Frankfurter Buchmesse – Tag 3 Teil 1

Auch wenn ich selbst keine oder noch keine Großmutter bin, hörte ich Margot Käßmann im Gespräch mit der Moderatorin Katty Salié zu ihrem aktuellen Buch „Kostbare Zeit. Das Buch für Großeltern“. Einfühlsam schreibt Margot Käßmann über Themen und Fragen, die Großeltern bewegen.
An Großeltern gewandt sagte sie: „Genießt und freut euch dran, man muss nicht immer auf der AIDA rumfahren.“

Der slowenische Autor Goran Vojnovic sprach zu seinem Buch „18 Kilometer bis Ljubljana“ mit der Moderatorin Ariane Binder. Vorweg las ich über den Roman, dass es einer sei, „in dem sich Lachen und Tränen mischen.“ Goran Vojnovic sprach über die Traumata und die Folgen eines Krieges, die auch nach Beendigung eines Krieges noch da seien. Das erleben auch die Personen in dem Buch.

Neben den guten Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Lesungen und Ständen gibt es – wie könnte es auf einer Buchmesse anders sein – lesende Menschen:

Michael Friedmann („Schlaraffenland abgebrannt. Von der Angst vor einer neuen Zeit“) gehört für mich zu einem klaren Denker und Redner. Das wurde auch hier wieder deutlich mit wichtigen Gedanken zur Demokratie.
Er schenkte den guten Satz zu Büchern: „Romane haben mir die Möglichkeit gegeben, als Einzelgänger Empathie durch Bücher zu empfinden, das ist doch das Allergrößte, was man uns schenken kann, wenn man Bücher aufmacht.“


Im Vorbeigehen entdeckte ich Nancy Faeser:

Noch waren die Hallen leer:

Die Stühle mit den Geschichten (erinnert ihr euch? Ich berichtete gestern davon) waren gut besetzt:

Auf der Literaturbühne erlebte ich Daniel Kehlmann im Gespräch mit Thea Dorn zu seinem Roman „Lichtspiel“. Es geht um Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei. Er las einen Auszug seines Romans vor:

Der Autor und Wissenschaftsjournalist Michael Büker im Gespräch mit Kindern:

Die Türen waren nun für das Privatpublikum geöffnet.
Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem Mann und meiner Tochter, die nun auch die Buchmesse besuchten.
In den Hallen wurde es spürbar voller:

Beim „ARTE-Talk: 100 Jahre Otfried Preußler“ sprach der Autor Tilman Spreckelsen (“Otfried Preußler: Ein Leben in Geschichten“) mit der ARTE Moderatorin Romy Straßenburg und dem Regisseur Thomas von Steinaecker über sein Buch und über den ARTE Film „Otfried Preußler: Auch ich bin Krabat“, der bis zum Jahresende auf ARTE zu sehen ist.


Ihr seht, auch junge Zuhörerinnen sind anwesend. Es gibt sie noch immer, die Fans von „Die kleine Hexe“ und co., schön:

Bei der Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“ ging es nun über das Thema „Wir – akzeptiert und selbstbestimmt?“. Die Pädagogin und Autorin Florence Brokowski-Shekete („Raus den Schubladen! Meine Gespräche mit schwarzen Deutschen“) und die Autorin und Psychiaterin Dagmar Pauli („Die anderen Geschlechter – Nicht-Binarität und (ganz) trans* normale Sachen“) diskutierten mit der Moderatorin Jagoda Marinić über das Thema wie Selbstbestimmung trotz Erwartungen anderer möglich ist.
Der Wunsch der beiden Autorinnen ist, dass wir Menschen einander zuhören, nicht vorschnell urteilen und unsere Kategorien im Kopf neu sortieren. Ein schönes Zukunftsbild, dass die beiden beschrieben, nicht mehr in Katgeorein sondern in Dimensionen denken, Menschen nicht mehr von außen beobachten, sondern fragen „Wer bist du, was macht dich aus, was bist du für ein Mensch?“
Ein gutes Gespräch, wie so viele hier zu erleben sind.

Schön finde ich auch, dass immer wieder Gespräche über Bücher zu hören sind, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch in den Gängen, bei Pausen, überall reden Menschen miteinander über Bücher.

Auch auf diese Veranstaltung hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Bärbel Schäfer sprach auf der Literaturbühne mit der Autorin Sophie Passmann zu deren Buch „Pick me girls“. Was sind überhaupt Pick me girls? Frauen, denen der männliche Blick wichtig ist, Frauen, die männliche Anerkennung benötigen und sich häufig mehr nach diesem Blick als nach eigenen Selbstbedürfnissen richten.
In dem persönlichen Buch beschreibt Sophie Passmann ihr Frauenleben und wirft Fragen auf, welche Version von ihr selbst sie hätte sein können, wenn das Patriarchat nicht existieren würde. Ein tolles Interview mit der sympathischen Sophie Passmann zu dem sicherlich tollen Buch.


Und wie schön, es war gut besucht:

Selfies, auch bei Prominenten beliebt, wie hier Kai Diekmann („Ich war BILD“) mit dem Moderator Jo Schück:

Der Blick vom ruhigen Pressezentrum aus, in dem ich diese Berichte schreibe:

Auf der Literaturbühne fand nun „Der ARTE Poetry Slam“ mit Samuel Kramer statt. Viele Menschen lauschten diesem Performancepoeten. Er trug einen sehr berührenden Text über die Klimakatastrophe vor. Er begegnet in seinen Texten der Klimakatastrophe mit dem wissenschaftlichen Ist-Zustand und zugleich mit hoffnungsvollen Nuancen.

Und wer ging hier vor mir? Eine Frau, auf die ich mich sehr freute. Erkennt ihr sie von hinten?

Erkannt? Cornelia Funke. Sie wurde bei der nun stattfindenden ARTE Veranstaltung „Das Buch meines Lebens“ von Jagoda Marinić interviewt. Wunderbar, Cornelia Funke live zu erleben. Sie ist sicherlich vielen bekannt über ihre Tintenwelt Trilogie (zu der nun der 4, Band erschienen ist), Drachenreiter oder die wilden Hühner. Es war sehr schön, ihr zuzuhören, wie sie von ihrem Leben erzählte und von mitgebrachten Büchern ihres Lebens, die eine große Rolle ihrem Leben spielen.
Das Gespräch kam mir wie eine einzige große Schatztruhe vor, voller schöner Wort- und Satzperlen.
Ich dachte beim Zuhören, Menschen wie Cornelia Funke machen diese Welt besser.
Hier einige ihrer aufhebenswerten Sätze: „Das habe ich noch nie gedacht. Ich liebe es, wenn ich neue Gedanken denke.“
„Ich glaube, wir müssen alle diesen Samen der Hoffnung pflanzen und wenn wir alle ein bisschen machen, dann kommt eine Menge zusammen.“
Ein berührend schönes Gespräch mit dieser großartigen und feinsinnig sympathischen Autorin:

Abends ging es für uns noch zur langen ARD Radiokultnacht der Bücher im hr-Sendesaal. Davon werde ich euch demnächst berichten.

Es grüßt euch aus Frankfurt,
Marion

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