
Christina Clemm kritisierte zu recht, dass zur Zeit bedeutsame Gelder gekürzt werden sollen für Projekte, die Demokratie fördern.
Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig Widerstand ist, den braucht es in einer Welt, die zunehmend faschistischer wird.
„Warum darf ich dennoch ein Kind in diese Welt setzen?“ war die abschließende Frage der schwangeren Moderatorin. Matthias Meißners Antwort: „Bitte möglichst ein Kind, auf dass es viele Widerworte gibt.“ 
Und Christina Clemms Antwort lautete: „Es ist richtig, Kinder zu bekommen und es ist richtig, das Leben zu genießen und sich mit anderen zu verbinden. Solidarität macht viel mehr Spaß als diese ganze rechte Hetze, die mit Hass verbunden ist  und die immer nur das Negative sieht. Wir können uns miteinander verbinden und einander unterstützen.“ Mein Ja zu diesen Haltungen.

Eine weiteres wichtiges Gespräch erlebte ich im Forum Sachbuch. Sally Lisa Starken sprach zu ihrem Buch „Wenn der rechte Rand regiert“. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, das rechtsextreme Drehbuch der AfD zu stoppen und die aktuellen Entwicklungen nicht zu verharmlosen. Und ebenso, wie bedeutsam Widerstand ist.

Eine schöne Atmosphäre vor dem blauen Sofa. Auf einladenden Sitzsäcken hören die Menschen den Gesprächen zu. Hier Markus Orth zu seinem Buch „Die Enthusiasten“:

Iryna Fingerova zu ihrem Buch „Zugwind“. In dem Buch geht es um eine junge ukrainische Ärztin und den Versuch, Trost in alltäglichen Dingen zu finden. Meine Lesewunschliste wächst und wächst:

Auch heute gab es gute Treffen und Gespräche. Zwischen Kaffee und Äpfeln hatte jemand aus Keksen ein feines Wort gelegt:

Dann erlebte ich Christian Haller zu seinem Buch „Einfallende Dämmerung“. Ein melancholisch-heiteres Buch in dem es um das Altern geht.
Was ein sympathischer 83-jähriger Schriftsteller aus der Schweiz.
Eine Frau neben mir hatte Tränen in den Augen und meinte, sie sei ganz berührt. Ja, so ging es mir und sicherlich vielen anderen auch.
Das war wieder einer der Momente die zu meinem „Buchmessen-Glück“ gehören:

Abends ging es für mich zur Klimabuchmesse, die mit vielen Veranstaltungen in der Stadt und auf dem Messegelände unterwegs ist.
„Mutig statt machtlos: Geschichten vom Aufstehen und Weitermachen“ hieß der Titel der Veranstaltung.
Gute Stände vor dem Saal, wie dieser über die lesenswerte Zeitschrift Atmo:

Gruppenfoto auf der Bühne:

Es war eine bedeutsame und inspirierende Diskussion über Hoffnungen, Verantwortung und die Kraft der eigenen Handlungsmöglichkeiten.
Hier seht ihr die lesenswerten Bücher:

Auch das schätze ich sehr an den Buchmessen, sie geben Mut, regen an und zeigen, wie viele Menschen sich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Literatur ist sicherlich ein wichtiger Baustein bei der Gestaltung einer Welt, wie wir sie uns wünschen.

Ein berührender, guter und mutmachender Tag und Abend!

Es grüßt euch aus Leipzig mit vielen Eindrücken
Marion

Leipziger Buchmesse – Freitag

Lieblingsstände, die lediglich so früh am Morgen – vor 10 Uhr – so leer vorzufinden sind:

Dem schließe ich mich an:

Bei der Lesart war Ildikó von Kürthy zu ihrem Buch „Alt genug“ und Judith Holofernes zu ihrem Buch „Hummelhirn“ im amüsanten Gespräch mit Frank Meyer zu erleben:

Ildikó von Kürthys Tasche in Großaufnahme. Ich finde, das Leben braucht manchmal diese süßen Dinge:

Clara Hinrichs sprach zu ihrem Buch „Meine verletzte Generation“:

Es ist kein Buch über die Klimakrise, wie man vielleicht zunächst vermuten würde, sondern ein politisches Zeitdokument über staatliche Macht, Repressionen und die Notwendigkeit, demokratische Rechte aktiv zu verteidigen.

Am Schweizer Stand erlebte ich Walter Fabian Schmid mit seinem Roman „Schattenwurf“, in dem es um Energiekrise, Klimaschäden, Fake News und Wutbürger inmitten einer dörflichen Idylle geht:

Gerne besuchte ich wieder die #buchbar, in der Debüts vorgestellt wurden:

Abermals bestand der Tag auch aus Treffen, Wiedersehen und guten Gesprächen.

Es gibt viele wunderbare Bücher, herausgegeben von den unabhängigen Verlagen. Diese Broschüre stellt viele Buchschätze vor:

Überall sind kreative Verkleidungen von buchliebenden Menschen zu sehen:

Blick von oben in die Glashalle, mit langer Schlange vor dem Eisstand und im Hintergrund das Blaue Sofa:

Wo ist Walter? Auch auf der Buchmesse! Seht selbst:

Gut besucht war auch Thea Dorn im Gespräch mit Bodo Kirchhoff zu seinem Buch „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“:

Bevor die Tore schließen, gibt es häufig Treffen an Ständen. Schön war es, Austausch, Gespräche und Vernetzung.

Abends ging es für mich weg von der großen Messe zum Lyrik- und Prosa-Abend zur Buchmesse im feinen kleinen Kreis mit Sascha Kokot, John Sauter und Martina Hefter:

Was ein schöner Abschluss dieses reichhaltigen Buchmessentags.

Es grüßt euch, dankbar hier zu sein, aus Leipzig
Marion

Leipziger Buchmesse – Donnerstag

Ich mag die Buchmessen sehr. Und so freue ich mich, wieder hier in Leipzig zu sein.


Gestern bin ich angereist und habe abends die erste Veranstaltung besucht: Die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei.

Die Atmosphäre dort spricht mich sehr an. In vier verschiedenen Räumen der Bastei finden zeitgleich Lesungen statt. Als ich Martina Hefter erlebte, die aus ihren Gedichtbänden vorlas, dachte ich: „Ja, die lange Anreise lohnt sich. Wegen solcher Momente bin ich hier.“ Ich könnte ihr stundenlang zuhören:

Nun aber zum heutigen Tag, dem ersten Tag der Leipziger Buchmesse 2026.
Im Pressenzentrum sind jährlich die nominieren Bücher für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse ausgestellt. In der oberen Reihe seht ihr Belletristik, in der mittleren Reihe die Sachbücher und in der unteren Reihe die nominierten Übersetzungen:

Beim Blick hinaus sah ich die langen Schlangen am Eingang. Ich gebe zu, ich bin froh, dass ich mich hier nicht anstellen musste:

Die sonnendurchflutete Glashalle füllte sich:

Was ein schöner Titel dieses Buches von Dana Grigorcea, in dem es um Liebesgeschichten, Umbrüche, Sehnsüchte und Geschichtenerzählen geht:

Pascale Hugues zu ihrem Roman „So voller Leben“. Ein Buch über ihre Mutter, die manisch-depressiv war, was zur damaligen Zeit sehr tabuisiert war. Es stehe stellvertretend für eine ganze Generation Frauen, sagte sie:

Hier seht ihr die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse aus dem Bereich Belletristik, die zu ihren Werken interviewt wurden und daraus vorlasen:

Buchmesse bedeutet auch Treffen und Netzwerken, das stand nun für mich an. Immer wieder schön, Bekannte und Menschen aus der Buchbranche zu treffen.

Und dann gibt es die Zufallsfunde wie hier. An einem Stand ein Lyrikbuch aufklappen und berührt werden:

In der #buchbar wurden Debüts in lockerer schöner Atmosphäre vorgestellt. Bei Kaffee und Kuchen kann man anschließend mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen. Ein gutes Konzept:

Später erlebte ich Lena Gorelik, die den Preis der Literaturhäuser zu ihrem Buch „Alle meine Mütter“ erhielt. Es gab eine wunderbare Laudatio. Lena Gorelik sprach danach zu ihrem berührenden Buch und las daraus vor. „Ein Buch, das uns alle angeht“, so die Moderatorin:

Nun fand die nächste große feierliche Preisverleihung statt: Der Preis der Leipziger Buchmesse. Die nominierten Werke aus den drei Kategorien wurden vorgestellt.
Im Bereich Übersetzung gewann Manfred Gmeiner der das Buch „Unten Leben“ von Gustavo Faverón Patriau vom Spanischen ins Deutsche übersetzt hat.
Im Bereich Sachbuch gewann Marie-Janine Calic mit ihrem Buch „Balkan-Odysee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“. Sie machte in ihrer Dankesrede deutlich, dass das Thema Flucht heute sehr aktuell ist und ihr Sachbuch damit eine Brücke in die Gegenwart schlage.
Und schließlich im Bereich Belletristik, hier gewann Katerina Poladjan mit „Goldstrand“:

Immer wieder luden Stände zum Verweilen ein:

Abends ging es für mich erneut zur Langen Lesenacht in der Moritzbastei. Viele großartige Bücher durfte ich in der einladenden Atmosphäre erleben. Ich greife aus dem großen Topf zwei tolle Romane hinaus, aus denen die Autorinnen wunderbar mitnehmend vorlasen. Esther Schüttpelz mit ihrem Roman „Grüne Welle“:

Und Nefeli Kavouras mit ihrem Roman „Gelb, auch ein schöner Gedanke“:

Was ein schöner Tag und Abend!

Es grüßt euch bücherliebend aus Leipzig
Marion

Gastbeitrag zur Frankfurter Buchmesse 2025

Heute findet ihr hier ein Gastbeitrag von meinem Mann, der die diesjährige Frankfurter Buchmesse von Freitag bis Sonntag besuchte, und seine Erlebnisse zusammenfasste:

Wie in den letzten Jahren hatte ich auch 2025 das Vergnügen, mich ab Freitag als Besucher bei der Buchmesse einfinden zu können. Nach einer Zugreise auf der touristischen Route entlang des Rheins unter Begleitung unseres Sohnes, der sich in Frankfurt verabschiedete, um weiterzureisen, tauchte ich am frühen Nachmittag ein in die Welt der 100.000 Bücher.
Und sofort gings zur Sache mit Denis Scheck. Ein Mann, der jährlich 180 Bücher liest und in der Lage ist, innerhalb einer halben Stunde den Zuhörenden ein Dutzend literarische Meisterwerke schmackhaft zu machen:

Nach diesem kurzen knackigen Intermezzo gings weiter zu Herrn Hirschhausen, der den Zuhörerenden eindrücklich schilderte, wie ihn Fake- News zusetzen. Er zeigte einen YouTube- Film, auf dem er augenscheinlich erschossen wird. Dennoch stand er auf der Bühne, ich habe ihn angefasst. Ich frage mich, wie das möglich ist. Zauberei?

Immer gerne treibe ich mich am Stand des Katapult- Verlages mit ihren großartigen Karten und Büchern zu allen möglichen Themen herum. Hier ein Beispiel:

Am selben Stand hielt Correctiv einen Vortrag, der unter anderem auch dieses Bild beinhaltete: Rechtsorientierte Medien und ihre Verknüpfung untereinander. Unfassbar.

In einem anderen Vortrag hörte ich, dass Correctiv täglich einen Newsletter mit spannenden Fakten veröffentlicht. Hier der Link zum Abonnieren: https://correctiv.org/newsletter/
Einfach abonnieren würde ich sagen.

Ganz interessant die Moderation vom CEO der Zeit Rainer Esser (links) im Gespräch mit Klaus Brinkbäumer über Zeit der Abschiede. Spannendes Detail: am nächsten Tag hat meine liebe Frau ein paar Fotos am Stand der Zeit gemacht, die Rainer Esser gut gefielen und die er gerne haben wollte. Wer also gerne Herrn Esser auf seinem Handy oder via WhatsApp erreichen möchte, wir haben seine Handynummer 😊.

Und wer kennt ihn noch, den Willi von Willi wills wissen? Hier ein Interview mit ihm. Habe leider nichts gehört, er saß in einer schalldichten Kabine mit ein paar Kids:

Am Abend einer der Höhepunkt der Tage in Frankfurt: die lange Nacht der Bücher im großen Sendesaal des hessischen Rundfunks. Mit unter anderem der diesjährigen Preisträgerin des deutschen Buchpreises Dorothee Elmiger. Nach ihrem Gespräch habe ich für uns ihr Buch „Die Holländerinnen“ signieren lassen. Sie fragte mich, ob ich eine Widmung wolle. Ich verneinte und sagte, dass Buch sei für die ganze Familie, einfach Name und Datum. Sie tat wie gewünscht, und ich zog meiner Wege:

Am nächsten Tag erwischte ich sie, wie sie sich auf eine Kurzlesung am Schweizer Stand vorbereitete:

Zwischendurch, wie jedes Jahr, Unterschriftenmarathon am Stand von Amnesty International: Briefe an Präsidenten und andere Verantwortliche in Staaten, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen und mehr oder weniger willkürlich Menschen inhaftieren, die sich für Dinge einsetzen, die bei uns fest im Grundgesetz verankert sind. Für mich wichtig, unterstützend tätig zu werden. Chapeau für die Frankfurter Truppe von Amnesty.

Hier die Autorin Fiona Sironic (links) im Gespräch mit Yasmine M´Barek. Sie hat für mich den absolut besten Buchtitel in diesem Jahr produziert: „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft.“ Ich stelle mir vor, wie ein Chinaböller unter irgendwelche Sachen gelegt wird und es einen riesigen Knall gibt. Herrlich. Ich werde das Buch sicher lesen.

Im Vorbeigehen nahm ich diesen Herrn wahr, umringt von einer zahlreichen Leserschar. Richtig, Paul Maar, der Erfinder des Sams. Eine Legende!

Und dann noch dieser Titel hier, ein riesiges Reklamebuch mit tollem Cover, und die Autorin Nina George, die am Stand des Verlages fleißig signierte (links im Bild). Ich habe sie später im Interview gehört. Auch dies ein Buch, das mich angesprochen hat.

Ein anderes Highlight war für mich in diesem Jahr ein Workshop, der Einblicke gab in die Arbeit von Prosa-Übersetzern, vertreten in und durch den Verband deutscher ÜbersetzerInnen (VdÜ) und nicht zu verwechseln mit den Dokument-Urkunden-wissenschaftliche-Texte-ÜbersetzerInnen, vertreten in und durch den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Zwei Übersetzer widmeten sich einem Text von Agatha Christie aus dem Jahre 1930: der eine übersetzte frei, der andere mit Hilfe von DeepL. Als ich die rohe DeepL- Fassung sah, fand ich die schon sehr gut. Text und Zusammenhang prima, wo ist das Problem? Dann in rot die Version, die der Übersetzer aus DeepL gemacht hat. Hammer. Aber seht selbst:

Auch der Übersetzer ohne Hilfswerkzeug machte eine großartige Arbeit. Ich habe großen Respekt vor dieser intellektuellen Leistung. Die im Übrigen unverschämt schlecht bezahlt wird, wie ich mir sagen ließ.

Ein tolles Gespräch mit einem meiner Favorit-Intellektuellen Michel Friedman (Mitte), der sich immer wieder vehement für alles einsetzt, was mit Grundrechten und Demokratie zu tun hat. Sein Plädoyer: Geht auf die Straße und setzt euch ein, lasst eure Stimme hören, ansonsten werden die Rechten immer stärker. Dass sowas schleichend gehen kann, machte er eindrücklich deutlich: wenn das so weiter geht, sind irgendwann beim Bäcker nur noch Backwaren deutschen Ursprungs käuflich, ein Croissant gehört der Vergangenheit an. Kaum vorstellbar, aber ich konnte mir auch keinen Krieg in der Ukraine, keine Flut im Jahr 2021 und keine Corona-Epidemie vorstellen. Die Tatsache, dass ich mir irgendetwas nicht vorstellen kann, bedeutet nicht, dass es nicht existent sein oder werden kann.

Es waren für mich wie in jedem Jahr tolle Tage, die mir immer wieder einen Boost im Kopf geben und mir aufzeigen um was es im Leben wirklich geht.

Und am Ende meine Liste mit Buchempfehlungen:
„Hase und ich“ von Chloe Dalton. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen einer Frau und einem Feldhasen während der Corona-Zeit.

„Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger. Auf den Spuren zweier niederländischer Studentinnen, die in Panama im Jahre 2014 verschwunden sind. Geschichten in der Geschichte, die einen in den düsteren Bann ziehen. Und alles in indirekter Rede geschrieben. Ein Hoch auf den Konjunktiv.

„Hannah“ von Miku Sophie Kühmel. Klingt interessant und spielt in den 20ern des vorigen Jahrhunderts. Wer diese Zeit mag, liegt mit dieser Erzählung genau richtig.

„Die Passantin“ von Nina George. Die Geschichte einer totgeglaubten Frau, die sich diese glückliche Fügung zunutze macht und abtaucht. Ein spannendes Experiment.

„Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust. Die Geschichte der Frau als Comic. Habs durchgeblättert, sehr toll gemacht mit vielen spannenden Perspektiven.

Jens Reuber

Frankfurter Buchmesse – Donnerstag

Mein Tag auf der Buchmesse begann wieder mit dem Besuch des Gastland Pavilions Philippinen und ich lauschte der Musik. Beinahe schon mein Ritual hier auf der Buchmesse, an das ich mich gut gewöhnen könnte:

Ich besuchte Stände und oftmals ging mein Herz auf, gibt es doch viele bezaubernde Bücher, wie diese hier:

Häufig finden sich Mitmachaktionen, so wie diese schöne Postkartenaktion „Schreibe von der Buchmesse an einen besonderen Menschen“. Gerne machte ich mit. Eine Postkarte ausgesucht, beschrieben und losgeschickt. An wen verrate ich hier nicht, es soll schließlich eine Überraschung werden…

Nachdem ich Nora Gomringer im Gespräch mit der Moderatorin Cecile Schortmann hörte, steht ein weiterer Roman auf meiner Wunschliste „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“:

Zur Buchmesse gehören Gespräche an den Ständen und auf den Gängen. Dafür nehme ich mir gerne die Zeit. Einige sicherlich lohnenswerte und ursprünglich geplante Veranstaltungen erlebte ich deshalb nur kurz, wie Harald Welzer zu seinem Buch „Das Haus der Gefühle“:

Jehona Kicay las aus ihrem Buch „ë“:

Viele lauschten ihrer guten Vorlesestimme:

Ihr Buch stand auf der Shortlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis.
– Kleiner Exkurs: Alle fünf nominierten Bücher der Shortlist klingen sehr lesenswert.
Neben das gerade erwähnte Jehona Kicaj: ë
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen, die den Preis erhalten hat
Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule, das ich bereits gelesen habe und gerne empfehle
Thomas Melle: Haus zur Sonne
Fiona Sironic: Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Christine Wunnicke: Wachs –

Hier erlebte ich leider nur das Ende. Jo Schück im Gespräch mit der Trägerin des Sachbuchpreises 2025 Ulli Lust zu ihrem Buch „Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte“:

Buchmesse und Denis Scheck mit seinem Format „Druckfrisch“ gehören untrennbar zusammen. Er gab in seiner bekannten schnellen Art Literaturtipps. Und meine Wunschliste wuchs:

Ein weiteres Buch, das einen Platz auf meiner Wunschliste erhalten hat: „Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi. Sie erzählt in ihrem Roman von einem einzigen Tag im Leben von sechs Menschen, deren Schicksale sich kreuzen – und das vor dem Hintergrund eines riesigen Geflügelschlachthofs, der eine zentrale Rolle spielt, und den Titel erklärt:

Maja Lunde mit ihrem Buch „Rettet die Kindheit“. Es geht um Digitalisierung und die Frage, ob wir unsere Kinder und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt verlieren. Ein aktuelles Thema:

Eine Veranstaltung, auf die ich mich jedes Jahr freue ist „Das Lieblingsbuch der Unabhängigen“. Hier sehr ihr die Bücher der Shortlist zu diesem Preis:


Sagte ich schon, dass meine Wunschliste wächst? Hach, es gibt so tolle Bücher, wunderbar!
Gut besucht war diese Veranstaltung, wie ihr seht:

Buchändler und Buchhändlerinnen stellten die nominierten Bücher vor. Und dann wurde bekannt gegeben, wer gewonnen hat: Lázár von Nelio Biedermann. Was eine sichtbare Freude:

Hier nochmal alle nominierten Bücher mit ihren Autoren und Autorinnen und den Paten der Buchhandlungen:

Eine weitere Mitmachaktion, hier sind Besuchende eingeladen, ihre Geschichte zu erzählen. Ich glaube, wir alle habe viel in uns, das lohnt erzählt und aufgeschrieben zu werden:

Michel Friedman zu seinem Buch „Mensch! Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten“:

Ein kluger, analytischer und klarer Denker. Es war ein Gespräch, das mich sehr berührt hat. Einer seiner Sätze: „Es sterben immer noch Menschen im Mittelmeer. Reden wir noch darüber? Reden wir genug hierüber?“
Ich nehme viel mit von dieser Veranstaltung, so den Appell „Tut das Notwendige!“
Das zeigt die gesamte bisherige Buchmesse wieder sehr deutlich: Wie wichtig es ist, dass Autorinnen und Autoren und wir alle unsere Stimme erheben. Dass wir nicht zu bequem werden. Dass wir nicht aufgeben. Dass wir nicht aufhören uns einzusetzen für Demokratie und Menschlichkeit. Dass wir dranbleiben. Dass wir diese Welt mitgestalten.

So grüßt euch aus Frankfurt mit vielen vielen Eindrücken
Marion

Frankfurter Buchmesse – Mittwoch

Heute war der erste offizielle Tag der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.

Im Gastland Pavilion lauschte ich am Morgen den Philippinischen Gesängen und der Musik:

Die Philippinischen Madrigal Singers:

Die Gänge und Hallen angenehm leer, denn erst am Freitag öffnen die Tore für Privatbesuchende:

Zeit zum Betrachten und Reinlesen:

Aussagen am Gutenberg-Stand, die ich mag:

Diesmal auch FUNK auf der Buchmesse mit dabei und Mitmachaktionen ebenso wie Ruhe-Liegestühle:


Braille, die internationale Blindenschrift, lädt zum Ausprobieren ein:

Im schönen Pressezentrum:

Hier finden sich Ruhe, Getränke und Snacks:

Nach sieben Monaten und 10.000 km kam Lennart Schaefer auf der Frankfurter Buchmesse an. Er durchfuhr die Ziellinie seiner LITERADTOUR und wurde mit Applaus und Jubel empfangen:

Fotos aufgereiht an einem Band von seiner Tour:

Was ein tolles Projekt! Er versteht sich als Literaturbotschafter und hat auf seiner Tour mit vielen Menschen, bekannten wie unbekannten, über Bücher und Lesen gesprochen. Er erzählte, dass er auf seine Frage: „Lesen Sie?“ häufig von den Menschen hörte: „Dazu fehlt mir die Ruhe.“ Er antwortete: „Lesen schenkt diese Ruhe.“
Er erzählte, er habe es genossen, so viel in der Natur unterwegs zu sein. Er verarbeitet nun all seine Erfahrungen und es soll ein Buch und eine Reportage folgen. Wunderbar!

Die neue Bühne „Centre Stage“:

Mithu Sanyal, Helge Malchow, Makro Martin und Felicitas Hoppe im Gespräch mit Thea Dorn zu dem Thema “ Literatur heute – Kann das weg?“:

Später erlebte ich den Juristen und Autor Bijan Moini im Gespräch mit dem Moderator Jo Schück zu seinem Buch „2033“. Ein Thriller, in dem es um eine rechtsextreme Partei geht und darum, wie wehrhaft unsere Demokratie ist. Aktuell und sicherlich sehr lesenswert. Das Buch wurde als spannend, duster und ebenso mutmachend beschrieben.
Jo Schück meinte am Ende des guten Gesprächs: „Immer daran denken, wir müssen alles erwarten, auch das Gute.“:

Die Agora noch übersichtlich heute:

Bei meinem Gang durch die Hallen gab es Treffen, Gespräche und Wiedersehen, auch das mag ich an der Buchmesse.
Später besuchte ich die Veranstaltung „Was es heißt, vom Schreiben zu leben“:

Gilda Sahebi und ihr Buch „Verbinden statt spalten“. Auch hier hörte ich viele gute Gedanken:

„Let`s talk about feelings“ heißt der Roman von Leif Randt, zu dem er mit Mona Ameziane sprach. In dem Roman geht es um Mode, Begehren und den Aufbruch ins mittlere Alter:

Hier seht ihr Daniela Dröscher zu ihrem Buch „Junge Frau mit Katze“ mit der Moderatorin Katty Salie. Meine Lesewunschliste wächst und das nicht nur deshalb, weil ich Daniela Dröscher und ihre Gedanken und Sätze sehr sympathisch finde:

Einer meiner Lieblingsverlage, der Kjona Verlag. Solltet ihr ihn noch nicht kennen, gerne recherchieren:

Die diesjährige Bachmann-Preisträgerin Natasch Gangl las aus ihrem Buch „Frische Appelle & andere Sprechtexte“ vor und es war ein Vergnügen ihrer Sprachperformance zuzuhören:

Mein heutiger Buchmessentag begann im Gastland Pavillon und endete auch hier. Mit einer sehr berührenden Performance „The Siza Performance for Children of Gaza“:

Und schließlich noch philippinische Musik und Gesang:

Auch die Bücher legten sich nun zur Ruhe:

Bis morgen, Buchmesse, du reichhaltige, vielseitige Messe. Bunt, wie das Leben.
Sagte ich schon, dass ich die Buchmesse liebe?
Es grüßt euch aus Frankfurt
Marion

Findesatz und Wortspiel – 37

„Und jetzt: eintauchen in mein Buch.“

Den ganzen Tag freute er sich auf diesen Moment. Er hatte den Abendbrottisch aufgeräumt, sich einen Tee aufgebrüht und auf seinem Korbsessel Platz genommen. „Und jetzt: Eintauchen in mein Buch“, sagte er leise. Ein tiefes Einatmen und ein noch tieferes Ausatmen folgten.
Seine Kinder waren in ihren Zimmern beschäftigt. Manchmal hörte er ihr Lachen. Sie waren alt genug, sich selbst zu beschäftigen, und alt genug, länger als er wach zu sein. Seine Frau traf sich heute mit einer Freundin in ihrem Lieblingscafé. Vermutlich würde sie spät zurückkommen.
Sein Buch war ein Zufallsfund gewesen, mitgenommen aus einem dieser Bücherschränke, die es immer häufiger zu sehen gibt. Im Urlaub hatte er es in einem kleinen Ort entdeckt. Er mochte den Gedanken, dass die Bücher zu ihm fanden, die er noch lesen sollte. Oft dachte er, angesichts seines fortschreitenden Alters – immerhin ging er auf die 50 zu –, dass er nicht mehr all die Bücher würde lesen können, die er lesen wollte. Bücher, die er als Jugendlicher gemocht hatte und noch einmal lesen wollte, Klassiker, die er bisher vermieden hatte, Neuerscheinungen, die ihn interessierten, Werke seiner Lieblingsautorinnen und Lieblingsautoren. Und dann gab es diese Zufallsfunde. Wie Sternschnuppen, die unerwartet auftauchen.
Er schlug das Buch auf und spürte, wie sich eine Vorfreude ausbreitete. Und während die Sätze ihn umgaben, fühlte er sich aufgehoben, im Buch, im Moment, in sich selbst.

Nachtrag: Lange Büchernacht

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse besuchte ich letzten Freitag die lange ARD-Radiokulturnacht im hr-Sendesaal.
Das ist eine beliebte Veranstaltung, bei der großartige Bücher in schöner und entspannter Atmosphäre vorgestellt werden. Wir – mein Mann, meine Tochter und ich – freuten uns sehr auf diesen Abend. Der schöne Sendesaal war voller buchliebender Menschen, die es sich bei Essen und Getränken gemütlich machten:

© hr/Janina Schmid

Die Moderatorin Catherine Mundt und Moderator Christoph Schröder führten durch das Programm:

© hr/Janina Schmid

Wir hörten Gespräche mit Autorinnen und Autoren zu ihren Neuerscheinungen und Anekdoten aus ihrem Leben.
Zudem gab es nach jedem Bücherblock musikalische Beiträge vom Heinz-Dieter Sauerborn Quartett mit seinem Programm „Songs We Like“:

© hr/Janina Schmid

An diesem Abend war Jan Weiler mit seinem Roman über den reflektierenden 51-jährigen „Munk“ zu erleben. Munk blickt im Rahmen seiner Selbsterforschung auf die 13 Frauen in seinem Leben zurück , die ihn geprägt haben, und auf die Lektionen, die er von jeder einzelnen gelernt hat:

Katja Lange-Müller sprach über ihren aktuellen Roman „Unser Ole“, in dem sie über Frauen am Rande der Gesellschaft schreibt. Ida, alt und vom Leben enttäuscht, begegnet Elvira, die ihren Enkel Ole betreut bzw. ihn abwechselnd schikaniert und verwöhnt. Elvira benötigt Idas Hilfe mit dem unberechenbaren spätpubertierenden Ole. „Ein Roman, der alle Stärken Katja Lange-Müllers vereint“, so die Moderatorin:

Hier seht ihr Olga Grjasnowa mit der jüdischen, ex-sowjetischen Familiengeschichte „Juli, August, September“. Die Protagonisten Lou begibt sich nach Antworten auf all ihre Fragen zu ihrer Familiengeschichte nach Tel Aviv:

Saša Stanišić mit seinem Roman „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“. Ich mag den Titel und werde sicherlich auch dieses Buch mögen, ist es doch von einem meiner Lieblingsautoren. Was wäre, wenn man nicht diese eine Entscheidung getroffen hätte, sondern eine andere? Diese und ähnliche Fragen tauchen in dem Buch auf:

Francesca Melandri war als Delegierte des diesjährigen Buchmesse-Gastlands Italien anwesend mit dem Übersetzer Johannes R. Hampel und ihrem Buch „Kalte Füße“. Faszinierend im Übrigen mit welch klarer Sprache und passender Betonung er übersetzte. Ein Roman, in dem Melandri das Ende des Friedens in Europa mit einem Kapitel italienischer Geschichte verknüpft:

Hier seht ihr die Autorin Lucy Fricke, zu ihrem Roman „Das Fest“. Der Protagonist Jakob, der in der Mitte des Lebens steht, blickt mit Melancholie und Komik auf sein bisheriges Leben zurück. Es geht um Verluste, Verzicht und Freundschaften:

Nora Bossong schreibt in ihrem Roman „Reichskanzlerplatz“ über Magda Quandt, die später die Ehefrau von Heinrich Goebbels wurde. Dieses Buch stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis:

Martina Hefter, Gewinnerin des Deutschen Buchpreises, zu ihrem Buch „Hey, Guten Morgen, wie geht es dir?“. In ihrem Roman geht es um die Protagonistin Juno und sogenannte Love-Scammer, Männer – meist aus dem globalen Süden – die über ein Fake-Profil in den sozialen Netzwerke Frauen im mittleren Alter anschreiben, sie mit Komplimenten umwerben und letztlich Geld von diesen Frauen möchten. Ein Roman, der sich mit Bedürfnissen und Sehnsüchten befasst. Auch auf dieses Buch freue ich mich sehr:

© hr/Janina Schmid

Peter Wohlleben, Deutschlands bekanntesten Förster, sprach zu seinem aktuellem Buch „Buchenleben“, bei dem er einen 250 Jahre alten Baum seine erstaunliche Geschichte erzählen lässt, vom Samen bis zum Giganten des Waldes:

Navid Kermani und Aleida Assmann setzen sich in ihren Büchern „In die andere Richtung jetzt. Eine Reise durch Ostafrika“ und „Gemeinsinn. Der sechste soziale Sinn“ mit aktuellen Themen wie Migration, Solidarität, Klimawandel und Gemeinsinn auseinander:

Julia Friedrichs mit ihrer Recherche über Superreiche „Crazy Rich. Die geheime Welt der Superreichen“. Sie bat Superreiche zum Gespräch und diese erlaubten ihr umfassende Einblicke in eine Welt, die die meisten von uns nicht kennen werden. Sicherlich auch ein äußerst interessantes Buch:

Hier seht ihr Eckhart Nickel, der zu seinem Buch „Punk“ sprach. Die 14 Kapitel des Romans tragen Namen von Songtiteln, passend, da es um die Geschichte einer Band geht:

Horst Evers las über den Abend verteilt immer wieder Ausschnitte aus seinem Buch „Zu faul zum Nichtstun“. Herrlich amüsant waren diese kurzen, lustigen Geschichten:

Was ein breites und vielseitiges Angebot an wunderbaren Büchern!
Am Ende des Abends hörte ich den Satz eines Besuchers: „Jetzt möchte ich ein halbes Jahr Urlaub haben und all diese Bücher lesen.“
Ich wünsche uns allen – ob mit oder ohne Urlaub – immer wieder Lesezeit und ganz viel Lesefreude.

Es grüßt euch mit viel Buchliebe
Marion

Hier könnt ihr die ARD Radiokulturnacht der Bücher nachhören:

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