Wortgewebe – 21

Ailyak

Ailyak kommt aus dem Bulgarischen und bedeutet die Kunst, alles langsam und ohne Eile zu tun, während man den Moment genießt.

Sie geht durch den Ort. Es ist ein für sie neuer Ort. Neue Orte zu erkunden, löst ein feines Kribbeln in ihr aus. Als zische buntes Brausepulver von innen. Nichts drängt sie. Mit wohltuender Ruhe schlendert sie durch die Gassen, bleibt mal hier, mal dort stehen. Staunt, beobachtet und lässt sich verzücken. Es gibt vieles zu entdecken. Läden, Haustüren, Fensterbänke, Gassen. Sie genießt das Hiersein. Den Augenblick. Der sie nicht weiter denken lässt. Ailyak. Eine Kunst, die die Menschen im bulgarischen Ort Plowdiw gut beherrschen. Sie war vor Jahren dort und lernte diese Kunst und das Wort kennen. Es lässt sich überall praktizieren, auch hier. Sie kehrt in ein Café ein. Trinkt den Tee mit all der Ruhe, die in ihr ist. Es riecht nach heißem Earl Grey und warmem Gebäck. Der Holztisch unter ihren Händen ist weich. Die drei Blumen auf dem Tisch passen zu ihrem Gefühl. Als der Tee aus ist, geht sie weiter. Wie es immer weiter geht. Sie weiß, dass sie morgen wieder auf die Uhr schauen wird. Doch heute, heute nicht.

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