Frankfurter Buchmesse – Tag 4

Meine erste Veranstaltung führte mich erneut zum Gastland-Pavillon und der Honey Hour mit Barbara Korun. Imkerei und Dichtkunst, beides spielt in Slowenien eine große Rolle und so wird in den morgendlichen Veranstaltungen dazu eingeladen, dass Süßigkeiten mit den Versen verschmilzen. Diese Honey Hour fand an jedem Morgen mit anderen slowenischen Dichter*innen statt. Heute las Barbara Korun eigene Gedichte vor und einige Gedichte anderer slowenischer Dichterinnen.
Ich fand es wunderbar, den Messetag so geruhsam und poetisch zu beginnen.
Auf dem Bild seht ihr den Moderator Matthias Göritz, die Autorin Barbara Korun – sie las ihre Gedichte nicht nur vor, sie ließ sie uns spüren dank ihrer Gestik und Mimik – und die Moderatorin Amalija Macek:

Die nächste Veranstaltung „Atemprotokolle“, die ebenso im Ehrengast Pavillon Slowenien stattfand, schenkte Wort- und Musikklänge. Der Autor Aleš Šteger trug Gedichte aus seinem Buch „Atemprotokolle“ vor. Seine Verse verbanden sich mit den Tönen des Akkordeonspieler Jure Tori. Was eine wunderbare musikalisch literarische Performance. Ich dachte beim Zuschauen, allein deshalb hätte es sich schon gelohnt, diese Buchmesse zu besuchen und nach Frankfurt zu reisen.
Aleš Šteger zeigte sich als ein Meister der Performance und in beeindruckender Weise spielten Musik und Worte miteinander.

Ich weiß, das Wort „berührend“ habe ich bei meinen diesjährigen Messeberichten bereits mehrmals verwendet, doch ich kann nicht anders, als es wiederholt so zu beschreiben, denn ich war zutiefst berührt von dieser Performance und den Texten.

Der Slowenien Pavillon an diesem Samstag:

Der slowenische Büchertisch vor dem Ehrengast-Pavillon. Schön, dass viele Menschen sicherlich neue slowenische Autorinnen und Autoren entdeckt haben:

Draußen am Amnesty International Stand:

In der ruhigen Umgebung des Pressezentrums schrieb ich meinen gestrigen Bericht zu Ende und staunte beim Gang dorthin über die vollen Hallen. Am Messesamstag (die Fachbesuchertage sind seit gestern beendet und seit Freitag Mittag ist es eine Publikumsmesse) ist die Buchmesse immer gut gefüllt, doch dieses Jahr erlebe ich sie noch um einiges gefüllter als sonst. Die Buchbranche wird es freuen.
Eine Frau, mit der ich ins Gespräch kam, meinte so schön: „Ich sehe so viele junge Menschen, so viele junge Menschen, die buchbegeistert sind.“
Ja, das ist großartig. Wenn ich hier bin, denke und fühle ich immer wieder, das Buch lebt und wird geliebt.
Mein Blick vom ruhigen Pressezentrum aus auf die volle Agora:

Als ich später wieder hinausging entdeckte ich eine endlos wirkende Schlange. Weshalb standen diese vielen Menschen an? Signierstunde mit Sebastian Fitzek, wie immer hier sehr beliebt, wie ihr seht:

Ich freue mich immer, wenn ich lesefreudige Menschen sehe. Hier direkt eine ganze lesefreudige Familie, die neue Buchschätze erworben hat:

An dieser Stelle Danke allen Menschen, die mir so freundlich und vertrauensvoll ihre Erlaubnis gaben und geben, dass ich sie für diesen Blog und meine Berichterstattung fotografieren darf.

Auch heute wieder freute ich mich über lesende Menschen inmitten all des Trubels. Auch diese drei Leseratten fanden ein ruhiges Leseplätzchen und konnten in neue Lieblingsbücher eintauchen:

Marc-Uwe Kling, den viele sicherlich von den Känguru-Chroniken kennen, las aus seinem Roman „Der Spurenfinder“, eine Fantasy-Krimi-Komödie:

Viele lauschten seinen Worten:

Die“75 Stühle – 75 Geschichten“ im Sonnenschein der Agora:

Beliebt war auch Guido Maria Kretschmer, wie ihr seht:

Wie jedes Jahr gilt, dass ich viele tolle Buchvorstellungen nicht besuchen kann und viele lohnenswerte Diskussionsrunden verpasse.
Hier erlebte ich etwa nur das Ende, aus der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft / Wir – angekommen und integriert?“ Die Moderatorin Jagoda Marinić sprach mit Isabel Schayani („Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“) und Sineb el Masar („Sind wir nicht alle ein bisschen Almand?“), warum wir keine Identitätskrisen brauchen.

Äußerst beliebt war auch Otto Waalkes auf der Literaturbühne. Bärbel Schäfer sprach mit ihm über sein Buch „Ganz große Kunst – 75 Meisterwärke“.

Menschen meiner Generation sind mit dem Komiker Otto aufgewachsen. Was viele vermutlich wie ich nicht wussten, dass Otto acht Semester Kunst studiert hat. Otto hat sich nun an Meisterwerken aus der Kunst angelehnt und diese in seiner Art gezeichnet, mit dabei der Ottifant, der nach seinen humorvollen Worten bisher in der Kunst vernachlässigt wurde. So hat er 75 neue „Meisterwärke“ erschaffen, zu den 75 Bildern gibt es Begleittexte, natürlich mit viel Humor.
Otto sagte, sein Buch verstehe man auch, wenn man die Originale, die er parodiert, nicht kenne.
„Die Parodie ist die aufrichtigste Form der Bewunderung“, so Otto.
Während des Gesprächs tauchte auch auf, dass der Literaturkritiker Denis Scheck Otto als einen „Kunsträuber im liebevollen Sinne“ bezeichnet habe.
Auch für Bärbel Schäfer zeichnete er einen seiner berühmten Ottifanten:

Nach der Veranstaltung sagte Otto spontan, er zeichne auch für die Zuhörenden Ottifanten und es wurde lebhaft, wie ihr seht:

Wieder im Innenhof auf der Open Stage erlebte ich „Zeichenkunst und intelligenter Humor: Fix, @kriegundfreitag und meta bene“. Die drei Künstler waren im Gespräch über ihre Werke, ihre Herangehensweisen und Inspiration, über ihre Leidenschaft für das Zeichnen, ihre Bücher und über ihre unterschiedlichen Stile:

Am Abend ging es für uns zur Frankfurter Buchmesse Spezial- der Literaturgala. (Karin und Christiane, die ihr hier mitlest, dabei denke ich immer an euch, erlebten wir die Literaturgala doch hier vor einigen Jahren gemeinsam).
Von der Literaturgala berichte ich euch demnächst.

Aus Frankfurt grüße ich euch,
mit viel Dankbarkeit über all diese Eindrücke in mir,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3 Teil 2

Am gestrigen Abend besuchten wir die lange ARD-Radiokulturnacht im hr-Sendesaal.
Die Moderatorin Catherine Mundt und Moderator Christoph Schröder führten durch den Abend.
Vorweg sagten sie, es werde ein breites Angebot an Büchern vorgestellt, die sowohl zum Nachdenken als auch schon mal zum Lachen anregen würden.
Im ausgebuchten und schönen Saal saßen die Menschen an den Tischen und hörten in dieser entspannten Atmosphäre den vielfältigen Buchvorstellungen zu.

Rafik Schami, der das Buch „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ geschrieben hat, ist ein wunderbarer Erzähler. Mit seinem Buch entführt er die Leserinnen und Leser auf den Hof des Königs Salih und in eine Welt von 1001 Nacht.
Es ist immer eine große Freude, Rafik Schami im Gespräch zu erleben.
„Das Erzählen kann, wenn es gut geht, aus einer Sackgasse eine Kreuzung machen“, war einer seiner schönen Sätze.

Angelika Küssendorf folgte als nächstes im Gespräch zu ihrem Buch „Risse“.
Dieser Erzählband ist die Vorgeschichte zu ihrem vor zwanzig Jahren erschienenen Erfolgsroman „Das Mädchen“. In zehn Geschichten beschreibt Angelika Küssendorf über ein Kinderleben in der DDR in den 60er und 70er Jahren, das geprägt war von Geborgenheit und Sehnsucht.

Der Friedenspreisträger Navid Kermani sprach zu seinem Buch „Das Alphabet bis S“.
In diesem Buch verknüpft er die Grundfragen unserer Existenz, Geschlecht, Krieg und Vergänglichkeit mit Alltäglichem. Vorweg las ich, dass sein Buch sowohl ein Roman, Journal, Essay und Meditation gleichzeitig sei.
In dem Gespräch verraten so manche Autoren und Autorinnen auch private Dinge, so sagte Navid Kermani, dass er sein Smartphone morgens in den Briefkasten lege und es erst am Abend wieder hervorhole.

Die Journalistin Isabel Schayani berichtet in ihrem Buch „ Nach Deutschland. Fünf Menschen. Fünf Wege. Ein Ziel“ über Flüchtlingsschicksale.
Bei ihren Reportagen kommt sie den Menschen sehr nah und man habe das Gefühl, so die Moderatorin Catherine Mundt, „dass wir in die Seele der Menschen blicken“.
Isabel Schayani plädiert dafür, dass wir in den Debatten um Obergrenzen und ähnlichem nie vergessen dürften, dass wir über Menschen reden.

Thomas Hettche sprach zu seinem Buch „Sinkende Sterne“.
In dem Buch malt er die fantastischen Folgen einer Naturkatastrophe in den Schweizer Bergen aus. Sein Buch kreist um die Fragen, welcher Trost im Erzählen liegt und was es in den Umbrüchen unserer Zeit zu bewahren gibt.
„Schönheit der Natur ist Thema des Buches, Schönheit des Menschen ist Thema und Schönheit eines Textes ist Thema im Buch“, so Thomas Hettche.

Zwischen den Buchvorstellungen gab es immer wieder musikalische Einlagen vom Felix Fromm 4tet und wir genossen die Klänge:

Ronja von Rönne sprach zu ihrem Sachbuch „Trotz“.
In diesem persönlichen Buch beschäftigt sie sich mit dem Trotz und befreit ihn von seinen Vorurteilen. Sie beschreibt ihn von beiden Seiten und durchleuchtet nicht nur ihren eigenen Trotz, sondern auch den der anderen. Im Trotz zeige sich auch der positive Widerstand.
Sie möchte mit dem Buch dazu einladen, dass wir genauer hinschauen.

Während des Abends las Elke Heidenreich immer wieder Auszüge aus ihrem Buch „Frau Dr. Moormann und ich“ vor. Ein Buch, in dem es um eine nachbarschaftliche sogenannte Hassliebe geht. Herrlich humorvoll geschrieben und vorgetragen und so ertönte viel Lachen im Saal.

Die slowenische Gastlandautorin Maja Haderlap stellte ihr Buch „Nachtfrauen“ vor. In ihrem neuen Roman erzählt sie aus dem Leben dreier Generationen von Frauen, von ihren Verstrickungen in aufgezwungene und verinnerlichte Leitbilder und von ihrem Ringen um Autonomie.

Dana Vowinckel sprach zu ihrem Debütroman „Gewässer im Ziplock“.
Das Buch handelt von dem Leben einer jüdischen Patchworkfamilie. Es geht um einen Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem sowie um Lügen, Glücksmomente, Enttäuschungen, Zuneigung und Schmerz.
Dana Vowinckel hat das Buch geschrieben, bevor die Hamas Israel angegriffen haben. Sie sprach in offener Art davon, was die aktuelle Situation in ihr bewege, auch im Zusammenhang mit ihrem Buch.

Und immer wieder gebanntes Zuhören in diesem Saal:

Nun erlebten wir die Büchnerpreisträgerin Terézia Mora mit ihrem Buch „Muna oder Die Hälfte des Lebens“, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
In ihrem Roman schreibt sie, was geschieht, wenn man ein Leben führt, das man in Abhängigkeit von anderen führt. Es geht um die Beziehung zwischen Muna und Magnus. Im Laufe der Jahre nehmen Ungerechtigkeit und Gewalt zu, dennoch ist Muna nicht gewillt aufzugeben.

Tonio Schachinger, der diesjährige Gewinner des Deutschen Buchpreises war auch an diesem großen Bücherabend zu erleben.
Wie immer erfuhren die Zuhörenden viel Interessantes. So auch dieses Detail, dass er für sein vorheriges Buch ein Jahr gebraucht habe, bis er einen Verlag fand.
Und nun ist sein aktuelles Buch als das beste diesjährige Buch Deutschlands ausgezeichnet.

Jörg Maurer hörten wir nun zu seinem Krimi „Kommissar Jennerwein darf nicht sterben“. Über die Beziehung des Kommissars zu seiner Frau, mit der er ein Jahr verheiratet ist, sagte er: „Die haben sich nicht mehr viel zu sagen, die nicken nur.“ Dieses Buch ist der 15. Band dieser Krimireihe.

Steffen Kopetzky zu seinem Buch „Damenopfer“, darin erzählt er über ein weibliches Kapitel sowjetischer Geschichte:

Ilija Trojanow neuer und utopischer Roman heißt „Tausend und ein Morgen“.
Er beschriebt ihn so: „Der Roman ist ein spielerischen Umgang mit der Zukunft.“
Es ist ein Roman, der in sinnlichen Bildern und Geschichten von der unerschöpflichen Kraft unseres Denkens erzählt.
Er sagte weiterhin zu seinem Buch, es sei ein „Roman, der glaubt, dass es eine Zukunft und eine Hoffnung gibt.“ Es sei das „Öffnen eines Fensters in die Vielfalt der Möglichkeiten.“

Der bekannte Meteorologe Sven Plöger äußerte sich mit guten klaren Worten zur Klimakrise. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Zieht euch warm an, es wird noch heißer! Können wir den Klimawandel noch beherrschen?“ Mit Extrakapiteln zu Wasserstoff und Kernfusion taucht im Untertitel auf.
Zu später Stunde erzählt er anschaulich von unserer momentanen Situation.
„Wir haben kein Wissensproblem, wir haben ein Handlungsproblem“, so Sven Plöger und ich wünsche mir, dass viele Menschen ihm und seinem Buch zuhören.

Eine vielseitige Büchernacht ging zu Ende.
Ja, wie die beiden Moderator*innen zu Beginn sagten, es war ein breites Angebot an Büchern, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen anregten, definitiv.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 3 Teil 1

Auch wenn ich selbst keine oder noch keine Großmutter bin, hörte ich Margot Käßmann im Gespräch mit der Moderatorin Katty Salié zu ihrem aktuellen Buch „Kostbare Zeit. Das Buch für Großeltern“. Einfühlsam schreibt Margot Käßmann über Themen und Fragen, die Großeltern bewegen.
An Großeltern gewandt sagte sie: „Genießt und freut euch dran, man muss nicht immer auf der AIDA rumfahren.“

Der slowenische Autor Goran Vojnovic sprach zu seinem Buch „18 Kilometer bis Ljubljana“ mit der Moderatorin Ariane Binder. Vorweg las ich über den Roman, dass es einer sei, „in dem sich Lachen und Tränen mischen.“ Goran Vojnovic sprach über die Traumata und die Folgen eines Krieges, die auch nach Beendigung eines Krieges noch da seien. Das erleben auch die Personen in dem Buch.

Neben den guten Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Lesungen und Ständen gibt es – wie könnte es auf einer Buchmesse anders sein – lesende Menschen:

Michael Friedmann („Schlaraffenland abgebrannt. Von der Angst vor einer neuen Zeit“) gehört für mich zu einem klaren Denker und Redner. Das wurde auch hier wieder deutlich mit wichtigen Gedanken zur Demokratie.
Er schenkte den guten Satz zu Büchern: „Romane haben mir die Möglichkeit gegeben, als Einzelgänger Empathie durch Bücher zu empfinden, das ist doch das Allergrößte, was man uns schenken kann, wenn man Bücher aufmacht.“


Im Vorbeigehen entdeckte ich Nancy Faeser:

Noch waren die Hallen leer:

Die Stühle mit den Geschichten (erinnert ihr euch? Ich berichtete gestern davon) waren gut besetzt:

Auf der Literaturbühne erlebte ich Daniel Kehlmann im Gespräch mit Thea Dorn zu seinem Roman „Lichtspiel“. Es geht um Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei. Er las einen Auszug seines Romans vor:

Der Autor und Wissenschaftsjournalist Michael Büker im Gespräch mit Kindern:

Die Türen waren nun für das Privatpublikum geöffnet.
Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem Mann und meiner Tochter, die nun auch die Buchmesse besuchten.
In den Hallen wurde es spürbar voller:

Beim „ARTE-Talk: 100 Jahre Otfried Preußler“ sprach der Autor Tilman Spreckelsen (“Otfried Preußler: Ein Leben in Geschichten“) mit der ARTE Moderatorin Romy Straßenburg und dem Regisseur Thomas von Steinaecker über sein Buch und über den ARTE Film „Otfried Preußler: Auch ich bin Krabat“, der bis zum Jahresende auf ARTE zu sehen ist.


Ihr seht, auch junge Zuhörerinnen sind anwesend. Es gibt sie noch immer, die Fans von „Die kleine Hexe“ und co., schön:

Bei der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ ging es nun über das Thema „Wir – akzeptiert und selbstbestimmt?“. Die Pädagogin und Autorin Florence Brokowski-Shekete („Raus den Schubladen! Meine Gespräche mit schwarzen Deutschen“) und die Autorin und Psychiaterin Dagmar Pauli („Die anderen Geschlechter – Nicht-Binarität und (ganz) trans* normale Sachen“) diskutierten mit der Moderatorin Jagoda Marinić über das Thema wie Selbstbestimmung trotz Erwartungen anderer möglich ist.
Der Wunsch der beiden Autorinnen ist, dass wir Menschen einander zuhören, nicht vorschnell urteilen und unsere Kategorien im Kopf neu sortieren. Ein schönes Zukunftsbild, dass die beiden beschrieben, nicht mehr in Katgeorein sondern in Dimensionen denken, Menschen nicht mehr von außen beobachten, sondern fragen „Wer bist du, was macht dich aus, was bist du für ein Mensch?“
Ein gutes Gespräch, wie so viele hier zu erleben sind.

Schön finde ich auch, dass immer wieder Gespräche über Bücher zu hören sind, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch in den Gängen, bei Pausen, überall reden Menschen miteinander über Bücher.

Auch auf diese Veranstaltung hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Bärbel Schäfer sprach auf der Literaturbühne mit der Autorin Sophie Passmann zu deren Buch „Pick me girls“. Was sind überhaupt Pick me girls? Frauen, denen der männliche Blick wichtig ist, Frauen, die männliche Anerkennung benötigen und sich häufig mehr nach diesem Blick als nach eigenen Selbstbedürfnissen richten.
In dem persönlichen Buch beschreibt Sophie Passmann ihr Frauenleben und wirft Fragen auf, welche Version von ihr selbst sie hätte sein können, wenn das Patriarchat nicht existieren würde. Ein tolles Interview mit der sympathischen Sophie Passmann zu dem sicherlich tollen Buch.


Und wie schön, es war gut besucht:

Selfies, auch bei Prominenten beliebt, wie hier Kai Diekmann („Ich war BILD“) mit dem Moderator Jo Schück:

Der Blick vom ruhigen Pressezentrum aus, in dem ich diese Berichte schreibe:

Auf der Literaturbühne fand nun „Der ARTE Poetry Slam“ mit Samuel Kramer statt. Viele Menschen lauschten diesem Performancepoeten. Er trug einen sehr berührenden Text über die Klimakatastrophe vor. Er begegnet in seinen Texten der Klimakatastrophe mit dem wissenschaftlichen Ist-Zustand und zugleich mit hoffnungsvollen Nuancen.

Und wer ging hier vor mir? Eine Frau, auf die ich mich sehr freute. Erkennt ihr sie von hinten?

Erkannt? Cornelia Funke. Sie wurde bei der nun stattfindenden ARTE Veranstaltung „Das Buch meines Lebens“ von Jagoda Marinić interviewt. Wunderbar, Cornelia Funke live zu erleben. Sie ist sicherlich vielen bekannt über ihre Tintenwelt Trilogie (zu der nun der 4, Band erschienen ist), Drachenreiter oder die wilden Hühner. Es war sehr schön, ihr zuzuhören, wie sie von ihrem Leben erzählte und von mitgebrachten Büchern ihres Lebens, die eine große Rolle ihrem Leben spielen.
Das Gespräch kam mir wie eine einzige große Schatztruhe vor, voller schöner Wort- und Satzperlen.
Ich dachte beim Zuhören, Menschen wie Cornelia Funke machen diese Welt besser.
Hier einige ihrer aufhebenswerten Sätze: „Das habe ich noch nie gedacht. Ich liebe es, wenn ich neue Gedanken denke.“
„Ich glaube, wir müssen alle diesen Samen der Hoffnung pflanzen und wenn wir alle ein bisschen machen, dann kommt eine Menge zusammen.“
Ein berührend schönes Gespräch mit dieser großartigen und feinsinnig sympathischen Autorin:

Abends ging es für uns noch zur langen ARD Radiokultnacht der Bücher im hr-Sendesaal. Davon werde ich euch demnächst berichten.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Heute Morgen führte mich mein erster Weg zur Pressekonferenz, bei der Italien sich als das nächste Gastland der Buchmesse vorstellte:

Es wird das Motto „Verwurzelt in der Zukunft“ tragen. Mauro Mazza, der Sonderbeauftragte der italienischen Regierung, erklärte die Bedeutung dieses Mottos: „Wir nehmen das Beste aus unserer Vergangenheit und nehmen das mit in die Zukunft.“
Hier seht ihr die italienische Delegation gemeinsam mit Juergen Boos, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse:

Wie immer gibt es Vieles zu entdecken. Etwa diese Buchlampen an einem Stand:

Eine lange Schlange bei der Sprechstunde für Illustrator*innen:

Mitmachaktionen bei denen Besucher*innen mit Klebebuchstaben erzählen können, was die Buchmesse für sie bedeutet:

Hier seht ihr die Bücher, die zum Deutschen Buchpreis nominiert waren:

Bei der Veranstaltung „Künstliche Intelligenz braucht Regulierung – Was darf ein Algorithmus alles entscheiden?“ sprach Prof. Dr. Katharina Zweig, KI Expertin und Autorin („Die KI war’s!“) mit dem Moderator Rainer Straub.
Angenehm mitnehmend und informativ erzählte sie über diese aktuelle und spannende Thematik.
Ein Verbot dieser Technik sei keine Lösung, sondern die Lösung liege im richtigen Umgang mit dem System.
„So etwas wie hier ist nicht kopierbar, das ist echt.“, war einer ihrer guten Sätze.

Die Autorin Marion Poschmann sprach mit der Moderatorin Ariane Binder über ihr aktuelles Buch „Chor der Erinnyen“. Ihr Roman ist eine Parallelgeschichte zu ihrem letzten Buch „Die Kieferninseln“. Die Protagonistin Mathilda macht mit ihren Freundinnen einen Ausflug in eine Waldhütte und wird dort zunehmend durchlässiger für die Natur. Es geht um angepasste Freundinnen, aufbegehrende Mütter, über die Dämonisierung von Frauen und die Kraft der Verbundenheit.

Wie in jedem Jahr so besuchte ich auf der Literaturbühne „Druckfrisch / Literaturtipps von Denis Scheck“. Denis Scheck stellte neue Bücher vor und kommentierte sie.
Für ihn ist das beste Buch des Jahres „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann:

Weiterhin empfahl er „Echtzeitalter“ von Tonio Schachinger, das den Deutschen Buchpreis erhalten hat, „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ von Terézia Mora, „Viermal Ich“ von Maria Lazar, „Schneeflocken wie Feuer“ von Elfi Conrad, „Tausend und ein Morgen“ von Illja Trojanow, „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ von Walter Moers, „Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache“ von Cornelia Funke – die ich diese Woche noch erleben werde, worauf ich mich sehr freue.
Weitere Empfehlungen von Denis Scheck waren „Eigentum“ von Wolf Haas, „Sinkende Sterne“ von Thomas Hettche, „Wir hätten uns alles gesagt“ von Judith Hermann (das habe ich bereits gelesen und ist auch meine unbedingte Buchempfehlung), „Krähen im Park“ von Christoph Peters, „Alle meine Geister“ von Uwe Timm, „Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi und den Roman „Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani.
Hach, es gibt viele großartige Bücher.
Denis Scheck sagte, zu dem Buch von Cornelia Funke, den guten Satz: „Für mich besteht die Macht der Literatur darin, uns auch Alternativen aufzuzeigen, uns in die Haut oder das Fell eines anderen Wesens zu versetzen, uns von dem ewigen Kreis durch den eigenen Nabel zu befreien und uns auch mal die Welt aus anderen Augen wahrnehmen zu lassen, so dass man von seiner narzisstischen Selbstversenkung wegkommt und mehr Respekt und Empathie für den anderen aufbringt.“

Bei meiner nächsten Veranstaltung erlebte ich Bärbel Schäfer, die zu ihrem Buch „Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben“ von Catrin Boldebuck interviewt wurde. Bärbel Schäfer hat ihre weißen Sneaker gegen schlammige Gummistiefel getauscht und im Selbstversuch ein Jahr lang einmal wöchentlich einen Schäfer bei seiner Arbeit begleitet. Hierbei lernte sie eine Menge über das Wesen der Schafe und auch Vieles für ihr eigenes Leben kennen. Die Erfahrung hat sie ein eigenes Innehalten gelehrt. „Der Umgang mit den Schafen zwingt einen zu Geduld und auch mal zu sagen, ein anderes Tempo ist okay, und vielleicht kannst du in diesem anderen Tempo auch etwas Neues für dich entdecken.“, so Bärbel Schäfer.

Im Vorbeigehen sah ich Verena Pooth. Ihr seht, hier sind einige sogenannter „Stars und Sternchen“:

Überall kreative Dekorationen:

Die Preisverleihung „Lieblingsbuch der Unabhängigen 2023“ gehört für mich jedes Jahr zu den Höhepunkten der Buchmesse. Wie ihr seht, auch für viele andere, denn diese Veranstaltung war gut besucht, an diesem Buchmessetag, der noch nicht für das Privatpublikum zugänglich ist:

Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen in Deutschland ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher davon ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig und Sarah Reul moderierten die Veranstaltung:

Hier seht ihr die nominierten Bücher, die alle vorgestellt wurden. Alle finde ich sehr lesenswert:

Mit Spannung wurde dann bekannt gegeben, wer das Lieblingsbuch der Unabhängigen ist. Gewonnen hat mit ihrem Buch „22 Bahnen“ Caroline Wahl:

Ich habe es vor Kurzem gelesen und habe dieses gute Buch auch schon weiterempfohlen.
Große Freude nicht nur bei Caroline Wahl, auch beim ganzen Dumont Verlag, in dem das Buch erschienen ist:

Hier auch nochmal die anderen Autorinnen, die nominiert waren, denn alle haben großen Applaus verdient zu dieser Nominierung und ihren tollen Büchern (für die, die mitzählen, eine Autorin konnte nicht anwesend sein, stellvertretend für sie kam später die Verlegerin auf die Bühne):

Schönes in der Kunstabteilung:

Mitmachaktionen in der Agora:

Dann besuchte ich die Reihe „SHEROES -Streiterin für die Zukunft“ zum Thema „Wir – digital und menschlich?“ Die Autorin und Philosophin Lisz Hirn („Der überschätzte Mensch. Eine Anthropologie der Verletzlichkeit“), die Autorin und Unternehmerin Mina Saidze („Fair Tech. Digitalisierung neu denken für eine gerechte Gesellschaft“) sprachen mit Jagoda Marinić über künstliche Intelligenz. Ihr merkt, ein Thema über das häufig hier auf der Buchmesse diskutiert wird. KI ist als Zukunftsträger in aller Munde und ist ethisch herausfordernd und stellt unser Selbstverständnis infrage. Es wurde gemeinsam überlegt, wie sich der Umgang mit KI menschlich und sozial zukunftsfähig gestalten lässt.

Diese Thematik weckt das Interesse vieler Menschen, wie ihr seht:

Auch auf die auf die nächste Veranstaltung freute ich mich. Elena Fischer sprach zu ihrem Buch „Paradise Garden“ mit Debora Schnitzler. Dieses Buch stand bereits vorher auf meiner Wunschliste, nachdem ich es zum einen von einer Freundin empfohlen bekam und zum anderen eine Hörprobe erlebte. Auf der Longlist der Nominierungen des Deutschen Buchpreises ist es auch zu finden. Die Protagonistin, die 14-jährige Billie fährt los, um ihren unbekannten Vater zu finden und um herauszubekommen, warum sie so oft vom Meer träumt, obwohl sie noch nie da war. Elena Fischer sagte, es gehe nicht vordergründig um diese Autofahrt, sondern um die innere Reise ihrer Protagonistin.
Sie beschreibt ihren Roman als eine Entwicklungsgeschichte, die Protagonistin Billie würde ihn vermutlich als „Mutter-Vater-Tochter-Such-Roman“ beschreiben.
In dem schönen Gespräch, in dem es auch um ihren Schreibprozess ging, erzählte Elena Fischer, dass sie manchmal Briefe an ihre Figuren schreibe, um sie mehr kennenzulernen. Sie wurde gefragt, was sie dazu sage, dass ihr Roman oft mit dem Buch „Tschick“ verglichen wird. Elena Fischer meinte dazu: „Es wird langsam peinlich, doch ich habe dieses Buch noch immer nicht gelesen.“ Herrlich und irgendwie menschlich, wie ich finde, da selbst tolle Autorinnen es nicht schaffen, alle guten Bücher bereits gelesen zu haben.
Was sie Menschen mitgeben möchte, die selbst schreiben, fragte die Moderatorin und Elena Fischer sagte: „Freude beim Schreiben und zwar unabhängig von dem, was vielleicht am Ende damit passiert, also Schreiben um des Schreibens willen finde ich ganz wichtig, Dranbleiben und auf die eigene Stimme hören.“

Auch das mag ich an der Buchmesse, unerwartet kostbare Schätze zu entdecken. Dieses Bilderbuch (nicht nur für Kinder!) gehört für mich dazu:

Der ukrainische Stand hat erneut eine große Ausstellungsfläche erhalten. Hier finden immer wieder Veranstaltungen und Diskussionsrunden statt.

Neben dem Thema Krieg, ist es nach wie vor bedeutsam, dass auch die Literatur dieses Landes vorgestellt wird und Raum erhält.

Als weitere Schatzgrube erlebte ich die Illustrationen am slowenischen Stand, zauberhaft:

Weitere schöne Stände:

Und immer wieder schöne Bilder, bei denen ich stehen bleibe und mich erfreue:

Mitmachaktionen am Gutenberg Stand:

Gerne habe ich mitgemacht, ta daaa:

Eine weitere Mitmachaktion bei der sich auch Otto Waalkes eingebracht hat:

Im slowenischen Pavillon ging ich noch umher und was darf auf einer Buchmesse nicht fehlen? Lesen! Das machte ich nun. Wohltuend in dieser Umgebung in Zeilen einzutauchen.

Abends erlebte ich im Frankfurt Pavillon Omer Klein, ein weltberühmter israelischer Jazzpianist.

Er schenkte wohltuende Töne inmitten dieser schönen Umgebung des Pavillons „I am here because I believe in the power of music“, sagte er.

So ging erneut ein weiterer erfüllter und bewegender Buchmessetag zu Ende.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der 1. Tag der Frankfurter Buchmesse, der für das Fachpublikum geöffnet ist. Ab Freitag 14 Uhr ist die Buchmesse für Privatbesucher*innen geöffnet.

75 Stühle, die Montag in der Stadt Frankfurt aufgebaut waren, sind nun hier auf dem Innenhof, der Agora, zu finden. Hier können die Besucher*innen Platz nehmen und erfahren per QR-Code von persönlichen Geschichten von ganz unterschiedlichen Menschen und ihrer Verbindung mit der Frankfurter Buchmesse. Unter den Erzähler*innen befinden sich bekannte Namen ebenso wie unbekannte Namen von Besucher*innen und internationale Buchmesse-Freund*innen, und ebenso Namen von Menschen, die hinter den Kulissen für die Buchmesse aktiv sind. Gerne habe ich Platz genommen und viele Geschichten gelesen.

Auf der ARD ZDF 3SAT Bühne wurde Doris Knecht von Alexander Solloch zu ihrem Buch „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ interviewt. Ihr Roman ist die Selbstbefragung einer Frau, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben steht. Das Buch stellt die Frage, wie ist es, wenn das Leben noch einmal anfängt. Einer ihrer Sätze während des Gesprächs: „Ich wollte unbedingt ein positives Buch schreiben mit einem versöhnlichen Ton und das hat sehr auf mich gewirkt.“
Meine Buch-Wunschliste wächst…


Als Findesatz-Sammlerin sammle ich nicht nur Sätze von Autorinnen und Autoren, sondern auch Sätze von Menschen, die ich im Vorbeigehen hören. So sagte eine Frau zu ihrer Freundin: „Wir können gerade mal nach Slowenien gehen.“ Wunderbar, dank des Gastlandes Slowenien ist das möglich, auf der Buchmesse mal eben nach Slowenien zu gehen.

Als nächstes erlebte ich Philipp Oehmke im Gespräch mit der Moderatorin Anja Brockert zu seinem Buch „Schönwald“. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte über zwei Generationen. Als die Tochter der Familie einen queeren Buchladen eröffnet, reist ihre Familie an und es kommen verdrängte Konflikte an die Oberfläche. Der Großvater der Tochter war früher bei der Wehrmacht. Nun kritisieren Aktivistinnen, dass die Frau den progressiven Buchladen aufgemacht habe, der auf Nazigeld aufbaue. „In dem Buch geht es um Wahrheit und Lüge und um die ganzen Abstufungen die es dazu gibt“, so die Moderatorin. Philipp Oehmke sagte, er mag das Genre Familiengeschichte, „da lässt sich im Kleinen erkennen, was in der Gesellschaft vorherrscht.“
Er las einen Ausschnitt aus seinem Buch vor.

Als Nächstes erlebte ich den frischgekürten Buchpreisträger Tonio Schachinger, der mit Cécile Schortmann über sein Buch „Echtzeitalter“ sprach. Der Protagonist in „Echtzeitalter“ ist Till, der ein elitäres, österreichisches Internat besucht. Er fühlt sich nicht wohl inmitten des snobistischen Umfelds und möchte lieber Profi-Gamer werden. Nach dem Tod seines Vaters findet er Zuflucht im Spiel „Age of Empires“ und gehört bald zu den weltweit besten Spielern. Doch das zählt nicht in der Welt der Erwachsenen. Da ich dieses Buch bereits habe, steht es nicht auf meiner Wunschliste, ansonsten würde es darauf stehen. Tonio Schachinger las eine Stelle aus dem Buch vor.
Im Gespräch erzählte er weiterhin, dass er einen handgeschriebenen Brief von einer 89-jährigen Frau erhalten habe, deren Enkel auf das Gymnasium gehe, das in dem Buch unter einem anderen Namen auftaucht. „Selten lösen Bücher so viel aus“, schrieb sie in ihrem Brief. Tonio Schachinger meinte, diese Aussage sei nicht so relevant wie der erhaltene Buchmessenpreis – auf die Verkaufszahlen bezogen – , dennoch sei diese Aussage für ihn relevant.
Cécile Schortmann sagte am Ende des Gesprächs zu seinem Buch, der ein großer Gesellschaftsroman sei: „Lesen Sie dieses Buch, es ist witzig, es ist rasant und es nimmt uns mit in die Welt des Gamings.“

Sina Scherzant wurde von Mona Ameziane zu ihrem Buch mit dem schönen Titel „Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne“ interviewt. In ihrem Debütroman schreibt Sina Scherzant darüber, wie es ist, wenn man aufhört, sich immer nach anderen zu richten. Es geht um die Geschichte einer jungen Frau, die den Mut findet, für sich einzustehen. Sina Scherzant ist Einigen vielleicht bekannt über ihren erfolgreichen Instagram Account alman_memes2.0, den sie gemeinsam mit ihrem Freund betreibt.

Das Thema Ukraine und der russische Angriffskrieg ist auf der Buchmesse präsent. Auch bei dieser bewegenden und schönen Ausstellung auf dem Innenhof:

Zum Messejubiläum hat der Duden dieses Werk gestaltet:

Nun erlebte ich Necati Öziri auf der Literaturbühne im Gespräch mit dem Moderator Michael Schmitt zu seinem Buch „Vatermal“. Der Roman stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Er handelt von einer Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Auch er las aus seinem Buch vor. Neben dem guten Gespräch hörten wir nun gute Passagen. Das Buch trägt einen einladenden Erzählstil in einem schönen sentimentalen Ton, wie ich finde.
Ihr ahnt es, meine Buchwunschliste wächst…

Ausstellungen auf der Agora:

Die Agora von oben:

Wichtige Aussagen an einem Stand:

Nun erlebte ich Peter Wohlleben auf der Literaturbühne im Gespräch mit der Moderatorin Katty Sallie zu seinem Buch „Unser wildes Erbe – Wie Instinkte uns steuern und was das für unsere Zukunft bedeutet“. In seinem Buch gibt Peter Wohlleben Einblicke in die Natur des Menschen und fragt, wie es sein kann, dass das vermeintlich höchstentwickelte Wesen auf diesem Planeten seinen Lebensraum selbst zerstört. Anhand vieler Vergleiche zur Tier- und Pflanzenwelt zeigt er, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind, sondern die Evolution nach wie vor auch bei uns wirkt. Wenn wir die menschliche Natur verstehen, können wir neue Wege einschlagen, die eine lebenswerte Zukunft ermöglichen.
Peter Wohlleben sagte, er plädiere dafür, dass wir das Thema Klimaschutz emotional behandeln, im positiven Sinne, indem wir beginnen, dieses Thema mit positiven Emotionen zu besetzen.
Einige seiner guten Sätze: „Klimaschutz sollte so funktionieren, dass es die Glücksgefühle triggert.“
„Wir können irre viel machen und sollten nicht in Angst erstarren.“
„Klimaschutz muss Hirn und das Herz ansprechen.“
Ich erlebte Peter Wohlleben schon häufig hier auf der Buchmesse, immer wieder schafft er es, in einer begrenzten Zeit viel gutes und interessantes Wissen und Gedanken mitzugeben.
Er endete mit dem Satz: „Bleiben sie optimistisch.“

Hier seht ihr von links die Strafverteidigerin Christina Klemm („Gegen Frauenhass“) die hunderte Opfer geschlechtsspezifischer Verbrechen vertreten hat, daneben Jovana Reisinger („Menstruation“) die in ihrem Buch zeigt, welcher Frauenhass in Mythen und Schweigen über die Monatsblutung steckt, und daneben die Moderatorin Wiebke Porrombka.
Auf dem Foto stellen die beiden Autorinnen gerade dar, wie Frauen einander einen Tampon weiterreichen, „versteckt in einer Faust, so dass sich vermuten lässt, dass in den Händen entweder Drogen oder ein Tampon sei.“ Wie gut, wenn wir weg von dieser Tabuisierung kommen.
Es wurde darüber diskutiert, wie wichtig es ist, dass wir Wege aus der patriarchalen Gewaltspirale hinausfinden.

Also ich draußen umherging, sah ich, wie Jo Schück die Autorin Valery Tscheplanowa zu ihrem Buch „Das Pferd im Brunnen“ befragte, das alles, während sie aßen. Am Freitag wird diese besondere Buchvorstellung in Aspekte ausgestrahlt. Neben dem Buch gilt meine Bewunderung der Art, während eines Interviews so elegant essen zu können:

Der Kölner Illustrator Thorwald Spangenberg machte im Innenhof Pause und zeichnete. Was ein schöner Ort um kreativ zu sein.

Prominente sind immer wieder zu treffen, wie hier Helge Schneider:

An vielen Ständen gibt es immer wieder Lesungen und Gespräche, wie hier mit Axel Scheffler:

Gute Frage:

Einer meiner Lieblingsverlage, der Verlag Hermann Schmidt:

Und einer meiner Lieblingsmoderatoren, Gerd Scobel, der auf Literaturbühne mit dem Autor Frank Witzel über dessen Buch „Die fernen Orte des Versagens“ sprach. Ausgehend von Alltagssituationen beschreibt Frank Witzel einen bunten Strauß an Lebensentwürfen und gibt dabei ein Blick auf unterschiedliche Beweggründe menschlichen Handelns frei. Herr Rath, so heißt die Person in dem Buch, erinnert Gerd Scobel an Herr K, den wir von Bertolt Brecht kennen.
„Das Denken ist so interessant, dass es einen ein Leben lang beschäftigen kann“, so Frank Witzel.
Gerd Scobel beendete das Gespräch mit den Worten: „Ich hatte viel Spaß beim Lesen und den wünsche ich Ihnen auch.“
Übrigens erzählte Gerd Scobel, dass er, wenn er ein neues Buch beginne, zwar nicht das Ende lese, doch immer den Dank lese, der am Ende des Buches stehe. Das kenne ich auch und mache ich ebenso.

Ich besuchte den Stand der Deutschen Nationalbibliothek, der zum Mitmachen einlud, etwa Gedichte in Form eines Elfchen schreiben, Visionen zeichnen, ein Selfie machen oder mit Bauklötzen die Zukunft planen.
Viele Elfchen waren auch auf dem Bildschirm zu lesen. So was mag ich und macht für mich auch die Buchmesse aus, irgendwo unerwartet Gedichte lesen, wunderbar!
Und gerne habe ich mich einladen lassen und auch ein Elfchen geschrieben.

„Mein Nachbar auf der Wolke“ heißt der schöne Titel eines Lyrikbuchs und die nächste Veranstaltung hieß ebenso. Es war eine Lesung und ein Gespräch über die slowenische Poesie mit der Lyrikerin Miljana Cunta (auf dem Bild sitzt sie noch rechts), dem deutschen Kurator des Gastlandes Matthias Göritz und Ernst Osterkamp, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. In Slowenien gilt Dichten seit jeher als eine Überlebensstrategie und gemessen an der kleinen Bevölkerungszahl gibt es eine große Fülle an lyrischen Stimmen, das machte diese Veranstaltung deutlich.

In der Stadt gibt es an verschiedenen Leseorten die Open Books, das Lesefest zur Buchmesse. So besuchte ich am Abend die Veranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek „Warum noch Bücher lesen? Das Ljubliana Manifest“.
Die Autoren Durs Grünbein, Matthias Göritz und Aleš Šteger sprachen über das Buch und das Lesen als Erkenntnis- und Erlebnisform. In dem Gespräch tauchte auf, dass Lesen eine heilsame Wirkung habe, in dem es so entgegengesetzt ist, zu der Reizüberflutung, der wir Menschen so häufig ausgesetzt sind. Das Gespräch zwischen den Dreien trug eine schöne, behutsame und ruhige Atmosphäre.

Das Gespräch machte deutlich, dass auch im Zeitalter des Digitalen, dass Lesen das beste Werkzeug ist, das wir für unser Denken haben. Wenn wir Literatur lesen, dann hilft uns das, andere in ihrer Besonderheit zu begreifen. Bücher lehren Empathie.
Dem stimme ich zu und hoffe, dass viele der großartigen Bücher, die hier auf der Buchmesse zu finden sind, gelesen und geliebt werden.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion



Frankfurter Buchmesse – Eröffnung Teil 2

Nun kommt mein zweiter Teil von der gestrigen Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.
Am späten Nachmittag fand im Congress Center des Messegeländes die Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse 2023 statt.
Die Kontrollen sind in diesem Jahr sehr intensiv, so mussten wir alle aus dem Gebäude, in dem sich das Congress Center befindet, da die Polizei dort mit Hunden alles auf Sprengstoff absuchte. Meinen Messebericht schreiben, musste ich unterbrechen. Doch Sicherheit geht vor. So konnten wir eine schöne Pause in der Agora, dem Innenhof, erleben.

Schließlich ging es dann zur Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse.
Ich saß neben dem sympathischen Architekten Ragunath Vasudevan, der den schönen Frankfurt Pavilions (ihr erinnert euch, davon berichtet ich in meinem ersten Teil) entworfen hat und wir kamen miteinander ins Gespräch. Der Frankfurt Pavilion ist für mich und sicherlich für viele andere seit vielen Jahren untrennbar mit der Frankfurter Buchmesse verbunden. Jedes Jahr wird er hier immer wieder aufgebaut. Auf dem Foto seht ihr Ragunath Vasudevan und links daneben seinen Chef Till Schneider von schneider+schumacher.

Mona Ameziane moderierte den Abend. Wie auch bereits bei der Pressekonferenz am Morgen war auch bei dieser Eröffnungsfeier der Angriff von den Hamas auf Israel ein großes Thema und er wurde deutlich verurteilt in den Reden der Sprecherinnen und Sprecher.
Hier seht ihr links die Moderatorin, daneben Juergen Boos (Direktor der Frankfurter), Angela Dorn (Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst), Mike Josef (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main) und Karin Schmidt-Friderichs (Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels):

In dem Gespräch wurden auch Fragen beantwortet, was die Redner*innen momentan lesen, worauf sie sich bei der Buchmesse am meisten freuen, und immer wieder wurde die Bedeutung der Bücher deutlich, gerade auch in diesen Zeiten. Es wurde in dem Gespräch formuliert, dass die Buchmesse ein Ort der Begegnung und eine Brücke zur Kultur sei.
„Lesen zwingt uns zum Innehalten, das ist eine der größten Stärken der Bücher“, so Karin Schmidt-Friderichs.

Diese beiden slowenischen Musiker zeigten beeindruckende Musik, erzeugten wunderbare Töne mit ungewöhnlichen Instrumenten, u.a. einer Säge:

Claudia Roth (Bundesbeauftragte für Kultur und Medien) ist für Olaf Scholz (Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland) eingesprungen, der heute kurzfristig nach Israel gereist ist. Auch sie verurteilte die Angriffe der Hamas auf Israel zutiefst. Gerade in Zeiten von Krieg und Krisen brauche es Bücher und Literatur, so Claudia Roth, sie könnten helfen, Erlebtes und Erfahrungen zu verarbeiten und schier Unbeschreibliches zu beschreiben. „Literatur kann uns helfen, zu verstehen und mitzufühlen.“

Hier seht ihr Nataša Pirc Musar (Präsidentin der Republik Slowenien). Auch sie nahm in ihrer Rede klar Stellung zu den Terrorangriffen von den Hamas. „Ich kann nicht anders, als das immer wieder zu verurteilen“.

Miljana Cunta (Rednerin Ehrengast Slowenien) verurteilte die Terrorangriffe ebenso. Weiterhin sprach sie schöne Worte über Lyrik:

Auch tauchte der Satz an diesem Abend auf, dass Slowenien das Land mit der „dichtesten Dichte an Dichtern habe“. Diese Aussage stammt ursprünglich von Aleš Štege, der eine „Gebrauchsanweisung für Slowenien“ geschrieben hat.

Als letzter Redner kam der slowenische Autor und Philosoph Slavoj Žižek auf die Bühne. Am Morgen auf der Pressekonferenz hatte der Pressesprecher der Frankfurter Buchmesse, Torsten Casimir, gesagt, dies sei „der einzige Programmpunkt, der nicht planbar ist“.
Dies bewahrheitete sich. Die Rede von Slavoj Žižek führte zu starken Reaktionen im Publikum.

Žižek sagte in seiner Rede, er verurteile die terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Bevölkerung, betonte jedoch, man müsse auch den Palästinensern zuhören und deren Hintergrund beachten, wenn man den Konflikt verstehen wolle.
Er kritisierte, dass seine Vorredner*innen über Israel, aber niemand über die Palästinenser gesprochen hätten.
Seine Rede wurde wiederholt von Zwischenrufen unterbrochen und einige Gäste verließen den Saal. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker ging zur Bühne und widersprach Žižek und warf ihm vor, die Verbrechen der Hamas zu relativieren.
Žižek sagte, er relativiere nicht. Die Terroranschläge seien ein schreckliches Verbrechen und Israel habe in seinen Augen auch jedes Recht, sich zu verteidigen.

Juergen Boos ging nach Žižeks Rede spontan erneut zur Bühne und ergriff das Wort:

„Es ist die Freiheit des Wortes. Und die müssen wir hier stehen lassen, das ist mir wichtig.“, sagte Juergen Boos und führte fort. „Ich glaube, ich kann für diese Gemeinde, und ich möchte es hier als eine Gemeinde bezeichnen, sprechen: Wir verurteilen den Terror. Wir sind Menschen und wir denken menschlich. Menschlich auf israelischer Seite, auf palästinischer Seite. Und es ist mir sehr wichtig, dass wir uns alle einig sind in der Verurteilung der Unmenschlichkeit, in der Verurteilung des Terrors. Und ich glaube, Sie sind da alle bei mir. Und ich bin froh, dass wir das hier so aussprechen können. Ich bin auch froh, wenn eine Rede unterbrochen wird. Das muss möglich sein. Ich bin froh, dass wir die Rede zu Ende gehört haben, auch wenn sie uns nicht gefallen mag. Auch wenn wir sie sogar verurteilen, es ist wichtig, dass wir uns zuhören.“

Karin Schmidt-Friderichs hatte nun die Aufgabe, die Buchmesse mit dem Hammerschlag offiziell zu eröffnen. Nach dem zuvorigen Tumult sicherlich keine leichte Aufgabe und auch sie griff das Vorherige auf und sprach: „Mit einem ganz klaren Bekenntnis zu Frieden und Toleranz und zu einem Miteinander und Respekt vor Israel und mit einer Ablehnung des Wortes „aber“ eröffne ich die 75. Frankfurter Buchmesse“.
Es folgte der Hammerschlag und diese Jubiläumsmesse war damit offiziell eröffnet.

Nach dieser Feier gab es noch einen Empfang, auf dem sicherlich über das Erlebte diskutiert wurde. Auch das ist Buchmesse, ein Ort der Diskussionen, ganz deutlich.

Es grüßt euch erneut aus Frankfurt,
Marion

Frankfurter Buchmesse – Eröffnung – Teil 1

Die 75. Frankfurter Buchmesse ist heute eröffnet worden. Wie immer erfüllt es mich mit großer Freude und Dankbarkeit hier zu sein. Gerne werde ich in den nächsten Tagen von meinen Eindrücken auf der weltweit größten Buchmesse berichten und euch an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Am Vormittag fand die Eröffnungspressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse statt:

Ich mag den schönen Frankfurt Pavilion sehr. Noch hat der Pavilion übrigens keinen Spitznamen. Sollte euch einer einfallen, meldet euch bei der Buchmesse, sie suchen noch.

Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hielt eine gute Rede, die mit den Worten endete: „Ich wünsche Ihnen und uns eine gute und anregende Messe, voller guter Begegnungen, mit Denkanstößen und Respekt, Weltoffenheit und Toleranz.“

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich klar zu der aktuellen Situation in der Welt: „Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir haben die Krise des Klimawandels und die Krise der westlichen Demokratien. Wir erleben seit über anderthalb Jahren Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Und seit dem 7. Oktober einen neuen, schrecklichen Höhepunkt der Gewalteskalation durch den Terrorkrieg der Hamas gegen Israel. Wir sind entsetzt. Bei der Frankfurter Buchmesse geht es immer um Menschlichkeit, im Zentrum steht die menschliche Begegnung. Diese Menschlichkeit ist am 7. Oktober durch den Angriff der Hamas-Terroristen auf Israel abermals zerbrochen. Unser Mitgefühl gilt den Menschen, deren Angehörige Opfer dieses Gewaltexzesses wurden, und allen Menschen in Israel und Palästina, die unter dem Krieg leiden.“

Juergen Boos gab in seiner Rede auch einen Überblick, was die Besucher*innen alles auf dieser Messe erwartet. Die aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft werden in zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen Raum haben.

Als Gastrednerin der heutigen Eröffnungspressekonferenz erlebten wir die britische Umweltjournalistin und Sachbuchautorin: Gaia Vince („Das nomadische Jahrhundert“), die in ihrer großartigen Rede den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der bereits einsetzenden globalen Migrationsbewegung deutlich machte. In ihrer Rede ging sie darauf ein, dass die Hitzewelle im letzten Jahr 60.000 Menschen in Europa getötet hat. Ein großer Teil der Erde, vor allem im globalen Süden, wird zunehmend nicht mehr bewohnbar sein. Migration wird uns alle betreffen. Es sei die Frage, wie wir damit umgehen. Wir Menschen müssten einander helfen, um uns alle in Sicherheit zu bringen.
Gaia Vince betonte die tollen Seiten der Migration und stellte den Bezug zu Büchern her. „Die Kraft eines Buches liegt darin, dass wir unsere Insel-Dasein verlassen. Wir blättern um und lernen eine neue Sichtweise kennen, die erleuchtend sein kann.“
Gaia Vince betonte, dass wir Menschen einander viel zu bieten haben und einander bereichern.  „Alle haben das gleiche Recht auf einen sicheren Platz. Veränderung ist nicht hoffnungslos. Wir haben noch die Wahl. Unsere Sicherheit hängt davon ab, dass wir nicht Zäune bauen, sondern dass wir Werkzeuge nutzen. Es gibt nur ein „Uns“, nur eine menschliche Zukunft.“ Darüber zu diskutieren, sei sehr bedeutsam.

Das Motto der Jubiläumsmesse ist „And the story goes on“ und ja, so ist es, die Geschichte geht weiter:

Nach dieser Pressekonferenz  ging es zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons, in dem der Presserundgang stattfand. Das diesjährige Gastland Slowenien trägt das Motto „Waben der Worte“ („Satovje besed“). Traditionell bekommt das Gastland der Frankfurter Buchmesse einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon -, den es mit eigenen Ideen und Botschaften füllt und der einen Eindruck von der Literatur- und Kulturlandschaft schenkt. Auf diese 2.300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche freue ich mich immer sehr, da sie alljährlich individuell von dem Gastland gestaltet wird.
Jure Sadar, der slowenische Architekt und Gründer vom Studio Sadar, stellte bei dem Presserundgang das Konzept des Pavillons vor.
Hier seht ihr ihn, daneben seine Frau Urška Sadar, die slowenische Designerin und Gründung von urskas, einem Designstudio und einer Schmuckmarke. Sie ist Mitgestalterin des Ehrengast-Pavillons. Und links daneben Katja Stergar, die Direktorin der Slowenischen Buchagentur:

Orientiert haben sie sich beim Design an dem Ehrengastmotto „Waben der Worte“, so soll der Pavillon eine Vielfalt von Erfahrungen zu schaffen. Er soll ein Ort des Ideenaustauschs in Bezug auf Wissen, Kultur und Literatur werden.

Das Konzept der Nachhaltigkeit steht im Schwerpunkt, so ist die gesamte Ausstattung des Pavillons von der slowenischen Natur inspiriert und verfolgt einen nachhaltigen Ansatz. Die Ausstattung kann nach der Buchmesse zusammengeklappt und wiederverwendet oder recycelt werden. Wenn sich beispielsweise eine Schule oder eine Bücherei meldet und sagt, sie habe Interesse an einer Sitzgelegenheit, nur zu, das ist willkommen.

Der Pavillon ist in einen offenen Raum und in wabenartige, halbtransparente Auditorien unterteilt. Diese Auditorien befinden sich in den Ecken des Raumes und hier wird es Lesungen und Podiumsdiskussionen geben:

Der Weg durch den offenen Teil des Pavillons wird von sogenannten „Wald“-Bücherregalen geschmückt. Ich entdeckte bereits gute Werke slowenischer Autoren und Autorinnen:

Auffallend fand ich die oft bunten und schön illustrierten Buchcover:

Die sogenannten „Canyon“-oder „Schlucht“-Sitzgelegenheiten – die von einer natürlich fließenden Schlucht inspiriert sind – schenken die Möglichkeit, sich auszuruhen, zu unterhalten und natürlich zu lesen. In ihnen integriert sind Rosmarinpflanzen und es duftete gut:

Es finden sich auch „Open Book“-Elemente im offenen Teil, ein interaktives Instrument, mit dem die Besucher*innen mehr von den slowenischen Autor*innen erfahren können:

In dem offenen Teil befinden sich auch die „Buchreflexions“-Elemente. Das Reflektieren soll darauf hinweisen, dass das Lesen einen Buches immer mit Reflexion zu tun hat. Wenn wir lesen, gehen wir in Resonanz mit dem Geschriebenen und dem Autor oder der Autorin.

Im Mittelpunkt dieses Pavillons steht die Ausstellung „Books on Slovenia“ und hängende Kunstwerke und Lyrikzitate ergänzen die Ausstellung. An der Decke finden sich Kunstinstallationen von der Künstlerin Eva Petric:

Sie zeigt die slowenische Kunst der Idrja-Spitze und diese sollen Baumwipfel darstellen, die somit über dem Bücher-Wald thronen.

Tagsüber vermittelt der natürlich beleuchtete Pavillon den Eindruck einer riesigen Bücherlandschaft, am späten Nachmittag und am Abend entstehen intimere Ecken mit sanftem künstlichem Licht. Ich werde diesen Raum sicherlich zu verschiedenen Uhrzeiten besuchen.

Eine schöne Kinderecke gibt es auch in diesem Pavillon:

Schaukeln ist definitv nicht nur was für Kinder. Die musste ich ausprobieren. Schaukeln und Bücher, wunderbar:


Neben den Porträts slowenischer Autoren und Autorinnen gibt es eine Café-Ecke, in der in den nächsten Tagen slowenische Leckereien genossen werden können. Sicherlich wird es dann voller als nach dem heutigen Presseundgang:

Diesen schönen Satz aus der Pressemappe Slowenien teile ich gerne mit euch:
„Slowenien wirkt klein und marginal, so wie auch Bienen auf den ersten Blick klein und marginal erscheinen. Doch bei beiden trügt der Schein: Die Welt ist groß, schön und bunt, vor allem dank marginaler Lebewesen und Kulturen.“

Passend zum Motto erhielten wir neben der Pressemappe noch ein Honigglas:

Teil 2 des heutigen Tages folgt.

Es grüßt euch freudig aus Frankfurt, mit Lust auf slowenische Literatur,
Marion

16. Oktober – Montagswort

P.S. Ich bin gerade voller Vorfreude, da es Morgen losgeht für mich zur Frankfurter Buchmesse.
Nächste Woche geht es dann hier wieder gewohnt weiter mit Findesätzen, Findesatz-Gedichten und Schnipselgedichten. In den nächsten Tagen werde ich euch von der Buchmesse berichten.