„Ich finde das Wort reizvoll reizvoll.“



Wir sind einander Dorf
Leben unsere Landschaft
Kennen einander
Menschen
sind zuhörend
Niemand stirbt allein
all die vielen Tode

Gastbeitrag „Ein Sonntag auf der Frankfurter Buchmesse 2023“
Als Ehemann einer sehr engagierten Bloggerin und regelmäßigen Besucherin der Frankfurter Buchmesse habe ich so meine Privilegien. Da wäre zum einen, dass ich bereits im Vorfeld der Messe in die inhaltlichen Vorbereitungen miteinbezogen werde und sich mir damit ein erster schmaler Spalt des Fensters zur aktuellen Buch- und AutorInnenenwelt in Deutschland und des gesamten Erdballs öffnet. Zum anderen aber auch, dass für mich ab und an ein paar Krümel der Privilegien abfallen, die meine Gemahlin dank ihres Presseausweises auf der Buchmesse genießen kann. Doch dazu später mehr.
Der Tag startete für mich mit einem kurzen Gang durch die Halle 3, in der alles, was in der Verlagswelt Rang und Namen hat, vertreten ist. Dort begegneten mir einige Buchtitel, die ich euch nicht vorenthalten möchte. „Hilfe, ich habe geerbt“ der Stiftung Warentest weckte in mir die Vorstellung einer adrenalindurchfluteten Person mit Schweiß auf der Stirn, die mit der Sorge eines Erbes konfrontiert wird und Heil in der Fibel der deutschlandweit bekannten Stiftung sucht.

Die Technik zur Kompensation der Effekte der Klimakatastrophe hält auch in der Botanik Einzug. So überraschte mich der Bestseller „Echte Hitzeprofis“ von Katrin Lugerbauer. Ihr Buch ist eine Hommage an alle trockenheitslieben Stauden, die sie dem Leser eindringlich näherbringt. Dank dieser Pflanzen scheinen die Effekte des sich verändernden Klimas kein Problem. Fantastisch?!

Zur Ergänzung unnützen Halbwissens gleich nebenan das Buch „Efeu erwürgt Baum“, in dem Aino Adriaens mit den Mythen aus dem Garten aufräumt. Ein Muss für alle FreizeitgärtnerInnen.

Und zum Abschluss meines kurzen Buchtitelscans der gerade erschienene Band des sehr populären jugendlichen Imkers, Bloggers und Influencers Quentin Kupfer, der mit seinen mehr als 1 Millionen FollowerInnen eine junge Fangemeinde für das Imkern begeistert. Ein schön gemachtes reich bebildertes Fachbuch, das die next generation der ImkerInnen anspricht und der typischen Generation der meist männlichen Imker Ü65 das Fürchten lehrt.

„Der wache Vogel fängt den Wurm“, so der Titel des Buches, der für mich ersten Buchvorstellung des Tages. Die im Vortragen geübten Kathrin Leineweber und Markus Kamps brachten den ZuschauerInnen das Thema Schlaf näher und gaben Tipps (man nennt das wohl heute neudeutsch „Hacks“), um gut zu schlafen und ausgeruht zu sein und um damit seinem Arbeitgeber, seiner Arbeitgeberin und der Welt effizient zur Verfügung stehen zu können. 7,5 Stunden Schlaf als Muss für ein gesundes Leben, gut geplant und sauber ein- und ausgeleitet als Schlüssel zum Wohlbefinden. Ich war begeistert und wollte sofort loslegen. Dabei hatte der Tag gerade erst angefangen.

Weiter gings auf der ARD ZDF 3Sat- Bühne, auf der sich im Kulturzeit- Talk – bekannt bei 3Sat ZuschauerInnen – der Soziologe Steffen Mau mit seinem Werk „Triggerpunkte“, Politikwissenschaftlerin Sophie Pornschlegel (2. von rechts) mit „Am Ende der gewohnten Ordnung“ und Politikwissenschaftlerin Florence Gaub (links) mit „Zukunft“ tummelten, moderiert von Nina Brunner. Die AutorInnen unterhielten sich eindringlich über das Verständnis von Macht in der Politik, Gendersprache und darüber, den Menschen die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Für den ungeschulten Zuschauer wie mich eine intellektuelle Herausforderung.

„Modern heartbreak“, so der Titel des Buches von Laura Berling (links), hier im Gespräch mit Salwa Houmsi vom Kulturmagazin „Aspekte“ des ZDF, in das ich zufällig gestrandet war. Berling berichtete über romantische Liebe im Spannungsfeld von Sehnsucht, Geschlechterklischees und Online Dating. Und mit dem von ihr durchlebten Liebeskummer hielt sie auch nicht hinter dem Berg. Kurzweilig und ein Kontrastprogramm zu dem, was nun folgen sollte.

Auf dem Weg zur nächsten Veranstaltung kam ich an der großen Bühne draußen im Innenhof, der Agora, vorbei und hörte ein mir aus der Jugend bekanntes Kichern, Jodeln und Scherzeln. Und siehe da: Otto wurde aus der Versenkung wieder rekrutiert. Er erlebt zurzeit eine Renaissance dank seines Liedes Friesenjung, das die Künstler Joost und Ski Aggu neu ab- und aufgemischt haben. Das gab er dann auch zum Besten. Ich konnte von der Seitenlinie einen kurzen Blick auf Otto erhaschen, der sich zu meinem Erstaunen recht gut gehalten hat.
(PS: Am Abend konfrontierte ich unsere Tochter mit Ottos altbekanntem Sketch von der Milz, die mit der Leber im menschlichen Körper kommuniziert. „Lustig“ war ihr Kommentar).

Liebe LeserInnen, sagt euch die Abkürzung „DCM“ etwas? DCM steht für Deutsche Cosplaymeisterschaft, die während der Buchmesse in Frankfurt ausgetragen wurde. Nun, was ist denn um Himmels willen ein Cosplayer? Zitat Wikipedia: „Cosplay (japanisch コスプレ, kosupure) ist eine in Japan geprägte Fanpraxis, die in den 1990er Jahren mit dem Manga- und Animeboom auch in die USA und nach Europa kam. Beim Cosplay stellt der Teilnehmer eine Figur aus einem Manga, Anime, Film, Videospiel oder anderen Medien durch ein Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.“ Wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, und ich ließ mich bereitwillig von unserer Tochter, die zumindest eine vage Vorstellung davon hatte, was uns erwartete, in die Veranstaltungslokation geleiten. Der Halle, in der am Vorabend noch Salman Rushdie sein neues Buch präsentierte, und die nun von unzähligen verkleideten Menschen zur Partybude mutiert war.
Wir haben uns dann drei der 15 Menschen der Endausscheidung angesehen, die in beeindruckender Weise Szenen aus mir unbekannten Anime- Filmen nachgespielt haben. Leider mussten wir dann den Saal verlassen, da wir uns Veranstaltungen von einem ganz anderen Kaliber ausgesucht hatten.


Nahid Fallahi-Keshavarz las am Stand von Amnesty International aus ihrem Buch „Flüchtlingscafe“. Moderiert von Houman Amjadi von Amnesty berichtete sie von ihrer langjährigen Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe in Köln und schilderte eindringlich ihre Erfahrungen von der Konfrontation und Versöhnung unterschiedlicher Kulturen und Religionen in schwierigen Lebenssituationen. Beeindruckend. Ich blieb dann noch eine Weile am Stand, unterschrieb Briefe an diverse Regierungschefs und AußenministerInnen von Ländern, in denen Menschen zu Unrecht im Gefängnis sitzen. Eine wichtige Arbeit, die ich seit vielen Jahren verfolge und die durch Beharrlichkeit und Kompetenz vielfach zum Erfolg geführt hat.

In der Nähe dann eine Anti-Apartheid-Bank, die Norbert Biba geschaffen hat. Hintergrund war eine Volksabstimmung in der Schweiz im Jahre 2013, bei der es um ein restriktiveres Asylgesetz ging. Mehr Info dazu unter www.diebank.info

Die Themen Antisemitismus, Judenverfolgung und Konzentrationslager interessieren mich bereits seit vielen Jahren. So ging ich dann zum Gespräch des Verlegers Arne Houben mit der niederländischen Historikerin Aline Pennewaard, die sich in ihrem Werk „Kapo in Auschwitz“ mit der Biografie des jüdischen Schneiders Heinrich Bontscheck beschäftigt hat. Sie stellte eindrücklich dar, wie sich ein sehr friedlicher freundlicher Mensch in einem KZ unter den gegebenen unvorstellbaren Umständen völlig verwandeln kann. Menschen haben ihn nach 1945 in Australien wiedererkannt. Sie berichteten einerseits, dass er unmenschlich gehandelt habe, und andererseits sehr viele Menschenleben gerettet habe. Ein interessantes historisches Zeugnis.

Im Anschluss entspannte ich mich bei einem Gespräch zwischen der bereits oben erwähnten Salwa Houmsi mit dem bekannten Schauspieler und Harry-Potter-Hörbuchsprecher Rufus Beck. Beck las selbst nicht, berichtete aber von den Anfangsjahren und dem ersten Band, den er eingesprochen hatte. Marion hat bereits ihre Erfahrungen mit Beck geschildert. Interessant wurde es, als Houmsi am Ende des Interviews Beck auf die kritischen Äußerungen der Harry-Potter-Schöpferin J.K. Rowling bezüglich Transmenschen ansprach. Beck meinte dazu, dass er die Harry-Potter-Bücher vollständig von der Person Rowling trennen würde und im Übrigen zum Gespräch über Harry und die Bücher hier sei. Er verließ dann auch schnell die Bühne, ohne sich noch einmal von der Moderatorin zu verabschieden. Tja, auf dem falschen Fuß erwischt.

Mittlerweile war es bereits 15 Uhr und ich hatte Hunger. Dann also mal schnell ins Pressezentrum, das ich natürlich nicht betreten durfte. Aber eine kurze Nachricht an Marion, und sie brachte mir einen Apfel und einen Kaffee, Verpflegung, die eigentlich nur für Pressemenschen zur Verfügung gestellt wurde. Hat gut geschmeckt.
Nochmal eilte ich zur ARD- Bühne und kam in den Genuss des 5. Teils der Sheroes- Interviewreihe mit der Moderatorin Jagoda Marinic (Marion berichtete). Spannend und eindrücklich. Hier ein Foto aus meiner Perspektive:

Dann ging es für mich schnell zur Verkündigung des Jugendwortes 2023 auf dem Stand von Langenscheidt/Pons. Auf der Longlist standen 10 Worte/Begriffe, die in einem flotten Film präsentiert wurden. Die interessantesten will ich euch nicht vorenthalten:
Einer meiner Favoriten: Auf Lock = auf locker; die Dinge entspannt angehen.
Beispielsatz: Ich gehe mit ein paar Freunden raus auf lock!
Darf er so = Darf er das einfach so sagen? Ausdruck der Verwunderung, wenn etwas Provokantes gesagt oder getan wurde.
Beispielsatz: er hat sich einfach neben mich gesetzt – darf er so?
Rizz = Charisma; Fähigkeit einer Person zu flirten und verbal charmant zu sein.
Beispielsatz: Der hat mächtig Rizz.
Slay = Ausdruck der Zustimmung und Bewunderung
Beispielsatz: Dein Outfit sieht gut aus – slay!
Side Eye = skeptischer Blick, wenn man einer Person oder einer Situation kritisch gegenübersteht.
Beispielsatz: Bombastic Side Eye!
Der Sieger:
Goofy = tollpatschige, alberne Person oder Verhaltensweise, die andere amüsiert.
Beispielsatz: Er ist richtig Goofy.
(Ihr erinnert euch vielleicht, Goofy ist der lustige schusselige Hund aus der Donald Duck Reihe).
Präsentiert wurde der Sieger von dem Poetry Slammer Sebastian23 (auf dem Foto in der Mitte mit dem bunten Pulli), der alle Begriffe in einem tollen Slam von 2:30 Min zusammengefasst hat und mit dem Siegerwort endete. Eine großartige Performance. Das anschließende Gespräch mit SprachwissenschaftlerInnen und SprachhistorikerInnen war dann ein wenig ermüdend.

Und so zog ich weiter zum Stand der Bundesregierung, wo sich unsere Claudia Roth, ihres Zeichens Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, unter der Leitung des Moderators Florian Prokop mit der Schriftstellerin und Journalistin Valentina Vapaux unterhielt. Es ging um die Generation Z. Leider habe ich nur noch die letzten 5 Minuten des Gesprächs mitbekommen. Darin schilderte Vapaux (22), dass sie eine Gruppe Freundinnen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren habe und sie mit denen generationsübergreifend unterschiedlichste Themen bespreche. Nur eine Person um die 70 Jahre fehle ihr noch. Roth (68) bot sich als Gruppenmitglied an und wurde von Vapaux dankbar aufgenommen. Eine schöne Geste wie ich finde.

Und mit wem fand ich mich dann auf der Rolltreppe wieder? Seht selbst:

Ein schöner letzter Buchmessentag ging für mich und uns zu Ende. Marion und ich krönten den Tag mit einer landestypischen Leckerei im Slowenien-Pavillon. Voller anregender Gespräche erlebten wir gemeinsam mit unserer Tochter eine sehr kurzweilige Rückfahrt, auf der wir viele Gedanken und Erlebnisse teilten. Die Buchmesse ist für mich immer wieder ein intellektueller boost, der mich für die nächsten Wochen mit geistiger Nahrung versorgt und die Lust zum Lesen verstärkt. Das Buch von Tonio Schachinger „Echtzeitalter“ ist bereits zur Hälfte gelesen.
Meine KollegInnen in den Niederlanden beneideten mich gestern um diese Erfahrung mit den Worten: Sowas haben wir hier in Holland nicht. Wollen wir auch.
Tja, ich würde sagen: Deutsch lernen und hinfahren.
Und wie immer gilt: Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse.
Es grüßt euch der Gastschreiber
Jens

Am Morgen war es in den Hallen und in der Agora angenehm leer:

Der Buchmessen-Sonntag begann für mich so, wie es auf dem Schild hier zu lesen ist:

Meine erste Veranstaltung führte mich zu „Yoga mit Buch“. An diesem Stand bot die Yoga-Lehrerin Karina Goldberg Yoga-Übungen an. Ein angenehmer und schöner Start in den Messetag, denn Messetage sind bekanntlich lang und intensiv. Die Füße wurden trainiert, der Rücken gestärkt und das Herz geöffnet. Bei den Yogaübungen Bücher einzubeziehen, gefiel mir richtig gut.

So gestärkt ging es dann weiter für mich zur Literaturbühne. Dort erlebte ich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Claudia Schick zu seinem Buch „Elternabend“. Auf dem Buchcover steht weiterhin: „Kein Thriller (Auch wenn der Titel nach Horror klingt)“.
Sebastian Fitzek sagte: „Ich liebe Elternabende, weil ich liebe ja verhaltensauffällige Menschen und skurrile Situationen.“ Er meinte, es seien die Eltern, die dafür sorgen, dass ein Elternabend aus dem Ruder laufe, nicht die Erzieher*innen oder Pädagog*innen.
Er erzählte von einer Szene, die er bei einem Elternabend im Kindergarten erlebte: Die Eltern sollten sich über das Spiel „Stopptanz“ vorstellen. Wenn die Musik stoppte, sollten sie dem Gegenüber den eigenen Namen nennen. Ein Vater meinte dazu: „Nee, wir sind doch hier nicht im Kindergarten!“ Doch, genau da war er gerade.
Ein weiterer seiner Sätze, den ich aufhebenswert fand: „Die Quelle des Humors ist der Kummer, den man verarbeitet.“
Für sein erstes Buch hat er übrigens 15 Verlage angeschrieben, es kamen 12 Absagen, drei haben sich bis heute nicht gemeldet, so erzählte dieser bekannte Bestsellerautor.
Auf die Frage, ob er Alpträume habe, sagte er: „Nein, die Realität macht mir Angst.“
Er könne ruhig schlafen, andere, die seine Thriller lesen, womöglich nicht mehr „und damit verdiene er sogar noch Geld.“
Es war ein schönes und humorvolles Gespräch.
In ein paar Tagen kommt sein neues Buch raus, „Die Einladung“, diesmal wieder ein Psychothriller.

Dieses schöne Zeichenmaschine nennt sich „IMMUMAT- der Illustrationsautomat“. Eine Maschine, die Wünsche erfüllt und jährlich hier zu finden ist. Der ILLUMAT wandelt eigene Wünsche in Bilder um und schenkt damit eine feine Freude. Er war sehr beliebt und meist sah ich beim Vorbeigehen dort eine lange Schlange.


Schön, dass an den Ständen Raum und Muße zum Stöbern und Lesen ist. So wie diese Leserin am Katapult-Verlag:

In den Frankfurt-Studios besuchte ich die Veranstaltung „Über die Macht von Utopien und wie wir unsere Welt noch retten können“. Dort erlebte ich den Schweizer Zukunftsforscher und Autor Joël Luc Cachelin (“Veganomics. Die vegane Revolution und ihre Zukunftsmärkte“) sowie die Autorin Theresa Hannig („Pantopia“).
Die beiden waren im Gespräch mit der Moderatorin Susanne Henn über Visionen und Ideen für eine nachhaltige gerechte Zukunft.
„Können Utopien die Welt verbessern oder sind es nur Utopien“, fragte die Moderatorin. Joël Luc Cachelin meinte, theoretisch sei alles möglich, was er in seinem Buch beschreibe und er glaube, dass unser Weg dorthin gehe.
Theresa Hannig versteht ihren Roman als Anregung zum Gedankenaustausch und wünscht sich, dass wir sagen: „Lass und mal positiv in die Zukunft schauen.“
„Wir haben genug Dystopien, was und fehlt ist ein Gedankenrepertoire, dass es gut gehen kann“, so Theresa Hannig.
Joël Luc Cachelin meinte, wir sollten uns die Frage stellen „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“ und wir können „Die Zukunft mitgestalten, auf die wir Lust haben“. „Eigentlich wissen wir alle wie es geht und wie es um diesen Planeten steht, es geht nur um den politischen Willen und die eigene Trägheit. Das Wissen ist da, die Technologien und die Fakten sind da. Doch Fakten ändern unser Leben nicht. Es gibt Lösungen“, so Theresa Hannig und sie setzte bei uns an: „Wo möchte ich konkret ansetzen, um die Welt besser zu machen?“
„Eine Utopie ist kein Zustand, eine Utopie ist immer ein Weg und wir müssen da täglich dran arbeiten, dann wird es was. Wenn wir nicht daran arbeiten, dann wird es sicher nichts. Wenn wir es versuchen, dann haben wir es wenigstens versucht“, so Theresa Hannig.
Ein Gespräch, das mich sehr ansprach.

Ursula Poznanski, von ihr kennen viele sicherlich die Erebos-Bücher, las aus ihrem neuen Jugendthriller „Oracel“ vor:

Ihr seht, es war gut besucht:

Ab Freitag dürfen die Bücher auf der Buchmesse verkauft werden und wie schön, lesefreudige Menschen decken sich mit Büchern ein:

Eine lange Menschenschlange stand nun vor dem Frankfurt Pavillon, da viele bei der Veranstaltung “Back to Hogwarts – 25 Jahre Harry Potter in Deutschland mit Rufus Beck“ den Schauspieler und Hörspielsprecher Rufus Beck erleben wollten. Einige kamen erst hinein, wenn andere hinausgingen.
Dem Presseausweis sei Dank, dass ich mich nicht einzureihen brauchte.
Der Moderator Tobias Goldfarb begrüßte Rufus Beck: „Harry Potter ist eine Legende, du aber auch.“

Als Harry Potter verlegt wurde, so Rufus Beck, war der Hörspielmarkt klein, dass das Hörspiel solche Ausmaße annahm, war „ein kosmisches Ereignis.“
Er erzählte von seinen 25 Jahren mit Harry Potter und sagte, er habe beim Sprechen nie an das Ergebnis gedacht, sondern an das, was er fühle.
„Du hast große Parallelen mit Harry Potter, ihr könnt beide zaubern, Harry mit seinem Zauberstab, du mit deiner Stimme“, so der Moderator. Und dann konnten wir live erleben, wie Rufus Beck Passagen aus Harry Potter vortrug.
Das war ein aktives Hörspiel, er spielte mit seiner Stimme, die er beeindruckend variieren kann und mit Einsatz seines ganzen Körpers.
Die Freude vom Zuhören lag im Raum und in den Gesichtern:

Sicherlich ist es immer wieder schön, wenn er nach Veranstaltungen in lachende Gesichter schaut:

Hier seht ihr den Illustrator Eduardo Lima, die Illustratorin Miraphora Mina neben dem Moderator Tobias Goldfarb. Die beiden sind seit über zwanzig Jahren für die Harry-Potter-Welt tätig und gestalten das grafische Universum der Harry-Potter-Serien mit. Ausgehend von ihren Arbeiten zu den Filmen haben sie nun die ersten drei Harry-Potter-Bände neu designed und illustriert:

Im Vorbeigehen sah ich Motsi Mabuse auf der Open Stage:

Leider habe ich diese Veranstaltung “Phoenix Talk mit Ahmad Monsour / Denken mit Kinnert und Welzer“ nur in Teilen erlebt. Da es eine Podcastaufzeichnung ist, besteht die Möglichkeit, es nachzuhören:

Die diesjährig letzte Veranstaltung der Reihe “SHEROES Streiterinnen für die Zukunft“ fand zu dem Thema “Wir – widerständig und demokratisch?“ statt.
Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Lea Bonasera, die Mitgründerin der Letzten Generation (“Die Zeit für Mut ist jetzt! Wie uns ziviler Widerstand aus Krisen führt“) und Jasmin M`Barek, der Zeit-Journalistin (“Protest. Über Wirksamkeit und Risiken des zivilen Ungehorsams“).
Durch den Klimaaktivismus ist Protest in unserer Gesellschaft so präsent wie lange nicht mehr. Es wurde darüber diskutiert, welche Formen es gibt und was zum Ziel führt.

Lea Bonasera sagte, dass die Letzte Generation diese Protestform wählt, da viele Menschen Veränderungen in unserer Gesellschaft wollen, die sich auf die Fakten der Wissenschaft gründen und sie mit ihren Protesten diese Umsetzungen beschleunigen wollen, da die Politik nicht reagiere oder nicht schnell genug reagiere.
Sie machte noch einmal deutlich, dass, wenn sie Gemälde in Museen mit Farbe bewerfen, dies so gewählt wird, dass die Farbe abgehe und dass eine Glasscheibe vor dem Kunstwerk ist, was in den Medien oft nicht beschrieben wird.
„Allen Menschen im demokratischen Spektrum emphatisch zuhören“ ist ein wichtiger Schlüssel, so Jasmin M`Barek.
„Ziviler Widerstand hätte sich nicht als Mittel so entwickeln können, wären es nicht gerade für unterrepräsentierte Gruppen wie zum Beispiel Frauen oder LGBTIQ so bedeutsam gewesen und uns das bewusst zu machen und zu denken, wir sind viel stärker als wir denken“, ist Lea Bonasera bedeutsam.
Es war eine Diskussion auf einem wertschätzenden Niveau. Wie sehr wünsche ich mir das auch für die breite Gesellschaft.
Auch hier waren viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer aller Altersstufen vertreten:

Ein Teil des Gesprächs zwischen dem Musiker Max Mutzke und Bärbel Schäfer konnte ich hören. Er, der vierfacher Vater ist, hat das Kinderbuch „Komm mit ins Paradies der Träumer“ geschrieben, sein Vatersein hatte hierauf Einfluss.

Noch einmal ging ich ins Pressezentrum, in dem ich diesen Bericht weiterschrieb. Oft saß ich mit anderen Pressevertreter*innen hier und wir schrieben von dem, was wir hier erlebten. Immer wunderbar versorgt mit Ruhe, Kaffee, Tee, Wasser, Äpfeln und freundlichen Mitarbeitenden. Dank an euch an dieser Stelle!
Euer Taschentuch-Turm mit dem lesenden Zwerg ist auch erwähnenswert:

Zum Abschluss ging es für mich in den Ehrengast Pavillon Slowenien zur „GastRollen-Übergabe Ehrengast 23 Slowenien – Ehrengast 2024 Italien“.
Die ist die feierliche Abschlussveranstaltung des aktuellen Ehrengastauftritts und jedes Jahr wird die „GastRolle“ – ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt – um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht.
Gerne zeige ich euch diese „GastRolle“. Ich finde den Gedanken schön, dass dort bereits viele lyrische Zitate wohnen:

Shila Bejhat, die diese Veranstaltung moderierte, führte ein literarisches Gespräch mit dem slowenischen Autor Dušan Jelinčič:

Er hat u.a. den Roman “Sternklare Nächte im Karakorum“ geschrieben, in dem es um Bergsteigen geht.
„Das Ziel ist nicht, den Gipfel zu erklimmen, sondern das Beste im Tal zu entdecken“, sagte Dušan Jelinčič.
Die italienische Autorin Ilaria Tutti schenkte eine Videobotschaft, da sie nicht anwesend sein konnte. Weitere Persönlichkeiten nahmen an dieser Zeremonie teil, darunter Katja Stergar, Direktorin der Slowenischen Buchagentur, und Mauro Mazza, Vertreter der italienischen Regierung.
Katja Stergar sagte: „Wir freuen uns sehr, die slowenische Kultur dem deutschsprachigen und internationalen Publikum mit einem solch umfangreichen Programm in Frankfurt präsentiert zu haben. Die Teilnahme am Ehrengastprojekt war wie eine Achterbahnfahrt mit allen Höhen und Tiefen. Aber man ist nie allein, es gibt immer eine helfende Hand, ein Wort der Ermutigung und ein Lächeln von jemandem, der einen unterstützt. Der Ehrengast-Pavillon und die Veranstaltungen mit allen beteiligten Autor*innen auf und außerhalb der Messe stießen auf sehr großes Interesse. Ich freue mich heute, die GastRolle an unser Nachbarland Italien zu übergeben, denn ich weiß, dass unsere Geschichte dank der slowenischen Minderheit in Italien im nächsten Jahr weitergeschrieben wird.”
Juergen Boos, der der Frankfurter Buchmesse verabschiedete sich von Katja Storgar und damit Slowenien als Gastland. Es war zu spüren, wie sehr er dieses Gastland mochte und all das, was es geschenkt hat:

Nun wurde also Slowenien als Gastland 2023 verabschiedet, Italien als Gastland 2024 begrüßt und Katja Stergar überreichte Mauro Mazza die GastRolle:

Mauro Mazza sagte zur GastRollen-Übergabe von Slowenien an Italien: „Zwischen unseren beiden Ländern besteht eine geografische Nähe, die auch eine kulturelle Nähe ist, selbst in der Schönheit ihrer jeweiligen Vielfalt. Diese Veranstaltung bot uns die Gelegenheit, den Wert der Nähe im Namen der Literatur zu feiern.“
Zum Abschluss dieser Zeremonie spielte die italienische Violinistin Francesca Dego und bereicherte mit wundervollen Klängen:

Sicherlich waren nun alle Gefühle bei dem slowenischen Gastland vorhanden, Traurigkeit, das alles vorbei ist, doch auch Freude über all das Erlebte. Diese Freude ist auf einem der Abschlussfotos sichtbar:

Damit ging die 75. Frankfurter Buchmesse zu Ende.
Ein paar Zahlen teile ich mit euch:
215.000 Besucher*innen waren dabei. Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) erlebte die Frankfurter Buchmesse nach den Coronajahren einen deutlicher Wachstumsschub. An den Publikumstagen Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022.
Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen.
Mehr als 7.000 Medienvertreter*innen berichteten über die gut 2.600 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen.
Ich habe nicht alles sehen können, was es Großartiges zu erleben gab und meine persönlichen Berichte zeigen euch einen Ausschnitt dieser großen Buchmesse.
Ich bin erfüllt und inspiriert und dankbar über all das, was ich erleben konnte. Und das war eine wunderbare Fülle.
Die Themen der Zeit fanden hier Raum. Es gab viele schöne Begegnungen. Es gab Austausch. Und es gab jede Menge spürbare Bücherliebe.
Was ich in diesem Jahr besonders mitnehme, ist die oftmals geäußerte Aussage, dass wir mehr Utopien brauchen, dass es Hoffnung gibt und dass die Literatur hierbei eine Rolle spielt.
Wir alle gestalten diese Welt mit. Es liegt nicht alles in unseren Händen, doch auch wir haben Hände, Füße und Herz und sind auch die, die Geschichte mitschreiben.

So grüße ich euch sehr erfüllt, mit vielen Eindrücken und soooooo viel Bücherliebe,
Marion
Am Abend fand einer der Höhepunkte der Buchmessetage statt: die Literaturgala. Thea Dorn („Das Literarische Quartett“) und Denis Scheck („Druckfrisch“) moderierten den Abend.

Der preisgekrönte britisch-indische Schriftsteller Sir Salman Rushdie war an diesem Abend zu erleben. Er wird am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023 ausgezeichnet. Der Besuch der Literaturgala ist sein einziger öffentlicher Auftritt bei der Buchmesse. Seit dem Angriff auf seine Person im Sommer 2022 hat Salman Rushdie nur wenige öffentliche Auftritte wahrgenommen. Es war spürbar, wie bewegt das Publikum über seinen Auftritt war.
In seinem Buch „Victory City“, ein epischer Roman über Macht und Liebe, geht es darum, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Salam Rushdie hat kürzlich in einem Interview zur 75. Frankfurter Buchmesse die Bedeutung der Buchmesse als Ort des demokratischen Austauschs beschrieben, was ich gerne hier teile: „Die Frankfurter Buchmesse ist eines der wichtigsten kulturellen Foren in der westlichen Welt. […] Ihr Einfluss besteht gerade in dem freien Austausch von Ideen zwischen vielen Kulturen durch Bücher. Ein solcher Austausch ist für den sozialen Wandel und die Demokratie unerlässlich.“
Auf die Frage, wie er – nach der Attacke auf sein Leben im letzten Jahr – mit Angst umgehe, antwortete er, er sei mit der Angst nicht erst konfrontiert seit dem letzten Jahr, sondern er kenne diesen Zustand seit über 30 Jahren. Man könne mit der Angst nur so umgehen, dass man sie in ein kleines Kästchen verschließe und in der Ecke eines Zimmers stelle und sich den Sorgen und Nöten des Tages zuwende und diesen Tag dann genießen könne, anders würde es nicht gehen.
Auch sagte er: „Literatur kann Probleme nicht lösen, doch sie kann sie darstellen und beleuchten.“
Die Funktion von Literatur, so Salam Rushdie, sei in Friedens- wie in Kriegszeiten dieselbe, „es gehe darum, Schönheit in die Welt zu bringen, Schönheit zu erzeugen, Freude zu spenden.“


Thomas Hettche sprach zu seinem Buch „Sinkende Sterne“, das bereits gestern in meinem Bericht auftauchte.
„Literatur ist keine Antwort, es ist eine Frage.“, so Thomas Hettche.
Herrlich amüsant sind Versprecher, wie ich finde, so sagte Thomas Hettche, in dessen Roman auch Rilke auftaucht, er sei im Grab von Rilke gewesen. Gut, dass Thea Dorn nachfragte, denn natürlich war Thomas Hettche am und nicht im Grab von Rilke. Zum Glück, sonst könnten wir dieses Buch nun nicht lesen.

Erneut konnte ich Cornelia Funke erleben, die ihr Buch “Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ wie auch ihre anderen Bücher nicht nur geschrieben, sondern auch illustriert hat. Wieder hörte ich ihrer zauberhaften Art und ihren feinsinnigen Gedanken gerne zu.
Als Kind hat sie Bibliotheken kennengelernt und entdeckt, dass es dort flüsternde Bücher gebe, die viele Fenster und Türen hätten.
Denis Scheck bezeichnete sie während des Gesprächs als „Literarische Herbergsmutter“, da sie jungen Künstler*innen auf ihrem toskanischen Gutshof Unterkunft bietet und ihnen Arbeitsräume zur Verfügung stellt. Sie erzählte, dass sie das Zusammenkommen mit den Autor*innen, Illustrator*innen und Musiker*innen sehr möge. „Ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen“, so Cornelia Funke.
Zum Thema Rache sagte sie: „Rache verneint alle Farben des Lebens.“
Auf die Frage wie das Böse in die Welt komme, sagte sie:
„Ich glaube und ich hoffe, da bin ich nicht zu optimistisch, dass all das, was Böse in uns wird oder zerstören und verletzen möchte, etwas Verletztes in uns ist. Etwas, das zerbrochen ist und dass, wenn wir heil sind und wenn wir uns auf die anderen, auf die Welt, auf die Schönheit und auf das Licht der Welt einlassen, diese zerbrochenen Dinge heilen können und wir das Böse dadurch beherrschen und verdrängen können.“ Und ganz leise und zart fügte sie hinzu „Vielleicht irre mich da auch.“
Ich hoffe, sie irrt sich nicht.

Der Historiker Sir Christopher Clark sprach zu seinem Sachbuch „Frühling der Revolution. Europa 1848/49 und der Kampf für eine neue Welt“. Neben Romanen und Kinderbüchern gibt es natürlich eine Menge Sachbücher auf der Buchmesse und wie wichtig, dass auch eines auf dieser Gala Raum findet.
Christopher Clark sagte: „Es war die weiblichste Revolution der Gesichte, die Frauen waren da überall vorhanden.“
Danach hätten die Männer leider wieder die Macht übernommen und die Frauen hätten nicht in die „Motorräume“ gedurft, die sie in Schwung gebracht hätten, doch sie waren bedeutsame Zeitzeuginnen und schrieben darüber.

Auch auf dieser Literaturgala war deutlich, wie bei der gesamten Buchmesse, dass es neben den aktuellen Büchern der Schriftsteller*innen auch um die großen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit und um die Herausforderungen für die Zukunft geht.
So kam nun der im Exil lebende iranische Schriftsteller Amir Gudarzi auf die Bühne.
Amir Gudarzi hat mit seinem Buch „Das Ende ist nah“ einen Roman über Fremdheit und Außenseitertum, über Mut, die Macht der Sprache und Liebe geschrieben. Das Buch schenkt einen Einblick in das, was Menschen auf sich nehmen, wenn sie flüchten.
Er sprach darüber, wie er die Freiheitsbewegung im Iran vor zwanzig Jahren und heute erlebe.
Er habe strukturelle Gewalt vom Regime und auch strukturelle Gewalt als Asylsuchender erlebt.
Ein Mensch mit einer bewegten Geschichte.

Als er die Bühne verließ und Lizzie Doron, die israelische Schriftstellerin und Friedensaktivistin, auf die Bühne kam, umarmten die beiden sich.
Thea Dorn: „Das geht wahrscheinlich nur auf der Buchmesse, dass sich ein iranischer Exilautor und eine israelische Autorin umarmen.“
Lizzie Doron erzählte bewegt davon, dass sie bis aufs Mark erschüttert sei über den Angriffskrieg der Hamas auf Israel.
Sie hielt ein Bild hoch von den von den Hamas entführten Kindern.
Lizzie Doron sprach viel über die Situation in Israel. Sie wurde als Friedensaktivistin befragt und auch als Autorin. So wurde auch über ihr Buch „Nur nicht zu den Löwen“ erzählt.
Auf die Frage „Ist there any hope?“ sagte sie: „I can`t stop dreaming of peace“ und wir sollten nicht aufhören, uns dafür einzusetzen.

Der Abend wurde beendet „mit der Kraft und der Klugheit der Literatur“, indem Thea Dorn und Denis Scheck beide Passagen aus Büchern vorlasen, die zu der aktuellen Situation passen.
So las Thea Dorn eine Passage von Heinrich Mann vor und Denis Scheck eine Passage aus dem Buch von Richard Ford „Valentinstag“, in dem es um die Bedeutung der Literatur geht.
Es war inmitten all der aktuellen Situation, die viel Raum in den Gesprächen fand, ein Fest der Literatur.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion
P.S.: Morgen berichte ich euch von meinem letzten Tag auf der Buchmesse, dem Buchmessensonntag.

Meine erste Veranstaltung führte mich erneut zum Gastland-Pavillon und der Honey Hour mit Barbara Korun. Imkerei und Dichtkunst, beides spielt in Slowenien eine große Rolle und so wird in den morgendlichen Veranstaltungen dazu eingeladen, dass Süßigkeiten mit den Versen verschmilzen. Diese Honey Hour fand an jedem Morgen mit anderen slowenischen Dichter*innen statt. Heute las Barbara Korun eigene Gedichte vor und einige Gedichte anderer slowenischer Dichterinnen.
Ich fand es wunderbar, den Messetag so geruhsam und poetisch zu beginnen.
Auf dem Bild seht ihr den Moderator Matthias Göritz, die Autorin Barbara Korun – sie las ihre Gedichte nicht nur vor, sie ließ sie uns spüren dank ihrer Gestik und Mimik – und die Moderatorin Amalija Macek:

Die nächste Veranstaltung „Atemprotokolle“, die ebenso im Ehrengast Pavillon Slowenien stattfand, schenkte Wort- und Musikklänge. Der Autor Aleš Šteger trug Gedichte aus seinem Buch „Atemprotokolle“ vor. Seine Verse verbanden sich mit den Tönen des Akkordeonspieler Jure Tori. Was eine wunderbare musikalisch literarische Performance. Ich dachte beim Zuschauen, allein deshalb hätte es sich schon gelohnt, diese Buchmesse zu besuchen und nach Frankfurt zu reisen.
Aleš Šteger zeigte sich als ein Meister der Performance und in beeindruckender Weise spielten Musik und Worte miteinander.



Ich weiß, das Wort „berührend“ habe ich bei meinen diesjährigen Messeberichten bereits mehrmals verwendet, doch ich kann nicht anders, als es wiederholt so zu beschreiben, denn ich war zutiefst berührt von dieser Performance und den Texten.
Der Slowenien Pavillon an diesem Samstag:

Der slowenische Büchertisch vor dem Ehrengast-Pavillon. Schön, dass viele Menschen sicherlich neue slowenische Autorinnen und Autoren entdeckt haben:

Draußen am Amnesty International Stand:

In der ruhigen Umgebung des Pressezentrums schrieb ich meinen gestrigen Bericht zu Ende und staunte beim Gang dorthin über die vollen Hallen. Am Messesamstag (die Fachbesuchertage sind seit gestern beendet und seit Freitag Mittag ist es eine Publikumsmesse) ist die Buchmesse immer gut gefüllt, doch dieses Jahr erlebe ich sie noch um einiges gefüllter als sonst. Die Buchbranche wird es freuen.
Eine Frau, mit der ich ins Gespräch kam, meinte so schön: „Ich sehe so viele junge Menschen, so viele junge Menschen, die buchbegeistert sind.“
Ja, das ist großartig. Wenn ich hier bin, denke und fühle ich immer wieder, das Buch lebt und wird geliebt.
Mein Blick vom ruhigen Pressezentrum aus auf die volle Agora:

Als ich später wieder hinausging entdeckte ich eine endlos wirkende Schlange. Weshalb standen diese vielen Menschen an? Signierstunde mit Sebastian Fitzek, wie immer hier sehr beliebt, wie ihr seht:

Ich freue mich immer, wenn ich lesefreudige Menschen sehe. Hier direkt eine ganze lesefreudige Familie, die neue Buchschätze erworben hat:

An dieser Stelle Danke allen Menschen, die mir so freundlich und vertrauensvoll ihre Erlaubnis gaben und geben, dass ich sie für diesen Blog und meine Berichterstattung fotografieren darf.
Auch heute wieder freute ich mich über lesende Menschen inmitten all des Trubels. Auch diese drei Leseratten fanden ein ruhiges Leseplätzchen und konnten in neue Lieblingsbücher eintauchen:

Marc-Uwe Kling, den viele sicherlich von den Känguru-Chroniken kennen, las aus seinem Roman „Der Spurenfinder“, eine Fantasy-Krimi-Komödie:

Viele lauschten seinen Worten:

Die“75 Stühle – 75 Geschichten“ im Sonnenschein der Agora:

Beliebt war auch Guido Maria Kretschmer, wie ihr seht:

Wie jedes Jahr gilt, dass ich viele tolle Buchvorstellungen nicht besuchen kann und viele lohnenswerte Diskussionsrunden verpasse.
Hier erlebte ich etwa nur das Ende, aus der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft / Wir – angekommen und integriert?“ Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Isabel Schayani („Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“) und Sineb el Masar („Sind wir nicht alle ein bisschen Almand?“), warum wir keine Identitätskrisen brauchen.

Äußerst beliebt war auch Otto Waalkes auf der Literaturbühne. Bärbel Schäfer sprach mit ihm über sein Buch „Ganz große Kunst – 75 Meisterwärke“.

Menschen meiner Generation sind mit dem Komiker Otto aufgewachsen. Was viele vermutlich wie ich nicht wussten, dass Otto acht Semester Kunst studiert hat. Otto hat sich nun an Meisterwerken aus der Kunst angelehnt und diese in seiner Art gezeichnet, mit dabei der Ottifant, der nach seinen humorvollen Worten bisher in der Kunst vernachlässigt wurde. So hat er 75 neue „Meisterwärke“ erschaffen, zu den 75 Bildern gibt es Begleittexte, natürlich mit viel Humor.
Otto sagte, sein Buch verstehe man auch, wenn man die Originale, die er parodiert, nicht kenne.
„Die Parodie ist die aufrichtigste Form der Bewunderung“, so Otto.
Während des Gesprächs tauchte auch auf, dass der Literaturkritiker Denis Scheck Otto als einen „Kunsträuber im liebevollen Sinne“ bezeichnet habe.
Auch für Bärbel Schäfer zeichnete er einen seiner berühmten Ottifanten:

Nach der Veranstaltung sagte Otto spontan, er zeichne auch für die Zuhörenden Ottifanten und es wurde lebhaft, wie ihr seht:

Wieder im Innenhof auf der Open Stage erlebte ich „Zeichenkunst und intelligenter Humor: Fix, @kriegundfreitag und meta bene“. Die drei Künstler waren im Gespräch über ihre Werke, ihre Herangehensweisen und Inspiration, über ihre Leidenschaft für das Zeichnen, ihre Bücher und über ihre unterschiedlichen Stile:

Am Abend ging es für uns zur Frankfurter Buchmesse Spezial- der Literaturgala. (Karin und Christiane, die ihr hier mitlest, dabei denke ich immer an euch, erlebten wir die Literaturgala doch hier vor einigen Jahren gemeinsam).
Von der Literaturgala berichte ich euch demnächst.
Aus Frankfurt grüße ich euch,
mit viel Dankbarkeit über all diese Eindrücke in mir,
Marion

Am gestrigen Abend besuchten wir die lange ARD-Radiokulturnacht im hr-Sendesaal.
Die Moderatorin Catherine Mundt und Moderator Christoph Schröder führten durch den Abend.
Vorweg sagten sie, es werde ein breites Angebot an Büchern vorgestellt, die sowohl zum Nachdenken als auch schon mal zum Lachen anregen würden.
Im ausgebuchten und schönen Saal saßen die Menschen an den Tischen und hörten in dieser entspannten Atmosphäre den vielfältigen Buchvorstellungen zu.
Rafik Schami, der das Buch „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ geschrieben hat, ist ein wunderbarer Erzähler. Mit seinem Buch entführt er die Leserinnen und Leser auf den Hof des Königs Salih und in eine Welt von 1001 Nacht.
Es ist immer eine große Freude, Rafik Schami im Gespräch zu erleben.
„Das Erzählen kann, wenn es gut geht, aus einer Sackgasse eine Kreuzung machen“, war einer seiner schönen Sätze.

Angelika Küssendorf folgte als nächstes im Gespräch zu ihrem Buch „Risse“.
Dieser Erzählband ist die Vorgeschichte zu ihrem vor zwanzig Jahren erschienenen Erfolgsroman „Das Mädchen“. In zehn Geschichten beschreibt Angelika Küssendorf über ein Kinderleben in der DDR in den 60er und 70er Jahren, das geprägt war von Geborgenheit und Sehnsucht.

Der Friedenspreisträger Navid Kermani sprach zu seinem Buch „Das Alphabet bis S“.
In diesem Buch verknüpft er die Grundfragen unserer Existenz, Geschlecht, Krieg und Vergänglichkeit mit Alltäglichem. Vorweg las ich, dass sein Buch sowohl ein Roman, Journal, Essay und Meditation gleichzeitig sei.
In dem Gespräch verraten so manche Autoren und Autorinnen auch private Dinge, so sagte Navid Kermani, dass er sein Smartphone morgens in den Briefkasten lege und es erst am Abend wieder hervorhole.

Die Journalistin Isabel Schayani berichtet in ihrem Buch „ Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“ über Flüchtlingsschicksale.
Bei ihren Reportagen kommt sie den Menschen sehr nah und man habe das Gefühl, so die Moderatorin Catherine Mundt, „dass wir in die Seele der Menschen blicken“.
Isabel Schayani plädiert dafür, dass wir in den Debatten um Obergrenzen und ähnlichem nie vergessen dürften, dass wir über Menschen reden.

Thomas Hettche sprach zu seinem Buch „Sinkende Sterne“.
In dem Buch malt er die fantastischen Folgen einer Naturkatastrophe in den Schweizer Bergen aus. Sein Buch kreist um die Fragen, welcher Trost im Erzählen liegt und was es in den Umbrüchen unserer Zeit zu bewahren gibt.
„Schönheit der Natur ist Thema des Buches, Schönheit des Menschen ist Thema und Schönheit eines Textes ist Thema im Buch“, so Thomas Hettche.

Zwischen den Buchvorstellungen gab es immer wieder musikalische Einlagen vom Felix Fromm 4tet und wir genossen die Klänge:

Ronja von Rönne sprach zu ihrem Sachbuch „Trotz“.
In diesem persönlichen Buch beschäftigt sie sich mit dem Trotz und befreit ihn von seinen Vorurteilen. Sie beschreibt ihn von beiden Seiten und durchleuchtet nicht nur ihren eigenen Trotz, sondern auch den der anderen. Im Trotz zeige sich auch der positive Widerstand.
Sie möchte mit dem Buch dazu einladen, dass wir genauer hinschauen.

Während des Abends las Elke Heidenreich immer wieder Auszüge aus ihrem Buch „Frau Dr. Moormann und ich“ vor. Ein Buch, in dem es um eine nachbarschaftliche sogenannte Hassliebe geht. Herrlich humorvoll geschrieben und vorgetragen und so ertönte viel Lachen im Saal.

Die slowenische Gastlandautorin Maja Haderlap stellte ihr Buch „Nachtfrauen“ vor. In ihrem neuen Roman erzählt sie aus dem Leben dreier Generationen von Frauen, von ihren Verstrickungen in aufgezwungene und verinnerlichte Leitbilder und von ihrem Ringen um Autonomie.

Dana Vowinckel sprach zu ihrem Debütroman „Gewässer im Ziplock“.
Das Buch handelt von dem Leben einer jüdischen Patchworkfamilie. Es geht um einen Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem sowie um Lügen, Glücksmomente, Enttäuschungen, Zuneigung und Schmerz.
Dana Vowinckel hat das Buch geschrieben, bevor die Hamas Israel angegriffen haben. Sie sprach in offener Art davon, was die aktuelle Situation in ihr bewege, auch im Zusammenhang mit ihrem Buch.

Und immer wieder gebanntes Zuhören in diesem Saal:

Nun erlebten wir die Büchnerpreisträgerin Terézia Mora mit ihrem Buch „Muna oder Die Hälfte des Lebens“, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
In ihrem Roman schreibt sie, was geschieht, wenn man ein Leben führt, das man in Abhängigkeit von anderen führt. Es geht um die Beziehung zwischen Muna und Magnus. Im Laufe der Jahre nehmen Ungerechtigkeit und Gewalt zu, dennoch ist Muna nicht gewillt aufzugeben.

Tonio Schachinger, der diesjährige Gewinner des Deutschen Buchpreises war auch an diesem großen Bücherabend zu erleben.
Wie immer erfuhren die Zuhörenden viel Interessantes. So auch dieses Detail, dass er für sein vorheriges Buch ein Jahr gebraucht habe, bis er einen Verlag fand.
Und nun ist sein aktuelles Buch als das beste diesjährige Buch Deutschlands ausgezeichnet.

Jörg Maurer hörten wir nun zu seinem Krimi „Kommissar Jennerwein darf nicht sterben“. Über die Beziehung des Kommissars zu seiner Frau, mit der er ein Jahr verheiratet ist, sagte er: „Die haben sich nicht mehr viel zu sagen, die nicken nur.“ Dieses Buch ist der 15. Band dieser Krimireihe.

Steffen Kopetzky zu seinem Buch „Damenopfer“, darin erzählt er über ein weibliches Kapitel sowjetischer Geschichte:

Ilija Trojanow neuer und utopischer Roman heißt „Tausend und ein Morgen“.
Er beschriebt ihn so: „Der Roman ist ein spielerischen Umgang mit der Zukunft.“
Es ist ein Roman, der in sinnlichen Bildern und Geschichten von der unerschöpflichen Kraft unseres Denkens erzählt.
Er sagte weiterhin zu seinem Buch, es sei ein „Roman, der glaubt, dass es eine Zukunft und eine Hoffnung gibt.“ Es sei das „Öffnen eines Fensters in die Vielfalt der Möglichkeiten.“

Der bekannte Meteorologe Sven Plöger äußerte sich mit guten klaren Worten zur Klimakrise. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Zieht euch warm an, es wird noch heißer! Können wir den Klimawandel noch beherrschen?“ Mit Extrakapiteln zu Wasserstoff und Kernfusion taucht im Untertitel auf.
Zu später Stunde erzählt er anschaulich von unserer momentanen Situation.
„Wir haben kein Wissensproblem, wir haben ein Handlungsproblem“, so Sven Plöger und ich wünsche mir, dass viele Menschen ihm und seinem Buch zuhören.

Eine vielseitige Büchernacht ging zu Ende.
Ja, wie die beiden Moderator*innen zu Beginn sagten, es war ein breites Angebot an Büchern, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen anregten, definitiv.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Auch wenn ich selbst keine oder noch keine Großmutter bin, hörte ich Margot Käßmann im Gespräch mit der Moderatorin Katty Salié zu ihrem aktuellen Buch „Kostbare Zeit. Das Buch für Großeltern“. Einfühlsam schreibt Margot Käßmann über Themen und Fragen, die Großeltern bewegen.
An Großeltern gewandt sagte sie: „Genießt und freut euch dran, man muss nicht immer auf der AIDA rumfahren.“

Der slowenische Autor Goran Vojnovic sprach zu seinem Buch „18 Kilometer bis Ljubljana“ mit der Moderatorin Ariane Binder. Vorweg las ich über den Roman, dass es einer sei, „in dem sich Lachen und Tränen mischen.“ Goran Vojnovic sprach über die Traumata und die Folgen eines Krieges, die auch nach Beendigung eines Krieges noch da seien. Das erleben auch die Personen in dem Buch.

Neben den guten Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Lesungen und Ständen gibt es – wie könnte es auf einer Buchmesse anders sein – lesende Menschen:

Michael Friedmann („Schlaraffenland abgebrannt. Von der Angst vor einer neuen Zeit“) gehört für mich zu einem klaren Denker und Redner. Das wurde auch hier wieder deutlich mit wichtigen Gedanken zur Demokratie.
Er schenkte den guten Satz zu Büchern: „Romane haben mir die Möglichkeit gegeben, als Einzelgänger Empathie durch Bücher zu empfinden, das ist doch das Allergrößte, was man uns schenken kann, wenn man Bücher aufmacht.“

Im Vorbeigehen entdeckte ich Nancy Faeser:

Noch waren die Hallen leer:

Die Stühle mit den Geschichten (erinnert ihr euch? Ich berichtete gestern davon) waren gut besetzt:

Auf der Literaturbühne erlebte ich Daniel Kehlmann im Gespräch mit Thea Dorn zu seinem Roman „Lichtspiel“. Es geht um Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei. Er las einen Auszug seines Romans vor:

Der Autor und Wissenschaftsjournalist Michael Büker im Gespräch mit Kindern:

Die Türen waren nun für das Privatpublikum geöffnet.
Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem Mann und meiner Tochter, die nun auch die Buchmesse besuchten.
In den Hallen wurde es spürbar voller:

Beim „ARTE-Talk: 100 Jahre Otfried Preußler“ sprach der Autor Tilman Spreckelsen (“Otfried Preußler: Ein Leben in Geschichten“) mit der ARTE Moderatorin Romy Straßenburg und dem Regisseur Thomas von Steinaecker über sein Buch und über den ARTE Film „Otfried Preußler: Auch ich bin Krabat“, der bis zum Jahresende auf ARTE zu sehen ist.

Ihr seht, auch junge Zuhörerinnen sind anwesend. Es gibt sie noch immer, die Fans von „Die kleine Hexe“ und co., schön:

Bei der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ ging es nun über das Thema „Wir – akzeptiert und selbstbestimmt?“. Die Pädagogin und Autorin Florence Brokowski-Shekete („Raus den Schubladen! Meine Gespräche mit schwarzen Deutschen“) und die Autorin und Psychiaterin Dagmar Pauli („Die anderen Geschlechter – Nicht-Binarität und (ganz) trans* normale Sachen“) diskutierten mit der Moderatorin Jagoda Marinić über das Thema wie Selbstbestimmung trotz Erwartungen anderer möglich ist.
Der Wunsch der beiden Autorinnen ist, dass wir Menschen einander zuhören, nicht vorschnell urteilen und unsere Kategorien im Kopf neu sortieren. Ein schönes Zukunftsbild, dass die beiden beschrieben, nicht mehr in Katgeorein sondern in Dimensionen denken, Menschen nicht mehr von außen beobachten, sondern fragen „Wer bist du, was macht dich aus, was bist du für ein Mensch?“
Ein gutes Gespräch, wie so viele hier zu erleben sind.

Schön finde ich auch, dass immer wieder Gespräche über Bücher zu hören sind, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch in den Gängen, bei Pausen, überall reden Menschen miteinander über Bücher.
Auch auf diese Veranstaltung hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Bärbel Schäfer sprach auf der Literaturbühne mit der Autorin Sophie Passmann zu deren Buch „Pick me girls“. Was sind überhaupt Pick me girls? Frauen, denen der männliche Blick wichtig ist, Frauen, die männliche Anerkennung benötigen und sich häufig mehr nach diesem Blick als nach eigenen Selbstbedürfnissen richten.
In dem persönlichen Buch beschreibt Sophie Passmann ihr Frauenleben und wirft Fragen auf, welche Version von ihr selbst sie hätte sein können, wenn das Patriarchat nicht existieren würde. Ein tolles Interview mit der sympathischen Sophie Passmann zu dem sicherlich tollen Buch.

Und wie schön, es war gut besucht:

Selfies, auch bei Prominenten beliebt, wie hier Kai Diekmann („Ich war BILD“) mit dem Moderator Jo Schück:

Der Blick vom ruhigen Pressezentrum aus, in dem ich diese Berichte schreibe:

Auf der Literaturbühne fand nun „Der ARTE Poetry Slam“ mit Samuel Kramer statt. Viele Menschen lauschten diesem Performancepoeten. Er trug einen sehr berührenden Text über die Klimakatastrophe vor. Er begegnet in seinen Texten der Klimakatastrophe mit dem wissenschaftlichen Ist-Zustand und zugleich mit hoffnungsvollen Nuancen.

Und wer ging hier vor mir? Eine Frau, auf die ich mich sehr freute. Erkennt ihr sie von hinten?

Erkannt? Cornelia Funke. Sie wurde bei der nun stattfindenden ARTE Veranstaltung „Das Buch meines Lebens“ von Jagoda Marinić interviewt. Wunderbar, Cornelia Funke live zu erleben. Sie ist sicherlich vielen bekannt über ihre Tintenwelt Trilogie (zu der nun der 4, Band erschienen ist), Drachenreiter oder die wilden Hühner. Es war sehr schön, ihr zuzuhören, wie sie von ihrem Leben erzählte und von mitgebrachten Büchern ihres Lebens, die eine große Rolle ihrem Leben spielen.
Das Gespräch kam mir wie eine einzige große Schatztruhe vor, voller schöner Wort- und Satzperlen.
Ich dachte beim Zuhören, Menschen wie Cornelia Funke machen diese Welt besser.
Hier einige ihrer aufhebenswerten Sätze: „Das habe ich noch nie gedacht. Ich liebe es, wenn ich neue Gedanken denke.“
„Ich glaube, wir müssen alle diesen Samen der Hoffnung pflanzen und wenn wir alle ein bisschen machen, dann kommt eine Menge zusammen.“
Ein berührend schönes Gespräch mit dieser großartigen und feinsinnig sympathischen Autorin:

Abends ging es für uns noch zur langen ARD Radiokultnacht der Bücher im hr-Sendesaal. Davon werde ich euch demnächst berichten.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Heute Morgen führte mich mein erster Weg zur Pressekonferenz, bei der Italien sich als das nächste Gastland der Buchmesse vorstellte:

Es wird das Motto „Verwurzelt in der Zukunft“ tragen. Mauro Mazza, der Sonderbeauftragte der italienischen Regierung, erklärte die Bedeutung dieses Mottos: „Wir nehmen das Beste aus unserer Vergangenheit und nehmen das mit in die Zukunft.“
Hier seht ihr die italienische Delegation gemeinsam mit Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse:

Wie immer gibt es Vieles zu entdecken. Etwa diese Buchlampen an einem Stand:

Eine lange Schlange bei der Sprechstunde für Illustrator*innen:

Mitmachaktionen bei denen Besucher*innen mit Klebebuchstaben erzählen können, was die Buchmesse für sie bedeutet:

Hier seht ihr die Bücher, die zum Deutschen Buchpreis nominiert waren:

Bei der Veranstaltung „Künstliche Intelligenz braucht Regulierung – Was darf ein Algorithmus alles entscheiden?“ sprach Prof. Dr. Katharina Zweig, KI Expertin und Autorin („Die KI war’s!“) mit dem Moderator Rainer Straub.
Angenehm mitnehmend und informativ erzählte sie über diese aktuelle und spannende Thematik.
Ein Verbot dieser Technik sei keine Lösung, sondern die Lösung liege im richtigen Umgang mit dem System.
„So etwas wie hier ist nicht kopierbar, das ist echt.“, war einer ihrer guten Sätze.

Die Autorin Marion Poschmann sprach mit der Moderatorin Ariane Binder über ihr aktuelles Buch „Chor der Erinnyen“. Ihr Roman ist eine Parallelgeschichte zu ihrem letzten Buch „Die Kieferninseln“. Die Protagonistin Mathilda macht mit ihren Freundinnen einen Ausflug in eine Waldhütte und wird dort zunehmend durchlässiger für die Natur. Es geht um angepasste Freundinnen, aufbegehrende Mütter, über die Dämonisierung von Frauen und die Kraft der Verbundenheit.

Wie in jedem Jahr so besuchte ich auf der Literaturbühne „Druckfrisch / Literaturtipps von Denis Scheck“. Denis Scheck stellte neue Bücher vor und kommentierte sie.
Für ihn ist das beste Buch des Jahres „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann:

Weiterhin empfahl er „Echtzeitalter“ von Tonio Schachinger, das den Deutschen Buchpreis erhalten hat, „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ von Terézia Mora, „Viermal Ich“ von Maria Lazar, „Schneeflocken wie Feuer“ von Elfi Conrad, „Tausend und ein Morgen“ von Illja Trojanow, „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ von Walter Moers, „Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ von Cornelia Funke – die ich diese Woche noch erleben werde, worauf ich mich sehr freue.
Weitere Empfehlungen von Denis Scheck waren „Eigentum“ von Wolf Haas, „Sinkende Sterne“ von Thomas Hettche, „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann (das habe ich bereits gelesen und ist auch meine unbedingte Buchempfehlung), „Krähen im Park“ von Christoph Peters, „Alle meine Geister“ von Uwe Timm, „Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi und den Roman „Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani.
Hach, es gibt viele großartige Bücher.
Denis Scheck sagte, zu dem Buch von Cornelia Funke, den guten Satz: „Für mich besteht die Macht der Literatur darin, uns auch Alternativen aufzuzeigen, uns in die Haut oder das Fell eines anderen Wesens zu versetzen, uns von dem ewigen Kreis durch den eigenen Nabel zu befreien und uns auch mal die Welt aus anderen Augen wahrnehmen zu lassen, so dass man von seiner narzisstischen Selbstversenkung wegkommt und mehr Respekt und Empathie für den anderen aufbringt.“
Bei meiner nächsten Veranstaltung erlebte ich Bärbel Schäfer, die zu ihrem Buch „Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben“ von Catrin Boldebuck interviewt wurde. Bärbel Schäfer hat ihre weißen Sneaker gegen schlammige Gummistiefel getauscht und im Selbstversuch ein Jahr lang einmal wöchentlich einen Schäfer bei seiner Arbeit begleitet. Hierbei lernte sie eine Menge über das Wesen der Schafe und auch Vieles für ihr eigenes Leben kennen. Die Erfahrung hat sie ein eigenes Innehalten gelehrt. „Der Umgang mit den Schafen zwingt einen zu Geduld und auch mal zu sagen, ein anderes Tempo ist okay, und vielleicht kannst du in diesem anderen Tempo auch etwas Neues für dich entdecken.“, so Bärbel Schäfer.

Im Vorbeigehen sah ich Verena Pooth. Ihr seht, hier sind einige sogenannter „Stars und Sternchen“:

Überall kreative Dekorationen:


Die Preisverleihung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2023“ gehört für mich jedes Jahr zu den Höhepunkten der Buchmesse. Wie ihr seht, auch für viele andere, denn diese Veranstaltung war gut besucht, an diesem Buchmessetag, der noch nicht für das Privatpublikum zugänglich ist:

Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher davon ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig und Sarah Reul moderierten die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden. Alle finde ich sehr lesenswert:

Mit Spannung wurde dann bekannt gegeben, wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist. Gewonnen hat mit ihrem Buch „22 Bahnen“ Caroline Wahl:

Ich habe es vor Kurzem gelesen und habe dieses gute Buch auch schon weiterempfohlen.
Große Freude nicht nur bei Caroline Wahl, auch beim ganzen Dumont Verlag, in dem das Buch erschienen ist:

Hier auch nochmal die anderen Autorinnen, die nominiert waren, denn alle haben großen Applaus verdient zu dieser Nominierung und ihren tollen Büchern (für die, die mitzählen, eine Autorin konnte nicht anwesend sein, stellvertretend für sie kam später die Verlegerin auf die Bühne):

Schönes in der Kunstabteilung:

Mitmachaktionen in der Agora:


Dann besuchte ich die Reihe „SHEROES -Streiterin für die Zukunft“ zum Thema „Wir – digital und menschlich?“ Die Autorin und Philosophin Lisz Hirn („Der überschätzte Mensch. Eine Anthropologie der Verletzlichkeit“), die Autorin und Unternehmerin Mina Saidze („Fair Tech. Digitalisierung neu denken für eine gerechte Gesellschaft“) sprachen mit Jagoda Marinić über künstliche Intelligenz. Ihr merkt, ein Thema über das häufig hier auf der Buchmesse diskutiert wird. KI ist als Zukunftsträger in aller Munde und ist ethisch herausfordernd und stellt unser Selbstverständnis infrage. Es wurde gemeinsam überlegt, wie sich der Umgang mit KI menschlich und sozial zukunftsfähig gestalten lässt.

Diese Thematik weckt das Interesse vieler Menschen, wie ihr seht:

Auch auf die auf die nächste Veranstaltung freute ich mich. Elena Fischer sprach zu ihrem Buch „Paradise Garden“ mit Debora Schnitzler. Dieses Buch stand bereits vorher auf meiner Wunschliste, nachdem ich es zum einen von einer Freundin empfohlen bekam und zum anderen eine Hörprobe erlebte. Auf der Longlist der Nominierungen des Deutschen Buchpreises ist es auch zu finden. Die Protagonistin, die 14-jährige Billie fährt los, um ihren unbekannten Vater zu finden und um herauszubekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war. Elena Fischer sagte, es gehe nicht vordergründig um diese Autofahrt, sondern um die innere Reise ihrer Protagonistin.
Sie beschreibt ihren Roman als eine Entwicklungsgeschichte, die Protagonistin Billie würde ihn vermutlich als „Mutter-Vater-Tochter-Such-Roman“ beschreiben.
In dem schönen Gespräch, in dem es auch um ihren Schreibprozess ging, erzählte Elena Fischer, dass sie manchmal Briefe an ihre Figuren schreibe, um sie mehr kennenzulernen. Sie wurde gefragt, was sie dazu sage, dass ihr Roman oft mit dem Buch „Tschick“ verglichen wird. Elena Fischer meinte dazu: „Es wird langsam peinlich, doch ich habe dieses Buch noch immer nicht gelesen.“ Herrlich und irgendwie menschlich, wie ich finde, da selbst tolle Autorinnen es nicht schaffen, alle guten Bücher bereits gelesen zu haben.
Was sie Menschen mitgeben möchte, die selbst schreiben, fragte die Moderatorin und Elena Fischer sagte: „Freude beim Schreiben und zwar unabhängig von dem, was vielleicht am Ende damit passiert, also Schreiben um des Schreibens willen finde ich ganz wichtig, Dranbleiben und auf die eigene Stimme hören.“

Auch das mag ich an der Buchmesse, unerwartet kostbare Schätze zu entdecken. Dieses Bilderbuch (nicht nur für Kinder!) gehört für mich dazu:

Der ukrainische Stand hat erneut eine große Ausstellungsfläche erhalten. Hier finden immer wieder Veranstaltungen und Diskussionsrunden statt.

Neben dem Thema Krieg, ist es nach wie vor bedeutsam, dass auch die Literatur dieses Landes vorgestellt wird und Raum erhält.

Als weitere Schatzgrube erlebte ich die Illustrationen am slowenischen Stand, zauberhaft:

Weitere schöne Stände:

Und immer wieder schöne Bilder, bei denen ich stehen bleibe und mich erfreue:

Mitmachaktionen am Gutenberg Stand:

Gerne habe ich mitgemacht, ta daaa:

Eine weitere Mitmachaktion bei der sich auch Otto Waalkes eingebracht hat:

Im slowenischen Pavillon ging ich noch umher und was darf auf einer Buchmesse nicht fehlen? Lesen! Das machte ich nun. Wohltuend in dieser Umgebung in Zeilen einzutauchen.

Abends erlebte ich im Frankfurt Pavillon Omer Klein, ein weltberühmter israelischer Jazzpianist.

Er schenkte wohltuende Töne inmitten dieser schönen Umgebung des Pavillons „I am here because I believe in the power of music“, sagte er.

So ging erneut ein weiterer erfüllter und bewegender Buchmessetag zu Ende.
Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion