76. Frankfurter Buchmesse – Tag 5

Gerne teile ich meine Eindrücke von Sonntag und damit dem letzten diesjährigen Buchmessentag.
John Strelecky sprach zu seinem Buch „Zeit für Fragen im Café am Rande der Welt“. In dem Buch hat er 46 Fragen beantwortet, die seine Leserinnen und Leser ihm gestellt haben. Dabei reicht die Palette von „Findest du Inspiration in Obst?“ bis hin zu „Hast du schon Pläne für deine eigene Beerdigung?“
Er beantwortete Fragen aus dem Publikum. Auch den Begriff der Museumstage erläuterte er noch mal. Es geht um die Vorstellung, am Ende unseres Lebens durch ein Museum zu gehen, das unser Leben darstellt. Welche Bilder würden wir sehen, mit welchen Museumstagen ist unser Leben gefüllt? 
John Strelecky, immer mit Hut. Für ihn ist der Hut übrigens nicht nur einen Schutz gegen Regen und Sonne, sondern sein Zeichen, dass das Abenteuer weitergeht:

Lyrik zum Wachwerden, hieß diese Veranstaltung, bei der lyrix-Preisträger*innen ihre Gedichte vorlasen:

Beim Büchertalk war Bärbel Schäfer im Gespräch mit Ursula Poznanski über ihr Buch „Scandor“. In diesem Buch geht es um eine Challenge, bei der Hundert Menschen antreten, um den unfehlbaren Lügendetektor Scandor zu testen. Scandor wird am Unterarm getragen und begleitet die Kandidatinnen und Kandidaten rund um die Uhr, er bemerkt jede Lüge, auch die als harmlos geltenden oder lieb gemeinten. Wer lügt, fliegt aus der Challenge raus. Die Person, die am Ende übrigbleibt, erhält ein Preisgeld von 5 Millionen Euro.
Ich habe bereits mit Leuten gesprochen, die Scandor gelesen haben. Sie sagten, sie konnten das Buch kaum aus der Hand legen und zudem haben sie viel über das Thema Lügen nachgedacht. Spannend, wie ich finde:

Hier seht ihr die Agora von oben. Es war wieder leerer, nur an den Signierboxen lange Schlangen:

Gerne erlebe ich bei der Buchmesse neue Angebote. So habe ich an der „Expediton OFFside: Ein philosophischer Audiospaziergang ins Lesegelände mit André Ourednik“ teilgenommen:

Es war eine Expedition in oftmals ungesehene oder übersehene Gebiete und Ecken der Buchmesse. Ein philosophisch poetischer Spaziergang, der das Messetreiben in neuem Licht zeigte. Dieser Audiospaziergang war ein Innehalten und schenkt Raum zum Zuhören und Nachdenken über das Leben und unsere Sinne. Klasse fand ich, dass das Messetreiben und die Menschen um uns herum einbezogen wurden und sie unwissentlich eine Rolle in der Performance spielten. So auch hier bei unserem Blick die Rolltreppe hinunter:

Kasia Lewandowska, die ich jedes Jahr hier treffe, zeigte wieder viel Neues an ihrem kreativen Stand. Wir hatten uns bereits am Dienstag wiedergesehen. Als ich sie nun – am letzten Messetag – fragte, ob sie nicht erschöpft sei, antwortete sie: „Nein, das ist für mich hier wie ein Paradies!“ Wunderbar, liebe Kasia.

Michel Friedmann, dieser klare Denker, im Gespräch mit Heinz Bude, über die Zukunft der Demokratie. Wie immer schenkte er gute wichtige Aussagen. Hier – wie bei einigen anderen Veranstaltungen – waren Sicherheitsleute, ihr seht sie links und rechts stehen:

Nicht nur bei diesem Gespräch tauchte Kritik an dem Gastland Italien auf, und ich finde Kritik bedeutsam und finde richtig und wichtig, dass sie Platz bei der Frankfurter Buchmesse hatte. Die Kritik betrifft die Rechtsregierung des Landes und dass nicht regimekonforme Autoren nicht zur offiziellen Delegation des Gastlandes gehörten. Auf der Buchmesse hatten diese Autoren dennoch Raum, denn sie wurden von den deutschen Verlagen eingeladen. Roberto Saviano etwa, von dem ich Samstag berichtete, wurde auf der Buchmesse bejubelt.

In der SHEROES- Reihe erlebte ich nun Jagoda Marinic im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler (mitte, „Streiten“) und Elsa Koester (links, „Im Land der Wölfe“).
Wie so oft hier auf der Buchmesse erlebte ich eine tolle Debattenkultur. Jagoda Marinic sagte zum Abschluss des Gesprächs „Streiten Sie in Verbindung. Streiten Sie lustvoll und versöhnlich“:

Bei der nächsten Veranstaltung sprach Mona Ameziane mit den Autorinnen Bianca Iosivoni, Josi Wismar und Tami Fischer über die New Adult Buchlandschaft in Deutschland, die zur Zeit ein großes Wachstum zeigt und viele junge Menschen erreicht:

Die Veranstaltung von oben betrachtet:

Zum Abschluss ging es für mich in den Ehrengast Pavillon Italien zur „GastRollen-Übergabe Ehrengast 24 Italien – Ehrengast 2025 Philippinen“.
Dies ist die feierliche Abschlussveranstaltung des aktuellen Ehrengastauftritts und jährlich wird die „GastRolle“ – ein speziell für die Frankfurter Buchmesse entworfenes Kunstobjekt – um ein weiteres literarisches Zitat bereichert und dem nächsten Gastland überreicht.
Schön, dass somit die lyrischen Zitate wachsen.
Nach den Reden wurde die GastRolle von Italien an die Philippinen überreicht:

Traditionelle philippinische Musik gab es auch:

Und wunderbarer Gesang des nächsten Gastlandes:

Die Philippinen sind eine Nation des Story Tellings und sicherlich werden wir im nächsten Jahr viele inspirierende Geschichten dieses Gastlandes erleben.
Lustig und schön fand ich, dass bei den Fotos immer mehr zusammengerückt und immer mehr Menschen hinzugerufen wurden. Es wurde viel gelacht und ich merkte, wie ich mich bereits nun auf dieses neue Gastland freue.
Ist das nicht ein schönes Sinnbild dafür, dass für jede und jeden Platz ist, wenn wir zusammenrücken?
Seht selbst, eine schöne Vermehrung:

Zum Abschluss teile ich noch ein paar Zahlen mit euch:
230.000 Besucher*innen besuchten die diesjährige Frankfurter Buchmesse. Mit 115.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 105.000) aus 153 Ländern (Vorjahr: 130 Länder) und 115.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 110.000) legte die Buchmesse damit sowohl als internationale Geschäftsmesse der Medienbranche wie auch als Festival des Lesens zu – und dies trotz der limitierten Kartenkontingente für die beiden Wochenendtage.
Mehr als 4.300 Ausstellende (Vorjahr: 4.100) präsentierten sich in den Hallen und mehr als 7.500 Medienvertreter*innen (Vorjahr: 7.000) berichteten über die gut 3.300 Veranstaltungen der Buchmesse.

Die Worte von Karin Schmidt-Friderichs, der Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, füge ich gerne hinzu: „Die Frankfurter Buchmesse hat sich erneut als die große Plattform für den Austausch, die Vernetzung und für gute Geschäfte erwiesen. Gleichzeitig war sie ein Fest der Ideen, der Debatten und neuen Perspektiven auf die Fragen der Zeit. Und wer sich die wachsende Lesebegeisterung bei jungen Menschen bisher nicht vorstellen konnte, erlebte sie auf der Messe eindrucksvoll: Zu sehen, wie Zigtausende Bücherfans ihre Lieblingsbücher und -autor*innen feierten, weckt Lust auf die Zukunft des Buches.“

Lust auf die Zukunft des Buches, ja, die habe ich auch und Lust auf die Gegenwart des Buches, denn viele großartige neue Bücher warten nun darauf, gelesen zu werden.
Ich blicke auf eine intensive, reichhaltige, berührende, wunderbare Buchmesse zurück. Wie jedes Jahr habe ich das Gefühl, dass die Themen der Zeit hier Raum fanden. Raum, in dem in einer guten Art und Weise wurde miteinander gesprochen und debattiert wurde. Die Veranstaltungen zeigten, wie die Themen der Zeit miteinander verbunden sind, so sind Demokratie und Klimakrise nicht voneinander zu trennen. Besonders fiel mir auf, wie viele Menschen und Veranstaltungen sich mit dem Thema Demokratie und Menschlichkeit befassen. Das finde ich hoffnungsvoll und stärkend.
Es gibt sie und es ist wichtig: Hoffnung, Verbundenheit, Mut und Lust, Zukunft zu gestalten.

So grüße ich euch, viele schöne Erlebnisse der Buchmesse in mir tragend und mit ganz viel Buchliebe,
Eure Marion

76. Frankfurter Buchmesse – Tag 2

Meine erste Veranstaltung führte mich zur Pressekonferenz des Gastlands 2025 Philippinen, welches das Motto tragen wird „Fantasie beseelt die Luft“. Sicherlich wird dieses Gastland ein vielfältiges Bild schenken und ich freue mich nun schon darauf, die Literatur- und Kulturlandschaft dieses Landes kennenzulernen.

Mitmachaktionen gibt es auf der Buchmesse an vielen Ecken zu entdecken:

Bei meinem Gang durch die Hallen ergaben sich viele:

Neu ist in diesem Jahr die New Adult Arena in Halle 1.2., damit wird dem steigendem Interesse vor allem junger Leser*innen an einer persönlichen Begegnung mit ihren Lieblingsautorinnen und -autoren entgegengekommen. New Adult ist ein neues Genre, das zur Zeit viel Erfolg hat und Untersparten wie Romantasy und Dark College aufweist. Definitiv sind hier viele buchliebende junge Menschen zu erleben:

Für mich ging es nun zum „Talk im Rahmen der 30-Minuten-WG“ mit Richard David Precht und dem Moderator Günter Keil. Vor achtzehn Jahren schrieb Precht mit großem Erfolg das Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“.
In der neuen Ausgabe hat er es um drei Kapitel erweitert, eines davon ist das Thema Künstliche Intelligenz. Weiterhin ist es als Graphic Novel erschienen „Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise in Bildern“. Der Drehbuchautor Martin Möller und der Illustrator Jörg Hartmann haben sich zusammengetan und zeigen Richard David Prechts Reise durch die Philosophiegeschichte in völlig neuer Form. Ein interessantes gutes Gespräch.

Was darf nicht fehlen auf einer Buchmesse? Lesende Menschen:

Der Kölner Autor Frank Schätzung sprach mit Denis Scheck zu seinem aktuellen Buch „Helden“:

Auf Arno Geiger freute ich mich sehr, einer meiner Lieblingsautoren, der zu seinem neuen Buch „Reise nach Laredo“ sprach. In dem Roman schreibt er über Karl den 5., der sich in ein abgelegenes Kloster in Spanien zurückzieht. Karl ist krank und er wartet auf sein Lebensende. Doch dann begegnet er dem elfjährigen Geronimo und gemeinsam beschließen sie, nachts auf Pferd und Maulesel davonzureiten. Karl lernt durch diese Begegnung Freundschaft, Liebe, Unbeschwertheit und die Freiheit, im Moment zu leben, kennen.
Arno Geiger las eine Passage aus seinem Buch vor, das eine schöne Sprache schenkt.
In dem Buch geht es, so Geiger, um die Frage „Wer ist der Mensch, wenn er alles loslässt?“
Schreiben sei für ihn immer die Frage danach, wer bin ich und wohin gehe ich?
„Ein leises zärtliches Buch“, so umschrieb die Moderatorin Ariane Binder dieses Buch.

Bücher können Vieles. Sogar eine Sitzgelegenheit sein:

Einladende Ecken gibt es immer wieder:

Eine meiner Lieblingsveranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse ist das „Lieblingsbuch der Unabhängigen: Preisverleihung durch die Woche der unabhängigen Buchhandlungen“.
Seit 2015 küren deutsche unabhängige Buchhandlungen ihr Lieblingsbuch der Unabhängigen. Dafür nominieren Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher davon ihr Lieblingstitel ist. Wibke Ladwig führte durch die gut besuchte Veranstaltung.
Das ist die diesjährige Shortlist, fünf wunderbare Bücher. Die, die ich davon noch nicht gelesen habe, stehen nun auf meiner Wunschliste:

Auf der Longlist stehen 258 Titel, die im Internet auffindbar sind und sicherlich lohnt es sich, hineinzuschauen und sich inspirieren zu lassen.
Hier seht ihr, welche Bücher in den zurückliegenden Jahren den Preis erhalten haben. Alles Bücher, die ich sehr lesenswert finde:

Sehr schön fand ich auch das Format, dass Buchhändler*innen als Pate für die nominierten Bücher standen und die Bücher dem Publikum vorstellten.
Mit Spannung wurde dann die diesjährige Gewinnerin bekannt gegeben.
Gewonnen hat „Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky.
So schön, wie sie sich freute:

Alina Bronsky bekam von Wibke Ladwig den Preis überreicht:

Ein schönes Abschlussfoto, auf dem ihr die Autorinnen seht – die alle gewonnen haben, auf der Shortlist der Unabhängigen zu stehen, ist eine wunderbare Auszeichnung – und die Buchhändler*innen als Paten, die die Bücher halten:

Erneut war ich auf der Agora und entdeckte weitere Mitmachaktionen:

Die Frankfurter Buchmesse setzt zunehmend auf Nachhaltigkeit. So wird in diesem Jahr überwiegend auf ausgelegte Teppiche in den Hallen verzichtet und auf der Agora befinden sich Spender, um Trinkwasser nachzufüllen. Gute und wichtige Handlungen.

Dieser Satz ist hier deutlich zu erleben:

Eine weitere gute Veranstaltung ist die Reihe „SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft“. Heute war Jagoda Marinic im Gespräch mit Eva Illouz („Explosive Moderne“) und Aleida Assmann („Gemeinsinn. Der sechste, soziale Sinn“). Jagoda Marinic beschrieb die Werke der beiden Frauen als erhellende Bücher zu den aktuellen Themen der Gesellschaft.
Auf ihre Frage „Wie kann man all das, was dunkel erscheint, heller werden lassen?“ zitierte Aleida Assmann Karl Jaspers „Wahr ist, was uns verbindet.“

Während sich in einigen Gängen Feierstimmung ausbreitete, da viele Verlage einladen zu Gesprächen, Getränken und Snacks, standen andere bei der Illustrationssprechstunde an. Eine gute Idee, sich dabei auf den Boden zu setzen und sich über Bücher und Illustrationen zu unterhalten, so wie die vier sympathischen Illustratorinnen Miriam Klauke, Maike Kilian, Teelke Hauptmann und Daniela-Karin Raffl:

Bevor es für meine Tochter und mich wieder ins Hotel ging, besuchten wir erneut den Frankfurt Pavilion, in dem ein Konzert stattfand. Ich traf den Architekten Ragunath Vasudevan, der den wunderbaren Pavilion entworfen hat. Wir unterhielten uns und er meinte: „Wenn der Pavilion reden könnte, er hat so vieles erlebt in den letzten Jahren hier, er könnte so vieles erzählen, Bewegendes, Tiefgründiges, Humorvolles.“ Ein schöner Gedanke.
Hier seht ihr Ragunath Vasudevan und den Buchmessendirektor Juergen Boos:

So blicke ich erneut auf einen wundervollen reichhaltigen Buchmessentag zurück und grüße euch aus Frankfurt
Eure Marion

76. Frankfurter Buchmesse – Tag 1

Nach der gestrigen Eröffnung war heute der erste Tag der 76. Frankfurter Buchmesse.
Was ein wunderbarer Start in den Tag, der atmosphärischen Gitarrenmusik von Giandomenico Anellino im italienischen Gastland Pavillon zu lauschen:

Es ging weiter mit einem Gespräch zwischen der Moderatorin Cecile Schortmann und Martina Hefter, der frisch gekürten Gewinnerin des Deutschen Buchpreises. Montagabend hat sie diesen Preis für ihr Buch „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ erhalten.
In ihrem Roman geht es um die Protagonistin Juno und sogenannte Love-Scammer, Männer – meist aus dem globalen Süden – die über die sozialen Netzwerke Frauen im mittleren Alter anschreiben, sie mit Komplimenten umwerben und letztlich Geld von diesen Frauen möchten. 
Eine sehr sympathische Frau und ein Buch, das auf meiner Wunschliste steht:

Noch ein Tipp in dem Zusammenhang: Die Verleihung des Deutschen Buchpreises lässt sich in der Mediathek nachsehen, Martina Hefter zeigte nach der Bekanntgabe dieses Preises eine berührend schöne Dankesrede.

Später erlebte ich Bärbel Schäfer im Gespräch mit Jürgen Trittin über sein neues Buch „Alles muss anders bleiben“, eine politische Autobiographie über ein halbes Jahrhundert dieses Grünenpolitikers von den Siebzigern bis heute. Es war ein interessantes und gutes Gespräch.
Jürgen Trittin schenkte den klaren guten Satz: „Man darf Faschisten keine Macht übertragen, das ist die Lehre aus der Geschichte der Demokratie.“

Der Innenhof, die Agora, an diesem ersten Buchmessentag:

Bärbel Schäfer beim Büchertalk mit Cordula Stratmann („Wo war ich stehengeblieben?“). Ein kurzweiliges und humorvolles Gespräch:

Am Zeitstand erlebte ich Elke Heidenreich („Altern“) im Gespräch mit Christoph Amend und Ubin Eoh vom Zeit Magazin Podcast. Ein tolles Gespräch mit Humor, Ehrlichkeit und Tiefgang. Es war schön, während dieses Gesprächs in ihr Leben einzutauchen. Als Elke Heidenreich gefragt wurde, ob sie Gedichte rezitieren könne, sprach sie zwei Gedichte, ein besonderer und inniger Moment.
Einer ihrer Sätze: „Wenn mein Buch ein bisschen die Angst vor dem Alter und dem Sterben nimmt, dann bin ich glücklich.“

Einer der vielen Stände bei meinem Gang durch die Hallen:

Ich erlebte viele gute Gespräche, Wiedersehen und neue Begegnungen. Und wie immer mag ich die internationale Atmosphäre hier.
Hier zwei meiner Lieblingsverlage, Katapult und Correctiv:

Der Literaturkritiker Denis Scheck erzählte zu seinem aktuellen Buch „Schecks Bestsellerbibel: Schätze und Schund aus 20 Jahren“. Amüsante Anekdoten tauchten während des Gesprächs auf:

Und ein Blick von der anderen Seite. Eine Buchmesse braucht auch das Publikum:

Gerd Scobel, ein wie ich finde großartiger Moderator, im Gespräch mit Barbara Vinken, Sandra Kegel und Katrin Schumacher, über aktuelle Literatur:

Vielfältiges Publikum ist hier überall zu finden, auch diese zwei lesefreudigen Schwestern erfreuten mich:

Bei der Veranstaltung „Das Literarische Quartett spezial – U 21“ debattierteThea Dorn mit drei jungen literaturbegeisterten Menschen über Bücher, die bewegt haben oder als wichtig empfunden werden. Ein wie ich finde klasse Format und wir erlebten eine tolle Diskussion:

Abends fand die Veranstaltung „Nexus – Mit Systemsturz in die Zukunft?“ mit Yuval Noah Harari („Nexus. Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz“) und Kohei Saito („Systemsturz. Der Sieg der Natur über den Kapitalismus“) statt. Zwei wichtige Bücher, denen ich viele Leserinnen und Leser wünsche.

Es ging um die Frage, was wir tun müssen für eine lebenswerte Zukunft auf unserer Erde.
Viele Menschen hörten dem Gespräch zu, ihr seht es, ein voll besetztes Kongresszentrum:

Saito machte in dem Gespräch deutlich, wie wir die Grenzen des natürlichen Planeten überzogen haben und wie wichtig es sei, das Wachstum zu verlangsamen und zu entschleunigen, um ein stabileres erfüllteres Leben führen zu können. Er meinte, dass es fatal sei, das wir den globalen Süden ausbeuten und das oftmals unter dem Deckmantel der grünen Nachhaltigkeit. Wir beachten, so Saito, zu wenig, dass unsere Ressourcen endlich seien. Er plädierte dafür, dass wir unser Gesellschaftssystem transformieren müssen.
Harari sprach: „Unsere Welt steht in Flammen, wir müssen schnell langsamer werden.“
Er machte deutlich, dass ein Mentalitätswandel bei uns Menschen notwendig sei.
Später kamen zwei Studentinnen von der Goethe Universität Frankfurt hinzu und stellten Fragen an Harari und Saito.
Saito betonte, dass es eine gute Möglichkeit sei, lokal zu starten und von unten nach oben auszuweiten.
Der Moderator meinte am Ende, trotz der dystopischen Gedanken gäbe der Abend und das Gespräch viel Hoffnung.
Harari schenkte daraufhin den Satz: “ Wir müssen nicht mit Dystopie oder Hoffnung enden, wir müssen einfach nur denken.“
Ich wünsche uns Menschen mit Harari und Saito, dass unserem Denken kluges notwendiges Handeln folgt.

Auf dem Weg zum Bus, der Frankfurt Pavillion auf dem Innenhof bei Nacht:

„Wenn man sich verlangsamt, hat man mehr Zeit, den Menschen zuzuhören“. Mit diesem schönen Satz, den Harari heute schenkte, grüße ich euch aus der Buchmessenstadt Frankfurt nach einem erfüllten Buchmessentag
Eure Marion

Eröffnung Frankfurter Buchmesse 2024

Mit viel Freude und großer Lust bin ich wieder auf der Frankfurter Buchmesse. Gerne werde ich einige Eindrücke von meinem Erleben mit euch teilen.

Während in den Hallen noch emsig aufgebaut wurde, fand die Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Buchmesse im schönen Frankfurt Pavillion auf der Agora, dem Innenhof, statt.
Auf dem Foto seht ihr Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Juergen Boos, den Direktor der Frankfurter Buchmesse, und die Autorin Elif Shafak, die alle drei sehr gute Reden hielten:

Elif Shafak sprach in ihrer beeindruckenden Rede davon, dass wir in einem Zeitalter der existierenden Angst leben und dass es eine bedeutsame Frage sei, wie wir weitermachen. „Das Schlimmste wäre es, wenn das Zeitalter der Angst zum Zeitalter der Apathie würde“. Sie betonte, dass die Literatur hierzu ein wichtiges Gegenmittel sei und dass es die Macht der Schriftstellerinnen und Schriftsteller sei, Schönheit, Solidarität, Partnerschaft und Liebe zu vermitteln. Es gab viel Beifall nach ihrer Rede. Juergen Boos, der eigentlich Fragen anschließen wollte, verzichtete diesmal darauf, um die Botschaft von Elif Shafak im Raum nachwirken zu lassen. Passend sagte er wenige Worte: „Ich bin sehr berührt, ich könnte weinen.“
Bereits nach dieser Pressekonferenz dachte ich, welch wichtige Botschaften hier geteilt werden, die die Themen der Zeit aufgreifen.

Nach dieser Pressekonferenz  ging es zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons, in dem der Presserundgang stattfand. Das diesjährige Gastland ist Italien und es trägt das Motto „Verwurzelt in der Zukunft.“.

Das Gastland erhält jährlich einen großen Raum auf dem Messegelände – den Ehrengast-Pavillon –, den es mit Ideen und Botschaften füllt und damit einen Eindruck von der Literatur- und Kulturlandschaft zeigt. Auf diese Ausstellungsfläche freue ich mich immer besonders, da sie von dem Gastland gestaltet wird und demnach jedes Jahr Neues schenkt.
Ich mag den Moment sehr, wenn ich zum ersten Mal diesen Raum betrete. So war es auch dieses Jahr wieder wunderbar, umgeben von sanften Klängen durch diesen Raum zu gehen und ihn wirken zu lassen.
Der Raum ist von den Merkmalen einer italienischen Piazza inspiriert. Ein mittiger Platz als Treffpunkt, Tische und Stühle, Säulen, angrenzende Räume und Gassen schenken im stimmungsvollen Licht eine wundervolle Atmosphäre:

Natürlich dürfen Bücher des Gastlandes nicht fehlen, denn Bücher ist schließlich das, was hier gefeiert wird:

Umrandet von italienischen Säulen:

Es war schön, hier zu verweilen:

Am späten Nachmittag fand die offizielle Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse statt. Viele gute Reden und faszinierende Musikbeiträge begleiteten diese Feier:

Eine der Rednerinnen, Claudia Roth:

Juergen Boos sagte während seiner Rede: „Es geht nicht darum, wer die Stimme am lautesten erhebt, sondern darum, einander zuzuhören. Es geht um Diskussionen und Gespräche, die in den Austausch und in die respektvolle Wahrnehmung der anderen Position führen.“

Die Schriftstellerin Susanna Tamaro (vielen sicherlich bekannt von dem Buch „Geh wohin dein Herz dich trägt“) schenkte in ihrer Rede viele schöne Sätze, so wie diese: „Aus der Stille werden Fragen geboren. Wer sind wir, wenn wir nicht mehr fragen?“:

Ebenso war der italienische Schrifststeller Carlo Rovello zu hören mit guten gesellschaftskritsichen Gedanken.
Deutlich wurde in sehr vielen Reden der Wert der Bücher für die Demokratie.

Karin Schmidt-Friderichs eröffnete schließlich mit dem „Glauben an die zivilisierende Kraft der Bücher“ und dem traditionellen Hammerschlag diese 76. Frankfurter Buchmesse:

Hier seht ihr meinen Platz im einladenden Pressezentrum, von dem aus ich diese Zeilen schreibe:

Ein schöner Schreibort ist das Pressezentrum:

So grüßt euch aus Frankfurt mit viel Buchliebe
Eure Marion


Buchhandlung Manulit

Heute etwas außerhalb der Reihe.
Kennt ihr das, wenn ihr eine neue Buchhandlung betretet und diesen wunderbaren Glücksmoment verspürt? Ja, ihr kennt es bestimmt.
So ging es mir, als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal in der Kölner Buchhandlung Manulit war. Was ein Wohlfühlort, der mir mehrmals ein leises „Hach, ist das schön!“ entlockte.
Ich entdeckte nur gute Bücher, wahre Buchschätze, und liebevolle Kleinigkeiten zwischen den Büchern oder auf den Regalen. Dazu eine einladende Kaffeebar. Ein sehr inspirierender Ort, der die Schönheit der Bücher zeigt, das alles in einem wundervollen Rahmen.
Manulit ist Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreises 2024, der am Wochenende verliehen wurde, und hat unter der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ diesen schönen Preis entgegengenommen. Da freue ich mich sehr mit.
Hier ein paar Eindrücke meines Besuchs:

Leipziger Buchmesse – Sonntag

Einen weiteren inspirierenden und glücksbringenden Buchmessentag konnten wir heute erleben.

Hier lernten die Zuhörenden Neues. Oder wusstet ihr, dass die durchschnittliche Paarung bei Singvögeln 0,2 Sekunden dauert?  Viel Interessantes im Buch von Ernst Paul Dörfler „Das Liebesleben der Vögel“:

In der Buchbar gab es immer wieder Gespräche mit Autorinnen und Autoren sowie Kaffee und andere Gaumenfreuden:

Am DuMont Stand stellte eine Verlagsmitarbeiterin Buchhändlerinnen Neuerscheinungen vor:

Gilda Sahebi zu ihrem Buch „Wie wir uns Rassismus beibringen“:

Miriam Zeh im Gespräch mit Martin Becker „Die Arbeiter“ und Marlen Hobrach „Klasssismus. 100 Seiten“:

Gute Frage in einer der Hallen:

Zwei der vielen Manga-Comic-Fans:

Der schöne Kaffeespezialitäten-Wagen:

CORRECTIV erzählt von ihren journalistischen Erfahrungen und ihrem Dabeisein beim „Geheimtreffen“. Ihnen und ihrer mutigen Recherche ist zu verdanken, dass so viele Menschen gegen die AfD und für Demokratie auf die Straße gehen.
Bei dieser Veranstaltung gab es viel Polizeischutz. Ich finde es unsagbar wichtig, was sie aufgedeckt haben und dass es diesen unabhängigen Journalismus gibt:

Diese Veranstaltung wurde sehr gut besucht, lange Schlangen bis auf den  Gängen. Der eine freie Platz war nur kurz frei, da ich das Foto machte:

Berührend schön war auch der Buchmessenchor:

Viele buchliebende Menschen in der Glashalle:

Damit ging eine wunderbare Buchmesse zu Ende. Mehr als einmal dachte ich, Buchmessen machen diese Welt zu einem besseren Ort. Ich bin dankbar, dass die Themen der Welt hier in kluger Art und Weise diskutiert werden, Menschen zusammenfinden, Dialoge stattfinden, wir einander Geschichten erzählen.

Es grüßt euch mit vielen Eindrücken in sich, eure Marion

Und ja, lasst uns das machen:

29. Dezember – Findesatz-Gedicht

Wonach riechen Bücher?
Nach Neugierde und Abenteuer
Nach Meer und Aufregung
Manchmal nach Stille
Nach Vielfalt und Sandelholz
Nach Morgenlicht und Sternenhimmel
Manchmal nach Sehnsucht
Nach verborgenen Träumen und Lindenblüten
Nach Geheimnis und Flüstern
Manchmal nach dem
wonach wir suchten
ohne es zu wissen