Wortgewebe – 14

Saudade

Saudade kommt aus dem Portugiesischen. Es bedeutet ein tiefes Gefühl von Sehnsucht oder Nostalgie, oft für etwas oder jemanden, der oder die fehlt.

Ben war in der Stadt unterwegs. Er wollte schnell etwas einkaufen und ging mit großen Schritten. Das gute Wetter lockte viele Menschen hinaus. Manchmal musste er entgegenkommenden Gruppen ausweichen. Er hatte nicht viel Zeit. Gleich würde der Laden schließen. Seine Freunde würden in einer knappen Stunde bei ihm sein. Ihm blieb nicht viel Zeit, das versprochene Essen zuzubereiten.
Es wehte ihm entgegen. Mitten in der belebten Fußgängerzone. Für einen Moment blieb er stehen. Genau so hatte sie gerochen. Es war ihr Duft. Jahre war es her. Ein wenig Sandelholz, einen Hauch Bergamotte und ein wenig Orange. Er schloss die Augen. Der Geruch hatte sich verflüchtigt, doch er blieb in ihm.
Er vermisste sie. Doch nicht nur das. Er erinnerte sich an sie. Es war etwas dazwischen. Etwas Schweres und Schönes zugleich.
Er spürte die abendliche Sonne auf seinen geschlossenen Lidern und auf seine Haut.
Wie ein Duft in Sekunden Bilder hervorruft. Er sah ihr Lachen vor sich, die Sprenkel in ihren grünen Augen, ihre Nase, die sie immer als zu groß bezeichnete und die vielen braunen kleinen Sommersprossen in ihrem Gesicht und auf ihren Schultern, ihre dunklen Locken.
Er kleidete seine Gefühle gerne in Worte. Das machte sie greifbarer. Doch in seiner Sprache gab es kein Wort dafür. In ihrer schon: Saudade.
Heute Abend würde er portugiesisch kochen.